Unter Bezugnahme auf die obigen Mitteilungen richten wir an die hiernach zur Einreichung von Einkommensteuererklärungen verpflichteten Bewohner unserer Bezirke hiermit die Aufforderung, ihre Erklärungen bis zu den angegebenen Terminen an die betreffenden Bürgermeistereien oder direkt an uns gelangen zu lassen.
Tie bei den Bürgermeistereien einlaufenden Steuererklärungen werden, und zwar insoweit verschlossen, uneröffnet an die Vorsitzenden der betreffenden Veranlagungskommissionen abgegeben werden.
Tas Formular zu den Steuererklärungen, welchem ein Auszug aus dem Gesetz und eine bezügliche nähere Anweisung beigefügt ist, hat der Steuerpflichtige von der Bürgermeisterei des Wohnortes zu beziehen.
Nach Art. 48 des Einkommensteuergesetzes sind auch die Steuerpflichtigen, deren Einkommen welliger als 2600 Mk. beträgt, zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, sobald eine besondere Aufforderung des Vorsitzenden der Veranlagungskommission an sie ergeht. *
Gießen, Grünberg, Hungen, Nidda, den 31. Juli 1901.
Die Großherzoglichen Steuerkommissariate: Dr. Metzler. Wenzel. Frenz. Korf mann.
Bekanntmachung.
Betr.: Feldbereintgung in der Gemarkung Daubriugen; hier Drainageanlagen im II. Feld.
In der Zeit vom 15. l. M. bis einschließlich 21. I. M. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeistere Daubringen 3 Pläne über die im II. Felde noch auszu- führeuden Drainagen zur Einsicht der Beteiligten offen.
Einwendungen hiergegen find bei Meiduug des Ausschlusses innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist bei Großh. Bürgermeisterei Daubringen schriftlich eirrzu- reichen.
Friesdberg, den 9. August 1901.
Der Großh. Feldbereinigungskommissär: Sandmann.
Die Beisetzung der Kaiserin Friedrich.
Wildpark, 13. August.
Ter Bahnhof ist mit Guirlanden geschmückt, von denen Jlorschleier herabhängen. In den umflorten Kandelabern brennen Flammen. Nur wenige Passagiere kommen mit den Morgenzügen an, sofort den Bahnhof verlassend, der abgesperrt ist. Zwischen 8 und 9 Uhr läuten die Glocken sämtlicher Kirchen Potsdams. Gegen 9 Uhr besetzt die Schloßgarde die Station Wildpark. Darauf bringt ein Zug eine Anzahl höherer Offiziere sowie das Pagenkorps. Prachtvolle Kranzspenden werden aus dem Zuge gebracht. Kurz darauf treffen Schwadronen des 2. Leibhusaren-Regi- ments, des Regiments Garde du Korps und des Leib- gardehüsaren-Regiments ein; ferner Kompagnien des ersten Garde-Regiments zu Fuß u. a., schwenken zum Teil in den Park von Sanssouci ein, zum Teil nehmen sie auf der Landstraße vorläufig Aufstellung. Von 10 Uhr ab versammeln sich in der Kaiserhalle der Station, welche mit Blattpflanzen, Guirlanden und Draperien aus schwarzem Flor reich dekoriert istz, die in Berlin und Potsdam ansässigen Mitglieder der kaiserlichen Familie, die Fürstlichkeiten sowie die gestern und heute zur Beisetzungsfeierlich- keit eingetroffenen fürstlichen Gäste. Es versammeln sich ferner die Hofchargen, die Generalität, die Herren und, Damen der Umgebung, das Gefolge, Reichskanzler Graf Bülow, die Staatsminister und Spitzen der Behörden. Von dem neuen Palais her fährt der achtspännige, königliche Leichenwagen vor. Stallbedienstete führen die Pferde, das Baldachin tragen tzwölf Unteroffiziere, die Zipfel des Leichentuches und die Kordons des Baldachins halten jüngere Offiziere. Tie Damen der Trauerversammlung sind in tiefster Hoftrauer, das Gesicht verhüllt von einem dichten, schwarzen Schleier. Tie goldenen und silbernen Stickereien, Schärpen, Portepees, Helmzier und Kokarden an den Uniformen der Herren sind mit Flor umhüllt. Gegen 10.15 Uhr beginnt die Auffahrt der Fürstlichkeiten. Der Kaiser trifft mit dem König t) o Tt En gland ein. Unmittelbar darauf die Kaiserin mit der Königin von England. Um 10.30 Uhr kommt der Sonderzug mit der Leiche der Kaiserin Friedrich von Cronberg in der Station an und hält vorder Kaiserhalle. Zwanzig Unteroffiziere vom zweiten Leib- Husaren-Regiment heben unter Vorantritt von Kammerherren, unter Begleitung von Stabsoffizieren und Hauptleuten den Sarg> aus dem Wagen und tragen ihn zum Leichenwagen. Tie anwesenden Truppen präsentieren. Die zur Begleitung des Leichenwagens befohlenen höher: Würdenträger übernehmen ihre Funktionen. Dumpf dröhnen die Trommelwirbel von den am Parke von Sanssouci ausgestellten Truppen herüber. Die Musik fällt mit einem Trauermarsch ein. Der feierliche Leichenzug, welcher sich inzwischen geordnet hat, setzt sich unter dem Läuten aller Glocken _ in Bewegung, vorüber am Neuen Palais durch die große Allee von Sanssouci nach dem Mausoleum bei der Friedenskirche. Tie nicht im Zuge befindlichen Truppen der Garnison bilden auf diesem Wege Spalier. Tie Kaiserin und die Königin von England, sowie die übrigen fürstlichen Damen fahren in Equipagen zum Mausoleum.
Im Parkevon Sanssouci war nur eine sehr kleine Anzahl Herren und Damen zugelassen, welche in Trauerkleidern in der Nähe des Marlygartens Aufstellung genommen hatten. Hier stand eine Abordnung des zweiten Leib-Husaren-RegimentÄmit detfStandarte. In das'Glocken geläute der Potsdamer Stadtkirche und in den vom Neuen Palais herüberschallenden Kanonendonner mischten sich die Klänge der Trauermärsche. Die Spitze des Zuges wurde unter den alten Bäumen sichtbar, Generalmajor v. Moltke, der Kommandeur der Trauerparade voran, dann der Paukenschläger des Regiments der Gardes du Korps, die Trompeter und eine Eskadron des Regiments in ihren schwarzen Kürassen. Es folgte eine Eskadron des zweiten Leib-Husaren-Regiments in schwarzen Attilas mit dem Totenkopfe auf den Lanzenfahnen. Nach den Klängen der gedämpften Trommeln zieht ein kombiniertes Bataillon des ersten Garde-Regiments zu Fuß langsamen Schrittes vor- über. Die Musik des Lehr-Jnfanterie-Bataillons folgt. Jetzt präsentieren die _ spalierbildenden Truppen, ihre Kapellen setzen in gedämpftem Ton mit dem alten preußischen Prä- scntiermarsch ein, und zwischen dem wandelnden Spalier der Schloßgarde-Kompagnie eröffnet die Geistlichkeit beider Konfessionen in ihren Talaren den eigentlichen Trauerzug, hinter ihnen die Pagen, die Leibärzte der Kaiserin Friedrich, die Kammerjunker, die Kammerherrn.' die Offizierkorps und Mannschafts-Abordnungen sämtlicher Leib-Regimenter der Kaiserin Friedrich. Es folgen dann die Generalität von Berlin und Potsdam. Generaladjutant v. Mischke trägt die
auswärtigen Ordensinsignien, General der Kavallerie Edler von der Planitz bte Insignien des Luisenordens und des Verdienstordens für Frauen, hinter ihnen die bekannten Gestalten des Generalobersten v. Loe und des Generalfeld- marschalls Grafen v. Walderfee. Jener trägt auf einem Kissen den Stern und die Kette des Schwarzen Adlerordens, dieser die Krone der verblichenen Kaiserin. Ihnen folgen die Hofchargen, die Vize-Oberhofchargen und die Oberhofchargen. Nach einem größeren Abstand schreiten unmittelbar vor dem Leichenwagen die beiden Leibpagen und Dienst der Kaiserin Friedrich einher. Kammerherr von Wedel, Oberhoftneister Graf v. Seckendorfs und Hofmarschall Freiherr v. Reischach folgen.
In einem Spalier von Stabsoffizieren und Hauptleuten erscheint nunmehr der königliche Leichenwagen. Hoch ragt der Sarg empor, geschmückt mit der goldenen Krone und bedeckt mit dem Standartentuch. Tie Zipfel des Leichentuchs tragen die Generale v. Werder, v. Hänisch, v. Seeckt und Graf v. Schlieffen. Tie Kordons tragen General-Intendant Graf Hochberg, Oberstallmeister Graf Wedel, Oberjäger- tnelfter Graf v. d. Asseburg und Oberjägermeister Freiherr v. Heintze. Dicht hinter dem Leichenwagen schreiten die obersten Hofchargen, Obersttruchseß Fürst v. Radolin, Oberstmundschenk Herzog zu Trachenberg, Obersrjägermeister Fürst v. Pleß und Oberstskämmerer Gras Solms-Baruth. Unmittelbar nach ihnen der Kaiser und der K öni g v o n En g- land, beide in der Uniform des Garde-Tragoner-Regi- ments des letzteren und der Kronprinz, die königlichen Prinzen und die anwesenden höchsten Leidtragenden. Tas diplomatische Korps, Reichskanzler Graf Bülow, die Generalfeldmarschälle, die Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Generalität, die Staatsminister, die Präsidien der parlamentarischen Körperschaften, die Staatssekretäre, die Spitzen der Regierungsbehörden und die Stadtvertretungen von Berlin und Potsdam. Eine Eskadron des Leib-Gardehusaren- Regiments schließt den Zug, der sich durch den Marly- tzarten nach dem Mausoleum zu bewegt.
Vor der Friedenskirche langte der Zug gegen 11.45 Uhr an. Tie Trauerparade schwenkte zur Seite; die Geistlichkeit, die Pagen, Kammerherren j und Generale nahmen dem Atrium der Friedenskirche gegenüber Aufteilung. Unter Führung des Kammerherrn der Kaiserin Baron von dem Knesebeck hatten sich im geschlossenen Vierspänner die Kaiserin und die Königin von England owie in weiteren Equipagen die anwesenden Prinzessinnen >es Königlichen Hauses und die anderen fürstlichen Damen, erner die Damen der Gefolge, die Oberhofmeisterin der Kaiserin Friedrich, Herzogin zu Trachenberg, die Hofdamen und Kammerfrauen nach dem Mausoleum begeben, um den Zug dort zu erwarten. Der Sarg wurde von dem Leichenwagen gehoben und in die Kirche getragen. Beim Ueber- chreiten der Schwelle erklang ein Choral, vom Berliner 2omchor intoniert. Das Kaiserpaar, der Kronprinz, die Prinzen und Prinzessinnen und die anderen Herrschaften folgten dem Sarge in das Mausoleum. Als der Choralverklungen war, sprach Prediger Persius kurze Gebetworte. Er gedachte des Kaisers, dem es^vergönnt gewesen sei, aus der Ferne an das Sterbelager zu eilen und die eure Mutter "hort noch lebend anzutreffen. Er gedachte erner der Entschlafenen, die ein Vorbild gewesen sei als reue Gattin, Mutter, Großmutter, Schwester und Ver- vandte. Er gedachte ihrer Fürsorge für Kunst und Wissen- chaft, für die Bildung des weiblichen Geschlechts, ihrer warmherzigen Liebe für Arme, Verlassene, Kranke und Verwaiste. Er schloß mit einem Vaterunser und dem Segen des Herrn. Abermals setzte der Dvmchor ein; dann verließen nach einem sfillen Gebet das Kaiserpaar und die Fürstlichkeiten dns Mausoleum und begaben sich im Wagen nach dein Neuen Palais zurück. Der Zug löste sich auf. Tie Kaiserin Friedrich hatte ihre letzte Ruhestätte gefunden.
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In Kiel hatten am Dienstag aus Anlaß der Beisetzung sämtliche Kriegsschiffe auf allen Toppen Halbrnast geflaggt. Am Vormittag fand an Bord jedes Schiffes Trauergottesdienst statt. — In Paris fand in der deut- chen protestantischen Kirche eine Trauerfeier statt. Präsident Loubet war durch den Oberstleutnant Meaux Saint Marx vertreten. Tas Ministerium, die deutsche und die englische Botschaft sowie das ganze diplomatische Korps nahmen an der Feier in dem würdig ausgestatteten Gottes- Hause teil. Tie Trauerrede hielt Pfarrer Anthes. — In einem Artikel über die Kaiserin Friedrich gedenkt der pariser „Temps" der Thätrgkeit der Entschlafenen auf dem Gebiete der Künste, der Wohlthätigkeitsanstalten und der Frauenerziehung und fügt hinzu, diese hervorragende Frau läßt mehr als ein Andenken zurück; vieles von dem, was ie geschaffen, überlebt sie.
Weitere Berichte über Trauerfeierlichkeiten liegen vor aus Badenweiler, wo der Großherzog und die Großherzogin von Baden weilen, aus Konstantinopel, Bukarest, Sofia, .Haag, Rom, London, Edinburgh, Gibraltar, Petersburg rc.
Anläßlich der Beisetzung der Kaiserin Friedrich feuerten in Portsmouth 4 englische Kriegsschiffe 60 Schuß ab, ebenso die Festung. In L o n d o n feuerte zwischen 1 und 2 Uhr im St. James-Parke die Königliche Artillerie ebenfalls 60 Kanonenschüsse ab.
Der Zug in die „Wetterau".
Man schreibt uns:
Die sozialen Verhältnisse der Dreschmaschinenarbeiter auf den Höfen in der Wetterau bedürfen einmal der näheren Beleuchtung, denn sie sind derart, daß kein Volksfreund deren weiteren Bestand wünschen könnte. Tabei handelt es sich um gut monarchisch gesinnte Leute.
Tie großen Gutshöfe lassen fast ihre sämtliche Frucht von Treschmaschinenbesitzern dreschen, die zum größten Teil in oder in der Nähe von Frankfurt wohnen un;i> das Dreschen als ein Gewerbe treiben. Sie besitzen eine oder mehrere Maschinen, die von Gutshof zu Gutshof gefahren werden, um dort ihre Arbeit zu verrichten. Zu jeder Maschine gehören als ständige Bedienung acht Mann, von denen einer der Heizer ist und eine den anderen übergeordnete Stellung einnimmt; diese letzteren sind landwirtschaftliche Arbeiter. Der Vogelsberg stellt mit seiner meist armen und anspruchslosen Bevölkerung das Arbeitspersonal. Sobald die Dreschmaschine ihre Thätigkeit beginnt — es ist Mitte Juli — sieht man Scharen kräftiger Menschen meist jüngeren und mittleren Afters „hinaus zur Maschine in die Wetterau" ziehen. Die Arbeiter stehen im Dienst bei dem Besitzer der Dreschmaschine, von dem sie auch entlohnt werden, während die Kost ihnen von den Gutshöfen gestellt wird. Der höhere Lohn zieht allsommerlich viele Leute von ihrem heimatlichen Dorse weg, in dem infolge dessen Mangel an ländlichen Arbeitskräften entsteht, und es gelingt dem genügsamen Gebirgsbewohner an Weihnachten, „wenn das Dreschen fertig ist", ein schön Stück Geld mit nach Hause zu bringen, wenn er nicht
schon vorher seine Familie hat subventionieren müffetf. Es muß anerkannt werden, daß schon mancher junge Mensch durch seine Arbeit an der Dreschmaschine der: Grund zum Erwerb eines Häuschens und Aeckerchens gelegt hat. Aber unter welch schweren Opfern ist das erreicht worden!
Tie Maschine „pfeift" morgens früh um 5 Uhr, auf einigen Gutshöfen sogar schon um 4 Uhr. Außer dem Heizer, der eine halbe Stunde früher anzutreten hat, ist das das Zeichen, daß jeder sich an seinen Platz eilen muß; kurze Zeit darauf hört man das dumpfe Sausen der Maschine, die schon in vollem Gange ist. Tie acht Arbeiter, die zur ftänbigen Bedienung gehören, ergänzt der Gutsherr burch männliche und weibliche Arbeiter aus seinem Personal. Um 8 Uhr abends, seltener um 7 Uhr, ist Feierabend. Tie Arbeit wird durch eine einstündige Mittags- und je eine halbstündige Frühstücks- und Vesperpause unterbrochen. Tie tägliche Arbeitszeit ist demgemäß dreizehnstündig. Und was für eine! Wer einmal eine Dreschmaschine in ihrer vollen Thätigkeit gesehen hat, kann sich einen Begriff davon machen. Es ist eine beständige, körperlich^ ungemein anstrengende Thätigkeit in dem größten Schmutz und Staub. Zuführung frischer Lust ist völlig unmöglich. Dreizehn Stunden lang atmet die Lunge unreine, mit Staubatomen aller Art durch und durch vermischte Luft ein. Wer es nicht gewöhnt ist, vermag nicht lange sich in allernächster Nähe des Treschwagens aufzuhalten. Zum Schlafzimmer dient im Sommer die Scheune, sobald die Nächte etwas kühler geworden, und der Vieh- stall mit seinen dem menschlichen Empfinden auch gerade nicht angenehmen Ausdünstungen. Zwei aufeinander gelegte Garben Stroh und eine Decke bilden das Bett. E i n Kleid er wechsel ist nur am Sonntag möglich. Nach Feierabend sucht jeder sein selbst zureclst gemachtes Lager schnell und gern auf, denn er ist müde und muß am andern Morgen wieder auf seinem Posten sein. Wer aber nun glaubt, dem Arbeiter bleibe ein freier Sonntag, der irrt sich. Am Sonntagvormittag wird die Maschine gereinigt, ein Geschäft, das sich meist noch bis »in die ersten Stunden des Nachmittags erstreckt. Dies ist der Laus der Woche von Mitte Juli bis Weihnachten, volle ünfeinhalb Monate. Die Arbeitsdauer auf den einzelnen Höfen ist verschieden und schwankt nach der Größe des Gutes zwischen drei und fünf Wochen. Ist ein Hof aus- gedroschen, geht dasselbe Spiel auf einem anderen von neuem los. Ter Lohn beträgt die Woche 14 Mk. an Geld, der Heizer bekommt etwas mehr, und freie Kost, die vom Gutsherrn gestellt wird. Die Speisen, insbesondere ihre Zubereitung, lassen oft zu wünschen übrig. So giebt es hin und wieder jeden Tag Fleisch, dieses wird aber nur einmal, seltener zweimal für die ganze Woche gekocht und stets kalt aufgetragen.
Es treten hier Schäden zutage, die nicht länger verborgen bleiben können. Was nützt ein etwas höherer Lohn, als der ist, den die Heimat bieten kann, roenn dabei Leib und Seele zu Grunde zu gehen drohen! Es sind meist jüngere Kräfte, die die „Wetterau" aufsuchen, nur diese können die anstrengende Arbeit ertragen, so lange eines gesunden und ruhigen Schlafes, der notwendigen Erholung bei solchen fortgesetzten Strapazen entbehren. Die wenigen Stunden am Sonntag Spätnachmittag und Abend reichen gerade hin zu einer gründlichen körperlichen Reinigung, zur Besorgung der Wäsche und zur Reparatur der Kleidung, bestenfalls auch noch zu einem kurzen Gruße nach Hause, wozu ein geeignetes Plätzchen oft schwer zu erlangen ist.
Kann der Staat zusehen, wie seine gesündesten Söhne körperlich ruinieren, die Kirche, daß dieselben geistig ersterben? Tie Gemeinden müssen die frühzeitig Erwerbsbeschränkten unterstützen, während diese ihre besten Kräfte nach auswärts verkauft haben. In seiner Fürsorge hat das Reich durch die Bäckereiverordnung manche Uebelstände be- eitigt, durch den obligatorischen Neunuhrladenschluß den Angestellten im .Handelsgewerbe die nötige Ruhe und Erholung versckwfft. Wann kommt man nun diesen Aerrnften zu 'Hilfe? Tas Geringste, das zu fordern ist, wären kürzere Arbeitszeit, öftere Pausen, Reinigen der Maschine am Samstagnachmittag, Bett in einem gesunden Raume, hinreichende, schmackhaft zubereitete Kost. Das Reich müßte hier einschreiten; die Arbeiter gehören dem Großherzogtum Hessen an, während die Arbeitsstätten meist im Königreich Preußen liegen. G. S.
Kolonialpost.
In der Umgegend von Tsingtau find vom deutschen Gouvernement 6 Dörfer aufgekauft worden und sollen in der nächsten Zeit abgebrochen werden. Um der Arbeiterbe- oölkerung genügende Unterkunft zu gewähren, hatte der Gouverneur angeordnet, daß in Taitungtscheu weiteres Land angewiesen wird, und ferner, daß in der Nähe von Hsiauniwa Land für Errichtung von Wohngebäuden nach Art derer in Taitungtscheu auSgelegt wird. „Vom 1. Juli an wird da« Landamt in der Lage fein, Jedem, der Häuser bauen will, Land zu verpachten."
Aus Stadt und Land.
Nachrichte« von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemesse« honoriert.
** Auszeichnung. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Allmenrod Listmann IDE. verliehen.
** „Angeblich zweierlei Maß." In Nr. 187 unsere« Blattes vom 11. d. M. hatten wir die Ansicht vertreten, die hiesige Polizeiverwaltung beliebe zurzeit nicht ganz unparteiisch vorzugehen. Bei näherer Prüfung des uns zu Gebote tehenden Materials müssen wir jedoch zugeben, daß uns bei Abgabe dieses Urteils ein bedauerlicher Irrtum unterlaufen ist. Wir stehen daher nicht an, unsere frühere Behauptung zu widerrufen.
** Wissenschaftlicher FortbildungSkursuS für Volksfchullehrer. Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel wird am 28. September, nachmittags von 2 bis 6 Uhr, in der großen Aula der Universität zwei Ergänzungsvorträge halten über „Personennamen" und über „Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit".
(-) Kleinlinden, 13. Aug. Vorigen Mittwoch verschied per nach nahezu halbjährigem schwerem Leiden der in weiten kreisen durch seinen Unternehmungsgeist bekannte Weißbindermeister, Bauunternehmer und Gastwirt Johannes Häuser. Häuser hat durch zahlreiche prächtige Neubauten viel zur Verschönerung unseres Dorfes beigetragen. Auch in Gießen besitzt er mehrere Gebäude und eine Anzahl Bauplätze.
B. Bad-Nauheim, 12. Aug. Auf der Kaifergrube bei Forsthaus Winterstein wird seit etwas über einem Jahre miedet nach Bleierzen gegraben, nachdem der Betrieb mehrere Jahre eingestellt war. Gegenwärtig wird au« der Richtung


