Ausgabe 
15.1.1901 Erstes Blatt
 
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mit Herrn v. Miquel. Nach seinen Erfahrungen nt der Gründerzeit und bei der Tiskontogesellschaft ist dieser ja in der Thal berufen, den ehrlichen Makler zu spielen. (Heiterkeit.' Ter Redner schlägt folgende Resolution, vor:Der Reichstag luolle beschließen: eine Kommission zu wählen zur Erforschung der politischen und finan­ziellen Beziehungen, die das Re ich samt des Innern mit dem Zentralverband d e r I n d u st r i e l l e n oder anderen Interessengruppen unterhalten hat, iinb darüber dem Reichstage Bericht zu erstatten". Es liegt uns fern, den Grafen Posadowsky von seinem Platz zu bringen; je länger er an seinem Platze bleibt, desto lieber ist es uns, desto mehr liegt cs im Interesse unserer Sache. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Staatssekretär Graf Posadowsky: Ich werde an dieser Stelle stehen, so lange ich das Vertrauen meines Monarchen besitze, so lange ich es politisch für zulässig halte, und so lange meine körperliche und geistige Wider­standsfähigkeit gegen solche Angriffe ausreicht. (Beifal! rechts.) Mich zur Sache selbst zu äußern, habe ich nicht die geringste Veranlassung. Ich habe die volle Verantwort­lichkeit übernommen für das, was in meinem Amte ge­schieht. Wer die Vorlagen der Regierung hier vertritt, darüber zu entscheiden ist nicht Sache des öauscs, sondern Sache der verbündeten Regierungen. Ter Vorredner ist eingegangen auf eine Mitteilung, die der Generalsekretär des Zentralverbandes deutscher Industrieller gemacht hat in Bezug auf Vorgänge beim Abschluß des russischen Han­delsvertrags. Ich kann dem Herrn versichern, daß mir diese Thatsachen vollkommen fremd waren, daß ich mich

bemüht habe, ihre Richtigkeit zu ermitteln, und daß mir das nicht gelungen ist. (Hört, hört! rechts.) Ter Redner wendet sich gegen den Vorwurf der Arbeiterfeindlichkeit und hält daran fest, daß er die Reform des Kranken-Ver- sicherungsgesetzes wünsche. Bezüglich der Denkschrift zum Zuchthausgesetz macht er geltend, daß das Material von den verbündeten Regierungen geliefert war. Tie Veröffent- lichung sollte nur zur Beruhigung der aufgeregten Arbeiter gegenüber den sozialdemokratischen Uebertreibungcn dienen. Tag das Gesetz sich auch gegen die Arbeitgeber richtete, insofern sie einen ungesetzlichen Einfluß ausüben könnten, hat derVorwärts" im Jul. 1900 zugegeben in einer Bemerkung, die sich an die Vorgänge in Hamburg an- knüpfte. Es hieß in jener Nummer:Hätten die Sozial­demokraten nrtbt gegen die Zuchthausvorlage gestimmt, so würden die Mitglieder des Hamburger Arbeitgeber-Ver­bandes in das Zuchthaus koiknnen!" (Zuruf bei den Sozial­demokraten: Das war Ironie!) Der Einfluß des Zentral­verbandes auf den wirtschaftlich e n A u s s ch u ß be- schränkte sich darauf, daß auf dessen Verlangen die Körper­schaft von der Reichsregierung und unter deren Leitung statt aus eigener Initiative von Landwirtschaft, Handel und Industr ie gebildet wurde. Redner bestreitet weiterhin, daß er das Koalitionsrecht der Arbeiter für einen Nonsens erklärt habe. Wenn jemals, was Gott verhüten wolle, an dieser Stelle ein Mann stände, der das Lob und die Billigung des Vorredners hat, so würde es nicht nur um die Existenz der bürgerlichen Parteien, sondern auch des Deutschen Reiches^ geschehen sein. (Lachen bei den So­zialdemokraten^ und Sie würden das Gefühl der Befriedig­ung haben, daß Sie am Ziel Ihrer Wünsche angelangt sind. (Lachen bei den Sozialdemokraten. Beifall rechts.)

Abg. R o e s i ck e - Dessau (wild): Wenn auch der Reichs­kanzler die 12 000 Mark-Affaire als einen Mißgriff be­zeichnet hat, so geht der Abg. Fischer doch zu weit, wenn er von einem System spricht. Von einem solchen kann keine Rede sein. Gewiß übt der Zentralverband auf das Reichs­amt des Innern und den Staatssekretär sehr großen Ein­fluß aus, und- ich bin überzeugt, daß Letzterer zuweilen diesen Einfluß zu bedauern Veranlassung hat, aber das liegt in der wirtschaftlichen Bedeutung dieser Organisation der Industriellen und ihres Einflusses nicht blos auf die Mitglieder der Reichsregierung, sondern auf viel höhere Stellen Die ganze Flottenagitation auf solche materiellen Interessen zurückzuführen, ist ungerecht; der Flotten­gedanke war im deutschen Volke lebendig. Und die Pro­fessoren, die für die Flotte eingetreten sind, als be­zahlte Agitatoren zu bezeichnen, ist der Gipfel der Ungerechtigkeit. (Unruhe bei den Sozialdemokraten. Abg Fischer: Hab^ ich nicht gesagt.) Ter Redner stimmt in Bezug auf seine sozialpolitischen Forderungen den neulichen Ausführungen Bassermanns zu, wendet sich dann insbesondere gegen die polizeilichen Verhinderungen des Streikpostenstehens, und fordert das Vereinsrecht für die Frauen. Abg. Tr. Oertel - Sachsen (kons.): lieber die unglückselige 12000 Mark-Geschichte ist nunmehr so viel geredet worden, daß wir eigentlich damit verschont werden sollten. (Zustimmung rechts.! Diese Wiederholung wirkt tätlich. Da aber die Herren jedenfalls keinen Selbst- mord begehen wollen, so müssen sie einen anderen Be­weggrund haben. Sie sollten aber erwägen, daß die­jenigen Parteien und Personen, welche ihnen in der Be­urteilung dieser Angelegenheit ursprünglich etwas nahe­standen, durch die fortgesetzten Angriffe immer weiter von ihnen abrücken, so daß sie bald die Wahrheit des seinerzeit im Reichstag gebrauchten Zitats an sich erfahren können: Doch schon in des Weges Mitte verließen die Begleiter mich. Wollen die Sperren die Stellung des Staatssekretärs unmög­lich machen? Ich komme fast auf den Gedanken, daß die Herren jm Gegenteil beabsichtigen, die Stellung des ^taatsseketärs zu stärken. (Heiterkeit.) Für sie ist es ja auch der verhältnismäßig beste Mensch. (Heiterkeit.) Tr. Vertel fordert eine Ersetzung der alten Bäckerei-Ver- U burefi eine andere, die zwischen Groß- und

Klein betrieben differenziert, und die Maximalarbeitszeit ersetzt. Auch wir wünschen eine gemäßigte, ruhig vorschreitende Sozialpolitik, die aber Mleich bre Mitt^ren und Heineren Betriebe möglichst schont. ^Verfall rechts.)

Abg. Tr. W i e m e r (frei). Berga - wendet sich gegen Bmntradmguna der freien Silf«taffen nnd verlangt die Wahrung be? Koalitionsrechts der Arbeiter auch namentlich in Bezug auf das Streikpos enstehen. Andern­falls gebe man nur den Sozialdemokraten Waffen in bie Hand. Weiterhin warnt er im Interesse der arbeitenden Bevölkerung entschieden vor einer die Lebensrnittel mehr belastenden Zollpolitik. Tie Regierung thäte gut, das Wort Napoleons I.: Alle Revolutionen kommen aus dem Magen, zu berücksichtigen. Aber ich fürchte, daß die verkehrte Wirt sckiaftspolitik der Regierung, die bet Sozialdemokratie allem Wasser auf die Mühlen gießt, auch im neuen Jahrhundert sich nicht änbern wirb. Beifall links.

Abg. Wurm (Sckz.) verbreitet sich über die Mißachtung der Arbeiterorganisationen von oben herab unter Hinweis auf Erlasse in Preußen und Sachsen, nicht mit den Arbeiter­ausschüssen in Verbindung zu treten, bemängelt die un­zulänglichen Hserichtsstrafen bei Verstößen der Unternehmer gegen die Gewerbeordnung, die durch die Gewerbeaufsicht Komödie werde, und tritt schließlich für baldige Schaffung eines Reichsarbeitsamtes ein.

Nach einer Erwiderung des sächsischen Bevollmächtigten Tr. Fischer wird die Weiterberatung auf MoytaF 1 Uhr vertagt.

Politische Tagesschau.

Nach dem schon erwähnten, dem Bundesrat zugegangenen Gesetzentwurf sollen die Teilnehmer an der ostafiatischen Ex­

pedition Land- und Seetruppen in gleicher Weife und ihre Hinterbliebenen nach den für die Schutztruppen geltenden Bestimmungen versorgt werden. Darüber hinaus sollen noch jährliche Zuschüsse an die Hinterbliebenen gegeben werden, und zwar sollen jährlich erhalten:

die Witwe eines Generals (Admirals)........ 600 Mk.

n o Stabsoffiziers...........400

u Hauptmanns (Kapitänleutnants), Eubaltern-

osfiziers oder Deckosfiziers...........300

die Witwe eines Feldwebels oder eines Unterarztes .... 426 nun Sergeanten oder eines Unteroffiziers ... 348

* n Gemeinen............270

jedes vaterlose Kind eines Offiziers oder DeckoffizierS ... 60

jedes elternlose , ... 75

jedes vaterlose Kind eines Soldaten vom Feldwebel abwärts . 42

jedes elternlose Kind eineS solchen Soldaten......60

der Vater oder Großvater und die Mutter oder Großmutter

eines Offiziers oder Deckoffiziers je........300

der Vater oder Großvater und die Mutter oder Großmutter

eines Soldaten vom Feldwebel abwärts je.....124

Die Hinterbliebenen von Beamten -sollen entsprechend versorgt werden. Das ganze Gesetz soll rückwirkende Kraft erhalten.

zuuehmen, welche den Verkehrsinteressen der Stadt Mainz so äußerst schädlich ist. Der Vorsteher des chemischen Untersuchungsamtes für die Provinz Rheinhessen, Professor Dr. Mayrhofer hier, wurde vom Bund srat als Mitglied des ReichSgesundheitSamls auf die Dauer von 5 Jahren gewählt.

Mainz, 12. Jan. Bei Erdarbeiten zur Kupferbergschen Kellerei, wurde unter der jetzigen Kästrichstraße, wo sich früher das Mainzer LegionSlaaer befand, ein Münzfund gemacht, der interessant ist. Die Münzen waren zu einem Klumpen znsammenoxidiert und wurden von Herrn Kupfer­berg dem städtischen Museum zum Geschenk gemacht. Das AuSeinanderlösen der mit einer halten Oxydschichte zusammen­gebackenen Münzen, das in dem Museum vorgenommen wurde, war eine mühselige und harte Arbeit, doch gelang es, sämtliche Münzen es waren 38 Denare (altrömische Silbermünzen) auseinanderzulösen. Prof. Körber, der Vorsitzende dcs Vereins zur Forschung der rheinischen Ge­schichte und Altertümer, hat sämtliche Münzen, bis auf eine derselben fcftgestellt. Dabei zeigte sich die für unsere Gegend merkwürdige Thatsache, daß sämtliche Münzen bis auf zwei derselben, die vom römischen Kaiser Tiberius Claudius Nero (1437 n. Chr) herrührten, der vorchristlichen Zeit an­gehörten. Die älteste der Münzen ist ein Dioskuren-Denar aus der Zeit von 217 Jahren vor Christi Geburt. Dem­nach erstrecken sich die Münzen über einen Zeitraum von über zwei Jahrhunderten, doch glaubt man, daß sie nicht viel später als im Jahre 15 n. Chr. in die Erde gekom­men seien.

Weilburg, 12. Jan. Seit zwei Tagen waren die Läden an der Wohnung der Briefträgerswitwe Fischer verschlossen. Nach gewaltsamer Oeffnung fand man die Frau und ihren zwanzigjährigen Sohn infolge Aus strömens von Gas leblos in den Betten. Wiederbelebungsversuche hatten nur bei dem jungen Manne Erfolg.

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Mdnte im Gouvern« Tage führte fit ihre nommentn Personen » Polizei war tritt mchtl Militär konnte erst m gefangen nehmen. Die Mehrere hundert Zeugen nach dem lknegSrecht g daiern.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 14. Januar 1901.

-o- Versetzungen. Es wurden versetzt: die GerichtS- affefforen Hans ult, bisher HilssgerichtSschreiber am Land gericht zu Gießen, als stellvertretender Amtsanwalt nach Ulrichstein, Döll vom Landgericht in Gießen als Amts­anwalt nach Alsfeld, Groß, bisher Amtsanwalt in Alsfeld, als stellvertretender Amtsrichter nach Fürth i. O., Löh le in n Gießen als Regierungsassessor an das Kreisamt in Heppenheim.

Auszeichnung. Dem Großh. Hess. Geh. Kommerzien­rat Röm Held zu Mainz ist der König!, preuß. Kronen- Orden 3. Kl. verliehen worden.

* Die Handelskammern zu Gießen, Harburg, Biele- eld, Hanau und Thorn, die Aeltesten der Kaufmannschaft zu Elbing, die Vorsteher der Kaufmannschaft zu Settin und daS Vorsteheramt der Kaufmannschaft zu Tilsit haben an den Reichstag die Bitte gerichtet, dem Anträge der Abgg. Gras v. Kanitz und Genossen wegen Abänderung des § 6 deS Zoll tansgesetzkS die Zustimmung zu versagen.

** Bezirks-Lehrer-Tnrnverein. Vom Lehrer Bach in Großen Linden war an die Lehrer des amtlichen Konferenz- bezirkS Gießen eine Einladung auf Samstag Nachmittag nach dem Restaurant Feidel hier zu einer Versammlung er aangen. Es wurde ein Vortrag über denHessischen Lehrer Turnverein- gehalten. Nach längerer Diskussion gründete ich ein Bezirks-Turnverein, der zum Vorsitzenden Lehrer Bach in Großen Linden und zum Schriftführer und Kassierer Lehrer Zöller in Watzenborn wählte. Zehn Herren haben ihren Beitritt sogleich erklärt, weitere Mitglieder stehen in Aussicht. So ist die Anregung vom letzten Turnkursus bei uns auf fruchtbaren Boden gefallen, und es ist anzunehmen, daß der neue Bezirks-Lehrer Turnverein, einer der ersten, wohl ersprießlich wirken wird.

* Die Brutto- und Netto-Einnahme des Großherzog tums Hessen an ReichSfteuern im Rechnungsjahre 1899/1900 beziffert sich auf: Zölle: Bruttoeinnahme: 10,328,083.50 Mk., zur Großh. Staatskaffe: 41,602 60 Mk., Tabaksteuer 417,677 10 Mk. refp. 15 096.83 Mk., Zucket steuer 1,404.262.40 Mk. refp. 50,155.45 Mk., Salzsteuer 1,079,127.50 Mk. refp. 12,969.02 Mk., Branntweinsteuer, Verbrauchs Abgabe von Branntwein und Brennsteuer 1,184,931 30 Mk. refp. 151,001.37 Mk., Brausteuer 1,385,510.90 Mk. refp. 208,603.80 Mk, Stempelabgabe von Spielkarten 184,064 50 Mk. refp. 9250 Mk., andere Reichsstempelabgaben 127,735.55 Mk. refp. 2554 71 Mk., zusammen 16,111,392.75 Mk. refp. 491,233 78 Mk.

Mainz, 12. Jan. Ein junger Mainzer, der vor einigen Jahren als Chemiker in Wiesbaden angestellt war, ließ sich aus Abenteuerlust auf die Dauer von 5 Jahren für die Fremdenlegion in Algier anwerben. Er zeichnete sich durch seine Tapferkeit aus und brachte es zu einer höheren Charge. Als die Wirren in China ausbrachen, wurde er mit seinem Truppenteil dorthin verschifft und nahm an der Erstürmung von Taku teil. zlich wurde er, da seine fünfjährige Dienstzeit beendet war, aus der Fremdenlegion entlaßen und kehrte nach Deutschland zurück. Am Mitt­woch traf er hier bei feinen erfreuten Elter« ein. Als er am nächsten Morgen sich auf dem Militärburean anmeldete, wurde er sofort als HeereSunsicherer eingezogen und einem Infanterie Regiment zugeteilt. Er muß nun zwei Jahre als gemeiner Soldat dienen, obwohl er die Ernjährigen- Berechtigung besaß.

Mainz, 12. Jan. In dem soeben erschienenen Jahres b ribt des ^Verein Mainzer Kaufleute- wird bezüglich der Trajektverbindung Mäinz-Kastel u. A. folgendes mngeteilt:Sollte sich die Firma Disch nicht gutwillig zu iner Ermäßigung des Fahrpreises für den Trajektverkehr herb-ilaffen (der Fahrpreis wurde bekanntlich von 6 auf 10 Pfg. erhöht) so soll demnächst diese Angelegenheit im Landtage zur Sprache gebracht werden und die Großh. Re gie'ung ersucht werden, bei der demnüchstigen Wiederver Pachtung des Trajekts keine Vertragsbestimmung mehr auf

Vermischtes.

* Könitz, 13. Jan. Dieser Tage trafen der Vater und bie Schwester des ermordeten E r n st W i n t e r auf telegraphisches Ersuchen des Ersten Staatsanwalts hin hier ein. Sie rekognoszierten auf das bestimmteste das Jackett und die Weste'sowie das Stück des Taschenbuches als ihrem Sohne bezw. Bruder gehörig. An der Identität der auf­gefundenen Kleidungsstücke und der übrigen Gegenstände dürfte nicht mehr der geringste Zweifel obwalten, zumal Professor Tr. Passenfuß die Schriftzüge der auf dem auf* gefundenen Zettel enthaltenen phnsikalischen Notizen als von der Hand Ernst Winters herrührend erkannt hat. Die Spiel­leute des Regiments Nr. 14, die während des Vormittags an derselben Stelle geübt hatten, hatten zu jener Zeit nichts Auffälliges bemerkt; erst als sie nachmittags wieder an jener Stelle (Lichtung) im Wäldchen erschienen, fanden sie die Sachen vor. Tas Jackett und die Weste lagen frei und offen am Fuße einer Tanne, während das abgerissene Stück des Taschentuches mit dem Monogramm E. W. offenbar osten­tativ an einem Aste des Baumes hing. Tie Kleid­ungsstücke sind offenbar am Hellen lichten Tage zwischen 12 und 2 Uhr an die Fundstelle von Mitwissern des Mordes hingebracht worden. Tie Soldaten meinten,die Sachen eien so frisch gewesen, als ob sie eben eingelegt worden wären." Es fanden sowohl in dem von dem Synagogen­diecker Nossek bewohnten Lewinskyschen Hause als auch bei einem Mauerpolier S. Haussuchungen statt; sie haben nicht das mindeste zu Tage gefördert, was auf die Mörder bezw. die Verschlepper der Winterfchen Sachen schließen lassen könnte. Auch die vielen Personen, die hierüber eingehend vernommen worden sind, wußten keine Anhaltspunkte zu geben. Es weilt hier der König!. Kriminalkommissarius von Kracht aus Berlin, der mit der eigentlichen Leitung der weiteren Ermittelungen betraut ist. Tie hiesige Bevölkerung ist empört über das ostentative und provozierende Auftreten der Mordbuben und ihrer Helfershelfer. Heute nach­mittag wurden im Logengarten mitten in der Stadt die Beinkleider Winters gefunden.

* In der »Thür. Montags-Ztg." lesen wir folgendes Lehrlingsgesuch-:Ich suche für meine Korbmacherei und Gärtnerei sofort oder später einen Lehrburschen mit be­sonders guter Schulbildung. Logis und Kost im Hause. Letztere sehr gut, auch reichlich. Beispielsweise erhält der Bursche bei Festlichkeiten, wenn er fleißig, willig und geschickt ist, vom Gänsebraten das Hauptstück (Kopf ohne Hals, aber mit Schnabel), wie ich in meiner Lehrzeit! Christian Spät. Deutscher Reichs-Korbmacher und Landwirt, Weimar, Brerner- ftraße 15.

* Mailand, 13. Jan. Ter MörderKönigHnm- berts, der gegenwärtig noch hier im Zellengefängnis weilt, wird dieser Tage in das Bagno von Portolongone übergeführt werden. Tie Reise dorthin wird er während der Nacht an Händen und Füßen gefesselt, antreten. Sein neuer Aufenthaltsort erhebt sich auf einem steilen Felsen, der ins Meer vorspringt, und erweckt den Eindruck einer Grabstätte. In seinen langen Mauern sind die Zellen für die Einzelhaft eingebaut, die 2 einviertel Meter breit, 4 Meter lang und 3 Meter hoch sind. Ein winziges Fenster öffnet sich von unten nach oben. Tie Zelle ist durch eine chwere, eisenbeschlagene Thüre, und durch ein Eisengitter verschlossen. Eine enge Galerie läuft außen an den Zellen­mauern entlang, von wo aus die beständig im Dienst wechselnden Wächter die Gefangenen durch Gucklöcher be­obachten. Tie dort gefangen Sitzenden sind aus der Zahl der Lebenden so gut wie gestrichen. In Portolongone ist auch der Anarchist Acciarito, der früher einen Mordversuch auf König Humbert unternommen hatte. Er ist heute bereits halbtoll, ein Schicksal, das jeden der dort Inhaftier­ten ereilt, es sei denn, daß der Tob ihn frühzeitig von aller Pein erlöst. .

* Fiume, 13. Jan. Hier ist ein vollständiger Witterungsumschlag eingetreten. In Abbazia herrscht FiuhlingSwetter bei 28° C. in der Sonne.

* Budapest, 13. Jan. Der dcs Kassenraubes be­schuldigte Ulanen Oberleutnant Diossy hat sich freiwillig der Militärbehörde gestellt.

* Belgrad, 12. Jan. Der Pfarrer Minitsch ist ver­haftet worden, weil er den Kreispräfekten Protitsch aul

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verblau, 13.Jan. ( Soenütae M Inn Rrh Verso« brt UntiToHtjiti JUjitntnt Kurfürst' ungtn, ooi^illtewtbilg« £ Untergebener zu vemtwo t ü:i au5 ihtngn Borges.tz« idafltn übel jus-hte, die li auf stiae Fisgui gaben, rnnanitm* - wie er sich Mitteln: Er ließ die |u $ «j ihm gerade pche, In. Ihm Püjse und Ohrfeh »ob ihm wegen falscher ^al metallenen tzübelscheil Wmplch wurde wtgtn tim krivpe gebunden und tni deria arg unler dm Mi warde doch wtltiu! im |

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