Dor dem neuen Rational-Mufeum fand heute mittag die Grundsteinlegung zu einem Denkmal des Prinz-Regenten statt. Anwesend waren dre Prinzen Arnulf und Ludwig Ferdinand, die vom Prinzregenten ate Vertreter entsandt waren. Bürgermeister von Borscht hielt die Festrede, die mit einem dreifachen Hoch auf den Prinz-Regenten schloß. Prinz Arnulf betonte in seinen Tunkesworten, daß zwar heute der Grundstein zu dem Denkmal gelegt werde, aber der Regent in seinem schlichten Sinne wünsche, daß es bei seinen Lebzeiten nicht ausgeführt werde. Es folgten dann die üblichen Hammerschläge. Chorgesang leitete die würdige Feier ein und schloß sie.
Nürnberg, 12. März. Heute vormittag fand in Anwesenheit des Prinzen Rupprecht und der Spitzen der Behörden die Enthüllung eines Reit er st and bilde s des Prinz-Regenten auf dem Bahnhofplatze statt. Bürgermeister Dr. v. Schuh hielt die Weiherede.
Engländer und Buren.
Eine Depesche Lord Kitcheners aus Pretoria vom 12. ds. meldet: De Wet befindet sich nördlich von Brandfort. Fortwährende Regengüsse hemmten die Bewegungen der englischen Truppen. Gorringe, De Lisle, Grenfell und Henuiker verfolgen in der Kapkolonie zwei Abteilungen Buren. In Dewetsdorp haben die Buren seit fast zwei Monaten Vorräte aus der fruchtbaren Gegend an der Grenze des Basutolandes angesammelt. In Wepener soll eine Art von Burenregierung bestehen. Aus Burenkreisen hört man. De Wet zweifle nicht, durch die von Bloemfontein über Thabanchu nach Ladybrand gespannte englische Linie schlüpfen zu können, sobald er bereit sei, nordwärts zu ziehen, ummitBothasichzubesprechen. In Bloemfontein versichern die Buren, nach einer schwer glaublick^n Meldung des „Daily Telegraph", De Wet habe in letzter Zeit bei der Landbevölkerung an Ansehen eingebüßt. Die Entrüstung über die Fortsetzung des Krieges sei im Zu- nehmen; zum ersten Male vernehme man Ausdrücke des Verdrusses und Hasses gegen ihn. Es sei bekanyt, daß D e W e t wie Botha die Hoffnungslosigkeit eines weiteren Kampfes einräumen. (?) Botha beharre nur noch auf Zusicherung derStraflosigkeitfürdieKap- Rebellen und würde unter dieser Bedingung sofort die Waffen nieder legen. Etwa tausend Mann von De Wets früherer Schar überschritten den Modderfluß und wandten sich nordwärts auf Kroonstad. General Ly ttelton bereitet in Bloemfontein seine Kolonnen zu neuem schnellen Stoß vor.
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Telegramme des Gießener Anzeigers.
Bloemfontein, 12. März. In den letzten Tagen find hier eine große Anzahl im Süden gefangen genommenes Duren, sowie viel ebenfalls im Süden erbeutetes Vieh eingetroffen. — Plumers Truppen brachten 28 Gefangene hierher. Heute kamen wieder 150 Gefangene an.
Kapstadt, 12. März. (Reutermeldung.) Heute sind 12 neue P e st f ä l l e vorgekommen. Unter den Erkrankten befinden sich drei Europäer, davon ist einer gestorben.
Deutsches Reich.
Berlin, 12. März. Der heutige Bericht über das Befinden des Kaisers lautet: Im Verlaufe der Wundheilung keine Störung; weitere Abnahme der Schwellung. — Der Kaiser hörte gestern nachmittag den Vortrag des Reichskanzlers und heute bormittig den des Chefs des Militärkabinetts, Generaladjutanten, Generals der Infanterie von Hahnke.
— Der Präsident des Herrenhauses Fürst zu Wied erhielt gestern von dem Kaiser folgendes vom 11. ds. datierte Schreiben:
Ich spreche Ihnen Meinen wärmsten Dank für Ihre Teilnahme aus, welche Sie mir im Namen des Herrenhauses anläßlich des schmerzlichen Vorfalles in Bremen tn dem Schreiben vom 7. März zum Ausdruck gebracht haben. Gott sei Tank, bin Ich von größerem Unglück gnädig bewährt worden.
— Nach der „Berl. Montagsztg." soll der preußische Kultusminister Dr. Studt amtsmüde geworben sein.
— Die Budget-Kommission des Reichstages be- vket heute die noch ausstehenden Titel des Mats für bas Reichsamt des Innern. Gestrichen wurde die Forderung von 42 000Mark zur Errichtung zweier Flaggenmasten am N^ationaldenkmal auf dem Niederwald. (Eine von Vertretern aller Parteien unterstützte Resolution, die Unterstützung von 30 000 Mark für die Herausgabe von Veröffentlichungen auf dem Gebiete des Erzieh u n gs- unb Schulwesens auf 50000 Mark im nächsten Etat zu erhöhen, fand die Zustimmung des Staatssekretärs Grafen Posadowsky.
München, 12. März. Generaladjutant, General der Infanterie z. D. Parseval ist gestorben.
Ausland.
Haag, 12. März. Die zweite Kammer nahm in ihrer heutigen Sitzung einen Zusatzantrag zum HeereSgesetz entwurf an, wonach die erste Dienstzeit in der Infanterie auf höchstens 8*/3 und in der Kavallerie auf 18 Monate festgesetzt wird. Wie das „Reuter'schc Bureau- erfährt, wird infolge dessen der Kriegs Minister seine Entlassung einreichen.
Paris, 13. März. Die Feindseligkeiten zwischen französischen Truppen und dem Beraberstamm in Süd- algerien führten zu einem schweren Zusammenstoß. Zwei französische Offiziere und 21 Soldaten wurden getötet. Die Beraber flüchteten mit Hinterlassung einer Menge Gefallener. Das Dorf Lakasba de Charruau, wo der Kampf stattfand, unterwarf sich.
Madrid, 12. März. In Ripol in der Provinz Gerona kam eS gestern zu einem ernsten Zusammenstoß zwischen der Gendarmerie und Volkühaufcn, welche Arbeit und Brot verlangten. Einer der Manifestanten wurde getötet, drei andere wurden verwundet.
Rom, 12. März. Der Papst empfing dieser Tage die Kronprinzessin von Schweden und Norwegen, die von ihrem Sohne, dem Prinzen Gustav Adolf, begleitet war. Der Papste schenkte dem jungen Urenkel Wilhelms I. eine Medaille mit seinem Bildnis.
Schwurgericht.
t— Gießen, 13. März. (Schwurgericht.) Zur Verhandlung steht heute die Strafsache gegen den Georg Schwabe aus Cöpenick wegen To b schla gs v e r such. T-er Gerichtshof ist. folgendermaßen besetzt: Vorsitzender Landgerichtsrat Dr' Schäfer, Beisitzer Lanbgerichtsräte Sandmann und Tornseiff, Vertreter der Staatsanwalt- chaft Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich, Gerichtsschreiber Gerichtsassessor Deibel, Verteidiger Rechtsanwalt Mendelsohn, die Geschworenenbank wird gebildet von K. Hadermann II- Butzbach, W. Nos-Düdelsheim, Fr. Bender-Gießen, K. Schapp-Pohl-Göns, I. Brückel-Pohl-Göns, I. Wittich-Rendel, H. Reif-Dorheim, G. Koch I-Gießen, G. Breidenbach- Bad-Nauheim, W. Thaler-Stammheim, H. Georg III.-Rain- rod und I. Weil-Münzenberg. Ter 21jährige Angeklagte ist geständig, am 9. Januar 1901 abends in Nieder- Breidenbach auf die ledige Dienstmagd Elisabethe Peter von da, die seine Bekanntschaft war, und an deren Treue zu ihm er zweifeln zu müssen glaubte, aus einem Revolver drei Schüsse abgegeben zu haben, be- treitet aber, daß er hierbei die Absicht gehabt habe, >as Mädchen zu Löten, was er wiederholt im Laufe der Voruntersuchung zugegeben hat. M erklärt, er habe in großer Erregung gehandelt, er habe nicht nach dem Mädchen gezielt, sondern beim Schießen den Kopf abgewendet. Die Zeugen Kriminalschutzmann Pfeffer und Landgerichtsrat Prätorius bestätigen, daß die Angaben hin- ichtlich der Tötungsabsicht in den Protokollen der Voruntersuchung richtig sind, und der Angeklagte diese Aussagen gemacht hat. Der Präsident teilt mit, daß um 1 Uhr eine Mittagpause gemacht und bis dahin die Zeugenvernehmung beendigt werden soll. Da Zweifel an die Zurechnungsfähigkeit oes Angeklagten im Lause der Voruntersnchung entstanden sind, sind Medizinalrat Dr. Haberkorn und Professor Dr. Sommer als Sachverständige geladen. Die Plaidoyers werden aller Voraussicht nach erst heute nachmittag 'gehalten werden. Bei Schluß der Redaktion dauert die Zeugenvernehmung fort.
Aus Stadt und Sand.
Gießen, den 13. März 1901.
x Vortrag. Wir machen daraus aufmerksam, daß der Oberhessische Geschichtsverein am Donnerstagabend 81/, Uhr, im oberen Saale des Cafe Ebel seine letzte Winter- Sitzung veranstaltet und in ihr der Realgymnasiallehrer und Privatdozent an der Universität Dr. W. Horn einen Vortrag über „die Natur in Sprache und Glaube des Volkes« halten wird; Gäste sollen als Zuhörer, wie uns gemeldet wird, willkommen sein. Wir begrüßen diesen Vortrag als einen erfreulichen Beitrag zur hessischen Volkskunde, für deren Erforschung der Geschichtsverein vor einiger Zeit eine besondere Abteilung, die „Vereinigung für hes« fische Volkskunde«, geschaffen hat, und glauben in der Annahme, daß der Redner zahlreiche Zuhörer finden werde, nicht irre zu gehen.
* • Eingaben au die Zweite Kammer. Eine Vorstellung 'des Wagenwärters Ludwig Frey in Frankfurt betrifft die Regulierung seiner Pension. — Vorstellungen mehreren Ge« meindevorstände behandeln die Errichtung eines AmtS- gerichtsgebäudeS zu Oppenheim. — Die Abg. Ulrich und Genossen beantragen: Die Kammer wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, für sämtliche Gewerbeinspektionsbezirke, nach Anhörung der in die Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe berufenen Vertreter der Arbeiter, je einen Hilfsarbeiter und eine Hilfsarbeiterin aus den Reihen der gewerblichen Arbeiter und Arbeiterinnen anzustellen. — In einer Regierungsvorlage wird ausgeführt: Im Staatsbudget ist für den Dampfkesselinspektor ein Gehalt von 5100 Mk. (seit 1. Juli 1900 ist derselbe auf 5500 Mk. vorgerückt) vorgesehen. Seine GehaltSansprüche sind hiernach dieselben, wie die des ersten Assistenten, bei dem die Ablegung der Staatsprüfung eines Maschineningenieurs vorausgesetzt wird. Diese Gleichstellung im Gehalt entspricht nicht mehr den Anforderungen, die an )en Vorstand der Dampfkesselprüfung gestellt werden müffen. Es wird darauf hingewiesen, daß für den Wasserwerks. Direktor in Bad.Nauheim ein Höchstgehalt von 6000 Mk. neben freier Wohnung, Heizung und Beleuchtung vorgesehen ist und außerdem eine Vergütung von 500 Mk. für Leitung der Eisfabrik. Es wird daher eine nicht penfionsfähige Funktion- zulage im Betrag von 500 Mk. vorgeschlagen. — Abg. Schönfeld beantragt, daß aus dem Kredit von 150000 Mk. die Kosten des Geländeerwerbes zur Errichtung einer Irren- an st alt bei Grünberg bestritten werden möchten. Grün- rerg bemüht sich demnach ganz energisch, Gießen in dieser Beziehung den Rang abzulaufen, dürfte damit aber kaum iesondereS Glück haben.
♦ * Zn einer Petition an den Reichstag bitten der Schreiner Wilhelm Martin in Mainz und Genossen, an den Reichskanzler das Ersuchen zu richten, „alle friedlichen Mittel zur Beendigung des Burenkrieges anzuwenden.«
* * Prinzregenteu-Feier. Auch außerhalb der blau-weißen Grenzpfähle hat man in deutschen Bundesstaaten des 80. Ge burtStages des Prinzregenten Luitpold von Bayern mit Ehr> erbietung und Verehrung gedacht, vor allem wo Bayern leben und in edlem geistigem Wettbewerb mit anderen deutschen Brüdern stehen. Eine schöne Feier war auch hier in Gießen veranstaltet worden. Die Anregung dazu war vom Univ.- Professor Dr. Preuße ausgegangen, der zwar kein geborener Bayer ist, aber seine militärische Dienstzeit in Bayern zugebracht hat und mit besonderer Liebe seines längeren Aufenthalts auf bayerischem Boden gedenkt. Die an unserer Universität studierenden Bayern hatten^iese Anregung freudig aufgegriffen und alsbald Einladungen an die hier wohnenden Bayern, soweit sie sich als solche binnen kurzer Zeit ermitteln ließen, ergehen lassen, sowie auch an die Spitzen der hiesigen Behörden «. a. Es war feine große, aber recht animierte Ge sellschaft, die sich gestern abend im Saal des „Caf6 Ebel« rusammengesunden hatte. Erschienen waren u. a. Regiments tommanbeur Oberst v. Dewitz und die Univ.-Profefforen Dr. Bartholomae, Dr. Biermer und Dr. Preuße. Der
letztere begiüßte zunächst die Gäste, stuck. Günther brachte eindrucksvoll den Toast auf dcn P inzregenten aus, und stuck. Re hader toastete auf Kaiser und Großherzog. stuck Bayer erfreute die Anwesenden im Laufe des Abends durch verschiedene Sologesänge. Noch mancher andere Trinkspruch wurde ausgebracht, manches gute deutsche Lied gesungen. — Dieser oder jener Teilnehmer an dem schönen und in echter bayerischer Gemütlichkeit verlaufenen Abend erinnerte sich vielleicht des bekannten Wunsches des bayerischen Thronfolgers, Prinzen Ludwig, daß dec Rhein aus einem großen Schiffahrtswege sich mit der Donau verbinde. Geht dieser Wunsch in Erfüllung, dann haben wir ein neues schönes Band, das das Bayernland und den Rhein mit seinen Nebenströmen umschlingt. Auch wir wollen das Beste nach dieser Richtung hoffen.
** Protest Versammlung gegen die Getreidezollerhöhung. Wir stehen seit einiger Zeit im Zeichen der Protest-Versammlungen. In allen Gaue» unseres Vaterlandes regt es sich. Von Nord und Süd, Ost und West kommen Tag für Tag Nachrichten von politischen Versammlungen, deren Zweck es ist, gegen die bevorstehende Erhöhung der Getreidezölle zu protestieren. Auch unsere sonst von politisch lebhaft erregten Versammlungen nicht allzu sehr heimgesuchte Stadt Gießen schloß sich dem Vorgehen anderer Städte an, und so tagte am Dienstag auf Veranlassung des hiesigen freisinn igen Vereins eine recht stattliche Versammlung, die einen anregenden, äußerst lebendigen Verlauf nahm. Ter große Saal des Cafe Leib war gegen 9 Uhr bis auf den letzten Platz gefüllt. Erschienen waren Herren der verschiedensten Parteirichtungen. Der Vorsitzende des Freisinnigen Vereins, Justizrat Metz, eröffnete die Versammlung. Er legte die Ziele seiner Partei dar und erteilte dann dem Referent, Rechtsanwalt Dr. Jung das Wort. Mit nüchterner Klarheit führte der Redner alle Waffen der städtischen Bürgerschaft gegen die voraussichtliche Preissteigerung des Brotes ins F-eld. Bon öfteren lebhaften Bravos und sonstigen Beifallskundgebungen unterbrochen, verurteilte der Redner in einstündigem Vortrage das agrarische Vorgehen als eine in ganz einseitigem Interesse weniger schon bemittelter Landwirte geschehende Aktion zu Ungunsten der minder und nicht Bemittelten in Stadt und Land. Er schloß mit der Bitte, einmütig zusammenzustehen im Kampfe gegen die Erhöhung der Getreidezölle. Nach Dr. Jung betrat der sozialdemokratische Stadtverordnete Krumm das Podium. Dieser schlichte Mann aus dem Volke, in seinem bürgerlichen Berufe bekanntlich Trogen- und Farbwarenhändler, besitzt eine nicht gewöhnliche Rednergabe. Er hat das Talent der naiven Volksrede, er hat Witz, Geschmack und Takt genug, um auch bei politischen Gegnern nicht nur ernsthafte Beachtung, sondern auch Achtung sich zu verschaffen. Seine Redeweise ist gewandt und verfehlte auch gestern ihren Eindruck auf die Versammelten keineswegs. Herr Krumm ist ein wenig Spötter, aber ein in seiner Tonart zahmer Spötter, seine kleinen Sarkasmen thun niemandem wehe, erheitern vielmehr Feind und Freund. Ihm wurde später aus der Versammlung mit Recht das Lob gespendet, er hätte sich eines sehr gemäßigten Tones befleißigt; das sei ja allerdings nicht zu verwundern, nachdem die Sozialdemokratie in Hessen „hoffähig" geworden sei. Diesen „Witz" des Marburger Redakteurs und Vorsitzenden des hessischen nationalsozialen Verbandes, Erd^ mannsdörfer, mußte manchen der Teilnehmer an dem gestrigen Abend verstimmen. Taktvoll war diese Musterung ganzg ewiß nicht, umsoweniger, als sie aus dem Munde eines Nichthessen kam. Ueberhaupt war der Eindruck, den Herr Erdmannsdörfer gestern mit seinen Ausführungen erzielte, nach der wirkungsvollen Rede des Stadtv. Krumm recht lau, und es machte sich öfters.lebhafte Unruhe bemerkbar. Als erster Gegner der Protest-Kundgebung erwiderte Oekonomie- rat Schlenke. In vornehmer Ruhe, in der Weise bestimmter Sachlichkeit berichtete er verschiedene Punkte der Vorredner. Herr Schlenke, der von seinem Platze („rechts" im Saale) aus sprach, führte an Hand der Statistik den Standpunkt der Agrarier dar und bedauerte, daß, da die Versammlung zu so später Stunde einberufen worden sei, dieselbe von den Landwirten nicht stärker besucht wäre und 0 ein wirksamer Protest gegen den Protest nicht zu stände kommen könne. Handelskammersekretär Dr. Kehm wies in seiner Entgegnung auf sein „Eingesandt in unserem Blatte hin. Ihm schloß sich Herr Krumm an, dem wieder Herr Schlenke entgegentrat. Die Diskussion gestaltete sich äußerst lebhaft, bald herrschte Heiterkeit im Saale, bald durchhrauste ihn lautes Bravo. Durch Zwischenrufe aller Art wurde die Stimmung schließlich immer erregter, und der Vorsitzende war oft gezwungen, zur Schelle zu greifen und die Ruhe wiederherzustellen. Redakteur Erdmaunsdörffer machte noch einige „persönliche" Bemerkungen und Dr. Jung erhielt das Schlußwort, nochmals zum Kampfe gegen die Zollerhöhung, die nach seiner Meinung sicherlich einen Zollkrieg zur Folge haben würde, auffordernd. Alsdann wurde mit erdrückender Mehrheit die Tarmstädter Resolution angenommen, die wir in unserer Nr. 60 gelegentlich des Berichts über die Darmstädter gleiche Versammlung bereits wörtlich mitgeteilt haben. — Ein aus- ührlicher Bericht über den Verlauf der Versammlung folgt morgen.
Irrsinnig. In die hiesige psychiatrische Klinik wurde ein Fabrikarbeiter aus Kastel gebracht, der irrsinnig geworden ist, und sich einbildet, das Attentat auf den Kaiser ausgeführt zu haben.
•• Die erste LandeSversammlnng des Deutschen Flotten. Vereins im Großherzogtum Hessen« findet am 28. April in Gießen im Stein'schen Saalbau statt. Dem aufgestellten Programm zufolge wird an diesem Tage eine große Festlichkeit veranstaltet. Am Morgen werden die auswärtigen Gäste mit Matrosenmusik vom Bahnhof abgeholt, alsdann findet ein solenner Frühschoppen statt. Marine- und auch der Kriegerverein werden das Fest verschönern helfen. Nachmittags folgt ein Festzug durch die Stadt, darnach beginnt die Versammlung im Festlokal. Nach Darstellung eines lebenden Bildes „Huldigung des Kaisers und des Groß- herzogs«, wird Geheimrat Profeffor Dr. Oncken die Festrede halten.
-o- Langgöns, 12. März. Auf dem heutigen Markt waren ziemlich viele Schweine aufgetrieben. Der Handel ging flott.
-0- Kirchgöns, 12. März Wie in unsere Gemeinde be« fannf, verläßt der Lehrer Alles unfern Ort und kommt


