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13.12.1901 Erstes Blatt
 
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Nr. 893

Erstes Blatt

151. Jahrgang.

Freitag 13. Dezember 1901

«rsch-tn« ,a,ch wtt Ausnahme des Montags.

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Politische Tagesschau.

Die Bevölkerung deS Deutschen Reichs.

TaS kaiserliche Statistische Amt kann schon jetzt, knapp ein Jahr nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900, deren endgiltiges Ergebnis veröffentlichen, eine Arbeits­leistung, die nicht zu unterschätzen ist. Bon dem vorläusigen Ergebnis, das schon vor mehr als einem halben Jahre gemacht wurde, weicht das endgiltige Resultat nicht un­wesentlich ab. Die Bevölkerung ist jetzt um 22164 Einivohner großer als damals angenommen wurde. Eigentümlich ist, oajj von dieser Differenz nur rund 6000 Köpfe auf das männliche, dagegen 16 000 auf das weibliche Geschlecht ent­fallen. Wir stellen hier dievrtsanwesendeBevölker- ung der einzelnen deutschen Staaten in einer Tabelle zusammen, indem wir die Zahlen der beiden früheren Zählungen von 1896 und 1890 hinzufügen und den Prozentsatz der Zunahme in der letzten fünfjährigen Zählungsperiode feststellen.

Drtäanroefenbe am 1. Dezember Prozenten

Staat 1900 1895 1890

Preußen 34 472 509 31855 128 29 957 367 8m

Bayern 6176 057 5 818 544 5 594 982 6n4

Sachsen 4 202 216 3 787 688 3 502 684 104

Württemberg 2 169 480 2 081151 2 036 522 44

Baden 1867 944 1 725 464 1 657 867 8,

Elsaß-Lothringen 1719 470 1 648 986 1 608 506 4,

Hessen 1119 898 997 436 978 842 7aa

Hamburg 768 349 681 682 622 530 12,

Mecklenb.-Schwerin 607 770 597 436 578 342 lna

Braunschweig 464 383 434 218 403 773 6,B4

Oldenburg 899180 373 739 854 968 6rtl

Sachsen-Weimar 862 873 339 217 326 091 6W

Anhalt 816 085 298 298 271 963 7,

Sachsen-Meiningen 250 781 234 005 228 882 7^

Sachs.-Kob.-Gotha 229 550 216603 206 518 5^

Bremen 224 882 196 404 180153 14,M

Sachsen-Altenburg 194 914 180 818 170 864 8,10

Reuß jüng. Linie 189 210 132130 119 811 5,M

Lippe 138 952 184 854 128 405

Mecklenb.-Strelitz 102 602 101 540 97 978 lro6

Lübeck 96 775 88 324 76 485 16,u

Schwarzb.-Rudolst. 93 059 88 685 85 863 4,M

Sc-''mrzb.-Sondersh. 80 898 78 074 75 510 8m

R- ält. Linie 68 396 67 468 62 754 la8

Waldeck 57 918 57 766 57 281 0,

Schaumburg-Lippe 43182 41224 39163 4,

Deutsches Reich

56 367 178

52 279 901

49 428 470

7,8,

Hiernach hat sich durch die letzte Volkszählung die Reihenfolge der deutschen Staaten insoweit verschoben, als Reuß j. L- jetzt vor Lippe, und Lübeck vor Lchwarzburg- Rudolstadt steht. Die Bevölkerungszunahme gestaltete sich in den einzelnen Staaten sehr verschieden. Im ganzen Reiche betrug in der letzten Zählungsperiode 4087 277, während sie von 1890 bis 1895 nur 2 851431 betragen hatte. Die prozentuale Zunahme übertraf mit 7,82 v. H- alle früheren Zählungsperroden. Verhältnismäßig am stärksten war die Zunahme in Lübeck mit 16,14 v. H., dann folgen Bremen mit 14,50 und Hamburg mit 12,72 v. H. Von 1890 bis 1895 hatte nur ein Staat eine Zunahme um 10 v. H. überschritten, indem Reuß j. L- mit einer solchen von 10,28 v. H. an der Spitze stand, während dann erst Hamburg, Bremen und Lübeck folgten. Jetzt hat Reuß j. L. nur eine Zunahme von 5,36 v. H- gehabt, was eine Folge des Darniederliegens der für diesen Staat sehr wichttgen Texttlindustrie ist. Von den Königreichen hat Sachsen mit 10,94 v. H-, wie ge­wöhnlich, die größte, Württemberg mit 4,24 v. H. die geringste Zunahme. Von den übrigen Staaten übersteigen nur zwei (Baden und Sachsen-70tenburg) den Reilhsdnrcb- schnitt; Hessen kommt'ihm sehr nahe, mehrere andere zeigen eine sehr geringe Bevölkerungszunahme. In Meck­lenburg-Schwerin beträgt die Zunahme nur 1,73 (von 1890 zu 1895 3,21) v. H., in Mecklenburg-Strelitz sogar nur 1,05

(3,61) v. H. Auch Reuß ä. L., dessen Bevölkerung in der voraufgegangenen Zählungsperiode recht stark gestiegen war, zeigt nur eine sehr geringe Zunahme um 1, 38 v. H. Waldeck steht, wie gewöhnlich, untenan mit einer Zunahme um 0,26 v. H.

Die männllche Bevölkerung hat in der letzten Zeit stärker zugenommen als die weibliche, sodaß der Ueberschuß der weiblichen Personen über die männlichen im Änken ist. Es ist dies hauptsächlich eine Folge der Llbnahme der überseeischen Auswanderung. Es sind bei der letzten Zählung 27 737 247 (i. I. 1895 25 661 250) männliche und 28 629 931 (26 618651) weibliche Personen gezählt. Die Zahl der männ­lichen Personen hat sich hiernach um 2 075 997 oder 809 v. H., die der weiblichen um 2011280 oder 7,56 v. H. vermehrt. Es sind nur noch 892 084 Personen weiblichen Geschlechts mehr Vorhände:: gegen 957 401 im Jahre 1895. Die Zunahme der männlichen Personen war in allen größeren Städten erheblicher als die der weiblichen. Besonders groß war sie in Elsaß-Lothringen, wo das männliche Geschlecht um 5,67, das weibliche nur um 3,86 v. H. zugenommen hat, was hauptsächlich auf die starke Zunahme der aktiven Mili­tärpersonen zurückzuführen ist. Auffällig ist, daß in Reuß ä. L- die Zahl der männlichen Pe^onen um 315 gesunken ist, während die der weiblichen einen Zuwachs um 1243 Per­sonen zeigt. Der Mangel an Arbeitsgelegenheit dürste wohl diese Verschiebung verursacht haben.

Protefiversammlungen gegen den Zolltarif.

Aus Berlin, 11. Dezember wird uns geschrieben:

Die Protestversannnlungen von Jnteressentengruppen, die sich durch den neuen Zolltarif, insbesondere durchs die Erhöhung der Zölle auf Rohstoffe, bedroht sehen, nehmen ihren Anfang. Heute hat in Berlin eine Versamm­lung von gegen tausend Besitzern und Vertretern sämt­licher deutschen Brauereien stattgefunden. Der Beschluß der Versammlung richtet sich gegen die geplante Zoll- erhöhung auf Gerste, Malz und Hopfen. Die deutsche Land­wirtschaft sei gar nicht in der Lage, den Bedarf speziell an Braugerste zu decken; der böhmische Hopfen kann nicht entbehrt w^den. Wenn die Resolution die Hoffnung aus­drückt, daß der Reichstag den beantragten Zollerhöhungen seine Zustimmung versagen werde, so scheint uns diese Hoffnung auf schwachem Grunde zu stehen. Vielmehr dürfte die Forderung der Rechten und des Zentrums nach einer wetteren Steigerung der Zollsätze für Gerste und Hopfen zur Annahme gelangen. Was die Regierung hiergegen ein­zuwenden hat, und was sie durch den Mund des bayrischen Finanzminister Frhrn. v. Riedel im Reichstag ausführen ließ, das llang nicht unbedingt abweisend. Es war zwar eineWarnung" gegen die Bierverteuerung, aber kein kategorisches Nein. Einzig mit Bezug auf höhere Getreide­zölle, über die Sätze des Entwurfs hinaus, scheint die Parole im Bundesrat zu lauten: Unter keinen Umständen. Und auch da wird man gut thun, einVorläufig" hin- zuzufügen.

Die neuen Skandale in Neapel

ziehen mit erschreckender Schnelligkeit immer weitere Wetten und bekräftigen neuerdings das anfänglich als übertrieben bezeichnete Urteil, daß die herrliche Kapitale des italieni­schen Südens durch und durch infiziert ist vom Gifte der Eamorra. Während die ersten Telegramme nur vereinzelte Fälle von Fälschungen und wenige Verhaftungen avi­sierten, steigt die Zahl der wegen Desertion inhaftterten jungen Leute und ihrer Hintermänner schon jetzt an die Dreißig, und es wird die Zahl der bisher eruierten Fälle von betrügerischen Handlungen und Fälsch­ungen, sich dem Militärdienst zu entziebeu, auf fün fhundert angegeben. Wie schwer und ernst der Skandal von den Militärbehörden genommen wird, ergiebt sich aus der Thatsache, daß die Untersuchung ausgedehnt werden muß auf alle Aushebungen bis zurück zum Jahre

1870! Anonyme Briefe an den Kreiskommanbauten, Oberst Mondinv, gaben den ersten Anlaß zu genauen Beobacht­ungen, und es stellte sich heraus, daß der beim Kreiskom­mandanten Sekretärdienste thuende Fourier Luciani, dem sein Vorgesetzter blindlings verttaute, und ihn gar die Korrespondenzen von den hohen und höchsten Militär- stetten und von Privaten öffnen, lesen und beantworten lieh der Oberst fügte in der Regel, ohne die an ihn gerichteten Briefe gelesen zu haben, und ohne den Inhalt der Antwort zu prüfen, blos seine Unterschrift bei, gemeinsam mit dem Zahnarzt Eolaneri aus der betrüger­ischen Befreiung junger Leute, vornehmlich Studenten, Seminaristen, jungen Ehemännern, Geschäftsleuten usw. sich ein sehr lukratives Nebengeschäft machte. Luciani stand im Einvernehmen mit den Offizieren der Bureaus, während Eolaneri den Verkehr mit der ganzen Camorristenbande besorgte, die aus 4050 Personen bestand, worunter sich auch einige Deputierte und verschiedene, bereits durch die Untersuchung Saredo komprimittierte Stadträte und Pro­vinzialräte sein sollen. Da Luciani alle Briefe seines Obersten öffnete, erhielt er als Erster Kunde von der Aufdeckung des Betrugs und er konnte, gleich wie sein sauberer Bruder im Handwerk, Eolaneri, entfliehen, und zwar nach der Schweiz, wie verlautet.

Wie wurden nun die Betrügereien ausgeführt? Jedes Jahr wurde von der Aushebungskommission ein Verzeichnis der vermöalichen Leute angefertigt, und die Eamorristen- banbe, welche natürlich sofort ebenfalls im Besitz eines solchen Verzeichnisses war, setzte sich in unauffälliger Weise mit den Familien der Rekruten in Verbindung. Ost that eine hervorragende Persönlichkeit die ersten Schritte und sagte zu den Eltern:Sie würden gern viel bezahlen, um Ihren Sohn vorn Milttär frei zu bekommen, nicht wahr? Ich weiß, daß gewisse Leute sich mit diesem unsauberen Geschäft befassen, aber ich warne Sie, auf daß Sie nicht in deren Hände fallen." Darauf begaben sich einige andere von der Bande zu den betreffenben Familien, welche die vorgängige Warnung, ganz den Berechnungen unb dem Wunsche der Camorristen entsprecki-end, als fteundliche Ein­ladung deuteten, und bas Geschäft wurde abgeschlossen. War man über das Geschäft einig, so vernahm niemand von dem Verfahren und den Betrügereien; bicVer­mittler" erklärten blos, baß sie die gewünschte Befteiung verschaffen würden, indem sie den guten Glauben bet Obern täuschten, oder eine ärztliche Untersuchung insze­nieren würden. Dem Seminaristen Riccio, welcher eines körperlichen Gebrechens wegen dienstuntauglich erklärt wor­den war, wurde z. B. mitgeteilt, er sei tauglich befunden worden, könne sich aber mit ihrer Hilfe frei machen. Der erschrockene arme Teufel zahlte willig den geforderten Preis, unb heute sitzt er samt seinem Vater unb einigen dreißig anberen auf ber Festung dell'Ovo zu Neapel hinter Schloß unb Riegel. Zu anberen Stellungspflichtigen sagten die Spitzbuben:Ihr seid tauglich erklärt, ein glücklicher Zufall jedoch hat Euch bie Stelle eines Untauglichen zu- geteilt; wir aber wissen um bie Sache, und werben schweigen, wenn Ihr uns bezahlt." Den jungen Leuten, welche sich für ben Dienst als Einjährig-Aeiwillige mel- beten, ließen sie in einem scheinbar aus bem Kreisbureau fommenben Briefe mitteilen, baß ihr Gesuch abgewiesen sei. Hieraus erschien bann einer von ber Bande und verschaffte ihm für 1200 Lire bie Befreiung vom gewöhn­lichen Dienst. Die Spitzbuben ließen sich statt mit Geld, auch mit Wertsachen abfinden. So schenkte z. B. der ebenfalls verhaftete Muscetti ein goldenes Halsband mit Diamant- schmuck. Gerüchtweise verlautet, daß die ganze Kette der betrügerischen Handlungen ihren Anfang nahm, als vor Jahren einige höhere Offiziere sich des Luciani bedienten, um den Sohn eines einflußreichen Großen widerrechtlich vorn Dienst zu befreien. Von da an betrieb Luciani das einträgliche Geschäft auf eigene Rechnung. Er ging ge­wöhnlich sehr einfach zu Werke, indem er in bas Dienstbüch­lein der jungen, tauglich erklärten Männer, die für ihn

Historischer Verein für das CroßherMtm Hessen.

Darmstadt, 12. Dezember.

lieber Reisen unb Reiseverkehr zur Zeit Karls bes Großen und Ludwigsdes Frommen hielt in ber zweiten Monatsversammlung, wie wir bereits gestern kurz erwähnten, vor zahlreichen Mitgliebem Herr Professor Dr. Matthäi ben angefünbigten Vortrag. Tie Darmst. Ztg." berichtet barüber folgendes: Wie für gar viele kulturgeschichtliche Fragen, so ist auch für bas vom Vortragenben behanbelte Thema bie Translatio beatorum Christi martyrum Marcellini et Petri von der Hand Ein­hards eine außerordentlich wichtige Quelle, die ja für uns um deswillen ein erhöhtes Interesse hat, weil die darin geschilderten Vorgänge, die Ucberführung der Reliquien der Heiligen Petrus und Marcellinus, hauptsächlich im Oden­wald und am Main, in Michelstadt und Seligenstadt spielen. In der damaligen Zeit war das Sanb weit unb breit am Rhein von ungeheueren Waldungen bedeckt, in denen oft gejagt wurde; rechts vom Rhein lagen die Dreieich, der Odenwald und der Spessart, in deren Gebiet die Ansied- üngen sehr spärlich waren. Anders freilich wars an ben Ifern bcs Stromes selbst; da herrschte über den Trümmern Jer römischen Kultur ein reicheres Leben, und so werden chon in der damaligen Zeit von den 40 Dörfern des Kreises Oppenheim nicht weniger als 30 erwähnt. Städte gab es diesseits des Rheins so gut wie gar nicht, während gerade die alten Römerstädte am linken Ufer wieder aufzublühen begannen. Trotzdem wurde auch damals schon viel gereift; die germanische Wanderlust ist bekannt, unb zahlreiche Wall­fahrten, besonders nach Rom, führten alljährlich eine be­

deutende Zahl von Pilgern nicht nur aus Deutschland, son­dern auch aus dem Norden über die Alpen. Aber auch um­gekehrt kamen viele Italiener nach dem Frankenreich; so reifte der aus der Steinbacher Reliquiengeschichte bekannte Diaconus Deusdona in 5 Jahren nicht weniger als drei­mal nach Frankreich. Im heutigen Deutschland unb Frank­reich reiste man viel zu wunderthätigen Kirchen, unb gerade Wunderheilungen an derartigen Stätten geben Einhard ben Anlaß, solche Reisen zu erwähnen; aus Köln, Lüttich, aus dem Aargau, der Gegend von Sedan, aus Berry unb Sübfrankreich treffen wir Kranke in Seligenstadt, die ber Reliquien wegen gekommen waren. Seligenstabt war als Wallfahrtsort viel günstiger gelegen als das abgeschiedene Michelstadt, unb so entwickelte sich bort bald ein reger Ver­kehr; schon nach ein paar Jahren treffen wir bei einem Fest reisende Kaufleute vom Niederrhein, die zu Schiff gekommen waren. Besonders eingehend werden wir in der Translatio über die Reisen Einhards unb feiner Leute unterrichtet. Im Winter wohnte er in Aachen in seinem Haus unb reifte bann im Sommer, ba er als Laienabt Besitzer zahlreicher Güter unb Abteien war, viel umher. Die größere oder geringere Beschwerlichkeit bes Reisens hing bamals in erster Linie von ber Beschaffenheit ber Wege ab. Gelegentlich wurden bie alten Römerstraßen benutzt, bie besonders nach Frankreich und Italien führten; ab^r von der vortrefflichen Einrichtung der römischen Poft mit Beamten und regel­mäßigen Stationen hatte sich damals sehr wenig erhalten. Deshalb, da nirgends mit Sicherheit weder auf Ersatzpferbe noch auf Unterkunft zu rechnen war, mußten bie Boten unb höheren Beamten bes Königs überall aufgenommen werden. So wohnte auch Einharb oft in Privatquartier,

vorzugsweise natürlich in ben königlichen Hvfgütern, die über bas Lanb zerstreut waren. Frische Pferde scheinen nicht gestellt worben zu sein, benn Einharb reift stets mit seinen eigenen. Das einzige Beförderungsmittel ber da- maligen Zeit war, soweit wir sehen, das Reitpferd; ärmere Leute bedienten sich des Esels, wie dies sogar von Bettlern bezeugt wird. Selbst als kranker Mann reiste Einhard nicht im Wagen, sondern wartete lieber seine Genesung ab. Die zu Pferd täglich zurückgelegte Entfernung barf auf ungefähr 35 Kilometer im Durchschnitt berechnet werden, also eine recht mäßige Leistung, bie ihren Grund in den schlechten Wegen und in der Schwierigkeit der Flnßübergänge gehabt haben wird. War einer nicht im stände zu reiten, so wurde das Ziel oft, wenn auch mit großen Umwegen, zu Wasser erreicht; ks'o rechnet Einhard für die Reise zu Schiff von Gent nach Seligenstadt 50 Tage. Es ist zu verwundern, baß sich bei Einhard keine einzige Erwähnung ber Unsicherheit der Straßen findet, bie, wenigstens in späteren Zeiten des Mittelalters, herrschte; kein einziges Reiseabenteuer kommt in feinen Schriften vor; bies rührt wohl von ber hohen Stellung des Reisenden her unb verrät auch wohl noch die starke Hand Karls des Großen. Mit ber Unterkunft für gewöhnliche Reisende muß es nicht zum besten bestellt gewesen fein; die zahlreichen Pilger, die oftmals zusammen- trafen, haben wohl in den Kirchen kampiert; einzelne er­freuten sich auch wohl der Gastfreund schuft der Klöster. Wirtshäuser in unserem Sinn gab es sicherlich nur in ben größeren Stabten, unb wie sie in der ßr-7cr itberten Zeit ausgesehen haben, darüber schweigen bie _ ttlen.