in Preußen mit den übrigen Bundesstaaten in Verhandlung trete, damit die Vorbildung des Juristen überall möglichst die gleiche sei.
Besondere Schwierigkeiten erheischen die Regelungen über die Aneignungen der für die einzelnen Studien notwendigen speziellen Vorkenntnisse. Der Minister führt hier aus, daß drei Wege eingeschlagen worden seien. Auf den Universitäten könnten Vorkurse eingerichtet werden, was die Schulkonferenz empfohlen hat, oder es wären Ergänzungsprüfungen zu veranstalten, oder cd könnte auch jedem einzelnen überlassen bleiben, auf welche Weise er sich die für sein erwähltes Studium notwendigen Spezialkenntnisse erwirbt. Die kirchlichen Organe haben sich für die Theologen bereits für die zweite Möglichkeit ausgesprochen, von der der Minister aber für die philosophische Fakultät nichts wissen will. Ihm erscheint als der einfachste und beste Weg der dritte und er will es daher jedem Philosophiebeflissenen freigeben, wie dieser sich die Vorkenntnisse zu eigen macht, die für ihn notwendig find, um seinem Studium mit Erfolg obliegen zu können.
In dem zweiten Satze des kaiserlichen Erlasses wird aus der Gleichberechtigung der höheren Lehranstalten die Folgerung gezogen, daß jeder derselben dadurch die Möglichkeit gegeben sei, sich in ihrer Eigenart kräftiger zu entwickeln. Der Minister betont besonders, wenn der Fortschritt der Gym nafien in dem Maße, wie es in den letzten Jahrzehnten ge schehen ist, noch so weiter stattgefunden hätte, wäre der ganze Bestand der hnmanistischen Schulen dadurch gefährdet worden. Vermöge des „GymnafialmonopolS" sei es nicht zu vermeiden gewesen, daß immer mehr moderner unerläßlicher Bildungs- ftoff in den Gymnasien Eingang gefunden, um zu allen Studien -- das Gymnasialabiturium berechtigt ja zu allen — die nötige Vorbildung zu sichern. Nun aber soll das Gymnasium von realistischen Fächern — entlastet werden? Das ist nirgends ausgedrückt, weder in dem Erlasse des Kaisers, noch in der Rede des Ministers. Um baß Gymnasium in seiner humanistischen Gestalt zu stärken, sollen die Lateinstunden eine entsprechende Vermehrung erfahren. Dabei soll aber auch zugleich nach den Worten des Kaisers die Erdkunde nicht mehr als Stiefkind behandelt und sie sowohl wie auch der Zeichenunterricht nicht mehr im Nebenamt, sondern von Fachmännern unterrichtet werden, der Geschichtsunterricht hat eine Erweiterung und Vertiefung zu erfahren und die englische Sprache soll, wenigstens in den höheren Klassen, als obligatorischer Untcrrichtsgegenstand eingeführt werden. Wir haben den Schulerlaß des Kaisers seinerzeit ausführlich besprochen und zugleich auf diesen Widerspruch hingewiesen, der in der reineren Ausbildung der humanistischen Anstalten besteht mit gleichzeitiger schärferer Betonung und Heranziehung emiger Realsächer. Wir hatten auch nicht verfehlt, darauf aufmerksam zu machen, wie die nachfolgenden ministeriellen Entscheidungen die Reform in den Gymnasien wohl anpacken werden. Nun hat der Minister im preußischen Abgeordnetenhause eine lange Rede von prinzipieller Bedeutung gehalten, und wir sind bezüglich der Gymnasien aber auch um nichts klüger geworden. Immer noch starrt uns der Gegensatz: Entwickelung der Eigenart des Gymnasiums — Betonung gewisser Realfächer, entgegen und auch der Minister hat eine Lösung nicht gegeben. Das, was er über die Gymnasien sagt, ist die schwächste Stelle seiner sonst ganz vorzüglichen Rede. Er gleitet darüber hinweg, als wenn die Reform derselben eine bereits ausgemachte Sache sei, und als wolle er bei Kleinigkeiten, worüber eine Einigung noch nicht erzielt sei, sich nicht länger aufhalten, da er. zu wichtigeren übergehen mußte. So dünkt uns, daß das Problem des Gymnasiums immer mehr dem Problem von der Quadratur des Zirkels gleicht. Rühmend bezeugt der Minister, daß aus
nmA> kneissl
Die Gefangennahme Kneitzl's
über-
Das romantische Räuberleben dieses gefürchteten Menschen hat endlich sein Ende erreicht, nachdem die Gendarmerie das Haus, in dem er sich aufhielt, stürmte. Wir führen unseren Lesern daß interessante Moment aus dem Kneißl Feldzug im Bild vor. Seit Anfang Februar hielt sich Kneißl in einem Hause in dem eine halbe Stunde von Geisenhofen entfernten Dorfe Poschertshofen versteckt. Als er merkte, daß ihm die Gendarmerie auf der Spur war, siedelte er nach Geisenhofen über, wo er zwei Tage belauert wurde. Am nächsten Vormittag 9 Uhr begannen die Mannschaften auf das Haus Gewehrfeuer. Etwa 1000 Schüsse sollen abgegeben worden fein. Es rührte sich aber nichts in dem Hause. Um 10 Uhr wurde das Feuer eingestellt und Frelwillige zum Sturm aufgerufen. Es meldeten sich sämtliche Mannschaften. Es wurden 36 Unverheirate auSgewählt, die unter Führung eines Polizeikommissärs in das Haus stürmten. Die Vordersten waren mit Ptckeln ausgerüstet. Der Verbrecher wurde
Mann kaum den gefürchteten Räuber, der monatelang den ganzen Bezirk in Schrecken setzen konnte und die Sicherheitsbehörden thatsächlich genarrt hat. Während der Belagerung
Start bzschc'.ieoe Ostse• Te d#« Havoee.
hat Kneißl durch Kälte, Angst und Hunger arg gelitten; ergab an, seinen Belagerern während der ganzen Nacht zu gesehen zu haben. Als am Morgen plötzlich die Beschießung eröffnet wurde, sei ihm gleich durch einen der ersten Schüsse sein Revolver aus der Hand geschaffen worden. Uebcr den Kommandanten Abt von Maisach äußerte er, er hätte ihn oft erschießen können, so nahe sei ihm Abt in seinem Versteck des Oefteren gewesen. Verraten hat den Räuber bekanntlich die Wäscherin Mathilde Lorenz aus München.
schwer verwundet hinter dem Kamin des Hauses auf gefunden unt) dann nach München in das Gefängnis führt. Er wird voraussichtlich binnen kurzem wieder hergestellt sein und sich dann vor dem Gericht wegen der schweren Strafthaten zu verantworten haben. Kneißl ist ein kleiner, schmächtiger, junger Mann mit tiefliegenden Augen und einem bleichen Gesicht. Man vermutet in diesem unbedeutenden
»»»'M«»—I—»
allen Anfechtungen, die daß Gymnasium in den letzten Jahren bedrohten und eine wesentliche Einschränkung des Lateinischen forderten, dasselbe neu gestärkt und gekräftigt hervorgegangen sei. Damit habe eß den Angriff auf seine Grundlage glücklich überstanden. Wie der Minister aber die Ausführung der vorgeschlagenen Reform sich denkt, darüber schweigt er sich auß, und wir können hinzusetzen, sie ist in der dargelegten Weise unmöglich, wenn nicht den Schülern eine ganz ungeheuere Arbeitslast aufgebürdet würde, die die Gesundheit ernstlich gefährdete. Für uus heißt'ß darum auch heute noch, wie wir bei der Kritik des kaiserlichen Erlasses bereits ausgesprochen, abwarten und wir müssen Geduld zeigen, bis, )offentlich bald, in dem pädagogischen Sternenhimmel ein neues Licht erstrahlt, in dessen Glanze wir an eine fegen iringende Reform der Gymnasien zur allseitigen Zufriedenheit gehen können.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 11. März.
Tas Haus ehrt das Andenken des verstorbenen Ab- geordneten Freiherrn v. Stumm in der üblichen Weise, und setzt die Etatberatung mit dem Kolonialetat fort. Bei dem Etat für Deutsch-Ostafrika beleuchtet
Abg. Bebel (Soz.) die (geringe wirtschaftliche Bedeutung dieses Schutzgebietes, dessen Gesamthandel mit 3 Millionen noch nicht ein Drittel des geforderten Reichszuschusses betrage. Die scharfe Eintreibung der Hüttenteuer habe vielfach zu Aufständen geführt, wofür sich Redner auf die Veröffentlichung von Hans Wagner gegen das Verwaltungssystem des Gouverneurs v. Liebert bezieht, das zu viel reglementiert. Redner fragt weiter, ob es richtig ei, daß in einer Konferenz nicht die Abschaffung, sondern eine andere Organisation der Sklaverei erwogen worden ei, und erwähnt einer Ausschreitung eines Hauptmanns Kannenberg.
Abg. Dr. Hasse (nl.) giebt den Handelsrückgang zu, meint aber, in der Plantagenwirtschaft liege die
künftige Hauptbedeutung der Kolonie. Es komme darauf an, den Bevölkerungsbestand zu heben.
Kolonialdirektor Dr. Stübel beziffert die bisherige Gesamtaufwendung für Ostafrika auf 55 Millionen und meint, bei dem Ausbau von Eisenbahnen würden die Handelsverhältnisse einen Aufschwung nehmen. Bebel ist auf die Häuser- und Hüttensteuer zu sprechen gekommen und hat der Angriffe Erwähnung gethan, die in einer hiesigen Zeitschrift gegen die Verwaltung der Gouverneurs General v. Liebert erhoben sind und darin gipfeln, feine Maßnahmen in Bezug aus die Hüttensteuer seien schuld daran, daß 2000 Menschen ihr Leben verloren hätten. Ich hatte aus Anlaß dieser Angriffe eine ausführliche Berichterstattung aus dem Schutzgebiete verlangt; diese liegt mir vor und gipfelt in dem Satz, daß „nach, allem Vorstehenden" schließlich die Angabe der „Kolonialzeitschrift", es seien 2000 Menschen der Hüttensteuer geopfert worden, mit gutem Gewissen als eine phantastische Unwahrheit bezeichnet werden kann. (Hört, hört!) Der Zusammenhang dieser Steuern mit Aufständen bestehe nur insoweit, als die Eingeborenen, die zum Aufstande bereit seien, in erster Reihe zur Steuerverweigerung schritten. Die Angriffe gegen Gouverneur v. Liebert seien grundlos gewesen und hätten mit dessen Rücktritt nichts zu thun. Liebert trete aus eigenen Antrag zurück, um ein höheres Kommando in der Armee zu übernehmen. In der Sklavereikonferenz könne es sich nur um Beseitigung von Auswüchsen gehandelt haben. Er habe aber Anweisung gegeben, daß jede Anerkennung der Sklaverei vermieden werde. Was die Frage bezüglich des Hauptmanns Kannenberg anlangt, so kann ich mitteilen, daß dieser wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit tätlichem Ausgange und gleichzeitiger schwerer Körperverletzung, sowie wegen gefährlicher Körperverletzung, alles begangen an Beamten in Veranlassung der Ausübung seines Amtes, mit Dienstentlassung und drei Jahren Gefängnis bestraft worden ist. (Hört, hört!) Es handelt sich hier um eine mehr oder weniger unverständliche Sache. Hauptmann Kannenberg ist ein wissenschaftlich hochgebildeter Manu, der sich hauptsächlich um die Erforschung der ost- afrikanischen Sprachen während seiner dortigen Thätigkeit
stucke auf, Lustspiele und Schauspiele, sowie einige kleine Gelegenheitsdichtungen, die auch, wenn sie einen weniger bedeutenden Vorwurf behandeln, doch stets litterarisch sorgfältig gefeilt sind und zumeist auch eines feinen .Humors nicht entbehren. Seine letzte Dichtung ist das Festspiel „Weimar" in der von Axel Dellnar herausgegebenen Sammlung von fünf Einaktern „Das deutsche Jahrhundert".
Wie Wichert das Lustspiel auffaßt, hat er in der Vorrede zu seiner „Talentvollen Tochter" erörtert. Er sagt, dieses Stück wolle nichts weiter sein, als ein zur Heiterkeit anregendes und einige Stunden gut unterhaltendes Lustspiel älteren Schlages, dessen Figuren auf besondere Originalität nicht Anspruch erheben und dem man die Wahrscheinlichkeit gewisser Voraussetzungen nicht allzu scharf nach- prüsen dürfe, wenn man sich an den daraus folgenden komischen Situationen ergötzen wolle.
„Es ist aber auch", fügt er hinzu, „ein richtiges Lustspiel neueren Schlages noch immer nicht erfunden und wird nach meiner Einsicht in die Erfordernisse dieser Schauspielgattung nie erfunden werden können, man muß denn unter einem Lustspiel etwas ganz anderes verstehen lernen, als man bisher verstanden hat. Will man ein Lustspiel ohne Mißverständnisse und Verwechselungen haben, so will man das Lustspiel überhaupt nicht haben. Diese Mittel, Heiterkeit zu erregen und die der Gattung angemessene Spannung hervorzurufen, sind ihm nun einmal unentbehrlich. Für das Gefallen entscheidend wird immer baß Geschick sein, mit dem sie angewendet werden, neuc. Kombinationen zu schaffen und die ^silpr^endenz wirksam in Handlung zu setzen."
,, .schert war auch als Erzähler unermüdlich thütig. Er iSSi* Cinf o.rvbere Anzahl Novellen, die in mehrerem «anben unter den Titeln „Littauische Geschichten", Bo n der de u s ch en N o r d o ft m a r k" usw. erschienen sind, sowie eine Anzahl meist mehrbändiger Romane
Seine Zeitromane spielen meist in seiner oslpreußiscken Heimat. In dem Romon „Die Arbeiter" (1873) ist die soziale Frage zum Vorwurs genommen. In Der jüngsteBrude r" (1892) versucht der Verfasser, die soziale Frage dichterisch zu lösen, obgleich dies in der von ihm vorgeschlagenen Weise in der Praxis kaum ausführbar sein wird. „Das grüne Thor" (1875) wird von einem Litterarhistoriker als „eine Stadl und Familiengeschichte Don kerngesunder Gesinnung und Lebensauffassung" be
zeichnet, während sich in die einfachen bürgerlich^kauf- inännischeii Verhältnisse, auf denen sich „Sin starkes H e r z" aufbaut, in befremdlicher und störender Weise ein Stück sensationellen Demimonde-Treibens hineinmischt.
Die gesamte Kritik hat einmütig als die besten Werke Wicherts die „Littauischen Geschichten" bezeichnet, die für das im Aussterben begriffene eigenartige Völkchen an der äußersten Nordostgrenze Deutschlands, das früher wenig bekannt war, das wärmste Interesse erregten. Wichert sagt selbst, er hätte diese Dorfgeschichten nicht schreiben können, wenn er nicht durch sein Amt genötigt gewesen wäre, selbst jahrelang als ein Dörfler zu leben und wenn er nicht als Richter Veranlassung gehabt hätte, dieses langsam aus- sterbeude Volk kennen zu lernen, in dem. so viel echte Rasse ist, die es zu dichterischer Behandlung geeignet werden läßt.
Zu seinen geschichtlichen Romanen hat Wichert meist eingehende Studien gemacht, um ein möglichst zeitgetreues Gemälde zu entwerfen. In dem Roman „Heinrich von Plauen" führt er uns ein Stück mittelalterlichen Lebens vor. Heinrich von Plauen, „des deutschen Ordens letzter Ritter", brachte nach der Schlacht bei Tannenberg im Jahre 1410 noch einmal die alte Herrlichkeit der Brüder vom deutschen Hause als siegreicher Verteidiger der Marienburg zur Geltung. Er schützte dadurch das Ordensland vor der Slavisierung, wurde aber durch die Hinterlist eines ehrgeizigen Nebenbuhlers der Hochmeisterschaft entsetzt und jahrelang in Gefangenschaft gehalten. Mit diesen geschichtlichen Ereignissen sind die Erlebnisse eines jungen, dem Hochmeister verwandten Geschwisterpaares verknüpft. In einem weiteren geschichtlichen Roman, „Tilemann vom W e g e" wird der harte Kampf des Ordens gegen die mit Polen verbündeten Städte des Weichsellandes geschildert, in dem er die Hälfte seines Besitzes und seine Unabhängigkeit verlor. Den Schluß des Romans bildet der Verlust der Marienburg und die Verlegung des Hochmeistersitzes nach Königsberg. Von den anderen historischen Romanen Wicherts sei noch „D e r G r o ß e K u r f ü r st i n P r e u ß e n" (1886) erwähnt. Von seinen Novellen haben einige durch ihre Aufnahme in Reelams Universalbibliothek eine weite Verbreitung gefunden.
Wichert ist auch Mitbegründer der Deutschen Genossen schäft dramatischer Autoren und Komponisten zu Leipzig I Mitherausgeber der „A ltpreußischen | JJi o n a t s s ch r i f 1"; außerdem war er mehrere Jahre Vor
sitzender des Vereins „Berliner Presse". Wie es ihm möglich war, eine so vielseitige Thätigkeit zu entfalten, hat er in seinen erwähnten autobiographischen Mitteilungen erklärt.
Als Richter hat er stets dieselbe Arbeit verrichtet wie seine Kollegen. Er hat nie eine Begünstigung beansprucht, sondern stets, „wie jeder andere seinen Strang gezogen! und sich das Leben nicht bequem gemacht." Er hat stets seine Zeit bis auf die letzte Minute ausgenutzt. Erholung ist ihm nur der Wechsel der Arbeit gewesen, und dabei hat er von Anfang an sich daran gewöhnt, geistig zwei Tinge nebeneinander in der Weise zu betreiben, daß keins das andere störte. Für seine schriftstellerische Arbeit hielt er sich die nicht durch Gerichtssitzungen in Anspruch genommenen Vormittage frei, indem er an den Nachmittagen die Aktenarbeiten erledigte. Dem Kneipenleben blieb er fern (er trinkt nicht einmal Bier!), hat aber das gesellschaftliche Leben schon mit Rücksicht auf seine Familie nicht vernachlässigt. Er bekennt, trotz allem hätte es ihm nicht gelingen können, sein Talent fruchtbar zu machen, wenn seine häuslichen Verhältnisse nicht die glücklichsten gewesen wären.
Er sagt ferner, die Juristerei habe feine dichterische Neigung jedenfalls nicht direkt gefördert, denn die Annahme, daß interessante Rechtsfälle reichlich Stoff zu Romanen und Novellen lieferten, sei irrtümlich, dagegen sei nicht zu leugnen, daß der Einblick in die verstecktesten Beziehungen, des geschäftlichen Lebens und der inquisitorische Verkehr mit Leuten der verschiedensten Stände viel Lebenserfahrung und Menschenkenntnis einbringe. Wicherts Werke zeichnen sich denn auch durch einen gewissen nüchternen Realismus aus, und auch die in seiner juristischen Praxis erworbene Gewohnheit, jeden Satz möglichst scharf zu formulieren, ist auf seinen Stil naturgemäß nicht ohne Einfluß geblieben. Deshalb ist das Urteil auch berechtigt, das Wichert über sich selbst fällt, indem er in Bezug auf seine letzte litterarische Thätigkeit, seit seinem Aufenthalt in Berlin sagt:
„Mich zu einem Modernen auszugestalten, habe ich weder Neigung noch Talent gehabt. Ich glaube aber durch viele meiner Arbeiten bewiesen zu haben, daß gerade eine gesunde Realistik von mir geübt ist, lange bevor sie als eine Forderung neuerer Schreibweise hingestellt wurde."


