Ausgabe 
13.1.1901 Erstes Blatt
 
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der

Kunstausstellung im Turmhaus amBrautz. Das neue Jahr hat der Ausstellung noch nichts neues ge­bracht; es ist aber recht erfreulich, daß die vor Weihnachten eingetroffenen Bilder, die in der bewegten Festzeit doch zu wenige Besucher anlockten, noch eine Weile hier vcr- blieben sind. Besonders auf zwei Künstler lenken wir noch die Aufmerksamkeit, einen extrem modernen und einen, der nicht mit einem so einfachen Schlagwort zu charakterisiere« ist. Jener ist W. Lefebre (Paris), der mit seinem große» Herbstbild sofort die Blicke fesselt und in allen seinen Ge­mälden und Zeichnungen, trotz mancher phantastischen Toll­heiten in Erfindung und Gestaltung, doch immer bis em originell und bewußt schaffender Künstler erscheint. Neben diesem Wildfang ist der Frankfurter Scholderer freilich fast zahm zu nennen; aber es spricht ,äus seinen Bilder» deshalb nicht weniger, nur ein ganz anderes Temperament. Sck)lichteste Auffässung der Natur bei andächtiger VersenkunO in ihre Geheimnisse bekundet sich besonders in seinen Bild­nissen, die etwas von der Art Herkomers an sich haben, andererseits, wie auch dieLandschaft in England" cm Tchomas spät gewürdigte Kunst erinnern, und man findet es begreiflich, daß Thoma selbst sich kürzlich bewogen fan>, den bescheidenen Künstler gegen voreiligen Tadel eiueB Frankfurter Kritikers öffentlich in Schutz zu nehmen. B. .©

in den vielen, überall zu findenden Dheelädeu wieder em, um mit dem heißen braunen Getränk sich einigermaße» wieder zu erwärmen und das Gesehene und die damit zusammenhängenden Ereignisse zu besprechen. ES ist nicht uninteressant, diesen Gesprächen zu lauschen. Der englisch» Mob kann es nicht fassen, daß sein Jubel noch verfrüht sei» soll, während der Einsichtigere es sich nicht verhehlt, daß nicht nur der inzwischen abgesagte Dankgottesdienst vor der Zeit angesetzt war, sondern auch der heutige Jubel nicht im Verhältnis zur augenblicklichen Lage der Sache steht. Der Wunsch nach Beendigung des unseligen Kampfes wird nach Ernüchterung von dem Freudentaumel doppelt stark hervorbrechen.

Endlich, zwei Stunden später als man erwartet hatte, uhr der Zug in die Bahnhofshalle ein, wo Lord Roberts unter den Klängen des von einer Musikkapelle gespielten Liedes:Seht, der siegreiche Held kehrt zurück', dem Wagen entstieg und vom Prinzen von Wales, dessen Gemahlin und anderen Fürstlichkeiten begrüßt wurde, die dann vor ihm den Bahnhof verließen, um ihn nachher im Schlosse zu empfangen. Der Feldmarschall wurde auch hier wieder in einem mit vier Pferden bespannten königlichen Wagen durch die jubelnde und jodelnde Menge geführt. Der Zug konnte auch für einen Monarchen nicht glänzender arran­giert rverden. Voran ritt eine Eskorte von Husaren und hinter ihm kamen zu Pferde sechs seiner getreuen Inder in voller lniform, die ihn während des ganzen Feldzugs begleitet hatten. Dann folgten weitere Equipagen und ein anderes Husarendetachement beschloß den Zug.

Während im Schlosse ein Frühstück stattfand, zu dem eine auserlesene Zahl von Gästen geladen war, zerstreute ich draußen die Menge und fand sich zum größten Teil

Ramsey er zu erheiternderer Wirkung, als die Dichtung erwarten ließ. Er schuf einen trefflichen Gegensatz zu de» überschäumenden Jugevdmut seines Malerbruders. Vielleicht läßt Herr R. mit der Zeit doch noch das ostentative, fast aufdringliche Spiel in- Publikum. Frl. Schölerman» war eine angenehme Agnes, der nur eine bessere Kostümwahl zu wünschen war. Unter den kleinen Episodenrollen machte sich der geschickt charakterisiertePolack" des Herrn Hel« vorteilhaft bemerkbar. Die beiden Profesiorenkollegeu blieben mir als gänzlich unangebrachte Karikaturen unverständlich.

P. W.

er ihn uns gesünder gibt als die Hauptmann'sche Schilderung e« erwarten läßt. Ich gestehe, die Blüte des Gemütes, die Herr Beck entfaltete, fand ich zuvor in der Hauptmann'schen Dichtung mehr in der Knospe. Herr Beck hat mich eines anderen belehrt, indem er mehr aus der Dichtung heraus­holte, al» sie mir zu geben schien.

Daß dieses trübe Charakterbild in seiner naturalistischen Nacktheit von freundlich mildem Lichte erhellt wird, ist ein feiner dichterischer Zug. Hauptmann hat dem Kollegen Crampton eine Umgebung von Herzlichkeit, Reinheit, aufopfernder Kindes­liebe gegeben, von Schlichtheit und sorgender Rechtschaffenheit, die einen schönen Ausblick gewährt auf sein später geborenes Hannele". Das jugendliche Liebespaar, der 19 jährige Maler Strähler und Tramptons Tochter Gertrud bringen erfrischenden Luftzug in die schwüle Atmosphäre. Herr di Balthyni gab deu Max Strähler. Die ganze Rolle weist ihn, wenige kurze Momente ausgenommen, auf ein mehr passives Verhalten hin; im stummen, schüchternen Spiel muß er sich betätigen. Da- aber versteht Herr B. nicht. Das Bild eines mit naiver Jugendlichkeit gläubig vertrauenden Schülers zu geben, der ebenso ftisch und fröhlich um sich wie mit enthu­siastischer Verehrung aus zu seinem Lehrer blickt, konnte Herr B. nicht geben. Frl. Äuglet dagegen verstand sich recht wohl auf die naive Wiedergabe von Schmerz und Freude. Wenn auch im 3. Akte, da, wo sie von ihrem Vater spricht, viel leicht noch mehr die liefe Innerlichkeit ihres Empfindens zum Ausdruck hätte kommen können, so war doch ihre schlichte Natürlichkeit von erfreulicher Liebenswürdigkeit. Herr Li e bscher war ein ganz köstliches Faktotum des Profesiors von unver­fälschter Naturtreue. Er hatte so ganz und gar die richtige Physiognomie, jede Bewegung, jedes Wort war so echt, daß wir uns gar nicht genug an ihm freuen konnten. Aber danken können wir ihm, und da- wollen wir auch. Den gutmütig-barscheu Humor des alten Strähler brachte Herr

Aus Stadt und Iand.

Sießen, 12. Januar 1901.

LU. Bon der Universität. Am 8. dsS. Mts. feierte be­kanntlich der Präsident des BerwaltungSgerichtShofS Wirk!. Geh. Rat Dr. Heinrich Knorr von Rofenroth fein bOjährigeS Dienstjubiläum. Der Rektor der Lande»- Univerfität, sowie die Dekane der theologischen und juristischen Fakultät hatten sich zum genannten Tage nach Darmstadt be­geben, dem Jubilar persönlich die Glückwünsche der Uni­versität darzubringen, um die er sich als langjähriger Ministerial-Referent für das Hochschulwesen hohe Verdienste erworben hat. Gleichzeitig wurde ihm dabei das Ehren­diplom eines Dr. jur. überreicht, als dem wqui huiue academiae Ludovicianae laetius iam efflorescentis ealutem duo per decennia amplius eodem eemper studio felicissime curavit. Der Ehrendoktor der philosophischen und medi­zinischen Fakultät ist ihm schon früher verliehen worden.

L.U. Bon der Universität. Der Kreistierarzt in Wittlich, königl preuß. Reg.-Bez. Trier, Dr. Franz Preuße, hat einen Ruf als außerordentlicher Professor der Veterinär­medizin nach hier erhalten und angenommen. Der neue Dozent wird seine Thätigkeit sofort beginnen.

** ProjektiouSvortrirge. Prof. Sauer wird seine Pr». jektionSvorträge für Damen Montag, 14. Jan., um 4 Uhr, bezw. Dienstag, 15. Jan., um 61/* Uhr wieder aufnehmen. Als Thema ist diesmal gewählt: Ghiberti'S Bronzethüren und Bifcher'S SebalduSgrab.

** Eine Obst-Engros-Handlung hatte bei bei Generalbirektion der Bahnen zu Straßburg den Antrag gestellt, die Einstellung von Privat-Eisenbahn- wagen mit Kühl- und Heizvorrichtungen zur Be­förderung von frischem O b st und Gemüse in den Wagen­park der Generaldirektion zuzulassen. Tie Gewährung des Antrags läge im Interesse des deutschen Exportes und der deutschen Landwirtschaft, sie würde Anstoß zur weitere« Ausdehnung und Pflege eines rationellen und gewinn­bringenden Obstbaues geben. Tie Generaldirektion Straße bürg hat den Antrag beim Verkehrs-Verbände eingebracht, dessen Ausschuß der Hauptversammlung die Ablehnung des Antrags empfiehlt, weil ein allgemeines wirtschaftliches Be­dürfnis nicht vorliege. Auch sei es wünschenswert, zunächst das Ergebnis des z. Zt. der ständigen Tarifkommission vorliegenden Antrags auf Tetarifierung verschiedener Obsh- und Gemüsesorten abzuwarten. Maßgebend für den ab­lehnenden Beschluß waren namentlich die Gutachten ver- chiedener landwirtschaftlicher Korporationen, die ein wirtschaftliches Bedürfnis für die Zulassung privater Heiz- und Kühlwagen verneinten. Nur der hessische Landwirtschaftsrat hatte ein solches Bedürfnis anerkannt. Die Handelskammern in Frankfurt a. Pi. und Mainz hielten nur Kühlvorrichtungen für zweck­mäßig. Auf Vorlage der Eisenbahndirektion Magdeburg ist die Frage auch im dortigen Bezirkseisenbahnrate zur Beschlußfassung gekommen. Eisenbahnseitig wurde hierbei

sührung ist wohl für viele ein neuer schätzenswerter Beitrag Si. i,Ut ciner interessanten und tiefgründigen

Dichlcrnaiur. Mil dieser Aufführung, die in fast allen Teilen wirklich recht gelungen, in Einzelheiten geradezu Muster, haft war, hat sowohl unser Theaterverein wie unser gesamtes Theater einen echten und rechten Erfolg davon- gesetzt" 3)18 $omöbie toat "Ni großem Geschick in Szene

Di-Hauptrolle erfordert starke Schultern, fi- ist für es." m,nje Meisters geschaffen. Dieser Meister war

°o ^eck au, Köln. ®r schuf, wie ein Plastiker, eine s ®Uix*uVxneiB ®' er vereinte die innere Verlumpung, Größenwahn, den barschen Pessimismus, di- eib'9telt Dar will etwa« heißen. Er gab das Ausdruck" de« bct Schattenseite. Er traf den

künstlerischen S-Ibstbewußts-in», di- gelegent- »nd wi eine Phantasiemenschen, di- forlwäh

w En ich"ne Flamme auflodert, um gleich darauf zu llark" R°ra^wi?de"/k" zusammenzusinken, mit gleich Nck selb» n ie endiA Ingrimm über andere und

K t*. stand^Ä. b'-(.eten Galgenhumor. Und wie gut, ar K dann wieder Geberde und

Ton der rechten versöhnenden Liebenswürdigkeit und Lerzens- wärme! Wenn in Cramptons halbirrem ^Hiru d.« heiliger künstlerischer Begeisterung ausflackert,ßdann erinnerte UNS der Darstillkv au -inen Lear. In £Zfkn Haaren und verwahrlosten Kleidern ist er ein Spott bet Schran­zen, aber überirdischen Glanz verbreitet er um sich durch das flammende Wort ernes extatischen Priesters erhabenster Kunst Wie ein stü'Mischer Gebirgsbach reißt er alles um sich herum mit sich, schwemmt er erdrückende Schmach fort und scheint sich immer aufs neue die Bahn freizumachen für künftige Thatkraft. Fast könnte man in der Darstellung des Herrn Beck an Cramptons künstlerische Wiedergeburt glauben, da

Lonbon, 4. Januar 1901.

Nun haben die Londoner ihren großen Tag gehabt und war ihnen nach all dem Hangen und Bangen, das sie des unseligen Krieges wegen schon ausgestanden haben und noch ausstehen, wahrlich wohl zu gönnen. Einige Stun­den Freudentaumel und hinterher tritt die rauhe Wirk­lichkeit um so krasser hervor.

ausgeführt, es habe sich namentlich ein Gegensatz in der Auffassung in der befragten Obst- und Gartenbauverein* einerseits und der landwirtschaftlichen Vereine anderer- eits gezeigt. Erstere befürworteten die Maßnahmen, letzter­nähmen in der Mehrheit einen ablehnenden Standpunkt ein. Der Bezirkseisenbahnrat war der Auffassung, baß zwar ein dringendes Bedürfnis zur Einstellung von besonders eingerichteten Privatwagen für Obst und frisches Gemüse nicht vorliege, baß aber die Beförderung in solchen Wagen nützlich sei und man deshalb den Bestrebungen auf Zu-

Abg. Prinz v. Sch ö n a i ch-C a r o l a th (ntL): Der berücksichtigt nicht die Frage des Zivilversorgungs- schems, ferner bie Belassung der Pension neben dem Gehalt bei den Staatsbeamten. Was sollen die Vete- bü8£ ^gen wenn sie bie Etatauschläge von Preußen ansehen. Da werden zwei Millionen für eine Gemälde- gallerte verlangt, und für sie ist kein Geld da ,in^L^E r ne r (Anü): Heute hat uns.die Regierung E5 -WrQ ^schickt, dessen bureaukratische Aus- ^fungen un Lande fein Verständnis find,en werden. Die Invaliden müssen den Glauben an die Gerechtigkeit des Vaterlandes verlieren, wenn man sie wie Bettler der Armen- sürsorge preisgrebt. Freiherr v. Thielmanu hält sich der SSm/Ä1"'1 ® M dl,

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östv Zustimmung? Bisher suchten die Krieaervereine ^'E°Un°hm von Petitionen zurückMhatt7n jetzt find sie dazu nicht mehr in der Lage, die Leute zum Still» lchw°M-n zu bewegen, weil die Erbitterung 8u groß i §dUI,aubc' k> mein Vorschlag berechtigt ist das, der elnÄL LSra9 in benen er enVrgifd)6 nnb Uä genommen hat, einmal in der Kom.

.dann tm Plenum Ernst machen sott Tann bcgucmen.^Zustimmung WtCn

Abg. Pachnicke (Frs. Vag.): Es sind heute nenen hip ©eotrU^fFe^r^rte-°rte gefallen, sogar von derOrechten Hoffentlich Nimmt die Regierung daraufhin eine ^schicht dies nicht, so sollten wir annkLlen vU 'ablchnlm""^ bif Alternative stellen: ntif^rnpULhJtrrb ^r'^ntra9 Nißler an die Budgefkom- bie <?^fJorTft berät bann die Anträge über

die gewerblichen Schiedsgerichte.

Abg Tutzauer begründet den sozialdemofM-tischen gerichte be bie Errichtung obligatorischer (Merbe= a-. Tiurborn (Ztr.) begründet seinen Antrag auf meb^als^OsÄ^^cher Schiedsgerichte in Städten mit -20000 Einwohnern. Ter Redner empfiehlt des eili^rluett^run9 ber örtlichen Zuständigkeit der Gelverbegenchte, er will mit einer Bitte an die anwesenden ara^^ftTV9-^6061 ^^ßen, aber es wird ihm unter ratltifrh^hKmA r Sugerufen daß die Plätze am Bundes- ^AlC1LmeJn emgetretenes Bundesrats­ratsmitglied begrüßt der Redner mit den Worten:Eine

lullt, für blf Wts «*, b^?!Äfördecung für hn%ntr^ ^^wichchastlicher ifeSS

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verband ® ep. ,P, in, Festsaal Cafe Leib ( äfWet B-r d'- bchcht h°t,mrdlich nicht säumen, dem «c Reinerttag Vorzugs^! Stift'* Versäumnisse in Krank gütigen Entscheidung Visionsinstanz nicht erzi denn die Entschuldig gesprochen wird. Vrelk behörden waren bisher .auf schriftliche Entschu

§ Butzbach, 11. 3; Bügeorbneteu wur! mit großer Majorität ( pflrtzungSfialion w fonen vrrpW; diese I nicht erreicht worden.

-i- Au! dm Bird, ftiütn dieberthal triff zvei Soldaten Posten zelnen Wirten einquarl bis nachmittags Haina ist mit einem Aieber-WaldzimeS bk

-e- Kinzenklach liche Kasino hielt wirtschaft von L. Pens Mitgliedeyahl ift im N? im Verftojfenen von Sämereien, Chilifa 'woran sich alle Mitglied wiedergewählt. Zum Sd Tungung der DlM »die Bedeutung des Cb N' Ein Beispiel aus Tas Jnfanterie-F wird hier sein im Ausii S2Tl14' ^Qnuar v> Olchon beendigt, heuti 7^5 E nächsten Mon, fo gen wird. Zur Ä »y die teils aus j N derrungskommando 8 Mistens chon um 2 llf

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Abg. v. Volkmar (Soz.): Nach den Erörterungen mußte es für jeden offenbar sein, welche Summe von Not und Elend bei Tausenden von Kriegsteilnehmern vorhanden ist, und welche beschämende Nachlässigkeit das Reich diesen Veteranen gegenüber bekundet hat. Der einzig schuldige Teil ist hier die Regierung. Es ist eine Schande für das Reich, wenn man sagt, bicses große Reich, bas nun überall in bie Welt hinausgehen will, um seinen Senf dazu ru geben, hat nicht die Mittel zur Verfügung, um alte Schul- « clen wenn es sich um militärische Dinge !?a.r!u anderer Ton bei der Regierung zu

n.L- laicht wan immer von der Würde der Nation, i 1 09uttg aller Mittel verlangt. Wenn vom Kriege

18/0/71 oder vorn chinesischen Abenteuer gesprochen wird, lind es immer die Heldensöhne des Vaterlandes, denen man ewig dankbar fein müsse. Wenn aber die Geschichte Vorbei ift, da ist es anders. Und nun gar, wenn es soweit zuruckliegt, wie der Krieg 1870/71; da kümmert man sich ni^t mehr um die Leute, ja man vertröstet sie sogar darauf, 2?» erst ihre Vormänner sterben müssen, bevor sie dieBei- hilse bekommen könnten. (Hört, hört!) Ich werde jede Verbesserung, die für die Teilnehmer am China-Feld- zuae verlangt werden wird, zurückgehend auch für die ?"?bru Invaliden und deren Hiuterbli ebenen fordern! (Beifall links.)

Abg. Schrempf (kons.): Auch wir stimmen dem An­träge zu. Alle Jahre werden der Invaliden weniger; sollen mS alle gestorben sind, und ihnen dann

schone Denkmäler setzen? Ter Antrag wird von allen $ar= feien unterstützt, es ist kein erbauliches Schauspiel, daß auf ber einen Seite der Reichstag einmütig die Forderung ber Einlösung dieser Ehrenschuld stellt, die Regierung sie avlehnt. ° '

Schwalbe macht noch keinen Sommer!" (Stürmische Heiter­keit.)

Hierauf wird ein Vertagungsantrag angenommen.

Nächste Sitzung: Sgmstag 1 Uhr. (Etat.)

Lord Roberts Einzug in London.

Original-Bericht von Curt Senkrath.

(Nachdruck verboten.)

Tie wochenlangen Vorbereitungen ließen vermuten, daß die Stadt diesmal etwas ganz Hervorragendes bieten würde und man sah sich hierin nicht getäuscht. Gingen schon im Sommer die Wogen recht hoch, als Baden-Powell, derHeld von Mafeking", seinen Einzug hielt und im November, als die City-Freiwilligen heimkehrten deren Einzug bekanntlich vollständig mißglückte, weil die allzu enthusiastische Menge die glorreichen Streiter voneinander trennte und diese sich einzeln durchkämpsen mußten so übertraf doch ber heutige Tag jene Jubelzüge noch um ein Erhebliches. Diesmal waren auch umfoffenbe Vorsichtsmaßregeln getroffen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten.

Schon gestern war Lord Roberts auf seinerCanada" in England gelandet und von der Königin auf der Jsle of Wight in Osborne House, wo sie alljährlich zur Weih­nachtszeit weilt, empfangen. In Cowes schon harrte seiner ein großer Empfang durch den Herzog und die Herzogin von Connaught, die Prinzessin Beatrice und andere Glieder der königlichen Familie. In einem Vierspänner der Königin wurde er nach Osborne gefahren, wo ihn Ihre Majestät sehr huldvoll empfing und ihm den Hosenbandorden verlieh.

Brachte also der erste Tag dem Lord nach seiner Rück­kehr zahlreiche Lorbeeren seitens des königlichen Hauses, o war der zweite, der Einzug in London, ein Triumpfzug durch das Volk. Die ^Straßen, durch welche der Zug sich bewegen sollte, von der Paddington-Station bis zum Buckingham-Palast, waren reich geschmückt mit Blumenge­winden, Fahnen, Festons, die rotumwundene Masten, die zu beiden Seiten der Straße aufgepflanzt waren, verbanden. Ueberall leuchteten Inschriften wieWillkommen daheim" oderHeil unferm geliebten Bobs", wie der Engländer nehr zärtlich als geschmackvoll feinen Namen abkürzt und dergleichen mehr. Ten ganzen Weg entlang bildete Militär Spalier und vor dem Palast leuchteten die Pallasche und roten Helmbüsche der Gardehusaren und belebten etwas bas ' arblose Bild, welches sonst der Buckingham-Palast darbietet. Trotz des rauhen, unfreundlichen Wetters wartete seit dem rüheu Morgen eine riesige Menschenmenge von der An­kunftsstelle bis zum Endziel des Zuges; Vornehm Und Gering, elegante Toiletten und jämmerliche Lumpen dicht nebeneinander. Dazwischen Verkäufer von Fahnen, Me­daillen mit dem Bilde vom Helden des Tages und Schleifen in den nationalen Farben blau, weiß, rot. Die Geduld der Wartenden wurde auf eine harte Probe gestellt, denn das Schiff und der Zug hatten sich durch den Nebel verspätet, und der Enthusiasmus wurde durch kalte Füße und Hände chon ziemlich abgekühlt.