Ausgabe 
12.6.1901 Zweites Blatt
 
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das schon heute bestimmt versichern. Auch die mir abge­neigtesten politischen Gegner hoben stets anerkannt, daß ich ehrlich nud gerade rede und handele. Ich hätte erwarten dürfen, daß meine Haltung im öffentlichen Leben mich gegen einen Vorschlag geschützt hätte, wie Sie, Herr Frei­herr, mir solchen machen. Ich glaube in der That, daß es Ihrem politischen und religiösen Standpunkt mehr ent­spricht, dem Ihnen doch näher stehenden Liberalen, Herrn Tr. Hammacher, Ihre Stimme und Ihren Einfluß zuzu­wenden. Ich verzichte gern auf eine Unterstützung, welche scl>on in der Art ihres Angebotes eine wirklich konservative Gesinnung vermissen läßt. Meinen Parteigenossen im dortigen Wahlkreise habe ich von diesen Verhandlungen Kenntnis gegeben.

Mit vollkommener Hochachtung, Herr Freiherr!

Ihr ergebener

Frhr. v. Schorlemer-Alst.

Freiherr v. Plettenberg wird durch die Veröffentlichung dieses Briefwechsels nicht gerade angenehm berührt sein.

Nach der letzten Lebensmittelpreistabelle der Statist. Korr." haben die Getreidepreise im Mai d. I. ihre steigende Bewegung fortgesetzt. Auch Stroh und Heu sind weiter gestiegen und haben an manchen Orten eine ganz ungewöhnliche Höhe der Preise erreicht. Ganz auffällig ist die Steigerung der Getreide-, Futter- und Fleischpreise in Bromberg, wo sich die Vorauswirkung der zu erwartenden nen Ernte am ersten und meisten bemerkbar macht.

etten ist dort für 15 Mk. für 1000 Kg., der Roggen um 7, die Gerste um 10, der Hafer um 12 Mk. gestiegen; das Stroh zeigt eine Preissteigerung um 36,7, das Heu eine solche um 40.30 Mk. Tas Rindfleisch ist im Groß­handel um 50 Mk. für 1000 Kg. gestiegen, im Kleinhandel haben sämtliche Fleischsorten eine Steigerung um 10 Pfg. für das Kilogramm erfahren. Es ist zu befürchten, daß andere Orte diesem Beispiele folgen werden. Im einzelnen sei folgendes bemerkt:

Dec Weizen kostete im Durchschnitt aller Msrktorte 170 Mk. gegen 160 im April und 153 im März d. I. Außer Bromberg hatten tm letzten Monat die größte Preissteigerung Breslau und Görlitz mit je 15 Mk. Am teuersten ist der Wetzen, gleiche Qualitätsberechnuog vorausgesetzt, mit 175 Mk. in Berlin, am billigsten mit 154 Mk. in Königsberg. Dcr Durchschnittspreis des Roggens ist von 141 auf 145 Mk. gestiegen, am meisten in Köslin um 9 Mk. Die PreiSextreme bilden Kassel mit 153 und Stralsund mit 135 Mk. Der Durchschnitts­preis der Gerste ist von 149 auf 161 Mk. gestiegen. Magdeburg hat mit. 171 Mk. den höchsten, Königsberg mit 126 Mk. den niedrigsten Gersten preis. Der Pre<s des Hafers beträgt 148 Mk. gegen 143 Mk. im April und 138 Mk. tm März. Königsberg hatte eine Preissteiger­ung von 13 Mk-, Posen eine solche von 11 Mk. An lrtzterem Orte ist der Hafer nut 166 Mk. am teuersten, während Danzig und Stral­sund mit 136 Mk. den niedrigsten Preis hatten. Dec Durchschnitts preis der Eßkartoffeln ist von54,3 auf 53,0Mk. zurückgegangen, weil an einigen Orten Preisherabsetzungen um 4 bis 5 Mk. statt- gesunden habcn. Am niedrigsten ist der Kartoffelpreis in Köslin mit 27,6, am höchsten in Aachen mit 77,0 Mk. Das Stroh hat seinen Durchschnittspreis von 61,0 auf 64,8 Mk. erhöht, wobei Posen mit 14,3 und Bromberg mit 36,7 Mk. die größten Preiserhöhungen hatten. An letzterem Orte ist das Stroh gegen den Vormonat um 53,9 o. H. gestiegen. Die Preisunterschiede sind ungemein groß: den nbbdgften Preis hatte Nmß mit 39,0, den höchsten Bromberg mit 106,8 Mk. Das Heu kostete 72,9 gegen 71,9 Mk. im April. Es ist in der Oder­gegend und an einzelnen Orten im Westen ün Ko'olenz um 8,3 Mk. und in Triest um 14,4 Mk.) billiger geworden, dagegen in Aachen um 10,0 und in Bromberg um 40,3 Mk. (59,2 v. H.) teurer. Brom­berg hatte mit 108,4 Mk. den höchsten, Stralsund mit 55,0 Mk. den

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teurer geworden. Hammelfleisch ist um 2 Pfg., Kalbfleisch um 1 Pfg. teurer, dagegen Schweinefleisch um 1 Pfg. billiger geworden. Ein Vergleich der Preise mit denen des M a i v. I. ergibt, daß im Laufe des letzten Jahres billiger geworden find nur Roggen um 1,4 v. H., Linsen um 1,2 und Rindfleisch im Großhandel um 0,1 o.H. Denselben P eis wie im Vorjahr hatte Roggenmehl. Teurer sind geworden Eßbutter um 0.5 v. H., Kartoffeln und Hammelfleisch um je 0,8, Rindfleisch um 1,5, Eier um 1,7, Kalbfleisch um 2,3, Schweine­schmalz um 3,2, Weizenmehl um 3,3, Schweinefleisch um 4 7, Speise- bohneri um 5,1, Hafer um 5,7, Gerste um 6,3, Speck um 6,6, Erbsen um 8,0 Weizen um 12,6, Heu um 19,5 und Stroh um nicht weniger «18 65,3 v. H. Wenn man mit diesen amtlichen Markt­preisen die imReichsanz." ver öffentlichten Berichte oondeutschen Fruchtmärkten vergleicht, so ist nach letzteren der Welzen um 12,9 Mk., der Roggen um 3,6 Mk., der Hafer um 4,9 Mk. teurer als nach ersteren, die Gerste dagegen um 5,8 Mk. billiger, doch haben wir schon wiederholt bemerkt, daß die Durchschnittsberechnungen auS dem Berichte von den Frachtmärkten wegen der Geringfügigkeit der dabei in Betracht kommenden Mengen nur eine ganz untergeordnete Be­deutung haben. So sind beispielsweise im letzten Monat für ganz Westfalen nur 50 dz W-izen, 36 dz Roggen und 30 dz Gerste zur Berechnung gezogen, ferner in Baden nur 24 dz Hafer und 21 dz G^ste.

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Juni. Ter Kaiser empfing gestern u. a. den Kultusminister Tr. Studt, den Hofbaurat Ihne, fccn Rektor der Universität Professor Harnack und den Dr. Frhrn. v. Bissing. Heute morgen von 6 Uhr ab besichtigte der Kaiser in Gegenwart der Kaiserin auf oem Bornstedter Felde die zweite Garde-Kavalleriebrigade und nahm das Frühstück beim Offizierkorps des 1. Garde-Ulanen-Regi- ments ein. Heute nachmittag nahm er die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts und des Staatssekretärs des Reichs-Marineamts entgegen und erschien am Abend zu einem Mahl beim Offizierkorps des 3. Garde-Ulanen-Regi- ments.

Aus Rom meldet der Traht: Der deutsche Kaiser hat den Herzog von Aosta zu den großen Manövern bei Tanzig und den Grafen von Turin zu den Ka­vallerieübungen in Mitteldeutschland eingeladen. Beide Einladungen sind angenommen worden.

Bei dem Reichskanzler und der Gräfin v. Bülow fand gestern abend ein Tiner statt, zu dem der frühere Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, mit Prinzessin Elisabeth, die Gräfin Schlizzenbach, der Herzog von Ratibor, Fürst Hohenlohe-Oehrmgen, Botschafter v. Radowitz, Prinz Franz Arenberg, Graf Hulten-Czapski, und Generaldirettor Ballin- Hamburg geladen waren.

TerReichsanz." veröffentlicht das Gesetz betr. die Feststellung des Nachtrags zum Reichshaushaltsetat für dvs Rechnungsjahr 1901.

Ter Bundesrat überwies in seiner heutigen Sitzung die Vorlage betreffend die berufsgenossenschaftliche Organisation der durch § 1 des Gewerbe-Unfall Versicherungsgesetze s der Unfallversicherung neu unterstellten Gewerbszweige, die Entwürfe einer Ueberein kunft zum Schutze der für die Landwirtschaft nütz- lichen Vögel und einer Verordnung über die Tage­

gelder, die Fuhrkosten und die Umzugskosten der Rerchs- beamten, sowie die Beschlüsse des Lcmdesausschusses xu dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen über die Ge­halts- und Pensionsverhältnisse der protestantischen Pfarrer und die Fürsorge für deren Witwen und Waisen den zu­ständigen Ausschüssen. Ter Vorlage betreffend die Han­delsbeziehungen zum Britischen Reiche stimmte der Bundesrat zu und nahm den Entwurf eines Unfallfürsorgegesetzes für Beamte und Personen des Soldaten st andes in der Fassung der Beschlüsse des Reichstages an.

Köln, 10. Juni. (VerbandderHandelsgärtner Deutschlands. Die Verbandsgruppen Bergische, Großherzogtum Hessen, Hessen-Nassau,Mittelrhein, Niederrhein, Taunus und Lahnthal sowie Westfalen hatten sich gestern zu einer gemeinschaftlichen Versammlung zu­sammengefunden. Folgender Antrag u. a. wurde einstimmig angenommen: Ter Vorstand des Verbandes möge bei den zuständigen Behörden Schritte einleiten, daß die Militär­personen des Beurlaubtenstandes (Reservisten und Wehr­leute), soweit sie dem Gärtnerberufe angehören, nicht mehr wie bisher in den Monaten April bis Juni, der drin­gendsten Arbeitszeit des ganzen Jahres, zu Hebungen heran­gezogen werden, sondern daß die Uebungszeit für die Ge­nannten auf einen späteren Zeitpunkt, vielleicht in den Juli, oder noch besser, wie z. B. bei den Schiffern, in den Winter verlegt wird. Tie wichtigste Frage war die der Berücksichtigung der deutschen Gärtnerei bei den neu abzu­schließenden Handelsverträgen. Es wurde betont, daß die Gärtner eine noch größere Berechtigung wie die Landwirte hoben, einen allgemeinen Schutz gegen die freie Einfuhr von Blumen, Pflanzen,und Gemüse zu verlangen, um den gesamten Beruf lebensfähig zu erhalten. Frhr. v. Solemacher wies auf die Wichtigkeit hin, Fühlung mit den Ministern zu haben. Herr v. Pod- bielski betreibe selbst großen Obstbau und kenne die Leiden und Freuden der Gärtner genau. Er empfehle, an Herrn v. Podbielski folgende Kundgebung zu richten:Ew. Ex­zellenz bringen die im Fränkischen Hofe, Köln, versammelten Gruppen des Verbandes der Handels gärtner Teutschlands ehrerbietigst Grüße dar, versichern Ew. Exzellenz, den Mann der großen Gesichtspunkte, des weiten Blickes und der Thatkraft, ihr unbedingtes Vertrauen und bitten Ew. Exzellenz, bei Abschluß der Handelsverträge und in allen onstigen vorliegenden Fragen ihre Interessen geneigtest wahren zu wollen." Tie Versammlung gab zu dieser An­regung ihre Zusttmmung.

Stuttgart, 10. Juni. Das Ministerium des Innern hat eine sehr nachahmenswerte Verfügung erlassen, die eine geregelte Wohnung sauf sicht zum Zwecke hat. In allen Gemeinden von über 3000 Einwohnern soll eine be- ondere ortspolizeiliche Aufsicht eingeführt werden, die alle aus drei oder weniger Wohnräumen bestehenden Wohn­ungen, sowie die Räume zur Beherbergung von Fremden, Schlafgängern und Arbeitern betrifft. Tie Bestellung der Aufsichtsorgane ist Sack;e der Gemeinden. Tas Ministerium behält sich vor, besondere statistische Erhebungen über Wohnungszustände zu veranlassen.

Die Hauseinweihung der Burschenschaft Alemannia" zu Gietzeu.

(Schluß.)

An den Rundgang durch das Haus schloß sich ein ans- -gcvt^nrcc Uuf utn uer tyegtüiiüeni oer allen

Herren folgte. Hervorgehoben soll werden, daß sich ver­schiedene Füchse um die Verschönerung des Frühschoppens durch einen humoristischen Lieberzyklus, der die Entwicklungs geschichte des Hauses verherrlichte, verdient machten.

Abends um 9 Uhr versammelten sich die Festteilnehmer in der Liebigstraße, um sich zum Fackelzug aufzustellen, der über 200 Teilnehmer zählte und wohl einer der größten ist, den je eine Gießener Korporation in Bewegung zu setzen vermochte. Er bot ein farbenprächtiges und abwechslungs­reiches Bild. Ueber Mützen aller Farben leuchtete die rote Glut der Fackeln, geschwungen vom ältesten alten Herrn im weißen Haar bis zum krassesten Fuchs von 17 Jahren. Zwei Musikkapellen ließen ihre Marschweisen erschallen. In leuchtendem bengalischen Rotlicht erstrahlte das geschmückte Burschenhaus, als der Zug in langer Reihe an ihm vorbei­zog. Sprühend wirbelten die Fackeln durch die Luft und verglommen zischend im Miesengrund hinter dem Kneiphaus, um das sich ein dichter Rauch lagerte. Das Gaudeamus igitur klang aus 200 Kehlen durch die Luft und begeistert stimmte man ein in das Hoch, das A. H. Obersteuer­inspektor Weiffenbruch auf die Burschenschaft ausbrachte.

Noch kurz vor 10 Uhr konnte der Kommers Programm mäßig seinen Anfang nehmen. Der große Saal in Steins Garten, reich mit bunten Farben, Guirlanden und lebenden Bäumen geschmückt, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Beinahe 300 Festteilnehmer waren anwesend. Der Rektor der Landesuniversität Geh. Justizrat Prof. Schmidt und zahlreiche Profefforen und Dozenten, der Provinzialdirektor der Provinz Oberheffen Geheimrat von Bechtold, als Vertreter der städtischen Behörden Beigeordneter Wolff, zwei Herren vom Ofsizierkorps des hiesigen Infanterie- RegimentsKaiser Wilhelm- als Vertreter desselben, eine zahlreiche Anzahl alter Burschenschafter und viele Vertreter der befreundeten Burschenschaften waren der Einladung der Alemannia gefolgt.

Nach Eröffnung des Kommerses durch den Sprecher der Burschenschaft, stud. med. Seitz, ergreift A. H. Amtsrichter Weiffenbach'Herbfiein das Wort zu einer markigen Be grüßungSrede, die in ein begeistert aufgenommeveS Hoch auf Kaiser und Großherzog ausklang.

A. H. Prof. Dr. Pitz-Gießen entwickelte in längeren Ausführungen die Grüudungsgeschichte des veuerbauten Hauses und wies, daran anschließend, auf die bedeutenden Auf gaben hin, die der aktiven Burschenschaft für die Zukunft harrten.

In einer mit zündendem Humor gewürztem, mit hellem Jubel aufgenommenen Rede sprach der Rektor der Uni verfität, Herr Geh. Justizrat Prof. Schmidt, den Dank des Lehrkörpers für die ergangene Einladung aus, beleuchtete mit treffenden Worten die Bedeutung des Hausbaues für die Burschenschaft hin, hob insbesondere hervor, daß er in den UniverfitätSakten derAlemannia- geblättert und mit Freuden

habe konstatieren können, daß bedeutende Männer, die sich um das Wohl des engeren Vaterlandes hochverdient gemacht hätten, auS dem Schoße der BurschenschaftAlemanuia- hervorgegangen seien, betonte das treffliche Verhältnis zwischen ihr und dem Lehrkörper der Hochschule und trank schließlich auf daS vivat, crescat, floreat derAlemannia-.

Geh. Rat v. Bechtold übermittelte den Dank dec Verwaltungsbehörden, wies anf die augenscheinliche Befferung des Verhältnisses der studentischen Korporationen unter sich hin und forderte die Burschenschaft auf, ihrem Wahlspruch Eintracht schafft Macht" immer treu zu bleiben und ihn hochzuhalten zur Erreichung der von ihr gesteckten Ziele.

Beigeordneter Wolff, im Namen der städtischen Ver­waltung hob daS gute Verhältnis hervor zwischen derAle­mannia- und der Stadt Gießen, und verbreitete sich, znm Teil in treffend humoristischer Weise, über die neue Stellung, in die die Burschenschaft in ihrer jetzigen Eigenschaft als Hausbesitzerin zur Stadt Gießen getreten sei.

Es folgte in der Reihe der Festredner einer der Herren Vertreter vom Offizierkorps des Infanterieregiments Kaiser Wilhelm, der in kurzen, markigen Worten die Glück­wünsche zur Hausbaufeier überbrachte, und das gute Ver- hältnis zwischen dem Regiment und der Burschenschaft vetonte.

Im Namen des Verbandes alter Burschenschafter für Gießen und Umgegend gedachte in längerer Rede, mit lautem Beifall aufgenommen, dessen Vorsitzender, Prof. Dr. Haupt (Arminia--Würzburg), der Burschenschaft in Vergangenheit und Gegenwart, beleuchtete ihre Aufgaben für die Zukunft und gab seiner Freude über daS glückliche Gelingen des Festes Ausdruck, das in feiner Anlage und in seinem Der- laufe die Stellung derAlemannia" aufs Beste beleuchtete.

Herzliche Worte im Namen der Stifter der Burschen­schaft redeten die A. H. Dr. Wirth und Geh. Oberbaurat Po seiner. Zu längerer Rede nimmt darauf Oberfinanz- asseffor Gläss ing-Darmstadt das Wort, der den Toten der Burschenschaft ehrendes Gedenken widmete, insbesondere des langjährigen Vorfitzenden des A.-H.-Verbandes der Alemannia gedachte, Pros. Dr. Ferdinand Weiffenbach, und des ver­dienten Ehrenmitglieds der Burschenschaft, Regierungsrats Hesse in Darmstadt, die in besonders nahem Verhältnis zu ihr standen. Nach herzlichen Worten der Erinnerung an die 38 Philister der Burschenschaft,die die traurige Fahrt nach der Insel der Toten angetreten und nun im Bilde mit frischem Grün der deutschen Eiche geschmückt, von einer stillen Ecke des Burschenhauses auf uns herniederschauen" ging Redner zur Gegenwart über.Der alten Soldatenfitte werde ihr Recht, drei Salven über das Grab der Gefallenen, ein stilles Gebet und mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel zurück zur Gegenwart, zurück zu dem überschäumcndcn ernsten und heiteren Leben, wie es sich dem Auge heute im Bilde der Jugend auf diesem festlichen Gelage bietet." Der Redner schloß mit dem Ruf:Auf frohes Wiedersehen zum -45 jährigen Stiftungsfest der Alemannia und zugleich zum 300jährrgen Jubiläum der alma mater Ludoviciana." Be­geisterter Beifall folgte seinen flammenden Worten.

Den Dank der anwesenden Vertreter der befreunbetett nu«.s<yellschuslen flauere in mit lautem Beifall ausgenommener Rede stud. Brenner (Germania-Straßburg), den der hiesigen Kneipgäste stud. Andresen (Germania-Berlin), den der hiesigen Burschenschaft Germania stud. Hahn ab. Zu schon »orgerückter Stunde stieg feierlich der Landesvater unter den Klängen des Liedes:Alles schweige". Geraume Zeit nahm er in Anspruch, trotzdem Chargierte ihres Amtes walteten.

Die Fidulität, die nach der Beendigung des Landes- oaters begann, hielt die Festteilnehmer unter wechselndem Kneipwartamt zusammen, bis die Sonne hell und goldsn in Den Saal leuchtete.

Nicht zu vergessen sei, daß eine nicht endenwollende An­zahl von Drahtgrüßen aus allen Teilen des Reichs und darüber hinaus eingelaufen waren, sogar auS Shanghai, im Lande der bezopften Chinesen, aus dem die beiden Alten Herren der Burschenschaft, die KriegSgerichtSräte Engel und Willeke herzliche Worte der Begrüßung übermittelt hatten.

Ein am Sonntag morgen abgehaltener Frühschoppen mit Katerfrühstück, der feuchtfröhlich verlief, und ein sich daran anschließender Exbummel nach dem Schiffenberg be­schlossen das offizielle Fest, das in seinem vom lachendsten Sommerwetter begleiteten Verlauf als in allen seinen Teilen wohlgelungen allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben wird.

Aus Stadt und Kund.

Gießen, den 11. Juni 1901.

* * Schwurgericht. Nach einer Beratung von 25 Minuten bejahten die Geschworenen sämtliche Schuld­fragen, worauf das Gericht den Angeklagte« Georg Errrrer znm Tode und zu IO1/, Jahren Zuchthaus verurteilte.

* Se. Exzellenz der kommandierende General v. Ltndequist weilt z. Z. wieder in unserer Stadt zum Zwecke der Ba­taillonsbesichtigung, die heute abend beendet sein wird. Das für gestern abend annoncierte Gartenkonzert der hiesigen Regimentskapelle fiel in Folge der Anwesenheit des Korps- kommandeurs aus. DaS nächste Gartenkonzert der Regiments- Kapelle im Brauerei-Ausschank Gießener Brauhaus, ftüher RöhrleS Bierhalle, wird am Montag, 17. Juni, stattfinden.

- r. Das Personalverzeichnis der Ludwigs Universität für daS Sommerhalbjahr 1901 ist soeben erschienen. Wie wir schon berichteten, zählt die Universität in diesem Sommer 916 im­matrikulierte Studenten, außerdem 3 Damen als Hospitan­tinnen. Auf die einzelnen Fakultäten entfallen: 60 (theol.), 206 (jur.), 292 (med.), 358 (phil.): die Zahl der Hessen be­trägt 572, der übrigen Reichsangehörigen 320 Hiervon find: Preußen 221, Bayern 60, Sachsen 7, Baden 10, Württem­berg 6, Elsaß-Lothringen 3, Waldeck 3, Hamburg 4, Lübeck, Schwarzburg - Sondershausen, Reuß j. L., Braunschweig, Mecklenburg, Oldenburg je 1. Ausländer sind 24, davon: Oesterreich-Ungarn 8, Rußland 8, Holland, Nordamerika je 2, Spanier, Schweden, Indien, Japan je 1.