Ausgabe 
12.5.1901 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

päischev Gewässern zurückblieben, Befehl erhalten haben, in diesem Jahre wieder auf ihre neunmonatlichen Auslandsreisen nach den ostamerikanischen Gewässern und nach Westindien in See zu gehen. Je mehr die Beendigung der Operationen beschleunigt würde, desto erfreulicher wär'S!

Generalfeldmarschall Graf Waldersee meldet am 9. aus Peking: Die in die Gegend von Hohfiwu und Mathou ent­sandte Kolonne von Arnstedt nach Tientsin zurückgekehrt, ohne auf größere Räuberbanden gestoßen zu fein. Brücke 6ei Hanku seit gestern im Eisenbahnbetrieb.

Der Korrespondent derDaily Mail" findet auf Grund sorgfältig angestellter Nachforschungen, daß die meisten Leute, die in Geschäftsangelegenheiten so weitsehend find, wie die französischen Finanzleute, entschieden gegen jede gemeinsame Garantie einer chinesischen Anleihe, ebenso gegen jede von zwei und mehr Mächten, z. B. Frankreich und Rußland, ge­meinsam getragene Garantie sind. Diese Anschauung wird iu den Kreisen der britischen Hochfinanz geteilt und entspricht der Ansicht, daß die Nationen, die über guten Kredit ver­fügen, unter keinen Umständen bei einem fragwürdigen Unter nehmen mit anderen Nationen sich verkoppeln laßen dürften, deren Kredit schlecht sei. Ein Leitartikel des Blattes führt aus, von Rußland werde ein sehr ernster Versuch gemacht, eine gemeinsame Garantie gewisser Mächte, die in China Hand iu Hand gegangen, zu stände zu bringen.

Die Engländer beginnen ernst aus China zurückzugehen. Es find Vorkehrungen getroffen worden zur sofortigen Rück­kehr eines indischen Kavallerieregiments mit Belagerungstrain aus Hongkong, eines Infanterieregiments aus Weihaiwei und eines Infanterieregiments aus Tientsin nach Indien.

Die amerikanischen Truppen räumten am 10. Mai die unter ihrer Kontrolle gestandenen Distrikte Pekings, außer der verbotenen Stadt, welche sie trotz fremder Einwendungen besetzt halten, falls nicht gegenteilige Weisung aus Washington erfolgt. Um ein Chaos nach dem Abzüge der amerikanischen Truppen zu verhindern, benachrichtigte Chaffee vergangene Woche Waldersee, daß die amerikanischen Truppen die er­wähnten Distriktgebiete verlaffen würden. Diejenigen, bisher von den Amerikanern besetzten Distrikte, welche an die briti scheu grenzen, würden den Engländern zugewiesen, während die übrigen unter deutsche Kontrolle gestellt wurden.

Telegramm des Gießener Anzeiger-.

Shanghai, 10. Mai. Reuter-Meldung. Beau, der Nachfolger des französischen Gesandten Pichon, ist hier auf dem Wege nach Peking eingetrofsen. TieNorth China Taily News" meldet: Privattelegramme aus zuverlässiger Quelle aus Singanfu besagen, die reaktionäre Partei, an deren Spitze der Eunuch Lihenying stehe, werde von Luchualin und Züngln unterstützt. Sie fordern offenbar die hohen Hofbeamten heraus. Es beständen Befürchtungen betr. einer Palastrevolution. Ter Kaiser solle beseitigt und nicht einfach abgesetzt werden zu Gunsten des gesetzmäßigen Thronerben.

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Mai. Aus Straßburg i. .E. wird gemeldet: Ter Kaiser unternahm gegen Abend eine kurze Spazierfahrt. Ter Theo wurde bei der Fürstin Hohenlohe eingenommen. Morgen mittag erfolgt die Abreise Sr. Ma­jestät nach Schlettstadt und "Besichtigung der Hohkönigs- burg.

Prinzessin Marie Luise Anna von Preußeu ist heute nachmittag an Herzlähmung sanft entschlafen. Sie war am 1. März 1829 in Berlin als zweites Kind des Prinzen Karl, des Bruders Kaiser Wilhelms, aus seiner Ehe mit der Prinzessin Marie von Sachsen-Weimar-Eisenach geboren und vermählte sich am 27. Juli 1854 mit Alexis, Landgrafen von Hessen-Philippsthal- Barchfeld. Die Ehe wurde 1861 von diesem geschieden. Seit vielen Jahren pflegte sie den Winter in Wiesbaden, den Sommer auf ihrem Schloß Montfort am Bodensee zu verbringen. Ta der Bruder der Prinzessin Luise, Prinz Friedrich Karl, schon 1885 gestorben ist, lebt von den Kindern des Prinzen Karl nur noch die Prinzessin Anna, verwittwete Landgräfin von öeffen, deren Sohn die Prinzessin Mar­garethe, die Schwester des Kaisers, geheiratet hat. Tie Leiche dürfte voraussichtlich nach Nikolskö bei Potsdam überführt werden, wo auch die Eltern der Verstorbenen beigesetzt sind. Prinz Friedrich Carl von Hessen ist hier eingetroffen.

Ter Reichskanzler stellte dem Reichstage den am 14. Tezember 1900 zu Brüssel beschlossenen Zusatzartikel zur Pariser Uebereinknnft von 1883 betreffend den Schutz gewerblichen Eigentums zur Beschlußfassung zu. Tie bei- geftigte Tenkschrift besagt, das Reich konnte der 1883 in Paris begründeten Union mehrerer Staaten zum Schutz gewerblichen Eigentums nicht beitreten, weil in Teutsch- land besondere- Bestimmungen über Nachsuchungsfrist, Patentschutz und Ausführungszwangbestehen. Tie Brüsseler Konferenz 1900 änderte die für Teutschland unannehm­baren Bestimmungen ab, sodaß, wenn der Reichstag zu­stimmt, das Reich der Union beitreten kann. Zur Um­gestaltung der inzwischen mit anderen Staaten abgeschlosse­nen Sonderverträge sind bereits einleitende Schritte gethan.

Bei der heutigen Uebernahme der Geschäfte des Finanzministeriums erklärte Minister Frhr. v. Rhein­baben, daß er es sich angelegen sein lassen werde, die Finanzen Preußens im bisherigen Geiste weiter zu ver­walten. Herr v. Miquel, welcher am Tonnerstag an einem ^iner beim Fürsten Herbert Bismarck teilnahm, wird erst Anfang Juni nach Frankfurt a. M. übersiedeln.

., ~. ,~cr Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirt- lchaftlrchen Interessen in Rheinland und Westfalen be- Meldung, Handelsminister Möller habe bei der 12 000 Mark-Affaire insofern eine Rolle gespielt, aU an den Verein zu dem Herr Möller in nahen Be­ziehungen stehe, auch einer von denBueck scheu Briefen" gelangt sei, für eine grobe und plumpe Unwahrheit.

x\n Borstnkreisen hofft man, daß es sich bei der demnächstigen Berufung des B ö r s e n a u s s ch u s s e s nicht nur um Maßnahmen zur Beseitigung bc$ Tifferenzein- wandes, sondern auch um eine A b f d) a f f u u g des Börsen re^gisters handele.

TieBerl. N. N." teilen mit, daß der Antrag auf Vertagung der Reichstagssession dem Reichs kanzler seitens des Präsidenten und aus der Mitte des

Hauses gestellt, nicht aber von der Regierung ausgegangen sei. In unterrichteten Kreisen wird diese Äcitteilung be­stätigt.

Tie Kommission des Reickstages für das Bräunt- weinsteuergesetz hat heute ein Notgesetz angenommen, durch das das bestehende Gesetz um ein Jahr verlängert wird. Unter Einführung eines Zuschlages auf die Brenn­st euer von 50 Proz. für Brennereien, die bis zum 1. Ok­tober 1900 in Betrieb gesetzt sind, kann das Höchstkontingent von 50000 auf 80000 Hektoliter erhöht werden.

Ter Apothekerrat trat heute im Kultusmini­sterium zusammen. Tie Beratungsgegenstände betreffen die Prüfung eines Entwurfes zu einer neuen Fassung der Vor­schriften über die Errichtung und Betrieb der Apotheken vom 16. Februar 1879, sowie die Frage, ob und inwieweit es sich empfiehlt, die Vorschriften der Sonntagsruhe auf den Apothekenbetrieb auszudehnen. Tie Verhandlungen dauern voraussichtlick) zwei Tage.

Schwerin, 10. Mai. Bei dem gestrigen Einzug der Königin Wilhelmina und des Prinzen Heinrich der Niederlande ereignete sich ein Unfall. Als die Tragoner- Eskorte vor der Schloßbrücke anlangte, setzte plötzlich die Musikkapelle eines Vereins mit brausenden Klängen ein. Hierdurch scheute das Pferd eines Dragoners, der alsbald die Gewalt über dasselbe verlor. Tas Tier machte kehrt und stürmte zurück an 'dein königlichen Wagen vorbei. Ein Berichterstatter aus Holland namens van Groningen, der neben dem Zug herschritt, wurde von dem Pferd über­rannt und erlitt einen doppelten B r u ch des linken Schienenbeins, sowie andere Verletzungen. Er wurde in das Krankenhaus gebracht, wo ihn Prinz Heinrich heute besuchte. Tie Wiederherstellung dürfte vier Wochen in An- spruch nehmen. Ein anderer holländischer Journalist namens Koch erlitt durch die Lanze des Dragoners eine leichtere Verletzung.

Braunschweig, 10. Mai. Tie Lande ssynode vertagte die Beratung des Antrages der welfiscyen Ver­einigungen auf Annahme einer Fürbitte für den Her­zog von Cumberland in das allgemeine Kirchen- gebet, nachdem Minister Trieps Bedenken gegen die in dem Kommissionsberichte gebrauchte Bezeichnung des Herzogs von Cumberland als Landesherrn erhoben hatte.

Ausland.

London, 10. Mai. Das Unterhaus nahm die vom Schatzkanzler Hicks-Beach eingebrachte Resolution betreffend die Z i v i l l i st e an.

Auf das Beileidschreiben der Institution of Naval Architeets vom 28. Februar anläßlich des Ablebens der Königin Viktoria an Kaiser Wilhelm sandte der Kaiser eine Antwort, in der er für die Teilnahme dankt. Der Kaiser beklagt den Tod seiner edlen Großmutter, deren An­denken im Herzen ihres Volkes fortleben werde.

Paris, 10. Mai. Die abgesetzte Hovas-Königin Ra­na v a l o, deren Thronmantel und Galakleider mit Szepter und Krone in Kisten verpackt liegen, hat die Erlaubnis erhalten, Paris zu besuchen. Wenn sie sich artig und sittsam aufführt, so soll ihr, wie es heißt, eine Verlängerung Aufenthalts in Frankreich gestattet werden, wo sie bis zum Herbst bleiben dürfte.

Rom, 10. Mai. In der Deputiertenkammer erklärte der Schatzmeister Ti B r o g l i o, er stimme im ganzen den Ausführungen Guiceiardinis über die Einnahmen und Ueberschuß zu und betonte, daß trotz der Ausgaben der China-Expedition das vorliegende Budget eines der gün­stigsten sein werde, das die italienischen Finanzen je ge­habt. (Zurufe: Sehr gut!)

Wien, 10. Mai. Die gestrige Generalversammlung des Vereins pensionierter Offiziere, an der zahlreiche Ge­neräle teilnahmen, gestaltete sich zu einer Demonstra­tion gegen das Kriegministerium wegen des Erlasses, worin die Bildung des Vereins, dessen Zweck eine Verbesserung der Lage der Offizierswitwen und -Waisen ist, als ungehörig bezeichnet wurde.

Eine Versammlung der österreichischen Zentralstelle zur Wahrung der land - und forstwirtschaftlichen Interessen bei Abschluß der Handelsverträge nahm eine Resolution an, wonach seitens der Land- und Forst­wirtschaft der im Reichsrate eingebrachten Kanalvor­lage nur dann zuzustimmen sei, wenn mittels Zollschutzes ausreichende Garantien für den Schutz des inländischen Marktes gegen eine Überschwemmung ausländischer land­wirtschaftlicher Produkte und sonstige im Interesse der heimi­schen Land- und Forstwirtschaft gelegene Kautelen gegeben eien.

Belgrad, 10. Mai. Ter Kultusminister Manichowitsch und der Kriegsminister Milos Wasitsch demissionier­ten. Ter König ernannte den Universitätsprofessor Lym- bornio Kovatschenitsch zum Kultusminister und den Oberst Bozidar Jankowitsch zum Kriegsminister. Tie wahre Ur- ache des Rücktritts der Minister bildetcherchez la femme". Ter unverheiratete Marinchowitsch war sehr aufmerksam gegenüber der Frau Wasitsch, sodaß deren Gatte in Eifer- ucht entbrannte, ohne nähere Beweise in Händen zu haben. Ter Krietzsminister Wasitsch überreichte seine Demission mit der Begründung, er könne nickt weiter in einem Kabinette mit Manichowitsch verbleiben.

Konstantinopel, 10. Mai. Tie von der Pforte in Angelegenheit des Postkon f likts an die fremden Botschafter gerichtete Note, worin die Pforte die Direk­toren der fremden Postämter beschuldigt, den Schmuggel zu begünstigen und die türkischen Zolleinnahmen zu schädigen, wurde von den Botschaftern dem Minister des Aeußern Tewfik Pascha mit der schriftlichen Begründung zurückgestellt, daß die Note nicqt angenommen werden könnte, weil sie beleidigende Anschuldigungen wider die Beamten der betreffenden Staaten enthalte. Tie Bot­schafter lehnen es ab, mit der Pforte in dieser Sache in Schriftwechsel einzutreten und beharren auf Genugtuung der Pforte gegenüber den fremden Postämtern. Tie bul­garischen Beamten an der bulgarisch-türkischen Grenze er­hielten den Auftrag, die aus Europa einlaufenden Post­sendungen den türkischen Beamten nicht zu übergeben und die Post selbst nach Konstantinopel zu bringen. Die euro­päischen Briefposten werden durch spezielle Delegierte der fremden Postämter nach Konstantinopel gebracht.

tzill schweres EljevdahllUllglück in kndwigshaseu.

Gestern bereits berichtete derGieß. Anz." von dem Eisenbahnunglück, dem leider auch ein Menschenleben zum Opfer gefallen ist.

Man meldet darüber jetzt Näheres: Ter Breslauer Schnellzug 43, der um 9 Uhr 18 Minuten in Ludwigshafen fällig ist, überfuhr die Station und geriet mit dem vorderen Zugteil auf die Straße, während die Lokomotive in den Winterhafen stürzte. Die Annahme, daß etwa die Bremsen versagt haben könnten, bestätigt sich nicht, es wurde viel­mehr festgestellt, daß der Zug in voller Fahrt in die Station einlief und daß die Bremsen allerdings mit voller Kraft in Thätigkeit gesetzt wurden, als es bereits zu spät war. Ter Zug raste über die Drehscheibe und den Kopfperron hinaus, durchbrach die Glaswand der Stirn­front des Bahnhofes und fuhr quer über die Straße und die Geleise der Hafenbahn hinweg, wobei die im Wege tehenden Güterwagen zur Seite geschleudert und stark be­schädigt wurden. Tie Lokomotive selbst stürzte, wie schon bereits erwähnt, in den Rhein, während der Tender auf der Ufermauer hängen blieb. Tie ersten Wagen des Zuges, ein Packwagen, ein Wagen 2. Klaffe Nr. 138 und der Reichs- )ostwagen 2114, die die ungemütliche Fahrt durch die Glaswand mitmachen mußten, blieben intakt und die In­sassen kamen mit dem Schrecken davon. In dem an den Postwagen angehängten eigentlichen Zug soll der Unfall laum bemerkt worden sein, und das klingt glaublich, da ja die Wagen auf den Schienen blieben. Leider hat das Unglück auch ein Menschenleben gefordert, und es ist noch als eine außerordentlich günstige Schicksalsfügung zu be­trachten, daß es bei diesem einen Opfer geblieben ist. Wenn die Drehscheibe nicht zufällig zur Auswechselung der Schnell- zugslokomotive bereit gestanden, oder wenn die entgegen» tehenden Hindernisse nicht doch die Wirkung der Bremsen und des ausströmenden Tampfes so verstärkt hätten, daß der eigentliche Zug hart am Rheinufer gestellt wurde, dann würde das Unglück ungeheure Timensionen angenommen und sicherlich viele Menschenopfer gefordert haben. Tie Ehefrau des Bankdieners Kilthau von hier, die fid> im Augenblick des Unglücks an der betreffenden Stelle der Straße befand, wurde von der Maschine erfaßt, zur Seite geschleudert, und bei dem Anprall so schwer verletzt, daß ie eine Stunde später im Aerztezimmer des Hauptbahn Hofs, wohin man sie verbracht hatte, verschied. Als ein besonderes Glück ist es zu bezeichnen, daß der eben heranfahrende Lokalzug unmittelbar vor der Unglücksstätte zum Stehen gebracht werden konnte, wäre der Zug auch nur 20 Meter weiter gewesen, dann wäre ein Zusammenstoß unvermeidlich gewesen. . ,

Auf der Maschine befanden sich der Lokomotivführer Eugen Matern, 41 Jahre alt, der die Strecke probeweise zum ersten Mole befuhr; ferner der Lokomotivführer Karl Bauer, 35 Jahre alt, der die Strecke kannte und seinem Kollegen mit beigegeben war; als dritter befand sich noch )er Heizer Viktor Spener. auf der Maschine. Bei dem Un- all geriet Spener ins Wasser, wo er sich so lange hielt, bis ein Nachen ihn aufnahm. .Der Führer Bauer erlitt leichtere Kontusionen am Kopf; er konnte in Gemeinschaft mit dem Heizer Spener noch in der Nacht nach Straßburg zurückkehren, dagegen ist der Führer Matern schwer ver­letzt. Er hatte schwere Brandwunden am linken Bein und an der linken Seite und außerdem Verletzungen am Kopf erlitten, und mußte alsbald in das städtische Krankenhaus verbracht werden. Sein Zustand gilt als bedenklich, das linke Bein aber dürfte unter allen Umständen verloren sein. Wie das Unglück geschehen konnte, das ist noch nicht völlig aufgeklärt. Man nimmt an, daß die Fahrbeamten auf der Masclfine sich in der Station irrten und annahmen, daß sie in fine Turchgangsstation einfuhren. Indessen ist das nur eine Annahme, die noch der Bestätigung bedarf. Die Kunde von dem Unglück hatte sich natürlich schnell in der Stadt verbreitet und alsbald entwickelte sich eine förm­liche Wallfahrt nach der Unglücksstelle. Auch! einige Aerzte und Feuerwehrleute waren bald zur Hand und auch die Sanitätskolonne, die gerade eine Uebung abhielt, stellte ofort in dankenswerter Weise ihre Hilfe zur Verfügung. Tie gerichtliche Feststellung des Thatbestandes fand noch in der Nacht statt. Tie Aufräumungsarbeiten wurden sofort ausgenommen. Die auf der Straße stehenden Wagen wurden mrch Ketten mit einer Lokomotive verbunden und wieder auf die Geleise gebracht ein schweres Stück Arbeit, das ürz nach 1 Uhr gethan war. Tie Herausschaffung der Lokomotive wird natürlich? ungleich größere Schwierigkeiten bieten.

Aus Stadt und Land.

Sieben, 11. Mai 1901.

* PromenadenKonzert. Das Programm zu dem mor­gigen Konzert ist folgendes: Ouvertüre zum Liederspiel.Die Heimkehr aus der Fremde" von Mendelssohn; Volks-Szene aus der OperDer Evangelimann" von Kienzl; lieber den Wellen, Walzer von RosaS; Finale aus der OperDer Nordstern" von Meyerbeer.

J. Omnibusverkehr. Zu der am Sonntag auf Textors Terrasse stattfindenden internationalen Hundeausstellung wird ein regelmäßiger Omnibusverkehr eingerichtet werden. Die Wagen fahren von morgens früh 9f/a Uhr an vom Marktplatz ab und zwar derart, daß am Vormittag stets alle halbe Stunde die Abfahrt nach, und alle Stunde Ab­fahrt von der Ausstellung stattfindet; des nachmittags fahren die Wagen fortwährend nach Bedarf. Sie find durch Fahnen kenntlich gemacht. Der Fahrpreis beträgt 20 Pfg.

Sonntagsruhe. Neun hiesige Firmen der Papier- und Schreibwarenbranche haben beschloßen, in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September an den Sonntagen um 2 Uhr nachmittags, an den Wochentagen mit Ausnahme des Sams­tags, um 8 Uhr abends ihre Geschäfte zu schließen.

*» Fechtverband Gießen-Lahr. Wie uns aus sicherer Quelle mitgeteilt wird, hat der Verein 6000 Mk. nach Lahr abgeführt, und sich infolgedeffen eine dauernde Stelle zur Erziehung eines Kindes aus unserer Stadt im Reichswaisen- hause gesichert. In der Sitzung am Mittwoch abend im Cafe Leib wurde beschloffen, fernerhin alle UeberschÜffe deS Vereins nur den hiesigen Stadtarmen zu überweisen; gleich­zeitig wurde, wie im Inseratenteil ersichtlich, eine Summe Geldes ausgeworfen, die zu Unterstützungen von je 20 Mk verwendet werden soll. Das Sommerfest findet am 2. Juni auf derschönen Aussicht" statt.

fl. Londorf, 10. Mai. Auch hier hielt heute KrciS- assistenzarzt Dr. Königer aus Gießen vor den Lehrern der