Ausgabe 
11.10.1901 Zweites Blatt
 
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Danksagung.

Allen, welche uns bei dem Hinscheiden unserer unvergeßlichen

Frau Elise Kurz %»e.

geb. ScSiwaner

ihre Teilnahme zuwendeten, insbesondere auch Herrn Pfarrer Dr. Grein für seine liebevollen Worte, sagen herzlichen und innigen Dank

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* Ist es str a f ba r, wenn ein Mädchen einem 1 Manne nach läuft? Fräulein Rosa L., eine anmuttge I Brünette, hatte sich letzter Tage vor der Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts wegen eigenartiger Beleidig­ung zu verantworten. Sie war angeklagt, den Assessor X. dadurch beleidigt zu haben, daß sie regelmäßig vor seiner Wohnung und vor seiner Kanzlei auf ihn wartete und .ihm dann überall hin nach-ging. Die Angeklagte gab das zu und begründete ihn Thun wie folgt: Assessor T. habe 'vor drei Jahren mit ihr Beziehungen angeknüpft; sie 'habe ihn innig geliebt und an seine Gegenliebe geglaubt. Das Verhältnis sei nicht ohne Folgen geblieben. Der Vater weigerte sich jedoch, dem Kinde seinen Namen zu geben, ebenso wies er das Ansinnen, die Rosa L. zu heiraten, zurück. Als das Kind nach einigen Monaten starb, habe sie geschworen, daß er keine andere heiraten solle, als sie. Seitdem suche sie jede Gelegenheit, ihn zu sehen; sie warte auf ihn und folge ihm dann in einiger Ent­fernung, aber ohne ihn anzusprechen. Staatsanwalt Cleß beantragte eine Gefängnisstrafe von sechB Monaten wegen systematischer Kompromittierung eines Beamten. Der Ver­treter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Reis, beantragte Bestrafung wegen Beleidigung und Versuchs einer Nötigung Gur Eheschließung. Als Verteidiger der Angeklagten fungierte Rechtsanwalt Konrad Haußmann, der bekannte Reichstags- und Landtagsabgeordnete. In seinem Plai- doyer für Freisprechung betonte er nachdrücklich, daß ge­mischte Empfindungen von Liebe und Haß, Sehnsucht und .Entrüstung ine Angeklagte zu ihrem stillen Thun veranlaßt haben; die Angeklagte trage noch heute das Bild des Vaters ihres Kindes immer bei sich. Männer seien geneigt, ; den Fall strenger zu beurteilen als Frauen, welche die Motive besser zu verstehen und würdigen vermöchten. Das 'Urteil lautete auf vierzehntägige Gefängnis.- , strafe wegen Beleidigung in sieben Fällen, insbe­sondere in drei Fällen, in welchen die Angeklagte Dritten gegenüber sagte, sie habe ein Kind von dem Assessor. Die Frage, ob das Nachlaufen selbst strafbar sei, ist von dem Gericht nicht bejaht worden. Zu bemerken ist noch, daß 'Fräulein Rosa L. zuerst wegen groben Unfugs vor das 'Schöffengericht geladen war; das Schöffengericht lehnte jedoch diese Anklage ab.

* Der Fe st ochs e des Münchener Oktober­seste s. Auf dem diesjährigen Münchener Oktoberfest wird wieder ein Festochse gebraten werden. Das Tier, das aus der gräflich Törrmg-Jettenbachschen Gutsverwaltung stammt, wog lebend 18 einhalb Zentner und giebt etwa '9 Zentner Fleischgewicht. Zur Zubereitung sind erforder- " lich: 15 Pfund Salz, 4 Pfund Pfeffer, 200 Gramm Pa- ; prika, 6 Pfund feingewiegte verschiedenerlei Grünware. Für jeden Ochsen braucht man 120 Liter Sauce, die aus einem ! Gekoche von je 10 Pfund Schweins- und Kalbsknochen, einem ' ganzen Ochsenkopf, 6 Pfund Rindsleber, 2 alten Hühnern, mehreren Putengerippen unter Zuthat von sehr guter Fleischbrühe und 4 Flaschen Madeira gewonnen wird.

* Mißverständnis. Der Regent eines süddeutschen Staates ließ sich während eines Hofballes einige der ge- ladenen Landtagsmitglieder vorstellen. Di« Reihe kam auch an den Abgeordneten der Stadt T. und hierbei fiel dem < Fürsten ein, daß in dieser Stadt vor einigen Monaten ein großes Feuer gewütet hatte. 'Das veranlaßte ihn, das Gespräch mit den Worten zu beginnen:Sie haben ja , kürzlich wie ich hörte, einen großen Brand gehabt", worauf her Angesprochene zugleich geschmeichelt und beschämt er­widerte:Majestät sind zu gütig. Es war aber bloß ein kleiner Spitz."

* Königliche Hvtel-Ausnahmepreise. Man / erinnert sich der skandalösen Ausbeutung der Fr-emden , in Dünkirchen, Reims und Cvmpiegne gelegentlich des Zarenbesuches. Man entschuldigt diese unerhörten Preis- ,schrcnlbungen schließliche indem man sich sagt, daß eine t derartige Gelegenheit sich den Geschäftsleuten nicht alle 1 Tage bietet. Ein Hotelier in Luchon jedoch wollte scheinbar ' in dieser Beziehung allem bisher Tagewesenen die Krone ; auf setzen. Ein auf der Hochzeitsreise befindliches Ehepaar aus Antwerpen hatte in Luchon in demselben Hotel Wohn- ' ung genommen, wo auch König Leopold von Belgien während seiner soeben beendeten Kur wohnte. Unsere ! Reisenden waren nicht wenig erstaunt und angenehm ) überrascht, als sie eines Tages auch ihren Landesvater < an der allgemeinen Table d'hote teilnehmen sahen, sonst

pflegte der König in seinem Appartement zu speisen. Aber es stand ihnen noch eine zweite, nicht ganz so angenehme Ueberraschung bevor. Als nämlich der Kellner ihnen zwei Beefsteaks mit Erdäpfeln servierte, flüsterte er ihnen in sehr zuvorkommender Weise zu, daß die Preise aufgeschlagen seien, und zwar aus Anlaß der Anwesenheit Seiner bel­gischen Majestät im Speisesaal. Als die Reisenden sich von dieser merkwürdigen Ankündigung etwas erholt hatten, fragten sie sehr kleinlaut, wieviel wohl unter diesen er­schwerenden Umständen jene beiden Beefsteaks mit Kartoffeln kosten würden, die sie in der erlauchten Gesellschaft ver­zehren dürften.Nur 16 Franken für die Pensionäre", er­widerte steif und würdig der Ganymed von Luchon. Die Antwerpner heilten sich, ihre Koffer zu packen!

* Die Verdeutschun g des Automobil. In dem von derGeselligen Vereinigung deutscher Automo­bilisten" ausgeschriebenen Wettbewerb um Verdeutschung der Worte Automobil, Automobilist, Automobilismus, auto- mobilsahren sind die ausgesetzten drei Preise den Herren Regierungsbauführer Wilh. Will in Berlin, Geh. Rat Köpcke in Dresden und Ernst Weidlich in Wormditt (Ostpr.) zu- gefallen. Dem Bericht eines der Preisrichter, Geh. Ober­baurats Sarrazin, in derZeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins" entnehmen wir, daß insgesamt nicht weniger als 843 Einsendungen mit mehr als 1000 Verdeutschungsvorschlägen eingegangen waren. Der erste Preisträger giebt seinem Vorschläge den Geleitspruch mit auf .den Weg:Turnen sagte Jahn!" Wie nämlich Jahn mit kühnen Griff den fremden, französischen Wortstamm tauen (tonrner, weit den, sich drehen) erfaßte und daraus mit glücklichstem Gelingen das neue Lehnwort turnen schuf, so benutzt Will den griechischen Stamm der ersten Hälfte des Wortes Automobil und giebt dem neuen Fahrzeug den einfachen, mundgerechten Namendas Aut" (Mehrzahl: die Ante), wozu er für Automobilist, Automobilisntus, automobilfahren die Ableitungen der Autler, das Anteln, auteln bildet, und zwar in Anlehnung an die geläufigen Formen Radler, radeln. Denselben Ge­danken hat Köpcke gehabt, nur daß er zuAut" die Ab- leitungen Auter, Auterei und auten vorschlägt. Der dritte Preis wurde dem VorschlagTriebwagen" (Triebfahrer, triebfahren usw.) zugesprochen. Rein lautlich betrachtet, ist nach Ansicht des Berichterstatters gegen die Einführung eines Lehnwortes Aut in die deutsche Sprache nichts ein­zuwenden, da es zahlreichen vorhandenen Stammwörtern (Braut, Haut, Laut, Maut usw.) entspricht. Wfy bildet der Volksmund solche Abkürzungen in allen Sprachen (Tram für Trambahn oder Tramway, nnder im Englischen für Underground railway, Untergrundbahnen usw. sind ähnliche volkstümliche Kürzungen. Ein Vorzug des Mortes Aut ist, daß sich alle vorkommenden Zusammensetzungen einfach und mundgerecht bilden lassen: Autdroschke, Autkutsche, Antsport Dampfant, Benzinaut, Luftaut usw. Ob das Aut" nun Annahme finden und sich' einbürgern wird, das dürfte, meint der genannte Preisrichter wesentlich von den deutschen Spor (kreisen und ihrer Fachpresse ab­hängen. Bemerkenswert ist, daß beide Schöpfer des WortesAut" Ingenieure sind, deren Fachgebiet mit dem des Baues der neuen Fahrzeuge eng verwandt ist. Geh. Rat Köpcke ist u. <l der Erbauer der bekannten eisernen Elb- brücke bei Blasewitz. Der Erfolg der preisgekrönten Wort­bildung bleibt abzuwarten: dabei werden nicht nur die Sportleute, sondern auch die volkstümlichen Kreise, die immer mehr mit dem neuartigen Fahrzeug in Berührung kommen, mitzureden und zu entscheiden haben.Aut" als .Hauptwort ist eine jener Abkürzungen, die sich im tech­nischen und wissenschaftlichen Leben ergeben. .Schwierig steht es umauten" oderauteln". Die Volkssprache ist spröde gegen solche Vcrbalbildungen, in deren Formen (z. B. ,nutete" undgeautet") sich die Herkunft immer mehr verschleiert. MitRadeln", das übrigens als Wort von humoristischem Beigeschmack schon früher int Gebrauche war, unddrahten" steht es ganz anders da klang das deutsche Grundwort traut in die Ohren. LlberTranten" hat sich ausTram" nicht bilden wollen. Uebrigens steht auch dem vorgeschlagenen HauptwortAut" der schon vielfach^ ge­brauchte deutsche Aussolru-ckK r a f t w a g e n" gegenüber. Die letzte ausschlaggebende Preiserteilung bleibt der vox populi überlassen.

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