Ausgabe 
11.10.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. 239 Erstes Blatt.

151. Jahrgang.

Freitag 11. Oktober 1901

Erscheint täglich mit Ausnahme des

Montags.

Die Siebener Familien- blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit demHess. Landwirt" und denBlättern für hessische Volkskunde"

Viermal wöchentlich bei­gelegt.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schnlstratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«.

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Amts- Md Anieiaeblatt für -en Kreis Gießen

Annahme von Anzeigen zu der für den folgenden Lag erfcheinenden Nr, bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In- und Auslandes nehmen An» zeigen entgegen.

Zeilenpreis: lokal 12 Pf, auswärts 20 Pfg.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben).

Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

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Grün * einem wesen, cheu:

vergiftet.

Sonderbare Trauung. Ein junges Paar in schlesischen Dorfe war mehrere Jahre verlobt ge- Eines Tages sagte der junge Mann zu dem Mäd- Jch kann 'Dich! nicht heiraten".Warum denn nicht?"Ich habe mirs anders überlegt".Gut, nian soll niemand zur Liebe zwingen. Aber ich will Dir sagen, was wir machen »vollen. Wenn die Leute erfahren, daß, Du mich aufgegeben hast, dann bekomme ich keinen andern mehr. Das mußt Du doch einschen. Du beöommst, aber immer eine andere. Wir werden also aufgeboten, und

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sich ganz vernünftige Vorschläge darunter, aber sie ver­puffen wie Platzpatronen. Durch Kongreßbeschlüsse lockt man kernen Hund hinterm Ofen hervor, und durch Re­solutionen hält man den Lauf der Geschichte nicht auf. Das ist ost genug auch das Schicksal von Kongressen gewesen, die von Fürsten und Kaisern einberufen wurden, von Männern also, die über die Macht verfügen, ihren Beschlüssen auch Nachdruck zu geben. Was ist von dem Arbeiterschuykongreß übrig geblieben, den Kaiser Wilhelm im Jahre 1890 ein- beries, was von dem Haager Friedens- und Abrüstungs- kongrcß des Zaren Nikolaus! Was wird hernach von dem Kongreß übrig bleiben, den Frau Minna Cauer einberief, die doch über feine Kosaken und pommersche Grenadiers verfügt!

haben. Aus der Konzerthaus-Epoche stammt auch ein Vor­fall, der seinerzeit viel Heiterkeit erregte und den Meyder selbst als wahr zugegeben hat. Es war ihm nämlich sehr Daran gelegen gewesen, mit Hans von Bülow bekannt zu werden. Als er den genialen Dirigenten eines Tages in einem Restaurant traf, stellte er sich ihm mit den Worten vor:Mein Name ist Meyder; ich bin Dirigent der Kapelle des Konzerthauses". Die Antwort Bülows lautete:Und ich bin Meider des Konzerthauses!"* Spott erntete Meyder auch, als er mit seiner Kapelle in Warschau konzertierte. In dortigen Zeitungen ließ er er­klären, daß seine Musiker nur zum kleinen Teile Deutsche seien. Die besten Stützen der Kapelle wären Franzosen und Polen. Die derart um ihr Deutschtum gebrachten Musiker nannten Meyder von nun anMeyderski".

* Gestörte Hochzeit. Die 18 jährige Tochter deö Tischlermeisters Eichhorn in Berlin war seit längerer Zeit mit einem Arbeiter der Spandauer Geschützgießerei verlobt. Tie Hochzeit war auf den Sonntag angesetzt, alle Vor­bereitungen zur Feier waren bereits getroffen. Da kam es am "Freitag mittag zwischen der Braut und ihrer Mutter auf der einen, und dem Vater auf der andern Seite zu einem Zwist, der in einen heftigen und lauten Streit ausartete. Aergerlich ging Eichhorn wieder in eine Schank- wirtschaft, die er kurz vorher verlassen hatte und erklärte, daß er an der Hochzeit nicht teilnehmen werde. Wie er das gemeint hatte, erfuhren seine Angehörigen zu ihrem Schrecken am nächsten Morgen. Als Frau Eichhorn in der neuen Wohnung, die die Leute drei Tage vorher bezogen hatten, um 4 Uhr aufwachte, fand sie ihren Mann tot in seinem Bette liegen. Er hatte sich mit Schweinfurter

wenn der Hochzeitstag kommt, und der Pastor zu Dir sagt:Willst Du Anne Marie Schulten als Ehefrau haben?" so sagst DuJa". Und wenn er mich dann fragt:Willst Du Johann Käsebier zum Ehemann haben?" so sage ich. Nein". Darauf ging Johann ein, da er nicht schlau, genug war, eine Ausrede zu finden. Der Hochzeitstag kam. Der Pastor stellte die wichtige Frage an den Bräu­tigam, und dieser antworteteJa". Dann fragte der! Geistliche die Braut:Willst Tu Johann Käsebier zum Ehe- manne haben?" Und die Braut antwortete ebenfallsJa". Was", sagte der junge Mann wütend,Du wolltest doch Nein" sagen?"Ich weiß", sagte die junge Frau,aber ich habe mirs auch anders überlegt."

* Gymnasiasten als Ordensritter. Der Be­such desSühneprinzen", der nun seine Reise nach der Heimat antritt, hat eine große Reihe von Seltsamkeiten mit sich gebracht, die so bald aus der öffentlichen Dis­kussion nicht verschwinden werden. Aber mit das Selt­samste wohl ist es, daß Prinz Tschun im Namen seines Bruders, des Kaisers von China, zwei Sekundaner eines in Berlin W gelegenen Gymnasiums dekoriert hat. Und das kam so: Prinz Tschun war zu dem Feste, das ein hoher Reichsbeamter ihm zu Ehren veranstaltet hatte, erschienen und hatte auch ein Päckchen Orden mitgebracht, die er im Namen seines kaiserlichen Bruders an den Gastgeber und andere illustre Personen zu verteilen gedachte. Nach Auf­hebung der Tafel stellte der Gastgeber dem Prinzen Tschun seinen Sohn, einen strammen Sekundaner, vor, und auch' ein Schulkamerad des letzteren, gleichfalls der Sohn eines hohen Beamten, hatte das Vergnügen, den Sühneprinzen von Angesicht kennen zu lernen. Prinz Tschun war sehr erfreut, die Bekanntschaft der beiden jungen Herren zu machen, und verabsäumte nicht, ihnen bei Beendigung des Gespräches, je einen chinesischen Orden zu überreichen. 'Die beiden Sekundaner sind begreiflicherweise recht stolz auf die Dekoration und haben, von den Ratschlägen ihrer Väter, unterstützt, den vorgeschriebenen Weg eingeschlagen, um die landesherrliche Genehmigung zum Tragen der schönen Orden zu erlangen.

Handel und Verkehr. Ualküwirtschast.

Märkte.

Obst-, Gemüse- und Kartoffel-Markt in Darmstadt. Mit dem am 12.14. Oktober im Restaurant zurStadt Pfungstadt" stattfindenden Markte ist auch eine Öbst> und Gemüseausstellung mit Prämiierung verbunden. Auf derselben werden zugelassen: I. Obst. 1. Ausgewählte Tafelfrüchte, und zwar je 4 Stück einer Sorte: a) Winter­äpfel, b) Winterbirnen, c) Nüsse, je ein Deller. 2. Obstsorti­mente : a) Winteräpfel, b) Winterbirnen, c) Nüsse, d) Trauben. 3. Verpackte Früchte: Früchte aller Art in Körben, Kisten re. für den Versandt verpackt. II. Obstprodukte, a) Apfelwein, b) Apfelschaumwein, c) Beerenwein, d) Fruchtsäfte, Obsh- gelee und Marmeladen, e) Obstkonserven, f) Obstbranntwein, g) getrocknetes bezw. gedörrtes Obst. III. Gemüse, ein­schließlich Kürbisse. Einzelne Gemüsesorten (je 3 Stück der Sorte), b) Kollektionen von Gemüse, c) getrocknetes Gemüse, Gemüsekonserven. IV. Geräte und Hilfsmittel, a) für Obst­baumpflege, b) für Obstperwertung, c) für Obstausbewahrung, d) für Gemüseverwertung. Die ausgestellten Gegenstände werden einer sachverständigen Beurteilung unterzogen und auf deren Ergebnis zahlreiche Preise zuerkannt. Ent­sprechend der vom Obstmarkt-Komitee betriebenen Förderung der Anlieferung größerer, in Körben verpackter Obstmengen zum direkten Verkauf auf dem Markt wird namentlich auch verpacktes Obst bei der Prämiierung besonders berücksichtigt werden. Eine größere Partie Obst, Gemüse und Kartoffeln wird zur Verlosung angekaust werden. Anmeldeformulare sind von Sekretär F. Röth, Darmstadt, Roßdörferstr. 65, zu beziehen. Zur Erleichterung der Beschickung mit größeren Mengen von Obst zum direkten. Verkauf auf dem Markte hat das Obstmarkt-Komitee übernommen, die Liefer­ung von Körben auf Bestellung zu übermitteln. Dieselben sind aus der Korbfabrik von Georg Mink in Hamm a. Rh. (bei Osthofen). Es kosten größere für 2025 Kilogramm Obst 90 Pfg. per Stück, kleinere für 1012 Kilogramm Obst 45 Pfg. per Stück bei bester Qualität. Zwecks Vermittel­ung des Bezuges wende man sich rechtzeitig an Herrn Se­kretär F. Röth, Darmstadt, Roßdörferstr. 65. Auch können die Körbe selbstverständlich direkt von Hamm bezogen werden.

Spart.

Eine große Pf erde-Auktion veranstaltet der Renn-Klub in Frankfurt a. M. zurzeit seiner großen Herbst- rennen, die am 19., 20. und 22. Oktober stattfinden und ür welche Mk. 102 500 an Preisen ausgesetzt sind. Die Auktion indet am 21. Oktober, Vormittag 10 Uhr im Hippodrom iatt und umfaßt Voll-, Halbblut- und Gebrauchs-Pferde aller Art mit Ausnahme schwerer Arbeitspferde. Da die Auktion von verschiedenen Rennstall- und Gestütsbesitzern, sowie Halbblutzüchtern und Pferdehandlungen angeregt und deren Beschickung zugesagt wurde, so werden auf derselben neben Rennpferden im Training, Vollblutjährlinge, Vollblutzuchtstuten (tragend), Vollblutfohlen, Halbblutpferde zu Renn-, Fahr-und Reitzwecken, fertig gerittene Reitpferde, Wagenpferde für Ansprüche aller Art (auch für Landwirte, Fiaker usw.) zur Versteigerung gelangen. Es bietet sich somit eine bisher nicht vorhanden gewesene vorzügliche Gelegenheit zum An- und Verkauf von Pferden zu den verschiedensten Gebrauchszwecken und allen Preisen. An­meldungen werden bis 15. Oktober er, abends 6 Uhr an das Sekretariat des Rennklubs Frankfurt a. M., Niedeuau 47, erbeten.

oon Frauen zeichnen sich oft genug ) das Fehlen körperlicher Reize aus^ mit den Willen der Natur, die ihnen um mu oer Aufschrift aufdrückte:Diese Exrm-^

plare sind nicht für die Fortpflanzung bestimmt". Zumeist fühlen sie denn auch für die Ehe weder Beruf noch Nepgung- gehen sie dennoch eine Ehe ein, so werden^ sie gewiß alles sehr rationell ansassen, sie werden, wenn sie lebens-^ und entwickelungssähige Mnder bekommen was durchs aus nicht immer der Fall ist ihre Kinder nach dem ausgeklügelsten Systeme mit der besten, nach der neuesten Methode sterilisierten Kuhmilch ernähren und sie später wohl an der Hand ihrer eigenen pädagogischen Werke erziehen- aber es wird ihnen an jenem Jmponderabile des Wewes fehlen, an jenem göttlichen Hauch, der von der echten Fran aus d as Kind übergeht und unter dessen wärmenden Strah­len allein Männer mit genialer Kraft herangewachsen sind wie Goethe und Bismarck. Von solchen Drännenr Können

keine Gründe angegeben waren. Tie sozialdemokra- ctische Fraktion nahm zu der Angelegenheit noch keine '.Stellung, während die Fraktion der Rechten von einer offiziellen Sitzung Abstand nahm, da wichtige Angelegen­heiten nicht zur Beratung ständen.

Von anderer Seite wird behauptet, bei der Audienz lei die Angelegenheit Kauffmann gar nicht zur Sprache ge­kommen. In der Hauptsache drehte sich die Unterredung um drei Punkte: die Lindenüberführung, den Märchen- brunnen und das Projekt der Lindenumgeftaltung. Be­züglich der Lindenüberführung äußerte der Kaiser sich dahin, daß er erst nach langer und reiflicher Ueberlegung zu der Ueberzeuguug und damit zu dem Entschluß ge­kommen sei, daß im Niveau der Linden eine Durchkreuzung

Vermischtes.

* Berlin, 7. Okt. Kapellmeister Carl Mey­der, der bekannte Leiter der ehemaligen Konzerthaus- Kapelle, mit der er in ganz Deutschland Kunstreisen zu unternehmen pflegte, ist flüchtig geworden. Er hat un­zähligen Berliner GeschäftsleutenAndenken" in Gestalt unbezahlter Rechnungen hinterlassen. Die meisten und am schwersten betroffenen Gläubiger hat er in den Kreisen her Musiker. Schon zur Zeit, als Meyder noch im Konzert- Haus den Taktstock schwang, als also gute Einnahmen er­zielt wurden, bezahlte er feine Musiker sehr schlecht oder gar nicht. Junge Künstler, debütierende Sängerinnen und Wunderkinder", eine Spezialität Meyder's, mußten sich mit dem Ruhme begnügen, im Konzerthaus gespielt zu

le aus dem Reichstag hinausgegrault! fortschrittlichen Frauen in der Beuth- Hier haben die Damen unter Obhut;

so gerne entronnen wären, nach Her-! o scheffelweise Beschlüsse gefaßt, bie! Reichtum an Worten schon ihren Ur­ehe der Welt, wenn sie alles essen, Beuthstraße gekocht würde! Aber di-, ,u Werke gegangen, die meisten Red- 'I wohl, zu radikale Forderungen auf-! n Spöttern und Harmlosen nicht! ' immer noch der veralteten Ansicht ehung die vornehmste Aufgabe ber n war freilich die Rede, aber nur ganz lbei, als ob es sich um einen Neben-- ges Hebet oder eine Beschäftigung in: e. In der Resolution nämlich, die in. c Vortrag von Fräulein Dr. Helenes gemeinschaftliche Erziehung der Ge- )e, lautet der vierte und letzte Punkt:. Kichere Bildung der Frauen hoffen wir , nütterlichen Beruf tüchtiger zu machen." ! lsch und eine solche Hoffnung läuft, rfahrung schnurstracks zuwider. Nicht' Kenntnissen vollgestopfte Frau ist die! rzieherin ihrer Kinder, sondern bie- ütes und Genialität des Herzens ihre, nde Frau. Es gab und giebt vieles hochgebildete Frauen, die über einen, .'fügen als mandjicr Mann in einfluß-^ er nie hat man davon gehört, daß, e Söhne in die Welt gesetzt hätten^ ruf dem Gebiete der Kunst, der Wissen- ielmehr steht fest, daß in den weitaus,! ; die Mütter hervorragender Männer en, zwar mit kerngesundem Verstand! m Ehrgeiz als jogenannte geifer laran werden die Beschlüsse der fort-; lichts ändern, denn ein altes römisches! eibe die Natur mit der Heugabel aus^ er; dabei haben diese fortschrittlichenj mral die Heugabel zur Verfügung, w .e That umzusetzen.

cks der vernünftige Kern der Frauen-- bekannt: alleinstehende Frauen, iüe: oder den Gründen verzichten müssen, gesetzt werden, sich eigenen würdigen .1 und sich wirtschaftlich unabhängig isszweige, die sich hierzu eignen, sind" eisten haben sich den Frauen geöffnet sende von Frauen und Mädchen finden' mb Verdienst auf den Telephon-- und, Ohne daß es einer Resolution oder e, hat sich dieser Berufszweig den il ohne weiteres klar war, daß die n Frauenhänben bequem wahrgenom- Ueberall wo leichte Hantierung und eit in Frage kommen, sind Frauen-, )bei sich freilich herausftellt, daß für -essenden Berufs, die schnelles Dis- die Frauenarbeit nicht immer so zu-, ie Männerarbeit. Ueberall auch da'

das Mädchen an erster Stelle be- rlich^e Bestimmung! des Weibes- wo jehung in Schulen, Kranken- und' age kommen. Hier kann in -der That- mften der Frauen geschehen, wie oep -ervorgehoben hat.

Frauenbewegung von ihrer gesunden sie in ein vollkommen falsches Geleise rz folgendes. Tie Führerinnen der vie Lina Adorgenstern, Minna dauer, > wie sie sonst heißen mögen, stehen- tdesentwickelung und Urteilskraft weit t des weiblichen Geschlechts, sir stecken erreichen sie, übersehen aber, daß r Frauen diesem Fluge niemals zu glauben, weil sie sich selbst zu' cufen fühlen, die gleiche Spannkraft ten, sie müsse nur gepflegt und ent-i sächlich ist das nicht der Fall. Diese den nicht das Stormale, sondern die _-in Naturspiel, sie müßten eigentlich gut wie es Männer giebt, die ihrer iach sich im Unterrock besser ausnehmen ältiger Tracht- So wenig es aber den Thun und Treiben nach, dem Geschmack hten, so wenig wird die große Masse den Grundsätzen der Ueberweiber ve-