staatlich bestätigten Forstwarte, monatlich voraus zahluugsweife durch den Einnehmer derjenigen Gemeinde, in welcher der Forstwart wohnt, zu geschehen. Da in einigen Gemeinden dies nicht beachtet worden ist, beauftragen wir Sie, soweit Sie Focstwarte haben, die Gemeinderechner mit entsprechender Weisung zu versehen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung
Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen; hier Drainageanlagen im II. Feld.
In der Zeit vom 15. I. M. bis einschließlich 21. l. M. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Daubringen 3 Pläne über die im II. Felde noch auszu- führenden Drainagen zur Einsicht der Beteiligten offen.
Einwendungen hiergegen sind bei Meidung des Aus fchluffeS innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist bei Großh. Bürgermeisterei Daubringen schriftlich einzureichen.
Friedberg, den 9. August 1901.
Der Großh. Feldbereinigungökonrmissär: Sandmann.
Die Behandlung der Kriegsgefangenen in Ceylon.
Der Alldeutsche Verband teilt uns folgendes Schreiben mit, das ihm aus dem Gefangenenlager Rega- matamp auf Ceylon durch einen Zufall unzensiert zuge- gaugen ist:
Rrgamakamp, 26. 6. 01.
„Unser Leben im Regamakamp ist da« denkbar traurigste und wir werden wohl alle eine geschädigte Gesundheit alS bleibendes Andenken von hier mit sortnehmen. ES fehlt unS an Bewegung, unser Kamp •*=■ ringsum von dünstenden Sümpfen umschloffen — ist viel zu klein, eS ist kein Platz da, wir find also auf den stündigen Aufenthalt in den Hütten, bezw. zum Liegen auf unseren Prttfchen angewiesen. Schwere Verdauungsstörungen sind daher an der Tagesordnung. In Dtyatalawa war wenigstens Platz, um sich auszulaufen, nach unserer Abreise im Januar — hier sind nur Außlündrr — ist den Buren noch viel größere Bewegungsfreiheit etngerüumt worden. Pro forma hat man UNS auch hier eintgemale Gelegenheit gegeben, kurz nach Sonnenaufgang unter starker mllitürtscher Bedeckung außerhalb spazieren zu gehen. Froh, wenn auch mit nüchternem Magen, folgten wir zweimal der Aufforderung, Gefangenschaft und Kost hatten unsere «rüste jeboch dermaßen geschwächt, daß wir von diesem Gang „vollständig aufgelöst" zurückkamen. Wie soll eS unS später gehen, wenn eS erst wieder mit der Hände Kraft da« tägliche Brot verdienen heißt! Mangel« Teilnehmern sind tiefe Spaziergänge inzwischen wieder eingestellt worden. Unsere Kost ist erbärmlich, daS Fleisch ist fast immer ungenießbar hart, die Kartoffeln sehr, sehr oft verdorben; wir ernähren unS von Thee und trockenem Brot. Wo sollen da Kräfte Herkommen? Die Folgen dieser einseitigen Ernährung zeigen sich an unseren Zähnen, die glatt wegbrechen. Schreiber dieses hat beinahe alle seine Backzähne io dieser Zeit eingebüßt. Mit einem Stückchen weichen Holzes putzen wir Armen uns dieZähne; Zahnbürsten, Zahn pulver können sich nur wenige AuSerwShtte leisten, Strümpse haben wir schon seit Jahr und Tag nicht mehr gefehen, alS Handtücher bienen Fetzm zerriffener Kleidungsstücke. Bei unserem s. Z. Abschub erhielten wir ein Hemd und einen Zwtrnanzug, da« war unser ganzer Reich- tum. Schon im März war nicht mehr viel davon übrig; seit dieser Zeit sind wir halbnackt herumgelaufen. Vor fünf Tagen erhielten wir endlich wieder eine neue Garnitur, d. h. nur die, die kein Geld beim Kommandanten stehen haben, die andern muffen es sich für eigene Rechnung taufen.
Die letzten Wochen war es kühl und windig im Gegensatz zu der sengenden Sonnenglut der ersten Monate, Tag für Tag Regen und — unsere Hütten sind mit Palmblättern. gedeckt! Sieben Achtel von uns leiden an Rheumatismus, Atembeschwerden, Fieber, Dyssentrie, Verstopfung, Zahnschmerzen, Ohrengeschwüren, letztere Krankheit tritt epidemisch auf. Unsere Hände zittern, als wären wir ganz alte Leute, alle sind wir so nervös, daß man oft Männer sitzen sieht, denen die Thränen in den langen Vollbart laufen, ohne daß sie recht sagen können, warum. Ein Taschentuch auswaschen läßt uns Ströme von Schweiß vergießen: der Aufenthalt hier ist eben zu ungesund. Unser alter Doktor ist mehrere Male beim Gouverneur wegen Verlegung unseres Kamps vorstellig geworden — er könne sonst für nichts stehen. Seine Eingaben haben den Erfolg gehabt, daß man chn nach Indien versetzt hat. Jetzt versieht ein junger Arzt seinen Posten, und auch der hat schon wieder eine ähnliche Eingabe der Kampverlegung abgeschickt. Müssen wir noch lange hier leben, dann kehren wir alle geistig und körperlich vollkommen verkümmert und verkrüppelt nach Hause zurück, unfähig, für die Existenz zu arbeiten. Was Wunder, wenn man daher immer nach einer Gelegenheit zur Flucht aus- schaut. Alle Versuche sind bisher mißglückt. Die mit Hilfe der Sing halesen Wiedereingefangenen wandern auf Wochen ins Gefängnis nach Khandi, bestraft mit schwerer Arbeit oder Einzelhaft. Im Colomboer Gefängnis sitzen 6 Mann schon seit Monaten. Daß Ende vorigen Jahres ein gewisser Leopold Bedenkammer, angeblich aus Passau, abends im Kamp beim Verlassen des Abortes durch einen wahrscheinlich betrunkenen
Tommy einfach über den Haufen geknallt wurde — als fluchtverdächtig — dürften Sie wohl gehört haben. Unser deutscher Konsul, der uns erst sechs Monate Zeit lirß, uns hier einzugewöhnen, ehe er uns besuchte, sagte allerdings, er sei Oesterreicher gewesen. Wir konnten über die An- gelegenheit nie etwas schreiben, unsere Briefe unterliegen der schärfsten Zensur, eingeschriebene Briefe an Konsulat oder Auswärtiges Amt sind nicht erlaubt; wer Briefe von vier Setten und mehr erhält oder schreibt, muß gewärtig sein, daß sie ihr Endziel nie erreichen, so wenigstens schreibt der Zensor Baumann, ein Deutscher im englichen Sold. Man macht mit uns, was man will. Als wir vor kurzem uns weigerten, eine Liste, die ihnen als Information über gewisse Dinge dienen sollte, auezufüllen, wurden wir auf halbe Rationen gesetzt. Durch Hunger zwangen sie schließlich Halbverhungerte. Wann erbarmt man sich unserer endlich, fragen wir uns Tag für Tag! Oder ist alles Hoffen umsonst?"
Der Absender dieses Briefes ist ein Reichsdeutscher. Der Brief ist von ihm unterzeichnet; doch verbietet sich aus naheliegenden Gründen die Veröffentlichung seines Namens.
Was den Vorwurf gegen den deutschen Konsul in Colombo, Freudenberg, betrifft, so möchten wir uns den gegen diesen erhobenen indirekten Vorwurf nicht aneignen, io lange nicht weitere Beweise zu Gebote stehen. Es fragt sich wohl auch, wie weit ihm die von Berlin aus gegebenen Weisungen eine Intervention zu Gunsten der gefangenen Reichsdeutschen gestatten. Die Frage ist aber wohl berechtigt, ob denn unser Auswärtiges Amt nicht in der Lage ist, für die gefangenen Reichsdeutschen von der englischen Regierung eine menschliche Behandlung zu erreichen. Dadurch, daß Reichsdeutsche gegen die Engländer gekämpft haben, haben diese sich natürlich dem Schicksale ausgesetzt, von den Engländern in Gefangenschaft gehalten zu werden, und hiergegen kann die deutf^e Reichsregierung wohl höchstens auf oem Wege freundschaftlicher Vorstellungen etwas erreichen. Aber dadurch, daß die deutschen Reichsangehörigen gegen die Engländer gekämpft haben, haben sie doch nicht den Schutz des Völkerrechts verwirkt, und hier wäre es sehr wohl möglich, daß unser Auswärtiges Amt unter Berufung auf das- selbe eine menschliche und anständige Behandlung der Kriegsgefangenen deutscher Reichsangehörigkeit erwirkt.
Doükische Tagesschau.
Wir lesen im „Berl. Börs.-C.":
Zur Kennzeichnung der Weltanschauung der Heimgegangenen Kaiserin Friedrich gehört auch die Stellung, die sie dem Antisemitismus gegenüber einnahm, und die sich mit dem Ausspruche Kaiser Friedrichs, die Bewegung sei eine „Schmach des Jahrhunderts" voll- kommen deckte. Als im Jahre 1893 von der Parlamentstribüne herab die Authenzität jenes Ausspruchs angezwei- elt wurde, waren es der ehemalige Chef der Admiralität, General v. Stosch, und Georg v. Bunsen, welche die Echtheit des Wortes bezeugten. G. v- Bunsen schrieb damals (3. April) an den Pros. Paul Magnus, der mit seinen Brüdern eine Eingabe an den Präsidenten des Reichstags gegen die Verunglimpfung seines Vaters, des verstorbenen Stadlrats Magnus, dem der Abg. Liebermann v. Sonnenberg unterstellt hatte, das Wort von der „Schmach des Jahrhunderts" gefälscht und dem Kronprinzen in den Mund gelegt zu haben, Protest einlegte:
„Aus meinem Briefe vom 20. Juni 1880, der sich im Nachlasse Ihres seligen Herrn Vaters gefunden hat, ivissen Sie, daß die damalige Frau Kronprinzeß mit Abscheu von der Judenhetze sprach. Einige Worte, die damals den Schluß Ihrer Aeußerung bildeten, haften noch frisch in meiner Erinnerung. Die hohe Frau erklärte, daß dem Kronprinzen wie ihr selbst daran gelegen sei, über ihrer beiden Verurteilung der unwürdigen Agitation nirgend einen Zweifel aufkommen zu lassen. Was die Pietät Sie jetzt gut thun heißt, erachte ich zugleich als zum Wohle des Vaterlandes gethan und wünsche Ihrem Vorgehen, sehr geehrte Herren, den ausgiebigsten Erfolg. Dieser ältere Brief aus dem Jahre 1880 lautete:
„Verehrter Herr Geheimrat? Gestern abend nahm die Frau Kronprinzessin eine Gelegenheit wahr, von der „Judenhetze" und der „schönen Geduld" zu reden, welche die Juden an den Tag gelegt. Im Laufe dieses Gespräches habe ich dann der hohen Frau von Ihrer Absicht, das Lessingdenkmal zu errichten, erzählt. Auf meine Aeußerung, daß gerade jetzt der Augenblick mir gekommen zu sein scheine, wo gar mancher sich freuen würde, seine Gesinnung zu bekunden, und damit einer ebenso frechen als unerwarteten Agitation entgegenzutreten, ging sie
Maudereien eines Asphattflüchtlings.
(Nachdruck verboten.)
Im Revier der Harzer Bergstadte. — Grund, das Schmuckstück des OberharzeS. — Ein Schueedallsest im Hochsommer.
Der Harz ist zwar das am meisten besuchte Gebirge Norddeutschlands, indessen wird der Oberharz seltsamerweise von den Touristen sowohl als auch „Sommerfrische lingen" wie mein alter Förster kaustisch die großstädtischen Gäste seines grünen Reviers zu nennen Pflegt, noch immer über die Gebühr vernachlässigt. Der Herdenzug geht über Thale, Blankenburg, Wernigerode und Harzburg; durch die neuen Bahnverbindungen ist auch der Südharz jetzt reichlicher erschlossen: aber Lautenthal, Wildemann und vor allen Dingen Grund erfahren noch lange nicht die Schätzung, die sie verdienen. Eingebettet in herrlich bewaldete Berge liegt dieses Schmuckstück des Oberharzes wie ein liebes Kleinod in grünem Plüschkästchen, und bietet dem Naturfreunde in buntester Mannigfaltigkeit die köstlichsten Ausblicke auf dunkle Tannenwälder und saftige Malten. Durch jungen Buchenstand wandert man bergauf, umglitzert von den gebrochenen Sonnenlichtern, die wunderlich violette Farben aus das verwitternde Bronzelaub des Vorjahres zaubern: in stillen Wasserspiegeln pflegen alte Fichtenriesen sich in ihrer ganzen Länge zu betrachten; auf würzig duftenden Waldwiesen taucht auch in lauschiger Abendstunde ein schlankes Reh auf. Dazu kommt, daß die Bewohner dieses Harzwinkels noch nicht allzusehr in der geschäftigen Ausbeutung der Fremden bewandert sind, welche Fertigkeit man sich in Thale und Harzburg in schöner Vollendung längst zu eigen gemacht hat. Die Bewohner der Bergstädte sind zum größten Teil im Berg- und Hüttenwesen beschäftigt; ihr schmuckes Häuschen mit den a-arakteristischen Schiebefensterchen, die manchmal wie Guillotinen herniedersausen, ohne einem jedoch gleich um einen Kops kürzer zu machen, bietet im Sommer Raum genug, um der rührigen Hausfrau durch Beherbergung waldhungriger Stadtgäste einen kleinen Nebenverdienst zu schaffen: Andreasberg wie auch Klausthal versorgen die Welt außerdem nut singendem Volk, wozu man, wenn man will, auch Otto Erich H e r t l e b e n , den Dichter des
„Rosenmontags", rechnen kann, der ein geborener Klaus- tHaler ist. Eine weitere ornithologische Merkwürdigkeit bietet in diesem Revier Altenau, das von Klausthal aus Brockenstation ist. Hier fehlt nämlich der Proletarier unter unserem Federvolk gänzlich. In den Straßen Altenaus läßt sich kein Sperling blicken, und alle Versuche, ihn dort heimisch zu machen, sollen vergeblich gewesen fein. Menschliches Proletariertum fehlt natürlich in diesen verzweigten Industrie - Gebieten nirgends. In den Erzgruben und Schmelzhütten des Harzes werden mehrere Tausend Arbeiter beschäftigt; und da der Harzer Bergbau nicht gerade lukrativ ist, sind auch die Löhne nicht allzu hoch. Privatunternehmer hätten den Betrieb vielleicht längst eingestellt. Der Staat erfüllt die vornehmere Pflicht, einem traditionell int Bergwesen beschäftigten Teil seiner Bürger die gewohnte Arbeit zu lassen. Denn obgleich dieses Völkchen durch die harte Mühe und schlechte Lust in Schächten und Hütten selten zu hohem Alter kommt, und unter den charakteristischen Herzkrankheiten der „Bergsucht" und „Hüttenkatze" (Asthma und Bleikolik) schwer zu leiden haben, vermag man sich jedoch nur selten zu entschließen, einem anderen, gesunderen — und auch einträglicheren Gewerbe nachzugehen. Jungen, die als Kellner in den Großstädten ein tüchtiges Stück Geld verdient hatten, sind schließlich zurückgekehrt, um in den Aufbereitungswerkftätten als „Pochjungen" das alte (bewerbe wieder aufzunehmen, das die Urväter schon vor Jahrhunderten getrieben. Dieselbe Erscheinung, die sich zurzeit bei den schlesischen Webern gezeigt hat, die die Regierung in Posen als kleine Landwirte ansiedeln wollen — und die sich doch trotz allen Hungers und Kummers nicht von der dürftigen Heimatscholle mit dem niedrigen Weberhäuschen zu trennen vermochten? . . . Den empfindsamen Menschen berührt es schmerzlich, wenn er inmitten dieser herrlichen Natur, wo seine Lungen sich weiten und seine Wangen sich röten, die fahlen, eingefallenen Gesichter der Harzer Bergleute auftauchen sieht, die im Arbeitskittel voll Grubenschmutz von ihrer Schlicht zu ihrem frugalen Wendesfen heimkommen.
Einer der fchönsten Aussichtspunkte im Gründer Bezirk ist der Gipfel des Jbergs, auf den der nun einmal unerläßliche Turm natürlich nicht fehlt. Der Jberg, der auch in botanischer Hinsicht seine Spezialität hat, da auf ihm
die sehr selten gewordenen Eibenbäume noch vorkommen (daher auch Jberg-Eibenberg!) zeugt die sehr merkwürdige Gestaltung der sogen. Gletschertöpfe, d. b. Felsvertiefungen, die wie tiefe Riesemörser erscheinen und in großen Revolutionsperioden der Erdoberfläche durch Reibung entstanden sein müssen. In diesen Gletschertöpfen bewahrt der umsichtige Turmwirt eine Unlast von Schnee auf, um in der Hochsaison etliche Schneeballfeste arrangieren zu können. Mächtige Schneepyramiden warten an diesen Jubeltagen auf Alt und Jung, unb ein fröhlicher Trubel erfüllt den sonst so stillen Buchenwald auf der Höhe. Ein famoser Schneemann erblickt da das Licht der sommerlichen Welt, und eine heiße Schlacht beginnt alsbald, bei der die weißen, manchmal etwas sehr harten, Geschosse nach allen Seiten fliegen. Nebenbei bemerkt sind die Alten die Wildesten und Tollsten bei diesem Treiben, und ich habe mich selten so über den Besik meines Regenschirmes gefreut, als an diesem bunten, lustumrauschten Nachmittage! In gewissen Augenblicken war ich wieder wie ein Zehnjähriger, frisch, harmlos und unschuldig — und wußte nichts von Berlin! Wenn der neue Schnee kommt, werde ich dafür schon gehörig haben büßen müssen! ... A. R.
Anthropologisches.
DieVerhandlungen derDeutschen Änthro- pologischejn Gesellschaft, die z. Z. ihre 32. Versammlung in Metz abhält, wird auch diesmal hochinteressant. Wir können leider nur Einzelnes davon mitteilen. Professor Virchow hielt einen Vortrag über den prähistorischen Menschen und über die Grenzen zwischen Species und Varietät. Natürliche Variation und Defori mation sind die beiden großen Gesichtspunkte, von denen aus man das Thema der Species und Varietät zu beurteilen hat, und so sehr auch diese beiden Gesichtspunkte aus- einanderliegen — der eine ist physiologischer, der ander« pathologischer Natur — so gehen sie doch wiederum trt mannigfachen Punkten ineinander über. Bisher ivar man gewohnt, von einem Typus her zu deduzieren, von einem Schädel auf die Schädelformation einer ganzen Bartetät. So l?at der im Neanderthal aufgefundene Schädel
lebhaft bejahend ein. „Ich hoffe, daß man weiß, wie scharf und entschieden der Kronprinz und ich sie mißbilligen." Ganz der Ihrige G. v. Bunsen."
Einen bemerkenswerten Artikel über den Arbeiter als Arbeitgeber finden wir in der „Sozialen Praxis" von einem ehemaligen „V o r w ä r t s" - R e d a k t e u r, Bruno Poersch. Poersch meint, das Wort: „Der Arbeiter ist der schlechteste Arbeitgeber!" sei „nicht übertrieben, sondern 'entspricht bedauerlicherweise den nackten That- sachen". Aus der Anklageschrift des Sozialdemokraten gegen seine Genossen seien folgende Hauptpunkte hervorgehoben.-
Der Verfasser weist darauf hin, daß die Arbeiter- beamten noch nicht die Hälfte des Gehalts bezielfen, das Staat und Kommune für entsprechende und selbst für weit geringere Leistungen bezahlen. „Wodurch ist diese ungenügende Bezahlung erklärlich?" Sie ist vor allem zu suchen in der erheblichen U n ter schä tzung der geistigen Arbeit, wie sie leider der Durchschnittsarbeiter besitzt. Die Masse unterschätzt nicht nur die geistige Arbeit ihrer Führer, sondern auch die ihrer Gegner. Dafür ein Beispiel. In einer Sitzung, der der Schreiber dieses kürzlich beiwohnte, meinte ein Vertrauensmann in Bezug auf die Bezahlung des leitenden Ingenieurs eines Werkes, das mit vielen Millionen arbeitet, daß dieser ja schließlich so viel Gehalt beziehen könnte wie er, da er doch irgendwelche schwere Arbeit nicht leiste, sondern nur mit Feder und Stift arbeite! Man befindet sich in der Annahme, daß die physische Thätigkeit der Arbeitermassen in der heutigen Staatsund Gesellschaftsordnung das eigentlich Ausschlaggebende fei; die geistige Arbeit dagegen etwas Nebensächliches wäre. Es ist nicht zu verkennen, daß zu dieser Erscheinung namentlich auch die vielleicht falsch verstandene materialistische Geschichtsauffassung beigetragen hat. Jahre hindurch haben untergeordnete Agitatoren den Massen gepredigt, daß die Person bei der Kulturentwickelung der menschlichen Gesellschaft gar keine Rolle spielt, sondern daß alle Fortschritte in den jeweiligen materiellen Verhältnissen zu suchen wären. Noch heute kann man vielfach von Führern minderen Ranges zu hören bekommen, daß bei der Besetzung irgend welcher leitender Aemter in Staat, Kommune, Organisation es nicht _ auf die Person ankomme, sondern man jede beliebige Person dazu nehmen könne. Diese Lehren mußten natürlich bei den Massen zur Degradierung der geistigen Arbeit führen, und es ist eine Ironie der Geschichte, daß die Arbeiterbeamten diese Lehren am eigenen Leibe jetzt zu spüren bekommen. Daher liegt es auch nicht nur im Interesse der Arbeiter- bteamten, gegen die Herabsetzung der geistigen Arbeit Front zu machen, sondern int Interesse der menschlichen Kulter. Wer nicht nur unter der ungenügenden Besoldung haben die Arbeiterbeamten zu leiden, sondern auch unter einer ungereimten Behandlung. Der Arbeiter macht als Arbeitgeber selbst saft alle dieselben Fehler, die er seinen Arbeitgebern tagtäglich vorhält. Die Arbeiter sind ebenso wenig Engel wie unsere Unternehmer. Diese Erfahrungen gewinnen die Arbeiterbeamten sehr oft, und dieser Umstand ist es auch, nebenbei bemerkt, der viele Arbeiterbeamten, namentlich Gewerkschaftsführer zu Bern- fteinianern gemacht hat. Der Arbeiter verurteilt es mit vollem Recht, wenn der Arbeitgeber ihm betreffs seiner Wünsche kein Gehör schenkt und nicht mit ihm oder seinen Vertretern verhandelt. Wer derselbe Arbeiter, der dieses sck)arf verurteilt, nimmt vielfach den gleichen feubateu- Standpunkt ein, sobald er als Arbeitgeber in Organisationen auftritt. Auch betreffs der Hebet laftungj mit Arbeiten haben die Arbeiterbeamten zu klagen. — Derselbe Arbeiter, der für sich den Achtstundentag fordert, verlangt oft von seinen Beamten eine 16 stmn- dige Arbeitszeit.
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Das Zeugenverhör wird fortgesetzt. Bauinspektor Berger- Saargernünd ist der Ansicht, daß der Weg, welcher zuv Anlegung der Wasserleitung benützt wurde, ein Gemeindeweg und nicht Privateigentum Stietencrons sei. Bürgermeister Bichet von Niederweiler sagt aus, der Weg, an dem die Wasserleitung angelegt wurde, fei feit undenklicher Zeit öffentlich. Die Baronin Stietencron habe ihm am Sonntag vor der Schießaffaire gesagt, ihr Gatte und sie selbst hätten gegen die Fortführung der Wasserleitungsarbeiten nichts einzuwenden. Bei der ersten Vernehmung durch bett
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