Es folgten ein Vortrag über Selbstentzündungen, den fcer Landgerichtsrat Prof. Tr. Medem-Greifswald hielt, dann .weitere Borträge über feuersichere Baukonstruktionen und Baumaterialien, über die erste Hilfe bei Unfällen., Finanz» Minister Freiherr v. Rheinbaben schloß den Kongreß mit dem Ausdruck des Tankes an die Teilnehmer. Zum Schlüsse wurde ein Hoch auf den Kaiser ausgebracht.
Kobnrg, 9. Juni. Zu dem morgen beginnenden Verba n d s t a g e der deutschen kaufmännischen Vereine sind 130 Delegierte aus allen Teilen Deutschlands einge- ckrosfen. Im Auftrage des Reichsamts des Innern ist,Geh. -Oberregierungsrat Dr. Wilhelmi-Berlin erschienen. Heute mar der Verbandstag des deutschen Vortrags Versandes, dem die meisten deutschen Bildungsvereine an- zehören. ____________________
Ausland.
Paris, 9. Juni. Das Ergebnis der indirekten Steuern im Monat Mai weist eine Mindereinnahme von 13 870 000 Franks gegen den Anschlag des Budgets auf. Die Mindereinnahme gegen den gleichen Zeitraum des Jahres 1900 beträgt 23 127 800 FrkS.
— Dem „Matin" zufolge hat die Polizei zwei Anarchisten, den Photographen Vigo und den Maler Decouoe, verhaftet, welche in ihrer Wohnung Explosivstoffe herstellten.
— Bei einem Feste des Verbandes der Eisenbahnarbeiter, bei dem Ministerpräsident Waldeck-Rousseau den Vorsitz führte, beglückwünschte er die Vereinigung dazu, daß sie Sparsamkeit und Vorsorge auf ihre Fahne geschrieben habe. Vermöge dieser Tugenden könne der gähnende Schlund der 5 Milliarden Kriegskosten ausgefüllt und Frankreich zum größten Bargeldsammler gemacht werden, wodurch dem Staate in der Welt das Uebergewicht gesichert werde, das ihm nicht wieder entrissen werden könne.
Wien, 8. Juni. Da die deutschen LandeSauS- fchüsse und die Vertreter der deutschen Korporation zur Einweihung der Moldaubrücke in Prag bei Gelegenheit der Anwesenheit des Kaisers tschechische Einladungen erhalten haben, werden dieselben der Brückeneinweihung fernbleiben.
— Die Plenarsitzung der ungarischen Delegation setzte heute ihre Beratungen fort. Bergeviczy betont, daß die Bestrebungen der Ultras des österreichischen Deutschtums nicht nur seitens des offiziellen Deutschland, sondern auch seitens der am meisten maßgebenden reichsdeutschen Presse entschiedene Ablehnung erfahren. Redner erinnert daran, daß auch gegen Rußland seinerzeit der Verdacht gehegt sei, daß es die Absallbestrebungen des Slaventums von der Monarchie unterstütze. Man könne nicht behaupten, daß jene Verdächtigungen begründeter gewesen seien als die jetzt gegen Deutschland erhobenen. Es sei jedenfalls eigentümlich, daß diejenigen, welche aus solchen Verdächtigungen Grund zu Angriffen gegen das Bundesverhältnis Oesterreich-UngarnS zu Deutschland herleiteten, sich geneigt zeigten, jede Annäherung an Rußland zu unterstützen. Gyurkovics glaubt, Bündnisse mit deu Balkanstaaten dienen Oesterreich-UngarnS Interessen beffer als Eroberungen. Delegierter Lang bemerkt, wenn die deutsche Industrie zu guusten der österreichischen ihr Ausfuhrgebiet einschränken sollte, habe Ungarn keine Aussicht, von Deutschland Zugeständnisse in agrarischer Beziehung zu erhalten und umgekehrt. Delegierter Koloman Tisza tritt gleichfalls entschiedeu für den Dreibund ein. Allerdings solle bei Abschluß der Handelsverträge beffere Berücksichtigung Ungarns seitens Deutschlands erzielt werden. Schließlich wurden das Budget des Auswärtigen und ein Vertrauensvotum für den Grafen GoluchowSki angenommen.
Die Hauseiuweihung der Burschenschaft „Alemannia" zu Gießen.
Die zur Feier der Einweihung des Burschenhauses und des 40jährigen Bestehens der Gießener Burschenschaft „Alemannia" veranstalteten Festlichkeiten nahmen am Freitag dem 7. dS. Mts., abends 7 Uhr, ihren Anfang mit einem in jeder Beziehung als gelungen zu bezeichnenden Gartenfest in Steins Garten. Das gedämpfte Licht der kunstvoll verteilten bunten, teilweise in deu Farben der „Alemannia" gehaltenen Lampions gewährten bei einbrechender Dunkelheit einen prächtigen Anblick im Verein mit der Farbenpracht der buntfarbigen Mützen und den leuchtenden Toiletten der erschienenen Damen. Von erhöhter Tribüne ließ die Kapelle deS hiesigen Infanterie - Regiments Kaiser Wilhelm unter Leitung des Herrn Musikdirektors Krauße ihre Weisen ertönen.
Zur Einleitung des TanzkränzchenS, das sich gegen 10 Uhr an das Gartenfest anschloß, gelangte ein in fünf Bildern vorübergleitendes, von einem Alten Herrn der Burschenschaft verfaßtes Festspiel zur Aufführung, daS Szeuen aus der Vergangenheit der Burschenschaft „Alemannia", mit dem langjährigen Kneiplokal der Alemannen, dem alten „Andres" im Hintergründe, mit lautem Beifall von den Zu- Hörern ausgenommen wurde. Das Tanzkränzchen selbst wird in seinem gelungenen Verlaufe den zahlreich erschienenen Festteilnehmern in unvergessener Erinnerung bleiben. Unermüdlich und bis die gefiederten Säuger in Steins Garten die spielende Kapelle ablösten, drehten sich die Paare iu buntem Reigen.
Am nächsten Morgen versammelten sich die Aktiven und Inaktiven der Burschenschaft, die in großer Anzahl herbeigeeilten jungen und alten „Alten Herren" aus Nah und Fern und der große, buntfarbige Kreis der Gäste aus den befreundeten Burschenschaften im Andres, um von da unter dem Vortritt einer Musikkapelle in langem Zuge mit wehenden Fahnen sich nach dem neuerbauten Burschenhause zu begeben, daS im Farbenschmuck der Fahnen und Wimpeln und grüner Guirlanden prangte. Der Bauleiter des Hausbaues, Architekt Stein, übergab mit kurzen, begrüßenden Worten die Schlüssel deS Hauses dem Vorsitzenden des Alten-Herrn-VerbandS, Geh. Oberbaurat Poseiner von Darmstadt, der in längerer Ansprache an die Burschenschaft un
gefähr folgendes ausführte: Der Zweck deS eignen Hauses, das der Alten Herrn Verband der Alemannen geschaffen hat, sei die Hebung deS inneren Lebens der Burschenschaft, der gesellschaftlichen Beziehungen seiner Angehörigen, der Pflege echt burschenschaftlichen Wesens und Geistes.
Nach erfolgter Uebergabe des Schlüssels an den Sprecher der Burschenschaft, strick, med. Seitz, der den Dank der Burschenschaft zum Ausdruck brachte und mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Burschenschaft Alemannia schloß, erfolgte der Rundgang der Festteilnehmer durch das festlich geschmückte Haus.
DaS im neuzeitlichen Stile errichtete Gebäude zeigt die Schönheitsformen der neuen Kunstrichtung und dürfte, insbesondere auch wegen der geschickten Raumverteilung als das Muster eines Studentenhauses für ideale und praktische Zwecke bezeichnet werden. Man betritt nach dem Eingang das geräumige, in geschmackvollem Farbenton gehaltene Turmzimmer. Dasselbe zeigt an den kunstverglasten Fenstern die Wappen befreundeter Burschenschaften, die Seitenwände zieren zwei Bilder, große Reproduktionen, das eine den Aufruf der Freiwilligen im Jahre 1813 durch König Friedrich Wilhelm III. darstellend, daS andere, ein Oelgemälde, die Wartburg bei Sonnenuntergang, während die innere Wand eine mit künstlerischem Geschick ausgeführte Zusammenstellung der Bilder der verstorbenen alten Herren der Alemannia enthält, die um das bekannte Bild von Böcklin, die Toteninsel, gruppiert sind.
Man betritt sodann den großen geräumigen Kneipsaal der Burschenschaft, welcher Raum für 120 Personen umfaßt. Er erhält seine Lichtwirkungen durch zwei große, aus der Kunsthandlung von Endner in Darmstadt stammende Wappen der alten Jenenser Burschenschaft und der Burschenschaft Alemannia, die durch ihre prächtigen Farben im Verein mit der modernen inneren Ausstattung den Raum äußerst stimmungsvoll gestalten. Bon prächtiger Wirkung sind die das neue Wappen flankierenden großen Bilder, die Wartburg und daS Niederwalddenkmal darstellend. Der zweite Stock enthält die Räume des Hausmeisters der'Burschenschaft, ver- schiedene kleinere Zimmer und ein zweites Turmzimmer, das einen prächtigen Ausblick über das gesamte Lahnthal ermöglicht und über die sich ausbreitende Stadt. Eine weitere Treppe führt uns in die obersten Räume, des Hauses, die zur Einrichtung der Fremdenzimmer bestimmt sind. Der Turm enthält auch hier ein kleines, geschmackvoll dekoriertes Zimmerchen. Im Erdgeschoß befinden sich geräumige Kellerräume und eine große Fechtscheuer, außerdem ein kleines, hübsch ausgestattetes Kellerzimmer. Die gefällige und doch charaktervolle Form der Baugestaltung des Hauses rechtfertigt die bei der Grundsteinlegung ausgesprochenen Worte des Vorsitzenden des Alten Herrn-Verbandes, daß eS als eine der schönsten Zierden der alma mater Ludoviciana betrachtet werden dürfe. (Schluß folgt.)
Aus Stadl und Zand.
Gießen, den 10. Juni 1901.
LU. Universität. Der ordentliche Profeffor der Landwirtschaft, Geh. Hofrat Dr. Albrecht Thaer, der vor kurzem die 50. Wiederkehr seines Promotionstages feierte, hat sich mit Rücksicht auf seine Gesundheitsverhältnisse veranlaßt gesehen, seine Jnruhestandversetzung zu beantragen. Möge ihm die wohlverdiente Ruhe noch recht lange be- schieden sein.
•• Heber die erste Vorstellung des Wiesbadener Operetten-EnsembleS, welches nächste Woche bei uns gastieren wird, äußert sich gelegentlich der Aufführung deS „Boccaccio" der „W. G. A." wie folgt:
„Wenn das Walhallatheater-Publikum — eS war infolge der drückenden Hitze nicht allzu zahlreich — dennoch befriedigt heimkehrte, fo lag daS an der guten Wiedergabe, welche die Hauptrollen des rollenreichen Stückes erfuhren. Fräulein Marie Pennü fang die Titelrolle einwandsfrei und fand sich auch mit der darstellerischen Wiedergabe derselben befriedigend ab. Fräulein Emma Oppel Fiamette) besitzt ein sehr wohllautendes Organ. Von den männlichen Mitglied.rn erwiesen sich die Herren Endtresser (Prinz), Jäger (Lotteringht) und Kohwitz (Lambertussio) als routinierte Op.-rrtten- änger. Auch der Chor ließ sich vielversprechend an; die Ensemble- ätze kamen unter der umsichtigen musikalischen Leitung deS Herrn Kapellmeisters Büchel schwungvoll heraus. Nach alledem dürfen wir unter der Direktion des Herrn Heinrich im Walhallatheatrr noch manchen genußreichen Abmv erwarten."
-r. Ein eigenartiges Schauspiel bot sich gestern abend i 81/, Uhr, als die untergehende Sonne den Himmel rötete, den Passanten am Seltersweg und an der Frank- urterstraße dar. Einem Kinde war ein kleiner roter Luft- rallon durch irgend eine Unvorsichtigkeit entschlüpft. Kaum )atte das rote aufgeblasene Ding die Häuser überragt, als ich sofort eine Anzahl muntere Schwalben, die die lauen Ibenblilfte durchflogen, auf den Eindringling stürzten. Bald umkreisten einige Hundert dieser flinken Tierchen den Ballon und begleiteten ihn in die höchsten Regionen, bis er in der Abendröte dem menschlichen Auge nicht mehr sichtbar war.
-r. Eine Windhose wurde gestern nachmittag 3 Uhr in der Nähe der Lahnbrücke, an der Badeanstalt, von vielen Passanten beobachtet. Etwa 5 bis 6 Meter breit und 30 bis 40 Meter hoch wirbelte sie, Staub, Steine, Halme rc. mit sich schleifend, der Brücke zu, wo sie sich bald auflöste.
*• Die silberne Hochzeit feiern heute Zimmermeister Konrad Marx und Frau.
§ Wieseck, 9. Juni. DaS heute hier gefeierte Jugendfest nahm einen schönen Verlauf. Unter den Klängen der Wiesecker Kapelle begab sich daS Festkomitee, der Gemeinderat, der Ortsschulvorstand, sämtliche Lehrer mit den Schulklaffen nach dem nahe gelegenen Eichenhain an der Alten-Busecker Straße. Der Festplatz hatte sich bald mit einer Menge froher Festteilnehmer gefüllt. Nach einem Gesang der Schüler hielt der Vorsitzende des Schulvorstandes, der hiesige Ortsgeistliche, eine Ansprache, in der er das deutsche Volk mit dem Walde verglich und dessen Alter, Menge, Gedeihen, Kronen und Schutz schilderte. In das auf das deutsche Volk, den Kaiser und den Großherzog ausgebrachte dreimalige Hoch wurde begeistert eingestimmt. — Nach dem Gesang: „Deutschland, Deutschland über alles" begannen unter der Leitung der
Lehrer die Spiele der Schuljugend, woran sich die Eltern und Übrigen Festbesucher ergötzten. Das von der Musik unter Leitung ihres Dirigenten Becker ausgeführte Konzert war recht gelungen und erhöhte die festliche Stimmung. Auf Kosten der Gemeinde wurden sämtliche Schüler mit Würstchen, Wecken und Bretzeln bewirtet und mit einem nützlichen Gegenstand beschenkt. Bei Anbruch des Abends zog Groß und Klein in Begleitung der Musik wieder heim. Alle waren von dem Erlebten vollauf befriedigt und haben manche nachhaltige und gute Eindrücke von dieser Feier empfangen.
§ Pohl GouS, 9. Juni. Dom herrlichsten Wetter begünstigt feierte heute unser Kriegerverein daS Fest seines 25jährigen Bestehens, wozu der Ort im Festschmucke rrangte. Um 2 Uhr bewegte sich der imposante, von Ehren- reitern, Musik, Festjungfrauen, Korporationen, Komitee und vielen Vereinen gebildete Zug unter den Klängen der Musik nach dem Festplatze, wo zunächst der hiesige Gesangverein „Liederkranz" daS Lied „Deutsches Gebet" vortrug und dann der Vorsitzende des JabelvereinS eine Begrüßungsansprache ielt. Hierauf erfolgte die Ueberreichung der von hiesigen Frauen und Jungftauen gestifteten Fahnenschleife und Diplom, woran sich Gesangs- und Jnstrumentalvorträge reihten. Tie jut verlaufene heutige Feier hatte viele auswärtige Besucher ierher geführt, von denen mancher die bei dem Festzuge vertretenen reizenden Landestrachten unserer Schulmädchen und Jungftauen bewundern konnte. Für Montag ist bei günstigem Wetter eine Nachfeier geplant.
V Langsdorf, 10. Juni. Auf einer großen JnspektionS- tour begriffen, nahmen die Herren Ministerialrat Dr. Eisen- jut-Darmstadt, Provinzialdirektor Geh. Rat v. Bechtold und Kreisschulinspektor Prof. Dr. Lucius heute morgen eine Prüfung der hiesigen beiden Schulklaffen vor. Dieselbe fiel ehr gut aus. Besondere Anerkennung wurde den Lehrern Hardt und Lei dich gezollt.
-h- Rebgeshain, 8. Juni. Schulverwalter Belte erhielt ein BersetzungSdekret nach Großen-Buseck.
§ Schotten, 8. Juni. In dem benachbarten Betzenrod wurde dem Schulverwalter August Metzler aus Nieder- Erlenbach die Lehrerstelle definitiv übertragen.
X Büdingen, 9. Juni. Am sogenannten „Hammer" jatte eine größere Anzahl von Bürgern eine Badeanstalt errichtet, die, zum Gebrauche fertiggestellt, in diesen Tagen eröffnet werden sollte. Die Grundmauern ruhten auf chlechtem Boden, infolgedessen stürzte der Bau in voriger Woche zusammen. Mit bedeutendem Kostenaufwand wird er Ban nunmehr mit meterdicken Mauern neu aufgeführt.
Darmstadt, 9, Juni. Der Großherzog empfing am 8. Juni u. a. den Oberst v. Jacobi, Flügeladjutant Seiner Majestät des Kaisers und Königs, Kommandeur des Füfilür- Regiments v. GerSdorff (Hess.) Nr. 80, den Oberstleutnant Regenauer vom Stabe des Inf.-Regis. Nr. 70, den Medizinalrat Dr. Mattias von Friedberg, den Amtsrichter Pfeiffer von Schotten, den Kulturinspektor Dr. Phil. Edm. Fra iss in et von Friedberg.
k. Mainz, 9. Juni. Von den an Genickstarre er* rankten Mannschaften des Jnf.-RegtS. Nr. 117 ist gestern ein von der unheimlichen Krankheit befallener Manu ge- torben. Neue Erkrankungen sind bis jetzt in dem Regiment, >aS morgen zu Schießübungen abrückt, nicht mehr eingetreten. — DaS Proviantamt Mainz hat diese Woche mit Eiu- iefcrnng neuen Wiesenheues begonnen. DaS Proviantamt ahlt 5,50 bis 6 Mk. für 100 Kilogramm. Doch wird bei )er Einlieferung darauf gesehen, daß daS Heu durchaus trocken ist.
ko. Hanau, 9. Mai. Leutnant v. GerSdorf vom 166. Inf.-Regt, hier geht mit dem nächsten Transport von Ersatztruppen nach China.
** Kleine Mitteilungen au8 Hessen und den »achrarstaal«. In.Frankfurt wurden als blatternverdächtig ein Missionar »er Mormonen und ein Postbeamter aus Würzburg inS tädtische Krankenhaus eingeliefert. — Der Verlagsbuchhändler ?arl Wolfgang Koenitzer, Besitzer der altbekannten Jaegerschen Verlags-Buch- und Landkartenhandlung, ist im Alter von 41 Jahren in Frankfurt gestorben. — Die Leiche deS vor einigen Tagen in Bad-Nauheim verstorbenen russischen Ge- anbten, Onou, ist am Mittwoch von dort nach der rusfisch- atholischen Kapelle in Tegel Übergeführt uud dort aufge* bahrt worden. Bon da wird die Ueberführung des Ver- torbenen nach Petersburg stattfinden, wo die Beisetzung erfolgen soll. — Einen nicht zu unterschätzenden Fund machte vor einigen Tagen auf seinem Grundstück Gastwirt L. Webel in Züschen (Waldeck). Beim Bearbeiten seines Ackers stieß er auf einen Gegenstand, dem er anfangs wenig Beachtung schenkte. Man grub bann aber doch weiter nach und fand eine Urne, die nicht weniger als 250 wertvolle Münzen in sich barg. Es ist zum großen Teil silbernes, weniger kupfernes Geld von verschiedener Größe und Prägung. Es ist sehr gut erhalten und läßt erkennen, daß die Münzen aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammen. Bon privater Seite wurden bereits 500 Mk. geboten. Auch baS Museum zu Kassel soll sich um ben Besitz bemühen. — Der zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilte Weinhändler Karl Winkelser in Eltville, dem eines Augenleidens wegen die Unterbrechung seiner Strafzeit gestattet worden war, ist seit einigen Tagen verschwunden und vermutlich ins Ausland geflüchtet. — Der RegierungSaffeffor Lex in Weilburg ist zum Landrate ernannt; ihm ist daS LandratSamt im Ober- lahnkreise übertragen worden.
Der Kloppenheimer Mord vor Gericht,
ii.
C. Gießen, 10. Juni.
Vor beut Schstmrgericbt begann heute die Verhandlung gegen ben Georg Ermer von Schftmitz wegen Raub- mor bs. Ter Gerichtshof ist folgendermaßen besetzt: Vorsitzender: Landgerichtsrat Schm ecke nbecher, Beisitzer: Land- gerichitsräte Prätorins und Holzapfel, Vertreter der Staatsbehörde: Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich, Gerichtsschreiber: Gerichtsassessor Tetbel, als Geschworene werden ausgelost: Heinrich Marl Hublitz, Gemeinde-Einnehmer, Trais-Horloff,


