Ausgabe 
10.8.1901 Zweites Blatt
 
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Lord

Telegramme des Gießener Anzeiger-«

Loudon, 8. Aug. Reuter meldet aus Durban:

der Trup-

zu Stein- wurde am und ge-

lung in Hellen Zorn. Und der Unmut wäre durchaus be­greiflich, wenn Frhr. v. Hammerstein den Ausspruch wirk­lich gethan hätte. (Line amtliche Klarstellung wird wohl nicht auf sich warten lassen. Es scheint das Schicksal mancher Preußischer Minister zu sein, mißverstanden zu werden. Tem früheren Handelsminister Brefeld entschlüpfte bekanntlich in einer Parlamentsrede der Satz:Ter Zwischenhandel ist ein notwendiges Uebel." Tie dadurch hervorgerufene Verstimmung war trotz aller Erklärungen des Ministers nicht aus der Welt zu schaffen.

Aus Portlouis auf der Insel Mauritius im indi­schen Ozean kommt heute die Nachricht, daß sich dort am 8. d. M. der Herzog und die Herzogin von Corn-

Englauder «ud Buren.

Ter Vertreter des HauptjingoblattesDaily Mail" in her Kapkolonie ist mit Chamberlains letzter großer Blutrede im Unterhause noch nicht zufrieden. Er behauptet, man habe in verantwortlichen Kreisen angenommen, daß gegen die Kriegführenden schärfer vorgegangen werden sollte. Man sei allgemein der Ansicht, daß man nicht allein gegen die vorgehen müsse, die die britischen Gefangenen erschossen lstitten, sondern daß nach einem zu bestimmenden Zeit­punkte gegen alle, die noch im Felde stünden, vorgegangen fverden sollte; alleRebellen" sollten vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Außerdem sei manall­gemein" der Ansicht, daß alles Eigentum der Buren in Transvaal und im Oranje-Freistaate mit Beschlag belegt werden solle, wenn sie nach einem durch eine Kund­machung zu bestimmenden Zeitpunkte ihre Raubzüge durch das Land noch fiortsetzten'. Tas wäre eine einfache Krieg­führung ! Man erklärt alle Kämpfer, deren man nicht Herr werden kann, für Rebellen, Räuber und Mörder, nimmt ihnen Hab und Gut, und der Friede ist hergestellt.' Tas Jämmerliche bei der Sache ist, daß solches niederträchtige Gewäsch in England mit Freuden gelesen wird.

Lord Kitcheners letzte Depesche vom 5. August giebt folgenden Ueberblick: Es wurden seit dem 29. Juli von hcn einzelnen Kolonnen insgesamt gemeldet: 48 Buren gelötet, 19 verwundet, 220 gefangen genommen, 57, die freiwillig sich ergaben ;. erbeutet 1 Pvmpongeschütz, 141 Ge­wehre, 8660 Gewehrpatronen, 186 Wagen und eine große Menge Pferde und Vorräte. General Bloods Kolonnen,

Kirchen er erließ eine sehr scharfe Maßnahmen an­kündigende Proklamation. Dieselbe werde in Durban sehr beifällig (!) ausgenommen, da man solche Maßnahmen für durchaus notwendig (!) halte, um den Krieg zu beendigen.

London, 9. Aug. Eine Depesche Kitcheners aus Pre­toria vom 8. August besagt, Kommandant DevillierS und 2 FeldkornetS ergaben sich in Warmbaths. DevillierS war der 2. Befehlshaber der unter dem Kommando Beyers stehenden Truppen.

die Dauer des Krieges oder für ein Jahr zu dienen, sie können sich dann für denselben Rang wieder melden, den sie früher bekleidet haben. Verheiratete Leute werden nur unter der Bedingung angenommen, daß sie sich damit einverstanden erklären, daß die Behörden ein Drittel der Löhnung an die Familie der Betreffenden auszahlen. Die gemeinen Soldaten sollen fünf Schilling den Tag erhalten. Sattler und Leute, deren Arbeit beim Regiment verwertet werden kann, bekommen täglich noch einen Schilling Zu­lage. So der Erlaß. Es ist aber zu befürchten, daß sich von den Entlassenen wohl nur sehr wenige, und andere auch nicht in großer Anzahl melden werden. Kann doch der englische Kriegsminister mit den Worten aus Goethes Faust'" klagen:

Der Mietsoldat wird ungeduldig,

Mit Ungestüm verlangt er seinen Lohn, Und wären wir ihm nichts mehr schuldig. Er liefe ganz und gar davon!

Ausland.

Loudon, 8. Aug. DemCouncil of foreign Bondholders" 1 eine Depesche seines Vertreters in Caracas zugegangen, ne meldet, daß die monatlichen Zahlungen für den Dienst >er venezolanischen auswärtigen Schuld von 1881 suspendiert eien, die Regierung aber die Rimessen bald wieder aufzu- nehmen beabsichtige.

Paris, 8. Aug. Die Einnahmen aus den indirekten Steuern ergaben für den Monat Juli gegenüber dem Vor­anschlag einen Ausfall von 9 Millionen Francs und gegen- ber den Einnahmen im Juli 1900 einen Minderertrag von 20 Millionen Francs.

Rom, 8. Aug. Der Deputierte Careano hat das Finanz­portefeuille angenommen; er reiste heute nach Raccogni ab, um den Eid vor dem König abzulegen.

Ster-ing, 8. Aug. Der bekannte italienische General Baratieri, der noch vor kurzer Zeit schwer krank in Frank­furt a. M. weilte, ist in vergangener Nacht hier gestorben. (Oreste Baratieri wurde 1841 in Condino (Tirol) geboren, kämpfte schon 1860 mit Garibaldi in Sizilien, dann 1866 mit ihm in Tirol und trat hierauf in das italienische Heer ein. 1891 wurde er Gouverneur von Erythräa, eroberte

Deutsches Keich.

Berlin, 8. Ang. Aus Homburg wird gemeldet: Ihre Majestäten verbrachten den heutigen Tag in stiller Zurückgezogenheit. Heute morgen machte Se. Majestät dem Herzog von Cambridge einen Besuch und unternahm darauf einen Spaziergang durch die Kuranlagen in Begleitung des Reichskanzlers Grafen v. Bülow. Später hörte Se. Ma­jestät den Vortrag des Stellvertreters des Chefs des Civil- kabinetts. Geh. Regierungsrats v. Valentini. Am Nach­mittag hörte der Kaiser die Vorträge des Hausministers Grafen v. Wedell und des Justizministers Schönstedt.

Zur Ernennung des Herrn v. Köller zum Staats­sekretär von Elsaß-Lothringen schreibt dieStraßb. Post"": Die Bevölkerung hat, einmütig wie kaum je, gegen Herrn v. Köllers Ernennung zum Staatssekretär eine offene und loyale Opposition gemacht. Sie hat nichts ge­fruchtet. Herr v. Köller ist. Staatssekretär geworden. Es wäre ungerecht und widersinnig, diese Opposition jetzt ohne weiteres fortzusetzen. Die Gerechtigkeit erfordert, daß wir von jetzt ab den Staatssekretär v. Köller nach seinen Thaten, und lediglich nach Keinen Thaten beurteilen, gleich als ob er als einunbeschriebenes"" Blatt hierher gekommen wäre. Und das Landesinteresse erfordert es.

DemB. T." zufolge hat der Reichskanzler die Ausweisung des hiesigen Vertreters der englischen Preß-Association, Wolf v. Schierbrand, der in die Verhökerung des Zolltarifentwurfs verwickelt ist, angeord- net. Herr v. Sch. soll ferner in einem amerikanische Blatte den deutschen Kaiser schwer verunglimpfende Ar­tikel veröffentlicht haben.

Die 45tägige Giltigkeitsdauer her Rück­fahrkarten ist bis jetzt in nachfolgenden Verkehren zugestanden worden: Verkehr mit der Bröltbal-Eisenbahn, preußisch-hessisch^oldenburgischer Verkehr, norddeutscher Be­kehr, rheinischer Verkehr, Verkehr mit der Reichs- und der Wilhelm-Luxemburg-Bahn, Verkehr auf der Eisenbahn oder den Rh ein dumpf schiff en zwischen Köln und Mainz, Verkehr mit den Nordsee-Inseln dcorderney, Juist usw., aus­genommen der Verkehr aus gewöhnliche Rückfahrkarten nach Borkum über Emden, Verkehr mit der nordbräbant-deut- schen Bahn, rheinisch--belgisch-niederländischer Verkehr, aus­genommen auf Strecken der belgischen Staatsbahn, rhei- nisch^westfälisch^hessisch^bayrisch-österreichischer Verkehr über Aschaffenburg, deutsch^englischer Verkehr über Herbesthal oder Bleyberg, deutsch-österreichisch-dänischer Verkehr,

deutsch-österreichisch-schwedisch-norwegisch-finländischer Ver­kehr, österreichischj-ungarischi-deutsch-englischer Verkehr über Hoek van Holland oder Rotterdam oder Vlissingen, deutsch- österreichisch-ungarisch^rumänischer Verkehr über Oderberg, Oswiecim und Myslowitz und endlich deutsch^österreichisch- ungarisch-rumänischer Verkehr über Bodenbach, Ebersbach und Warnsdorf.

Oldenburg, 8. Aug. Sechzig namhafte Oldenburger Landwirte fordern zur Einreichung einer Petition an die Regierung auf, sie möge im Bundesrat gegen jede Erhöhun g der Getreidezölle und für Fortsetzung der Handelsvertragspolitik eintreten. In der Begründung heißt es, die Erhöhung her Getreidezölle werde der ge­treidebauenden Landwirtschaft nichts nützen, der viehzucht­treibenden aber schaden. Die Handelsverträge seien auch im Interesse der Landwirtschaft dringend geboten.

Memel, 8. Aug. Das MemelerTampfboot"" meldet, es sei auf Grund russischer Informationen von be­hördlicher Seite in der Lage, zu versick)ern, daß augen­blicklich keine Maßregeln wegen Verhütung der Preußengängerei erwogen werden, noch voraussichtlich« zu erwarten sind.

wall und York nach Durban eingeschifft haben. So ist bann also die Rundreise des englischen Thronfolgerpaares nahezu beendet. Auf afrikanischem Boden soll nun noch eine Begegnung mit Lord Kitchener statt finden. Ter Bericht des Höchstkommandierenden in Südafrika dürfte, sofern er die Kriegslage ungeschminkt schildert, die Stimmung her Reisenden einigermaßen trüben. Kitchener selbst soll seine gewohnte Kaltblütigkeit eingebüßt haben und nervös geworden fein.Gesundheitsrücksichten", so sagt man, würden ihn zur Niederlegung des Kommandos veranlassen. Daily Mail" veröffentlichte dieser Tage ein Telegramm aus Pretoria, worin es hieß, Lord Kitchener sei seit einigen Tagen sehr leidend, und habe nicht einmal nach Kapstadt kommen können, um das Herzogsvaar zu begrüßen. T-ie jüngsten Auskünfte über den Verlauf der Krankheit mel- ben, sie sei die Folge einer Verwundung; Kitchener wüsse gesundheitshalber daher nach England zurückkehren. Diese Nachricht wird aber stark bezweifelt. Was die Austral­fahrt des Thronfolgers betrifft, so sind in Melbourne, Sidney usw., rauschende Feste gefeiert, und die entsprech­enden Reden gehalten worden. Politische Folgen wird die Besuchsreise aber schwerlich haben. Der neue australische Staatenbund ist auf lange Zeit hin noch reichlich mit innerpolitischen Angelegenheiten beschäftigt; den engeren Anschluß ans britische" Mutterland zu betreiben, darauf wird also einstweilen dieses letztere allein bedacht sein müssen. Es ist sich dieser Aufgabe auch bewußt und will zunächst, um die Zusammengehörigkeit Großbritanniens und Großaustraliens markanter zu kennzeichnen, die Zahl seiner auf der Südseestation befindlichen Kriegsschiffe ver­stärken.

die nördlich von der Delagoabai-Bahn unter Walter Kit­chener, dem Bruder des Lords, stehen, haben Viljoen über ben Olifantsfluß 'getrieben, während seine südlichen Ko­lonnen bei Carolina operieren. Kekewich und Allenby be­wegen sich gegen die Buren in den Magaliesbergen. Von Featherstone oder Methuen liegen keine Nachrichten vor. Elliots Kolonnen nähern sich dem Modderflusse, wo Posten her südafrikanischen Polizeitruppe durch Charles Knox', Plumers und Bruce Hamiltons Kolonnen unterstützt wer­den. In der Kapkolonie hat Seobell Verluste Latigan bei­gebracht. eToran hat Smit erfolgreich angegriffen, und Gorringe bedrängt Myburgh nordwestlich von Kissenger, wo er 84 Pferde erbeutete und einige Buren gefangen nahm.

Ein Telegramm desStandard" aus Turban meldet, daß kleinere Burenabteilungen während der letzten vier­zehn Tage in Natal beobachtet Worden sind. Einige Farmen in der Nähe von Tundee sind ausgeplündert worden, die Buren nahmen Pferde, Kleidungsstücke und Decken mit. Ter Ausländerausschuß berichtet, daß jetzt in jeder Woche nur fünf Leuten erlaubt wird, an ihre Wohnstätten zurück­zulehren. Ter Ausschuß machte darauf bei Lord Kitchener Vorstellungen und setzte ihm auseinander, daß es so den Buren, die auf Ehrenwort entlassen seien, leichter gemacht werde, auf ihre Besitzungen zurückzukehren, als den Eng­land ergebenen Kolonisten. Ein Telegramm derDaily Mail"" aus Lourenco Marquez meldet, daß au der Grenze des Swasilandes alles ruhig sei. Das Wetter sei auf dem Hochplateau außerordentlich heiß. Von Lourenco Marquez aus würden gegenwärtig große Massen Holz nach den Minen verschickt, was als ein besonders günstiges Zeichen ange­sehen werde. Tie Linie TelagoabaiPretoria sei jetzt völlig sicher, die Blockhäuser, die an der ganzen Strecke entlang errichtet worden seien, ständen alle in Sehweite auseinander. .Tas HospitalschiffAvoca"" sei mit nur we­nigen Kranken an Bord nach Turban abgefahren. An der ganzen östlichen Linie sei der Gesundheitszustand Pen durchaus gut.

Heute meloet Lord Kitchener beschämt: Ein

-Reitern gehöriger Posten von 25 Mann Sabyfluß von den Buren überrumpelt Tangen genommen.

- nt schädig ungskornrnission führte der

wC!!? " $ C Vertreter (Sieoeling aus: Viele Personen, hie erhoben haben, würden zur Vernehmung gern padji England kommen wenn sie nicht Kosten und Verlust jfe" Fällung zu furchten hätten. Der Präsident lehnte Sievettngs Ersuchen um Vertagung auf 6 Monate ab

Da die Yeomanry in Südafrika jetzt wieder neue Ver- garfungen erhalten soll, so sollen entlassene Peomen, die Lust haben, woiter zu bienen, wieder ausgenommen wer­den. Die Wiedereintretenden sollen sich verpflichten, für

bort_ am 17, Juli 1894 Kassala, schlug am 13. Januar 1885 RaS Mangascha von Tibre bei Coabit, am 16. Januar bei Senafe und besetzte im Mürz Adigrat. Als er die vorrückenden Schoaner nach langer Unthätigkeit am 1. März 1896 bei Adua angriff, erlitt er eine völlige Niederlage. Baratieri wurde hierauf sofort zur Disposition gestellt, aber in dem gegen ihn eingeleiteten Prozeß freige­sprochen, worauf er im August 1896 seinen Abschied nahm.)

Washington, 8. Aug. Der Geschäftsträger der Ber­einigten Staaten in Caracas, Ruffel, meldet, daß Ver­wickelungen mit Columbien befürchtet werden, weil von dort her angeblich eine 5000 Mann starke Streitmacht nach Venezuela eingedrungen sei, und daß die Regierung von Venezuela die Frage berate, dem Gesandten Columbiens seine Pässe zuzustelleu.

New-York, 8. Aug. Der Bürgermeister von Paterson in New Jersey hat den Anarchisten verboten, ein Schaustück, betiteltDie Ermordung HumbertS- zur Aufführung zu bringen und kündigt seine Absicht an, die Anarchisten» gruppe auftulösen, weil sie die Stadt in Verruf bringe.

Aus Stadt und Land.

Nachrichten von allgemeinem Interesse find uns stets wMommen und werden angemessen honoriert.

** Ernennungen. Der Großherzog hat den Sekretär bei der BrandverficherungSkammer Georg Müller zu Darmstaot zum Rate bei der Brandversicherungskammer unter Verleihung des Charakters als Regierungsrat, und den Re- gierungsaffeffor Ludwig Scriba zu Darmstadt zum Sekretär bei der BrandverficherungSkammer ernannt.

* Die Gießener Ferien. Der Verfasser des -o- gezeichneten Artikels in Nr. 183 und 184 schreibt unS: HerrSt.- hat die Frage vom rein pädagogischen Standpunkt aus erörtert nnb ist im Wesentlichen zu denselben Folgerungen gekommen, wie wir. Er fordert Verlegung des Schulschluffes in den Herbst und bann lange, Anfang August beginnende und 6 bis 7 Wochen dauernde, Herbstferien. Die Eventualität: Juli- ferien und späte, kurze Herbstferien wird in den Vorschlägen des HerrnSt.- zurückgewiesen, da er in radikalerer Weise die Verlegung des Schulschluffes zur Bedingung einer ge­änderten Ferienordnung macht. Auch uns wäre dieser Weg der angenehmere. Der Verkürzung der Pfingstferien von 8 auf 4 Tage würden wir jedoch nicht zustimmen. Alljährlich finden zu Pfingsten wissenschaftliche Kongresse in Deutschland statt, die von den akademisch gebildeten Lehrern zahlreich besucht werden. Der zu Pfingsten hier tagende Mathematiker- Kongreß konnte z. B. von vielen Fachgenossen aus Hessen und Hessen-Nassau nicht besucht werden, weil vielfach der Unterricht bereit- in der Mitte der Woche wieder begann. Die von HerrnL. S.- angegebene große Zahl von 40 beurlaubten Gymnasiasten findet wohl darin ihre Er­klärung, daß in den einzelnen Klaffen des Gymnafiums aus- drücklich mitgeteilt wurde, es werde in der liberalsten Weise Urlaub bewilligt, die Aussicht auf fiebenwöchige Herbstferien war dann doch vielleicht für viele so verlockend, daß den Eltern von ihren Herrn Söhnen ganz besonders zugeredet wurde, Urlaub nachzusuchen. Man hat in den Jahren 1881 bis 1898 niemals von großen Zahlen gehört und wir können uns nicht denken, daß alle Wünsche in dieser Richtung jähre- ' ang von vielen Eltern still im Busen bewahrt wurden. Dabei weisen die in der Notiz des HerrnL. S.- gesperrt gedruckten Wortebis jetzt- darauf hin, daß noch weitere Gesuche erwartet und gerne bewilligt werden. Wir können uns nicht denken, daß bei einer Schülerzahl von vielleicht 400 und bei ca. 60 Beurlaubungen noch von lehrplanmäßiger Weiterarbeit die Rede sein kann. Daß besondere Beziehungen am [altengymnasium illustre academicum* zu den Pro- efforen obwalten undvon Rechtswegen zu berücksichtigen sind-, unterliegt nicht unserer Beurteilung. Ob auch um­gekehrt die gleiche Ansicht und die Erinnerung an die histo- rischen Beziehungen herrscht, ist uns nicht bekannt. Das Zand, welches noch zuletzt Gymnasium und Hochschule ver- nüpfte, besteht zurzeit nicht mehr. Wir glauben, es liegt ein Grund vor, daß das Gymnasium zu derBevölkerung», klaffe der Profefforen- stärkere Beziehungen pflegt, wie zu anderen Klaffen auch. Wir glauben auch, daß mit Aender- ung des Berechtigungswesens nicht mehr alle Söhne der Professoren dem Gymnasium zugeführt werden, schon heute restehen Ausnahmen. Der Gedanke an die uralten Beziehungen zu dem gymnasium illustre academicum wird dann auch nicht so stark sein, daß er die Professoren in der Wahl der ür ihre Kinder geeigneten Lehranstalt beeinflußt.

** Militärische». Ein sogenanntesJagbkommanbo-, restehend aus 1 Offizier, 5 Unteroffizieren und 18 Mann des Regiments Nr. 116 machte am 6. August von hier an» einen UebungSmarsch nach dem Weilthal, wohin feindlicher- eits ein ebenso zusammengesetztes Jagdkommando des In- aulerie-RegimentS Nr. 117 von Camberg aus entgegen marschierte. Bei Emmershausen kam eS zu einem kleinen Zusammenstoß. Die Gießener Abteilung bezog trotz deS Regenwetters am Abend Biwak bei Weilmünster, während )ie 117er in Rod an der Weil Quartier bezogen.

Da8Wiesbadener Operetten-Ensemble", das hier in )efter Erinnerung steht, wird uns morgen, SamStag, nnb ben beiben folgenben Tagen wieberum besuchen. Am SamStag wirb es bie OperetteDer arme Jonathan", am Sonn­tagDas verwunschene Schloß- unb am Montag als NovitätWie man Männer fesselt- zur Aufführung iringeu. Mit ben beiben ersten Stücken erzielte baS Ensemble in WieSbaben einen guten Erfolg.

* Deutscher Flottenverein. Der Hauptausschuß für Berlin unb bie Mark Brandenburg deS Deutschen Flotten- vereinS beabsichtigt, in der Zeit vom 1. bis 8. September eine Sonderfahrt seiner Mitglieder zu unternehmen. Die Fahrt geht von Berlin über Bremen, Wilhelmshaven, Rotter­dam, Scheveningen, Haag, Antwerpen bis Brüffelr UeberaK ollen die Sehenswürdigkeiten in Augenschein genommen werden. Der Preis für bie Fahrt einschließlich Unterbringung, Verpflegung, Eisenbahnfahrt u. s. w. beträgt 225 Mark. Teilnehmer müssen spätestens bis zum 24. August ben Betrag von 225 Mark an ben Hauptansschuß für Berlin unb bie Mark ©ranbenburg beS beutschen Flottenvereins, Berlin W, Wilhelmstraße 91 I einfenben.

D. Fl. B. Schülerfahrten zur Wasserkante^ Um zahlreichen an ben Deutschen Flotten-Verein gerichteten