einer von Platrand (einer 30 Kilometer südöstlich gelegenen Bahnstation) aufgebrochenen Kolonne zu vereinigen. Während des Marsches unterhielten die Buren ein ständiges Feuer. Tie von Platrand kommende Kolonne erreichte noch in derselben Nacht Weltevreden (einen Punkt am Vaal, der die Spitze eines über der Linie Standerton-Platrand konstruierten gleichschenkeligen Treiecks bildet); die Buren leisteten einigen Widerstand. — Am nächsten Tage (6.) wurde das Burenlager bei Uitkyk von Oberst Colvilles Kolonne aus Heidelberg überrumpelt, wobei drei verwundete Buren gefangen genommen sowie 4 Wagen, 13 Pferde, 500 Stück Vieh und Munitionsvorräte erbeutet wurden. Ter Nebel machte eine Verfolgung des Feindes unmöglich. Die Kolonne setzte sodann ihren Marsch nach Süden fort und griff ein anderes Burenlager an, ohne daß die Buren Widerstand leisteten; ein Maxim-Nordenfeldt-Geschütz und einige Wagen mit Vorräten fielen in die Hände der Engländer. — Inzwischen ging die von Platrand angesetzte Kolonne gegen den Vaal vor. Am 5. machten die Buren einen en er gisch enAn griff auf diebritischenAufklärungs- rruppen; letzteren gelang es jedoch, ihre Stellung zu behaupten. Tie Engländer hatten drei Tote und zwei Verwundete. Schließlich wurde der Feind vertrieben.
Taraus kann man mit Sicherheit soviel erkennen, daß je eine Kolonne ausgegangen ist von Platrand, von Standerton und von Heidelberg. Tie beiden ersteren operieren zusammen nördlich der Eisenbahn, die letztere unter Colville dagegen offenbar südlich davon, da es heißt, daß sie nach Ueberrumpelung des Lagers von Uitkyk ihren Marsch nach Süden fortgesetzt habe. Die von Standerton und Platrand ausgegangenen Abteilungen scheinen sich bei Weltevreden am Vaal vereinigt zu haben. Ob sie identisch sind mit den englischen Aufklärungstruppen, die am 5. einem energischen Angriff der Buren ausgesetzt waren, laßt sich bei der unklaren Fassung des Berichtes nicht entscheiden.
Nach einer Meldung aus Pretoria vom 8. d. M. hatte die englische Kolonne, die nach Durchquerung der Distrikte Roossenkal und Totesburg aus Middelburg in Belfast eintraf, auf dem Marsche nur ein einziges Gefecht, als sie die Buren aus ihren Verstecken vertrieb, in welchen die Familien verborgen waren. Botha und Viljoen vereinigten ihre Kommandos und halten Carolina besetzt.
Wie Londoner Abendblätter vom 8. d. M. aus Kapstadt melden, finden in Nord- und Ost-Transvaal größere Gefechte statt. Tie Buren erleiden schwere Verluste (?). 40 Buren wurden bereits getötet, 200 verwundet und 160 ergaben sich Zahlreiche Dokumente, Banknoten, 220 Wagen und 9000 Pferde wurden erbeutet. Unter den Streitkräften der Buren herrsche nach Meldungen der Blätter eine große Demoralisation. — Glaubwürdigere Berichte melden gerade, daß die Demoralisation im englischen Heere ihres Gleichen suche-
Tie durch Rudyard Kipling in Bloemfontein seinerzeit ins Leben gerufene Feldzeitung „The Friend" brachte vor einiger Zeit eine kleine Anekdote über einen der adelstolzesten englischen Gardeoffiziere, Lord Raleigh, der mit den Gardegrenadieren unter Methuen am Modderriver lag und eines Tages an einer Stelle des Flusses badete, die ausdrücklich als gefährlich für die Truppen verboten worden war. Ein patrouillierender Korporal forderte den Schwimmer mit barschen Worten aus, sofort ans Land zu kommen, damit er seinen Namen feststellen könne, worauf der entrüstete Lord in seiner ganzen göttliche Nacktheit ans Ufer sprang und den verblüfften Korporal zornig mit den klassischen Worten anschnauzte: „Können Sie Schaf nicht nicht sehen, daß ich Offizier bin?"_______________________
Die Lage in China.
Aus China kommt eine Verheißung. Die Antwort der chinesischen Regierung auf die gemeinsame Note der Mächte hinsichtlich der Entschädigung wird zu Ende der Woche erwartet. Daß diese Antwort die langwierigen und langweiligen Verhandlungen, die seit Monaten gepflogen werden, zum Abschluß bringt, wird im Ernst niemand erwarten. Die Antwort ist aller Wahrscheinlichkeit nach nur ein neuer Anknüpfungspunkt für die „Erwägungen" der chinesischen Staatsmänner, die diesen Prozeß in die Länge ziehen, um den Gegner zu ermüden, zugleich in der stillen Hoffnung, daß Konflikte der Mächte untereinander — langes Warten macht nervös — China von der Entschädigung ganz befreien möchten. Ein italienisches Sprüchwort sagt: „Wer klug ist, läßt die Zahlung schweben. Es können Dinge sich begeben, welche die Zahlung ganz aufheben." Nach dieser Weisheit wird von den chinesischen Ehrenmännern treulich gehandelt.
Eine Ausgabe des „New-Jork Herald" meldet aus Peking: Bei einem Feste, das der englische General Gaselee zu Ehren der amerikanischen Offiziere gab, hielt der amerikanische General Chaffee eine Rede, in der er u. a. sagte: „Mögen Könige, Minister und Politiker sagen, waS sie «ollen, ich kann mich dafür verbürgen, daß Amerikaner und Engländer niemals auf dem Schlachtfelde einander gegenüberstehen werden. Die internationale Politik mag das Bestreben haben, internationale Verwickelungen zu vermeiden, aber wenn die Umstände uns zwingen, zu wählen und Partei zu ergreifen, dann würden wir gewiß auf Seiten der Engländer stehen."
Deutsches Kelch.
Berlin,8. Mai. Aus Donaueschingen wird gemeldet Der Kaiser fuhr gestern abend und heute früh zu Wagen zur Auerhahnjagd bei Mistelbrunn und Herzogenweiler.
— Anläßlich des jüngsten Ministerwechsels in Preußen schreibt die Schles. Ztg. gelegentlich eines Artikels, den sie dem abgegangenen LandwirtschaftSminister widmet: „Ernst Frhr. v. Hammerstein-Loxten bezog die Universität Göttingen, wo er dem Corps Bremenfia angehörte." Unter den Männern, die als Ministerkandidaten genannt werben, befindet sich auch der Obrrpräfident von Branden« bürg. In Nr. 313 der Schles. Ztg. heißt es: „Der Ober Präsident von Brandenburg v. Bethmann Hollweg ist ein Corpsbruder des Kaisers (Sperrsatz in der Schles. Ztg.) und gleichzeitig mit diesem in Bonn gewesen." Dazu meint der Reichsbote.- Ob diese Betonung der 86.-Zugehörig leit im Sinne des Kaisers ist? Es lesen doch nicht blos
frühere CorpSburscheu die Schles. Ztg., sondern auch noch einige andere Leute. Wenn die Akadem. Monatshefte, das Organ der deutschen Corpsstudenteu, auf die CorpSange Hörigkeit in der Oeffentlichkeit bedeutsamer Männer Hinweisen, so versteht sich daS von selbst. Tageszeitungen haben diese Spezialität nicht zu pflegen. Solche Tageserscheinungen helfen dazu, daß der längst vorhandene Wunsch immer lebhafter und nachdrücklicher in die Oeffentlichkeit tritt, es möchte den studierenden Söhnen des Hohenzollernhauses, es möchte vor allem dem zukünftigen deutschen Kaiser Gelegenheit geboten werden, als Studenten nicht bloS mit Bonner Borussen und Scheuten, sondern auch mit anderen bedeutsamen und eigenartigen studentischen Kreisen in engere lebensvolle Berührung zu treten. Die Burschenschaft!. Blätter schreiben: „Bei einseitigem Verkehr müssen Vorurteile entstehen, welche später schwer oder gar nicht zu überwinden sind, und welche dem Gemeinwesen zum Nachteil gereichen."
— Der „ReichSanz." veröffentlicht nachstehendes auS Schlitz vom 5. Mai datiertes Handschreiben des Kaisers. DaS Schreiben an Minister Freiherrn von Hammerstein- Loxten lautet:
„Nachdem Ich Ihnen durch Erlaß vom heutigen Tage die nachgesuchte Dienstentlassung in Gnaden erteilt habe, kann Ich es Mir nicht versagen, Ihnen für die ausgezeichneten Dienste, welche Sie in treuer Hingebung an Ihr verantwortungsvolles Amt Mir und dem Vaterlande geleistet haben, Meinen wärmsten Dank auszusprechen. Als Zeichen Meines Wohlwollens verleihe Ich Ihnen die Königliche Krone zum Großkreuz des Roten AdlerordenS und lasse Ich Ihnen die Insignien hierneben zugehen."
Das Schreiben an den Minister Brefeld lautet:
„Um Ihnen bei Ihrem Ausscheiden aus dem Staatsdienst für die langjährigen und treuen Dienste, welche Sie in allen Ihren bisherigen Aemtern Meinen Vorgängern an der Krone, Mir und dem Staate ge« leistet haben, Meinen Königlichen Dank und Meine Anerkennung zum Ausdruck zu bringen, verleihe Ich Ihnen das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub, dessen Insignien hier angeschloffen sind."
— Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Die Nachricht, daß Unterstaatssekretär Fritsch den Abschied nachgesucht habe, ist unbegründet.
— Ter „Schwäb. Merkur" will erfahren haben, der Kaiser habe auf der Wartburg bei Gelegenheit einer politischen Unterhaltung mit dem Großherzog geäußert:
„Der Bewilligung von Diäten an die Reichstagsabgeordneten werde ich nicht eher zustimmen, bis das Reichswahlgesetz eine entsprechende Aenderung in Bezug auf die Wahlberechtigung erfahren hat. Oppositionelle Volksvertreter haben wir mehr als genug, und die Leistungen der bezahlten Landtagsabgeordneten, wenigstens in Preußen, sind auch nicht die hervorragendsten."
Die Aeußerung, die hier dem Kaiser in den Mund gelegt wird, kann, sagt die „Freis. Ztg.", unmöglich zutreffen, denn die Tiäten sind doch keine Prämie für oppositionelle Volksvertreter. Gerade diejenigen Abgeordneten, welche auch gegen die Monarchie und die bestehende Gesellschaftsordnung opponieren, leiden am wenigsten unter dem Tiäten- mangel. Wie sehr das Zustandekommen von Vorlagen, an denen der Regierung besonders gelegen ist, durch den Diiätenmangel erschwert wird, das erfährt man gegenwärtig sattsam im Reichstag. Gegen Aendermngen des Wahlrechts als Kompensation für Tiätengewährung hat sich der gegenwärtige Reichskanzler sehr bestimmt ausgesprochen, denn er verkennt nicht, daß die Abgeordneten alsdann sich dem berechtigten Vorwurf aussetzen würden, Volksrechte gegen Gewährung eines persönlichen Vorteils zu verkaufen.
— Herrn v. Miquel ist von nationalliberaler Seite vorgehalten worden, daß er die beinahe sichere Ernennung eines zweiten nationalliberalen Führers zum Ober- iräsidenten direkt oder indirekt vereitelt habe. Der wirk- iche Sachverhalt ist, der „Post" zufolge, der, daß Herr v. Miquel gegenüber einer Anregung von nationalliberaler 1 Seite die Ernennung eines würdigen, seit Jahren im Ruhe- tand befindlichen nationalliberalen Parlamentariers (wohl Hobrecht) zum Oberpräsidenten mit allem Eifer betrieb, obgleich er bezweifelte, daß der schon bejahrte Kandidat noch frisch genug für das wichtige Amt sei und obgleich er dadurch den Schein der Parteilichkeit für seinen früheren Parteigenossen Hervorrufen konnte, daß seinen Bemühungen aber der Erfolg versagt geblieben ist.
— Ter Herausgeber des „Bayer. Vaterl." Tr. Sigl schreibt in seinem Blatt:
Die Preußenthaler weisen auf ihrer Reversseite ergötzliche Unterschiede auf. Alle Thaler, die vor 1866 geprägt wurden, haben einen mageren Adler mit dürren Schwingen. Sein Schnabel ist weit geöffnet. Die Krone schwebt in ziemlicher Entfernung vom Kopfe. Alle nach 1866 geprägten Thaler aber zeigen einen ungleich fetteren Aar mit wuchtigen Schwingen. Die Krone sitzt fest auf seinem Kopfe. Tas Tier scheint jetzt weniger Hunger zu haben, obwohl sein Schnabel noch nicht ganz geschlossen ist! Ist nun das Zufall oder Absicht? Jedenfalls ist der Aar auf dem Preußenthaler noch nicht ganz gesättigt, da fein Schnabel noch etwas geöffnet ist. Am bayerischen Wappen ist merkwürdig, daß der Löwe den Schweif empor hält. Zu welchem Zwecke wohl?
Ter Mann scheint doch etwas zu früh aus der Kalt- wafserheilanstalt an seinen Redaktionstisch zurückgekehrt zu fein.
— Ter Unfug, den jetzt die Polen mit der Adressierung von Briefen treiben, wird nun auch der katholischen „Germania" zu toll. Das Blatt weist darauf hin, daß der Kamps der Polen gegen die Reichspost immer seltsamere Formen annimmt. Manche Polen adressieren jetzt nämlich die Briefe von beiden Seiten, und zwar auf der einen deutsch, auf der anderen polnisch. Neben jede Adresse kleben sie dann eine Fünfpfennigmarke. Au cheinend wollen die Herren mit diesem albernen Manöver einerseits die Verzögerung in der Bestellung vermeiden, anderseits ihr vermeintliches Recht auf polnische Adressen aufrechthalten. Jedenfalls entsteht durch solche Treibereien der Postverwaltung viel Schererei und überflüssige Arbeit, die sie wohl kaum andauernd nur wegen der schönen Augen der Polen auf sich zu nehmen gesonnen sein wird.
Tilsit, 8. Mai. Ter Reichstagsabgeordnete für den Wahlkreis Menwl-Heydekrug Smalakys ist heute hier gestorben. (Sm. nannte sich, nach Analogie der Polen, Elfäfser, Tänen: „Litlauer", war in Wahrheit ein Anhänger der Freisinnigen, die ihn als Kandidaten aufgestellt hatten, um die ländliche littauische Bevölkerung für ihn zu gewinnen. T. Red.)
Leipzig, 8. Mai. Wie bereits gemeldet, ist der bekannte sozialdemokratische Reichstagsabg. Dr. Schönlank nach einem Tobsuchtsanfall in eine Nervenheilanstalt gebracht worden. Tr. Schönlank war schon seit längerer Zeit hochgradig nervös und machte mehrfach den Eindruck eines geistig nicht mehr ganz normalen Menschen. Infolge seiner Erregbarkeit kam es öfters zwischen ihm und seinen Untergebenen zu erregten Auftritten. Wie weit er sich dabei hinreißen ließ, zeigt die Ohrfeigenaffaire zwischen ihm und dem Parteigenossen Katzenstein, die vor kurzer Zeit in der Presse lebhaftes Aufsehen hervorrief, wobei allerdings nicht ganz klar gestellt wurde, welcher von beiden der agressive Teil gewesen ist. Dr. Schönlank ist ein geistig hochbegabter Schriftsteller, der schon durch seine Tissertationsschrift über das Kartellwesen die Aufmerksamkeit der gebildeten Welt auf sich zog und seither im Dienste seiner Partei ein eifriger und tüchtiger Kämpfer geworden war. Sein trauriges Geschick wird auch bei denen, die politisch seins Widersacher sind, Teilnahme erwecken.
Stuttgart, 8. Mai. Im Landtage teilte Minister Freiherr v. Soden bei der Beratung des Eisenbahnetats mit, auf seine Anfrage an die süddeutschen Regierungen wegen einer neuen Konferenz über eine süddeutsche Tarif gemein- chaft seien übereinstimmend ablehnende Antworten ein- ;etroffen, da der gegenwärtige Zeitpunkt politischer Un- icherheit und wirtschaftlicher Depression der denkbar ungünstigste sei zur Verbilligung der Tarife. Er persönlich lehe einer solchen, namentlich für den Naheverkehr, durchaus sympathisch gegenüber, müsse aber auch zu großer Vor- icht mahnen.
Ausland.
Brüssel, 8. Mai. Die Mitglieder der Rechten beider gesetzgebenden Körperschaften hielten heute vormittag eine gemeinsame Sitzung ab, in der die Vorlage betreffend Abschluß eines neuen Vertrages mit dem K o n g o st a a t zu» Beratung stand. Man kam einstimmig zu der Ansicht, daß die Vorlage unzureichend sei. Aus dem eingehenden Meinungsaustausch in der Versammlung scheint hervorzugehen, )aß man, da der Kongostaat sich weigert, einen anderen Vertrag abzuschließen, nur die Wahl hat, die Vorlage anzunehmen oder den Kongostaat sofort zu annektieren. — Tie sozialistische Linke der Repräsentantenkammer be- chloß einstimmig, die Gesetzesvorschläge der Regierung hin- ichtlich der Kongo-Konvention abzulehnen.
Rom, 8. Mai. Der König richtete an Zanardelli ein Schreiben, in dem es heißt, die Majestäten seien erfreut über die Kundgebungen, welche zur Feier der bevorstehenden Geburt ihres Kindes in Vorbereitung seien, aber ie wünschten, Ausgaben von Seiten der Behörden und Bürger vermieden zü sehen. Tie Majestäten würden ein Geschenk annehmen und bitten, etwa dafür bestimmte Gelder zu wohlthätigen Zwecken zu verwenden.
— „Mariens Rosengarten, amtliches internationales Organ vom Orden der Verteidiger des heil. Petrus" heißt eine in Paris und Rom erscheinende Zeitschrift, die in ihrem 16. Heft des 47. Jahrgangs eine katholische Persönlichkeit mit folgenden Titeln belegt: „schurkisches, verkommenes (degenerato), epileptisches, vom Ver- olgungswahnbesessenesSubjekt". Wer ist das? Kein Geringerer als König Viktor Emanuel III. von Italien!!!! Unweit seiner Residenz im Quirinal im Haus» Nr. 2 der Straße vom alten Zollamt, wird von den Priestern dieses Rosengärtlein verkauft, unbehelligt von Staatsanwalt und Gericht.
Washingtons. Mai. Die leitenden Marinebehörden richteten ihre Aufmerksamkeit auf die Vorteile der Erwerbung einer Azoreninsel als Kohlenstation und Sammelpunkt für die Marine und bringen in die Regierung, Schritte zu thun, um hierauf hinzielende Rechte von Portugal zu erlangen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 9. Mai.
Ernennung. Der Großh. Hess. Geh. Oberschulrat obnagel zu Darmstabt ist zum Mitgliebe ber ReichSschul- kommission berufen worben.
** Telegramme. Beim Telegraphenamt I in Gießen Inb im Jahre 1900 30 584 Telegramme ausgegeben, und 32 540 Telegramme eingegangen, beim Telegraphenamt II 14 513 Telegramme aufgegeben, und 10 478 Telegramme eingegangen. Auf unsere Stadt folgt, waS den Depeschen« verkehr inOberheffen anbetrifft, Bad-Nauheim, wo rund 30 000 Telegramme aufgegeben und eingegangen sind. Dann ommt erst Friedberg mit rund 8500 Telegrammen, während die andern durchschnittlich 1 bis 2000 Telegramme und die kleineren Telegraphen-Anstalten nur einige hundert aufweisen.
♦* Bowlen. Tie Zeit der Maibowle und mit ihr di» Saison der Bowlen überhaupt ist gekommen. Wenn nUn auch die Bowlen nicht jedermanns Sache sind, da die Wein- 1 enner den reinen Wein der Mischung vorziehen, so darf man doch nicht verkennen, daß eine in sachverständiger Weise zubereitete Bowle in der wärmeren Jahreszeit eine wahre Erfrischung gewährt. Die folgenden drei Rezepte, welche man ohne Vermittelung des Apothekers sich in der Häuslichkeit selbst Herstellen kann, dürften daher für unser« Leser von Interesse fein. Was zunächst die beliebte Maitrank-Bowle betrifft, so übergießt man, um eine solche herzustellen, in einer Terrine einen Büschel frischen Waldmeister ohne Blüten mit zwei Flaschen billigem Moselwein, deckt die Terrine zu und läßt die Kräuter eine halbe Stunde auf Eis ziehen, worauf man sie aus der Terriye nimmt. Kurz vor dem Anrichten thut man nach Geschmack gestoßenen Zucker hinein und gießt eine halbe Flasche Champagner, sowie eine Flasche Selterwasser hinzu. Nur der Dekoration halber streue man schließlich auf die Bowle einige wenige Blätter des Waldmeisters. Eine Erdbeer-Bowle bereitet man, indem man aus 1 Liter schöner Waldbeeren, die freilich vorläufig noch etwas auf sich warten lassen werden, dibesten, vielleicht die Hälfte heraussucht, sie in die Terrme schüttet und mit Zucker bestreut. Die übrigen Erdbeeren übergießt man mit dreiviertel Liter heißem Zuckersyrup, läßt diesen ungefähr zwei Stunden mit den Erdbeeren ziehen und bringt ihn darauf durch ein Tuch in die Terrine, gießt zwei Flaschen leichten Moselwein darüber, stellt die Bowle auf Eis und gießt vor dem Aufträgen noch eine Flasche Champagner hinzu. Für eine Gesellschaft,


