Ausgabe 
9.11.1901 Zweites Blatt
 
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meinen unb forderte im einzelnen eine wesentliche Erhöhung des Quebrachozolles und einen Zoll für ausländische gärt­nerische Luxusprodukte. Nach einer Diskussion über die Alkoholfrage wurde eine Resolution im Sinne der Aus­führungen des Pfarrers Fritsch angenommen und dann die Sitzung geschlossen.

Die nächste öffentliche Sitzung beschäftigte sich mit einer kirchlichen Frage: Freiheit der Kirche und Selbst- ständigkeit der Gemeinde. Zuerst nahm Stöcker das Wort. Die Frecheit der Kirche ist die notwendige Vor­bedingung für ihr wahres Leben. Das Staatskirchentum geschichtlich, sei zu verwerfen. Anerkannt muß werden, daß sich die Frage in der Praxis sehr schwer behandeln und lösen läßt. Aber fest steht: heute ist die weltliche Leitung der Kirche unmöglich. Minister Falk äußerte einmal: er hoffe die Stunde noch zu erleben, wo der Kultusminister keinen Finger mehr für die Leitung der Kirche zu rühren braucht. Das Grab der kirchlichen Selbständigkeitsbestreb-' ungen ist das synodale Leben, weil man diese Bestrebungen von oben ungern gesehen und mit Bann belegt hat und weil darum die Kirchenregimente sie möglichst gehindert haben. Stöcker begründet die Notwendigkeit einer rein geist­lichen Leitung der Kirche. Dann würde dieses Gemisch, von liberal perschwinden. Zum Schlüsse forderte Stöcker die Unabhängigkeit der Gemeinden. In der Ausgestaltung dieser beiden: Der Freiheit der Kirche und der Unab­hängigkeit der Gemeinden liegt unser Ideal; denn beide fördern und ergänzen sich gegenseitig. (Lebhafter Beifall.) Der Direktor des Johanneums, Pfarrer Philipps (Plötzensee-Berlin) erklärte sich im großen Ganzen mit dem Äirredner einverstanden. Wie nun die Frage lösen? Man antwortet: Freikirche! Aber wie zu Freikirche kommen? Durch Massenaustritt aus der Landeskirche? Es ist gegen­wärtig nicht daran zu denken, daß Millionen austreten. Man wird höchstens zu einer Sekte kommen und dann jeden Einfluß aus Schule und Religionsunterricht und viel für das Volksleben verlieren. Bleibt nur, daß wir auf dem Wege der synodalen Verfassung vorgehen und dafür sorgen, daß die Kirche keine Rechte verliert, und daß nicht Leute die Führung übernehmen, die in erster Linie nicht das Ver­trauen der Kirche, sondern das der Regierung haben. In die Gemeindevertretungen müssen verständnisvolle Leute gewählt werden. In die Provinzial- und Generalsynoden müssen Leute aufsteigen, die frei geworden sind für ihre Person in Glauben, die thun, wozu sie ihr Glaube treibt, die nicht nach dem Kirchen-oder gar Staatsregiment schielen. Der Staat hat ja so wie so schon ganz gewaltige Rechte. Alle Liebedienerei muß verschwinden, dann können wir zu einer freien Kirche kommen, dann können wir sagen: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet. (Stürmischer Beifall.)

Pfarrer Lic. Weber (M.-Gladbach) schlug folgende Er­klärung vor:

Die christlich-soziale Partei hält im Interesse einer gesunden Entfaltung der Kräfte der Kirche die Freiheit der Gesamtkirche auf dem Grunde ihres Bekenntnisses und eine möglichst freie Entfaltung auch der Einzelgemeinde für durchaus geboten. Die Kirche kann nicht eher wieder das Gewissen des Volkes werden, bis sie eine freie Kirche wird. Mit dieser Freiheit der Kirche sind viele Be­stimmungen ihrer heutigen Verfassung noch immer un­vereinbar. Darum bittet die christlich-soziale Partei ihre .Anhänger in ganz Deutschland, daß sie innerhalb ihrer Landes- und Pvovinzialkirche für freiheitliche Entwickelung von unten nach oben hin so kräftig wie möglich eintreten."

Pastor Haardt griff Harnack an wegen seines be­kannten Buches. Stöcker bemerkte: Wir wollen nicht pro­testieren gegen Ueberzeugungen. Wir müssen gegen das System protestieren. Ein System, das eine positiv gerichtete Obrigkeit zwingt, aus Weltrücksichten liberale Theologen zu berufen, deren Lehren sie doch mißbilligt: dieses ist der faule Fleck. (Lebh. Zustimmung.)

Die Erklärung wurde einstimmig angenommen und die Sitzung geschlossen.

L. u. P. Barmen, 7. November.

Die öffentliche Schlußversammlung fand unter großem Andrange statt. Zuerst sprach Direktor Pfarrer Philipps (Berlin) über das Thema: Der Christ und das öffentliche Leben. Er wandte sich gegen die Anschauung bieler' Christen, die sich vor allen öffentlichen politischen und kirchlichen Angelegenheiten zurückziehen, die­weil sie das angeblich nichts anginge. Das Christentum habe es doch auch mit sittlich,en, sozialen, politischen Fragen zu thun. Es geschieht nichts in der Politik, was nicht auch einen Christen angeht. Alles, was unser Volk etwas angeht,

aufs neue zu empfehlen. Keine ähnlich geartete deutsche Zeitschrift kann sich an Reichhaltigkeit und dabei auch rela­tiver Billigkeit mit Bruckmanns Kunst messen.

Hübners Geographisch-statistische Tabellen. Ausgabe 190L Hrsg, von Hofrat Prof. Dr. Fr. v. Juraschek. Verlag von Heinrich Keller in Frankfurt a. M. Die nachfolgende, sehr in­teressante Uebersicht über die Bevölkerungs-Bewegung im Delltschen Reiche int Jahre 1899 ist der Tabelle entnommen'.3

Brett durch Anschlag bekannt gemacht, daß den Studenten' der Gebrauch der polnischen Sprache im Anatomiegebäude unterlagt sei. Der Aufruf warHeilmann" unterzeichnet. Aus Beschwerde bei dem Direktor der Anatomie, Geheim­rat His, riß dieser demonstrativ den Anschlag mit der Be- mertiing vom schwarzen Brett herunter, daß dies eines deutschen Studenten unwürdig sei. Geheimrat His soll dann gesagt haben, daß er durch die Universitätsbehörden gegen Heilmann vorgehen werde. Mir ist persönlich etwas sehr Unangenehmes in Leipzig passiert. Als ich mich zum Examen dem Professor vorstellte, sagte dieser: Ach, das ist der Herr mit dem sonderbaren Namen. Bolewski: Ich besuchte im Wintersemester 1898/99 in München die Dor- ' efungen des alldeutschen Verbandes. Die Kommilitonen haben sich mir gegenüber sehr unanständig benommen. Sie lachten ... Präs.: Sind Sie ausgewiesen worden? Bolewski: So ungefähr. Kowalczyk: In der Breslauer Anatomie sagte Prof. Hasse einmal zu polnis­chen Studenten, die Zigaretten rauchten: Ich verbitte mir )en polnischen Gestank! Bei der Prüfung pflegt er von oben herab Bemerkungen zu machen, wie: ütun^ Sie pol­nischer Jüngling, nun sagen Sie einmal her, was Sie können, u. s. w.

Es gelangt ein bei Bolewski beschlagnahmter Brief zur Verlesung, der vom 18. Februar 1898 aus Leipzig datiert ist. In diesem Brief wird derAdelphia" in Greifswald )en Mitgliedern dieses Vereins die Entrüstung des Kon­gresses ausgesprochen, weil diese an der Universitätsfeier; aus Anlaß des Geburtstages Kaiser Wilhelms H. teilnahmen. Es sei das ein Beweis mangelnden na­tionalen Widerstandes. Tie Teilnahme an Fackelzügen und dergleichen entspreche nicht der nationalen Würde derAdel- ihia". Weiter kommt ein Brief des Karas vom Sommer- emester 1898 zur Verlesung. Tie Vereinigung der polni- chen Jugend im Auslande hatte gesagt, daß die polnische Jugend in Posen nichts tauge, und sie als Abtrünnige be­zeichnet. Diese Vorwürfe hatte Karas in dem erwähnten Briefe energisch zurückgewiesen. Präs.: In dem Briefe ägen Sie: Man nennt uns b eleidiaend Preußen". Sie sind doch selbst königlich preußischer Beamter (Gerichtsreferendar). Karas: Man hatte uns mit der Absicht der Beleidigung so bezeichnet, um uns dadurch als Abtrünnige zu charakterisieren. Nach weiteren Ver^ lesungen wird die Verhandlung auf Donnerstag vertagt.

Sitzung der Stadtverordneten.

7. November 1901.

Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler, Faber, Flett, Dr. Gaffky, Dr. Gutfleisch, Hanau, Hau- bach, Heichelheim, Helfrich, Heyligenstaedt, Huhn, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Loos, Orbig, Petri; Schiele; Schwall und Wallenfels. Entschuldigt: die Stadtv. Dr. Fuhr, Jughardt und Grünewald.

Betr. des Fahrplans der Bieberthalbahn teilt Bürgermeister Mecum mit, daß er für Verlegung des morgens 7.12 in Gießen abgehenden Zuges auf 8 Uhr, sowie dafür vorstellig geworden sei, daß der bisher ab Gießen nur Sonntags verkehrende Zug 3.25 nachmittags täglich ver­kehrt. Dem Ersuchen ist (wie aus der vor. Nr. des Gießener Anzeigers ersichtlich. Red.) stattgegeben und in Aussicht ge- tellt worden, daß auch der abends 7.30 hier abgehende Zug während des ganzen Winters verkehrt. Nachdem die Ordnung des städtischen Archivs beendet ist, wird )ie Versammlung vor Beginn der nächsten Sitzung dasselbe besichtigen.

Um eine möglichst rasche Erledigung des Zählge- chäfts bei den Stadtverordnetenwahlen am 14. d. M. zu ermöglichen, sind die Wähler diesmal in vier Bezirke geteilt. Es werden fungieren im 1. Bezirk als Vorsitzender Beigeordneter Wolff, als Beisitzer die Stadtv. Jughardt und Kirch, als Ersatzmann Stadtv. Löber; im 2. Bezirk als Vor­sitzender Bürgermeister Mecum, als Beisitzer die Stadtv. Häubach und Keller, als Ersatzmann Stadtv. Petri; im 3. Bezirk als Vorsitzender Beig. Georgi, als Beisitzer Stadtv. Wallenfels und Faber, als Ersatzmann Stadtv. Euler im 4. Bezirk als Vorsitzender Stadtv. Heichelheim, als Bei-i sitzer die Stadtv. Dr. Fuhr und Leib, als Ersatzmann Stadtv. Krumm. Stadtv. Wallenfels spricht sich dafür aus, daß am Wahltage die Stadtkasse bis 6 Uhr offen gehalten werden möge, um den Wählern Gelegenheit zur Entrichtung ihrer Steuern zu geben. Bürgermeister Me cum spricht sich dagegen aus, erklärt sich aber, nachdem auch Beigeord­neter Georgi dem Wunsche des Stadtv. Wallenfels bei­getreten, damit einverstanden.

Tas Gesuch des Monomen W. Kitz um Erlaubnis zur Aufstellung einer Halle auf seinem Grundstück am Rodt­berg wird befürwortet, desgl.

das Gesuch der Flaschenhandlung Klein & D 0 em - Ung für einen Neubau an der Crednerstraße.

Tas Baugesuch von Architekt L. Hsu h n, bezüglich dessen Dispens nötig ist wegen ungenügender Breite des Hos- raums, wegen Errichtung nur einer Einfahrt für zwei nebeneinander liegende Häuser und Anbringung zweier Erker an denselben in der Pflockst raße, wird befürwortet.

Fabrikant Barnaß beabsichtigt an der Schillerstraße ein Lagerhaus zu errichten. Ta dasselbe nach den vor- gelegten Plänen als mißständig bezeichnet wird, erfolgt Ab­lehnung des Gesuches.

Tie zu 1400 Mk. veranschlagten Dachdecker-Ar­beiten an der Margarethenhütte sollen ausgeführt werden, wenn die Baudeputation nach vorheriger Besich­tigung an Ort und Stelle die Herstellung für nötig hält.

Tie durch die Kabellegung veranlaßte Reparatur ver­schiedener Stellen der Asphalttrottoirs hat 288.30 Mk. Kosten verursacht, die genehmigt werden. Die Anfrage des Stadtv. Hanau, warum in der Kaplansgasse das Pflaster schon wieder aufgerissen werde, beantwortet Bürgermeister Mecum dahin, daß es unterlassen worben sei, neben dem Speise­kabel ein Anschlußkabel zu legen. Ein solches sei aber nötig geworden, nachdem zwei Hausanschlüsse angemeldet seien.

Die Anfrage eines Reflektanten auf Bauplätze trt derRöonstraße wird auf Antrag der Baudeputation dahin beantwortet, daß Plätze in gen. Straße erst im nächsten Frühjahr verkauft werden sollen.

Tas Stadtbanamt hat eine Liste derjenigen städtischen Arbeiter auf gestellt, denen die übliche Remuneration zu Teil werden soll. Tie Remuneration erhalten nur die vor dem 1. April d. I. in städtische Dienste getretenen Arbeiter und zwar für jeden Arbeitstag 20 $fg. 10 uni) 15 Psg. erhalten dagegen diejenigen Arbeiter, die durch Faulheit und Trunkenheit Anlaß zu Klagen gegeben hoben. Es kommen 1975 Mk. zur Verteilung.

Nachdem in einer früheren Sitzung beschloßen worben, für die höhere unb erweiterte Mädchenschule cm u.eueS Schulhaus zu erbauen, ha* "ck das Kuratorium gen-,

as geht auch jeben Christen etwas an! Soll ber Christ agen im Blick auf bie Mäbchen, bie in ber Prostitution erkommen, ober auf bie Männer unb Frauen, bie im 1 ^runk untergehen: es gehe ihn nichts an? Geht's ben ' Christen nichts an, Wenn ein Bettler an feiner Thür steht, 1 er arbeitslos geworben ist ober einer, ber, statt Pension u beziehen, herumziehen muß? Geht's ben Christen nichts n, wenn ber Umsturz bie Arbeiter unter seine Fahne ieht? Geht's uns nichts an, in welchem Verhältnis wir ! ur Türkei stehen, bie unsere Christenbrüber abschlachtet, ! ber zu En glaub, bas unsere Glaubensbrüder i in mo r bet! Geht's uns nichts an, wenn sich Deutschlanb ! us Grünben ber äußeren Politik freunblich mit bem 1 Norder England stellt? (Lebhafter Beifall.) Gesetzt 1 en Fall, Wir hätten unsere Pflicht gethan und unsere Ab- 1 eorbneten nicht nur nach materiellen Gesichtspunkten ge- < lählt und diese Abgeordneten hätten energisch Front ge- rächt gegen England: vielleicht Wäre schon Friede. Das )äre ein Erfolg der Bewegung der evangelischen Christen- cit gewesen. Nicht weltliche Gesichtspunkte sollen m die Kirche getragen werden. Aber der christlichje Geist soll das < Volksleben unb alle seine Beziehungen burchbringen. Wir oben bie Pflicht, unsere öffentlichen Rechte auch auszu- .6 en, treu unb gewissenhaft. Wenn biefe Kräfte unter Führung bes Geistes Gottes einmal zur Entfaltung kämen, 0 könnte eine neue Zeit erblühen. Gott gebe, baß bie etenben gläubigen Bibelchristen, bie Stillen im Laube auf- lacheu unb sich auf ihre Pflichten besinnen. (Auhalteuber teifall.)

Pfarrer Lic. Weber (M.-Glabbach) sprach über bie frage:Was thut allen Stäuben in einer Zeit es wirtschaftlichen Niebergauges not, um .ber bie schwere Zeit glücklich hinwegzu- ommeu?" Die Schlußrebe hielt Stöcker. Er bankte ür bie freimbliche Aufnahme in Barmen unb gab einen rückblick auf ben Parteitag. Möchten sich viele bieser Arbeit nschließen, bannt dieser Parteitag nicht nur Zustimmung, andern auch ein Wachstum der Schoren einbringe! Damit chließeu Wir den 5. christlich-sozialen Parteitag. (Anhal- enber Beifall.)___________________________________________

Zer polnische Keheimvnnd-Mozeß. ui.

Posen, 6. November-

Auch heute Werben zunächst eine Anzahl Berichte usw. erlesen. In bem Bericht über ben 6. Verbandskougreß n Halle wirb von Schulen zur Ausbilbuug polnischer Linder gesprochen.

Verteidiger Rechtsanwalt Seyda: Ich möchte die An­geklagten darüber befragt Wissen, ob sie über Chicaueu >er Behörden etwas anführeu können, und was wohl u dem Beschluß geführt hat, daß polnische Studenten ächt in die studentischen Korporationen eintreten sollten.

Angell. Karas: Es könnte diese Stellungnahme wohl ar auf zurückgeführt werden, daß gerade die deutschen Stubenten in den Korporationen sich sehr zahlreich an ni Bestrebungen des den Polen feindlich gesinnten Ost- aarkenvereins beteiligten. Präs-: Ist Ihnen etwas >on Chicaueu seitens der Behörden bekannt? Karas: zowohl .Als ich in derConcordia" war, wurde mir, äs Wir in unserem Vereinslokal tagten, einmal mitgeteilt, . ein Polizeibeamter draußen sei. Wir forderten den jerrn auf, doch unserer Sitzung beizuWohueu. Er that aber ö, als ob er keineswegs die Absicht hätte, uns zu über» vachen, und Wies das Anerbieten ab. Er kam aber dennoch 41 jeder Sitzung derConcordia", setzte sich vor die Thür md beobachtete die Leute, die ein- unb ausgingeu. tugek'l. Kowalczyk: Mir ist zur Kenntnis gelaugt, baß .er Verein beutscher ©tubenten einen Fuchseu- ibenb abzuhalten pflegt, ber nicht unter polizeilicher lieber» vachung steht. Dieser Fuchseuabeub bient bazu, die jungen Nitglieder in die Politik einzu Weihen und sie auzuweiseu, Die sie sich in politischen Dingeu zu verhalten Haden, lamentlich in bem Rasseukampf zwischen Deutschen unb polen. Mir ist auch bekannt, baß bie Kartellvereiue bes V. b. St. bei einer Konventionalstrafe von 50 Mk. verpflichtet inb, je einen Vertreter im Semester nach Prag zu schicken, im beutsches Wesen gegenüber ben Tschechen hvchzuh alten. Las siub Dinge, die die Abneigung ber polnischen Stu­denten gegen die Korporationen erklären. Mir ist bekannt, > im Wintersemester 1898/99 der Rektor ber Breslauer luiversität, Prof. Dr. König, eine größere Anzahl von 23er» -reteru von Stubeuteuvereiueu zu sich beschieb unb ihnen due Rüge erteilte, weil sie sich zu sehr mit ber Politik )eschäftigteu. Er hat sogar dem Verein deutscher Studenten uit Auflösung gedroht. Wir wollen keine Fühlung mit den Korporationen, weit die Deutschen die Polen hassen. Auch als ich in Breslau als Einjährig-Freiwilliger diente, hatte ich über Chicaueu seitens der Polizei zu berichten. Ein Freund von mir, Referendar, veranstaltete eine Kneipe, als ber Wirt uns mittcUte, baß ein Geheimpolizist vor ber Thür stehe. Wir forberten ben Mann auf, hereinzukommen. Er leistete ber Aufforberung Folge unb hat sich nachher ziemlich betrunken. t 1

Angell. Ryblewski: In Greifswalb fanb vor fahren eine von Dr. Bovenscheu geleitete Versammlung statt, in ber Professor Letzius sich auf Salomo berief unb gegenüber ben Polen von bem Gruubsatze ausgiug:Steuern zahlen, Kriegsbieuste leisten unb bas Maul halten." Die deutschen Korpsstubeuteu klatschten biefen Worten am meisten Beifall. Angell. Kowalczyk: Im Sommersemester 1895 tagten einige Verbiubuugeu der Universität Breslau zur Begrün­dung einer Ortsgruppe des deutschen Ostmarkenvereins. Es wurde zur schroffsten Abweisung des Polentums auf­gefordert. Die Polen lehnten sich gegen diese Bestrebungen auf, so daß die Universitätsbehörde die Begründung der Ortsgruppe untersagte. a __

Angell. Trebinski: Bei einer Versammlung des Ost- markenvereiiis in Leipzig, die von den Profesjoren Hasse, Wislicenus unb anderen geleitet wurde, trat ein polnischer Professor auf und sagte, daß ein solcher Kampf, Wie ihn die Deutschen gegen die Polen führten, der Deutschen unwürdig sei. Es entstand ein solcher Lärm, daß der Herr den Saal verließ. Was die Verhältnisse in Berlin betrifft, so Wirb seit 1886, falls bie Universitätsbehörbe aus den Namen der eingereichten Listen annimmt, baß es sich um einen polnischen Stubentenverein hanbelt, stets bie Genehmig­ung verweigert. Angell. Bialy: Ich würbe in Leipzig oftmals, wenn ich mich, mit Kollegen polnisch unterhielt, von beutschen Studenten zur Ordnung gerufen. Man be­drohte mich mit ben Bemerkungen wie: In 'Deutschlanb wirb deutsch gesprochen, wir verbitten uns das.Polnische. Ich habe energisch darauf erwidert. Die meisten dieser .Herren waren Burschenschafter oder Landsmannschafter. Es dient das zu einer Charakteristik der Studentenkorpora­tionen. Angell. Szulczewski (erregt): In Leipzig wurde im Januar 1901 in ber Anatomie am schwarzen

Humoristisches.

In Göttingen. Tarne:Oberkellner, ist das Frcinden- buch noch da, in dein Heinrich Heine feinen Namen und zivei Verse verewigt hat ?" Oberkellner :Bedaure sehr befehlen Gnädige ä 0 n ft etwas Warmes-"

Auf 10 000 Einwohner in

kommen

Eheschl.

Geb.

Gest.

Preußen

85

376

226

Bayern

84

380

254

Sachfen.

96

404

245

Wiirttemberg

78

354

221

Baden

84

355

218

ö ess en

92

341

195

B i ecklenburg-Schw erin

79

294

193

Sacbfen-Weimar

88

341

210

Bcecklenburg-Strelitz

78

299

224

Oldenburg

87

356

191

Braunschweig

85

332

204

^achsen-Meüringen

89

359

202

Sachsen-Altenburg

92

407

255

Sacysen-Coburg-Gotha

88

351

209

Aichalt

90

347

202

Schwarzburg-Sondershausen

86

330

209

Scywarzbnrg-Rudolstadt

91

350

200

Waldeck

71

304

197

Reuß ä. L.

76

371

223

Reuß j. L.

86

400

242

S chaurnburg-Lippe

82

293

160

Lippe

85

348

181

Lübeck

89

318

202

Bremen

98

318

177

.Hamburg

86

310

180

Elsaß-Lothnngcn

76

318

211

Teutsches Reich

86

371

227