Ausgabe 
9.11.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. 264

Zweites Blatt

151* Jahrgang.

Freitag 6. November 1901

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Die Siebener Familien- blätter werden dem An­zeiger im, Wechsel mit demHess. Landwirt* und den ^Blättern sür hessische Volkskunde* viermal wöchentlich bei­gelegt.

-Reaktion, Expedition und Druckerei:

Sch u lstratze 7.

Adreffe für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Fernsprechanschluß Nr. 51.

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Amts- und Anzeigeblatt sür den Kreis Gießen

Deutsche Kohlendepots.

Aus Handelskreisen wird uns geschrieben:

Die Kohle hat für die Schiffahrt die gleiche Be­deutung wie für die Industrie. Denn die Zahl der Dampfer steigt in demselben Maße, wie die der Segler abnimmt, und zwar bei fast allen Handelsflotten. Dementsprechend ist die Frage der Beschaffung des Feuerungsmaterials' für die Schiffe weitgreisend und schwerwiegend geworden. In den heimischen Häfen macht die Auffüllung der Kohlen­bunker naturgemäß keine Schwierigkeiten. Die gewünschte Qualität und Quantität der schwarzen Diamanten steht den Rheüern jederzeit zur Verfügung, und hinsichtlich des Preises wird gefordert und bezahlt, was recht und billig ist. Anders im Ausland. Die Schiffskapitäne befinden sich dort in einer Zwangslage: sie müssen die fremden Kohlen kaufen, weil die heimischen zumeist nicht erhältliche sind, und sie müssen die verlangten hohen Preise bezahlen, weil die Konkurrenz fehlt, an die sie sich wenden könnten, oder weil die Händler auf Verabredung gemeinsam die Preise hochhalten. Der Willkür und Uebervorteilung ist dadurch natürlich ein weiter Spielraum gelassen, und das Mögliche haben in dieser Beziehung die englischen Kohlenhändler geleistet, die wohl in den meisten wichtigen Ueberseehäfen etabliert sind. Am ungeniertesten ist Der Kohlenwucher von dieser Seite jedenfalls in Port Said, am Eingänge zum Suezkanal, betrieben worden. Auf dieser großen Heerstraße nach Osten herrscht ja ein ungemein reger Schiffsverkehr, und besonders häufig gehen deutsche Dampfer dort zur Kohleneinnahme vor Anker. Als im vorigen Jahre die Dutzende von China-Transportschiffen in Port Said ihre Bunker auffüllten, machten die eng­lischen Händler einen Generalfisc^ug, indem sie den Preis für die-Tonne Ko hievon. 20 ans 35 Mar kund darüber hinaus erhöhten. Zum Vorwand für diese unerhörte Steigerung diente den geschäftstüchtigen Händlern der Hinweis auf die Arbeiterausstände in den englischen Kohlenbergwerken. Die deutschen Rhedereien mußten wohl oder übel zahlen; doch sie beschlossen, soweit sie an der Fahrt durch den' Sue^kaual beteiligt sind, einmütig, der Sache ein Ende zu machen und ein deutsches Kohlendepot in Port Said einzurichten. Zu diesem Zweck bildete sich unter Führung der Hamburg-Amerika-Linie die Kohlendepot-Gesellschaft, die im Spätsommer ds. Js. auch mit dem R e i ch s m a r i n e- amt in Verbindung trat, um der Unterstützung von dieser Seite sich M vergewissern. Der Marineverwallung kommt das deutsche Kohlendepot am Suezkanal natürlich durchs- crus gelegen, da die Kriegsschiffe ebenfalls bedeutende Vor­teile davon haben. Das Marineamt scheint aber in Bezug auf die Versorgung der Auslandsschiffe mit deutscher Kohle noch besondere und weitergreifende Pläne zu hegen. In den Kreisen der Kohlenindustriellen des Ruhrbezirks will man wissen, daß in geeigneten Häfen sämtlicher deutschen Kolonien Bestände anRuhrkohle auf­gestapelt werden sollen, aus denen die Kriegsschiffe ihren Bedarf decken können. Zur Zeit finden Rückfragen bei den betreffenden Gouverneuren statt wegen der zweckmäßigsten Auswahl der Häfen. Sollte dieses Projekt, über das Staats­sekretär v. Tirpitz im Reichstag nähere Mitteilung machen dürfte, verwirklicht werden, so würde wiederum ein erheblicher Teil der deutschen Seeschiffahrt dem Macht­bereich der englischen Kohlenhändler entzogen. Die Frage der Einwirkung eines solchen Unternehmens der Marinever­waltung auf den deutschen Jnlandsmarkt für Kohle und die Gestaltung der Ausfuhr sei an dieser Stelle zunächst un- erörtert. Für jetzt genüge die Feststellung der Thatsache, daß die Ausschaltung der englifcßen Bunkerkohle seitens

Deutschlands einen wichtigen Pfeiler des Baues, auf dem die Herrschaft des englischen Seehandels ruht, ins Wanken bringt.________________________________________________________

5. ßhristlich-sozialer Parteitag, in.

Sodann ergriff Chefredakteur Dietrich v. O e r tz e n (Berlin) das S&ort zu seinen: Vortrage über die Frage: Ist gemäßigte Schutzzollpolitik mit sozialer Für­sorge vereinbar? Er kam in längeren Darlegungen zu einer Bejahung dieser Frage. Im Interesse des gesamten Volks­wohles dürfe man sich der Einführung höherer Getreide­zölle nicht widersetzen. Langjährige Erfahrungen haben be­wiesen, daß der Zoll auf die Preisbildung nur geringen Einfluß hat. Daß von der Steigerung des Kornpreises bis zur Steigerung des Brotpreises noch ein weiter Weg ist, haben statistische Untersuchungen klargelegt. Im schlimmsten Falle so rechnete der Referent vor blieben als direkte Belastung des Arbeiterhaushaltes bei großer Familie 5 Pf. oder rund 20 Mark im Jahre. Diese Belastung kann kommen; aber sie muß es nicht. Es läßt sich aber auch eine Gegen­rechnung aufmachen. Diese würde ergeben einen 5 Mark- Zoll und eine jährliche Belastung von 20 Mark vorausgesetzt daß, wenn ein Jndustriewerk durch eine mit Hilfe des Kornzolls erzwungene Oeffnung auswärtiger Grenzen für unser Eisen nur etwa statt bisheriger 250 voll bezahlter Arbeitstage dem Arbeiter deren 256 bieten kann, die 6 Mehrtage (zu 3.50 Mk- Lohn gerechnet) schon die erhöhte Ausgabe voll wieder einbringen. Kommt es aber durch den Zollschutz zu einem Aufschwung der Industrie, und durch den Aufschwung zu einer, ob noch so geringen täg­lichen Lohnerhöhung, so übersteigt sofort der Betrag solcher Erhöhung jede mögliche Zollbelastung des Arbeiters um ein Vielfaches. Von erhöhten Kornzöllen hat der Land­arbeiter den Vorteil, daß er den erheblichen Teil seines Lohnes, der ihm in Korn gezahlt wird, um so viel höher verwerten kann, als die Preissteigerung zuläßt. Der Stadtarbeiter hat den Vorteil, daß erstens der Land­arbeiter umsoweniger in die Stadt drängen und ihm hier die Preise der Arbeit verderben wird, je besser er gestellt ist; zweitens die Arbeitsgelegenheit in der Industrie sich um so stärker mehren wird, je mehr es uns gelingt, durch hohen Kvrnzoll die halbkultivierten Kornländer zur Herab­setzung ihrer Jndustriezölle und zur Aufnahme unserer Jn- dustrieprodnkte zu zwingen. Alle Arbeiter aber haben, wie jeder Deutsche, em starkes Interesse daran, daß das deutsche Reich weder ein reiner Agrarstaat noch ein reiner Industrie­staat wird, sondern für Kriegs- und Friedenszeit ein kräf­tiges, geschlossenes, in sich genügsames Ganzes. Wir haben ein Interesse daran, daß die heimische Landwirtschaft in den Stand gesetzt wird, eine Bevölkerung von 60 Millionen zu ernähren eine Leistung, zu der unser Ackerbau vollauf befähigt ist, wenn Kornbau und Viehzucht rentieren. Die heutige große Korneinfuhr diene spekulativen Zwecken und habe die Wirkung, den deutschen Preis auf den Tief­stand der Halbkulturländer herabzudrücken. Wenn die Ein­fuhr mit dem Beginn der Handelsverträge von rund drei einhalb Millionen Tonnen plötzlichsiauf rund sieben Millionen Donnen stieg, d. h- um 100 Prozent, während die Bevölker­ung nur um ein Prozent stieg, so liegt auf der Hand, daß der Bedarf der Volksernährung mit jener Steigerung der Einfuhr nichts zu schaffen hatte.

Wenn die Sozialdemokratie die Arbeiter jetzt gegen die Zolltariferhöhung aufhetzt, so ist das der dümmste und schlechteste Rat, den sie ihnen giebt. Die Arbeiter sollten sich! nicht in kurzsichtigem Eigennutz der notwendigen Erhöhung

widersetzen. Sie sollten nur die Zustimmung zum neuen Zolltarif von dem Zugeständnis abhängig machen, daß wenigstens ein Teil der Zollerträge aus Brotkorn zur grund­legenden Ausstattung einer Arbeiter-Witwen- und Waisen- Versorgung verwandt werden. Weil aber diese Erträge schwanken, so würde es sich empfehlen, einen festen Betrag jährlich zu fordern. Mit einigen Millionen schon könnte unendlicher Segen im Arbeiterstande gerade da geschaffen werden, wo das Bedürfnis am dringendsten ist. Leider bestehe aber die Politik der Sozialdemokratie int Schelten, Hetzen, Lügen und Prahlen und in der Kunst, die Regierung Und die Mehrheitsparteien durch Undankbarkeit und Un­vernunft gegen jede zu Gunsten der Arbeiter geübte Sozial­politik einzunehmen. Um so lauter müsse die christlich- soziale Partei diese Forderung erheben, um keinen Zweifel darüber zu lassen, mit welchen Mitteln sie bemüht ist, die wirtschaftlichen Bedürfnisse des Produzenten und die sozialen Forderungen des Konsumenten ins Gleichge­wicht zu bringen. (Lebhafter Beifall.)

Der Besprechung über die Zollfrage wurde ein Vortrag des Pfarrers Fritsch (Ruppertsburg) über die Alkohol^ frage vorausgenommen. Oft erzeugt der Alkohol direkt Die soziale Not, oft verschlinnnert er vorhandene Uebeb stände. Wenn man jetzt sagen soll: Ihr müßt EurenDurst" doch etwas einschränken, so wird das unangenehm empfun­den. Die Schankgesetznovelle wäre durchgegangen, wenn 6ie Konservativen nicht so lau gewesen wären. Das ist nicht verwunderlich, wenn man weiß, wie sie auch bei der Un^ sittlich keitsg esetzgebung nicht alle berechtigten An­forderungen an ihre Stellung und in der Duell frage überhaupt nicht erfüllt haben. So steht die christlichi-soziale Partei allein. Viel muß geschehen durch Staatshilfe. (Leb­hafter Beifall.)

Dann begann eine Diskussion über die Zollfrage. Abg. Stöcker kennzeichnete dieVerhetzung", die bei der Kornzollfrage betrieben wird. Es ist, als ob es nur ein Böses auf der Welt gäbe: Die Landwirtschaft mit ihren Kornzöllen. Die ganze Agitation und Hetze ist Mache für die Kommenden Wahlen. Denn die Parteien wissen, daß ihr Kampf gegen die Erhöhung der Zölle nutzlos ist, Kolon Hufendiek aus dem Ravensberger Lande wünschte aber auch feine Uebertreibung nach der anderen Seite hin. Dr. Burckhardt (Godesberg) legte dar, daß ein Aus­gleich der Interessen auf mittlerer Linie erfolgen müsse. Denjenigen Bauern im Westen, die rwch nicht von der Notwendigkeit der Erhöhung überzeugt sind, gebe er zu bedenken, daß auch die Viehzölle erhöht werden sollen. Pfarrer B e r n b e ck (Staden) erklärte namens der h e f f i» sch en Delegierten sein Einverständnis mit der Stellung des Referenten. Weber Wolff (Gütersloh): Mir ist es nicht angenehm, wenn auf die Garne ein hoher Zoll genommen wird, aber die deutsche Spinnerei konnte sich nur unter diesem Schutze entwickeln. Ich bin auch! an einer Fleischwarenhandlung beteiligt. Natürlich ist es mir da auch nicht angenehm, wenn das Vieh mit Zoll belegt herein- kommt, aber ich sehe ein, daß dieses notwendig ist. Es muß im Interesse der Gesundheit des ganzen Volkskörpers ein Ausgleich geschaffen werden. Der Zolltarif ist so fleißig durchgearbeitet, daß es einem wirklich sckstver wird, die Regierung scharf anzufassen. Wir können Vertrauen zu ihr haben. Pfarrer Fritsch ,(Rupvertsburg) erklärte den Regierungsvorschlag für das' mindeste, was im Interesse der Gerechtigkeit für die Landwirtschaft gefordert werden muß. '

Die Versammlung erklärte schließlich ihre Zustimmung zu dem Referat und zu der Regierungsvorlage im allge-

Theater, Kunst und Wissenschaft.

Einen: Schlußartikel derMünch. Neuest. Nachr." über die Ausstellung der Darmstädter Kolonie ent­nehmen wir folgendes: Die Zunächstbeteiligten räumen ohne Umschweife ein großes Ausstellungsdefizit ein, indes ist es für den Fernerstehenden durchaus unllar, wie es diese Höhe von fast 300 000 3)1 art erreichen konnte. Es müßte sich gerade hier im großen wiederholen, was bei privaten Kunstausstellungen häufig genug vorkommt, die hauptsächlich mit Eintrittsgeldern zu rechnen haben, und nebensächlich erst mit Verkäufen. Doch bevor nicht die vollständige Abrechnung vorliegt einerlei ob sie veröffentlicht oder geheim gehalten wird, haben wohl auch die Zunächststehenden kein genügend klares Bild über die Sache.Um auf die Kosten zu kommen", hat ein Teil der beteiligten Künstler neuerdings die Idee, die ganze Ausstellung, wie sie w ar, im näch sten Jahr e zu wiederholen! Wie das mit den Bewohnern des eigenen Heims" in Einklang zu bringen ist, ist nicht ganz llar, und abgesehen von allem anderen steht der Bau von neuen Wohnhäusern im Wege, welche Olbrich im Auftrage hat. Am deutlichsten zeigt sich der^praktische Wert der Ausstellung in eben diesen und noch anderen Aufträgen Olbrichs auch an anderen Stellen der Stadt, wobä ümn Gelegenheit haben wird, auch Zinshäuser von ihm zu sehen, sodaß die einst aufgetauchte Frage: Warum nur Villen? ganz von selbst als verfrüht in sich zu- sammenfällt. Die vielverbreitete Meinung, die Künstler hätten die Bauplätze zum Geschenk erhalten, ist vollständig {irrig. Das Bauen selbst und die schließliche Hauseinricht­ung, die Anlage der Gärten mit allen dazugehörigen Erd­bewegungen war reinweg persönliche Finanzangelegen- eines jeden für sich. Zwischendurch und gleichzeitig mit diesen persönlichen Hansbauprojekten hatte man sich vor- genommen, ein Jahr gemeinsam und wiederum jeder nach seiner Eigenart allein zu arbeiten, und danach zur allge­

meinen öffentlichen Ausstellung zu bringen, was man in dem Jahre geschaffen. Da hat sich denn sehr bald der Plan ergeben, die Häuser als Arbeits- und Ausstellungs­objekte äu behandeln. Bis dahin war nur die private Börse eines jeden Änzelnen für seinen Besitz in Betracht gekom­men. Was nach dem Ausstellungsschluß jeder mit seinem Hause anfängt, ist durchaus Privatangelegenheit. Wie schon erwähnt, bleiben die Häuser, die zur Ausstellung gehörten, keineswegs die einzigen in diesem neuen Stadt­teil, im Gegenteil, sowie das Flächenkunsthaus abgebrochen ist, bigennt Olbrich mit einigen Neubauten, welche nun zunächst das während des letzten Sommers bekannt ge­wordene Gesamtbild zu Füßen des Ernst Ludwighauses endgilttg abschließen sollen.

Irene Triesch spielte dieser Tage im Deutschen Theater in Berlin die Clara inMaria Magdalena". Eine Berliner Zei­tung schreibt darüber: Dieser Maria Magdalena konnte man sogar jenen in der Dichtung so ganz und gar nicht motioierten verhäng­nisvollen Fehltritt glauben; so sehr hatte sie den Zug des Hilsios- Rühreuden, des liebenswürdig Schwachen, und einer leisen, halb unbewußten Sinnlichkeit in ihrem Spiele vertieft. Und wie wußte sie, überall in den Grenzen überzeugendster Natürlichkeit verbleibend, die ganze furchtbare Tragik ihres Frauenschicksals in Ton und Be­wegung zu enthüllen; wie verstand sie, selbst wenn der Körper unter den Schmerzen des verborgenen neuen Lebens sich wand, die sanfte, schlichte Anmut, auf welche der Ton der Rolle gestimmt war, zu bewahren.

Der zum Zwecke der Errichtung eines Shakespeare- denkmals tn Weimar eingesetzte geschäftsführende Ausschuß der Shakefpcare-Gesellschaft trat dieser Tage unter dem Vorsitze Oechelhausers in Berlin zu einer längeren Beratung zusammen. Die Tenkmalsangclegenhert - ist nunmehr soweit gefördert, daß ein entsprechender Aufruf alsbald in die Oeffentlichkeik gelangen wird.

Böcklin contra Mut her. Mit Bezu^ auf die An­gelegenheit, die in dem Breslauer Prozeß Carlo Böcklin gegen Muther der Vertreter des Letzteren unter Beweis gestellt hat, teilt die Kunsthandlung Hermes L Ci,o. in Frankfurt folgendes mit:Es ist nicht richtig, daß Carlo Böcklin das von Herrn Heymann erworbene, übrigens voll

signierte Gemälde vier Wochen nach dem Tode seines Vaters an uns verkauft hat. Das Bild wurde vielmehr bei Leb­zeiten Arnold Böcklins angekauft und der Kaufbetrag an diesen selbst entrichtet. Eine Echtheitserklärung wurde erst später auf Wunsch des Herrn Heymann von Carlo Böcklin nach dem Tode seines Vaters ausgestellt. Es ist eben­falls nicht richtig, daß Carlo Böcklin, als die Originalität oes Bildes später kritisiert wurde, sich geweigert hat, dessen Echtheit zu beschwören. Er hat sich in: Gegenteil bereit erklärt, einen Eid zu leisten, daß das fragliche Bild von der Hand seines Vaters gemalt und besonders, daß es eigenhändig vor: diesem signiert sei, welch letzteres Faktum allein schon die Originalität des Bildes feststellt. Diese wurde übrigens auch durch einwandfreie, nicht der Familie Böcklin angehörende Augenzeugen, die bei: alten Herrn an dem Bilde haben malen sehen, bestätigt."

Kopenhagen, 5. Nov. Als Bestätigung der Erklärung des Prof. Howitz berichtet der dänische Militärarzt Dr. Vogelius, er habe Resultate erreicht, welche bewiesen, daß es möglich sei, Krcbsleiden durch Einfrierenlassen mittels Chloraethyls zu heilen.

Neue Kunstlitteratur. Der Inhalt des Novem­ber-Heftes derKunst" (München, Bruckmann, Preis vierteljährlich 6 Mk.) krystallisiert sich nicht um zwei solche Mittelpunkte, wie sie für das Oktober-Heft die neue Böcklin- Veröffentlichung und die 9Nonographie über das Darm­städter Haus Behrens abgaben, Bedeutsames aber ist es doch, was in den:, in bunter Mannigfaltigkeit Gebotenen oorgeführt wird. Beweis dafür schon die ledigliche In­haltsangabe des Heftes: Paul Troubetzkoy Konrad Lange: Was ist Kunst? Der Wiener Hagenbund Gustav Floerke: Wie urteilte Böcklin über moderne Malerei? Bauten von Paul Möbius Möbel von Bruno Paul Kunst für die Armenstickereien von E. Erber Möbel von Th. van Hoytema E. Barlach Wiener. Kunstgewerbe. Wenn nun noch registrierend angefügt sei, daß ein reicher, bildlicher Schmuck sich diesen Veröffentlichungen angliedert, so glauben wir, diese vornehme Kunstrevue unseren Lesern nicht vergebens