Ausland.
London, 7. Okt. Nach dem amtlichen HandelsauZweis hat im September die Einfuhr um etwas mehr als drei Millionen Lstrl. und die Ausfuhr um 21/, Millionen Lstrl. gegen den gleichen Monat des Vorjahres abgenommen.
— Das Bur. Dalziel teilt mit, daß, Nachrichten aus dem südlichen Süllen Ozean zufolge, die Insel St. Mathias von dem deutschen Kreuzer „Cormoran" bombardiert wurde, wobei 56 Eingeborene getötet worden .sind Die Einwohner der Insel hatten den jungen deutschen Gelehrten Mencke, der dort letztes Frühjahr Forschungen anstellte, ermordet.
— Die Bewegung im Heimgning-Distrikt (China), wo eine Baseler Mi ssons anstatt zerstört worden ist, ähnelt dem Boxeraufstand. Es ist noch nicht gelungen, sie zu unterdrücken.
Brüssel, 7. Okt.' Der Konstantinopeler Korrespondent der „Jndep. Belge" berichtet, in dortigen politischen Kreisen werde versichert, die russische Regierung habe die Vermittlerrolle zwischen der Türkei und Frankreich in der Angelegenheit Lorando übernommen. Andererseits habe der Sultan sich bereit erklärt, die Angelegenheit zwischen Rußland und Bulgarien, betr. den Hafen von Burgas, zu Gunsten Rußlands zu erledigen. Der Sultan soll einverstanden sein, daß Rußland diesen Hafen besetzt. Hierdurch wird es Rußland ermöglicht, 40 000 Mann Truppen innerhalb 24 Stunden nach Konstantinopel zu werfen, wo die Türkei nur eine Garnison von 15—16 000 Mann unterhält.
Paris, 7. Okt. Die Einnah men aus indirekten Steuern weisen für den Monat September ein Minus von 20 Mill, gegenüber dem Budget-Voranschlag und eine Verminderung von 22 Millionen gegen den September 1900 auf.
Fiume, 7. Okt. Bei den Wahldemonstrationen wurde der Finanzdirektor i Meinhardt durch Messerstiche und der Seküonsrat Kankowsky durch Steinwürfe schwer, sowie viele Personen leicht verletzt.
Nifch, 7. Okt. König Alexander und die Königin sind gestern hier eingetroffen. Die Bevölkerung veranstaltete zu ihren Ehren einen Fackelzug. Auf eine Ansprache des Bürgermeisters erwiderte der König, alle in der angeblichen Thronfolgerfrage gesponnenen Ränke beruhten auf Machenschaften von Feinden Serbiens und der Dynastie. Die im Zusammenhang damit, verbreiteten Krisengerüchte seien durchaus unbegründet. Die Regierung genieße des Königs volles Vertrauen und walte ihres Amtes zu des Königs größter Zuftiedenheit.
Konstantinopel, 7; Okt. Nach Meldungen aus Uesküp -sollen m der Nähe der Ortschaft Grandsko zwischen einer aus 9 Mann bestehenden bulgarischen Bande und türkischen Truppen Zusammenstöße vorgekommen sein. Sechs Bulgaren sollen getötet, einer verwundet sein. Die übrigen entflohen. Auch sollen in der Ortschaft zwei Bomben aufgefunden sein.
Kalkutta, 7. Okt. Der Emir von Afghanistan ist am 3. Oktober gestorben. (Abdurrhaman, Emir von Afghanistan, hat ein Alter von 71 Jahren erreicht. 1880 wurde Abdurrhaman als Emir proklamiert. Doch machten sehr bald verschiedene Afghanenstämme wiederholt den Versuch, die Regierung Abdurrharnans zu stürzen, und erst nach vielen Kämpfen gelang es dem Verstorbenen, alle Teile seines Landes vollständig zu unterwerfen und sich in den vollen Besitz der Herrschaft über das ganze Afghanistan zu setzen.)
Unwetter - Meldungen
laufen auch heute noch unausgesetzt aus ganz Mitteleuropa ein. Oberhessen ist recht arg mitgenommen worden. Wir können nur einige wenige der zahlreichen uns zugegangenen Meldungen herausheben. In Grünberg boten, wie unser ^-Korrespondent schreibt, die Obstpflanzungen ein trauriges Bild der Verwüstung. Allenthalben liegen prächtige Obstbäume, die erst vor wenigen Tagen reichen Ertrag geliefert hatten, zu Boden. Besonders auf der Westseite der Stadt hat das Unwetter schrecklich gehaust. Vier auf einem Grundstück an der Gießener Straße stehende mächtige Aepfelbäume waren mit den Wurzeln aus der Erde gehoben und auf die Straße geschleudert worden. Andere Stämme, manche von bettächtlichem Umfange, wurden geknickt; dicke Aeste wurden abgerissen, und selbst viele junge Bäume hat der Sturm vollständig zu Boden gedrückt. Auch an den Kreisstraßen und in den Waldungen sind eine Menge Bäume der Gewalt des Orkans zum Opfer gefallen. Auf der Alsfelder Straße, im sog. Kammerwald, lag eine alte mächtige Pappel, so daß die Strecke am Montagmorgen für Fuhrwerke nicht passierbar war. In der Stadt selbst wurden viele Dächer beschädigt. — Aus dem Niddathale kommen ähnliche Nachrichten. Auch dort hat der Sturm großen Schaden an den Obstpflanzungen und in den Forsten verursacht. Hunderte von kräftigen Obstbäumen liegen entwurzelt oder in der Mitte entzwei gebrochen darnieder, ebenso sieht es in den Waldungen aus. Die Flüßchen Nidda und Nidder sind aus ihren Ufern getreten und beide Thäler gleichen einem See. — In Frankfurt a. M. sind infolge des Sturmes 21 Verletzungen vorgekommen. Hunderte von Bäumen wurden entwurzelt, Buden umgeweht. An der Eisenbahnbrücke stürzten Masten der elektrischen Leitung um; im Güterbahnhofe wurde das Dach des Maschinenhauses abgedeckt, in der Hufnagel- sttaße das Dach eines Hauses heruntergerissen. Aus der ganzen Mainebene laufen Meldungen über schwere Sturmschäden ein. — Wie die „Schles. Ztg." aus Brückenberg im Riesengebirge meldet, sind dort die Gebirgsflüsse bedeutend geschwollen. Auf dem Kamm des Riesengebirges herrscht bei —1 Grad Celsius Schneetreiben. — In Witten wurde, wie in Gießen der Zirkus Althoff, der Zelt-Zirkus von Korty-Althoff teilweise zerstört. — In Berlin fiel in der Nacht zwischen 3 und 4 Uhr die Temperatur bis auf den Gefrierpunkt und hob sich erst in den Vormittagsstunden. Der Sturnr hat auch dort vielfach hauptsächlich in Gartenanlagen großen Schaden angerichtet. -— In Hamburg ging ein schweres Gewitter mit Hagelschlag nieder. Von der See laufen zahlreiche, Schiffsunfälle betreffende, Meldungen ein.
Durch den heftigen Regen muß die Weinlese schon jetzt, also verfrüht beginnen.
Auch aus Belgien liegen Meldungen über durch den Sturm verursachten Schade,: vor. In einer Vorstadt Brüffels
sind drei Häuser eingestürzt, glücklicherweise ohne Personen zu verletzen. Ein Baum, der durch den Sturm umstürzte, fiel auf einen Leichenzug und verletzte zwei Personen. 5». Bressan stürzte ein Teil des Kirchturms ein. Aus der Grube Arsimont fiel eine Mauer zusammen und begrüß mehrere Arbeiter unter sich. Einer derselben :fi tot, viele sind schwer verletzt. — Aehnliche Meldungen liegen anS ganz Süddeutschland und Oesterreich vor. Wir verweisen im übrigen auf die Mitteilungen der Gießener meteorologischen Station.
Aus Stadt und Land.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.)
Gießen, den 8. Oktober 1901.
•• Lotterie. Bei der heutigen Ziehung der 2. Klasse der
Hessischen Landeslotterie fiel 1 ;:hi von 40 000 Mk. aus
Nr. 5513 (nach Offenbach), 1 Gew U: von 10 000 Mk. auf
Nr. 20999 (nach Worms), 1 Gewinn von 5000 Mk. auf
Nr. 292 (nach Mainz), 1 Gewinn von 3000 Mk. auf Nr. 29608, 1 Gewinn von 2000 Mk. auf Nr. 20962 (nach Offenbach). Ohne Gewähr.
*• Personalnachrichten. Am 3. Oktober wurden mit Er- inächtigung des Großhcrzogs der Ministerialrat i. P. Friedrich Deisler auf sein Nachsuchen von der Stelle eines Mitgliedes der Prüfungskommission für das Finanz- und technische Fach, bezw. von der Stelle des Vorstandes der 4. Abteilung derselben enthoben, der Geh. Obersinanzrat Dr. Becker zum Mitgliede der Prüfungskonnnission für das Finanz- und technische Fach und zum Vorstande der 4. Abteilung derselben ernannt. Ernannt wurde der Hauswärter im südlichen Kol- legienhause Gottfried Krüger mit Wirkung vom 1. Oktober 1901 an zum Diener bei dem Hochbäuamt Därmstüdt. In den Ruhestand wurde versetzt der Lokomotivführer bei der Main-Neckar-Eisenbahn Philipp Arheilger, auf sein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit, mit Wirkung vom 1. November d. I. an.
—t— Der Ga.h elsb erg e r Stenographen- V er ein beging am 5. und 6. os. sein 40jähriges Stiftungsfest. Es wurde eingeleitet durch einen Ball, der am Samstagabend in Steins Saalbau stattfand und in schönster Weise • verlief. Am folgenden Tag fand um halb 1 Uhu unter sehr großer Teilnahme der gelegentlich der Vep-^ treter-Versammlung des Verbandes der Gabelshergev Stenographen des Main-Nhcin-Gaues und von Hessen- Nassau hier anwesenden Abgeordneten der Vereine dieses Verbandes, die akademische Fcstfeier statt. Diese wurde von dem derzeitigen Vorsitzenden des Vereins- Professor Dr. Pitz eröffnet und aeleitet. Der Ehrenvorsitzende des Vereins, Nealgymnasiallehrer Alb ach, gab einen Rückblick aus die Geschichte und 40jährige Thätigkeit des Vereins und begrüßte die Festteilnehmer. Regierungsrat Wagner überbrachte in Verhinderung des Prov.-Direktors Geh. Rat v. Bechtold dem Verein Grüße und Glückwünsche, helfen Thätigkeit er in anerkennenden Worten feierte. Seitens der Stadt begrüßte Bürgermeister Mecum besonders die Gäste von auswärts und hob in beredten Worten die Bedeutung der Stenographie für den Verwaltungsdienst hervor. Herr Bin en -Worms gratulierte namens des obenerwähnten Verbandes dem Verein, der aus kleinen Anfängen sich herausgcarbcitet habe und jetzt, da Gießen Vorort sei, an leitender Stelle des Verbandes sich befände. Dieser Verbandsleitung zollte er die größte Anerkennung und wünschte dem Verein ein weiteres kräftiges Wachsen, Blühen und Gedeihen. Der Vorsitzende der hiesigen Stenographen-Gesellschaft Gabelsberger, Herr K^och, beglückwünschte den Bruderverein aufs herzlichste, worauf der Vertreter des Kaufmännischen Vereins, Eichenauer, das freundschaftliche Verhältnis und ersprießliche Zusammenarbeiten mit dem festgebenden Verein schilderte und der Hoffnung auf Fortdauer dieser guten Beziehungen Ausdruck verlieh. Nachdem der Vorsitzende des Vereins jedem der Vorredner, auf seine Worte bezugnehmend, gedankt hatte, hielt Dr. Gant ter aus Frankfurt a. M. einen hochinteressanten Festvortrag, in dem er einen Rückblick auf die stenographischen Verhältnisse z. Zt. der Gründung des Vereins im Vergleich mit den jetzigen Verhältnisse zog, mit einem Ausblick auf die nächste Zeit. Er erläuterte in einfacher, aber überzeugender Weise die schwebende Syftem- frage und vergliche die bestehenden Stenographie-Syste/me ihrem Wesen nach! miteinander. Seine vorzüglichen Ausführungen wurden mit dem größten Beifall ausgenommen. Bei dem darausfolgenden Festessen toastete der Vorsitzende auf Kaiser und Großherzog, Herr Schiff nie auf die Gäste, in deren Namen Negierungsrat Wagner, der sich als ein früheres Mitglied des Vereins bekannte, in sehr humorvollen Worten dankte. Lehrer Ziep recht feierte die Gründer und Ehrenmitglieder, für die Direktor Bergen mit einem Hoch auf die Kunst antwortete. Herr Han stein gedachte des Verbandes und des deutschen Stenographen-Bundes „Gabelsberger" und Lehrer Schlüssel-Offenbach a. M. brachte einen Toast aus die teilnehmenden Damen und speziell die „Stenographinnen." aus. Bei der Nachmittagsfeier im Philosophenwald hielt Direktor Bergen, der als ftenogr. Zeichenkünstlor weit bekannt ist, einen äußerst lehrreichen und interessanten Vortrag über Darstellung ftenogr. Zeichnung. Hierauf folgten dann einige humoristische Vorträge, meisterhaft vorgetragen von den Herren Huber und Kantowski, auch fehlte natürlich das Tänzchen nicht, dem man sich bis zu später Stunde hin gab.
** Abschiedsfeier. Gestern verließ der Gerichtsschreiber- gehilfe Keitzer die hiesige Anttsgerichtsschrciberei, um seine neue Stelle als Hilfsgerichtsschreiber in Michelstadt anzutreten. Hebet 13 Jahre hat K. hier gewirkt. Seinen Kollegen war Keitzer stets ein wackerer Freund. Sie ließen es sich daher nicht nehmen, ihn durch eine kleine 'Abschiedsfeier zu ehren. In Schäfers Restaurant kam. man am Freitagabend zusammen und es wurde ihm ein prachtvoller Bierkrug überreicht.
’• Von der Jahresversammlung der hessischen Anwalts- kammer sei noch mitgeteilt, daß in den Vorstand die Herren Justizrat Metz- Gießen, Dr. Bremer- Mainz und Justizra S ch m e e l - Darmstadt neugewählt worden sind.
§ Butzbach, 7. Okt. Heute sollte in einer hier schwebenden Privatklagesache wegen Beleidigung außerhalb des^ Gerichtssitzes, nämlich in Holzheim, eine Schöffengerichtsverhandlung, stattfinden, weil der Angeschuldigte den Wahrheitsbeweis für seine Behäuptuugen auch mit einem Taubstummen führen will, dessen erfolgreiche Vernehmung aber nur an Ort und Stelle deZ Vorfalls unter Hilfe eines
Dolmetschers möglich ist. Da nun die Eheftau des Klägers am Samstag starb und heute beerdigt wurde, ist die gedachte in ihrer Art einzig dastehende Gerichtssitzung in letzter Stunde verschoben worden.
ko. Aus dem Vogelsberg, 7. Okt. Ein Landwirt aus Binbsachsen erntete von einem Apfelbaum 35Ztr. Aepfel, die ihm eine Einnahme von 190 Mk. brachten. Heberhaupt ist die» Äepfelernte beftiedigend.
Sichenhausen, 7. Okt. Der hiesige Lehrer Schmuck aus Oberhilbersheim in Rheinhessen erhielt heute sein Dekret nach Essenheim (Rheinhessen), nachdem er hier Jahr mit Eifer fein Amt verwaltet hat.
Q Gelnhaar, 7. Okt. Heute wurde der settherige Bürgermeister Groth wiedergewählt. Die Wahl war stürmisch, fast alle Stimmberechtigten beteiligten sich am Wahlakt.
fc. Gimbsheim, 7. Okt. Der Arbeiter Balzer ergriff gestern im Alsheimer Berg das Gewehr des Wingertschützen Schmitt und zielte mit demselben, nachdem ihm Schmitt auf seine Frage gesagt hatte, es sei nicht geladen, nach dem za. 20 Meter entfernt stehenden Arbeiter Schäfer. Plötzlich krachte ein Schuß und Schäfer stürzte sch werverwund et zusammen. Das Gewehr war doch geladen gewesen. Schäfer wurde in das Wormser Krankenhaus befördert, Balzer wurde verhaftet.
fc. Hammelbach bei Fürth, 7. Okt. Der 17jährige Sohn des Zimmermeisters Adam Friedrich II wollte aus leeren Hülsen die verschossenen Zündhütchen entfernen. Bei den Hülsen befand sich aber noch eine unverschossene Patrone. Als er das Zündhütchen aus derselben entfernen wollte, ging der Schuß los und traf den jungen Mann ins Herz. Er war sofort tot.
fc. Nicder-Jngelheim, 7. Okt. Hier begann heute die allgemeine Weinlese.
Mstinz, 7. Okt. Wegen der Ende November statt- sinbeüblM Stadtverordnetenwahl haben am Samstag Verhandlungen sämtlicher hiesiger Parteivorstände (mit Ausschluß des Zentrums) wegen eines gemeinschaftlichen Zusammengehens stattgefunden. Ta die Nationallioeralen darauf Pfunden, haß das Zentrum vom Kompromiß nicht au^geschlvsssn werde, ging bas gemeinschaftliche Zusammengehen mit Einschluß der Nationalliberalen in die Brüche. Die demokratische, freisinnige und fozialdemokratisch>e Partei werden nun vereint einen Wahlzettel aufstellen, während Nativualliberale und Zentrum höchstwahrscheinlich gegenseitig ihre Kandidaten auf ihren Wahllisten auswechseln werdW. Es sind 16 Stadtverordnete zu wählen. — Auch der Bürcherverein beabsichtigt mit einer Listze in die Wahlschlacht einzutreten.
Oss f e n d a ch a. M., 8. Okt. Ein blutiger Vorfall hat sich in der Nacht vom Samstag zum Sonntag in der Kaserne zugetragen: /Tie „Offb. Ztg." meldet: Der erst am 1. Okt.' im hiejigen Bataillon des 168. Infanterie-Regiments eingetretene Einjährig-Freiwillige Gabriel, der im Zivilverhältnis Kaufmann hier ist, hatte sich aus bisher unbekannt gebliebenen Gründen das Mißfallen von mehreren älteren Mannschaften zugezogen. Es war ihm deshalb von diesen am Samstag eine Tracht Prügel angedroht worden; er sollte in der Nacht — er schläft, wie alle Einjährigen, in den ersten Wochen des Dienstes in der Kaserne — „geschäftet" werden. Als nun in der Nacht zum Sonntag die beiden Musketiere Wolf und Mehl die Stube Gabriels betraten, wo sie nichts zu suchen hatten, und in, der offenbaren Absicht, jene Drohung wahr zu machen, an das Bett des Einjährigen traten, stieß dieser zu seiner Verteidigung mit einem Messer um sich und brachte besonders dem Wolf schwere Verletzungen bei. Auch Mehl erhielt einige Verwundungen. Tie beiden verletztet: Soldaten wurden in das Krankenhaus verbracht.
fc. Frankfurt a. M., 7. Okt. Hier erhängte sich der 60 Jahre alte Droschkenkutscher Kiefner und der Kleiderhändler Saulberg in der Kronprinzensttaße. Im Main ertränkte sich ein Unbekannter. Ein Gastwirtssohn aus Niederrad, der vor 14 Tagen in einer Schlägerei einen Stich erhielt, ist jetzt an der Verwundung gestorben.
fc. Frankfurt a. M., 7. Okt. Der Stadtverordnete Hettler will eine Sammlung zugunsten eines Miquel-Denkmals veranstalten. Ein Witzbold reimt gegen den Plan in einem hiesigen Blatte also los: Herr Hettler will sammeln, um Miquel zu ehren, Da dürfte Herr Hettler wohl sehr oft hören: „Wir haben's ihm schon gegeben, Als er noch war am Leben."
** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Die Freifrau Auguste Löw von und zu Steinfurth, geb. Freiin von Leonhardt, ist nach schwerer Krankheit im 47. Lebensjahre in Nie der-Florstadt gestorben. — In Schlüchtern ist der Stationsbeamte, der am 25. September den Zusammenstoß des Leipzig—Frankfurter Schnellzuges mit einem Güterzuge verschuldete, vom Dienste suspendiert worden. — In Wiesbaden starb im Alter von 50 Jahren Freiherr Willy v. Knoop, eine der führenden Persönlichkeiten der dortigen Gesellschaft.
Vermischtes.
• Berlin, 7. Okt. Der Polizeibericht meldet für Samstag und Sonntag sieben Selbstmorde, ferner verletzte bei einer Spielerei mit dem Revolver ein Arbeiter einen Stukkateur schwer. Beim Hochbinden eines Eisenrohres auf -einem Neubau brach ein Gerüstteil ein. Ein Monteur wurde schwer verletzt.
* Berlin, 7. Okt. Bei einer sehr hochgestellten hiesigen Persönlichkeit wurde vor einigen Tagen eingebrochen. Dem Diebe, vermutlich einem 30jährigen blonden Manne, fielen annähernd 3 0 000 Mk. Wertpapiere in die Hände, ferner viele wertvolle alte Münzen, Orden und Medaillons. Auf die Ergreifung des Thäters sind 5000 Mk. Belohnung gesetzt.
* Frankfurt a. d. Oder, 7. Okt. Bei einer Ruderpartie, die fünf Mitglieder des Ruderklubs 1882 heute unternahmen, kenterte das Boot „Schwetig". Der in Ruderkreisen bekannte Fahrwart Philipp I. ertrank.
♦ Bremen- 7. Okt. Der Schnelldampfer des Nordd. Lloyd „Kronprinz Wilhelm" ist nach einer glänzenden Reise heute früh 5 Uhr wohlbehalten in Plymouth angekommen. Ter Dampfer legte die Ueberfahrt New-York-Plymouth in 5 Tagen und 9 Stunden zurück unter Berücksichtigung des Zeitunterschiedes. Trotzdem der Dampfer wahrend der beiden letzten Tage mit einem Nordweststurm kämpfte, betrug die erzielte Geschwindigkeit 22,61 Seemeilen pro
* M o nastir, 7. Okt. Der türkische St äb so ffiziev Halil Nezzcs Bey, der wegen einer tn emem hiesigen Kaffee- Aruse gegen den Sultan auS’geftiofcnen schweren Be-


