Ausgabe 
9.10.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. S37

Zweites Blatt

151. Jahrgang

Mittwoch 9. Ottober 1901

Erscheint täglich Ausnahme deS Montags.

Die Giehener Familien, blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit dem ,Hess. Landwirt^ und denBlättern sür hessische Volkskunde" vrerma l wöchentlich bei­gelegt.

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GietzenerAMgerM

General-Anzeiger ** ÜSSS

Amts- Md Anzeigeblatt für den Meis Gießen MM

V f________ KF geigenteil: Hans Beck.

Bekanntmachung.

Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauen­seuche wird die Abhaltung des auf den 9. Oktober ds. IS. in Schmalbach anstehenden Viehmarktes an die Bedingungen geknüpft, welche durch meine den Markt in Leun betreffende Bekanntmachung in Nr. 42 deS KreiSblatteS von 1901 ver­öffentlicht worden find.

Der Auftrieb beginnt um 9 Uhr vormittags.

Aus der Provinz Oberhessen deS Großherzogtums Hessen darf Rindvieh nicht aufgetrieben werden.

Wetzlar, den 1» Oktober 1901.

Der Königliche Lo-irdrat.

Politische Tagesschau.

Berlin ist abgewieseu.

Man schreibt uns aus Berlin, 7. Oktober:

Nach, der Wiederwahl des vom Kaiser nicht bestätigten Stadtrats Kaufftnann zum Bürgermeister Berlins machte dieKreuKhtg." darauf aufmerksam, daß nach, der Städte- ordnung die Regierung berechtigt sei, von einem erneuten Antrag auf Bestätigung bei der Krone abzusehen und ohne weiteres eine ttnnmissarische Verwaltung zu bestellen. Diese Auffassung des konservativen Blattes wurde vielfach als unzutreffend bezeichnet. Es hat aber Recht behalten, indem soeben der Oberpräsident von Brandenburg ankündigt, die Wiederwahl nicht zur Kenntnis des Kaisers zu bringen. Allerdings ordnet der Oberpräsident nicht eine kommrssw- rische Verwaltung der Stelle an, sondern er richtet an den Oberbürgermeister der Reichsshäuvtstadt die Frage, ob die städtischen Behörden eine solche Ernennung wünschen? Darauf beschloß der Magistrat, mit nein zu antworten und ich alle weiteren Schritte vorzubehalten. Aus der An­rage des Oberpräsidenten, statt einer Verfügung betr. ne kommissarische Verwaltung läßt sich entnehmen, daß die Regierung einsttveilen noch nicht alle Brücken abbvechen will. Der Sinn der Anfrage ist- daß die Stadtverordneten, Gelegenheit erhalten sollen, nochmals zu einer Wahl zu schreiten. Das heißt: zur Wahl eines neuen Kandidaten, nicht etwa des Stadtrats Kauffmann Es ist nicht wahr­scheinlich, daß die Stadtverordneten-Versammlung diesen Weg der Versöhnung" beschreiten wird; vielmehr ist cm- zunehmen, daß die Neigung wächst, denStreit asus zu fechten". Die Negierung hat dann allerdings denTrumpf" in der Hand, die kommissarische Verwaltung des Bürgermeisterpostens anzuordnen. Tie Staütverord- neten können ihrerseits, wenn sie wollen, ,-einen Sozial­demokraten als zweiten Bürgermeister präsentieren". Der Vorwärts" steuert diese Anregung bei. Indessen dürfte es dahin wohl schwerlich kommen. Auch um derWirkung" willen wird in Berlin kein Sozialdemokrat zum Bürger­meister gewählt werden

Herr v. Pvdbtelsli spricht.

Die Mitglieder der Abteilung Waldeck desBundes der Landwirte" hatten kürzlich in einer Resolution frischweg gefordert, der preußische Landwirtschaftsminister v. Pod- bielski möge sich auch einmal über den neuen Zolltarif äußern, nachdem der Chef der preußischen Verwaltung für Handel und Gewerbe, Möller, dies wiederholt gethan, und zwar, wie man weiß, in einer die,,reinen" Agrarier wenig befriedigenden Weise. Der einstige Generalpostineister ist ein entgegenkommender Herr, und so hat er denn gelegent- llch der Grundsteinlegung zu einer Thalsperre in Schlesien das Schweigen gebrochen. Doch vom Zolltarif speziell sprach der Minister nicht, auch die von Herrn Moller ins Feld geführteMittellinie der Versöhnung" ließ er unerwähnt. Das wardiplomatisch". Aber einen anderen Satz stellte Herr v. Podbielski auf, der eine gewisse programmatische Bedeutung hat, und den Agrariern wie Musik llingen mag. Wirtschaftliche Kraft" so entwickelte der Minister,ist allein der Boden, auf dem politische Macht erwächst Und wie ein Hausvater sich in seinem Hause von einem Dritten keine Vorschriften machen läßt, so sind unsere rvirtschaft- lichen Dinge, eine intern-deutsche Sache, die den draußen Stehenden nichts angehen." Wie sagte doch Herr Möller? ,^Langfristige Handelsverträge sind für die Wohlfahrt Deutschlands unerläßlich, . . Beim Abschluß von Handels­verträgen hat aber derdraußen Stehende", das Aus­land, bekanntlich mitzureden, ein Recht, das anzuerkennen der Landwirtschaftsminister nicht ohne weiteres geneigt zu sein scheint. Stach Einmütigkeit in der Auffassung des preußischen Staatsminifteriums sieht das gerade nicht aus. Oder sollte Herr v. Podbielski soentschieden" gesprochen haben, um die Vertreter der Landwirtschaft zu beruhigen, die zum Teil der düsteren Vermutung sich hingeben,iht" Minister sei infolge seiner Seefahrten als Gast desNord­deutschen Lloyd" handelsfreundlichen Regungenüber Ge­bühr" zugänglich geworden? . , r

Beschleunigte Ausführung des Rottengesetzes?

Aus Berlin, 7. Oktober, wird uns geschrieben:

Nach einem Berliner Blatt soll in Erwägung seindie forcierte Ausschüttung derjenigen Gelder, die vom Reichs- rag für Marineztve cke schon ürt Prinzip bewilligt, wenn­gleich noch! nicht zur faktischen Disposition gestellt worden sind". Diese beschleunigte Ausführung der letzten Flotten­verstärkung hätte in der That etwas für sich, indem nämlich einerseits den beteiligten Industrien, in erster Reihe der Eisenindustrie, Aufträge zugewendet würden, wodurch viele Arbeiter, die jetzt infolge Beschäftigungsmangels der Werke feiern müssen, Arbeitsgelegenheit erhalten; andererseits kann der Auftraggeber, das Reich, darauf rechnen, gegen­wärtig bei den stark gesunkenen Materialpreisen besonders! günstige Bedingungen zu erlangen. Vor ein paar Jahren, während der Hochkonjunktur, war es einEntgegenkommen",

wenn die Werke solche Aufträge annahmen, denn die pri­vaten Abnehmer gestanden zu, tvas gefordert wurde; heute würde man staatliche Aufträge fast als eine Zettende That" begrüßen, die möglicherweise die ersehnte Wendung zum Besseren herbeiführen hilft. Ob der Gedanke einer beschleu­nigten Ausführung des Flottengesetzes bereits bis $ur Ab- sicht gediehen ist, mag dahingestellt bleiben. Verlautet hat bisher aus Amtlichen Kreisen nichts darüber; aber es ist wohl selbstverständlich, daß speziell die Marineverwaltung nicht ungerne sich! früher im Besitz der neuen Schiffe sähe. Aber ein gewichtiges Aber die Zustimmung des Reichstags ist erforderlich Und daß es damit so giatt geht, erscheint recht fraglich. Der Industrie, den Arbeitern wird zwar die Vermehrung der Aufträge gegönnt, ebenso wird die Möglichkeit der Erzielung billigerer Preise an­erkannt werden. Nur ist die Reichstagsmehrheit in dem einen Punkte argwöhnisch: sie wittert gleich« heraus, daß je ejer die bewilligten Schiffe gebaut sind, je eher das Bedürfnis nach einer neuen Dttrrine Vorlage sich geltend mache. In Bezug auf Abänderungen feiner Beschlüsse ist der Reichstag int allgemeinen pedantisch!", er wird ver­drießlich, wenn man ihm damit kommt. Vollends in diesem Falle, dessen Erledigung so viel Mühe verursacht hat. Mr glauben daher, daß die Befriedigung der heutigen Berliner Börse über die seitens der Marine zu erwartenden Be-, stellungen stark verfrüht ist.

Vom Burenkriege.

liegen heute nur wenige Meldungen vor. Aus Bbo-em- fontein wird berichtet: Das Flüchtlingslager im Orangefreistaat beherbergt gegen 40000 Menschen, von denen wöchentlich im Durchschnitt 200 an Masern sterben. Die Hälfte davon sind Kinder. Eine vortreff­liche Charakteristik englischer Humanität! Weiter wird gemeldet, daß die telephoitische Verbindung an den Block­häusern zwischen Kimberley und Norvalspotnt ferttggeftellt sei und die Errichtung von Telephon-Linien durch den Ovange-Freistaat und Transvaal fortgesetzt werde.

Londoner Blätter lassen sich aus Brüssel berichten, daß die kürzlich abgehaltenen Konferenzen zwischen Krüger- Dr. Leyds, Fischjer, Wolmarans und Wessels in Hilversum Friede nsvor sch läge zum Zweck gehabt hätten, die Krüger der britischen Regierung unterbreiten wolle. Bei der gegenwärtigen Kriegslage werden die Buren- regierungen weniger als je zu weitergehenden Friedens­bedingungen bereit sein, als ihnen von jeher genehm war. Die Nachricht derDaily News", daß Wolmarans den Prä­sidenten Krüger geistesschwach fand, wird von best- unterrichteter Seite für unbegründet erklärt. Wolmarans war int Gegenteil erfreut darüber, Krügers körperlichen und geistigen Zustand viel besser zu finden, als bei dessen Ankunft üt Europa. Auch die Gerüchte, wonach dem Prä­sidenten oder der Burenkommission die Mttteilung zuge­gangen sei, daß der Schiedsgerichtshof es ablehne, von ihrem Antrag auf schiedsgerichtliche Entscheidung Kennt­nis zu nehmen, sind irrige. Weder Krüger, der den Antrag gar nicht unterzeichnet, noch die Mission hat eine derartige Mitteilung erhalten. Dies ist auch schpn deshalb unmöglich, da der ständige Verwaltungsrat des Schiedsgerichtshofes, welcher allein in der Angelegenheit zuständig ist, seit Einreichung des Antrages nicht zusammengetreten ist. Die Einberufung desselben, wovon in den letzten Tagen die Rede war, ist bisher nicht erfolgt.

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Oft. Der Kaiser ist heute vormittag von Rominten abgereist und am Abend in Lang fuhr bei Danzig eingetroffen, um dort bei dem Offizierkorps der Leibhusarenbrigape zu dinieren. Der Kaiser trug die Uni­form des ersten Leibhusarenregiments. <>um Empfang war rort nur der Brigadekommandeur v. Mackensen am Bahn­hof anwesend. Tie Chargierten der ersten Leibhusaren ritten dem kaiserlichen Wagen voran. Nach dreistündigem Aufent­halt reifte in der Nacht der Kaiser nach Hubertus- stoch ab.

Das.Befinden der Kaiserin hat sich etwas ge­bessert; dieselbe hütet zwar noch das Zimmer, konnte aber schon gestern auf einige Stunden das Bett verlassen.

Graf Halder see ist jetzt von seiner Venenent­zündung so weit wiederherge stellt, daß seine Abreise von Lantenbach nach Hannover am nächsten Samstag er­folgen wird. Am 17. ds- Mts. wird der Feldmarschall dem tn Berlin stattfindenden China-Erinnerungsfest beiwohnen.

Tie Angelegenheit des Mär che n b ru n nen s wird den Magistrat erst am nächsten Freitag beschäftigen.

Wie demBerl. Tagebl." vonzuständiger Stelle" miigeteilt wird, besteht weder die Absicht, den Kreuzer Gazelle" nach Südamerika zu senden, noch ist überhaupt die Werft angewiesen worden, die Reparatur zu beschleu­nigen. Demselben Blatt zufolge ist der Kapitänleutnant Jaeobi vom, SchulschiffMoltke", während dasselbe bei den Kap Vertuschen Inseln ankerte, plötzlich! gestorben.

DerReichsaNz." veröffentlicht die Verleihung des Roten Adlerordens 2. Kl. mit Eichenlaub an den ehemaligen Vorstand des Hofstaats der verewigten Prinzessin Luise von Preußen, Freiherrn v. Buddenbrock, und an den Reichs- gerichtsrat Schulze. DerReichDanz." veröffentlicht ferner die Bestimmungen der Wettbewerbe am großen Staats­weise attf dem Gebiete der Bildhauerei und auf dem Gebiete der Malerei für 1902.

Köln, 6. Okt. Auf das Huldigungstelegramm der £4. Hauptversammlung des Evangelischen Vereins der Gustav Advlf-Stifung in Köln ist folgende tele­graphische Antwort an den Vorsitzenden, Geheimen Kirchenrat D. Pank, eingegangen:

Seine Majestät der Kaiser haben den teilnahms­

vollen Huldigungsgruß der 54. Hauptversammlung dess Evangelischen Vereins der Gustav Adolf-Stiftung gern; entgegengetwmmen. Seine Majestät lassen vielmals bauten und geben der Hauptversammlung Allerhöchst ihr fort-' gesetztes Interesse an der segensreichen Arbeit der Gustav Adolf-Stiftung zu erkennen.

Auf Allerhöchsten Befehl Der Geh. Kabinettsrat v. Lueanus.

Düren, 7. Okt. Die Hauptversammlung des Bun des, der Landwirte der Nheinprovinz nahm folgende Re­solutton an:

Den Schutz der Landwirtschaft erwarten wir von^ einem gesetzlich festzulegenden lückenlosen Mindesttarif für alle landwirtschaftlichen Produkte mit Minimalzölleu für Getreide von 7,50 Mk., mit dessen Annahme sich die (S$»j Portindustrie durch eine geschickte Diplomatie vereinigen läßt. Mr erwarten die BerlvirklichuNg dieser Idee von, allen der 'Landtvirtschaft wohlgesinnten Parteien des, Rheinlands. Möge das Zentrum seine Sorge für bie; industriellen Proletarier, die Nattonalliberalen für diei ELpvrttndustrie- die ^konservativen für den Gouverne- üientalismus zurückstellen zum Heil des Vater land echzum Schutze unserer Zukunft. Nur bei Bewilligung des Mini-, maltarifs für alle landwirtschaftlichen Produkte, wie ihn^ der Rheinische Bauernverein und der Bund der Landwirte^ verlangt, erscheint der neue Zolltarif annehmbar. Andern­falls ist er vom nationalwirtschaftlichen Standpunkte aus1' abzulehnen.

Leipzig- 7. Okt. Aus der Tagung der Deutsch- sozialen Refvrmpartei (vgl. unseren ausführlichen Bericht in der heutigen Nummer) stellte in Bezug auf bte Thätigkeit der Abgeordneten im Reichstage Abg. Zimmer­mann fest, daß nach dem Ausscheiden des Abg .v. Lieber­mann tn der Fraktion stets der Geist der Emtracht und. der Einmütigkeit obgewaltet habe, und daß die Mitglieder; soweit als möglich ihren parlamentarischjen Pflichten nach-, gekommen seien. 9hir Köhler- Langsdorf, der eitle un­überwindliche Abneigung gegen Berlin habe (Heiterkeit)/ habe bei den mehrfachen Namensaufrufen gefehlt.

Leipzig, 7. Ott. Der hier tagende Kongreß der, Kürschner Deutschlands besthloß mit allen gegen die beidew Stimmen der Berliner Delegierten die Gründung etneSI, ganz Deutschland umfassenden Verbandes der Kurs ch-' n er und verwandten Berufszweige.

Karlsruhe, 7. Okt. Der Herzog von Orleans ist am Samstag abend hier angenommen und im Hotel? Germania abgesfiegen. In seiner Gesellschaft befinden sichj mehrere seiner polttischen Freunde, u. a. Abdere, Buffet,' Graf Sur hallte es und Luhnes. Voraussichtlichi wird der Herzog einige Tage hier verweilen.

Stuttgart, 7. Okt. Das Gesamtkollegium der Zen- tralstelle für Landwirtschaft hat zum Zoll­tarif.für Roggen, Weizen und Hafer einen Mini­malzoll von sechs- für Gerste für fünf Mark angenommen.

DemStoatsan^eiger" zufolge richtete der Kaiser an den König folgendes Telegramm aus Rominten:

An dem heuttgen Tage gedenke ich Deiner mit Herz» lichen Wünschen. Ich erinnere Mich dankbar der Freund­schaft, mit der Du während Deiner zehnjährigen segensreichen Regierung zum Heile unseres ge^ meinsamen deutschen Vaterlandes neben Mir gestanden hast, und hoffe zu Gott, daß Dir noch viele Jahre glück­licher Regierung beschieden sein mögen."

Der König erwiderte:

Tief gerührt durch Dein gütiges und warmes Ge­denken des heuttgen Gedächtnistages spreche ich Dir Meinen herzlichsten Dank aus wie für dieses so für die freund­schaftlichen Gesinnungen, welche Du mir vom ersten Tage an entgegengebracht. Möge mir Gott beisfehen, allezeit mitznwrrken zum Wohle unseres geliebten deutschen Vater­landes, was in meinen Kräften steht, treu zu Kaiser und Reich."

München, 7. Oktober. Abgeordnetenkammer. Tie Debatte über den Zolltarifgesetzentwurf wurde fortgesetzt. Casselmann (liberal) rechtfertigt die Politik der Liberalen. Diese erkennten den landwirtschaftlichen Not­stand an, müßten aber eine einseitige agrarische Jnteressen- politik ablehnen, weil es außer her Landwirtschiast noch andere Erwerbsstände in Deutschland gebe. Aichbichler (Ztr.) vertritt energisch die Interessen der Hopfenbauern. Beckh^ (kons.) führt aus, die viertägigen Verhandlungen hätten ergeben, daß die überwiegende Mehrheit des Hauses für einen die Landwirtschaft begünstigenden Zolltarif sei. Der vorliegende sei aber unge nügend. Es seien Minimaltarife für alle landwirtschaftlichen' Produkte nötig. Minister Frhv. v. Feilitzsch erklärt, er; werde ifli Interesse der wirklich, schwer not­leidenden Hopsen bauern und Tabakbauern im Bundesrat eine Erhöhung der Zolltarifsätze für Hopfen und £ ab af beantragen. Der ganze Zolltarif verfolge den Zweck, die Lage der einheimischen Landwirt­schaft besser zu gestalten und zu erreiche^, daß die 5^öhe der Erträge der Höhe der Produktionskosten entspreche. Im großen und ganzen sei die Höhe der industriellen Zölle verschwindend gegenüber der Höhe der landwirtschaftlichen Zölle. Eine Grenze der Erhöhung letzterer bilde das In­teresse der übrigen Stände. Die Regierung müsse daA allgemeine Interesse des Landes verfolgen und werde des­halb bemüht sein, einen Interessenausgleich hsrbeizu- führen. Pichler (Ztr.) betont, daß seine Partei stets für, die Interessen der Landwirtschaft ein getreten sei, und be­dauert, daß die bayerische Regierung im Bundesrat nicht die Wunsche der bayerischen Landtagsmetzrheit bezüglich des! Gerstenzolles zur .Geltung bringe. Weiterberatung morgen,