Ausgabe 
9.6.1901 Zweites Blatt
 
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ans und aus und

gierung den Buren dieselbe Art von Unabhängigkeit zu- gestehen werbe, wie Kanada und Australien eingeräumt sei. Chamberlain erwidert: Sicher nicht im gegenwärtigen Augenblick. Kriegsminister Brodrick teilt sodann noch mit, daß Kitchener in einem Telegramm das Gerücht, die Bur en hätten in Vlakfontein 2 Gefangene getötet, für un­begründet erkläre.

Wie aus London telegraphiert wird, hat der dortige Gemeinderat mit großer Mehrheit beschtlossen, Lord M i l n e r zum Ehrenbürger der Stadt zu ernennen. Ein kleiner Trost für die schlechten Nachrichten, die der neue Lord jeden Tag aus den seiner Verwaltung unterstellten Gebieten empfangen muß! Lord Milner lofiCapetown, der neuernannte englische Pear, beweist durch seine Laufbahn wieder einmal die Wahrheit des Satzes:Ter beste aller Berufe ist der journalistische, vorausgesetzt, daß man ihn verläßt." Es ist, -nicht lange her, da arbeitete er noch für diePall Mall Gazette". Als er sich endlich entschloß, Politik zu machen, fiel er mit seiner Kandidatur in Harrow durch Und dies begründete sein Glück, denn nun nahm ihn Goschen zum Sekretär und machte ihn nach vier Jahren zum Finanz- Untersekretär in Egypten. So wurde der Journalist plötzlich zum Finanzmann und zum Diplomaten. Sein WertEng­land in Egypten" bewies, daß er auf beiden Gebieten Hervor­ragendes zu leisten vermöge. Daher wurde er 1897 als Oberkommissär von Südafrika nach dem Kap geschickt. Seine rasche Laufbahn verdankt Milner seinem geschickten politi­schen Lavieren ; schon 1885 hatte er vorausgesehen, daß der nnionistischen Partei die Zukunft gehöre, ohne Zögern ver­ließ er daher die Reihen der Liberalen und trat, wie er sich ausdrückte, zur winningside über. So wurde ein Wort zur Wahrheit, das Lord Granville ausgesprochen, als Milner noch Student in Oxford war.Dieser junge Mann", äußerte Granville gelegentlich einer von Milner geleiteten Versamm­lung,wird dem britischen Parlament willkommen sein, welcher Partei auch immer er anzugehören ihm belieben wird." Ter ehemalige Oxforder Student ist heute noch durch und durchOxforder", sein ganzes Tenken ist von dem' Geiste der Oxforder Universität beseelt. Er bekennt auch eine gewisse, Schwäche für die deutsche Metaphysik. Schlank, von etwas gebeugter Haltung, stark ergraut, zählt der jüngste Pear der vereinigten Königreiche 47 Jahre. Sein Gesicht ist in der Ruhe unschön und fast bedeutungslos; sobald aber Lord Milner zu sprechen beginnt, hellen sich seine Züge eigentümlich auf.

Dies europäische Burendeputation ist jetzt in Budapest eingetroffen. De Wet wurde im Triumph durch die Stadt geführt. Viele Tausende Menschen folgten dem! mit Transvaalfahnen geschmückten Wagen De Wets, unter Absingung des Kossuthliedes und der Marseillaise und unter Schmährufen auf England. Ter Umzug dauerte bis gegen 11 Uhr nachits.

Newyork, 7. Juni. Die Fabrikautenvereinigung beschloß auf ihrer Jahresversammlung, einen allgemeinen Konvent zur Beratung und Förderung von GegenseitigkeitS- Verträqen mit dem Auslande ein z ub erufen.

Hazardspiele verbietet und für Spielunternehmer Strafen von acht Tagen bis sechs Monaten oder 100 bis 5000 FrkS. Geldbuße vorsieht. Nach Ablehnung der weiteren Artikel der Vorlage erfolgte die Annahme der entsprechenden Artikel der Vorlage der Senatskommission und des Artikels 8, der den Städten Ostende und Spaa das Spielprivilegium bis zum 31. Oktober 1903 beläßt.

Brüssel, 7. Juni. Der Regierung des Unabhängigen Kongostaates ist die Nachricht zugegangen, daß die letzten aufständischen BatateleS, die der Expedition des Obersten DHanis angehört und schon seit 1895 den Aufstand unter­halten hatten, nördlich vom Luamafluffe geschlagen worden lnd. 300 Mann wurden durch die von Major Andersen befehligte 150 Mann starke Truppenabteilung des Kongo- taateS gefangen genommen. Damit ist der Aufstand >er BatateleS vollständig niedergeschlagen.

Rom, 7.Juni. Kammer. Auf eine Anfrage über den Stand der Verhandlungen mit Deutschland wegen der über üe Anwendung des deutschen Uufallversicherungs gesetzes entstandenen Fragen erklärt der Unterstaatssekretär des Auswärtigen, Martino, daß die italienische Regierung im Laufe der in Berlin und Rom geführten Verhandlungen immer für den Grundsatz völliger Gegenseitigkeit eiugetreteu et. Die italienische Regierung sandte auf Ersuchen der »eutschen Regierung dieser die Abhandlung des früheren Ministers Piccard über diesen Gegenstand, woraus hervor« sthe, daß die Bestimmungen des deutschen und des ita« ientschen Gesetzes sich völlig auSgleichev. Die italienische Regierung habe das feste Vertrauen, daß die deutsche Re­gierung, die von den besten Absichten beseelt sei, nicht zögern werde, den Bundesrat um die Anerkennung des Grundsatzes völliger Gegenseitigkeit zu ersuchen. WaS die Frage »er rückwirkenden Kraft betrifft, die Deutschland den in das InfallverficherungSgesetz vom 30. Juni 1900 aufgenommenen Bestimmungen gab, so sei im Jstereffe der Familien der in Deutschland vor Inkrafttreten dieses Gesetzes verunglückten italienischen Arbeiter, deren Revtenbezug auf Grund dieser rückwirkenden Kraft eingestellt wurde, seitens der italienischen Regierung eine lebhafte Thätigkeit entfaltet worden. Nun­mehr habe nach den Mitteilungen des deutschen Botschafters das ReichSverficherungSamt dahin entschieden, daß das Gesetz von 1900 keine rückwirkende Kraft haben könne.

Budapest, 7. Juni. Nach dem Ausweis über die Brutto-Einnahmen und -Ausgaben der ungarischen StaatSkaffeu im ersten Vierteljahr 1901 betrugen die Ein­nahmen 229,095,930 Kronen, die Ausgaben 310,596,019 Kr. Das Ergebnis stellt sich insgesamt um 29,890,504 Kronen ungünstiger als im ersten Vierteljahr des Vorjahres. Dies-S ungünstige Ergebnis ist entstanden hauptsächlich >em Ausfall bei den Einnahmen aus VerzehrungS- Schanksteuern und von den StaatScisenwerken, sowie >en größeren Ausgaben bei den gemeinsamen Ausgaben dem Tabakgefälle.

Schwurgericht.

C- Gießen, 8. Juni.

Der Gerichtshof ist heute wie folgt besetzt: Präsident: Landgerichtsrat Schmeckenbecher, Beisitzer: Landgerichtsrat Hellwig und AmtSgerichtSrat Schmidt, Vertreter der Staats­behörde: Staatsanwalt Zimmermann, Gerichtsschreiber:

Ausland.

Loudon, 7. Juni. Der Wert der Einfuhr im Mai weist eine Abnahme von 1J/2 Millionen Pfund Sterling, der Wert der Ausfuhr eine Abnahme von iy8 Millionen Pfund Sterling gegen das Vorjahr auf.

Brüffel, 7. Juni. Der Senat lehnte den von der Kammer angenommenen Artikel 1 der Spielvorlage, der Strafbestimmungen gegen Spieler enthält, ab und nahm Artikel 1 der Senatskommissiou an, der den Betrieb der

GerichtSaccesfist Traber. Unter Anklage steht der 37 Jahre alte B ah vassist ent Georg Fiege aus Nieder-Kau f- uvgen wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung im Amte. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt HooS. Seit März 1897 war Fiege als Bahnassistent nach Vilbel versetzt worden, in welcher Stellung er zuletzt einen Gehalt von nahezu 2000 Mk bezog. Seine Familie bestand nur aus ihm und seiner Frau. Um nun seine kleinen Bedürfniffe zu befriedigen, entnahm er der ihm unterstellten Güterkaffe im Laufe der letzten beiden Jahre kleinere Beträge, sodaß sich bei der am 20. und 28. März lf. Js. stattgehabten Kassen­revision ein Defizit von 451,80 Mk. ergab. Nach verschie­denen Ausflüchten legte er ein umfassendes Geständnis ob, wobei er auch behauptete, in der Summe von 451,80 Mk. seien auch einzelne Beträge enthalten, die er zur Deckung ihm unerklärlichen Defizits in der Kaffe verwandt hätte. Von solchen Fehlbeträgen hat er aber seinem direkten Vor­gesetzten, dem Stationsvorsteher Mierse nichts mitgeteilt. Fiege wußte mit großer Gewandtheit seine Veruntreuungen zu verdecken, indem er die von ihm geführten Bücher und Register falsch führte und Belege unterdrückte oder fälschte.

Sämtliche Zeugen stellen dem Angeklagten das beste Zeugnis aus. Nach Schluß der Beweisaufnahme verliest der Vorsitzende die auf Urkundenfälschung und Unterschlagung im Amte lautende Hauptfrage und die Nebenfrage auf mil­dernde Umstände. Der Staatsanwalt beantragt beide Fragen zu beantworten, welchem Antrag sich der Verteidiger anschließt. Nach kurzer Rechtsbelehrung der Geschworenen durch den Vorsitzenden ziehen sich diese zur Beratung zurück. Nach 5 Minuten verkündet ihr Obmann Bürgermeister Mascherosch von Burg-Gräfenrode den Wahrspruch dahin lautend, daß die Hauptfrage wegen Verbrechens im Amte bejaht worden sei, ebenso die Frage bezüglich der mildernden Umstände. Bezüglich des Strafmaßes beantragt der Staatsanwalt die Minimalstrafe von 6 Monaten Gefängnis, welchem Antrag sich der Verteidiger anschließt. Urteil: 6 Monate Gefängnis und Tragung der Kosten. Der Angeklagte und die Staats­anwaltschaft erkennen die Rechtskraft des Urteils an.

Deutsches Uetch.

Berlin, 7. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin besichtigten heute früh aus dem Bornstedter Felde das Regiment Gardes du Corps und das Leib-Garde-Husaren- Regiment. Ter Kaiser ritt an der Spitze des letzteren nach Potsdam und nahm das Frühstück im Offizierkasino ein. Tas Kaiserpaar wohnte am Nachmittag dem großen Armee- Jagdrennen in Hoppegarten bei. Anwesend waren ferner, Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold, Prinz Joachim Alb­recht, Minister v. Podüielski, der Chef des Militärkabinetts Graf Hülsen-Häseler. Erster wurde Leutnant Suerrnondt ausRautendelein".

Wie der Pariser Berichterstatter desDaily Chro- nicle" wissen will, soll Telcasse beschlossen haben, den französischen Botschafter Marquis de Noailles von Berlin abzuberufen und ihn durch Leon Bourgeois z,u ersetzen. Der Beweggrund für diesen etwas unerwar­teten Schritt stände in Zusammenhang mit dem Zwischen­fall von Metz, der viel Mißfallen in Frankreich verursacht habe. Tie Nachricht klingt schon deshalb unwahr schein lick), weil der Marquis de Noailles auf die Vorgänge von Metz keinerlei Einfluß haben konnte. Es stand nicht in seiner Macht, den deutschen Kaiser an der Feier zu Ehren des Zaren, noch den russischen Botschafter an der hergebrachten Teilnahme ack dieser Festlichkeit zu hindern. Sollte die Meldung vielleicht nur bestimmt sein, der Möglichkeit einer Besserung der Beziehungen zwischen Deutschland und . Frankreich durch die Aufrührung vonMißfallen" über »enZwischenfall von Metz" entgegenzuwirken? D. Red.)

Es verlautet, der Geh. Oberpostrat Gies ecke sei zum Direktor der ersten Abteilung des Reichspostamts er­nannt worden.

TieGermania" meldet: Legationsrat Friedrich von Kehler, langjähriges Mitglied des Reichstages und des Landtages, ist heute früh im Alter von 80 Jahren hier gestorb en.

DerReichsanz." veröffentlicht eine aus Straßburg i. E. vom 10. Mai datierte Urkunde betreffend die Stiftung einer Denkmünze für die an den kriegerischen Ereig­nissen in Ostasien beteiligt gewesenen deutschen Streit­kräfte. Tie Denkmünze wird in Bronze oder Stahl ver­liehen und zeigt auf der V-rderseite einen Adler, der einen Drachen unter seinen Fängen hält, auf der Rückseite den Kaiserlichen Namenszug, darüber die Kaiserkrone und Lei der bronzenen die Inschrift:Ten siegreichen Streitern 1900 China 1901", bei der stählernenVerdienst um die Ex­pedition nach China". Tie Denkmünze wird auf der linken Brust am orangefarbenen, weitzgeränderten, mit rot und schwarzen Streifen durchzogenen Bande getragen. Tie Denk­münze kann auch Angehörigen der außerdeutschen, mit Den deutschen Truppen verbündet gewesenen Kontingenten verliehen werden.

Aristlichsoziale Parteikonferenz für Mtmitfdüanb fand gestern in einem Saale des Stadt­missionshauses statt. Den Vorsitz führte Reichstagsabg. Hof- prediger a. T. Stocker. Tie christlichsoziale Partei, sagte £Lf11Jex nun selbständige (Gruppe fünf Jahre alt, habe sich geistig sehr gut entwickelt und fer nur körperlich etwas zurückgeblieben. Es sei Zeit, daß sie nun m dce Schule geh.-, etwas lerne und etwcls er­reiche. Um twruber zu beraten, habe man diese Partei- ,onferenz ernberufem Nach Erledigung geschäftlicher Mit­teilungen sprachen Stocker und Abg. Liebermann v. Sonnen­berg über das geplante gemeinsame Vorgehen, über das Aebereinstimmung erzielt wurde. Ohne an eine Verschmelz­ung der beiden Parteigruppen zu denken, wird man sich in einer Anzahl westlicher Wahlkreise, wo es nach Lage der Verhältnisse angezeigt erscheine, gegenseitig unterstützen. In

konservativ besetzten Wahlkreisen will man jedoch grundsätz­lich nirgends vorgehen.

Lübeck, 7. Juni. In der gestrigen Sitzung des Vor­standes der Deutschen Kvlvnialgesellschaft wurde Berlin zum Ort für die nächste Vorstandssitzung bestimmt. Am Abend fand feierlicher Empfang der Gesellschaft durch den Senat im Rathause statt, daraus gab der Senat im Ratsweinkeller einen Ehrentrunk. In der heutigen Haupt­versammlung, der 200 Vertreter beiwohnten, wurde ein Antrag der -Abteilung Nordhausen auf Einführung der Markwährung in den Kolonien abgelehnt. Ein Antrag der Abteilung Stettin, die Reichsregierung um den Ausbau der Häfen von Dar-es-Salaam und Tanga zu ersuchen, wurde mit großer Majorität angenommen. Für die nächste Tagung der Kolonial-Gesellschaft wurde Halle gewählt.

Dresden, 7. Juni. Der Kaiser hat dem Prinzen Johann Georg auf die Anzeige von der glücklich von statten gegangenen Taufe und dem Stapellauf des Linienschiffes Wettin" nachstehendes Telegramm nach Danzig gesandt:

Ich danke Dir für die Meldung vom glücklich er­folgten Stapellauf des Linienschiffes, welches ourch Deine Frau den NamenWettin" erhalten hat, und freue Mich, diese damit unter die Taufpathen Meiner Ma­rine eingereiht zu sehen. Uebermittle ihr dafür mit Meinen Grüßen Meinen Tank."

Stuttgart, 7. Juni. Die Geltung der Reichs­briefmarken in Württemberg ist beschlossen wor­den. Württemberg nimmt die Reichspostmarken an und verzichtet auch auf Anbringung irgend eines Sonderzeichens oder eines Sonderaufdruckes zur Kennzeichnung des Fort­bestehens seiner Posthoheit.

Stuttgart, 7. Juni. Der Landtag trat heute nach­mittag wieder zusammen. Tie Genehmigung der durch das preußische Kriegsministerium beantragten strafrechtlichen Verfolgung des demokratischen Abg. Schmidt, des Redak­teurs des Beobachters, wegen Beleidigung der deut­schen Chinatruppen durcv die Presse wurde dem Ge­brauche gemäß nicht erteilt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 8. Juni 1901.

P. Aufgegriffen. DerGießener Anzeiger" brachte gestern die Notiz, daß in Todenhausen (bei Wetter) ein Mann namens Stephan Hoffmeister, der geisteskrank ist, vermißt wird. Freitagabend näherte sich den Schieß« ständen des hiesigen Infanterie-Regiments Nr. 116 ein Mann, der allerlei Dummheiten verübte und schließlich fest- gehalten wurde. Er wurde der psychiatrischen Klinik Überwiesen, wo sich herausstellte, daß es der vermißte irr- sinnige Steph. Hoffmeister ist. Den Auffindern steht eine Belohnung von 100 Mk. zu.

* Die BurschenschaftAlemannia" veranstaltete heute morgen 11 Uhr einen Umzug durch die Stadt zum neuen Burschenhaus. Dort wurde das von den Alten Herren ge­stiftete Burschenhaus eingewciht. Als Vertreter der Uni- verfität war der Rektor Profeffor Dr. Schmidt erschienen. Nach der Einweihung besichtigten die erschienenen Dame» und Herren die innere Einrichtung. Ausführlicher Be­richt folgt.

** Eisenbahn - Verein Gießen. Wir weisen auf die m dieser Nummer enthaltenen Einladung im Annoncenteil bin.

** Promenadenkonzert. Das Programm ist fol­gendes: Ouvertüre zu Rosamunde, Schubert. Wiener Blut! Walzer, Strauß. Finale a. d. Op. Lucia, Tonizetti. Czardas a. d. Op. Ter Geist des Wojewoden, Großmann.

** Montag-Konzerte. Unsere Rigementskapelle veranstaltet regelmäßig Montags abends 8 Uhr im Garten des Brauerei-Ausschanks Gießener Brau­haus (früher Röhrle's Bierhalle) ein Gartenkonzert. (Vgl. Inserat.)

-a- Verkauf. Der Neubau des Herrn Aug. Scheppel- mann, Wallthorstraße 73, ging zum Preise von 45 000 Mk. an den Fabrikanten Adalbert Bindewald über.

n. Ruttershausen, 7. Juni. Tie seitherige Brücke über die Lahn wird gegenwärtig abgebrochen. An ihrer Stelle wird im Laufe dieses Jahres eine gewölbte ieinerne Brücke erbaut. Ein neben der Brücke aufgestellter Steg dient für den Fußgängerverkehr. Die Gesamtkosten des Brückenbaues einschließlich der Abbruchsarbeiten be­laufen sich aus rund 71000 Mk.

c. Bad-Nauheim, 7. Juni. Trotz der schlimmen Voraussetzungen, die man zu Beginn der Saison hegte, iti die Kur beständig im Aufblühen begriffen. Es langen jede Woche etwa 1200 Kurgäste aus allen Ländern der Welt hier an, während bei vielen anderen die Kurzeit schon zu Ende ist und diese Gäste nun wieder abreisen. Wie in jedem Jahre, so wurde Nauheim in der Vorkur, im AprilMai meistens von Deutschen, Schweden, Holländern und Eng­ländern besucht, seit zwei Wochen kommen nun täglich Ame­rikaner an und auch die ersten Russen, Polen und Fran­zosen zeigen sich schon. Die F r e q u e n z betrug am 6. Juni 6029 Personen, wovon zurzeit noch 4389 anwesend sind. Vom 1. April bis zum 6. Juni wurden 56 323 Bäder gegeben. An den Badehäusern entwickelt sich in den Vormittag- tunden bereits ein ganz bedeutender Verkehr, wie sonst, eigentlich nur in der Hochsaison, die für Nauheim im Juli ein tritt. Schlechter ist also die Kur durchaus nicht und die drei Sprudelquellen tbun auch vollständig ihre Schuldigkeit, denn es werden täglich bereits 2500 Bader verabfolgt. Wenn nun doch von mancher Seite Klagen laut werden über eine schlechte Saison, so liegt das nur daran, daß in den letzten drei Jahren zuviel ge­baut chorden ist. Diese große Konkurrenz spüren in erster Linie jene Vermieter, die in etwas entlegenen Straßen ihre Villen haben. Vor drei Jahren hätte das Bauen ein Ende nehmen sollen, statt diesen wurden immer mehr Straßen aufgemacht, es wurde so gewaltig gebaut, als würde Nauheim jedes Jahr 5000 Kurgäste mehr be­kommen und Bauplätze und Häuser wurden zu oft ganz unvernünfttgen Preisen gekauft und wieder verkauft. Eine ganze Schar Spekulanten haben fleißiggearbeitet"; leider klagen nun jetzt viele Damen, die vertrauensselig eine Billa für teures Geld kauften, über zu große Konnkurrenz. Aber noch im vorigen Jahre gab es auf ein Haus, dessen Grund­mauern kaum aus der Erde ragten, eine ganze Menge-