feierlicher Gottesdienst statt, zu dem auch sämtliche Mitglieder der deutschen Botschaft geladen waren. Hierauf empfing der niederländische Gesandte Abordnungen der niederländischen Kolonie. Diesem Empfang schloß sich ein Frühstück ui der Gesandtschaft an, zu dem ebenfalls die Mitglieder der deutschen Botschaft geladen waren. Tic niederländische Kolonie bringt der Königin Wilhelmina eine künstlerisch ausgeführte Adresse, sowie eine prächtige Schale dar, deren Griff mit einem großen südafrikanischen Brillanten verziert ist. Sie spendete ferner verschiedenen hiesigen russischen Wohlthätigkeitsanstalten und den Armen der Stadt zusammen 20000 Rubel Die hiesige Presse gedenkt der heutigen Feier im Haag in herzlichster Weise.
Engländer und Buren.
General Fr e.n ch ist mit genau östlicher Marschrichtung von Bethel nach Ermelo vorgedrungen, und hat diesen letzteren Ort scheinbar bereits hinter sich. Amsterdam liegt 70 Kilometer ostsüdöstlich von Ermelo, nur etwa 20 Kilometer von der Grenze des Swazilandes in einem sehr gebirgigen Gelände, in das sich die Ausläufer der Drakensberge erstrecken. Hier beginnt erst Frenchs Hauptaufgabe, denn hier werden die Buren viele geeignete Schlupfwinkel finden. Auch das zerklüftete Swaziland ist ihnen offen, da es der Oberhoheit Transvaals untersteht. Frenchs Absicht ist vermutlich, sie durch Swaziland auf portugiesisches Gebiet zu drängen, und sie dort zur Waffenstreckung zu rwingcn. Im Verhältnis zu den übrigen Truppenteilen, die an der Delagoabaibahn angesctzt sind, dringt er zu stürmisch vor, sodaß in seinem Rücken Burenabteilungen rurückbleiben, die seiner Verbindungslinie gefährlich werden, und ihn vorzeitig zur Umkehr zwingen können, wenn sie es verstehen, ihren Verfolgern auszuweichen. Die eigentliche Idee des konzentrischen Angriffs, den Buren durch Vorschieben der Brigade Smith-Dorrien von Wander- fontein aus von vornherein ein Entweichen in die östlichen Gebirgsgegenden unmöglich $u machen, ist, wie man sieht, nicht gelungen. Was Kitchener von De Wet meldet, steht im Widerspruch mit seinem letzten Bericht. Rach diesem befand sich De Wet am 3. Februar südlich von De Wets Dorp. Wenn es jetzt heißt, er stehe nock) immer nördlich von Thabanchu, so muß man annehmen, daß die frühere Meldung falsch war. Möglicherweise hat aber Kitchener nur aus der Beschädigung eines Transportznges bei der Station Pomply Swing (nördlich von Bloemfontein?) auf die Anwesenheit De Wets in dieser Gegend geschlossen. Aus der Kapkolonie liegen in den Londoner Blättern eine Reihe von ausführlichen Reutermeldungen vor. Im Norden bilden im Bezirk Elanwilliam die sogenannten Kitcheners Zkund- schafter die äußerste Vorhut der Engländer; als ihr Führer erscheint ein Mann Namens Colenbrander. Auf dem Marsche von Elanwilliam nach Van Rhyns Dorp hatte die Spitze dieser Abteilung zunächst bei Windhoek einen Strauß mit den burischen Vorposten, konnte sich aber halten, bis der Haupttrupp herankam, und die Buren nach hartem Gefecht von ihren Kopfes vertrieb. Bei der Fortsetzung des Marsches fand ein z w e i t e s G e f e ch t an der D o o r n f l u ß b r ü ck e statt. Die Buren hatten das Nahen der Abteilung erwartet und versuchten die Brücke zu halten, kamen aber zu spät und mußten ihre Verschanzungen räumen. Am Sonntag Morgen (3. Febr.) rückte Eolenbrander in Van Rhyns Dorp ein, das die Buren bereits vorher geräumt hatten. Die Operationen gegen k r u i tz i n g e r s Kommando in dem Jogenannten Midlandgebiet der Kapkolonie nahmen folgen ich Verlauf. Nach der Abwehr des Angriffs auf Willow- more teilte sich das Kommando. Der eine Teil wandte sich südwestlich und zog durch Uniondale; der andere marschierte ans Oudshoorn über Busfelsklip und Vlakte- vlaats. Die Vorhut, 330 Mann stark, folgte dem Laufe des Krtlisfluffes und überschritt über den Paß Meirings- poort die Zwarten Berge. Freiwillige und Stadtgarde von Oudtshoorn wandte sich gegen sie, worauf sie in den zerklüfteten, südlich von Oudtshoorn gelegenen Kamman- nassie-Bergen verschwand. Hier wurde sie durch Bewachung des Montagupasses und der Oudtshoornausläufer festgehalten und zersplitterte fich noch weiter. Am 2. Februar gelangte ein kleiner Teil durch den Paß Tover Waters Poort nach dem nördlich gelegenen Klaarstroom, wo er den Telegraphenapparat zerstörte. Während der Nacht zum Sonntag soll er in ein heftiges Gefecht verwickelt gewesen sein. Ein anderer Splitter des Kommandos überschritt auf Gebirgsfußpfaden den Spitzkop und gelangte in das Thal des Kouga. Dieser Teil ist inzwischen, wie aus Kitcheners Meldungen hervorgeht, bis Steytlerville zurückgetrieben.
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Der Kuriosität wegen teilen wir Nachstehendes mit: Das „A m t s b l a t t für das Deutsche Kiautschou- Gebiet" vom 22. Dezember vor. I. enthält folgende Kabelmeldung :
Shanghai, 15. Dezember 1900.
Im Deutschen Reichstag hat eine viertägige scharfe Debatte Über die neuliche Zurückweisung des Ex- Präsidenten Krüger in Berlin stattgefunden. Graf von Bülow gab infolgedessen eine Erklärung, die allgemeine Befriedigung hervorgerufen hat. Er legte die nüchternen Thatfachen dar, und hat damit den deutschen Enthusiasmus für die Buren, der auf irrtümlichen Voraussetzungen beruhte, gründlich zerstört.
Hat unser amtliches Organ in Tsingtau nur englische Quellen zur Verfügung? Die Deutschen in Tsingtau wer- den beim Lesen dieser Nachricht sich wohl recht gewundert haben.
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Telegramm des Gießener Anzeigers.
Kapstadt, 7. Febr. (Reuter-Meldung.) Der Herausgeber der „South African News" wurde unter der Beschuldigung verhaftet, ein verbrecherisches und auf r ühre- ri s ch e s P a m p h l e t geschrieben zu haben, aber später gegen Bürgschaft wieder freigclassen.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Febr. Der Kaiser und die Kaiserin sichren heute nachmittag von H o m b u r g in einem Schlitten durch den Taunus nach F r i e d r i ch s h o f und kehrten um 6 llhr zu 'Wagen nach Homburg zurück.
Neber den Abschied des Kaisers aus Lou- Kon ist noch folgendes zu berichten: Beim Luncheon im Marlborough-House brachte König Eduard einen Toast aus, worin er dem Kaiser in seinem Namen und dem des britischen Volkes dankte und chm herzlich Lebewohl sagte
Der Kaiser erwiderte ebenfalls aufs herzlichste. Beide nahmen auf das gute Einverständnis zwischen ihren beiden Völkern in der Förderung des Friedens und der Zivilisation Bezug. Auf dem Charing Croß- Bahnhof stellte der König selbst den Lord-Mayor dem Kaiser vor. Nachdem der Kaiser ihm die Hand gereicht, erwiderte der Lord-Mayor, die Bürger Londons erkennten die Wichtigkeit seines England abgestatteten Besuchs an. Kaiser Wilhelm erwiderte, ein sehr enges und liebevolles Verhältnis habe zwischen ihm und der verstorbenen Königin bestanden. Er habe für sie nicht anders handel:: können, als zu dieser Zeit nach England zu kommen. Er fügte hinzu, daß das wunderbare Schauspiel am Samstag bei dem Leichenbegängnis in London tiefen Eindruck auf ihn gemacht habe; er habe nie zuvor so etwas gesehen, und es habe sich seinem Herzen tief eingeprägt.
Der Reichstag feierte am Dienstag im reich geschmückten Neichstagshause den Geburtstag des deutschen Kaisers. Den Trinkspruch auf den Kaiser, den einzigen, der gehalten wurde, brachte der Präsident des Reichstags, Graf v. B a l l e st r e m, aus. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge hob er insbesondere rühmend die Durchführung der ostasiatischen Expedition hervor. Die lange vorbereiteten Pläne von Mobilmachung, Einberufung, Augmentation konnten hier nichts nützen. Hier mußte die herrliche Maschine mit dem wunderbaren Räderwerk, die man die preußische Armeeorganisation — oder vielmehr die deutsche Armeeorganisation nennt —, ein Werk verrichten, was sonst Maschinen nicht verrichten können. Aber das ist eben eine Maschine, nicht wie eine andere, das ist eine durch Jahrhunderte der Intelligenz und der Selbstaufopferung gehobene Maschine, und sie hat die Arbeit verrichtet. In allerkürzester Zeit wurde eine Truppenmacht auf die Beine gebracht, ebenso organisiert wie die deutsche Armee und dennoch ihr nicht einverleibt; in der kürzesten Zeit wurden von unserer Handelsmarine, von unserer Post- dampfschiffsmarine die nötigen Schiffe gestellt, um diese Truppen und alles, was dazu gehört, ausschließlich auf wutschen Schiffen nach Ostasien zu bringen. Es war jeden- alls ein großartiges Werk, wie es noch nicht dagewesen ist. Graf Ballestrem betonte dann noch besonders, daß der Kaiser stets im Dienst sei, und der Reichstagspräswent :nag im Stillen manchem Reichsboten einen ähnlichen Pflichteifer gewünscht haben.
Der Landgraf Alexis von Hessen-Philippsthal ist unter Fiebererscheinungcn erkrankt. Der Landgraf steht im 72. Lebensjahre.
— Dem preußischen Abgeordnetenhause ging der Gesetzentwurf über Abänderung derLandesgrenzegegen Dänemark an der Norderau und der Kjaermühlenau zu. Die Grenzänderung geschieht gemäß dem Staatsvertrag vom 12. Februar 1900.
— Gegenüber der Behauptung der „Tägl. Rundschau", der bisherige Konsul von Sansibar, Freiherr von Rechenberg habe den Platz räumen müssen, weil er lvegen seines thatkräftigen Eintretens für die deutschen Interessen den Unwillen der Engländer sich zu- gezogen und er sei in Ungnaden an ein kleines russisches Konsulat geschickt, erklärt die „Nordd. Allg. Ztg.", Nechen- berg sei thatsächlich als Konsul nach Moskau versetzt. Die Versetzung erfolgte aber lediglich in dem mit den Dienstinteressen zusammengehenden eigenen Interesse des betreffenden Beamten und ans dessen Wunsch aus Gesundheitsrücksichten. Das Konsulat in Moskau sei übrigens gewiß nicht klein.
— In der Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses wurde gefragt, ob im Zusammenhang mit der Verleihungvon Kommerzienratstiteln Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien. Der Minister konnte die Frage verneinen und teilte mit, daß bei den betreffenden Personen, von denen die Aufforderung um Mitteilung von Wünschen üach Verleihung von Titeln ausgegangen sei, Haus- uchung stattgefunden habe. Das Material sei der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Eine Verbindung im Ministerium hatte:: die Personen nicht angeben können.
Ueber die Verwendung weiblicher Personen im Eisenbahndienst hat sich neuerdings der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten in einem Erlaß an die Eisenbahndirektionen ausgesprochen und dabei be- mänaelt, daß die Einstellung weiblicher Personen, namentlich für die Fahrkartenausgabe und für den Telegraphendienst, nicht in dem erwünschten Umfange vor sich gegangen ei und in einzelnen Dircktionsbezirken Frauen überhaupt noch nicht beschäftigt werden. Es soll bei den Verwaltungen künftig auf eine vermehrteEinstellung vonHilfS- Fahrkarte nausgeberinnen Bedacht genommen und in jedem Falle beim Abgang männlichen Personals geprüft werden, ob nach Lage der Verhältnisse die frei gewordenen Stellen nicht durch Hilfs-Fahrkartenausgeberiuneu wahrgenommen werden können. Ferner soll die Verwendung weiblicher Personen im Fernsprechdienst der Eisenbahn überall da ins Auge gefaßt werden, wo dies nach den Vorschriften zulässig ist und die örtlichen Verhältnisse es gestatten. Der Minister behält sich vor, nach Jahresfrist von neuem Erhebuugeu über den Umfang der Beschäftigung leiblicher Personen gnzustellen, um daraus zu ersehen, ob die in Frage kommenden Vorschriften überall die gehörige Beachtung gefunden haben.
Ausland.
London, 7. Febr. Die „Evening News" will erfahren, baß Testament der Königin vermache die Schlösser Oßborne und Balmoral dem König und Osborne Cottage der Prinzeß Beatrix. Von den übrigen Kindern de: Königin erhalte der Herzog von Connaught das größte Vermächtnis, das Gros ihres Privat vermögens geht jedoch an den König.
Rom, 7. Febr. Infolge des g steigen KommervotumS überreichte Saraco heule früh dem König die Demission Des K ab in et s. Der König behielt sich die Entscheidung oor. Er beriet die Lage mit dem Kammerpräsidenten Villa und dem Senatspräsidenten Cannizzaro. Die Abendblättei galten es für wahrscheinlich, daß der KammecpräseS Villa »der Saracco den Auftrag zur KabinetSbildung erhalten.
— Zur gemeldeten Verhaftung des Anarchisten, der plante, den Herzog der Abruzzen zu ermorden, teil' ..Fanfulla" mit, daß der verhaftete, bei dem man Papier« «and, die auf eine Verschwörung gegen das Leben des Herzogs schließen ließen, heute in Rom vor dem General
orokurator verhört wurde. Ueber das Ergebnis des Verhör- werde Schweigen beobachtet.
Petersburg, 7. Febr. Zar Nikolaus hat den Typhus zwar sehr gut überstanden, trotzdem muß doch immer in Betracht g zogen werden, daß der Zar nur eine zarte Konstitution hat und eine böSariige Krankyeit doch immerhiu auch «ine robuste Natur noch auf Wochen schäd'gt Ueber intakte Lung n soll der jetzige Thronfolger Michael nicht verfügen. In Kreisen, die Gelegenheit gehabt haben, den Kaiser in größerer Nähe zu sehen, sind leider die Befürchtungen nicht ganz gehoben, daß auch letzterer nicht ganz gefeit gegen die verheerende Krankheit ist Zu Be« fürchtungen irgend welcher Art liegt heute noch nicht der ge« rinafte Anlaß vor.
Politische Tagesschau.
Auch in der zweiten Sitzung des österreichischen Abgeord- netenhanses ist eS recht bunt zugegangen und man hat auf- neue bewiesen, daß man im Wiener Parlament jedes Gefühl für Würde, ja selbst für Anstand verloren hat. Es wird gemeldet:
Abg Ratgj (tschechischer Agrarier) und Genossen, ebenso wie Abg. Klosac (ticpech sch-nattovaler Sozialist) und Genossen h,b,n in tschechischer Sprache abgcsatzte N chltzveiWährungen üver'.icht, die von einem Schriftführer gleichwie die deutsch abgefaßten Erk.äruoge» verlesen werden.
Abg. Wolf (während der Verlesung der letzten E kiä'ung): Ja, was ist denn daS für eine Komödie? Was wird b<nn da vor- gckesen? Wir sind doch nicht im böhmilchen Landtage, zum Teufel hinein! (Lebhafte Zustimmung bei den Deutschradtkalen. — Gegen- rufe seitens der tschecvtschen Abgeordneten )
Abg. Klofac (tschechisch-nationaler Sozialist): Wir haben schon genug deutsch gesprochen!
Abg. Wolf: Deutsch reden! Zum Teufel noch einmal, waS ist das für eine Wir-schaft? Im österreichischen Parlament wird man doch deutsch sprechen, sonst roeibtn wir mir Euch deutsch reden,! Stürmischer Widerspruch bet den Tschechen. Anhaltender Lärm)
Abg Freßl (tschechisch nationaler Sozialist): Das ist die deutsche Kultur! Schauen Sie sich nur die deutsche Kultur an! (Stürmische Zwischenrufe seitens der tschechischen Abgeordneten.)
Abg. Glöckner (deutsch-fo.tschrittltch): DaS ist der babylonische Turmbau! (Lä>m bet den Tschechen.)
Abg. Stein (deutsch-radikal, zu den Tschechen): G«ht nach Tschechovten 1
Abg. Sehnal (tschechisch-nationaler Sozialist): Eine schöne Kultur, die deutsche!
Abg. Wolf: Deutsch rtbcnl Herr Präsident, sorgen Sie dafür, daß deutsch gesproch-n wird! (Anbauernver Lärm. — Rufe bei den Tschechen: Ihr ruft: Heil den Buren! und die Tschechen wollt Ihr unterdrücken! — Großer Lärm)
AlterSp ästdent Dr. Weigel: Meine Herren! ES war seit dem Jahre 1879 UsuS im hohen Hause, daß solche Erklärungen zur Der- icsung kommen. (Fortdauernde Unruhe.)
Abg. Kaiser (deutsche BoikSpartei) beantragt, die nächste Sitzung am F-ettag stattsinden zu lassen, und protestiert entschiedenst dagegen, daß RechtSverWahrungen verlesen und b«n D>utlch,n daS Wort nicht erteilt wurde. (Lebhafte Zustimmung links.) Mit dem Heutigen haben Sie dem Parlament die R^chtsgrundlaite entzogen (Lebhafter Beifall und Zustimmung links. Rufe bet den Tschechen: Das ist eS ja, waS wtr wollen. Sie tragen die Schuld! Beifall links)
Bet der Abstimmung wird der Antrag Äeifer, Freitag Sitzung zu halten, mit großer Majorität angenommen. Diese« Resultat ruft auf der Linken großen Beifall hervor. Gegen den Antiag stimmten oloS die Christlich-Sozialen, die Feudalen und die Jungtschechen.
Abg. Wolf: DaS ist die Majorität für die deutsche Staatssprache. ^(Widerspruch und Gclädter bet den Tschechen.)
Darau» w«rd dte S'tzung geschlosien.
Aus Stadt und Mud.
Gießen, den 7. Februar 1901.
*• Universität. DaS Vorlesungverzeichnis für das Sommerfemefter 1901 ist soeben erschienen und für 20 Pfg. in den hiesigen Buchhandlungen zu haben. Von den Vorlesungen scheinen uns für ein breiteres Publikum besonder- vemerkenswert: „Grundzüge der Kriminalpolizei" von Professor Dr. Günther, „Forensische Psychiatrie" für Juristen und Mediziner von P:of. Dr. Sommer, „Finanzwisseu- ichaftltche TageSftagen" von Piof. Dr. Biermer, „Handel und Handelspolitik" von Dr. Lief mann, „Neueste Geschichte 1850—1900 mit besonderer Rücksicht auf die soziale Bewegung" von Prof. Dr. Oncken, „Deutsche VerfassungS- geschichte" von Prof. Dr. Höhlbaum, „Henrik Ibsen, sein Leben und seine Werke" von Dr. Collin, „Le Roman räalißte en France au löieme ei^cle® von Lektor Goet schky und „deutsche Malerei und Plastik" von Prof. Dr. Sauer.
p. Vortrag. In Lonys Bierkcller rezitierte gestern abend der Schauspieler Walkotte die Gerh. Hauptmann'sche dramatische Jugenddlchtung: „Bor Sonnenaufgang". Die vom hiesigen Gewerkschaftskartell einberufene Versammlung war sehr gut besucht. DaS wahrhaft künstlerisch wiedergegebene düstere, tief ergreifende, wenn auch dramatisch noch ziemlich unauSgereifte Schauspiel, daS sich in einer von Alkohol durchzogenen schwülen Atmosphäre mit unheimlicher Lebenstreue abspielt, wurde von den Anwesenden mit lautem Beifall ausgenommen, und c« hegten wohl die meisten der Anwesenden den Wunsch, daß öfter solche Darbietungen vom GewerkschaftSkartell arrangiert werden mögen.
-p- Deutscher und Oesterreichischer Alpen Verein. Der Thätigkeitsbericht der Sektion Gießen über die Jahre 1898 bis 1900 ist soeben erschienen. Ihm entnehmen wir, daß die Zahl der Mitglieder 103 beträgt, außerdem daS Ehrenmitglied Geh. Just'zrat Prof. Dr. Gareis in Königsberg, früher bekanntlich in Gießen. DaS Sektionslokal ist Restaurant Weidig „Zum Andres" in der Sonuenstraße, Vorsitzender ist Stadt-Baurat Schmandt. Nächst den Mitgliederversammlungen waren die gemeinschaftlichen Sektionstouren vor allem geeignet, das Vereinsleben zu klüftigen. Außer 7 Nachmü- tagSwanderungen kamen in den Jahren 1898 und 1899 je 9, in dem letzten Berichtsjahre 11 Tagestouren zur Ausführung. Lahngau, Westerwald, Taunus, Wetterau und Vogelsberg bildeten in reicher Abwechslung das Ziel der Touristenschar. Hervorragender Beliebtheit erfreute sich stets die herkömmliche Januanour auf den Dünsberg; diese in Bethätiguug freundnachbarlicher Beziehungen gemeinsam mit dem TaunuSklub Wetzlar auszuführen, ist feit einer Reihe von Jahren zur Gewohnheit geworden. — Auch sonst wird der Dünsberg als Beherrscher der Gegend


