Ausgabe 
9.2.1901 Erstes Blatt
 
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Nr. 34

Samstag den 9. Februar

(5t'?< s BlaN

151. Jahrgang

1901

Wetzerrer Anzeiger

Heneral-Inzeiger

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Erscheint täglich w" AuSnadme de- MonkagS.

Die Gießener

Ar« m t k t t n 6 f ä f t e t werden dem Anzeiger ün WechselHess. Cenbroirt" u. ^Bläller für hrff. Volkskunde- »ichtl. 4 mal beigelegt.

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Redaktion, Expedition und Druckerei: rchulftrahe Nr. 7.

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Adresse für Depeschen: Anzeiger

Fernsprecher Nr. 51.

Amtlicher Feil.

Bekanntmachung.

Betr.: Feldbereiuigung in der Gemarkung RüddingShausen i In der Zeit vom 12. Februar l. I. btS einschließlich 25. Februar I. I. liegen auf dem Amtszimmer der Großh Bürgermeisterei RüddingShausen folgende Akten zur Einsicht -er Beteiligten offen:

1. das topographische Güterverzeichnis des Feldbe« reinigungsbezirks. In dem topographischen Güter Verzeichnis ist die Wahrung der Rechtsverhältnisse zur Darstellung gebracht. (Art. 25 des Feldbe reinigungSgesetzeS.)

2. das Verzeichnis derjenigen Grundstücke, welche infolge der Feldbereinignng an Stelle der verpfändeten alten Grundstücke getreten sind.

Einwendungen hiergegen sind bei Meidung des Aus schluffes innerhalb der obenangegebenen OffenlegungSfrist schriftlich oder zu Protokoll bei Großh. Bürgermeisterei Rüd dingshausen anzubringen.

Friedberg, den 5. Februar 1901.

Der Großh. BereinigungSkommiffär.

Spamer, Kreisamtmann.

Bekanntmachung.

Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung RüddingShausen.

In der Zeit vom 12. Februar l. I. bis einschließlich 18. Februar l. I. liegt auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei RüddingShausen die Rechnung über Ein­nahmen und Ausgaben rubr. Feldbereinigung nebst den dazu gehörigen Urkunden zur Einsicht der Beteiligten offen.

Einwendungen hiergegen sind bei Meidung des Aus schluffes innerhalb der obenangegebenen OffenlegungSfrist bei Großh. Bürgermeisterei RüddingShausen schriftlich einzu­reichen.

Friedberg, den 5. Februar 1901.

Der Großh. BereinigungSkommiffär.

Spamer, Kreisamtmann.

Bekanntmachung.

Gemäß § 8 des ReichSgesetzeS vom 30. Juni 1900 be­treffend die Abänderung der Unfallversicherungsgesetze wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß bei der am 31. Januar 1901 stattgehabten ersten Spruchsitzung des Schiedsgerichts aus der Zahl der am Sitze des Schiedsge­richts wohnenden approbierten Aerzte als Sachverständige gewählt worden sind die Herren:

1. Kreisarzt, Medizinalrat Dr. Haberkor«,

2. Kreisarzt, Dr. Koeniger,

3. Professor Dr. Poppert,

4. Professor Dr. Riegel,

, 5. Professor Dr. Sommer,

6. Professor Dr. Steinbrügge,

7. Prof.ssor Dr. Vofsius,

8. 1. Assistenzarzt an der chirurg. UuiversitätS-Klinik Dr. Boetticher,

9. prakt. Arzt Dr. Haupt,

10. prakt. Arzt Dr. Zinser.

Gießen, den 4. Februar 1901.

Schiedsgericht für Arbeiterversicherung.

Dr. Heinrichs.

Scherf.

Ter Stampf um die Kanäle.

IV.

Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 7. Februar aus dem preußischen Abgeordnetenhause:

Das heiße Ringen der ersten Tage der Kanaldebatte rst zum harmlosen Geplänkel geworden. Wenn der Vergleich des preußischen Parlaments mit einer Stätte des Kampfes noch beibehalten werden darf, dann trifft er nur insofern zu, als die Reihen der Abgeordneten derart gelichtet sind, wie die einer Truppe nach stattgehabtem Gefecht. In alle Winde sind die Tiätenbeglückten Gesetzgeber zerstoben; es läßt sich sozusagen eineKanalflucht" konstatieren. W^nn da» so weiter gegangen wäre man kam heute glücklich sum Schluß der Generaldebatte dann waren am l^noe nicht mehr Herren im Parquet anwesend, als zur Bildung der Kommission für den wasserwirtschaftlichen Entwurf be- «ötigt werden, nämlich 28. Und an eine Kommissions- Verhandlung erinnerte auch die heutige Diskusswn mit ihrem Für und Wider vom Standpunkt der heimischen, derKirchturms"-Interessen. Die Ausgleichsdiagonale zwischen all diesen Spezialwünschen kann ja nur in der

Hochzeitszug zu passieren hatte, und besonders ani Palais versammelt. Vor dem Schloß stand als Ehrenwache eine Abteilung Grenadiere mit der Musik, auf dem Wege bis zur Kirche bildeten Truppen Spalier, und vor der Kirche hielt Bürgergarde die Ehrenwache. Die Tribünen, die Fenster und Balkone und selbst die Dächer waren vom Publikum dicht besetzt. Gegen 11 einhalb Uhr vormittags versammelten sich die Mitglieder der hier anwesenden könig­lichen und fürstlichen Familien mit den Trauzeugen im Weißen Saale des Schlosses. Nachdem das Brautpaar er­schienen war, nahm der Justizmin ist er die Zivil­trauung vor. Er verlas die Trauungsurkunde und richtete an die Königin und den Prinzen Heinrich kurze Ansprachen. Zum Prinzen sagte er:Aus Liebe zu Ihrer königlichen Braut haben Sie Ihr teures Mecklenburg ver­lassen und versprochen, der Königin treu zu sein: bet Liebe und Dankbarkeit des niederländischen Volkes dürfen Sie versichert sein." Zur Königin sich wendend, sagte der Minister:Das niederländische Volk hat Sie heran­wachsen sehen von der Wiege an, es hat Ihnen bei Ihrer Krönung gehuldigt, es teilt heute Ihre Freude und fleht zu Gott, daß alles, was Sie beglücken kann. Ihnen zu teil werde, und daß Ihre Vermählung dem Vaterlande zum Heil und Segen gereichen möge." Nachdem die Königin und Prinz Heinrich, ihr Jawort gesprochen hatten, erklärte er, daß die Ehe dem Gesetze gemäß geschlossen sei. Als­bald setzte sich der aus acht sechsspännigen Gala-Equipagen bestehende Hochzeitszug nach der Kirche in Bewegung- Das Königliche Paar nahm in einer von der Amster­damer Bevölkerung als Geschenk dargebrachten vergoldeten Karosse Platz, die von Edelleuten eskortiert wurde. Das Publikum brach beim Erscheinen der Neuvermählten in stür­mische Hochrufe aus, die Spalier bildenden Truppen präsen­tierten, und die Trommeln wirbelten. Sobald der Zug an der Kirche anlangte, stimmte die Orgel Haendels Sanctum an. Nachdem das Hochzeitspaar und die Gäste Platz genommen, hielt der Hofprediger van der Flier die Traurede, der er Psalm 4, Vers 7 zu Grunde legte. Er führte aus, das ganze Volk nehme teil an dieser Stunde, die aller Herzen höher schlagen lasse. Nicht in äußeren Dingen sei das eheliche Glück zu suchen, sondern im Zuge des Herzens, und der Zug des Herzens sei nie besser, als wenn das Herz erfüllt sei von Gottesfurcht und Liebe zu Gott. Wie jede Ehe, lege auch diese Ehe Opfer auf, sie verlange von dem Neuvermählten, daß er sein Land und sein Volk, von der Neuvermählten, daß sie die teure Mutter verlasse. Nur Liebe, so schloß der Hof­prediger, könne das Band der Ehe knüpfen und es erhalten.

Nach der Vermählung fand ^im königlichen Schlosse eine Frühstückstafel statt, die Königin-Mutter brachte das Hoch auf die Neuvermählten aus, Prinz Heinrich dankte.

Sodann fuhr die Königin mit ihrem Gemahl im offenen Wagen unter stürmischem Jubel der Bevölkerung zur Bahn, um sich nach dem Schlosse Loo zu begeben.

Die Königin verlieh ihrem Gemahl Sitz und beratende Stimme im Staatsrat. Sie hat anläßlich ihrer Vermählung eine Amnestie erlassen, wodurch 364 Verurteilten ihre Strafe ganz oder zum Teil erlassen ist.

Das Brautkleid ist eine Stickarbeit aus Goldbrokat Der Rock, der vorn offen fällt, wurde in der Amsterdamer Industrieschule 6 Monate hindurch mit Silberdraht und Perlen gestickt. Die Schleppe ist zwei und einen halben Meter lang. Auf der Taille befindet sich ein Strauß von Orange­blumen und ein gleichfarbiger Kranz in den Haaren. Der Kranz hält einen glatten Schleier, der lang über die Schleppe herabfällt. . .

Utrecht, 7. Febr. Anläßlich der Hochzeit der Königin Wilhelmina wurde heute hier ein festlicher Aufzug ver­anstaltet. Der Zug hielt vor dem Hotel des Pays-Bas, m dem Präsident Krüger wohnt. Sieben Musikkorps spielten die Transvaalhymne. Krüger erschien am Fenster und die Menge brachte ihm stürmische Ovationen dar.

Schwerin, 7. Febr Aus Anlaß der Vermählung des Herzogs Heinrich trägt die Stadt festlichen Flaggen­schmuck. In den Schulen fiel der Unterricht aus. Viele Vereinigungen sandten Glückwünsche nach dem Haag. Bei einem Diner brachte gestern Staatsrat Dr. v. Amsberg da» Hoch auf das hohe Paar aus. Ter neue Titel des Herzogs ist: Prinz der Niederlande, Herzog zu Meck­lenburg, Königliche Hoheit. Königin Wilhelmina fügt ihrem Namen den Titel: Herzogin zu Mecklen- burg ein.

Wien, 7. Febr. DieWiener Abendpost" gedenkt in warmen Worten der Hochzeit im Haag und erklärt, die Königin Wilhelmina genieße allerorten verehrungsvolle Sympathien. Tie österreichisch-ungarische Monarchie pflege herzliche und freundschaftliche Beziehungen zu den Nieder landen. Aufrichtig werde auch in Oesterreich-Ungarn der Wunsch geteilt, daß der heute geschlossene Herzensbund dem erlauchten Paare zur Quelle reinsten Glücks und dem Königreiche und seinem tüchtigen, strebsamen Volke zr« Bürgschaft einer frohen Zukunft werden möge. .,

Petersburg, 7. F^br. In der hellanducken

Kirche fand heute anläßlich der Hochzeltsserer im Haag

Kommission gefunden werden. Deswegen beschränkten sich die Regierungsvertreter darauf, den die hauptsächlichsten Momente betonenden Rednern zu erwidern, so in erster Reihe dem schlesischen Zentrumsmann Graf Strachwitz, der die Frage der seiner Heimatprovinz zu gewährenden Entschädigungen eingehend behandelte. Graf Strach­witz er ist dem agrarischen Flügel des Zentrums, dem auch Graf Ballestrem angehört, zuzurechnen war vor zwei Jahren anfangs ein entschiedener Gegner des Mittellandkanals. Dann aber bekehrte er sich zu der Auf­fassung, daß Schlesien, bei Zuweisung angemessener Ent­schädigungen für die gesteigerte Konkurrenz der westlichen Industrie, von dieser Wasserstraße doch Vorteil haben werde, und trat in Wort und Schrift für den Mittellandkanal ein zu spät, um ihn damals zu retten. Ob er jetzt die Mehrheit des Zentrums für seine Ansicht gewinnen wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls hatte er heute die Genug- thuung, eine ausführliche Entgegnung seitens des Eisen­bahnministers v. Thielen zu veranlassen. Sehr wirk­sam sprach wiederum der Fraktionskollege des Grafen Strachwitz, Abg. Tr. am Zehnhoff, gegen den preußi­schen Landwirtschaftsminister polemisierend. Er wies er­neut auf die schweren Bedenken der rheinischenLand- wirtschaft gegen das Kanalprojekt hin. Diese dürften nicht einfach ignoriert werden. Zentrum und Rechte, die sichnach der Kaffeepause" zahlreicher präsentierten, spen­deten lebhaften Beifall. Es kam so etwas wieStimmung" in die hohe Versammlung. Der wahre Grund sollte jedoch alsbald klar werden: Präsident v. Kröcher verkündete feierlichen Tones, daß ein von den Mehrheitsparteien gestellter Antrag auf Schluß der Diskussion vor­liege. Die Annahme des Antrages stand natürlich außer Zweifel; die Kanalschlacht im freien Felde war also zu Ende. Diejenigen, die solcher Art um ihre wohlausgearbeitete Kanalrede gekommen waren, drückten ihr schmerzliches Be­dauern über diese Wendung der Dinge aus. Dann wanderte der wasserwirtschaftliche Gesetzentwurf an die 28gliedrige Kommission. Erst nach Monden, wenn die linden Lüfte durchs Land wehen, wird er wieder ans Licht des Plenums kommen.

Von anderer Seite wird uns aus Berlin geschrieben:

Mit sehr herabgestimmten Hoffnungen sieht die preußi­sche Regierung, sehen die Kanalfreunde dasgroße Wasser­bauprogramm für die nächsten 15 Jahre" in die Kom­mission abgeschoben.Gestoßen" ist vielleicht der richtigere Ausdruck, denn so unglimpflich ist selten einem Gesetz­entwurf in dem gutartigen, regierungsfrommen Abgeord­netenhaus mitgespielt worden. Tre schöne Einführungsrede des Grafen Bülow, die zweite Erklärung zu Gunsten ge­steigerter landwirtschaftlicher Schutzzölle haben die Kanal­gegner der Rechten nicht entwaffnet. Nur um einer for­malen Höflichkeit zu genügen, wurde eine eingehende, sogar einewohlwollende" Prüfung der Vorlage zugesagt. Man muß jedoch schon heute mit der Ablehnung des Mit­tellandkanals rechnen, und da die Regierung wenig Neigung zeigt, auf die neugeforderten Entschädigungen für diejenigen Landesteile einzugehen, die eine Benachteiligung in den Kanalprojekten erblicken, so ist es sehr möglich, daß auch der Dortmund-Rheinkanal dem Unmut zum Opfer fällt. Beachtenswerter Weise hat Graf Bülow in seiner neuesten Rede beim Festmahl des Deutschen Land­wirtschaftsrates, in der er im Gegensatz zum Kanzler ohne Ar und Halm", Graf Caprivi, die Bülows als Land­wirteseit Jahrhunderten" kennzeichnete und dadurch sein Interesse für die landwirtschaftlichen Bestrebungen hervor­hob, mit keinem Worte der Kanalvläne Erwähnung gcthan. Giebt auch Graf Bülow die Sache verloren, oder will er in der Kommission, oder mehr hinter den Coulissen die Kanalgegner durch die Entfaltung seiner ganzen diploma­tischen Kunst auf die Seite der Regierung bringen? Wir glauben, Graf Bülow ist ein zu praktischer Politiker, um sich der Gefahr einer Niederlage auszusetzen. Wenn selbst der sonst geradezu alsZauberformel" wirkende Hinweis auf die Notwendigkeit der Kanäle für die L a n d e s - V e r - teidigung vollkommen wirkungslos geblieben ist bei den konservativen Parteien, dann ist eben nichts zu wollen. Gegen ein HandelsgeschäftZölle für Kanäle" haben sich die Wortführer der Rechten so nachdrücklich verwahrt, daß diese Grundlage einer Verständigung ernstlich nicht mehr in Betracht kommen kann. Auch Die Auslassungen der Kreuzztg." in der heutigen Abendausgabe des konserva­tiven Organs beweisen, daß die finanziellen Bedenken der Rechten gegen die Kanäle unvermindert fortbestehen. Herr v. Miquel selbst habe diese Anklänge an solche Be­denken erkennen lassen. Der Minister hat wirklich Pech auch diesmal vernahm die Feinhörigkeit seiner Verehrer Worte gegen die Kanäle in seiner Rede für die Kanäle. Man hält ihn also im agrarischen Lager doch nicht für ganzbekehrt".

Dre Hochzeitsfeierlichkeiten tm Haag.

Haag, 7. Februar.

Seit den frühen Morgenstunden waren trotz des rauhen Wetters große Menschenmassen auf den Straßen, die der