und Philippis.
Das Schauspiel hatte in der von Herrn Gerl ach geleiteten Darstellung eine treffliche Stütze seiner Wirkung. Die Hauptrolle, mit der in den beiden letzten Akten das Drama steht und fällt, fand in Herrn Ramseyer einen ganz ausgezeichneten Vertreter. Charakteristisch in der Maske des alten (vielleicht zu greisen) Gelehrten, gab er auch der vervösen Ueberreiztheit der Gewissensangst und des Wahnsums die rechte, durchaus überzeugende und reich, aber nie aufdringlich nuancierte Darstellung, die bei all ihrer großen Wirkungskraft fast durchweg in den Grenzen des Natürlichen sich hielt und über ihr Ziel kaum je hinausschoß. , Er half dem Autor in der Seelenschilderung schonend und erfolgreich nach. Neben dem Professor ist der Leutnant mtt ein paar eindringlichen Strichen charakterisiert; Herr Schneider verhalf ihm zum vollen Ausdruck. Wenn ihm vielleicht dies und jenes an unwiderstehlicher flotter Schneidigkeit, und dann auch an scharfer Draufgängerei mangelte, so liegt das zum größeren Teile am Autor, der es an kleinen leichten, fernen Einzelzügen in der Charakteristik ganz hat fehlen lassen; er gab nichts
des Wahnsinns im 4. Akte allzu kraß gegenübergestellt, auch die Besichtigung des Gemäldes während der Todesangst um den über alles geliebten Sohn gehört zu den allzu scharfen, wenn auch mit Raffinement glaublich gemachten Kontrasten des Dramas. Es fallen sehr wenig Sonnenblicke in das Bühnengemälde, und diese wenigen ausschließlich in die erste Hälfte. Von künstlerischem Feinschliff keine Spur, ulnsomehr heattalischer Scharfblick und Härte in der sicheren Konturenzeichnung; viel tönende Phrase von der Verwerflichkeit äußerlicher „Feudalität" ohne inneren Gehalt, von der Sucht unsrer Jugend, mehr zu scheinen als zu sein, mehr in der Oeffentlichkeit vorzustellen, als mit Fleiß und Stolz und ernstlichem Wollen in der Stille zu leisten. Die Moral des Stückes, lieber die Wahrheit zu sagen und sein Gewissen rein zu bewahren, als um der äußeren Lebensverhältnisse der Seinen und seiner selbst willen einen schweren Sündenlohn auf sich zu laden, hat Jaffa allzu dick unterstrichen; er hätte zum mindesten auS dem Schauspiel »Der freie Wille" von Dr. Goldschmidt-Faber in Frankfurt mehr Diskretion lernen können. Die wirkungsvolle, feffelnde und packende ttagische Komödie Jaffes von dem Kunstprofessor, der seinen Geist zuerst verliert und dann aufgiebt, ist nicht die Dichtung eines naturalistischen Kün'tlers, sondern das Werk eines mit findigem Verstände arbettenden Theaterfaiseurs vom Schlage Lindaus
sein Stück entlehnt hat. Wie dieser liebt der Autor die starken Gegensätze von Licht und Schatten. Scharfe Glanzlichter erhöhen noch dazu absichtlich den Effekt: der tiefsten Erniedrigung des Mannes, der seine Gesinnung verkauft, wird im 2. Akte das Adelsdiplom, die — übrigens unmotivierte — JrrbeHsier und ine frohe Geselligkeit wird der SchreckenSnacht
die Wahlpflicht gelegentttcy der Beratungen über das neue Wahlgesetz zu beantragen. c. _ . .
Eine andere Art des Wahlsystems empfehlen die Sozialdemokraten, das Proportionalwahlsyftem. Bonhard weist nun durch Tabellen nach, daß von der Einführung dieses Systemes die Sozialdemokraten allein, und zwar ganz erheblichen Vorteil hätten; statt 56 Abgeordnete hätten sie 97 zu beanspruchen, d. h. plus 41. Ten größten Nachteil davon hätte die regierende Partei, das Zentrum, das 25 Abgeordnete verlieren würde, geringeren Nachteil die Konservativen und Reichspartei (minus 13); die Liberalen würden ihre Zahl ungefähr behaupten. Daraus geht klar hervor, daß ein Reichstag von der Zusammensetzung des deutschen nie dies System einführen wird, wodurch also das ganze Projekt hinfällig wird. Auch andere Gründe führt Bonhard auf, die gegen dieses System sprechen.
„Was lehren nun aber die Ergebnisse der Reichstagswahlen?" Die Antwort auf diese Frage giebt Bonyard in einem letzten Kapitel, das von dem Wahlkartell han- )dt, n.nd zwar giebt er die Antwort als Anhänger des jungen politischen Deutschlands, das begeistert abhold deni unfruchtbaren Nörglertum des Linksliberalismus und eind den kulturhemmenden Bestrebungen des Klerikalis- mus, fest auf monarchischem Boden stehend, für die Größe unseres deutschen Volkstums glüht und alle Kräfte zu sammeln bestrebt ist, um sie diesem Ziele zuzuwenden. „Kartell!" heißt also seine Mahnung, und er weist an vielen Fällen die Erfolge eines solchen nach, und welche Erfolge noch zu erwarten wären, wenn dieser Gedanke der Sammlung in seinem ganzen Werte erfaßt wäre. Indem er des Kartellreichstages von 1887 gedenkt, fordert er zunächst und allgemein „ein Kartell aller sich einander nahestehender, regierungsfreundlicher Parteien von der konservativen Partei bis zur freisinnigen Vereinigung"; ferner fordert er „das Zusammengehen aller Konservativen und Liberalen gegen den übermächtig werdenden Klerikalismus; das Zusammengehen aller deutschen Parteien gegen die Polen und Dänen und das Zusammenhalten der Monarchisten gegen die Republikaner."
Es endigt also dies Büchlein mit einem Ruf nach Sammlung, nach Zusammenfassung der zersplitterten nationalen Kräfte in unserem Volke, ein Ruf, der schon so oft von den höchsten Stellen, zuletzt von dem kürzlich verstorbenen preußischen Finanzminifter Miquel, gehört wurde, und dem unser Volk leider so ungern folgt. In Bonhards Schrift stützt sich diese Aufforderung auf ein geistvoll bearbeitetes Zahlenmaterial, dessen Logik in der Zusammenstellung sich keiner entziehen kann. Oft vertraut man Zahlen mehr als der höchsten Autorität; so dürfen wir denn hoffen, daß Bonhards Schrift manchen für die Sache der „Sammlung" aller guten politischen Elemente gewinnen wird, der ihr sonst fern geblieben wäre. *). O. A.
Mas lehren uns die Ergebnisse der Reichstagömhien?
IL
Zn den diesen Erörterungen folgenden Paragraphen behandelt der Verfasser den Wechsel im Besitze der Mandate, den Parteiwechsel von Reichstagsabgeordneten, die Stichwahlen, Nachwahlen und Ersatzwahlen, alles interessante Kapttel, die manche gewünschte Aufschlüsse geben. Besonders aber intessiert der Paragraph über die Wahlbeteiligung. Hier wird festgestellt, daß wohl die Wahlbeteiligung seit 1871 allmählich steigend ist, daß sie aber im allgemeinen einen für die politische Reife unseres Volkes beschämend niedrigen Stand hat. Nirgends war 1898 die Wahlbeteiligung stärker als 90 v. H., am stärksten in Lübeck, wo 89,5 v. H., und in Bremen, wo 89,1 v. H- abstimmten; dagegen betrug in 25 Wahlkreisen (darunter Alsfeld-Lauterb ach) die Beteiligung nur 40—50 v. H., in Lippe sogar nur 38 v. H. und in Deggendorf in Bayern 32 ein chalb v. H. (!!) Wahlen mit so niedrigem Hundertsatz der Beteiligung sind eines Volkes mtt den pvlttischen Rechten des deutschen durchaus unwürdig.
Wie ist aber einem solchen Mißstände abzuhelfen? Soll man das Wahlrecht abändern? Auf diese Frage antwortet Bonhard mit Recht, daß an eine Aenderung nicht zu denken sei, die dem Volke seine verfassungsmäßige Rechte schmälere. Von diesem Gesichtspunkt aus weist er das Pluralwahlsystem, wie es in Italien und Belgien besbeht, und die Abstimmung nach ^Kurien, d. h. nach Wahlklassen, zurück, dagegen setzt er dem Gedanken der Wahlpflicht wohl gewichtige Bedenken entgegen, empftehlt aber die Einführung und Erprobung im kleineren Kreise der deutschen Landtage. Bekanntlich soll in Hessen das Landtagswahl- syftem geändert werden, und die Nationalliberalen im Landtage sind dem Gedanken näher getreten,,
kleinbäuerlichen Interessen versteh! unö vermyr. «re nno rmrgu durchaus germanisiert. Tann scheint der Versasier ar^unehm^, daß ein Reichstagsmandar erlösche, wenn der Inhaber in Konkurs qcratc. Tas ist bekanntlich nicht richtig. Nach der Auffassung der Geschästsordnungskommission, der das Plenum des Reichstags folgte, erlischt das Mandat in einem solchen tfalle nicht ' a ' Anm. der Red.
daß die Vereinigung und der Verband keineswegs aus der Nationalliga hervorgegangen sind. Es habe auch nie eine Verbindung zwischen der Vereinigung und dem Verbände einerseits und der Nationalliga andererseits bestanden. Die Liga nimmt überhaupt keine Studenten als Mitglieder auf; denn da chr Unternehmen ein rauhes, schwieriges ist , braucht sie ausgesuchte, beständige Arbeiter, nicht aber Studenten, die ständig ihren Wohnsitz wechseln und von wechselnden Stimmungen beeinflußt werden.
Nach kurzer Pause werden die Schriftstücke zur Kenntnis gebracht, die sich auf die Thätigkeit der Vereinigung selbst beziehen, zunächst das Protokoll über den elften Kongreß der Vereinigung der polnischen Jugend im Auslande in Zürich vom 25. bis 27. Dezember 1897, der von 19 Vereinen mit 31 Delegierten und zahlreichen Gästen aus der Schweiz, Deutschland, Galizien und dem russischen Anteil besucht war. Die Organisation hat sich zum Ziel gesteckt, die gesamte polnische Jugend in einem Bündnisse zusammenzuschließen ; die Mitgliederzahl betrug im Jahre 1897 386. Es wurden auf dem Lbongreß auch die Normen für einen Anschluß der Vereinigung an den Verband lebhaft erörtert.
Aus Befragen des Vorsitzenden erklären sämtliche Angeklagten, sich an dem Kongreß nicht beteiligt zu haben.
Der 12. Kongreß der Vereinigung fand vom 25. bis 28. Dezember 1898 in Genf statt. Von 22 angeschlossenen Vereinen waren 17 mit 24 Delegierten und 33 Stimmen anwesend. Die Schweiz, Frankreich, Deutschland und Galizien, auch die Vereinigung der polnischen Jugend im Lande waren vertreten. Aus dem Kongresse wurde unter anderem eine Ausstellung der polnischen Presse auf der Pariser Weltausstellung 1900 beschlossen. Die Ausstellung sollte eine retrospektive sein,' namentlich sollten sämtliche Schriften von 1798 bis 1898 zur Ausstellung kommen. (That- sächlich, gelangte dieser Beschluß nicht zur Ausführung.) Beigewohnt hat dem Kongreß von den Angeklagten nur Bolewski, der von München aus herübergekommen war, sich aber nur als Gast an den Sitzungen beteiligte. Bolewski hatte auch kurz vorher an dem vom 17. bis 19. Dezember 1898 in München abgehaltenen Verbandskongreß teilge- nommen. Nähere Angaben zu machen, verweigert er.
Es tritt eine Pause von dreiviertel 2 bis dpeivierteL 4 Uhr ein.
Aus Stadt und Sand.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Origmal-Nachrrchten ift nur unter genauer Quellenangabe: „Greß. Anz. gestattet.)
Gießen, den 7. November 1901.
**AlmosenoderArbeit? Uns war aus der Mitte unseres Leserkreises eine Anregung gekommen (S. Nr. 259 4. Blatt) zur Steuerung der durch den momentanen und so überaus raschen industriellen Rückgang entstandenen und noch weiter entstehenden Not eine Sammlung freiwilliger Gaben zu veranstalten. Dieser Gedanke ist durchaus an- erlennenswert, und daß der freundliche Anonymus rucht nur die Anregung giebt, sondern auch mit der That selbst vorangeht und uns 15 Mk. zur Verfügung gestellt hat, ist ein schönes Zeichen seiner Mildthätigkeit und barmherzigen Gesinnung. So sehr man auch diesem GedankQi eine Sympathie zuneigen muß, so bietet er doch rem Allheilmittel für das soziale Elend. Wir haben bereits in unserem gestrigen Leitartikel die Frage der Arbeitslosigkeit behandelt. Sie wird von Tag zu Tag aktueller. Der Winter steht nicht nur vor der Thüre, sondern hat sogar schon so frühzettig, wie wir es seit lange nicht gehabt haben, mit empfindlicher Morgenkälte eingesetzt. Stellte geht uns aus Frankfurt folgende Nachricht zu:
In den letzten Wochen mehren sich in erschreckender Weise die Arbeitslosen. Besonders sind es junge Leute, die vom Lande hierher kommen, um Arbeit zu suchen, aber vergebens. So wurde z. B. am 4. d. M. an den Konstablerwache ein Arbeiter aus Vilbel, mit Namen Wentervth, von einem Schutzmann in hilflosem Zustande aufgegriffen. W. gab an, daß er vergeblich Arbeit gesucht und seit drei Tagen nichts gegessen habe.
Mit allen bisherigen Maßregeln ist die Arbeitsloftgk«t, die auf den verschiedensten Gebieten zu Tage tritt, nicht aus der Welt geschafft. Sie ist zu groß und allgemein. Auch kann ein solches Hebel durch Almosen, und wenn die Gaben auch noch so reichlich fließen, doch nur in aller- bescheidenstem Maße gelindert werden. So gut der Vorschlag unseres freundlichen Lesers gemeint ist, durchschlagend kann er nicht wirken. Das, was allein helfen kann, sind Notstandsarbeiten, ein altes Mittel, das schon so oft geholfen und der bitteren Not erfolgreich entgegengewirkt hat. Unsere Arbeiter wollen keine Almosen, sondern Arbeit, Gelegenheit, sich selbst mit eigenen Mitteln und aus eigener Kraft über die schwierige Zett hinüberzuhelfen. Eine wie große Ausdehnung die Arbetts- lo igkeit bei uns in Gießen angenommen hat, läßt sich zur 3-i: noch nicht übwsehen. Jedenfalls aber ist es dringend notwendig, nach dem Vorbitde verschiedener Städte rote München, Nürnberg, Mannheim, Danzig u. a-, daß auch Gießen, die Stadt, die in sozialer Fürsorge wohl an der Spitze der hessischen Städte marschiert, in der jetzigen, den Arbeiterstand betroffenen schweren Zeit nicht zurück- bleibt, sondern helfend einschreitet, und zwar weniger in Unterstützungen, als besonders in Schaffung von Arbeitsgelegenheit. Es erscheint auch für die StadtväterGießens als dringende Pflicht, Erwägungen darüber anzustellen, wie in Gießen selbst die Not gehemmt werden könnte. Vor. gesehene Arbeiten, soweit sie in der jetzigen Zeit ausführbar sind, sollten schleunigst in Angriff genommen werden. Heber andere, für spätere Zett hinausgeschobene Unternehmungen sollten Beratungen gepflogen werden, ob ihre Inangriffnahme und weitere Durchführung nicht bewerkstelligt weiden könnte. Auch weniger dringende und notwendige Arbeiten könnten erwogen und unternommen werden. Hier zeigt sich u. E- ein durchgreifenderes und wirksameres Mittel zur Hebung von Not und Elend, als das borge- schlagene der Sammlung müder Beiträge. Annahme von Geldgaben sind immer demüttgend, dagegen schließen Arbeit und Verdienst ein sittliches Moment in sich. Und wenn
mehr als den festen Umriß der Gestatt. Immerhin ist dieser mißratene Sprößling eines bedeutenden Vaters doch wohl von Grund aus anders, leichtblütiger, oberflächliche, anzulegen, als es Herr Sch. that. Frl.. Br and au war für die muntere, verzogene Käthe, die anfangs in Backsisch-- albereien förmlich schwelgt, eine liebenswürdige Vertreterin. In der schwierigen und am wenigsten scharf gezeichneter Partie des ziemlich abftraften bescheidenen Wahrheit^ Helden Oskar stand Herr Gerlach mit Würdt seinen Mann. Schließlich hat der Autor in den beider Brüdern nicht viel mehr als Theaterpuppen gegeben, uni wahre Menschen daraus zu machen ist ein Ding geringer Möglichkeit. Die Figur des Kunsthändlers, die nur nach dew Urteil des Autors kein Betrüger ist, fand durch Herrn Leß. mann, wohl dem Nachfolger des Herrn di Giorgi, dir durchaus notwendige sehr delikate Behandlung. Herr L. übtt mit beträchtlicher Geschicklichkeit die größte Vorsicht. Er zeigte in diskretester Weise seine verhaltene Leidenschaft, du Wärme, mit der er für die Echtheit seines Bildes eintrat war durchaus taktvoll und von höchster Zurückhaltung, unfc seine schließliche Entschuldigungsvisite mit großer Feinheit angelegt. Die ziemlich unklare Ella — sie liebt den sittlich kraftlosen Fritz und verehtt den braven Oskar, der sie wieder liebt — und die übrigen flüchttg umriffenen Personen wurde» von den Damen Hohenfels und Kruse und den Herrer Zoder und Sandor mtt mehr oder weniger gutem Gelingen gegeben. Namenüich die beiden Damen waren gan, „Theater"; sie sind auch dem Autor gründlich mißlungen
Das Stück übte auf die im leider sehr schlecht geheizte» Hause sehr spärlich Erschienenen — hat denn unser Publckun noch immer nicht gemerkt, daß unsere Theatergesellschast iv diesem Jahre die des vorigen um ein ganz Außerordentliches überragt ? — einen mächtig fesselnden Eindruck aus, der gleichwohl weniger tief als stark sich erwies. P. W.
Dresden, 6. Nvv- Dem Meßthaler-Ensemble war s. Zt- in Leipzig die Ausführung von Gerhard Hauptmanns „Webern" wie von Tolstois „Macht der Finsternis" untersagt worden. Direktor Meßthale» beschritt gegenüber dieser polizeilichen Verfügung den Klageweg. Während „Die Macht der Finsternis" bereits rm Sommer vom Oberverwaltungsgericht freigegeben wurde und hier aufgeführt worden ist, ist heute vom Oberverwab tungsgericht bezüglich der „Weber" das gleiche (Srfenntntf ergangen." Auch dieses Stück ist zur Aufführung
wird zur Abfassung eines Memorandums für den Herzog, da verfällt er, gepeinigt von dem Anblick, in tobenden Wahnsinn. In roilber Raserei durchsticht er das Bild, das ihn zum Verräter an der Wahrheit gemacht, das sein Leben vernichtet hat. Ein schneller Tod befrett den geistig und körperlich Gebrochenen von den Qualen seines schuldbefleckten Daseins.
Die Fabel ist ebenso glücklich erfunden, als geschickt ausgesponnen und sorgfältig zusammengefügt. Gegen die Folgerichtigkeit der Vorgänge läßt sich schlechterdings kaum etwas einwenden. In den ersten beiden Akten wird die Handlung mit ebenso viel Sicherheit wie Wirkungskraft ausgebaut. Dann aber folgt im 3. Aki eine neue Exposition, die den vorwärtsdrängenden Gang der Ereignisse aufhält und zugleich das Farniliengemälde der ersten Hälfte des Dramas von dem Charaktergemälde der zweiten Hälfte deutlich scheidet. Denn in dieser handelt es sich fast nur um die Hauptperson, alles andere tritt in den Hintergrund. In den beiden letzten Akten bringen nur die Schlußszenen einen Fortgang der Handlung. Was zwischen ihnen und dem Vorausgegangenen liegt, ersehen wir mehr aus den Aeußerungen der Nebenstehenden. Was uns vor Augen geführt wttd, sind mehr die äußeren Symptome als das Wesen, mehr die Spuren, die der Kampf hinterläßt, als der Seelenkampf selbst. Das Interesse, das uns die Hauptsigur in den letzten Akten einflößi, ist mehr pathologffcher als psychologischer Art, und die Wirkung geht in allzu einseitiger Richtung mehr auf die Nerven als auf das Herz. Hier zeigt sich der Autor selbst auf dem Wege der Unwahrheit, weil er wahllos in seinen Mitteln ist, er zeigt die theatralische Mache Felix Philippis, hat auch manches Sudermann abgegueft. Er richtet mehr auf die Schale, als auf den Kern seine Aufmerksamkeit, und auch die Schale zeigt Künstelei, keine Kunst. Die Schil- derung des Milieus entbehrt allen poetischen Stimmungsreizes, die Leute da oben, vornehmlich der Maler Oskar, reden Leitartikel, aber nicht wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, ihre Sprache ist geschraubt, unecht wie das Pfeiffersche Bild. Jaffö erinnert an den Maler, von dem er den Namen für
•) Wir haben diese schätzenswerte Zuschrift aus unserem Leserkreise unverändert roiebergegeben, obwohl wir ihr keineswegs in allen Punkten zustimmen. Der Zusammenschluß verivandter Parteien vor der Wahl wird sich in der von Bonhard angegebenen Weise nur in besonderen Fällen ausführen lassen. In den verschiedenen Wahlkreisen sind die Verhältnisse verschieden, und es wird z. B. hier ein Kartell von Konservativen und Zentrum gegen den Linksliberalismus, dort ein Zilsammenthun von Zentrum und Freisinn gegen die Konservativen, an anderen Orten das Zusammengehen vom Bunde der Landwirte und Zentrum gegen Freisinn oder Links- Nationalliberale, ein andermal von Demokraten und Linksliberalismus gegen das Zentrum re. re. als prakisch eriveisen. Ob ein Kartell zweckmäßig sei, ist jedenfalls eine Frage, die nur von Fall zu Fall beantwortet werden kann. Kartelle haben unter Hmstäliden die bedenkliche Wirkung, daß sie das Interesse an der Wahl abschwächen. Selbstverständlich ist auch das nicht immer der Fall, muß aber bei einer grundsätzlichen Betrachtung der Kartellfrage mehr berücksichtigt werden, als es vom Verfasser geschehen ist. Zum Schlüsse mögen noch zwei Kleinigkeiten er= mahnt werden, die irrtümlich zu sein scheinen. Der Verfasser rechnet die Littauer zu den Partikularisten. Das ist sachlich nicht richtig. Die littauischen Reichstagsabgeordneten sind durchaus nicht Partikularisten in dem parteitechnischen Sinne, sondern wurden mit Recht bald den liberalen, bald den konservativen Gruppen zugerechnet. Die Littauer denken nicht daran, itgenb welche Sonder- beftrebungen zu verfolgen. Sie wollen nur einen Reichstagsvertreter haben, der aus ihrem Volke hervorgegangen ist und ihre


