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Nr. 263 Erftes Blatt. 151. Jahrgang.
Freitag 8. November 1901
Erscheint tSgttch Mil Ausnahme des DiontagS.
Die Siebener Familien, blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt* und den -Blättern für hessische Volkskunde* viermal wöchentlich beigelegt.
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Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wkttko; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Gießen, den 6. November 1901.
Bett.: Die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler in 1902.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Wir sehen Ihrem Berichte darüber entgegen, wieviel Scheine Sie für voraussichtlich im Jahre 1902 zur Bedeckung 'wimenbe Stuten nötig haben werden.
v. Bechtold.
5. ßyristttch-sozialer Mrleitag.
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L. u. P. Elberfeld, 5. Nov.
Ter heutige Tag wurde mit einer großen öffentlichen Versammlung int Elberfelder Evangelischen Vereinshause beschlossen. Erwa 500 Personen waren erschienen. Hof- prediger a. D. Stöcker eröffnete mit einem Kaiserhvch. Ten ersten Vortrag hielt Pfarrer Bernbeck (Staden in Hessen). Er zeichnete ein Bild von der Zeit und chren Schäden und legte klar, wie die christlich^-soziale Partei bestrebt ist, den Grund zu legen für den sozialen Neubau der Zukunft. Zur Mitarbeit an diesem Werke sei jeder Vaterlandssreund berufen. — Arberterffekretär Behrens (Berlin) sprach über bte Stellung der Ehristlichsozialen zur Arbeiterbewegung. Die christlich-soziale Partei sei die wahre Vertreterin der Arbeiterschaft und ihrer berechtigten Interessen. Keine Partei habe die Gewerkschaftsbewegung so miserabel behandelt wie die Sozialdemokratie. — Stöcker warf einen Blick auf dieinnereLage so wie zur Zeit Kaiser Wilhelms I. Aber wir sind monarchisch bis auf die Knochen. (Lebh. Beifall.) Man spricht oft von Zickzackkurs. Auf entern Gebiete aber ist doch kein Zicb- zackkurs, da geht unser Kaiser fest eine gerade Linie: in dem Strebett nach Kolonialbesitz, nach einer großen Flotte, das wollen wir dem Kaiser danken. Wir wünschen, daß es aber auch auf dem sozialen Felde, im inneren Volksleben so vorwärts gehen möge. Als Ausgaben für die Zukunft nannte er u. a. die Bekämpfung der Wohnungsnot, der Arbeitslosigkeit, die Sicherung der Witwen und Waisen. — Namens der Gäste gab Pfarrer Granzin (Berlin) dem Danke für die Darbietungen des Abends Ausdrttck. Er sei als Antisemit zu Stöcker gekommen und bei chm Christ geworden. Wenn auch die christ» ckch-soziale Partei nicht» durch Massen glänzen kann, so yabe sie doch die Majorität; denn mit chr sei Gott.
L. il P. Bfarmen, 6. Nov.
Die öffentlichen Hauptverhandlungen wurden heute im hiesigen Evangelischen Vereinshause eröffnet. Stöcker hielt dann eine längere Ansprache, in der er sich besonders mit der äußeren Politik des Deuffcheu Reiches beschäftigte. Die allgemeine Weltkonstellation nötigt Deutsche land zur Weltpolitik. Wenn der Dreibund etwas bedeuten soll, muß Deutschland kräftig das Heft in die Hand nehmen; denn man muß doch sagen, daß Oesterreich durch seine inneren Kämpfe lange an äußerer Aktionsfähigkeit gehindert ist; und das schwache Italien, das sich in Abesiy- iiien eine schwere Niederlage geholt hat, vermag ebenfalls nichts. Ferner zwingt das avoße Wachstum unseres Handels uns zur Weltpolitik, und das starke Anwachsen der Bevölkerung. Hierbei müssen wir fordern, daß wrr 1) die Natur
völker rechtschaffen regieren und behandeln, durch rechtschaffene, sittliche Beamte und dadurch, daß wir sie nicht ausbeuten zu unserem Nutzen. Wir stehen ja in dieser Beziehung bekanntlich nicht auf der Höhe. Wir wären weiter, wenn Missions-Inspektor Merensky Gouverneur von Ostafrika wäre. Wir hätten vielleicht weniger Blutvergießen gehabt und vielleicht auch den Verttag mit England nicht gemacht, indem wir für den schönen Felsen ganz Witu und Zanzibar eingetauscht haben. Wir dürfen 2) den Völkern nicht Unrecht thun. In punkto Branntwein haben wir kein gutes Gewissen. Wir müssen jedenfalls bestens für die „Kultus danken (von der einmal ein Großhändler sprach), die mit Schnaps begossen wird,. Wir dürfen die Völker nicht als völlig rechtlos behandeln. Die Regierung muß 3) auch die richtige Stellung zur Mission finden. Es war ein Fehler, rote unsere Regierung überall unverzagt und unverrückt für Völkerrecht und Gerechttgkeit eintrete und z. B. nicht über dem Blute der Armenier mit der türkischen Regierung und über den Leichssn der Buren mit England noch so ganz besotwere Freundschaft pflege. (Allgemeine Zustimmung.) Es kann einem die größten Sorgen machet^, wenn man die Stellung der christlichen Großmächte Lu den schauderhaften Ehristenverfolgungen in Armenien und zu den Greueln in Südafrika betrachtet. Wir sind an der Burensache,fehr beteiligt. Das Telegramm des Kaisers hat uns für ste engagiert. Jedenfalls entspricht es nicht einer konsequenten Politik, wenn man nach Eins Jahren das Gegenteil thut. (Lebh. Zustimmung.) Und hat nicht der Reichskanzler erklärt, daß uns an der Unabhängigkeit der Bürenrepubliken sehr viel liegt? Und nachher haben wir den Buren nicht bloß völlige Gleich gilttg- feit gezeigt, sondern England noch dazu die größten Freundschaften erwiesen. (Lebh. Beifall.) Tas smd Dinge, die das Herz des ganzen deutschen Volkes, durchzittert haben. (Lebh. Beifall.) Stöcker kennzeichnete nun unter großer Zustimmung die englische Kriegführung und bezeichnete es als unerhört, daß man dem ruhig zusieht. Wir wissen, daß volle Gerechtigkeit unserer erst droben wartet. Daß wir aber diesem Ideale mit allen Kräften zustteben, das ist die heiligste Pflicht eines Volkes, das wirklich groß werden und sein möchte. (Stürmischer anhaltender Beifall.)
Im Anschluß daran nahm die Versammlung die bereits gestern mitgeteilte Erklärung einmütig an.
Ker polnische Heheimöund-Krozeß.
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H. il E. P io s e n, 5. Nov.
Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen wurde gestern zunächst das Urteil des Reichsgerichts int Hochperratsprozeß gegen Leitgeber verlesen. Auf Beftagen des Präsidenten erklären die Angeklagten, daß ihnen das Vorhandensein leine# Nationalschatzes in Rapperswyl erst durch die Zeitungsberichte über den Prozeß Leitgeber bekannt geworden sei. Ebenso erklären sie, nicht zu wissen, daß der Verband und die Vereinigung der polnischen Jugend Zahlungen nach Rapperswyl für den Nationalschatz geleistet haben, oder sie verneinen diese Frage. Nur Bolewski giebt zu, daß auf dem Verbandstag in Halle die Beittagszahlung für den Nationalschatz jur Sprache gekommen sei.
Ferner wurde die Broschüre Rapperswyl" von Leitgeber im Auszüge verlesen. In chr wird eine Verbesserung und Vermehrung des Nationalschatzes in Rapperswyl als dringend notwendig gefordert. Der Ruf: „Noch ist Polen nicht verboren!" müsse wie ein Donnerhall durch die Welt
gehen. — Bolcwsti gesteht aus Befragen zu, 50 Exemplare der Broschüre durch Vermittelung von Rowinskt bezogen zu haben.
In der heutigen Verhandlung gelangt zunächst int Auszuge die Broschüre: „Die Angelegenheit der thättgen Ab- wehr" zur Verlesung, die int Jahre 1887 in Paris erschienen ist. Statt des Namens hat der Verfasser mit den Buchstaben Z. F. M. gezeichnet. Es wird in dieser Schrift der aktive Widerstand empfohlen. Die passive Abwehr führe zur Auflösung. — Präs.: Ist den Angeilagten die Schrift bekannt gewesen? — Sämtliche Angeklagten verneinen dte Frage. — Präs.: Wir kommen nun zur Verlesung der Pro- aramms der nationaldemottatischen Partei im russischen Anteil vom Jahre 1897. Es heißt in demselben: Das Programm, das wir verbreiten, ist kein theoretischer Versuch, sondern eine Folge langjähriger Erfahrung. Die Nation sei geeignet, ein unabhängiges politisches Dasein zu führen. Alles, tvas uns dem Ziele der politischen Unabhängigkeit näher bringt, ist gut, alles, was uns davon abbringt, ist schlecht." -Durch populäre Schriften müsse man die politischen Kenntnisse und Lehren in die breiten Massen des Volkes kenntlich machen und vermehren. Für die Volksaufklärung wird weiter der „heilige" Unterricht zum Zwecke der Verbreitung wahrer Volksbildung empfohlen. Jnwie-, weit also die Behörde die Entwickelung der Volkslitteratur hemme, müsse man auf ungesetzlichem Wege für die Verbreitung sorgen. Als Mittel der nationalen Erziehung sind zu pflegen: die polnische Sprache, die Verbreitung der von der Regierung verbotenen Schriften, die vaterländische Geschichte urrd die vaterländische Geographie in ihrer ganzen Ausdehnung.
Präs.: (zu Karas): Gehörten Sie dieser Partei an? — Angekl. bbaras: Nein. Ich habe mich nur in wissenschaftlicher Weise mit diesen Schriften beschäftigt. — Präs.: Wie kommt es denn aber, daß vier Exemplare bei Ihnen beschlagnahmt wurden? — Karas: Mlc Sendungen für den Verein gingen durch meine Hände. Ich sollte die Schrift wohl verteilen. — Präs.: Woher bekommen Sie die Seyris- ten? — Angekl.: Ich glaube aus Lemberg. — Präs.:' Auf dem Boden dieser politischen Grundsätze stehen Sie also nicht! Aber durchgelesen haben Sie die Schriften? — Angekl.: Ja. — Präs, (zu Kowalczyk): Gehören Sie der Partei an oder bekennen Sie sich zu deren Grundsätzen? — Kowalczyk: Ich muß gestehen, daß mir das Programm sehr gefällt. Es ist aber russisch und nicht aus unsere Ver-i hältnisse anzuwenden.
Bialy: Ich habe von der Broschüre von KommUitonen als Stubent gehört. Selbst gelesen habe ich sie nicht. — Präs.: Bekennen Sie sich nun zu den dort ausgedruckten. Grundsätzen? — Bialy: Dazu gehört entschieden Ueberleg- ung. — Präs.: Bolewski, sind Sie mit den entwickelten Grundsätzen einverstanden? — Bolewski: Ich gehöre keiner polittschen Partei an. Das Programm ist russisch ; ich bin preußischer Unterthan! — Präs.: Sie scheinen sich affo dar-, über nicht auslassen zu wollen.
Danach wird der Aufruf der polnischen Nationalliga in polnischer und deutscher Sprache verlesen. Als End- Ziel ihrer polittschen Thätigkeit wird die Unabhängigkeit Polens bezeichnet. — Präs.: Sie ließen sich Aufrufe der Liga schicken? — Bolewski: Ja. Aus Zürich. Ich interessierte mich dafür.
Es wird nunmehr die Aussage des polnijchen Schrift^ stellers Obersten Sigismund v. Milkowski zur Verlesung gebracht, v. Milkowski, der geborener Russe ist, bekundet.
Gießener Stadttyeater.
Das Bild des Signorelli.
Schauspiel in 4 Akten von Richard Jaff6.
„Das Bild des Signorelli" ist zu Anfang der neunziger Jahre über alle deutschen Bühnen von Bedeutung gegangen und hat damals allenthalben einen durchschlagenden Erfolg errungen. Seitdem hätte man nichts mehr von dem Werke wie von dem Autor, dessen Erstlingswerk es war und dessen einziges Werk es geblieben zu sein scheint. In Kürschners Litteratuttalender findet man seinen Namen weder in diesem, noch in früheren Jahrgängen, und nur Frl. Dr. E. Mensch macht in ihrem „Konoeffationslexikon der Theaterlitteratur" ein paar kurze Bemerkungen über das Stück und seinen Ver- faffer, von dem sie zu berichten weiß, daß er 1861 geboren wurde und in Berlin lebt.
In dem Mittelpunkte der tragischen Handlung des Schauspiels steht nicht eine der gewaltigen menschlichen Leidenschaften, sie hat vielmehr einen Gewissenskonflitt zum Gegenstände, einen Konflikt, der sich um die vermeintliche Echtheit eines Gemäldes aus dem italienischen Quattrocento dreht. Was ist uns Hecuba? Und dennoch hat cs Jaffe verstanden, seine Zuhörer für das Schicksal eines den Interessen der Allgemeinheit abgewandten, immatettellen Dingen nachspürenden Spezial- sorschers einzunehmen und in Atem zu erhalten. Denn über dem wenig bedeutend erscheinenden Gegenstände schwebt die Göttin der Wahrheit, die unerbittliche, die den Abtrünnigen mit dem Tode in qualvoller geistiger Umnachtung besttaft.
Prof. Waede ist ein anettannter Kunstfoffcher und besonderer Kenner des der umbrisch-florentinischen Schule an- «yehöttgen Malers Luca Signorelli. Er hat sich, da er im Dienste der Wahrheit auch den äußeren praktischen Effolg nicht verachtet, auf das Studium dieses altitalienischen Meisters möglicherweise deshalb vettegt, weil sein Landesherr für die Werke dieses Vorläufers des Michelangelo und Urhebers der
berühmten Fresken des „Weltendes" im Dome zu Orvieto eine ausgesprochene Vorliebe besitzt. Sein von der Hochachtung der Well um ihn her verschöntes stilles Foffcherdasein entbehtt bet aller Bescheidenheit der Mittel doch nicht eines gewissen Glanzes, und die Verleihung des Adelsdiploms hebt seine gesellschaftliche Stellung noch mehr. Prof. v. Wäde ist für solche Ehrung nicht unempfindlich, aber es sind doch vornehmlich seine Kinder, für die er diese Standeserhöhung ersehnt hat, zumal sein Sohn Fritz, den in seinem Vaterhause allmählich entstandenen Lebensansichten folgend, Leutnant in einem Reiterregiment geworden ist, der einzige bürgerliche Offizier unter adligen Kameraden. Aber eben dieser Hang für ein „feudales" Auftreten, dem der Untergrund des Reichtums fehlt, wird zum Verhängnis. Um seine bürgerliche Abstammung möglichst vergessen zu machen, treibt Fritz einen alle übertrumpfenden Aufwand. Schon einmal hat der Vater, der ihm bereits eine für seine Verhältnisse viel zu bedeutende Zulage gewähtt, eine größere Schuldsumme begleichen müssen, jetzt handelt es sich um 30000 Mk., die der Sohn im Spiel verloren hat und die er am bestimmten Tage nicht zu bezahlen vermag, da seine Bemühungen, sich das Geld zu verschaffen, fehlgeschlagen sind. Der Kunsthändler Pfeiffer hat dem Leutnant die Summe vorzustrecken versprochen, kann nun aber dieses Versprechen nicht erfüllen, da er den größten Test seines Vermögens und seinen ganzen Kredit für die Erwerbung einer „Kreuzabnahme" von Signorelli in Anspruch genommen hat, in der festen Voraussicht, das Gemälde mit großem Gewinn an den Herzog verkaufen zu können. Nun hat aber Prof. Wäde nach flüchtiger, einmaliger Besichttgung des Bildes seine allerdings noch nicht endgilttge Meinung kundgegeben, daß das Gemälde nicht echt sei. Beharrt er bei seiner Ansicht, so ist Pfeiffer ruiniert; der Geängstigte kann also die 30 000 NU. nicht aus den Händen geben, da sie ihn im Notfälle von dem Bankerott retten sollen. Fritz muß sich in der höchsten Not endlich dem Vater offenbaren, der, wie er sicher voraus wußte, chm freilich
nicht zu helfen vermag. Da erscheint Pfeiffer, um das Bild von dem Profeffor genau prüfen zu lassen. Wäde kommt zu der Ueberzeugung, daß seine schon geäußerte Ansicht richtig ist; das Bild ist für ihn zweifellos unecht, und er hat sich eben wieder dahin ausgesprochen, als die Kunde fommt, daß fein Sohn im Begriff stehe, sich das Leben zu nehmen. Schnell enffchlossen bietet der Händler dem Gelehrten für den Fall, daß er feine Ansicht zurückhalten wolle, die Summe, die den Sohn vor dem Verderben rettet. Der Professor weist ihm entrüstet die Thür, aber die dringlichen Bitten seiner Frau und die Not des Augenblickes lassen die Vaterliebe über die Wahrheitsliebe siegen, er nimmt das Geld. Die gesellschaftliche Ehre des Sohnes ist gerettet, die Gewissensehre des Vaters dahin. Von den Furien des Gewissens gepeinigt, irrt er unftät im Hause umher, es treibt ihn, sich seinem älteren Sohn zu offenbaren, den er als Phantasten bisher mißachtet hat, von dessen künstlettschem Scharfblick er aber die Entdeckung seiner Fälschung befürchtet; er sehnt sich nach einem Rat, nach einer Stütze, und immer wieder hält er doch das fragende Wott zurück, das sich auf feine Lippen drängt. Denn noch ist das ärgste nicht überstanden; er muß vor dem Herzog feine Ansicht von dem Bilde abgeben. Sein Sohn Oskar, der Maler, bringt durch liebevolles Entgegenkommen feinen Vater zum Reden und verlangt nun von dem Alten das öffentliche Geständnis der Wahrheit um jeden Preis. Der Professor atmet auf. Allein die Verhandlungen mit dem Kunsthändler scheitern, und Ftttz tritt dazwischen mit feinen Beschwörungen, ihn und die ganze Familie nicht ins Unglück zu stürzen, verdächtigt vor dem Vater feinen Bruder und der Alte giebt fein Votum für die Echtheit des Bildes ab. Aber das Bewußtsein der Schuld martert ihn unablässig. Es zwingt ihn mit unheimlicher Gewalt immer wieder zu dem Gemälde hin. Immer wieder sucht er sich zu überreden, daß es echt sei, immer wieder irrt sein spähender, scheuer Blick zu dem älteren Sohne. Und als ihm das Bild in seine Wohnung gebracht


