Ausland.
Kopenhagen, 5. Okt. Der Reichstag ist heute eröffnet worden. Der König verlas die Thronrede, in der es u. a. heißt: Bei der Ernennung unseres neuen (bekanntlich demo- krattschen. D. Red.) Ministeriums haben wir dem Wunsche der Mehrzahl des Volkes entsprochen, indem wir die Leitung der Regierung Männern übertrugen, die auch das Vertrauen des Volkes besitzen. Es ist unsere sichere Hoffnung, daß es gelingen wird, dem großen Ziel näher zu treten, nämlich: Rach Außen Wahrung der Selbständigkeit unseres Landes ynb freundschaftliches Verhältnis zu den fremden Mächten; nach Innen Entwickelung der bürgerlichen und politischen Freiheit und Hebung des geistigen und ökonomischen Lebens des Volkes. Sobald es möglich ist, werden unsere Minister nach und nach Gesetzesvorlagen einbringen, welche die Erfüllung des Versprechens des Verfassungsgesetzes bezüglich einer Verbesserung des Justizwesens, einer besseren, unseren Verhältnissen angepaßten Ordnung des Verteidigungswesens und eine zweckmäßigen Verteilung der Steuerlasten bezwecken, sowie weitere Vorlagen, welche zur Hebung des gewerblichen, des kirchlichen Lebens und zur Entwickelung der kommunalen Vsrhältrrisse dienen.
Amsterdam, 6. Okt. Hier fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit eine Konferenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels statt. Im nächsten Jahre soll die Konferenz in einer noch zu bestimmenden Stadt Süddeutschlands stattfinden.
Paris, Okt. Der Budgetausschuß der Kammer beschloß, daß in Zukunft keine geistliche Genossenschaft irgend einen Anteil an den im Budget des Aeußern ausgeworfenen Krediten haben sollen.
Compiögue, 6. Okt. Der Fußboden des großen Festsaales im hiesigen Schlöffe, in dem das Galadiner anläßlich des Zarenbesuches stattfand- hat sich infolge des ungeheuren Zudranges von Neugierigen gesenkt. Da ein vollständiger Einsturz befürchtet wird, wurde der Saal für das Publikum abgesperrt.
Rom, 6. Okt. An Bord des Dampfers „Calabro" wurde der aus Buenos-Ayres ausgewiesene italienische Anarchist Baschieri in Genua verhaftet. Baschieri hatte der argentinischen Polizei phantastische Enthüllungen über ein angebliches Komplot gegen den König von Italien gemacht. Die
Aus Stadt und Sand.
Nachrichten von angemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, den 7. Oktober.
” Personalnachrichten von der Post. Versetzt sind: die Postverwalter Rau von Lollar nach Laubach, Lorenz Müller von Romrod nach Heldenbergen, Hebbel von Heldenbergen nach Niederwöllstadt, Freisens von Niederwöllstadt nach Lorsch; derOber-Telegraphenassistent Seibert von Frankfurt a. M. nach Bad-Nauheim; der Postassistent Schiermann von Gießen nach Romrod unter Ernennung zum Postverwalter; die Postassistenten Bach von Butzbach nach Bocholt, Traub von Offenbach nach Apia (Samoa), Desch von Friedberg nach Ortenberg, Groß von Jugenheim nach Hungen, Menges von Büdingen nach Groß-Steinheim, Nickel von Bad-Nauheim nach Homberg, Noll von Homberg nach Gaualgesheim. Ein berufen sind zur Post- und Telegraphenschule in Berlin: die Postpraktikanten Goe- decke in Darmstadt, Heini chen in Lauterbach und Ma- rizy in Mainz. Entlassen ist (infolge von Krankheit) der Postassistent Hoffart ist Lauterbach.
** Das Unwetter am gestrigen Sonntag hat schweren Schaden angerichtet. Bäume und Gartenanlagen wurden arg mitgenommen, mancher stattliche alte Baum wurde umg Griffen, and im Wirtschaftsgarten der Pulvernftihle barst durch die Vewalt des Sturmes ein dicker Kastanienbaum. In der ^Frankfurtersttcrße wurden sechs junge Lindenbäumchen ent#
geführt. Eine Wiederholung der mit durchschlagendem Er- olge hier aufgeführten Novität „Die Dame von Maxim" indet am Mittwoch, den 9. d. M., statt.
B. Stadttheater. Trotz des kurz vor Beginn der gestrigen Sonntagsvorstellung ausbrechenden heftigen Unwetters hatte ich ein überaus zahlreiches Publikum im Theatersaale eingefunden. Besonders die Gallerie war überfüllt und die beifallsfreudige Menge da oben steckte mit ihrem Jubel über die mehr oder weniger gelungenen Spässe, die „Das Mädel ohne Geld" brachte, auch das Parterre zu lebhaftem Bei- all an. Es wurde recht flott gespielt und die verschiedenen Gesangseinlagen wurden frisch und wirkungsvoll zu Gehör gebracht.
** Zirkus Althoff. Die Vorstellung am Samstag war noch erheblich besser besucht als die Eröffnungs-Vorstellung. Das Pferdematerial ist reichhaltig und schön, die Dressur gut und die Künstler leisten auf den Gebieten der Equestrik, Gymnastik und Equilibristik Sehenswertes. Eine der hübschestem Nummern, die merkwürdigerweise weit weniger Beifall findet als die Scherze des Clown und des dummen August, ist die Vorführung der vier Falben durch Herrn Althoff jun., die neben sicherer Dreffur auch noch so viel Temperament zeigen, daß ihre Unterordnung unter den Willen des Dresseurs be- onders interessant ist. Der russische Schimmelhengst „Mon- iseur" bewegte sich, trotz seiner Massigkeit, recht gewandt. Das hübscheste Pferd ist die schwedische Rappstute „Bella", die als Apportierpferd Intelligenz beweist. Einen ausgezeichneten Jokey hat der Zirkus in Herrn Jean Baptiste, der mit erfreulicher Eleganz und erstaunlicher Sicherhett seine Künste zeigt. Frl. Werner führt als Parforce-Reiterin ihre Stellungen und Sprünge mit Anmut aus. Ein wegen seiner- leicht scheinenden Gefälligkeit mit großem Beifall aufgenommenes Luft-Potpourri am Trapez führen die Geschwister D afferty aus; der Herr hängt, den Kopf nach unten, hoch oben in schwindelnder Höhe und hält im Munde eine Schnur, an die sich die in ihrer Lieblichkeit reizende junge Dame mit den Zähnen klammert und sich in der Luft herumwirbeln läßt. Einen graziösen Phantasietanz führen vier Damen in der Manege aus, in der man allerdings für diesen Zweck einen Teppich vermißt. Die schwierigsten Dinge unternimmt auf einem taburetartigen Gestell der Kopf- und Fuß- Equilibrist Hodgini. Mit seinem „singenden" Esel treibt der Clown Fredy derben Ull. — Wir haben hier nrrr Einzelnes aus dem recht reichhaltigen Programm herausgehoben. Jeder, der den Zirkus besucht, und das mögen recht viele sein, wird seine besondere Lieblingsnummer finden. — Gestern nachmittag hat eine vorzüglich besuchte Vorstellung stattgefunden, die Abendvorstellung aber hat ausfallen müssen. Das fürchterliche Unwetter, das gegen Abend in unserer Stadt tobte, hat das ganze Zelt Hingerissen und zerfetzt. Förmliche Teiche bildeten sich, wie in anderen Stadtteilen, auf Oswalds Garten und durch den Schmutz wurden vom Sturme mannigfache Utensilien des Zirkus gezerrt. Erheblicher Schaden ist dem Zirkus namentlich auch durch den Ausfall der Abendvorstellung entstanden, den die Beteiligten auf etwa 2000 Mk. schätzen. Das Zett selbst repräsentiert einen Wert von 3500 Mk.; es ist im wesentlichen vernichtet. Heute ist man fleißig an der Arbeit, um das Zelt neu zu errichten, und morgen sollen die Vorstellungen wieder ausgenommen werden.
** Vater und Sohn. In der vergangenen Nacht entstand zwischen einem am Asterweg wohnenden Dienstmann und seinem Sohne in deren Wohnung ein Streit, der in Thätlichkeiten ausartete. Auf Hilferufen der Ehefrau erschienen mehrere Leute, um Ruhe zu stiften. Der Sohn ergriff ein Messer und stach nach den hinzugekommenen Leuten, wobei er auch einem jungen Manne drei unben am Kopfe beibrachte, die jedoch nicht lebensgefahruch find. Anzeige wegen Ruhestörung und Körperverletzung wurde erhoben. ,
** Der Gesangverein Harmonie feierte am 6. Oct. iw i Safe Leib die 55. Wiederkehr feines Bestehens. Die hohe • Fahl der Gäste, sowie die Vertretung der emoeladenen Ver- • eine ke-ien Zrngnte ab von der öttrmcmen NettebHett de»
gewehr Gebrauch und dachte zu schießen, worauf die Ar- Letter auseinandergingen. Der Rädelsführer wurde vergastet.
Plön, 6. Okt. Reichskanzler Graf v. Bülow folgte Leute einer Einladung der Prinzen August Wilhelm und OSkar von Preußen zur Frühstücks täfel im hiesigen Prrnzen- Hause.
Kiel, 6: Okt. Die kaiserliche Werst erhielt Befehl, L-ie Reparaturen an dem Kreuzer „Gazelle" so zu beschteu- Nigen, daß derselbe schon im November nach der süd- amerika wischen Station zum Schutze der im columbisch- penezolanischen Kriege schwer bedrohten deutschen Interessen abgehen kann.
Wilhelmshaven, 6. Okt. Das 2. Seebataillon, das am 30. September mit dem Dampfer „Pisa" von Ost- ■f.tfien zurückgekehrt ist, traf hier vom Lockstedter Lager ein. Die Truppen wurden unter lebhaften Kundgebungen der Mvälkerung mit Musik eingeholt.
Bad Aibling, 6. Okt. Der frühere bayerische Kriegs- inrnifter v. Maillin ger ist heute früh gestorben.
Posen, 6. Okt. Polnische Blätter veröffentlichen erneut Linen Aufruf zur Unterstützung der wegen Geheimbündelei verurteilten Gymnasiasten. 30 Geistliche haben den Aufruf unterzeichnet.
Eisenach, 5. Okt. Hier erfolgte die Konstituierung eines Komitees behufs Bildung eines Bundes sämtlicher deutscher Handwerkskammern.
München, 6. Okt. Abgeordnetenkammer. Die Besprechung der Interpellation über den Zolltaris- gesatzientwurf,wurde auch heute noch nicht zu Ende geführt. Friedel (kons.) und .Gerstenberger (Zentr.) treten warm für die Landwirtschaft ein, der nur ein ergiebiger Zollschutz helfen könne. FrhQ v. Haller (Soz.) faßt alle. ^Gründe zusammen, welche die Sozialdemokraten gegen den Zvlltarifeutwurf geltend machen. Schirmer (Zentr.) führt aus, dan die katholischen Arbeiter den Notstand der Landwirtschaft anerkennen und deshalb für Zollschutz ein treten, während es der Sozialdemokratie in der ganzen Frage nur stuf Agitation an komme.
wurzelt und über den Bürgersteig gelegt. Schornsteine und Dächer wurden beschädigt, Fenster zertrümmert. Am schlimmsten pielle der orkanartige Sturm dem Circus Althoff auf Oswalds Garten mit. Der Circus, dessen Vorstellung alsbald beginnen sollte, war glücklicherweist noch unbesetzt. (Siehe besonderen Artikel.) Im Eisenbahnbettieb verursachte der. Sturm mannigfache Betriebsstörungen. Durch den wolkenbruchartigen Regen wurden infolge von Verstopfung der Senkkasten mehrere Straßen überschwemmt. Auch hat der Sturm den Briefkasten am Ludwigsplatz geöffnet, wodurch die Briefe aus demselben auf die Erde fielen und durch die Wassermassen fortgeschwemmt wurden. Es wurde noch eine Anzahl aufgefunden und dem Postamt ab- geliefctt, ob aber nicht auch viele in den Kanal geschwemmt ind, konnte nicht festgestellt werden. — Das Unwetter hat ber nicht nur in unserer Gegend getobt, sondern in ganz Deutschland, ja selbst in Oberitalien. Nähere Berichte liegen z. Z. nur vereinzelt vor. In Frankfurt wurde auf der Kaiserstraße eine Droschke mit vier Personen umgeschleudett; die Fahrgäste kamen jedoch mit dem Schrecken davon. Recht übel hat das Unwetter dem Cafe im Hotel Bristol am Bahnhofsplatz mitgespielt. Dort wurden zwei große Erkerscheiben durch den Winddruck aus dem Rahmen gehoben und die Anwesenden mit Glassplittern übersät; Marmortische flogen um und das gesamte Porzellan am Buffet ging in Trümmer. Glücklicherweise gelang es dem Führer der eben hier gastierenden Burentruppe, unter dem Splitterregen die Rollläden herabzuziehen und dadurch die schweren, bereits vom Wind ergriffenen Lüstres vor dem Herabstürzen zu bewahren. Auch hier waren keine nennenswerten Verletzungen zu verzeichnen. — Nach Hamburger Lootsenberichten herrschte auf der Nor d- ee ein sehr heftiger Sturm. In der Elbemündung ist ehr mit vier Mann besetztes Boot des Lootsenverfetzdampfers „Kapitän Karpfanger" gekentert. Ein Mann ist ertrunken. — Heftige Regengüsse in Oberitalien haben dort ungeheure Ueberschwemmungen verursacht. Der Schaden an Gebäuden und Brücken ist bedeutend. Auch Menschenleben ind zum Opfer gefallen. Die Eisenbahnverbindungen sind dort zum größten Teil unterbrochen.
** Aus dem Theaterbureau. Morgen wird Blumenthal- Kadelburgs dreiaktiger Schwank „Hans Huckebein" auf-
— Blumettthals ;,Fee Caprice" wurde am 5. d. M. $um ersten Mal gleichzeitig auch in Wien und in Frankfurt aufgeführt. Sie fand da rote dort ein harmloses Publikum, das dte arg harmlose Reimerei dankbar hinnahm und mit Beifall nickst kargte. Die Aufführungen des Burgtheaters und des Frankfurter Schauspielhauses war flott und gefälltg.
freund unschädlich zu machen: durch einen zweiten. Der eine wird immer den anderen mit Argusaugen bewachen, feine Vorteile ängstlich erspähen, ihn aus dem Sattel zu heben suchen. So wird.denn Frau Marion in der Weise „unters Schwert gestellt", daß sie dem Schutze zweier Haus- ,freunde anvertraut wird. Ter Weltschmerzdichter erhält einen Nebenbuhler in einem hohlköpfigen Baron, der indes zu solchem Dienste wohl geeignet ist. Die beiden Ritter der netten Marion (um nicht zu sagen: der Marionette) geraten denn auch bald aneinander Und greifen schließlich zu den Waffen. Ter Dichter, der mit einem Politischen Flüchtling- tum prahlte, entpuppt sich als Feigling, der sich in einer Rotweinkiste verschicken ließ, und als Vater von sieben Kindern. Der Bäron erhält einen Streifschuß Doch im rechten Augenblick kehrt der Gatte heim- und seine Fee Caprice sinkt ihm gerührt in die Arme.
Dadurch, daß das Ganze in Verse gepackt ist, wird manches entschuldigt. Verse sind heutzutage auf der Bühne .immer eine „captatio benevolentiae". Doch selbst die höchste Fülle der Reime vermag nicht die inneren Ungereimtheiten zu übertönen. Der Wortschwall täuscht uns nicht mehr Über die vollständige Hohlheit hinweg. Die feiten sind Gottlob vorbei. Blumenthal wollte die moderne Dichtung verspotten; in Schüttelreimen und Knallbonbonversen. Ein lächerlicherer Anblick ward selten gesehen. Er verspottete in Gedankensplittern, die auf der Höhe der „Fliegenden Blätter" stehen, die Typen oder Karrikatuven der „Fliegenden .Blätter". Nun find sie tot, mausetot, die bösen Symbolisten, wird er in feinem kindlichen Herzen denken, und ahnt nicht, wie unsäglich komisch er diesmal war. Leider Unfreiwillig komisch. Er wird sich doch wieder mit dem L^ßen Kadelburg zusammenthun müssen. xy.
römische Polizei nahm gestern den österreichischen Anarchisten Glavinovich fest, der ein Attentat gegen den Vatikan beabsichtigt hatte. Glavinovich soll in Oesterreich wegen Diebstahls und Totschlags vorbestraft fein.
— Wie die „Agencia Stefani" meldet, haben zahlreiche Versuche in verschiedenen Gegenden Italiens die schnelle und sichere Wirksamkeit des vom Minister Baccelli gegen die Maul- und Klauenseuche vorgeschlagenen Verfahrens glänzend bestätigt.
Wien, 5. Okt. Der Pomologenkongreß beschloß, bei der Regierung vorstellig zu werden, daß gegen den von deutscher Seite beabsichtigten Zollsatz von 6 Mk. auf Tafelobst Stellung genommen werde.
Bukarest, 6. Okt. Wie in offiziellen Kreisen verlautet, wird Rumänien, um seinen freundschaftlichen Beziehungen zu Oesterreich auch in handelspolitischer Beziehung Ausdruck zu verleihen, in Zukunft seinen Bedarf an Kriegsmaterial nicht mehr, wie bisher, in Deutschland, sondern in Oesterreich- Ungarn decken.
Sofia, 5. Okt. Es verlautet, die Regierung werde nach dem Abschluß der neuen Anleihe in der Sobranja einen Nachttagskredit von 30 Millionen beantragen, der besonders zur Beschaffung von neuen Gewehren für die Infanterie dienen soll. Der Bezug der Gewehre aus Frankreich soll bei der Anleihe Bedingung sein.
Ncw-dork, 6. Okt. Niemand hat Zuttitt zu Czolgosz im Staatsgefängnis von Aubure erhalten oder solchen verlangt. Czolgosz ist nach wie vor völlig apathisch. Alle sonst wegen Mordes im Gefängnis befindlichen Sträflinge geben ihrer Verachtung gegen Czolgosz Ausdruck. Ein Sträfling hat das Bild MacKinley's so in seiner Zellenthür befestigt, daß Czolgosz es sehen muß, wenn er zur Exekution geführt wird.
Vom Burenkriege.
Heute liegen Nachrichten vor, denen zufolge die Buren einiges Malheur gehabt haben müssen. Bei Jammersbergdrift griffen 300 Buren eine aus Aeomanry und berittener Infanterie bestehende, 200 Manin .starke Abteilung, ait, zogen sich jedoch, nachdem sie mehrere Salven abgegeben hatten, zurück. Die Engländer verfolgten sie und nahmen den Kommandanten Dreyer, den Feldkomet van Vuuren und 10 Burenkämpser, meistens Knaben, gefangen. Dreyer und van Vuuren sagen, daß die noch im Felde stehenden Buren mit Lebensmitteln reichlich versehen sind. — Ferner hatte die englische Südafrikapolizei bei Petrusberg und llitenhagesdam Zusammenstöße mit den Buren; dabei wurden 1’7 Buren, worunter 1 Offizier, gefangen genommen und einer getötet — Endlich ist nach dem „Reuterschen Bureau" der Burenkommandant Pretorias in einem Gefechte in der Nähe von Sterksywom tätlich verwundet worden. Der englische Oberst Vdonvo hatte am 27; September ein erfolgreiches Gefecht in dem Bezirke von Barklyeast mit dem Kommando von Myberg. Der Feind hatte 11 Tote, Verwundete und Gefangene. 4— Wie viele Verluste die Engländer gehabt haben, wird wohlweislich verschwiegen. Darum ist auf alle diese Nachrichten allzu großer Wert nicht zu legen.
Zweiundzwanzig Gefangene, die von Buhß Nachhut in der Nähe von Cornelia durch Truppen von Rimington gefangen genommen worden waren, sind in Standerton eingetroffen.
Wie der Londoner „Star" meldet, soll König Eduard infolge diplomatischer Intervention seitens gewisser kaiserlicher und königlicher Persönlichkeiten seinen Ministern Vorschläge gemacht haben, die geeignet sind, mit den Buren Unterhandlungen wegen Beendigung des Krieges eiu- zuleiten. — Man ist starr, daß englische Blätter gerade der- artige Enten fabrizieren.
Wie aus London telegraphiert wird, hat der Gouverneur der Kapkolonie als Vorsitzender des Fonds zur Unterstützung >er Flücht igen ein neues Bittgesuch für die vollständig mittellosen Flüchtigen veröffentlicht. Die 216 000 Pfd. Sterling, die durch die Bürgermeister in England und Schottland gesammelt worden feien, und die 30000 Pfd., die die Nomdmagnaten hergegeben hätten, seien vollständig aufgebraucht; neue Gaben seien durchaus notwendig. Ter Ausruf betont, daß, wenn nicht weiter-Gaben einliefen, Armut, Elend und Verbrechen in Südafrika furchtbar um sich greifen würden.
Das englisch^ Transportschiff „Aurania" ist in Bombay mit 1000 gefangenen Buren eingetroffen, die nach Umballa besttmmt sind. Da auf der Uebersahrt 70 Erkrankungen an Masern vorgekommen sind, wurde die Landung der Gefangenen noch verschoben.
Am 5. Oktober ist in Lissabon in Anwesenheit des Königs das portugiesische Transportschiff „Zaire" mit einer aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie zusammengesetzten Expedition, insgesamt 848 Mann, nad), Lourenzo Marquez abgegangen. Die Expedition ist bestimmt, die früheren Expeditionen teils zu ersetzen und teils zu verstärken. Die Kavallerie soll in den Grenzen von Trans- vaal stationiert werden.


