festgebenden Vereins im hiesigen geselligen Bürgertum. Präsident Reitz begrüßte durch eine Ansprache die Gäste und dankte für das zahlreiche Erscheinen. Das Programm wurde zur größten Zufriedenhest der Festteilnehmer ausgeführt und, unter Leitung des Dirigenten Rennstiehl, zeugte jedes Lied von guter Schulung. Dem Präsidenten Reitz wurde von Seiten des Vereins durch das Mitglied Krell aus Anlaß 25jährigcr Mitgliedschaft eine Gedenktafel unter angemessener Ansprache überreicht. Hieran schloß sich ein Ball, der die Teilnehmer bis zur frühen Stunde in bester Stimmung beisammenhielt. Den Schluß der Feier bildete am Sonntagnachmittag ein Ausflug auf die Liebigs- höhe, der unter großer Beteiligung stattsand. Daß dem alten wackeren Gesangverein ein ferneres blühendes Fortbestehen gewährleistet ist und daß sein weiteres Streben zur Pflege des Kunstgesanges erfolgreich sein wird, steht außer Frage.
-t Climbach, 5. Okt. Heute fand hier in ruhiger Weise die B ü r g e r m e i st e r w a h l statt, bei der der seitherige Bürgermeister Peter Stein, der schon 18 Jahre dieses Amt bekleidet, einstimmig wiedergewählt wurde. Es ist dies ein Zeichen, daß die Gemeinde volles Vertrauen zu dem Wiedergewählten hat. Man zweifelt hier nicht, daß der Gewählte wie seither auch fernerhin zum Blühen und Gedeihen unserer Gemeinde weiterarbeiten wird.
pa. Albach, 6. Okt. Dieser Tage ist unser seitheriger Bürgermeister Balser einstimmig mit 54 Stimmen wiedergewählt worden, und zwar zum dritten Male, ein Beweis, daß er das volle Vertrauen seiner Wähler besitzt.
-k- Flensungen, 4. Oktober. Heute abend brannte ein Zimmer im 2. Stockwerke der C. Schumann'schen Wohnung zu Mücke. Das Feuer soll infolge eines Kaminbrandes zum Ausbruch gekommen sein. Zwei Betten, verschiedene Kleider und Schuhe, darunter auch die des Dienstmädchens, sind dem Feuer zum Opfer gefallen. Dem raschen Eingreifen der Herren C. Schumann und Bahnmeister Haberkorn ist es zu danken, daß das Feuer nicht weiter um sich griff.
X Stockheim, 6. Okt. Auf dem Bahnkörper der Ober- hess. Eisenbahn fand man bei der Station Büches heute morgen eine Leiche mit halb abgefahrenem Schädel. Wie ermittelt wurde, war der Ueberfahrene der dem Trunk ergebene Bauer Schnierle aus Aulendiebach. Von Büdingen ging er betrunken nach seinem Heimatsorte, kam auf den Bahnkörper und fand unter den Rädern seinen Tod. — Auf hiesiger Station wird zur Zeit, wie in Nidda und Hungen, eine Zentralweichenstation, welche etwa 10 Weichen bedient, errichtet.
§ Aus dem Mooser Grunde, 6. Okt. Die Wittwe Klug, geb. Hofmann, ist samt ihrem Schwiegervater Heinrich Klug aus Metzlos-Gehag verhaftet und in das Bezirksgefängnis stn Herbstein eingeliefert worden. Die Klug soll gestanden ^haben, ein todtgeborenes Kind sechs Tage lang in ihrem Bette verborgen und mit der Leiche geschlafen haben. Dann will sie es in ihren: Grasgarten begraben haben. Der Schwiegervater ist mit verdächtig.
□ Büdingen, 6. Okt. Gestern abend drang ein auf hiesiger Glasfabrik beschäftigter Arbeiter in das Haus eines Mäd- chens ein, mit welchem er ein Verhältnis hatte. Das Mäd- ,-chen hatte dem Burschen das Verhältnis gekündigt. Darüber -erbost, richtete der Liebhaber den Revolver auf das Mädchen. Der Schuß zerschmetterte die Kinnlade und mehrere Zähne. Der Attentäter ergriff die Flucht und ist bis jetzt noch nicht eingefangen.
Mainz, 5. Okt. Die heutige Jahresversammlung der Anwaltskammer für das Großherzogtum Hessen hat die Frage, ob nicht dem Vorsitzenden der Strafkammer ,gegenüber beleidigenden Ausfällen des Staats- !anw alts gegen den Verteidiger die Pflicht obliege, dem Staatsanwalt Einhalt zu gebieten und ihm eventuell -das Wort zu entziehen, einstimmig bejaht. Ferner .nahm die Anwaltskammer entschieden Stellung gegen die aus Anwaltskreisen hervorgegangene Anregung, eine Aender- ung des § 4 der Rechtsanwaltsordnung in dem Sinne her- !beizuführen, daß jeder zur Rechtsanwaltschaft Befähigte bei den Gerichten jedes Bundesstaates auf seinen Antrag zugelassen werden njufr Mit anderen Worten sprach sich die .Anwältekammer gegen die zügellose Freizügigkeit der Anwälte aus. Weiter sprach sich die Anwältekammer gegen die fortgesetzte ununterbrochene Zulassung der Ge- richtsassesforen als Vertreter der Anwälte aus.
Gerichtssaal.
Gießen, 5. Okt. Gewerbegericht. Unter dem Vorsitz des Beigeordneten Wolff tommen heute drei Klagesachen zur Verhandlung. Als Beisitzer fungieren Friseur Gustav Gerhardt und Schreiner Heinrich Männche. Der Schreiner Karl Wambold verlangt von dem Möbelhändler Abraham Grünebaum 6 Mk. rückständigen Lohn. Der Beklagte macht geltend, daß ihm der Kläger einen Spiegel im Werte von 18 Mk. zerbrochen habe, und daß er Schadenersatz verlange. Es kam Vergleich zustande. Der , Beklagte zahlt dem Kläger die verlangten 6 Mk. aus und der Beklagte verpflichtet sich, den von ihm zerbrochenen Spiegel wieder Herstellen zu lassen. — Der Unternehmer Wilhelm Süchan I. von Krofdorf und der Erdarbeiter Jakob Steinmüller aus Rodheim waren zum Termin nicht erschienen. In der Sache des Taglöhners Johannes Hansel gegen die Gebrüder Kahl wegen Entschädigung, über welche bereits zweimal berichtet wurde, sind die vom Kläger nachträglich benannten zwei Zeugen noch vernommen woüren. Sie wissen zur Sache nichts anszusagen, und da der früher vernommene Schachtmeister Jos. Graf seine Angabe, daß er Den Kläger nur für 1 bis 2 Tage zur Arbeit angenommen habe, ^zeugeneiolich erhärtet hat, erfolgte kostenfällige Klageabweisung.
Mainz, 5. Okt. Der Mord Prozeß gegen den Bierbrauer Albert von Fürth, der seinen Mitarbeiter König ermordet hat, wurde heute beendet. Der Oberarzt der Gießener Universitätsklinik, Dr. Dammacher, kam am Schlüsse seines Gutachtens zu dem Resultat, daß der Angeklagte epileptisch veranlagt sei, aber bei Begehung der That sei seine freie Willensbestimmung nicht ausgeschlossen gewesen. Der Angeklagte sei ein äußerst aufgeregter Mensch, der wohl nicht, als er sich in den Keller begab, den Vorsatz gehabt habe, den König zu töten, sondern demselben einen ordentlichen Denkzettel zu geben. Die That könne er nur als einen Totschlag und nicht als Mord betrachten. Der Obergutachter, Universitätsprofessor Dr. Nießler-Heidelberg stimmte seinem Kollegen nicht bei. Es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß der Angeklagte kein normaler Mensch sei. Er (Dr. N.) komme zu der bestimmten Diagnose, daß der Angeklagte ein Epiliptiker sei. Die weitere Frage sei die, ob der Angeklagte die That in einem solchen" Zustande verübt habe und ob er in einem Dämmerungszustand gewesen sei? Das letztere könne er Nicht mit Bestimmtheit Lagen, pst hex AngerkagtL Ept.nne.v-,
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
Neueste Meldungen.
Fürchterlicher Sturm wütet auch heute noch uamentlich in Norddeutschland, sodaß die Telephon- und Telegraphenleitungen znm größten Teile gestört sind. Es liegen uns daher heute nur folgende Drahtmeldungen vor:
Mannheim, 7. Oktbr. Infolge des gestrigen starken Sturmes ist hier der große, fünf Stock hohe Silospeicher der Firma Werner u. Nicolai am Znduftriehafeu cingestürzt. Personen find bei dem Unglück nicht zu Schaden gekommen.
Koblenz, 7. Okt. Zufolge anhaltenden Regens führen Mosel, Saar und Ahr Hochwaffer.
Magdeburg, 7. Okt. Heftiger Sturm und Regen hm in ganz Sachsen in den Wäldern großen Schaden augerichtet.
Königsberg i. Pr., 7. Okt. Bei einem Barometerstaul von 171,57 herrscht Südweststurm.
Brüssel, 7. Okt. Heftiger Sturm, verbunden mit Gewitter, Regengüffen und Hagel wütete gestern in ganz Belgien. Namentlich in Lüttich ist der durch das Unwetter angerichtete Materialschaden bedeutend; auf dem Marktplatz find eine Anzahl Meßbuden zerstört, viele Bäume find entwurzelt, Lateruenpsähle umgeriffcn.
Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 7. Okt. Der katholische Geistlich^ Friedrich wurde wegen Zechprellerei uno Land streichens' zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.
London, 7. Okt. Der „Standard" meldet aus Shanghai vom 6. d.: Einem Telegramm aus Singanfu zufolge brach der Hof nach Ztengfu auf. — Am vergangenen Mittwoch soll, dem Vernehmen nach, der jüngste Sohu des Staatssekretärs Reitz und Kmett, ein Neffe des Generals gleichen Namens, mit Gewehren und Pferden gefangen genommen sein.
London, 7. Okt. Fünf englische Generale versuchen mit 20000 Mann im Norden Natals Botha zu umzingeln.
Paris, 7. Okt. Dem „Rappel" zufolge versicherns Wiener Diplomaten, daß die Zarenreise nach Frank-, reich die Revision des Berliner Vertrages bezüglich Bulgariens upd Bosniens zeitigen werde.
Paris, 7. Okt. Angesichts des den 1, November erwarteten Grubenarbeiter-Ausstandes wird massenhaft belgische und englische Koh le importiert, und die Massenzufuhr amerikanischer Kohle vorbereitet.
Stuttgart- 7. Oft Der badische Finanzminister Buchenberger ist zur Besprechung mit dem Finanzmrnister v. Zeyer hier eingetroffen.
Aberdeen, 6. Okt. Trotz des stürmischen Wetters nahm das Königspaar am Gottesdienste in der Kirch< teil. Der König sah sehr wohl aus.
Lissabon, 7. Okt. Gestern fanden -int ganzen Lande tie Wahlen zur Deputiertenkammer statt. Eine große Mehrheit für das Kabinett erscheint gesichert. Die Kortes werden am 2. Januar zusammentreten. .
Rom, 6. Okt. Der gestern verhaftete Anarchist Glatze nowit sch wird wegen Tragens verbotener Waffen ab-, geurteilt und dann ausgewiesen.
Herkulesbad, 6. Okt. Die Mitglieder des internationalen statistischen Kongresses trafep hier gestern abend ein. Zu Ehren der Gäste wurde heute ein Bankett veranstaltet, bei welchem ein Begrüßungstelegramm des Handelsministers Hegedues verlesen wurhe.
Belgrad, 6. Okt. Das KünigSpaar ist nach Nisch abgereist. — Der Finanzminister setzte eine Kommission em, um Vorbereitungen für die nächsten Handelsvertrags- Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn zu treffen.
Krvvnstad-E. Okt. (Reuter.) Eine Trupp en abiettung unter Major Holmes ncchm tun 1. Mts- das nördlich von Zandriver gelegene Läger te Dommandanten Marals Die Buren verloren zwei Dote, zwei Verwundet^ LU fangens, U Wagen, IQ Larrey M SM
Landwirtschaft.
— Die deutsche Tabakerute des Jahres 1900 war die ver- hältnißmäßig beste, die seit Bestehen des Reiches vorgekommen ist. Lrotzdem der Flächeninhalt der mit Tabak bepflanzten Grundstücke nur von 14 615 auf 14 779 Hektar, also nur um 1,1 v. H. gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist, hat sich die Menge des geernteten Tabaks int dachreifen trockenen Zustano von 300 746 D.-Ztr. au 348 204, also um 47 458 D.-Ztr. oder 15,7 v. H. erhöht. Auf den Hektar kommt ein Durchschnittsertrag von 23,6 D.-Ztr. gegen 20,6 im Jahre 1899 und 18,05 im Jahre 1898. Die bisher besten Jahre waren 1895 mit einem Hektar-Ertrag von 23,0 und 1881 mit einem solchen von 22,5 D.-Ztr. Da mit der Menge auch der Preis des Tabaks gestiegen ist, nämlich von 81,8 auf 89,1 Mk. für den D.-Ztr., so hat der Gesamtwert der Tabakernte von 1900 gegenüber dem der Ernte von 1899 eine sehr wesentliche Erhöhung erfahren. Er betrug 31,03 Millionen Mark gegen 24,60 im Jahre 1899, hat sich also um 6,43 Millionen Mark oder 22 v. H. erhöht.
ungen an die That habe. Aber das könne er mit aller Bestimmtheit erklären, daß, nachdem die That im Keller der Brauerei eingeleitet, bei dem Angeklagten die freie Willensäußerung ausgeschlossen gewesen sei, die der Gesetzgeber zur Verurteilung verlange. Nachdem der Staatsanwalt die Anklage auf Mord fallen gelassen, erkannten die Geschworenen auf Totschlag ohne mildernde Umstände. Das Gericht verurteilte Albert zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust.
fc. Marburg, 6. Okt. Ter Nachtwächter Gronau aus Roda, der des Nachts immer früh nach Hause gegangen war, „um die Leute mit seinem Herumgehen auf der otraye nicht zu stören', wurde wegen Kuppelei zu 1 Monat Gefängnis verurteilt.
Berlin, 6. Okt. Tas Landgericht II verurteilte die Arbeiter Bode und Sodemanii zu 4 bezw. 3 Jahre Zuchthaus, weil sie den Arbester Krause im Streit von dem Balkon einer Bierwirfichaft vorsätzlich herunterwarfen, so daß er tot liegen blieb.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 7. Okwber. (Telegr. Oria.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche süotierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen 415 Ochsen, darunter 131 aus Oesterreich, 50 Bullen, darunter 7 aus Oesterreich, 751 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 255 Kälber, 556 Schafe und Hämmel, 1069 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70—71 Mk'. 2. Qual. 65—67 Mk., 3. Qual. 60—63 Mk.; Bullen I.Qual. 54 bis 56 Mk., 2. Qual. 50—53 Mk.; Kühe 1. Qual. 62—64 Mk., 2. Qual. 58—60 Mk., 3. Qual. 42—45 Mk, 4. Qual. 32—34 Mk., 5. Qual. 30—32 Mk. Kälber:!. Qualität78—80Pfg.,Lebendgewicht,46—48Pf., 2. Qual. 69—72 Psg., Leberrdgewicht 41—43 Psg., 3. Qual. Lebendgewicht 56—60 Psg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 58—60 Pfg., 2. Qual. 48—50 Pfg., 3. Qual. 44—46 Psg.; Schweine 1. Qual. 68 Pfg., Lebendgewicht 54 Pfg., 2. Qual. 67 Pfg., Lebendgewicht 53 Pfg., 3. Qual. 58 bis 60 Pfg., Lebendgewchit 00—00 Pfg. Geschäft bei Horiivieh und Kleinvieh gut. Markt gut, alles verkauft.
fc. Frankfurt a. M., 7. Oktbr. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreife. Weizen Mk. 16.25—00.00, Kurhessischer Mk. 16.50—00.00, La Plata Mk. 16.75—17.00, Kansas Mk. 00.00—00.00, Roggen (hiesiger) Mk. 13.50—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 16.00—00.00, Kleie Mk. 00.00—00.00, Hafer Mk. 14.00—0Ö.00, Mais Mk. 12.50 bis Mk. 00.00, Weizenmehl 0 Mk. 25.00—00.00, 2. Qualität Mk. 22.50 bis Mk. 23.50, 3. Qualität Mk. 20.50—00.00; Roggenmehl 0 Mk. 21.75—22,50,1. Qualität Mk. 20.50—21.00, Weizenkleie M. 9.00 bis Mk. 00.00, Roggenkleie NU. 9.75—10.00, Maiskeime Mk. 9.50 bis Mk. 10.00, Frankenpfälzer Rieb Mk. 16.50—17.25. Alles per 100 Kg. ab hier.
Fabrik feuerfester und säurefester Produkte A.--G. in Vallendar. Nachdem die Generalversammlung wieder vollständig ergebnislos verlaufen ist, wird es immer deutlicher, daß der ehemalige Generaldirektor Boeing seinen Aktienbesitz dazu benutzt, um die Angelegenheit zu verschleppen und jede Reorganisation zu verhindern. Bei dieser Sachlage wird feine andere Möglichkeit übrig bleiben, als den Konkurs der Gesellschaft herbeizuführen. Durch die Verschleppungspolitik des ftüheren Generaldirektors, der über mehr als ein Viertel des stimmberechtigten Kapitals verfügt, hat sich die Substanz des Unternehmens in den letzten fünf bis sechs Monaten bereits um mindestens 300 000 bis 400 000 Mk. verschlechtert und eine wettere derartige Verschleuderung des Vermögens der Gesellschaft muß auf alle Fälle verhindert toerben. Die Berliner Handels- Gesellschaft hat alle Bemühungen, ein Arrangement und eine Sanierung pes. UnternehmeuI zu rwA föäftett
Arbeiterbewegung.
Nordhauscn, 5. Okt. In dem seit 22 Wochen dauernden großen Generalstreik der Arbeiter der T a b a k i n d u st r i e beschloß der Verein Nordhäuser Tabakfabrikanten, sämtliche neuen Verhandlungen abzulehnen. Ter Streik dauert somit unverändert fort.
Paris, 6. Okt. Angesichts des für den 1. November erwarteten allgemeinen G ru b e n a r b e i t e r- A us st a n d e s werden große Mengen belgischer und englischer Kohle importiert. Auch in Amerika werden 'umfassende Vorkehrungen behufs Exportierung großer Mengen Kohlen nach Frankreich getroffen. Es werden zu diesem Zwecke große Frachtdampfer gebaut, wodurch man die Transportkosten zu verringen hofft.
Marseille, 5. Okt. Das Schwurgercht verurteilte mehrere Hafenarbeiter, die bei dem letzten Ausstand ihnen anvertraute Streikgelder unterschlagen hatten, zu je 3 Wochen Ge- ängnis.
Lüttich, 5. Okt. Von den 22 883 Bergleuten, die in den 48 Kohlengruben des Lütticher Beckens beschäftigt sind, waren heut« 15 064 ausständig. Vielfach kamen Beeinträchtigungen der Arbeits« freiheit vor.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Alt en-Buseck, 5. Oktober.
Es ist gewiß schon Vielen ausgefallen, daß es in den Gemarkungen Alten- und Großen-Buseck jeden Tag ohne Ausnahme lustig knallt. Eine Anzahl Wimroöe durchquert unaufhörlich das Feld, und knallt alles Wild nieder, das sich daraus befindet. Kommt heute etivas glücklich durch, dann wird den nächsten Tag umsomehr aufgeboten, es zu erlangen. Hat doch der Pächter selbst erklärt, die Gemarkung würde so rein geputzt wie der Tisch. Auf eine Fasanensamilie von 8 Stück wurde so lange gejagt, bis der letzte dieser herrlichen Vögel gefallen war. Selbst Singvögel werden von diesen Herren n i cfj t geschont. Einsender dieses war Augcn- zeug, wie einer der Jäger, dessen Namen er leider nicht anzugeben vermag, eine Amsel schoß. Tas ist gewiß kein erfreuliches Bild I Und nirgends trifft man mehr hier emen Hasen, cm Huhn oder sonst ein Stück Wild. Mögen diese Keilen dazu beitragen, etwas Schonung dem Wilde angedeihen zu lassen.
_______ Ein Abonnent.
Vermischtes.
* Moskau, 5. Okt. Gestern entgleiste bei Tscheljabinsk ein Güterzug unb stürzte den Bahndamm hinab, wobei 14 Wagen zertrümmert wurden. Eine Person wurde getötet, drei Eisenbahnangestellte wurden verletzt.
* Ein grausames Duell macht in Madrid viel von sich reden. Der Oberst Caton und der Major Velazquez hatten einander beleidigt und ein Duell auf 14 fachen Kugelwechsel verabredet. Die Zeugen hatten sich mit diesen schweren Bedingungen einverstanden erklärt, und so kam beim bas Duell iim den stillen Gärten be los Campos Elyseos zustanbe. Keine einzige der Kugeln schlug fehl, bald bluteten die Kämpfenden aus Wunden im Unterleibe, an ben Armen und Schultern; einige derselben waren so schwer, daß die Kämpfenden in Ohnmacht fielen und erst durch Uebergüsse mit kaltem Wasser und einige Schluck Branntwein belebt sich wieder erheben konnten. Dennoch wurde das Duell nicht unterbrochen und kam erst zu Ende, als der Major durch eine Kugel, die ihm ins Ohr drang, tötlich getroffen zusammenbrach — Seit dem Duell zwischen dem Herzog von Montpensier und dem Jnfanten Heinrich von Bourbon, welches Letzterem das Leben kostete, hat kein Zweikampf mehr untep ähnlichen Bedingungen auf spanischem Boden ftattgefunben. Die Zeitungen erklären, daß ein solches Duell einer tierischen Unthat gleichkomme und rücksichtslos als Mord bestraft werden sollte.
unterstützt, und auch die früheren Aufftchtsratsmitgliedev haben den Aktionären durchaus fioulante Präpositionen gemacht. Alle diese Bemühungen scheitern aber an dem hart* nädigen Widerstande des ehemaligen Generaldirektors, ben unzweifelhaft die Hauptschuld an dem Verfall des Unter- nehmens trifft. Er wird nun schließlich auch den Konkurs, der Gesellschaft zu verantworten haben.
WcnkMMung^
" Die Main-Rccknr-Bahn wird voraussichtlich demnächst in die preußisch - hessische Eis 4 nbahn - Gemeins ch a,t übernommen werden. Eine Konferenz von badischen, hessischen und preußischen delegierten in Baden-Baden hat den Beschluß gefaßt, daß der Eintritt zum 1. April n. I. erfolgt, vorbehaltlich der Zu- timmung der Landtage. Taß sich die Landtage der drei Lander )afür enischließen werden, ist kaum zu beziveiseln.
Oktober
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