Ausgabe 
8.10.1901 Viertes Blatt
 
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Nr. 23V Zweites Blatt.

151. Jahrgang.

Dienstag 8. Oktober 1901

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Die Giehener Zamilien- blatter werden dem An­zeiger im Wechsel mit demHess. Landwirt" und denBlättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei­gelegt.

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Bekanntmachung.

Betr.: Rotlaufseuche.

In Goßfelden, Kreis Marburg, ist in einem Gehöfte die Rotlaufseuche ausgebrochen und Gehöstsperre angeordnet worden.

Gießen, den 4. Oktober 1901.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_______________I. V.: Dr. Wagner.

Mitische Tagesschau.

Der Kaiser und die Kaiserstadt.

Wie es kam, daß der frühere Berliner Oberbürger-^ meister Zelle beim Kaiser in Ungnade siel, darüber erzählt dieVosfische Zeitung" folgendes:

Der Oberbürgermeister war bei dem Kaiser zur Audienz. Leutselig und ungezwungen plauderte der Herrscher mit Zelle über dies und das. Ta wendet er sich an seinen auf dem Sopha sitzenden Gast:Bitte, sehen Sie mal zum Fenster hinaus, sehen Sie drüben die häßlichen Baracken, die müssen weg. Tie Häuser dort bis zur Neumannsgqsse sind der gegebene Platz für das zweite Berliner Rathaus." Ter Oberbürgermeister sieht die Häuser, er kennt sie längst, er kennt auch ihren Kaus- vreis, und zu den Häusern zwischen der Breiten- und der Brüderstraße kommen die übrigen teuren Grundstücke bis zur Neumannsgasse, und er hat den Mut, dem Kaiser zu erwidern:Majestät, ich fürchte, die Stadt Berlin ist nicht reich genug, einen solchen Plan durch, zuführen." Tas war ein kritischer Tag, und seitdem hat die Sonne der kaiserlichen Gunst dem Oberbürgermeister Zelle nicht mehr geleuchtet.

Wie bekannt, soll statt des Wrangelbrunnens auf dem Kemperplatz am Ende der Siegesalle auf kaiser­lichen Wunsch ein Nolandsbrunnen errichtet werden, und die städtische Kunstdeputation hat sich neulich dem kaiserlichen Verlangen ihrerseits angeschlossen. Dieser Ro- landsbrunnen soll, wie derVorwärts" erzählt, ferne Ge­schichte haben:

Der Kaiser hatte. ohne sich vorher mit der Stadt ins Einvernehmen gesetzt zu haben bei dem Bildhauer Lessing einen Rolandsbrunnen bestellt, der an die Stelle des im städtischen Besitz befindlichen Wrangelbrunnens kommen sollte. Als der Auftraggeber das Modell bekam, fand er den Entwurf für den Platz, auf dem er aus- aeführt werden sollte, zu umfangreich. Infolgedessen ge­langte voni Hofmarschallamt ein Schreiben an die Stadt, in bem die Bereitwilligkeit des Kaisers ausgesprochen war, der Stadt dies Modell zu schenken. Herr Lessing sollte dann mit der Ausführung des Brunnens von der Kommune betraut werden, und es wurde angeregt, das Werk vor dem Rathaus aufzustellen. Seitens der Stadt beschäftigte man sich zwei Mal mit der Offerte, beide Male wurde das Anerbieten dankend abgelehnt. Ter Kaiser hat sich dann später mit dem Lessingschen Entwurf anscheinend doch befreundet wenigstens soll er nun im Auftrage Wilhelms II. auf dem Kemperplatz aus­geführt werden.

Tie Märchenbrunnen -Angelegenheit ist auf die Tagesordnung der nächsten Stadtvevordneten-Bersammlung

gesetzt, dürfte aber voraussichtlich äbgefetzt werden, da die Angelegenheit in der letzten Magistratsützung nicht erledigt werden konnte.

Vom südamerikanischen Kriegslarm.

Zu den in letzter Zeit von amerikanischen Blättern ge­brachten Meldungen über den Ausbruch von Feindselig-! ketten zwischen Venezuela und Columbien erhält der Hamb. Korrespondent" vom Hamburger venezolanischen Generalkonsulat folgende Mitteilung: Es sei noch kein Schuß im Lande gefallen; der Friede sei nicht gestört worden,- sondern durchaus gesichert. Seitens der Re­gierung würden alle Garantien geleistet. Der Präsident Catro vermute, daß alle jene Gerüchte über eine Revo­lution in Venezuela und einen Krieg mit Columbien von amerikanischer Seite verbreitet würden, um die europäischen Interessen, die den amerikanischen Bestrebungen in Süd­amerika im Wege stehen, bei Seite schieben zu können. Auch von den auf den Antillen, besonders in Curaeao, befind­lichen flüchtigen venezolanischen Revolutionären, welche aus diesen tendenziösen Nachrichten Vorteil zu schöpfen hoffen, würden die Bestrebungen unterstützt. Aus Caracas liegt ein Telegramm derAgence Havas" vor, das Aehnliches meldet. Es lautet: Neuerdings von der Grenze aus San Cristobal eingegangene Nachrichten, bestätigen, daß bisher noch fein Kampf zwischen Columbiern und Venezolanern stattgefunden hat. Tie Venezolaner warten vielmehr noch auf pie Antwort, die Columbien aus die venezolanische Note erteilen wird, bevor sie vorgehen. Eine Depesche aus Willemstad (Curaeao) meldet folgendes: Präsident Castro befahl am vorigen Montag die sofortige Verhaftung aller Anhänger der Nationalistenpartei in Venezuela. Infolge dieses Befehls ist es bereits an mehreren Orten zu Auf­ständen der Nationalisten gekommen, und es dürften noch mehr solche an anderen Orten Vorkommen. Am 26. Sep­tember hat der Präsident Castro seinem Bruder und dem General Uribe-Uribe, welche den Oberbefehl über die an der Grenze beim Tachira-Flusse stehenden venezolanischen Truppen führen. Befehl erteilt- die Columbier und Rangel Garoiras anzugreifen; später wurde jedoch befohlen, den allgemeinen Angriff um 4 Tage hinauszuschieben. Derartige Befehle, die ebenso schnell widerrufen werden, sind in letzter Zeit häufig nach der Grenze ergangen.

Deutsches Keich.

Berlin, 6. Okt. Der Kaiser hat der Gattin des verstorbenen Kammersängers Gätze aus Rominten folgendes Beileidstelegramm gesandt:Ich spreche Ihnen bei dem unerwarteten Ableben Ihres Gatten meine aufrichtige Teilnahme aus. Tie deutsche Sangeskunst verliert in dem Tabingeschiedenen einen ihrer ersten Meister. Auch ich verdanke ihm manche Stunde edlen Genusses und hatte gehofft, noch oft und lange seiner Kunst mich erfreuen zu können."

In Potsdam ist nach schwerem Leiden die Witwe des ehemaligen preuß. Kultusministers Heinrich v. Mühler, Frau Ad e l h eid v. Mühler, geb. v. Goßler, a e sto rb en- Frau Minister v. Mühler hat ein Alter von fast 81 Jahren erreicht und ihren Gatten, der einst ein flotter Studio war und als solcher das hübsche LiedGrad aus dem Wirts­haus da komm ich heraus" gedichtet hat, um 27 einhalb

Jahre überlebt. Man wußte allgemein, daß der Einfluß der Gattin, die in kirchlichen und in künstlerischen Dingen dem Geiste der Zeit ausgesprochen feindlich war, sich in den Auffassungen und dem' Verhalten des Staatsmannes sehr stark bemerkbar gemacht hat. D. Red.).

Tas Mitglied des preuß. Herrenhauses Graf S kor- z e w s k i - Radomice ist heute früh zu Sckjwarzenau (Bez. Bromberg) gestorben.

Rechtsanwalt Horn,, der Verteidiger Martens, im Gumbinner Krosigk-Prozeß, hat zugestanden, daß erleider unvorsichtig gewesen^ ist und eine Photographie einem Ver­wandlungskünstler gesandt hat. (Val, Nr. 234, 2. Bl.)

lieber die Vorgänge an Boro des kleinen Kreuzers. Gazelle" und den Stand der Untersuchung, welche durch das Kommando des ersten Geschwaders in Kiel geführt wirb, berichtet dieNordd. Allg. Ztg." amtlich folgendes: Tie Untersuchung ist eingeleitet wegen Abhandenkommens von Geschützteilen und zwar zwei Maschinen-Kanonen-Schul- ter-Stücke, zwei Schlagbolzen, eine Kurbel und ein Abzug­stück für Schnelllade-Kanouen sowie wegen Anbringens eines Tuohzettels. Vermutlich ist die That von jemandem be­gangen, welcher den Verschluß der Schinelllade-Kanänen genau gekannt hat. In der Untersuchungshaft befindet sich, allein der Obermatrose Weiß. Tiefer war einige Tage vorher an einem der in Betracht kommenden Geschütze als Nr. 1 wegen schlechten Zielens abgelöst und es war ihm die Geschützführer-Zulage genommen. Tie Entheb­ung des Korvetten-Kcchitän N e i tz k e von der Stellung des Kommandanten des kleinen Kreuzers Medusa bezw. Ama­zone ist lediglichäu f s ein e eig en e Bitte erfolgt. Er ist thatsächlich erkrankt, und es ist ihm aus diesem Grunde auch ein sechswöchentlicher Urlaub bewilligt.

Tas preuß. Staatsministerium trat gestern zu einer Sitzung zusammen,

Wie dasB. T." von gut unterrichteter Seite erfährt, wird der Bundesrat sich bemühen- das neue Zoll- tar ifgesetz und den Entwurf eines neuen Zolltarifs so zeitig durchzuberaten/ daß die beiden Vorlagen dem Reichs­tage schon bei seinem Wiederzusammentritt am 26. No­vember würden zugehen können. Unter diesen Umständen wäre es nicht unmöglich, daß die Entwürfe früher an das Haus kämen, als der Etat, falls dessen Einbringung sich um einige Tage verzögern sollte. Man bemüht sich aller­dings, wie es heißt, im ReichDschatzamt auf das eifrigste, die Fertigstellung des Etats beschleunigen.

Der Polizeipräsident von Hannover verlangt von einem dortigen Krieger-Verein den Ausschluß eines Mit­gliedes wegen dessen nach außen kundgegebener wölfischen Gesinnung.

Der langjährige frühere Zentrumsabgeordnete, Land­gerichtsrat a. D. Grütering ist in Cleve im Alter von 67 Jahren gestorben.

Auf der Frankfurter Chaussee in Berlin würde ein Leichenzug., welcher auf dem Wege nach dem städtischen Zentralfriedhof in Friedrichsfelde begriffen' war, von dem Friedrichsberger Gendarmen an gehalten, weil mehrere Leidtragende Kränze mit roten Schleifen trugen. Der Aufforderung des Gendarmen, diese Schleifen zu entfernen, entsprachen die Begleiter des Leichenzuges nicht, nahmen vielmehr gegen ihn eine drohendeHalt-' ung ein. Nach lebhaftem Wortwechsel kam es zu Thät- lichkeiten. Der Beamte machte von seinem Seiten-

Fenilleton.

Zwei Macher.

(Originalbericht desGieß. Anz.")

Berlin, 6. Okt.

Seine Majestät der Zufall, wie Friedrich der Große zu scherzen liebte, hat in dieser Woche zwei alte Bühnen- praitiker mit neuen Theaterstücken zu Worte kommen lassen: Herrn Paul Lindau mit dem vieraktigen Schauspiel Nacht und Mlorgen" und Herrn Oskar Blumen- t y a l mit dem dreiaktigen LustspielD ieFeeCapric e". Selbe Werke, ums rund herauszusagen, sind der Ver- gangenheit ihrer Verfasser würdig. Beide Werke stehen auf einer Hohe, zu der Parkett und Gallerte gleich mühelos hmansteigen. Beide Werke sind von gewiegten Köchen an- geruhrt worden. Tas eine erregt die Neugierde der Zu- andere wirkt besänftigend aus sie wie ein Schlafpulver, ^as eine sucht durch stoffliche, das andere durch formelle Reizmittel zu fesseln. Das eine wendet sich an kindliche Erwachsene, das andere an erwachsene Kinder, ^as eine geißelt ein wenig gesellschaftliche Einrichtungen, das andere Vertreter gesellschaftlicher Moden. Beide Werke, ums noch einmal zu sagen, sind der Vergangenheit ihrer Versaffer würdig. ö

Paul Lindau, der tiefere, schwerblütigere von beiden, ist wieder zum Kriminalroman in Dialogform zurückgekehrt. Die Franzosen haben in dieser Gattung, wie allgemein be­kannt, einige brauchbare Theaterstücke geliefert Paul Lindau hat nicht nur etliche davon übersetzt, sondern sie mit heißer Müh' studiert. Der Gerichtssaal auf der Bühne ist noch immer ein dankbarer Gegenstand. Man weiß nur zu gut, mit welcher Teilnahme Prozeßberichte von der Menge gelesen werden. Und das Leben ist immer noch überraschungsvoller, zufallreicher, eigenwilliger, sprung­hafter, rätselschwangerer als die schönste von Lindau dra­matisierte Kriminalgeschichte. Wenn ber Leser das einsieht und er muß bei einigem Nachdenken zu dieser abgrund­tiefen Überzeugung gelangen- wird er Bedenken gegen etwaige Unwahrscheinlichkeiten gar nicht aufkommen lassen. TaS Leben verhält sich zu Lindau, wie das Wetter zu Falb. Tie Nacherzählung seiner Begebenheit bereitet aller­dings nicht unerhebliche Schwierigkeiten; der ProzMericht-

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erstatter wäre zweifellos eher der Mann dazu als der Theaterkritiker.

Also: der Legationsrat v. Eckhorst hat eine sehr kluge und weise Frau; darum kann sie aber noch, nicht mit Lorüings Bürgermeister hinzusetzen:und mich betrügt man nicht". Im Gegenteil, sie wird betrogen, und zwar hat ihr Herr Gemahl so ein kleines Liebesverhältnis mit seiner verheirateten Schwägerin. Doch tugendhaft wie sie sind, wollen sie der Geschichte ein Ende machen. Und sie verlangt die Rückgabe ihres Bildes, das der Legationsrat in seinem Pult im Auswärtigen Amt aufbewahrt. Sie verlangt es sogar, noch ehe er seine Urlaubsreise antritt, und er muß dieserhalb einen späteren Zug benutzen. Er verabschiedet sich also vor seiner klugen und weisen Frau am Abend, verzichtet auch auf die Begleitung seines Kammerdieners was sonst nie vorgekommen ist! holt das bewußte Bild noch spät am Abend aus dem Ministerium, verbringt die angebrochene Nacht bei seiner verheirateten Schwägerin sie ist wenigstens nicht glücklich verheiratet, das mag die moralische Leserin trösten und führt mit dem Frühzug nach München ab. Dieser Aufschub der Reise wird zuni Ausgangspunkt des Kriminalromans. Ein ivichtiges Akten­stück ist nämlich in demselben Zeitraum verschwunden. Ein Kanzleidiener/ der das eiserne Kreuz besitzt Und sich durch seinen leichtsinnigen Sohu in Geldverlegenheit befand, hat sich von dem französischen Botschaftssekretär bestechen lassen. Aller Verdacht fällt auf v. Eckhorst. Es ist er­wiesen, daß er spät noch im Ministerium war, daß er einen anderen Zug als den angegebenen benutzte, daß er an dem fraglichen Tag den Besuch des abfeindlichen Ti- plomaten empfing. Tie Umstände sind erdrückend. An den Kanzleidiener mit dem eisernen Kreuz denkt die hochwohllöb­liche Polizei nicht, darf sie nicht denken, bemt ein Mann mit dem eisernen Kreuz ist einer solchen Gemeinheit nicht fähig. Eckhorst wird telegraphisch zurückberufen und von dem Pylizeidirektor in höflichster Form verhört. Kann er sein Alibi beweisen,- so darf er mit dem nächsten Zug wieder die unterbrochene Urlaubsreife fortsetzen. Allein v. Eckhorst ist Kavalier," und als solcher verweigert er natürlich die Auskunft. Ta, als die Sache du fängt, brenzlich zu werden, thut die Fran Schwägerin den Mund auf. Kaum ist ihr das Wort entlegen, so gesteht der Kanzleidiener auch feine SLuld ein; do/ zuvor hat er, damit der .Staat nicht aus

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den Angeln geht, das eiserne Kreuz ins Wasser geworfen'. Ter Herr Polizeidirektor steht wie der begossene Pudel da: den wahren Schuldigen hat er nicht erkannt, und außerdem unnennbares Unglück durch sein Kreuzverhör heraufbe­schworen. Denn als der entlarvte Eckhorst seine kluge und weise Gattin um Verzeihung bitten will, zieht sie schweigend von dannen.

Es gießt wirklich eine Art der Kritik, die sich mit der bloßen Wiedergabe der Fabel begnügen kann. Je mehr eine, Sache aufs Stoffliche gestellt ist, um so lückenloser sollte, dieses ausfallen. Lindau ist nicht ohne Erfolg in die Gerichtssäle gegangen. Er hat die berühmte Findigkeit der Berliner Polizei sanft angeulkt, hat sich mit Recht über die Schwächen unseres Voruntersuchungsverfahrens und die auf dring lichstns Fragen des Staatsanwalts und der Veir-, leidiger geärgert. Die Verquickung von Ehebruch und Kri- minalaffaire ist nicht seine Erfindung, sondern stammt direkt von iben Franzosen. Ebenso die Art, Personen im Augenblick der höchsten seelischen Erregung Leitartikel oder Feuilletons reden zu lassen. Das alles läßt uns heute kalt ober entlockt uns höchstens ein Lächeln. Tdr Nationalis­mus hat uns sehend gemacht und diese ganze Gattung ein für allemal so gründlich durchleuchtet und ihr heimge­leuchtet, daß man nur beit Mut bewundern kann, wenn sich überhaupt heute noch ein Autor ihrer annimmt. Lassen wir den Franzosen, was der Franzosen ist, und Lindau sein Tröpfchen gallisches Blut. Die Geschichte ist spannend zu- redit gemacht und wird Fhren Zweck erfüllen. Die drama­tische Kunst hat höhere Aufgaben zu losen, und den Schau­spielern ist auch mit Halbwegs dankbaren Rollen- die sich ohne alle Charakteristik glatt herunterspielen lassen; nicht mehr, gedient.

Auch Oscar Blumenthal ehebrüchelt ein wenig in seiner Fee Caprice". Ludwig Fuldas .,Zwillingsschwester" scheint dem Rößl-Tichter in Ermangelung seines ständigen ^Mit­arbeiters Kabelburg zu Hilfe gekommen zu fein. Ter Ehe­mann thut hier die Reife. Ta sich am Ehehimmel Wolken zeigen, macht er sich nicht leichten Hebens auf den $eg. Frau Marion ist flatterhaft wie ein Schmetterling: Kann) er sie unbesorgt in der Gesellschaft des Hausfreunds lassen?, Nein, der Hausfreund ist gefährlich, denn er ist ein Welt- schmerzdichter und das Mitleid war voll jeher eine rege Kuppler'?.. Doch giebt is'ein glänzendes Mitteh. einen Haus-