Ausgabe 
8.1.1901 Erstes Blatt
 
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Politische Wochenschau.

Die China-Frage ist ihrer Erledigung abermals einen Schritt näher gekommen. Schneller als man erwartet, hat der chinesische Hof seine Bereitwilligkeit erklärt, sich -den Forderungen der Mächte zu unterwerfen. Freilich, Lus einige Hinterthürchen wollte er nicht verzichten. Einer­seits ist die Festsetzung der Einzelheiten noch Vorbehalten, andererseits versichern die schlauen Mandarinen, daß einige der Friedens-Bedingungen nicht sofort, sondern erst in späterer Zeit erfüllt werden könnten. Sie gedenken also, die Mächte dilatorisch zu behandeln, und inzwischen eine günstige Gelegenheit abzuwarten, um sich den auferlegten Verpflichtungen nachträglich wieder zu entziehen. Es hat sich jetzt auch herausgestellt, daß zwischen China und Ruß­land ein Uebcreinkommen getroffen worden ist, wonach die Mandschurische Provinz Fengtien von den Russen militärisch besetzt bleibt und ihre Zivilverwaltung dem russischen Pro­tektorat unterstellt wird. In England ist man von diesem Erfolg des Zarenreichs natürlich nicht'entzückt, und die LondonerTimes" bemüht sich daher, das deutsch-englische Abkommen gegen die russische Sonderaktion ins Feld zu führen. Tie deutsche Regierung denkt aber nicht daran, sich in der Mandschurei die Finger zu verbrennen. Das englische Blatt wurde von Offiziösen darüber belehrt, daß der deutsch-englische China-Vertrag mit der Mandschurei nrchts zu thun habe, und daß man an der Spree keine Neigung verspüre, den Russen ihre Beute streitig zu machen. Damit ist freilich die andere Frage noch nicht aus der Welt geschafft, ob und welche Kompensationen seitens der übrigen Mächte nunmehr gefordert werden. Darüber kann es immerhin zu recht unliebsamen und gefährlichen Diffe­renzen kommen.

Besondere Energie wird dabei England allerdings nicht entfalten können, denn der Bur en krieg hält die bri­tische Macht mit eisernen Klammern in Südafrika fest Neuerdings haben die Buren in Transvaal wieder eine englische Garnison überrumpelt. Im Oranjefreistaat haben die Khakileute Jagersfontein und Fauresmith räumen müssen, und im Kaplande stehen jetzt nicht weniger als sechs starke Burenabteilungen, um die Kapholländer zum allgemeinen Aufruhr zu ermuntern. Die Londoner Blätter suchen zwar die Situation möglichst zu beschönigen; aber wenn man bereits in Kapstadt einen- feindlichen Angriff befürchtet, dann muß es um die Sache der Engländer doch recht zweifelhaft bestellt sein. Es ist begreiflich, daß neuer» Angs auch in der Londoner Presse wieder Kompromiß- Vorschläge auftauchen, die einem südafrikanischen Staaten- vund unter englischer Oberhoheit das Wort reden. Bei den Buren dürfte man jedoch dafür nur taube Ohren finden.

r * öe9en^e Unterdrücker ist unter der holländischen Bevölkerung Südafrikas bis zu einem derartigen Grade gewachsen, daß zu einer Verständigung jede Grundlage fehlt.

Die Wahlen rn Oe ft erreich haben der Partei Luegers ^b.,5mpftndlrche Niederlage gebracht. In Wien, wo die Christlichiozialen bisher ausschließlich dominiert hatten, sind chnen schon im ersten Wahlgange von sechs Mandaten drei entrissen worden. Sieger waren hier die Sozialdemokraten denen auch tue Unterstützung der entschiedenen Fort­schrittler nicht fehlte. In Böhmen, wo der Nationalitäten- Hader bis zur Siedehitze gesteigert ist, büßten die Sozial­demokraten fast sämtliche Mandate ein. Ter große Haufe wandte sich dort den Nationalen zu, auf der einen Seite den Schönerianern, auf der anderen der ezechischen Ar­beiterpartei. Tie Klerikalen behaupteten im großen und ganzen ihren Einfluß^ während untere den Czechen eine kleine Verschiebung nach links eintrat. Aller Voraussicht nach wird das österreichische Parlament auch in seiner nächsten Session ein nichts weniger als erquickliches Bild darbieten.

Tillon konstatiert mit Genugthuung, daß, soweit Erfahrung bringen konnte, englische und deutsche £

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4800 Mk.

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Friedberg Worms

des der des

Handelskammer, kaufmännischen Vereins, Handelskammer, Kuratoriums,

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Als Vorbedingung derartiger Ueberweisungen wird staat- licherseits gefordert werden müssen:

1) daß die in einzelnen Kammerbezirken bestehenden oder noch zu errichtenden Schulen sich der Aussicht der zu­ständigen Kammer unterwerfen;

2) daß die Schulen in Bezug auf kaufmännische und wissenschaftliche Ausbildung ihrer Zöglinge denjenigen Forderungen entsprechen, welche in einem seitens des Ministeriums des Innern nach Anhörung des HandelS- kammertagS auszuarbeitenden Normal- Lehrplan als Mindestleistungen der kaufmännischen Fortbildungs­schulen werden bezeichnet werden.

* Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Totge­borenen, betrug in der Woche vom 16. bis 22. Dezember tn Mainz 22, in Darmstadt 17, in Offenbach 14, in Worms 17 und in Gießen 26, zusammen 96, darunter 27 im ersten Lebensjahre. Todesfälle pro Jahr und 1000 Einwohner kamen auf Mainz 14,1, Darmstadt 12,5, Offenbach 16,8, Worms 23,2 und auf Gießen 54,5 (ohne 4 Ortsfremde 45,1). Die Todesursache anbelaniend, verstarben an Masern und Röteln 14 (1 in Offenbach, 13 in Gießen), an Scharlach 1 (Mainz), an Rachenbräune (Diphtherie) 1 (Gießen), an Keuchhusten 1 (Darmstadt), an Diarrhöe und Bcechdurchsall 3 (je 1 in Darmstadt, Offenbach und Worms), an Lungen­schwindsucht 5 (3 in Mainz. 2 in Worms), an akuten ent­zündlichen Krankheiten der AimungSorgane 11 (je 1 in Mainz und Offenbach, 4 in Darmstadt, 2 in Worms, 3 in Gießen), cn Gehirn-Apovlcx'e 1 (Offenbach), an allen übrigen Krcmk-

Etliche dieser Frauen stürzten sich in das Wasser, und, da dies nur bis an die Knie ging, tauchten sie den Kopf unter das Wasser, bis der Tod das Siegel auf ihr Lebensopfer drückte. ... 9(6er viele dieser unglücklichen Geschöpfe fielen doch lebend in die Hände der verbündeten Truppen. Ich sah einige in Peking und Tungtschau, aber schon tot mit klaffenden Wunden in der Brust, oder den Schädel eingeschlagen und mit furchtbar ver­stümmeltem K ö r p e r".

Erfahrung bringen konnte, englische und deutsch eOffi- & i e r e und Soldaten an den Scheußlichkeiten, die au Frauen verübt worden, nicht beteiligt gewesen sind.

Im übrigen schildert Dr. Dillon noch viele Einzelheiten über die an Chinesen begangenen Grausamkeiten und Bru­talitäten. Wenn diese Enthüllungen unserem Volke be­kannt 1derben so jagt das englische Blatt, so wird sicher ein lauter Schrei der Entrüstung anheben über solche Grausamkeiten, die da im Namen der Zivilisation begangen wurden.

in a.

für die Gewerbe)chme zu Alssew u * » Büdingen .

n » * Friedberg .

ii i, Gießen .

Aus Stadt und Land.

(Zuschriften über lokale Vorgänge find uu8 stets sehr erwünscht und werden auf Wunsch gut honoriert.)

Gießen, 7. Januar 1901.

* Herr Leutnant a. D. Steffenhagen, bisher zweiter Re dakteur desGießener Anzeigers" schied unlängst aus dieser Stellung, um eine Redakteurftelle in Bielefeld anzutreten. Sein Nachfolger ist Herr Albert Pflug selber aus Essen a. d. Ruhr.

Der Gedanke einer Liebesgabe an die Frauen Trans- vaals, der von Gießener Damen ausgeht, hat im ganzen Deutschen Reiche freudige Zustimmung und Anklang gefunden. Wir erhielten heute eine Zuschrift aus S aulgau in Württem berg vom kgl. Amtsanwalt Dr. Rauch, der uns mitteilt, daß man dort sofort den Entschluß gefaßt hat, ein Zirkular bei >en dortigen Honoratiorendamen herumgehen zu lassen, um sie ur Teilnahme an der Gießener Damenbewegung aufzu­ordern. Auch ist ein darauf bezüglicher Antrag bei der rortigen Museumsgesellschaft eingebracht worden. Wir können nur wünschen und hoffen, daß man sich auch in anderen deutschen Orten dem Vorgehen der Gießener Damen an-

beiten 54 (15 in Mainz, je 11 in Darmstadt und WormS, 8 tn Offenbach, 9 m Gießen); gewalrsamen Tod erlitten 4 Personen (2 in Mainz, je 1 in Offenbach und Worms).

Aulendiebach, 5 Januar. Unser Kirchlein, das fünf Minuten absetts vom Dorfe steht, (das Do f lag früher bei der Kirche, wurde aber im dre ßigjährigen Kriege zerüört, nur die Kirche blieb stehen) ist jüngst mit etnr Heizung ver­letzen worden. Sie wurde von der Firma Moll in Grün­berg sehr zweckentsprechend angelegt und sie wird bei der l'tzigen grimmigen Kälte doppelt geschätzt. Die Anlaaekosten belaufen sich auf ca. 200 Mk. Im Jahre 1724 am 16 März wurde nachts die einzige Glocke auS dem allein­stehenden Kirchlein gestohlen.

K. Babenhausen bei Ortenberg, 6. Jan. Am Sams­tag Abend nach Neujahr hatte eine hiesige Spezereihändlerin eine befreundete Bauernfamilie besucht. Sre hatte ihren Mantel, in dem der Schlüssel zu ihrer Wohnung steckte, ab­gelegt. Die Bäuerin nahm diesen Schlüssel heimlich an sich and ging unter irgend einem Vorwand in die Wohnung der Händlerin, stahl dort 961 Mk. und gab den Betrag threm Manne zur Aufbewahrung. Das gastfreundliche Ehepaar wurde gestern verhaftet. Die Frau hat ein Geständnis ab- gelegt.

Seligenstadt, 6. Jan. Der hier wohnende Wein­kommissionär Rieb aus Odernheim hat sich in Wiesbaden erschossen. Rieb war häufig in Geldverlegenheiten und mit seinen Angehörigen zerfallen; er soll sich einer Unter» chlagung schuldig gemacht haben und auf eine dieserhalb erfolgte Anzeige bei der Maatsanwaltschast nahm er sich, um der Verhaftung zu entgehen, das Leben.

Mainz, 6. Jan. SanitäiSrat Dr. Gg, Masserell ist am Freitag im Alter von 58 Jahren einem Nierenleiden erlegen. Der Verstorbene gehörte feit dem Jahre 1874 dem Stadtverordneten Kollegium an. Er war auch langjähriger Präsident des hiesigen ZentrumSvereinS, Vorsitzender des ärztlichen KreiSvereinS, Mitglied des Ortsgesundheitsrats und des Kreistages. In Berlin ist Generalmajor z. D. v. D uering, zuletzt Inspekteur der ehemaligen 4. Jngenieur- Jnspekiion in Mainz, gestorben.

* Aus dem Staatsbudget 1901/1902. Die Anforderungen iir gewerbliche UnterrichtSanstalteu halten sich den Grenzen der bisherigen Bewilligungen. ES sind eingestellt:

Aus K t a u t s ch o u veröffentlicht das Kieler sozialdemo­kratische Blatt den Brief eines Kieler Werftarbeiters, der der seiner Zeit nach Kiautschou gesandten Arbeiteckkolonne angehört. Aus dem vom 10. November datierten Brief sei folgendes mitgeteilt:

Bor 6 Tagen war ich Augenzeuge, wie drei Dörfer' niedergeschossen wurden. Es waren Aufständige, es war schrecklich- wie nach der Ergebung die h a l b t o t e n Kin­der und Frauen an der Erde lagen, die während des Schießens von den eignen Vater und Angehörigen getötet wurden, damit sie nicht von uns getötet würden, es lebten noch natürlich viele davon, es kamen ca. 500 ^stlies (Boxers) dabei um, die andern Dörfer ergaben sich. Es war innerhalb des Schutzgebiets, zu Fuß zwei Stunden von mir entfernt."

Der Briefschreiber teilt dann weiter mit:

Auch ich bin schon in der Lage gekommen 2 Chinesen niederzuschießen, da sie mir nach 9 Uhr abends an­griffen, sie sind aber nicht tötlich getroffen, der eine liegt noch im Lazarett, und der andere läuft in Ketten vor einem Wagen, um Sand zu transportieren. Er hat fünf ahre Zwangsarbeiten bekommen und jede Woche 25 Bamboshieben, wenn der andere heil ist wird er dasselbige bekommen. Ich selber bin stets mit einer Mauserpistole bewaffnet, da ich eben außerhalb -Ejvngtau bin Bi.: aber hi^r mit br-ü Mann zusammen."

-tan wird sowohl dem Kieler Blatte als der oben Zitterten enaliscben Zeitschrift hie volle Verantwortuna Für müssen ^aum glaublichen Scheußlichkeiten überlassen

i, Nidda . . 5000

Zur Förderung des kaufmännischen Fortbildung s- Unterrichts ist in dem vorliegenden Etat zum erstenmal ein Betrag 12000 Mk. vorgesehen. ES bestehen z. Zt. kaufmännische Fortbildungsschulen

zu Darmstadt unter Leitung des dortigen Handelsvereins, Offenbach ' - .

Gießen

Mainz kaufmännischen Vereins, des

katholischen kaufmännischen Vereins und des evangelischen Vereins. Außerdem wird schon seit längerer Zeit unter Leitung der Handelskammer Bingen ein LehrkursuS für junge Kauf leute zu Bingen abgehalten. Der durch stetige Fortentwicklung von Handel und Industrie in Deutschland bedingten an­dauernden Steigerung der Ansprüche an die berufsmäßige Ausbildung des Kaufmannsstandes kann seitens der Schul­leitungen mit den ihnen seither aus Schulgeld, Zuschüssen der Handelskammern und sonstiger Körperschaften oder aus privaten Zuwendungen zugeflossenen Mitteln nicht mehr ge­nügt werden. Sollen die Schulen ihre Wirksamkeit auch weiter entfalten und nicht zum Teil vor die Frage ihres ferneren Bestehens gestellt werden, so muß ihnen insbesondere die Beschaffung geeigneter Schulräume, Einführung neuer Unterrichtskurse, Einstellung geeigneter Lehrkräfte und Herab­setzung des zum Teil außerordentlich hohen Schulgeldes er­möglicht werden. Eine Gewährung staatlicher Zuschüsse zu genannten Zwecken erscheint im Hinblick darauf gerechtfertigt, daß sich landwirtschaftliche und gewerbliche Unterrichtsanstalten schon seit geraumer Zeit der staatlichen Fürsorge in Gestalt namhafter Zuwendungen erfreuen. Die eingestellte Summe, welche mit Rücksicht aus die allgemeine Finanzlage hinter dem seitens der Handelskammern für gedachten Zweck als notwendig bezeichneten Gesamtbetrag nicht unerheblich zurück­bleibt, soll derart Verwendung finden, daß den Handels­kammern entsprechende Beträge zur Förderung des kauf­männischen FortbildungSunterrichtS überwiesen werden.

Die französische Regierung kommt aus den Wider­wärtigkeiten nicht heraus. Gegen ihr Vereinsgesetz hat der Vatikan den Klerus mobil gemacht, und in der Armee er­wachsen dem Kriegsminister täglich neue Schwierigkeiten. Das Disziplinär-Gericht hat die Dienstentlassung des rabiaten Majors Cuignet fast einstimmig abgelehnt, worüber die nationalistische Presse vor Freude fast aus dem Häuschen gerät. Tas Kabinett Waldeck-Rousseau brauchte sich darüber wenig Sorge zu machen, wenn die Kammermehrheit aus der politischen Situation nur vernünftige Folgerungen zöge. Allein das ist leider gerade der Punkt, worin auf die fran­zösischen, Volksvertreter wenig Verlaß ist. Erbitterte Gegner vor sich und wankelmütige oder falsche Freunde hinter sich das ist die wahrlich nicht beneidenswerte Position des Ministeriums Waldeck-Rousseau. Daß es in derselben noch lange Stand hält, wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher.

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Vermischtes.

* Wie man in Berlin am schnell st en vor­wärts kommt. DieTägl. Rundschau" schreibt: Um die Berliner Verkehrst), "hältnisse zur Weihnachtszeit einmal gründlich auszuproben, natürlich die regelmäßigen Verhält­nisse, ist am Samstag, nachmittags in der fünften Stunde, eine Probe auf den Straßenverkehr gemacht worden. Diese erstreckte sich auf die Route Landsbergerstraße-Wertheim- Leipzigerstraße. Sie wurde von vier Herren gemacht, die gleichzeitig von der Landsbergerstraße aufbrachen, und voll­zog sich im übrigen glatt; benutzt wurden hierbei gewissen­haft die vo.L lchriebenen Wege und Verkehrsmittel. Drei der Herren nahmen vorhandene Bahnverbindungen, ein vierter ging zu Fuß. Es war vorgeschrieben, daß jeder sein Ziel so schnell wie möglich zu erreichen suchte, nur der Fußgänger sollte das gewöhnliche Marschtempo ein­halten. Die Strecke ist etwa vier Kilometer lang. Das Ergebnis war folgendes: der Fußgänger marschierte vom Ausgangspunkt in der Landsbergerstraße über den Alexanderplatz durch die Königstraße, über den Schlossplatz, den Werderschen Markt, die Äerdersche-, Französische-, Mauer-, Mohrenstraße, den Wilhelmsplatz, die Wilhelrn- und Leipzigerstraße. Er erreichte bei nicht angestrengtem Gehen sein Ziel in 45 Minuten. Von den drei fahren­den Herren machte der erste folgende Tour: Alexanderplatz, Stadtbahn: Bahnhof Börse, Friedrichstraße, Lehrter, Bellevue, Tiergarten, Charlottenburg, Halensee u. s. w. bis Potsdamer Ringbahnhof; zu Fuß: Potsdamer Platz, Leip­zigerstraße. Er gebrauchte genau 5 6 Minuten Zeit. Der zweite Fahrer benutzte die Niveaubahn: Alexanderplatz, Königstraße, Werder-, Französische-, Kanonier-, Leipziger- straße. Er gelangte in 51 Minuten an sein Ziel, nach­dem der Wagen auf der Haltestelle Bahnhof Alexanderplatz, an der Ecke bei Israel, an der Friedrichstraße, an der Leipzigerstraße und in der Leipzigerstraße Aufenthalte von 68 Minuten gehabt hatte. Endlich der letzte nahm den beim Publikitm beliebtesten Weg. Er fuhr über den Molken­markt, Gertraudtenbrücke, Spittelmarkt und gebrauchte genau 58 Minuten, nachdem am Bahnhof Alexanderplatz, bei Israel, am Molkenmarkt, am Spittelmarkt längere Ver­zögerungen eintraten. Vom Spittelmarkt bis Wertheim nahm die Fahrt allein 20 Minuten in Anspruch. Damit ist ein ziffernmäßiger Beweis an einem konkreten Beispiel, dessen Nachahmung sich die in Frage kommenden Behörden sollten angelegen sein lassen, erbracht, daß, wer in Berlin in Zeiten besonderer Verkehrsbelastung, wie sie die Vorweih­nachtstage allerdings in ganz außerordentlichem Maße ge­bracht haben, schnell vorwärts kommen will, sich a m besten an seine eigenen Bewegungswerkzeuge wendet, d. h zu Fuß geht. Er schlägt dabei Die Stadtbahn um rund 12, die Niveaubahn, je nachdem er eine mehr oder wenige* überlastete Strecke zu wählen ist, um 613 Minuten.

* Ein Käse.Palast. Holland besitzt die berühmten Käsemärkte in Alkmaar, Purmerend, Hoorn oder Edam, wo Tausende von Käsen, die gerade wie Kanonenkugeln aufgestapelt sind, des Verkaufes harren. In dem Riesenbau derHollandsche Kaas-Export Maatschapij" in Rotterdam F lialen in Gonda und Antwerpen liegen mehr als 600000 Käse in mächtigen luftigen und hellen Hallen aufgeschichtet. Eine Fülle elektrischen Lichtes überströmt abends diese Hallen, und geräuschlose elektrische Maschinen besorgen das sogenannteSchrappen" des Käses. In elektrisch be­wegtem Fahrstuhl gelangt man zu schwindelnden Höhen und u. a. auch zu den Räumen, wo nach dem In- und Auslande schon verkaufte Vorräte kostenlos aufgespeichert liegen, deren Eigentümer keine geeigneten Räumlichkeiten besitzen und nun nach Belieben von den Vorräten abnehmen.

* Eine grünhaarige Soubrette. Miß Lilli Verona, eine hübsche amerikanische Soubrette, bat gegen einen Droguenhändler New Yorks eine Klage aus 20000 Mk. Schadenersatz eingereicht. Sie behauptet, der Beklaate habt hr ein Haarfärbemittel verkauft, durch das ihr rotefl Hiar kastanienbraun gefärbt werden sollte, da dies jetzt die moderne" Haarfarbe wäre; das Mittel hätte die Feuerfarbe iirer SM r j d-ch in (in lelchas § Grün verwandelt.

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