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Nr. 6 Erstes Blatt. Dienstag den 8 Januar 151. Jahrgang IVttl
SiebenerAnzeiger
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zurHoftasel zog. Karl Al xander war der Protektor derGocthe- und der Shakespeare-Getellschast. Karl Alexander ist der Gründer des GoethemuseumS und des Goethe- und Schiller Archivs in Weimar.
Großherzog Karl Alexander war auch von jeher ein Bannerträger des nationalen Geda kens und hat wesentlich mit dazu beigetragen, die deutsche Einheit zu begründen und sie dann zp festigen. 1866 war er dem norddeutschen Bunde beigetreten und hatte bald darauf mit Preußen eine Militär' konvention geschlossen, und 1870/71 nahm er in der Armee deS preußischen Kronprinzen, seines Neffen, am Feldzüge gegen Frankreich teil.
Die friedliche Ruhe, die lange in der inneren Politik deS Landes unter dem segensreichen Szepter Karl Alexanders herrschte, hat mit dem letzten Ministerwechsel, der einen Großgrundbesitzer deS Landes, Herrn v. Wurmb, ans Ruder brachte, leider einen starken Stoß erlitten. Die von diesem Herrn mit den rigorosesten Mitteln bekämpfte Sozialdemokratie hat bei den letzten Wahlen zum Landtag erhebliche Et folge erzielt.
Karl Alexander, feit 8. Juli 1853 Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, war der einzige Sohn des Groß Herzog« Karl Friedrich und der Großfürstin Maria Paulowna. Er wurde von dem Legationsrat F. Soret (gestorben 1865) aus Genf erzogen, widmete sich, nachdem er 1834 und 1835 Italien bereist hatte, 1835—1837 den Studien auf den Hoch schulen von Jena und Leipzig und besuchte dann Oesterreich und Schottland, England und Holland. Nach einem mehr jährigen Aufenthalt in Breslau, wo er in einem Kürassierregiment Dienst that, begab er sich 1841 nach Petersburg an den ihm nahe verwandten russischen Hof, wohin er auch später öfters zurückkchrtc Am 8. Oktober 1842 vermählte er sich mit der Prinzessin Sophie Luise (geboren am 8. April 1824), der Tochter König Wilhelms II. der Niederlande. An seinem 70. Geburtstage wurde er vom Kaiser zum preußischen Generaloberst mit dem Range eines Feldmarschalls ernannt.
Die Nachrichten von der Erkrankung des greisen Groß Herzogs wurden in den letzten Tagen mit lebhafter Teilnahme verfolgt. Das letzte Bulletin von Samstag morgen lautete: „Nachdem der gestrige Tag im ganzen gut verlaufen ist, hatte Der Großherzog gegen 7 Uhr morgen« einen neuen schweren Anfall von Herzschwäche mit aufgehobenem Bewußtsein, von dem er sich bis jetzt nicht erholt hat." Der Großherzog er« lebte den Schmerz, 1894 seinen einzigen Sohn, den Erb- großherzog Karl August, vor sich ins Grab steigen zu sehen. 1897 starb die allverehrte kunstverständige Gemahlin des Großherzogs. Erbgroßherzog Karl August hinterließ aus her Ehe mit der ältesten Tochter des Prinzen Hermann zu Sachsen Weimar zwei Söhne, von denen der jüngere am 1. Oktober vorigen Jahres nach kurzer Krankheit im jugendlichen Alter von 22 Jahren gestorben ist.
Der jetzige Großherzog Wilhelm Ernst hat im vorigen Sommer sein 24. Lebensjahr vollendet. Bon den zwei Töchtern des Großherzogs ist die ältere die Gemahlin des früheren Botschafters in Wien, Heinrich VII. Prinzen Neuß; die jüngere hat den Herzog Regenten Johann Albrecht oon Mecklenburg Schwerin geheiratet. Großherzog Wilhelm Ernst ist ein Bewunderer Kaiser Wilhelms II., sowohl seiner Politik wie seiner Persönlichkeit.
Großherzog Karl Alexander war einer der ältesten fürstlichen Persönlichkeiten EuiopaS. Die verwitwete Herzogin Friederike von Anhalt-Bernburg steht dem Alter nach an der Spitze der Mitglieder aus den souveränen Familien Europas; fie ist am 9. Oktober 1811 geboren. Es folgt die im 85. Lebensjahr stehende Prinzessin Charlotte von Schwarzburg Sonders Hausen, verwitwete Freifrau v. Jud, und die Prinzessin Klementine von Sachsen-Koburg, geboren am 3. Juni 1817 Erst an vierter Stelle kommt der älteste Fürstliche Herr, der Großherzog Adolf von Luxemburg, geboren am 24. Juli 1817. Im soeben begonnenen Jahre werden vollenden da« 8 0. Lebensjahr der Prinzregent Luitpold am 12. März, das 7 5. Lebensjahr die Prinzessin Amalie zu SchleSwig-Hokstein am 5. Januar, der Prinz Georg oon Preußen am 12 Februar, der Herzog Georg von Sachsen Meiningen am 2 April, die Kaiserin Eugenie der Franzosen am 5. Mai, der Großherzog Friedrich von Baden am 9. September, der Herzog Ernst von Sachsen Altenburg am 16. Sep- tember und Die verwitwete Prinzessin Mathilde von Schwarz- bürg Rudolstadt am 18. November; — da« 70. Lebensjahr der Fürst Alexander zur Lippe am 16. Januar, die verwitwete Erzherzogin Elisabeth von Oesterreich, die Mutter der Königin non Spanien, am 17. Januar, der Prinz Christian zu Schleswig Holstein am 22. Januar, die verwitwete Frau
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Dr. Dillon veröffentlicht in der englischen Zeitschrift „The Contemporary Review" eine Betrachtung über das Borgehen der Mächte in China. Bon Vorgängen in Tnng- tschau sprechend, sagt Dr. Dillon:
„Mitten unter einer wehrlosen Bevölkerung, die bei dem Anblick eines Gewehrs, eines Revolvers bis in die tiefste Seele hinein vor Furcht erzittert, hat man ein Regiment des Schreckens errichtet, für das jedes vernünftige Motiv fehlt. Selbst wenn sich alle Chinesen innerhalb der Mauern der Stadt gegen die Fremden empört hätten, wäre es diesen doch ein leichtes gewesen, sie ohne große Anstrengung zu bewältigen. Keines Chinesen Leben oder Eigentum war auch nur einen Augenblick sicher vor Vernichtung. Leute, mit denen ich noch zu Mittag gesprochen, lagen bei Sonnenuntergang schon in der Grube, und kein Sterblicher wird jemals wissen, warum. Der Blutdurst hatte die Europäer wahnsinnig gemacht. — Der unbedeutendste, verächtlichste Bursche, der zufällig das Tageslicht in Europa erblickt,, hatte unkontrollierte Gewalt über Leben und Eigentum des gebildetsten Chinesen der Stadt. Gegen seine Handlungen gab es keinen Rekurs, kein Chinese wußte, was der nächste Augenblick ihm bringen konnte. Vielleicht wurde er zur Arbeit kommandiert, um nach 12-, 14stündiger Plackerei zusammenzubrechen, vielleicht auch, daß er ohne weiteres niedergeschossen wurde. Der Grund wurde ihnen nicht gesagt. Ich sah, wie ein Ehepaar, das sich nach gethaner Arbeit nach Hause begebe« wollte, von den Soldaten festgenommen wurde. In einem kleinen Boote am nahen Fluß war Feuer ausgebrochen, sie waren die nächsten, die aufgegrifsen wurden; bei der Frau fand man Streichhölzer, niemand, auch der Bootswächter nicht, hatte sie bei den Booten gesehen, trotzdem — 15 Minuten später waren sie schon eingescharrt." An anderer Stelle erzählt Dr. Dillon: .
„Was in des Himmels Namen ist das?" fragte ich eines Tages meinen Begleiter, als ich in dem Hause eines reiche» Chinesen, der wohl jetzt in Abrahams Schoße lag, auf einem großen schwarzen Kasten stieß. Es war in einem der größten Aimmer und dem dunklen Winkel entstieg ein scheußliche« Gestank. „Es sind die Mädchen, drei Mädchen.'" sagte mein Begleiter, ein Europäer. „Ihre Leichname liegen dem Kasten", erklärte er :
„Wer schaffte sie da hinein?"
„Esl waren Offiziere!"
„Sind Sie dessen ganz sicher?"
„Jawohl, mein Herr! Ich war hier, als es geschah!
„Sahen Sie die jungen Mädchen selbst?"
Jawohl! Es waren die Töchter des Besitzers des
Was mit diesen jungen Mädchen geschah', ist hier nut angedeutet, aber es ist doch deutlich genug.
Dillon versichert, daß das, was mit diesen Mädchen geschah, ehe man sie tötete, noch vielfach auch anderwärts geschehen ist.
„Ich kannte einen Mann sehr genau, mit dessen Frau in der oben beschriebenen Weise verfahren worden war und die dann mit ihrem Kinde getötet wurde. Der Mann gehörte zu den „guten und loyalen Leuten", der sich mit den Christen aufs beste stand, aber wenn er jemals Gelegenheit bekommt, sich an den Fremden zu rachen, wird er diese sich so leicht nicht entgehen lassen. Ich kenne andere, deren Frauen und Töchter sich aufhängten oder sich an den Gartenmauern den Schädel einrannten, um Schlimmerem zu entgehen. Die chinesischen Frauen sind fest davon überzeugt, daß ihnen nichts schlimmeres passieren könne, als lebendig in die Hände von Europäern und Christen zu fallen. was Schlimmste ist, daß sie recht haben. Jawohl, Buddha und Konfucius haben ihre Märtyrer der Keuschheit, deren heroische Thaten feine Martyriologie jemals erzählen wrrv<
Herzogin Adelheid von Braganza am 3. April, der Herzog Friedrich von Anhalt am 29. April und der Herzog Ludwig in Baiern am 21. Juni; — das 60. Lebensjahr unter anderem die Prinzessin Elisabeth zu Schaumburg Lippe am 5. März, die Prinzessin Marie der Niederlande, vermählte Fürstin zu Wied, am 5. Juli, die verwitwete Königin beider Sizilien am 4. Oktober, die verwitwete Frau Prinzessin Wilhelm von Baden am 16. Oktober und der Prinz von Wales am 9. November. — Ihre goldene Hochzeit werden feiern am 23. April der Großherzog und die Großherzogin von Luxemburg, geborene Prinzessin Adelheid von Anhalt- Dessau, und am 27. November der Prinz Eduard von Sachsen-Weimar und die Gräsin Augusta von Dornburg. — Die silberne Hochzeit begehen der Prinz und die Prinzessin Heinrich VII. Reuß-Köstritz am 6. Februar und der Prinz Heinrich von Parma, Graf von Bandi, und Prinzessin Adelheid Prinzessin von Braganza, am 15. Oktober, — Nach dem Regierungsantritt geordnet steht die Königin Viktoria von England an der Spitze (20. Juni 1837). Nach dem Lebensalter ist der König Alfons XIII. von Spanien der jüngste, geboren am 17. Mai 1886.
Greuel in China.
Grohherzoa Karl Alexander von Weimar f.
Weimar, 5. Januar. Der Großherzog ist heute abend «'/. Uhr sanft entschlafen.
Am SamStagavend ging uns das vorstehende Telegramm zu, das wir alsbald durch Anschlag bekannt gaben.
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Großherzog Karl Alexander war einer der populärsten Fürsten Deutschlands. Als der jüngere Bruder der Kaiserin Augusta, die vor nahezu 11 Jahren im 79. Lebensjahre starb, stand er dem deutschen Kaiserhause besonders nahe, und häufig erschien sein Großneffe, Kaiser Wilhelm II., bei ihm auf der Wartburg zu Gaste, die der verblichene Groß Herzog seit 1857 in seiner bekannten Kunstliebe durch Pro feffor Hugo v. Ritgen, einst eine Zierde unserer, der Gießen erNniversität, restaurieren ließ. Aufrichtige Der ehrung brachte Wilhelm II. dem sächsischen Großherzog entgegen. Die große persönliche Liebenswürdigkeit deS weimarischen Fürsten, seine aufrichtiges Mäcenatenturn, sein lebhaftes In tereffe für alle öffentlichen Vorgänge, sü die sozialen Ver- hältniffe aller Bevölkerungsschichten seines Landes machte ihn allenthalben beliebt. Oft besuchte er die verschiedensten industriellen Etablissements seines Landes und schenkte allem, auch dem Geringsten, seine Aufmerksamkeit. Alle öffentlichen Institute im Großherzogtum besichtigte er wiederholt und selbst für Insassen der Gefängnisse hatte er ein freundliches Wort.
Das JohanneSfest war der Geburtstag des Großherzogs und für die Bewohner Sachsen-Weimars ein hoher Festtag. Als Karl Al. xander am 24. Juni 1818 daS Licht der Welt erblickte, begrüßte ein unbekannter Sänger das frohe Ereignis mit dem Wunsche:
--Sei Du, erhabner Weltregierer, DeS Fürstensprößlings Schutz und Schild, Zum spät'sten Alter hin sein Führer;
Schaff h.tl den Geist, das Herz ihm mildl
Diese Worte haben die schönste Erfüllung gefunden. Bolle GeisteSfrische und Rüstigkeit bewahrte sich der Großherzog bis zu seinem letzten Krankenbett. Seine RcgierungSzeit waren Jahre reichgesegneter Wirksamkeit. Allem Guten und Schönen hat er während seines ganzen Lebens die herzlichste Teilnahme entgegen gebracht, der Kunst und Wissenschaft ist er immer ein hochsinniger Schirmherr und Gönner gewesen
In besonderer Weise ist der Großherzog stets darauf bedacht gewesen, der Hochschule des Ernestinischen Hauses, Jena, die Möglichkeit zu erfolgreichem Weitkampf mit den anderen Schwester-Universitäten zu erhalten. Mit den nam haftereu Professoren Jenas stand Karl Alexander in regem Verkehr, und er besuchte wohl auch gelegentlich einmal diesen ober jenen Jenaer Gelehrten. Aufricht ge Freudschaft verband ihn mit dem im höchsten Greisenaller vor ein paar Jahren verstorbenen Jenenser Advokaten Geh.-Hofrat Dr. Gil le, deffe» Jugendjahre noch in die Goethezeit fielen.
Unter Karl Alexanders Regierung wurde 1860 in Weimar die heute blühende Kunstschule gegründet, an der Scaf Kalkreuth als Direktor, als Lehrer Ramberg, BegaS, Lenbach, Böcklin u. a. bedeutende Künstler gewirkt haben; jetzt ist Direktor Graf v. Schlitz gen. v. Görtz, und Männer wie Th. Hagen, Hummel und Martersteig gehören ihr als Lehrer an. Unter Karl Alexander ist das berühmt Weimaraner Museum gebaut worden, hat Fr. Preller seine Odysee-Landschafteu geschaffen. Karl Alexander war eS, der das berühmte Goethe-Schill r Denkmal RietschelS in Weimar einweihke. Er förderte das Theater in Weimar auf alle Weife und trat mit den Mitgliedern der Schillerstiftung in rege* Verkehr, die er regelmäßig bei ihren Versammlungen


