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Soeben erschien und ist in allen Buchhandlungen zu haben:
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Führer
durch das Lahnthal.
Die Lahn von der Quelle bis rar Mündung nebst den Seitenthjüern bearbeitet von
Rektor H. Luerssen, Wetzlar.
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Verlag von Emil Rofh In Glesien.
' Israelitische Feiertage. Die diesjährigen t§rachh)äjen H-rbstfeiertage, die gegen das Vorjahr um zehn Tage später fallen, nehmen am 14. September mit dem Neujahrstage des Jahres 5662 seit Erschaffung der Welt ihren Anfang und am 15. wird das zweite Fest gefeiert. Der höchste jüdische Feiertag, das Versöhnungsfest, fällt auf den 23. September. AlS Ernte- und Herbstdankfesl wird am 28. und 29. das Laubhüttenfest gefeiert, dessen Schluß am 5. Oktober ist. Als letztes der hohen Feste wird am 6. Oktober die Gesetzesfreudc begangen.
** Familientag des Gießener „Wingolf". Zu dem diesjährigen Familientag des Gießener „Wingolf" für Starkenburg, der am 4. September in Auerbach a. d. B. stattfand, hatten sich trotz des unsicheren Wetters zahlreiche Philister mit ihren Familien und Aktive aus fast allen Bruderverbindungen eingefunden. Nachdem man auf dem Schlosse sich an der schönen Aussicht und einem guten Kaffee erquickt hatte, stieg in der „Post" eine gemütliche Kneipe, die, durch zahlreiche Aufführungen und Gesänge belebt, sehr fidel verlief. Mit dem gleichzeitig in Hungen tagenden oberhessischen Philistertag wurden Begrüßungs-Telegramme ausgetauscht.
’* In Amerika verstorbene Hessen. Sophie Nehrbaß, geb. Keller aus Schornsheim, gest. in Milwaukee (Wisc.), 81 Jahre alt. — John Frieß aus Groß-Umstadt, gest. in Mascontah (Jll.), 80 Jahre alt. — Lorenz Ganß aus Groß-Zimmern, gest. in 'St. Louis (Mo.), 58 Jahre alt. — Louis Schneid er aus Hungen (Oberh.), gest. in Philadelphia (Pa.), 65 Jahre alt. Er war ein namhafter Entomologe und Botaniker. —, Julius Wesp, gest. in St. Louis (Mo.). — Jakob Schäfer, gest. in-Denver (Col.), 38 Jahre alt. — Charles Schäfer, gest. in New-Pork, 36 Jahre alt.
Mflin z, 2. Sept. In welcher Weise sich die Gemeinde-Umlagen in Mainz verteilen, ist nicht ohne allgemeines Interesse. Für das Rechnungsjahr 1891/92 sollen von den Bewohnern der Stadt Mainz im ganzen 2 420 000 Mk. Gemeindesteuer erhoben werden. Nach der neuesten Zählung befinden sich in der Stadt 84 000 Einwohner. Unter diesen giebt es aber nur 28000 steuerpflichtige, bezw. selbständige Personen, welche zur Steuer herangezogen werden. Würde nunmehr die gesamte Gemeindesteuer gleichmäßig auf sämtliche Steuerpflichtige zum Ausschlage kommen, dann hätte jeder der Umlagesteuerpflichtigen der Stadt Mainz nicht weniger als rund 86.50 Mk. Gemeinde-Umlagen im Jahr zu bezahlen. Daraus ersieht man, was sehr natürlich ist, daß die Minderbemittelten mit ihren geringen Steuerbeträgen die Bedürfnisse eines größeren Gemeinwesens nicht bestreiten können. — Während der Gartenbau-Aus st ellung werden eine Reihe von Festlichkeiten, so besonders ein großes Blumenfest im großen Saale der Stadthalle, zur Unterhaltung nicht unwesentlich beitragen. In einem eigens erbauten mächtigen Cirkus, welcher die herrlichsten Pflanzengruppen der hervorragendsten Gärtnereien aufweisen wird, bildet ein wundervolles Alpenpanorama einen Hauptanziehungspunkt, ebenso eine im Freien errichtete elektrische Fontaine lumi- neufe, die durch überraschende Lichteffekte ganz besonders glanzvolle Wirkungen aufweisen wird. Die Ausstellung wird, wie bereits gemeldet, am Samstag den 14. Septbr. durch den Landessiirsten feierlich eröffnet.
~ w. Burkhardsfelden, 5. Sept. Lehrer Lehning, der seit 2y31 Jahren an der hiesigen Schule wirkte, ist nach Hungen versetzt worden. ,/v -
] Geilshausen, 5. Sept. Eine interessante Begebenheit konnte man gestern auf der Landstraße nach Kesselbach zu beobachten. Ein Landarzt fährt mit seinem leichten Kutschwägelchen die Straße entlang. Da kommt vom nahen Wiesengrunde her eine Frau; mit der einen Hand hält sie ihre rechte Wange, mit der anderen winkt sie dem Doktor. Der kommt heran und hält; ein kurzes Parlamentieren, die Frau setzt sich auf's Wägelchen, da andere Sitzgelegenheit mangelt, der Arzt holt ein Instrument aus der Tasche und — zieht der Frau unter Gottes freiem Himmel — einen Zahn aus. „So", sagt der Doktor nach gethaner Arbeit, „das ist mir doch noch nicht vorgekommen!" Und Arzt und Frau zogen ihre Straße weiter.
Butzbach, 5. Sept. Die Arbeiten zum Anschluß der Zellenstrafanstalt an die hiesige elektrische Zentrale sind nun in vollem Gange. Mit der Kabellegung wird in Bälde begonnen. — Wie verlautet, soll die Herrichtung eines Trottoirs in der Griedelerstraße in Kürze in Angriff genommen werden.
8 Butzbach, 4. Sept. Seit einigen Tagen herrscht der Mumps in unserer Gegend. — Die Grummeternte ist hier nahezu geborgen; sie liefert durchweg einen ziemlich befriedigenden Ertrag. — Der wegen Sittlichkeitsoergehen verhaftete Heinrich Ruppenthal von Rockenberg ist nach dem Provinzialarresthaus zu Gießen überführt worden; er soll von den verschiedenen Delikten zwei Fälle gestanden haben. — Nächsten Sonntag wird unsere Ehorschule zum Besten der Wiederherstellung hiesiger Stadtkirche nachmittags ein K i r ch e n- Konzert veranstalten.
fc. Frankfurt a. M., 4. Sept. Ein blutiger Vorfall spielte sich heule vormittag in der Scharnhorststraße ab. Der Schutzmann Hofmann hatte in einer Wirtschaft in der Moselstraße den wegen Hotelschwindeleien verfolgten stellen- fosen, 35 Jahre alten Kellner Arthur Winzer verhaftet und lührte ihn an der linken Hand nach dem 11. Polizeirevier in der Scharnhorststraße. Unterwegs zog Winzer plötzlich mit der Rechten einen Revolver und gab auf den Schutzmann einen scharfen Schuß ab. Der Schutzmann sprang zur Seite und der Schuß ging fehl. Nunmehr feuerte der Arrestant gegen seine eigene linke Schläfe. Die Äugel drang zum Schädeldache wieder heraus. Tätlich verletzt wurde er nach dem städtischen Krankenhause gebracht, wo er nachmittags gegen 2 Uhr starb._________________
Vermischtes.
* Köln, 4. September, lieber skandalöse Vorgänge, die sich gelegentlich der Kirmes in Wahn abgespielt haben, berichtet der „Kölner Volksfr." Danach verlangten Soldaten mehrerer Artillerieregimenter vom Wahner Schießplätze in einem Tanzlokal nach 8 Uhr abends noch Bier, als Wein verabreicht werden sollte. Der Wirt weigerte sich, Bier zu verabfolgen. Es kam zu Streitigkeiten, worauf alles eiligst den Saal verließ. Die Soldaten sammelten sich auf der Straße an und eröffneten unter Anführung eines Unteroffiziers einen Sturm auf die Wirtschaft, die in wenigen Minuten durch Ziegel- und Pflastersteine von innen und außen demoliert war. Hierauf ergriff der Sohn des Wirtes eine Flinte und schoß in den Haufen, wobei ein Soldat getötet und zwei schwer' verwundet wurden. Vier Zivilisten wurden durch Steinwürfe und Säbelhiebe verletzt. Unter Mitnahme des
Toten und der beiden Verwundeten zogen die Soldaten, hierauf ab. Der Sohn des Wirtes stellte sich alsbald dem Gericht.
* Münchberg, 3. Sept. Gestern abend wurden in Main r o t h 6 Häuser und 19 gefüllte Scheunen mit Nebengebäuden durch Feuer vernichtet. Kinder, die mit Streiche Holzer spielten, sollen den Brand verursacht haben.
Gerichts saal.
Darmstadt, 4. September. Ferien-Strafkammer. Das Bild einer Wechselreiterei im größeren Maßstab bot sich in der hier verhandelten Strafsache gegen die Fuhrmann Georg H i rs ch b e r g c r Eheleu te von Fürth i. O. wegen gemeinschast» sicher fortgesetzter Wechselfälschung und Betrugs. Der Angeklagte H., der sich auch wegen betrügerischen Bankerotts in Untersuchung befindet, und seit 9)lat ds. Js. verhauet ist, steht im 33. Lebensjahre und ist zweimal wegen Körperverletzung, sowie einmal ivegen Diebstahls vorbestraft, seine Ehefrau ist 28 Jahre alt und unbestraft. Die Anklage bezog sich auf nicht weniger als 61 Wechsel im Gesamtbetrag von 13 555 Mk., die der Ehemann £). im Laufe von P/Q Jahren ausgestellt, sowie mit Ausnahme zweier mit dem Accept des --teinbruchbesitzers Nikolaus Uth in Lützelbach versehen und teils selbst, größtenteils durch seine Ehefrau bei Geschäftsleuten in Bensheim 2C. diskontiert hatte. Tie beiden übrigen Wechsel trugen das Accept des Schwiegervaters von Uth, des Lorenz Daum das nach dem Gutachten des Sachverständigen, Landgenchtssekre- tärs Pähler in Frankfurt, gleichfalls von der Hand Hirschbergers herrührt, und wurden dieselben auch in gleicher Weise versilbert. Die Mitangeklagte Ehefrau H. berief sich darauf, daß sie lediglich aus Geheiß ihres Mannes und in der Ueberzeugung, jene Accepte rührten von Uth her, gehandelt habe. Der Gerichtshof erlangte auf Grund der sehr umfangreichen Beweisaufnahme die volle Uebex= zeuguna von der Glaubwürdigkeit des Zeugen Uth und damit von der Schuld H.s. Bezüglich der Ehefrau wurde angenommen, daß sie nach dem großen Grad ihrer Beteiligung beim Absatz der Wechsel sich nicht in gutem Glauben habe befinden können und daher als Mitthäterin erscheine. — Das von beiden Angeklagten anerkannte Urteil billigte ihnen mildernde Umstände zu und lautete gegen H. aus 1 Jahr 9 Monate G efängnis abzüglich 3 Monate Untersuchungshaft, sowie dreijährigen Ehrverlust, gegen seine Ehefrau auf 5 Monate Gefängnis.
Bochum, 4. Sept. Die Straffammer des hiesigen Landgerichts verurteilte heute die Schsutzleute Völker und Ommert von hier wegen empörender Mißhandlung eines Arbeiters zu je sechs Wochen Gefängnis. Ter Staatsanwalt hatte drei Monate beantragt. Am 9(bcnb des 22. Januar d. I. waren die beiden Schutzleute in eine Wohnung eingetreten, in der eine Geburtstagsgesellschaft versammelt war. Tie Beamten wollen geglaubt haben, die Inhaberin der Wohnung mißbrauche auf diese Weise die chr erteilte Konzession zum Schnaps- und Bierverkauf über die Straße. Die Anwesenden bestritten, daß Schnaps getrunken worden sei. Schließlich entfernten sieb die nicht im Hause wohnenden Teilnehmer der Gesellschaft. Die Schutzleute gingen auch, stellten sich aber rechts und links an der Haustyüre auf. Als dann der Arbeiter Steden herauskam, wurde er von den Schutzleuten am Halse gepackt, zu Boden geworfen und in brutaler Weise durch Säbelhiebe mißhandelt. Die sauberen Hüter des Gesetzes begleiteten die Mißhandlungen durch rohe Beschimpfungen wie: „Wenn Du nicht stille bist, Hund", oder „Hund, wir werden Dich schon kriegen". Tabei halle der Mann nicht das Geringste gethan.
Dresden, 4. Sept. Das hiesige Militärgericht verurteilte den Leutnant Kannegießer vom Infanterieregiment Nr. 103 in Bautzen wegen Mißhandlung Untergebener zu sieben Wochen Festung. Der Leutnant schlug beim Nachexerzieren einem Soldaten mit dein gezogenen Säbel über den Helm, wodurch blutende Verletzungen entstanden ; einem anderen Soldaten, der bei der Anschlagstellung das rechte Bein zu weit hinten hatte, schlug er derart mit der Säbelscheide daran, oaß der Mißhandelte auf kurze Zeit das Lazarett aufsuchen mußte. Auch soll der Leutnant geäußert haben, „er habe den Säbel nicht umsonst; auf eine Leiche komme es ihm nicht an."
Oascokes.
jifofge Stadtverordneten - Beschlusses vom 20. Juni d. I. tritt eine
WMmWlilg nuferer Wecks ein und wurden die Preise derselben bis auf weiteres festgesetzt wie folgt:
Für den Centner ab Verkaufsstelle: Stück-Cokes..............1,20 Mk.
Nuß-Cokes in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung und für weite und enge Ofenschächte passend zerkleinert:
Größe Nr. 1, etwas größer als durchschnittliche Korngröße des Anthracit, g ang- bar st e S o r t e .........1,30 Mk.
Größe Rr. 2, kleiner als durchschnittliche äorngröfce des Anthracit ...... 1,35 Mk.
In Wagenladungen von mindestens 36 Gentnern:
Stückcokes.......1,15 Mk.
Nußcokes Nr. 1 .... . 1,25 „ Nußcokes Nr. 2.....1,30 „
Bei gleichzeitiger Entnahme von mindestens 200 Centnern: Stückcokes ...... 1,10 Mk.
Nnßcokes Nr. 1 .... . 1,20 „ Nußcokes Nr. 2.....1,25 „
Für Cokesabnehmer, welche zwei und mehr Toppelwaggons beziehen, ermäßi'gt sich der Preis um weitere 5 Psg. pro Gentner.
Für Anfuhr an das Haus werden 5 Pfennig für den Centner berechnet.
NB. Sofern das Verbringen der Eokes auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall rc.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung.
Im Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Centner Cokes statt; dagegen bleibt bei folgenden hiesigen Firmen der gkiiieriof msem Äosrohes von 1 bis 5 Centner
bestehen, nämlich bei den Herren:
Foh. Fischer, Alicestraße 19,
H. Äof, Löwengasse 11 und Bahnhofstraße 33, Gcbr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Cd. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Licherstraße 2, Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5.
Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gascokes samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Centnern.
G i e sie n, den 21. Juni 1901.
Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen.
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Gießen, den 2. September 1901.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
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Gießen, den 4. September 1901. 5975
- Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
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