Ausgabe 
7.8.1901 Erstes Blatt
 
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worauf diese Frau nicht Pasfiou hätte, auf Musik, Kunst, Litteratur, Militär, Marine, Reiten, Jagen. Dabei spricht sie über Geschichte wie ein Historiker, und zwar sehr gut mrd bestimmt.- Gustav Freytag erzählt: Der Kronprinz rühmte ihr reiches Wissen und ihren Geist, zu dem er immer aufseheu müffe, und klagte, daß eine solche Frau nicht überall uach ihrem Wert Anerkennung finde, und mau empfand, wie wohl es ihm that, von der zu reden, an die er immer dachte.

Bei den Empfängen zeichnete die Kronpriuzesfin gern auch das bürgerliche Element aus, und besonders gern uuter- hielt sie sich mit Künstlern und Gelehrten.

Sehr lieb war ihr der Aufenthalt in Bornstedt, dem Gute ihres Gemahls. Dort war sie nichts als die tüchtige Hausfrau, die selbst im Keller erschien, um die Sahne zu prüfen und die Menge zu bestimmen, die am Nachmittag zum Thee in der Laube des herrschaftlichen Gartens getrunken wurde. Ganz besonders gern veranstaltete sie dort Kinder­feste- Mit geröteten Wangen und mit lachenden Augen eilte die Frau Kronprinzessin, unterstützt von den Prinzen und Prin­zessinnen, zwischen den Tischen auf und ab, ordnete und prüfte und sorgte und war nicht eher befriedigt, als bis alle die Kleinen gesättigt vom Tische aufstandeu. In der Born­stedter Schule sorgte sie für gute Lüftung der Räume, für Reinhaltung der Klaffeuzimmer und gute Haltung der Kinder. Oft erschien sie dort noch am späten Abend an dem Kranken­bette eines Kindes, um den Eltern Mut und Trost zuzu- sprecheu.

In der schweren Krankheit ihres kaiserlichen Gemahls war sie ihm die treueste Pflegerin. Daß ihr Vertrauen auf die Heilkunst eines angesehenen Arztes ihres Heimatlandes unbegrenzt, übertrieben war, wird das deutsche Volk zwar allzeit bedauern, aber es wird auch ihre warmen und innigen Heimatsgefühle verstehen und zu würdigen wiffen.

Die Jahre ihres WitweutumeS hat die hohe Dahin­geschiedene in stiller Zurückgezogenheit verbracht, hauptsächlich beschäftigt mit der Lektüre der besten Werke der Weltlitteratur, mit Werken der Dichtkunst und der Wisievschaften. Reich aber war auch ihr Wirken in Wohlthaten und Liebesspenden. Wo ihre Hand eingriff, da wichen die Sorge und das Leid, da heilten Wunden, da verwandelten sich Jammer, Elend und Kummer in Freude und Glück.

Nun ist sie verblichen. Ueber ihrem Leben hat eine lange Reihe von Jahren heiter und warm die Sonne ge­leuchtet. Sie hat die Früchte dieser Erde gekostet, sie hat das Herz de» treuesten und edelsten Gatten beseffen. Im Angesicht ihrer Lieben ist sie ruhig entschlafen. Wer hat mehr gehabt und muß nicht sagen: Dieses Mehr war vom Nebel!

(Schluß im zweiten Blatt.)

Die Handelshochschulen und der Bankkrach.

Von sehr beachtenswerte Seite geht uns folgender Aufsatz zu:

In der Berliner ZeitungDer Tag" vom 17. Juli d. Js. beftndet sich ein Leitartikel über die Handelshoch­schulen. Er entstammt der Feder eines jungen Berliner Privatdozenten der National-Äekonomie, Chr. Eckert, der sich ganz kürzlich, 27 Jahre alt, habilitiert hat. In diesem Aufsatz werden die Aufsehen erregenden Ereignisse in der deutschen Bankwelt und in einzelnen industriellen Unter­nehmungen, die auf Grund eines überspannten und frU volen Bankkredits Gründungsschwindel getrieben haben, für den Beweis verwertet, daß Handelshochschulen, die volks­wirtschaftlich durchgebildete Bankdirektoren und Leiter von industriellen Unternehmungen dem deutschen Wirtschafts­leben zusühren sollen, unerläßlich seien. Herr Eckert, der hier als Reformator auf unserem Kapitalmärkte auftritt, ver­steigt sich in seiner Beweisführung zu der Behauptung, daß der Grundfehler unseres BanUvesens darin beruhe, daß nicht tüchtige theoretisch ausgebildete Nationalökono­men im Rate der Banken säßen. Solche Leute seien nötig, weil sie an höheren Maßstäben messen. Ihnen seien die allgemeinen Gesetze der Wirtschaftsentwickelung geläufig, sie singen bei gewissen Symptomen an, ängstlich zu werden, und drängten zur Vorsicht.

Herr Eckert, der irgend welche praktische Erfahrungen auf volkswirtschaftlichem Gebiet offensichtlich noch nicht hat, stützt sich in seiner eigentümlichere Reformioee auf eine ge­legentliche Aeußerung des Börsenkorrespondenten derZu­kunft", der unter dem NamenPlutus" seit Jahren pikante Plaudereien über die Berliner und Hamburger Börse lie­fert und den man für gelegentlichgut informiert halten muß. Trotz dieses anonymen Gewährsmannes erscheint der Vorschlag, wissenschaftlich ausgebildete Nationalöko- nomen statt der kaufmännisch ausgebildeten Di­rektoren in die Spitze der großkapitalistischen Unter­nehmungen zu berufen, ungewöhnlich naiv. Gerade unsere Bankwelt zeichnet sich der Natur der Sache nach durch einen weitgehenden und umfassenden Ueberblick über die wirtschaftliche Gesamtlage aus, ohne daß sie theoretische Studien auf den Hochschulen gemacht hat. Der national­ökonomische Theoretiker kann vom Bankier auf dessen Spe­zialgebiet wahrscheinlich mehr lernen, als umgekehrt der praktische Finanzmann vom zünftigen Nationalökonomen. Die Wirtschaftspolitik ist eine Kunst, die man nicht aus Büchern allein lernen kann. Fürst Bismarck, der gewiß eine förmliche Umwälzung in unseren deutschen volks­wirtschaftlichen Anschauungen zu Wege gebraclft hat, wie kaum ein anderer Staatsmann, hat sich mit begreiflichem Stolze gelegentlich gerühmt, daß er nie ein nationalöko­nomisches System zur Hand genommen habe. In unseren Tagen ist ein Industrieller an die Spitze des preußischen Handelsministeriums berufen worden, von dem man sich in allen Kreisen eine sachverständige Verwaltung seines Portefeuilles verspricht, und von dem man in erster Linie auch erhofft, daß er die zerfahrene deutsche Bürsengesetz- gebung wieder in verständige Bahnen lenken werde.

Wenn die deutsche Nationalökonomie erst gelernt hat, dauernde Fühlung mit den wirtschaftlichen Vorgängen des täglichen Lebens zu unterhalten, wenn sie die einseitige Behandlung sozialpolitischer Probleme, bei der viele und wichtige andere Gebiete, gerade wie das Geld- und Kredit­wesen, arg vernachlässigt worden sind, fallen läßt, erst dann wird sie darauf Anspruch machen dürfen, als Be­raterin und Lehrmeisterin der Praxis gehört zu werden. An dieser Fühlung mit der Praxis fehft es aber gegen­wärtig mehr, als wünschenswert. Speziell die historische Sckiule, die auch heute noch in Deutschland herrsckMid ist, und die meisten Lehrstühle mit reinen Wirtschaftshistorikern besetzt, exscheint am wenigsten geeignet, die Schäden, die sich in unserem Wirtschaftsleben auf den Geldmärkten zeigen, erfolgreich zu bekämpfen.

Gegenwärtig hat Deutschland eine Häufle und eine Gründungsperiode hinter sich. Die aufsteigende Konjunktur war nicht immer gesund. Wie nach jeder stürmischen Auf- wärtsbewegung im wirtschaftlichen Leben kommt es jetzt zu einer gewissen Abrechnung. Die leichtfersig, ja ver­brecherisch ausgerüsteten Kartenhäuser stürzen gegenwärtig jählings zusammen. Wie in den siebziger Jahren, so kracht"" es bald da und dort, und es ist noch nicht ab­zusehen, rvann die Aera des Zusammenbruchs ihr Ende erreicht haben wird. Wer aber die ökonomische Situation seit Jahren genau verfolgt hat, der weiß, daß unser deutsches Bank- und Jndustriewesen im großen und ganzen intakt geblieben ist. Es müssen nur gewisse kranke Glieder rücksichtslos abgestoßen werden, damit der Geldmarkt wie­der zur Ruhe tommen kann. Das giebt ja auch der Re­formator desTages"" zu.

Wir würden uns hier nicht gegen seine Ausführungen gewendet haben, wenn er sie nicht durch ebenso ver­kehrte wie übertriebene wirtschaftspädagogische (Hnnahn- ungen, die ein ungewöhnliches. Maß von Gelehrtenhochmut beweisen, verziert hätte.

Auch wir wünschen den neugegründeten Handelshoch­schulen in Leipzig, Köln und Frankfurt a. M. neidlos eine ersprießliche Wirksamkeit. Wogegen wir uns wehren, ist einerseits die Uebertreibung des segensreichen Einflusses der nationalökonomischen Doktrin auf das Wirtschaftsleben überhaupt, und andererseits die frühzeitige Reklame für die neugegründeten Schwesterhochschulen. In weiten Kreisen begrüßt man die Institute der freien Hochschulthätigkeit als Zeichen gemeinnützigen Geistes großer Städtewesen und opferwilliger Stifter. Vorläufig liegen aber noch keinerlei Erfahrungen vor, die irgend welche Anhaltspunkte geben, daß die Handelshochschulen ökonomische Besserungs - An- stalten werden. Nach amerikanischem Muster treten endliche auch bei uns Millionäre auf, die für den Hochschulunter­richt große Summen gemeinnützig bereit stellen. Sie thun es gewiß nicht nur aus Lokalpatriotismus, um ihrem Heimatsorte universitätsähnliche Einrichtungen zu sichern, wenngleich auch dieser Gesichtspunkt eine große und wesent­liche Rolle spielen mag. Wie weit sich aber die durchaus neuartige Institution bewähren wird, bleibt abzuwarten. Ob sie nicht besser an die bestehenden Hochschulen ange­gliedert wäre, ist eine Streitsiage, die wir trotz dem Versuche, der in Leipzig gemacht worden ist, vorläufig ver­neinen möchten. Wir sind der Ansicht, daß die Universi­täten, die so wie so mehr als wünschenswert neuzeitlichen Reformen ausgesetzt sind, sich für solche nicht ungefähr­liche Versuche nicht hergeben sollen. Die Universitäten sind Trägerinnen alter und bewährter Traditionen, und unter ihrer Herrschaft ist das deutsche Kulturleben nicht zu kurz gekommen. Die Universitäten stehen in ihrem geschicht­lich gewordenen Ansehen aber auch; zu hoch da, als daß sie die Handelshochschulen aus Konkurrenzmotiven bekritteln öllteN. Qui vivra, verra!

Der Zweck dieser Zeilen war, vor Uebertreibungen zu warnen, und gleickMitig frühzeitige Prophezeiungen über die Wirkungen der Handelshochschulen zurückzuweisen. Die Nationalökonomie als Wissenschaft wird und kann an den Handelshochschulen keine andere sein, als an den Uni­versitäten. Will sie da und dort Einfluß auf die Praxis gewinnen, so wird sie mehr Fühlung mit dem wirtschaftlich>en Getriebe unserer Tage nehmen müssen. Sie wird das Geld- und Börsenwesen durch sachverständige Männer fort­laufend zu beobachten haben und für die Popularisierung ihrer Studien Sorge tragen müssen. Aber auch dann wird ihr Einfluß nur ein relativer und mittelbarer sein. Was die Nationalökonomen zu erziehen haben, ist viel weniger die Intelligenz der Betriebsleiter von Banken und Industrie - Aktien - Gesellschaften, als das , große Publikum., das gegemvärtig die Handelskette unserer großen und angesehenen Blätter nicht versteht, das nicht zwischen den Zeilen zu lesen gelernt hat und deswegen leichtgläubig sein Geld unsoliden Unternehmungen opfert. Die Handelshochschulen mögen zur Besserung dieser Miß- tände ihr Teil beitragen das ist sehr zu wünschen, aber der Schwindel und die Unsolidität werden niemals durch Vorlesungen beseitigt werden. Denn einerseits giebt es Böswillige und Gewissenlose in jedem Stand und an- dererseitswerden die Dummen nicht alle." B

Die Gietzeuer Ferien 5 i.

Man schreibt uns von geschätzter Seite:

In der letzten Sitzung der Stadtverordneten wurde u .a. die Verteilung der Ferien an den höheren Schulen unserer Stadt erörtert. Diese Besprechung ist wohl eine Folge des aus Hochschulkreisen an das Ministerium gerichteten Ge- üchs, die diesjährigen Herbstferien an den höheren Schulen früher beginnen zu lassen. Die Gesuchsteller be­tonten, daß durch den allzu späten Beginn der Herbstferien längere, in Gemeinschaft mit den Kindern auszuführende Reisen für viele Eltern vereitelt oder beeinträchtigt wür­den.

Dieses Gesuch wurde von dem Ministerium, nach er- olgter Berichterstattung durch die drei hiesigen Direktionen, abgelehnt, allerdings mit dem Hinweis, wie wenigstens in der Stadtverordneten-Sitzung mitgeteilt wurde, daß im nächsten Jahre eine Neuregelung der Ferien erfolgen werde.

Es sei uns hier zunächst gestattet, einen kurzen Ueber­blick über die augenblicklich zu Recht bestehenden Ver­ordnungen und über die thatsächlichen Verhältnisse an den verschiedenen Schiulen des Großherzogtums zu geben, ehe wir auf die von den Gesuchstellern vorgebrachten Gründe und den nach unserer unmaßgeblichen Meinung von dem Ministerium bei seiner ablehnenden Haltung wohl eingenommenen Standpunkt näher eingehen.

Durch eine Verfügung vom 31. März 1881 wurde unter Wegfall derbisher an einzelnen Anstalten üblichen sog. Sommerferien"" (Juliferien) folgende Ferienverteilung an­geordnet: 1) . . . 2) . . .3) Herbstferien 5 Wochen, von dem dem 15. AugustzunächstliegendenSonn- t a g e a n"". Fällt Sonntag und 15. August zusammen, so ist der Beginn der Ferien von diesem Tage an zu rechnen.

Diese für das ganze Großherzogtum erlassene Ferien­ordnung wurde aber alsbald für Darmstadt durch­brochen. Darmstadt behielt auf Wunsch der sehr zahlreich vertretenen Offiziere die bis dahin dort üblichen vier­wöchigen Juliserien und die im letzten Drittel des Septem­ber beginnenden 14 tägigen Herbstferien.

Eine Verfügung vorn 20. März 1882 nimmt Bezug auf die für Darmstadt abgeänderte Ferienordnung und erklärt, daß,wenn ähnliche Verhältnisse die Abänderung der am 31. März 1881 getroffenen Einrichtung auf anderen An­stalten wünschenswert machen, wir geneigt sind, aus des- sallsigen motivierten Antrag die gleiche Aenderung ein­treten zu lassen."

Im Lause der Jahre haben nun eine ganze Reihe von Städten diese sog. Darmstädter Ferienordnung meist unter

fteudiger Zustimmung der Lehrer angenommen, vielfach nach erfolgter Anregung aus Elternkreisen, häufig auch, nachdem allen Eltern Gelegenheit gegeben war, sich zur Sache zu äußern. Noch, in jüngster Zeit wurde unter Zustimmung der jetzigen Schulabteilung an verschiedener, Anstalten die Darmstadter Ferienordnung eingeführt, so, daß augenblicklich wohl die Mehrzahl der hessischen Schulen Juliferien hat, so Darmstadt, Mainz, Worms, Offenbachs Bingen, Oppenheim, Groß-Urnstadt, Alsfeld, Friedberg u. a. Die kleineren rheinhessischen Thülen haben für die dann folgenden späten Herbstferien sogar noch eine gewisse Frei­heit der Wahl'mit Rücksicht auf die Weinlese.

Für die Anstalten, die sich der Darmstädter Ordnung noch nicht angeschlossen haben, also auch für Gießen, sind nun von Wichtigkeit zwei neuere Verfügungen. Die Verfügung vom 22. Juli 1895 sagt,daß die Herbstferien an dem Sonntage beginnen sollen, welcher dem 15. August voraus geht, bezw. am 15. August, wenn dieser auf einen Sonntag fällt." Tie zweite Verfügung vom 17. Juli 1898 bestimmt, ganz im Sinne der Gesuchsteller und angeblich auch veranlaßt durch damals aus denselben Kreisen laut- gewordene Wünsche, daß die ,^erbstferien an dem Mon­tage beginnen, welcher dem 8. August zunächst liegt."

Infolge dieser Verfügung wurde der Unterricht 1898 am 6. August, 1899 am 5. August, 1900 am 4. August ge-, schlossen. In diesem Jahre hätte am 3. August geschlossen werden müssen, während von 1881 bis 1895 durchschnittlich am 17. August, von da bis 1898 durchschnittlich am 12. August Ferienanfang war, ohne daß man in den 15 Jahren von 1881 bis 1895 in Lehrer- oder Elternkreisen Klagen über zu späten Beginn der Ferien vernahm, während um- gekehrt bereits die Verordnung von 1895 und noch mehr diejenige von 1898, die beide ohne vorher eingeholte Mein­ungsäußerung der im Schuldienst stehenden Männer er­lassen worden waren, sofort, noch vor ihrer prak­tischen Verwirklichung, die allergrößten Bedenken hervorriefen. Bedenken, die durch die dann folgende^ Erfahrungen nicht nur nicht beseitigt, sondern noch ver­stärkt wurden.

Die Folge der Verordnungen war nämlich eine unge­wöhnliche Länge des an sich schon immer sehr arbeits­reichen Tertials von Herbst bis Weihnachten. Dieses Tertial umfaßte nunmehr eine ununterbrochene Schulzeit von 15 Wochen, eine Arbeitszeit, die bei dem heutigen inten­siven Schulbetrieb die Kräfte von Lehrenden und Lernen­den in ganz unverantwortlicher Weise in Anspruch nahm. Die Lehrer waren vielfach müde, abgespannt, nervöser wie gewöhnlich, die Schüler waren schlaffer, weniger zur Arbeit geneigt, weniger im Stande, mit Aufmerksamkeit dem Unterrichte zu folgen, in den Pausen weniger zum Spiel geneigt, mit weniger Eifer über das Frühstück herfallend. Jeder Lehrer konnte diese Erfahrung an sich und seinen Schülern machen, gewiß haben dieselbe Erfahrung auch all die Eltern gemacht, deren Kinder bestrebt waren, bis zuletzt pflichtgemäß und intensiv mitzuarbeiten. In dem Augenblick aber, wo die schon vorher gefürchteten Ge­fahren sich thatsächlich einstellten, war es Pflicht der Schul­leitung, auf diesen Umstand hinzuweisen, und Entscheidung des Ministeriums herbeizuführen. Daß der Hinweis auf diese Gefahren gerade von Gießen ausging, ist ganz er­klärlich, denn von allen Städten, die sich noch nicht der Darmstädter Ferienordnung angeschlossen haben, ist Gießen die größte, die Klassen sind hier viel stärker besucht, teil­weise überfüllt, so daß an Lehrer und Schüler viel größere Anforderungen gestellt werden, als an anderen Orten, wo manchmal die Klassenzahl nur ein Drittel der hier üblichen Ziffern beträgt. Daß insbesondere die Anregung gerade von der höheren Mädchenschule ausging, ist eben­falls erklärlich, es war zu erwarten, daß gerade bei den Mädchen die Mißstände sich zuerst zeigen würden. Die beiden anderen Anstalten konnten aber auf Anfrage wohl pflichtgemäß berichten, daß auch bei ihnen gleiche Er­fahrungen gemacht worden seien.

Die Folge loar eine, so viel wir wissen, bis jetzt aller­dings nur für Gießen giltige Verfügung, wonachdie Ferien wieder nach Maßgabe der Verordnung vom 31. März 1881 zu erfolgen haben'". Dadurch war in diesem Jahre der Ferienbeginn vom 3. August auf den 17. verschoben und das Tertial zwischen Herbst und Weihnachten um 14 Tage verkürzt. So weit die thatsächlichen Verhältnisse.

Aas Stadt und Land.

Xachvichten von allgemeinem Interesse sind UNS stets willkommen und werden arrgemefferr honoriert.

** Personalnachrichten. Der Großherzog hat der durch die Dekanatssynode des Dekanats Grün berg füü den Rest der im Jahre 1908 ablaufenden Wahlperiode voll­zogenen Wahl des evangelischen Pfarrers Karl Wagner zu Ettingshausen zum Dekan des Dekanats Grünberg die Bei tätigung erteilt, den Pfarrer und Dekanstellvertreter Georg Bayer zu Kelsterbach auf sein dtachsuchen von der ihm übertragenen Pfarrstelle zu Dornheim, Dekanat Groß^k- rau, wieder enthoben, und diese dem Pfarrer Philipp Münch zu Münster übertragen.

Die Perseiden ober LaurentiuSmeteore sind eine seit Jahrhunderten mit großer Regelmäßigkeit wiederkehreude Himmelserscheinung; ihre Fülle hängt anscheinend fast nur von den äußeren Bedingungen ab, nämlich von dem Wetter und der Mondphase. In letzterer Hinsicht sind wir in diesem Jahre recht günstig gestellt, da die Aufgänge deS Mondes in der Zeit vom 7. an erst in späte Nachtstunden fallen. Nach- stehende Zahlen, die den Aufgang nach mitteleuropäischer Zeit geben, find für ganz Westdeutschland auf etwa zehn Minuten richtig:

August 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14.

11.24 11.59 0.53 1.56 3.5 4.18 5.31 Das Phänomen läßt sich bei klarer Witterung etwa von 9i/a Uhr an, wenn es dunkeler zu werden beginnt, gut be- obachten. Die meisten scheinbaren Meteorbahnen weisen, nach rückwärts verlängert, auf einen Punkt im Perseus. Die Lage dieses Punktes zum irdischen Beobachter ist veränderlich, da er eben mit den Sternen auf- und untergeht. Außer­dem verschiebt sich die Lage des Punktes unter den Sternen selbst von Tag zu Tag ein wenig nach Nordnordost. AuS beiden Thatsachen folgt bekanntlich die kosmische Natur der Erscheinung. Wer durch eine auffallende Himmelserscheinung veranlaßt wird, sich mit den Gestirnen zu beschäftigen, nimmt gern auch von anderen Dingen Kenntnis, die bei dieser Ge­legenheit mitbeobachtet werden können. Der veränderliche Stern Algol im Perseus erfährt in denselben Tagen drer von seinen alle 69 Stunden wiederkehrenden LichtminimiS zu bequem liegenden Tageszeiten, nämlich

August 7. 9. 12.

kleinstes Licht 1.43 früh 10.32 abends 7.21 abends.