Ausgabe 
7.7.1901 Erstes Blatt
 
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253,1 Millionen Mk.

einschließlich der Edelmetalle 220,5 Millionen Mk. / ausschließlich 215,5

Gegen daS Vorjahr ist die Einfuhr um 10,4 und 11,5 v. H. zurückgegangen, die Ausfuhr dagegen um 22,2 und 22,3 v. H. gestiegen. Haupteinfuhrwaren aus Belgien sind rohe und gekämmte Wolle, Pferde, Kohlen, Koks, Wollengarn (außer hartem Kammgarn rc.), Blei, Maschinen, Zink, Leinen­garn. Hauptausfuhrwaren nach Belgien find Kohlen, Maschinen, grobe und feine Eisenwarev, unbedruckteS Woll­tuch, Eisenerze, Halbseiden-- und Edelmetallwareu, Koks, Hopfen, Weizen, Roheisen, Anilin und andere Theerfarbstoffe, Eck- und Winkeleisen rc. Der Einfuhrrückgang ist durch den

Ausfall bei Wolle und Wollenwaren ( 33,2 Millionen Mark), die Ausfuhrzunahme besonders durch die Preis« steigerung von Eisen und Eisenwaren, die vermehrte Maschinen-, Kurzwaren-, Kohlen-, Getreide-, Wolle-, Papier-, KupferauS- fuhr bedingt.

Im Verkehr mit den Niederlanden betrug der Spezialhandelswert:

in der Einfuhr: in der Ausfuhr:

einschließlich der Edelmetalle 215,4 Millionen Mk. 895,9 Millionen Mk.

ausschließlich , 208,9 364,5

d. i. gegen 1899 in der Einfuhr mehr 5,7 und 6,2 v. H., in der Ausfuhr mehr 20,8 und 13,7 v. H. Haupteinfuhr­waren aus den Niederlanden sind Rohtabak, Fleisch, Kaffee, Gemüse, frische Fische, Salzheringe und andere gesalzene Fische, Käse, Butter, Zinn, Reis, lebende Pflanzen und Blumenzwiebeln, Pferde, Goldmünzen, Leinsaat. Hauptaus­fuhrwaren nach den Niederlanden Kohlen, Goldmünzen, Kleider, Eisenwaren, Steine, unbedruckte Wolltuche, Maschinen, Platten und Bleche aus Schmiedeeisen, roh, gefärbte rc. dichte Baumwollgewebe, Oelkuchen, Stabeisen, rohes ein­drähtiges Baumwollgarn, Eck- und Winkeleisen, Bücher rc. Die Ausfuhr nach den Niederlanden weist von allen Ländern die größte Zunahme nach.

Von den im Januar bis April 1900 von Fmme nach Natal und Kapstadt versandten 8000 Pferden kamen nur wenig über oOOO levenv in Natal und Kapstadt an, welche sich dem Klima und den Strapazen eines südafrikanischen Feldzugs nicht gewachsen zeigten, sondern mneryarv kurzer Zeit in Menge eingingen. Ebenso verhielt es sich mit den Nach­schüben, obwohl diese etwas besseres Material aufwiesen. Die vom Rnegs- amt auf Grund geheimer Denunziation eingeleitete Untersuchung hat nun einen Betrug in der Höhe von ca. sechs Millionen Kronen zum Schaden der englischen Kriegskasse festgestellt. D,e Anklage be. -ichtigt die einkaufenden, kontrollierenden und die gelieferten Psttde im Hafen von Fiume abnehmenden Offiziere der Bestechung, die Pferde­händler und Lieferanten aber deS Betrugs, weil sie erstens weit wemger Exemplare lieferten, als sie gut gebracht erhielten, und weil sie anstatt des Musterpferdes im Werte von 409 Gulden alle mit Währungs« lehlern versehenen Roffe, Blinde, Lahme, Altersschwache, Fohlen, Kranke, im ganzen Ungarlande zusammenbrachten; auch die tauglichsten der gelieferten Ware waren im Durchschnitt noch mcht 160 Gulden pro Kopf wert. _ .. t

Da der Untersuchungsbehörde in Fiume die doppelte Buchführung eines Hauptlieferanten in die Hände fiel, nämlich die Liste der angeblich gelieferten Pferde und diejenige seiner Einkäufe samt dem Verzeichnis seinerDouceurs" an die englischen Offiziere, so dürste wenigstens ein Teil der großartigen Unterschleife und Betrügereien bewiesen und die Be­strafung der Schuldigen erzielt werden."

Das Kaiserliche Statistische Amt hat die Hefte 1: Belgien und 12: Niederlande herausgegeben. Die Hefte enthalten den Außenhandel Deutschlands mit den beiden Ländern in den letzten vier Jahren. Dem umfangreichen Tabellenwerk (54 und 55 Seiten) geht eine gedrängte Dar« stellung der Entwicklung des deutsch-belgischen und deutsch- niederländischen Handels im letzten Jahrzehnt voraus. Im Verkehr mit Belgien betrug 1900 der Spezialhandelswert

in der Einfuhr: in der Ausfuhr:

Aus Stadt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist litte unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.)

* Persoualnachrichten. Der Großherzog hat dem Gräflich Erbach - Schönberg'schen Gartenarbeiter Friedrich Dill mann in Schönberg das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" verliehen. Ernannt wurde der Hilfsschaffner bei der Main Neckar- Eisenbahn Philipp Weigand aus Wixhausen zum Schaffner bei dieser Bahn.

** Der Oberhesfische Gefchichtsvereiu unternimmt am nächsten SamStag einen Ausflug nach Arnsburg und Münzen­berg. Das für den Ausflug ausgestellte Programm ist folgendes:Abfahrt nach Lich 2.05 Uhr nachmittags, Fuß­wanderung von Lich nach Arnsburg; nach kurzem Aufenthalt daselbst Wagenfahrt nach Münzenberg; Besteigung des Burg­bergs und Erläuterung der kunstgeschichtlichen Bedeutung der Burg durch Prof. Dr. Sauer, Besichtigung der Burg und ihrer Umgebung; Nachtessen; Rückfahrt auf den früher be» nutzten Wagen; Abfahrt von Lich 10.15 Uhr abends, Ankunft in Gießen 10.39 Uhr." Die Beteiligung von Damen ist erwünscht, Nichtmitglieder sind als Gäste willkommen. Anmeldungen zur Teilnahme, insbesondere für die Wagen» fahrt und das Nachtessen nimmt bis zum 8. d. Mts. abends Dr. Kornemann entgegen.

Tas Mainzer Gewerbegericht hat vor einigen Tagen seinen 10. Geburtstag gefeiert. Terartige Feste bringen dem Feiernden Artigkeiten und Beglückwünschungen, zu­meist auch Geschenke. Und ein solches Geschenk ward unserem Geburtstagskinde: die neue Gewerbegerichts­novelle, die soeben amtliche publiziert worden ist Mit dem 1. Januar 1902 tritt die Novelle in Kraft. Manch' andere Verbesserung hätte man ja noch hinzufügen können, aber amt), das jetzt Erreichte nehmen wir dankbar und freudig an, die Zukunft vorurteilsfreier Erkenntnis über­lassend. Und diese Erkenntnis wird kommen für jeden, der einmal anfängt, sich mit unseren Gewerbegerichten zu befassen, und. sich von dem Wirken und der Thätig- keit des Gewerbegerichts überzeugt auf wirtschaftlichem, materiellem und ethischem Gebiet, von seinem eminenten Einfluß, wie er sich! fortschreitend geltend macht auf jedem Gebiet der Sozialpolitik. In kürzester Zeit, ohne lang­wierige von Formalitäten umgebene Verhandlungen, wickelt sich das Streitverfahren ab; kollegial sich gleich­gestellt sprechen und finden Arbeitgeber und Arbeit­nehmer Recht; Verzögerung des definitiven Prozeßab­schlusses durch langzeitige Instanzenwege darf als aus­geschlossen gelten. Aber über diese hinaus erstrecken sich feine wohlthatigen Einflüsse: Tie Zusammenarbeit hetero­gener Parteien bei jenem Gericht, die gegenseitige Aus­sprache, die hüben wie drüben Ansichten klärt, nähert und

** Lehrergeh'älter. Aus Lehrerkreiseu werden wir um den Abdruck des in derWorms. Ztg." gegebenen Berichtes über die dortige Stadtverordneten Versammlung vom 25. Juni gebeten, soweit er sich auf die anderweitige Regulierung der Gehälter der Lehrer, Lehrerinnen, Schulverwalter und Schul­verwalterinnen an der Volksschule zu Worms bezieht:

Referent: Herr Dr. Stephan. Als am 21. Dezember 1888 eine .Höhung der Lehrergehalte von der Stadtverordneten«Bersamnhlung be- wllltgt wurde, waren die Meinungen über die Höhe der Gehälter der einzelnen Gehaltsstufen, auch innerhalb des FinanzauSschuffes, geteilt, Mdem verschiedene Herren für höhere Sätze, als von der Bürgermeisterei vorgeschlagen, waren. Die Lehrer waren damals mit der bewilligten Er- Hohuug einverstanden und hat seitdem eine Agitation in Lehrerkreisen auch mcht bestanden. Nach dem nunmehr erfolgten neuen Entwurf, welcher von dem Schulvorstand, sowie dem Finanzausschuß einstimmig genehmigt worden ,st, sollen statt der früheren 11 Gehaltsklaffen nur noch 10 be- bQ leigen Vorlage das Dienstalter mit 28 Jahren

Wichtiger wohl 27 Jahren) erreicht werden soll, während früher 30 Jahre vorschrif war. Innerhalb der einzelnen Klaffen soll von 3 zu 3 Jahren eine Steigerung von 200 Mk. erfolgen statt bisher 160 Mk Der An- sangsgehalt von 1400 Mk. bleibt bestehen, der Höchstgehalt steigt bis -200 Mk Die Stadt WormS geht mitbem Statut ÄtM Ochsten Gehälter hat. Die Gehälter der Syrerinnen find im wesentlichen beibehalten, nur ist von 21 Dlenstjahren ab eine

Steigerung um 150 Mk. auf Mk. 2250 vorgesehen. Die Fu

> für die Oberlehrer soll von 300 auf 400 3RI. fO0je für die

; entschädigung für die verheirateten und verwitwe ^h f unDer, unverheirateten mit eigenem HaushÄt betrat ,e Schul-

heirateten Lehrer sowie Lehrermnen 300 Mk., mr ve y 200 Verwalter 400 Mk., für Schulverwalter und Schulverwüt anfangs,

, Der Gehalt der HandarbeiMehrerinnm beginnt tmt 1100 M gehalt und steigt mit 200 Mk. statt bish-r 150 Dll. vrs b. I.

H.-S --

schasts-. Erbschastssachen usw. werden in den Ferien mch bearbeitet Aus daS Mahnverfahren und auf Strafsachen (mit Ausnahme von Privatklagen) haben die Ferien kemen

8is-ub°h-«-rk-hr. Durch di- Neuregelung der Eisen- bahnrücksahrkarten bleiben nicht nur dieJ

berührt, sondern auch die besonderen Rückfahrkarten mit kürzerer Giltigkeitsdauer und geringeren Preisen, ebenso die Arbeilerkarlen und Doppelkalten der 4. Wagenklaffe.

Konzert der Berliner Domfauger. Auf das Konzert der Konzertvereinigung der Berliner Domsänger, das am Montagabend stattfinvet, möchten wir hiermit nochmals empfehlend aufmerksam machen. Der beliebte Sangerchor hat das Jutereffe, das seinen Darbietungen hier m reichem Maße entgegen gebracht worden ist, stets auch ebenso reichlich verdient. Das ebenso reichhaltige wie interessante Programm gibt ihm Gelegenheit, seinen alten bewährten Ruf auch in diesem Jahre wieder zu rechtfertigen und zu begründen. Voraussichtlich ist den Berliner Gästen ein volles Haus beschützen. . ,

♦♦ Sommerfest. Der Turnverein Gießen begeht am nächsten Sonntag im Philosophenwald sein diesjähriges Sommerfest, verbunden mit der Feier seines 55 jährigen Bestehens. Das hierzu aufgestellte Programm bietet eine Fülle angenehmster Abwechselungen. Namentlich in turnerischer Beziehung sind Nummern vorgesehen, die besondere Er­wähnung verdienen. So sind u. a. die Keulen-Uebungen und das Stockschlagen hervorzuheben. Auch das Turnen an den verschiedenen Geräten und vor allem das Kürturnen dürfte viel Anerkennung finden. Ein interessantes Schauspiel wird ferner der bei Eintritt der Dunkelheit im Programm vorgesehene Fackelreigen bieten. Der musikalische Teil des Zrogramms wird von unserer Regimentskapelle ausgeführt. Die Absicht, die den Turnverein bei dem diesjährigen Sommer­est leitet, ist die, den bis jetzt der Turnsache noch Fern- tehenden die Ziele seiner Bestrebungen vor Augen zu führen und ihr Interesse zu wecken. Deshalb ist auch für Nicht­mitglieder die Teilnahme an der Festlichkeit erleichtert worden, ndem im Vorverkauf Karten zu ermäßigten Preisen zu er- alten find.

Bad-Nauheim, 4. Juli. Die Persouenfrequenz betrug )is zum 4. Juli, nach amtlicher Angabe, 10219 Kurgäste. 124867 Bäder wurden bis zu diesem Tage abgegeben.

b. Friedberg, 5. Juli. Die Selbsteinschätzung gelegentlich der Steuerreform in Heffen hat ergeben, daß wir in unserer Stadt nunmehr acht Millionäre haben.

Darmstadt, 5. Juli. Der Großherzog von Baden, General Inspekteur der V. Armee-Inspektion, besichtigte heute vormittag auf dem Truppen>UebungSp!atze die 28. Feld- Artillerie-Brigade im Schießen. Der Großherzog Ernst Ludwig begrüßte den Großherzog von Baden auf dem UebungSplatze.

Bingen, 4. Juli. Gestern abend wurde im Binger Stadtwalde auf der Chaussee nach dem Jägerhaus, ungefähr zehn Minuten von dem Forfihaus Heiligkreuz, die Leiche eines jungen etwa 28 jährigen, gutgekleideten Mannes auf­gefunden. Bei der Leiche fand sich ein Revolver. Der Mann hatte einen Schuß im Munde, durch den der Tod sofort herbeigeführt worden war. Eigentümlich ist, daß sich bei dem Toten nichts vorfand, was auf seine Herkunft Hin­weisen könnte. Seine Uhrkette baumelte an der Westentasche herunter, eine Uhr fand sich jedoch nicht vor. Man möchte einen Raubmord annehmen, doch weist der Schuß im Munde mehr auf Selbstmord hin.

Mainz, 5. Juli. Auf Einladung fanden sich gestern nachmittag vor Beginn der Gewerbegerichtssitzung fast sämtliche Beisitzer im Saale des Gerichtes ein, um dem Festakte zum 10jährigen Bestehen des Gewerbe­gerichts beizuwohnen. Oberbürgermeister Dr. Gaßner ergriff das Wort zu einer Rede, aus der wir folgendes hervorheben:

die Empfindung der Gleichberechtigung.erweckt, müder« auch draußen die Gegensätze, wirkt erziehlich und ber- breitet so in den beteiligten und diesen nahchtehendan Kreisen Unbefangenheit und ruhige, saMich^e Ueberlegung kurz, das Gewerbecstiücht stiftet, erhalt und fordert sozialen Frieden. In den abgelaufenen 10 Zähren wurden im Ganzen bei unserem Gewerbegerrcht 428o.strertsach-en anhängig gemacht, also im Jahresdurchschnitt rund 430 Fälle. Von diesen 4285 Klagen wurden erledigt durch Anerkenntnis -oder Versäumnisurteile 288 gleich 6 72 Pro­zent, durch andere Endurteile 660 gleiche 15,40 Prozents durch Vergleich, Verzicht und auf andere Weise 313 gleich 77,88 Prozent. Tie Zahl der nach Anbringung der Klage auf friedlichem Wege erledigten Streitsachen überwiegt also ganz bedeutend die Zahl der durch Urteil erledigten Fälle. Auch als Einigungsamt war das Ge­werbegericht auf Anrufen beider Streitteile mehrmals erfolgreich' thätig gewesen. Außerdem ist das Gewerbe­gericht oder dessen Vorsitzender in 8 Fällen in der Lage gewesen, ohne daß es zu einer förmlichen Anrufung ge­kommen wäre, Vereinbarungen über die bestehenden Streitpunkte zwischen den Parteien herbeizuführen. Um Erstattung von Gutachten ist das Gewerbegericht seit seinem Bestehen in 8 Fällen angegangen worden.

Beisitzer Bern hart dankte Namens der Arbeitgeber dem Oberbürgermeister für seine Ausführungen. Tie Wohlthaten des Gewerbegerichts hätten in den abgelaufenen 10 Jahren viele schätzen gelernt. Namens der Arbeitnehmer sprach Beisitzer Born dem Oberbürgermeister Dank aus für das Wohlwollen, das er dem Gewerbegericht stets ge- schenkt habe. ___

Vermischtes.

* Zivile Preise. Ein Herr, der Homburg besuchte, schreibt demKoburg. Tagbl.": Von der Saalburg kom­mend, kehrte ich in Ritters Parkhotel in Hom­burg ein, und da erst in einer Stunde das Tiner begann, ich aber seit 6 Uhr morgens nichts genossen hatte, nahm ich ich ein Filet; der Oberkellner empfahl noch Forellen, die ganz frisch seien und in den nahen Bächen gefangen wür­den; so bestellte ich mir Forellen. Es kam eine, die sehr wenig Geschmack hatte, meine Rechnung lautete aber wie folgt: 1 lebende Forelle 4.50 Mk., 1 Filet 2 Mk., Pomme frite 70 Pf., eine halbe Mosel 2.30 Mk., einhalb Wasser 60 Pf., 1 Kompot Aprikosen 1.50 Mk., 1 Kaffee 75 Pf. gleich 12.35 Mk. Brrr! (Es giebt in Homburg eine Anzahl guter Restaurants, in denen ein Diner 23 Mk. kostet. Ißt man außer der gewöhnlichen Zeit, so kommt man allerdings wohl in keinem besseren Restaurant ohne 4 Mark fort. D. Red. d.Gieß Anz.")

* WahresH u n d e d e u t s ch" findet man in den Bestimmungen für ' die Hundeausstellung desKynologi- schen Vereins" in Stettin. Einer der köstlichM Brocken aus den in den Bekanntmachungen zu findenden Mustersätzen lautet nach derZeitschrift des Deutschen Sprachvereins" wörtlich:Hunde ohne Begleitung sorgt der Vorstand für die Vorführung und es ist streng untersagt, ohne Erlaub­nis des Vorstandes Hunde außer der Zeit von 13 aus ihrem Stande zu nehmen, und müssen unter allen Um­ständen in denselben verbleiben."

*Gegendas Duell. Wie seinerzeit gemeldet, hatte Für st Karl von Löwen st ein einen Ausruf gegen das Duell verfaßt, und zur Unterstützung der in diesem Auf­ruf entwickelten duellseindlichen Anschauungen zunächst in den Kreisen des Adels und dann in weiteren Kreisen Unter- chriften für diesen Aufruf gesammelt, die auch! in großer Zahl eingelaufen sind. Jetzt wendet sich nun der Fürst peziell noch an die alten Herren der katholischen Kor- wrationen und fordert sie auf, eine Erklärung zu unter- chreiben, in der sie die grundsätzliche Verwerfung des Duells öffentlich bezeugen und sich verpflichten, im gesell- chaftlichen Verkehr wie im öffentlichen Leben nach Kräften thätig zu sein für Beförderung der Bewegung, welche die endliche und gänzliche Abschaffung des Duells zum Zwecke hat. Zugleich wird in dieser Erklärung von Ehrengerichten- für unbedingt geboten erklärt,deren Entscheidung dem Beleidigten wirkliche Genugthuung verschafft, sodaß der­selbe nicht mehr verleitet wird, sich dieselbe selbst auf zweifelhafte und unerlaubte Weise mit der Waffe zu suchen." Tie Erklärung fährt fort:Es handelt sich nach meiner Ansicht vor allem darum, erstens zu zeigen, daß neben der falschen, unchiristlichen öffentlichen Meinung in der Tuellfrage bei der überwiegend großen Mehrheit aller christ­lich, rechtlich und vernünftig denkenden Menschen die klare: Einsicht und Ueberzeugung besteht, daß die Duelle un­moralisch und durchaus kein geeignetes Mittel sind, um Ehre zu wahren, oder wiederherzustellen, zweitens Schritte zu thun, daß durch Reichs- oder Landesgesetzgebung Ehren­gerichte errichtet, und überhaupt die Ehre in entsprechender vollkommener Weise geschützt und Beleidigung und Ehren­kränkung gebührend bestraft werden. Wenn dieses erreicht sein wird, dann entfällt der für Duelle noch immer be­stehende scheinbare Rechtfertigungsgrund der Notwehr. Tie Tuelle werden dann in ihrer Unwürdigkeit und Verwerf­lichkeit nackt dastehen als Akte des Rachegefühls oder als Akte armer Menschen furcht, welche die innere bessere Ueber­zeugung und die Pflichten geg/n Gott verleugnet und einem unvernünftigen Vorurteil zum Opfer bringt. Zunächst habe ich mich an die Mitglieder des Vereins der katholischen Edelleute und an die Deutsche Adelsgenossenschaft gewandt und eine schöne Zahl von Zustimmungen erhalten. Es ist klar, daß Kundgebungen aus denjenigen Kreisen, wo leider das Vorurteil noch vielfach, fert eingewurzelt ist, von be­sonderem Werte sind. Tann aber gebührt es, daß die­jenigen zu Worte lommen, welche schon vom Jünglingsalter an in edlem Sinne und mit wahrem, hohem Mute, Gott und sein Gesetz höher achtend, als weltliche Ehrbegriffe,, sich in katholischen Studentenkorporationen zusammen­geschart haben, und dieser ihrer Gesinnung im ferneren Leben treu geblieben sind. An die geehrten alten Herren: des Laienstandes richte ich daher die Bitte, ihre Zustimm­ung zu der von dem Jnfanten (Alfons von Spanien) ver­faßten Erklärung durch Unterschrift (recht deutlich mit. Wohnungsangabe) zu bekunden und baldqefälligst an mich nach Kleinheubach zu senden!"

,, * verhaftet wurde der Tirektor der Vereinigten Brunner Streichgarnspinnereien, Ballatsch, wegen bedeuten- der Unterschlagungen. __________

UnioerMs Nachrichten.

Halle, 3. Juli. Die UniversitätSbehörde hob den polnischem -vtudmtenvrreinPhllomathi»^ auf, da nach einer Mtntsterial--