Bei S 3 beantragen die Abgg. Opferpelt (Zentrum) und Röstcke Dessau (wild) solgenden Zusatz: Bleibt der zu Grunde zu legende Bctrag hinter dem JahreSarbeitSoerdienst zurück, welches während des letzten JahrrS vor dem Unfall Personen bezogm haben, wUche mit Arbeiten derselben Art in demselben oder gleichartigen Be- lriebe be chäfttgt sind, so ist jener Verdienst bet Berechnung der Rente zu Grunde zu legen.
Abg. Hoch (Soz.) meint, der Antrag gehe noch nicht weit genug.
Generallt. Viebahv spricht sich gegen den Antrag aus. Durch denselben solle eine beffere Versorgung für diejenigen Soldaten bethä- ttflt werden, die in Betrieben seien, gegenüber denjmtgen, die mit den Waffen im Kriege dienen. Die Militärverwaltung habe als Ideal für die MilitS-versorgung überhaupt höhere Z^ele, sodaß eine Fürsorge tm Einzelfalle überflüssig wäre. Wenn der Antrag angmommen werde, wurde vaS der allgemeinen Regelung des Pensionsgesetzes erhebliche Schwierigkeiten in den Weg stellen. In der Armee sind diejenigen die Hauptsache, welche die Waffen tragen, nicht die Handwerker.
Abg. Rösick e-Dessau (wild) meint, durch die Annahme des Antrages könne unmöglich die Revision der PensiouSgesehe htnauSgeschobm werden; dafür sei der Antrag doch nicht bedeutungsvoll genug.
Geheimrat Caspar bittet vom Standpunkte der Verwaltung auS den Antrag abzulehnen.
Nach wetteren Bemerkungen der Abgeordneten Molkenbuhr, Hofmann-Dillenburg und Rösicke-Dessau 'wird der Antrag an genommen.
Der Rest des Gesetzes wird nach den Beschlüffm der zweiten Lesung angmommen.
ES folgen Petitionen.
Abg. Wattendorff (Zentr.) beantragt Absetzung der Petition, betreffend Abänderung des Börsengesetzes, von der Tages orbnung wegen Abwesenheit deS Referenten.
Abg Büsing (natl.) will keinen Widerspruch gegm die Absetzung erheben in der Hoffnung, daß die Regierung so wie so den S 66 ab ändern werde.
Abg. Rösicke «Dessau (wlld) will ebenfalls der Absetzung nicht widersprechen, aber in einer ganz anderen Erwartung.
Die Petition wird von der Tagesordnung abgesetzt.
Eine Reihe von Petitionen, welche die Erhöhung der Ruhegehälter der vor dem i. April 1897 in den Ruhestand versetzten Beamten fordern, «erden dem Reichskanzler als Material überwiesen.
Ueber die Petition betreffend Abänderung des Vogelschutzgesetzes wird zur Tagesordnung übergegangen.
Ueber die Petitionen der Firma German u. Co., Manila-Berlin, betreffend Forderungen der Firma an Spanien, bezw. Schutz der deutschen Interessen im Ausland, beantragt die Kommission, zur Tagesord« nung üb-rzugehen.
Abg. Hasse (natl.) fragt, ob die Forderung noch nicht ausbezahlt sei, sowie ferner, was für Maßregeln ergriff das Auswärtige Amt gegen; fl&tr England, das den deutschen Ausgewiesenen aus Südafrika zur Geltendmachung ihrer Forderungen persönliches Erscheinen vorschreibt.
Legationsrat K u n tz e erwidert, der Restbetrag der Forderung der Firma German u. Co. sei zur Auszahlung angewiesen worden. Was unsere Haltung gegenüber dem Vorgehen der englischen Behörden betrifft, so haben wir unfern Vertreter angewiesen, zu erklären, daß wir uns tm Prinzip mit dem Verfahren nicht einverstanden erklären können, aber nichts dagegen hätten, wenn die Ausgewiesenen gewillt seien, ihre Forderungen persönlich geltend zu machen, und wenn sie die Reisekosten ersetzt erhielten.
Das Haus beschließt hierauf gemäß dem Antrag der Kommission.
Die Petition betreffend Regelung der gewerblichen Verhältniffe dec Zahnkünstler wird auf Antrag des Abg. B i n d e w a l d (Antisemit) der Regierung zur Erwägung überwiesen, während die Kommission Uebergang zur Tagesordnung beantragt hatte.
Bei der Petition betreffend Regelung der Arbeitsverhältniffe im Gastwirtschastsgewerbe spricht Abg. Hodenberg (Welfe) seine Sympathie für dieselbe aus. Den Gewerbeinspektoren müßten nicht nur die Betriebsräume, sondern auch die Schlaf- und Wohnräume der Kellner unterstellt werden, auch müsse die Kontrolle auf das Hilfspersonal ausgedehnt werden.
Abg. Molkenbuhr (Soz.) hebt ebenfalls «ine Reihe von Mißständen hervor und beantragt Ueberweisung an die Regierung zur Berücksichtigung.
Abg. Hitze (Centr) tritt für den Kommissionsantrag ein, die Petition der Regierung zur Erwägung zu überweisen und befürwortet, daß endlich eine Regelung auf dem Wege einer Verordnung oder der Gesetzgebung vorgenommen werde.
Hierauf nimmt das Hqus den Antrag der Kommission an, und vertagt sich auf Montag 1 Uhr.
Tagesordnung: 2. Lesung des Wetngesetzes.
Schluß 33/4 Uhr.
Parlamentarisches aus Hessen.
Der Zweiten Kammer ist ein Gesetzentwurf, die Landeskreditkasse betreffend, nebst Begründung zur verfassungsmäßigen Beratung und Beschlußfassung überreicht worden. Die Landeskreditkasse gewährt im Falle des Bedürfnisses die Tarlehnsweise solcher Geldmittel, welche zum Schutze gegen Ueberschw^mmungen, zur Be- oder Entwässerung von Grundstücken, ferner zu den in dem Gesetz, die Bäche und die nichI ständigen Gewässer bete., vom 3u. Juli 1887, sotvie in dem Gesetz, die Feldbereinigung betr., vom 28. September 1887, bezeichneten Zwecken oder zu Aufforstungen verwendet werden sollen. Tie Landeskreditkasse gewährt ferner, soweit es ihre Mittel gestatten, an Gemeinden oder weitere Kommunalverbände darleünsweise diejenigen Beträge, mit welchen nach näherer Vorschrift des hierüber zu erlassenden besonderen Gesetzes die Erbauung von Wohnungen für Minderbemittelte gefördert werden soll. Soweit die in Absatz 1—2 bezeichneten Zwecke hierdurch nicht beeinträchtigt werden, ist die Landeskreditkasse außerdem ermächtigt, an Gemeinden, oder weitere Kommunalverbände zur Bestreitung der Grunderwerbskosten und Geldbeiträge zum Bau von Nebenbahnen, sowie der Grunderwerbs- und Baukosten von neuen Kreisstraßen, ebenso an Gemeinden zur Bestreitung der Kosten der 'Neuanlage von Wasserleitungen Darlehen zu gewähren. — Tas ganze Gesetz hat 21 Artikel.
Einen Antrag des Abg. Dr. Frenay, der bei der Aufstellung des nächsten Staatsvoranschlags die Anstellung von nicht akademisch-technisch gebildeten, womöglich dem Arbeiter stände entnommenen Hilfsarbeiter der Gewerbeinspektion wünscht, schlägt der Erste Ausschuß der Zweiten Kamincr vor, für erledigt zu erklären; ebenso einen Antrag der Abgg. Ulrich und Genossen, der die Heranziehung je eines .Hilfsarbeiters und einer Hilfs- ?.. Pterin aus den Reihen der gewerblichen Arbeiter zu sämtlichen Gewerbeinspektionsbezirken bezweckt. Tie Re- Merul'g erklärte, „daß mit Rücksicht auf die im Voranschlag 1^01/0- srfolatcn Mehrbewilligungen an Personal für die Äewerbemspektwnen tinb die hiermit im Zusannnenhange flehenden üenderungen in der Organisation dieser Tienst- stellen vorerst a b z u w a r t e n sein dürfte, in welcher Weise sich der Geschäftsgang und die Thätigkeit der gewerblichen Aufsichtsbehörden in den nächsten Jahren gestalten wird. Erst wenn hierüber die notwendigen Erfahrungen gesanunelt sind, wird die Regierung zu diesen Anträgen Stellung zu nehmen in der Lage fein." Es steht zu erwarten, daß alsdann einer oder der andere dieser An träge, die ja das nämliche verständige Ziel haben, Annahme findet.
Die Regierungsvorlage betreffend die Ergänzung der Bestimmnngen über die Pensionierung der Volks
schullehrer beantragt der Erste Ausschuß anzunehmen. Dadurch würde sich der Antrag der 'Abgg. Tr. Schmitt und Genossen erledigen. Ten Antrag der Abgg. Haas-Mainz und Tr. Tavid, betreffend die Errichtung eines neuen I u st i z g e b ä u d e s i n M a i n z beantragt der Erste Ausschuß vorerst für erledigt zu erklären.
Ter Vierte Ausschuß erklärt sich f ü r Errichtung eines Amtsgerichtes mit dem Sitze in Lampertheim, doch gegen eine Vorstellung der Hochbau- aufseher und Kreisstraßenmeister, betreffend anderweitige Festsetzung ihrer Gehalte. Eine Vorstellung des Fußgendarmcn i. P. R ü ck e l in Gießen, betreffend Pensionserhöhung empfiehlt der Vierte Ausschuß zur Annahme, dagegen Mlehnung einer Vorstellung des Gendarmeriewachtmeisters i. P. Bickel zu Nidda, betreffend Ruhegehalt desselben.
Eine Vorstellung des Vereines Mainzer Kaufleute, sowie Anträge der Abgg. Molthan und Köhler-Darmstadt, erstreben die Errichtung einer Handelshochschule in Hessen. Tie Negierung hat sich dahin ausgesprochen, daß sie mit Rückstcht auf die Finanzlage des Landes z. Zt. nicht beabsichtige, der fraglichen Angelegenheit näher zu treten. Ter Vierte Ausschuß beantragt daraufhin Ablehnung aller darauf abzielenden Wünsche.
Eine Vorstellung der Kreiskonferenz der Bürgermeister des Kreises Gießen, betreffend Messungsverfa hren b e i B a u - u n d N u tz h 0 l z, unterzeichnet von dem ersten Sprecher der Kreiskonferenz, Bürgermeister Köhler- Langsdorf, richtet an die Zweite Ständekammer die Bitte, die Kammer wolle die Regierung ersuchen, ohne Verzug die durch Amtsblatt Nr. 19 vom 20. Juni 1900 veröffentlichte Maßregel, das Messungsverfahren bei Bau- und Nutzholz betreffend, alsbald — und zwar sowohl für Staats- als auch für Kommunalwaldungen zugleich — wieder zurückzunehmen. Tie Regierung hat darauf geantwortet, daß das Ministerium die erste sich bietende passende Gelegenheit ergreifen wird, um der Kammer die Gründe für seine Stellungnahme in der Frage des Messungsverfahrens bei Bau- und Nutzholz darzulegen. In der Vorstellung über diesen Gegenstand, die Namens der Kreiskonferenz der Bürgermeister des Kreises Gießen an den Landtag gerichtet worden ist, vermag das Finanz-Ministerium jedoch zu seinem Bedauern einen geeigneten Anlaß zu dieser Meinungsäußerung nicht zu finden, da die ungehöriges Ausfälle, die diese Vorstellung gegen die Groß- herzogliche Negierung richtet, eine Beantwortungleiderverbieten! Der Zweite Ausschuß beantragt, die Kammer wolle an die Regierung das Ersuchen richten, bezüglich der Verordnung, das Messungsverfahren bei Bau- und Nutzholz betreffend, Mitteilungen zu machen, die geeignet sind, hinsichtlich der von der Kreiskonferenz der Bürgermeister des Kreises Gießen eingereichten Vorstellung, die nötige Aufklärung zu geben.
Eine zweite Vorstellung der Kreiskonferenz der Bürgermeister des Kreises Gießen betreffend die Unterrichtszeit in der F 0 r t b il d u n g s s chu l e, die darauf ausgeht, daß es in die freie Entschließung der örtlichen Schulbehörden und der Gemeindeverwaltungen zu legen, zu welcher Tageszeit die Fortbildungsschule abzuhalten sei. Ter Vierte Ausschuß ist allgemein der Ansicht, daß durch die Verhandlungen über die Anfrage der Abgg. Schill und Tiehl, dieselbe Materie betreffend, die Vorstellung hinlänglich ihre (Srlebigung gefunden hat, und beantragt, dieselbe für erledigt zu erklären.
Einen Antrag des Abg. Ulrich, betreffend die Errichtung einer technischen Mittelschule in Offenbach, beantragt der Vierte Ausschuß für vorläufig erledigt zu erklären.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 6. Mai 1901.
PA. Provinzialausschuß. Samstag, 11. Mai vor mittags 9 Uhr findet im RegierungSgebäude hier (Brand platz Nr. 9) eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusscs mit folgender Tagesordnung statt: 1. Den Wirtschaftsbetrieb der Konrad Müller Ehefrau im Hause Bahnhofstraße Nr. 48 zu Gießen. 2. Die Kanalisation von Bad Salzhausen; lier: Rekurs des Ortsvorstandes zu Staden gegen das Urteil deS Kretssusschufies des Kreises Büdingen vom 2. Februar 1901. 3. Die Verlegung der Eisenbahnhaltestelle Ober. Widdersheim und ihr Ausbau zum Güterverkehr: insbesondere Tragung der Geländeerwerbskosten. 4. Die Eröffnung der Göthestraße zu Bad Nauheim, hier die Enteignung von Gelände. 5. Strafsache gegen die Hebamme Konrad Drescher Ehefrau wegen Verbrechens aus § 219 Str. G.-B.
*• Die letzte, 12. Verlustliste vom Ostasiatischen Schau platz führt u. a. den Hauptmann Bartsch in folgender Fassung auf:
„2. Ostasiatisches Infanterie-Regiment. 8. Kompagnie: Hauptmann Georg Bartsch aus Striegau, Kreis Striegau; früher Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hessisches) Nr. 116, T., 10. 4. 1901 bet Peking, Nevolverschuß in den Rücken."
*• Eine Feldpost nach China geht von Berlin am Freitag den 10. Mai ab. Sie befördert nur Feldpostbriefe und Feldpostkarten.
w. Nidda, 3. Mai. Gestern nachmittag schlug bei einem Gewitter der Blitz in die noch mit Grummet belegte Scheuer des Schreinermeisters Orth ein, zündete jedoch glücklicherweise nicht. — Zu dem Mitte Juni hier stattfindenden Turnfest werden eben schon auf dem städtischen Festplatz die Vorarbeiten begonnen.
+ Volkartshaiu, Kreis Schotten, 4. Mai. Bei dem gestrigen Gewitter schlug der Blitz in das Haus des hiesigen Landwirts Johann Peter Will ein, ohne zu zünden. Jedoch sind starke Beschädigungen an Holzpfosten, dem Boden usw. cntstauden. Menschen und Vieh sind glücklicher Weise vor Schaden bewahrt geblieben.
A Hartmannshaiu, 5. Mai. Infolge der Vermessung einer großen Anzahl Quellen im Oberwald usw. werden immer mehr Arbeiten erforderlich. Es soll deshalb hier (als Nittelpunkt) durch das Tiesbauamt Frankfurt a. M. ein technisches Bureau errichtet werden, wo stets 2 Ingenieure beschäftigt sein werden. Leider ist nun unser Ort nicht groß und es fehlt hauptsächlich an Wohnungen. Nur mit aller Mühe konnte mau für da« Bureau ein Lokal im Schulhause 'ekommen, da unser jetziger Lehrer ledig ist und deshalb allc
Zimmer im neuen Schulhause nicht in Anspruch nimmt. Das Bureau wird in aller Kürze eingerichtet werden.
§ Rieder-Gemünden, 3. Mai. Vorgestern Nachmittag hielt Kreisarzt Dr. Wengler für den Bezirk Nieder-Gemünden in der Södler'schen Gastwirtschaft unter Anwesenheit des Kreisschulinspektors Mathes einen schulhygienischen Vortrag. In sehr intereffanter Weise behandelte Redner den Kampf gegen die Tuberkulose-, wie er schon in der Schule zu beginnen haben und mit Erfolg durchgeführt werden könne und solle.
Darmstadt, 5. Mai. Der Fuhrknecht Georg Dürsam wurde Freitag von seinem Fuhrwerk überfahren, und mußte in das städtische Krankenhaus verbracht werden, wo er am selben Tage gestorben ist.
Sch. Darmstadt, 4. Mai. Heute nacht 12 Uhr ist der Rangierer Peter Arnold aus Hammelbach im hiesigen Main-Neckarbahnhofeunter einen Zug gekommen; chm wurden beide Beine abgefahren und der rechte Arm verletzt. Er wurde sofort in das städtische Krankenhaus gebracht. Bei der Operation ist er um 4 Uhr früh gestorben. A. ist ca. 30 Jahre alt und verheiratet.
Weifeuau, 4. Mai. Der gerichtlichen Sektion der Leiche des ermordeten Brauers König wohnte der Mörder Albert in ziemlich teilnahmsloser Weffe bei. Danach fand die Beerdigung des unglücklichen Mannes statt.
Frankfurt a. M., 4. Mai. Demnächst wird wohl unser einziger Ehrenbürger, v. Miquel, wieder seinen Wohnsitz in unsere Stadt verlegen. Es ist vielfach der Glaube verbreitet, daß Ehrenbürger von der Zahlung von Gemeindeabgaben befreit find. Eine allgemeine Steuerbefreiung ist mit der Erteilung des Ehrenbürgerrechts jedoch nicht verbunden, wenn der Ehrenbürger als Einwohner oder auf Grund der bestehenden Gesetze zur Tragung der städtischen Lasten verpflichtet ist.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Zum königl. preuß. Regierungs-Baumeister wurde ernannt Der Regierungs - Bauführer Heinrich Kayser auS Kirch- Beerfurth. — Der seitens der Stadt WormS gegen den Beschluß der Stadt Mannheim bezüglich der Einführung der Fäkalien in den Rhein bei dem badischen Ministerium eingelegte Rekurs wurde unter Verurteilung der Stadt Worms in die entstandenen Kosten abschlägig beschieden. Angesichts solcher Entscheidungen, so schreibt die „Sp. Ztg.", kann kein Zweifel mehr daran bestehen, daß auch die Deputation der Städte Speyer, Germersheim und WormS in Berlin so gut wie keinen Erfolg zu verzeichnen haben wird.
Vermischtes.
* Leipzig, 3. Mai. Eine schreckliche That brachte gestern die Frau des Markthelfers Mader zur Ausführung. Sie stürzte sich zur kritischen Zeit zwischen Kettensteg und Schleußiger Brücke mit ihrendrei kleinen Kindern Robert, Anna und Henriette in das Wildflutbett. Ein Dienstmädchen sah dies mit an. Auf seine Hilferufe eilte der Bäcker Graf herbei und sprang in die Fluten. Mit Hilfe des Mefferschmieds Hurtig gelang cS, die Frau, die die beiden jüngsten Kinder noch krampfhaft in den Armen hielt, ans Ufer zu bringen. Die beiden kleinen Wesen waren bereits tobt, während die Mutter durch die Wiederbelebungsversuche wieder zum Bewußtsein gebracht wurde. Mittels Krankenwagens erfolgte ihre Unterbringung im städtischen Krankenhause, während man die Leichen der zwei Kinder und die Leiche des später aufgefundenen dritten KindeS nach dem Pathologischen Institut brachte. Der Zustand bet Frau ist sehr bebeuklich. DaS Mädchen soll erzählt haben, daß die Frau zuerst das älteste Kind ins Wasser gestoßen und sich dann, in jedem Arm ein Kind haltend, nachgestürzt habe. Frau Mader ist schon seit längerer Zeit nervös. Dieses Leiden verschlimmerte sich in der letzten Zeit und eS dürfte in dieser Krankheit der Beweggrund zu der entsetzlichen That zu suchen sein.
Universitäts-Nachrichten.
— Sein erstes Kolleg hat der Kronprinz in Bonn bei Pro- feffor von Bezold, und zwar über das „Zeitalter Friedrichs des Großen" gehört. Im Hörsaale waren etwa 60 Studierende zugegen, darunter auch einige — Studentinnen.
Greifswald, 4. Mai. Wie schon gemeldet, sind einige polnische Studenten der Medizin von hiesiger Universität relegiert worden, und zwar wegen „polnischer Propaganda". Man berichtet darüber: In Greifswald bestand nämlich ein katholischer Arbeiterverein, den Propst Struif gegründet hatte. — Zu diesem Verein gehörten sehr viele polnische Arbeiter — etwa die Hälfte der Mitglieder. Da aber den Polen in sprachlicher Hinsicht keinerlei Zugefiändniffe gemacht wurden, so be- schloffen sie, einen eigene» Verein zu gründen. Die Arbeiter wandten sich deshalb an die polnischen Studenten mit der Bitte, ihnen bei der Gründung eines polnischen katholischen Arbeüervereins behülflich zu sein. Einige polnische Studenten nahmen sich der Sache an und gründeten den Verein. Diese Gründer wurden durch den akademischen Senat von der Universität entfernt. Die relegierten Studenten wandten sich an den Kultusminister, doch erkannte dieser, daß es bci der Relegation verbleiben muffe. In der Begründung des Bescheides des Kultusministers heißt es, daß das Verhalten der polnischen Studenten die polnischen agitatorischen Bestrebungen unterstütze und zur Festigung des Polen- tums in deutschen Landen beitrage, außerdem auch ein Angriff gegen das Deutschtum sei.
BreSlau, 4. Mai. Der Direktor des katholischen Konvikts in BreSlau verbot den Theologie Studierenden den weiteren Besuch der Vorlesung von Professor Richard Muther über die Kunst des Mittelalters, trotzdem Muther darin mehr wie selbst katholische Schriftsteller der Kirche gerecht wird.
Familien Nachrichten.
Gestorben r Direktor der Oberrealschule Dr. Hcmpsiag in Marburg.
Schiffsnachrichie«
'norddeutscher Lloyd. Vertreten in Gießen durch Agent Carl Loo«.
Bremen, 2. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Dresden, Kapt. A. Koenemann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 5 Uhr nachmittags wohlbehalten in Baltimare angekommen


