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7.5.1901 Erstes Blatt
 
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9?r. 106 Erstes Blatt

Dienstag 7. Mai 1901

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151« Jahrgang

Arbeiter im Eisenbahndienst in den letzten 10 Jahren von 869 auf 1128 Mark gestiegen seien. Alles in allem schließt er aber, ohne gewisse Zugeständnisse an die Agrarier sei kein Zolltarif und damit kein Handelsvertrag möglich; indessen es bedürfe der Mäßigung hüben und drüben. Wie jemand Zoll­sätzen von 7,50 bis 8,50 Mark das Wort reden könne, fei unverantwortlich, und man erwecke dadurch Hoffnungen, die nicht erfüllt werden könnten. Es ergiebt sich hier­aus, daß die wissenschaftliche Stellung Möllers dem Doppel­tarife entschieden abgeneigt ist, und daß nur die Besorgnis vor den Agrariern ihn zu Zugeständnissen in dieser Richtung bewegt.

Man glaubt ferner mit einiger Sicherheit, daß der Staatssekretär v. Podbielski Nachfolger des Landwirtschafts­ministers Frhr. v. Hammerstein werden wird, ein Ressort, für das der vielgewandte Postbeherrscher und einstiger Hu­sarengeneral als praktischer und erfolgreicher Landwirt nicht ohne Befähigung sein dürfte. In dem Lobe seines ehr­lichen und geraden Charakters sagt dieBolksztg." u. a., man dürfe annehmen, daß Herr v. Podbielski ein Kanal­freund ist, da er sonst das Portefeuille des Landwirt­schaftsministers nicht übernommen haben würde.

Alle anderen Mitteilungen über die Personen der künftigen Minister des Innern und der Finanzen glaubt dieRat. Ztg." als haltlose Kombinationen bezeichnen zu können, und sie meint, daß weder Oberpräsident v. Beth- man n-Holl weg, der der bekannten alten Frankfurter Familie entstammt, noch der durch sein Schulgesetz bekannte Graf Zedlitz-Trützschler als künftige Minister des Innern in Frage kommen. Ebenso behauptet sie, daß die Stellung eines Vizepräsidenten des Staatsministeri­ums, für welche die Blätter den Grafen Posadowsky in Aussicht genommen haben, nicht wieder besetzt wer­den, sondern daß in Zukunft der dienstälteste Minister die Vertretung des Ministerpräsidenten übernehmen soll.

So heißt es, der jetzige Minister des Innern, Frhr. v. Rheinbaben, werde ins Finanzministerium berufen werden. Tiefe Meldung hat Wahrscheinliches für sich, da Frhr. v. Rheinbaben früher als Vortragender Rat dem Finanzministerium angehört hat, und bei Durchführung der Steuerreformsätze hervorragenden Anteil gehabt hat.

Jedenfalls trifft zu, daß die Entwickelung des neuen Kurses einen Ruck nach links genommen hat und daß aus diesem Grunde schon die Stellung des Herrn v. Miquel, der diese Schwenkung nicht mitmachte, eine unhaltbare werden mußte.

Interessant ist, daß dieTägl. Rundschau" das Gerücht verzeichnet, der Chef des Geheimen Zivilkabinetts v. Lu canus werde nunmehr aucb zurücktreten und durch den Geh. Ober-Regierungsrat im Auswärtigen Amte von Wilmowski ersetzt werden. Man kann dieser Meldung ohne Weiteres ein großes Fragezeichen beifügen.

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Politische Wochenschau.

Einst, vor annähernd 40 Jahren, als der preußische Verfassungskonflikt seine Höhe erreicht hatte, als Wilhelm I. resigniert auf den preußischen Königsthron zu verzichten eine kurze Weile im Begriff stand, telegraphierte Roon an Bismarckdie Birne ist reif". Bismarck kehrte auf diesen diplomatisch verschwiegenen Rückruf sofort aus Avignon zurück und der Konflikt löste sich in kürzester Frist.

Auch jetzt ist ein schwerer Konflikt kurzerhand gelöst worden, auch jetzt wieder ist eineBirne reif" und heiße Kämpfe sollen sich durch einen jähen Minister-Wechsel zu gutem Ende entwickeln. Miquel, Hammerstein und Brefeld haben ihren Abschied erhalten, alle drei sind an der Kanal-Vorlage gestolpert, weil der König annimmt, daß sie für den Kanal, für den er sein Wort verpfändet hat, ihre volle Kraft nicht gesetzt haben und weil er wohl glaubt, daß neue gestrengere Herren die Kanalfache zu besserem Gedeihen zu bringen im stände sein werden. Freilich gestrenge Herren regieren nicht lange? Dieneuen Herren" sind, nach den plausiblen Meldungen, Herr.v. Podbielski, der bisher als Staatssekretär des Reichspostamts einen un­politischen Ministersessel inne hatte, Herr v. Rheinbaben als Finanzminister und der Kommerzienrat Möller aus Duisburg.

Ter Plan, den der Schatzkanzler in England auf­gestellt hat, um die bis heute schon so erheblichen Kosten des Krieges gegen die Buren zu decken, ruft mehr und mehr Widerstand wach. Einerseits sind die Rentner auf-i gebracht darüber, daß sie die angenehme Empfindung, die ihnen so mancherSiegesbericht" in ihrer Leibzeitung geweckt, nun mit einer Erhöhung der Einkommensteuer be­zahlen sollen, anderseits wächst der Widerstand gegen den Vorschlag eines Ausfuhrzolles auf Kohle mehr und mehr. Es wird darauf hingewiesen, daß mit der Entwicklung der Kohlenfelder Amerikas, Chinas, Japans und anderer Länder der Kreis des auswärtigen Marktes eingeengt ist. Tie Kohlen- und Schiffahrtsinteressenten haben es einstimmig für unverständlich erklärt, daß ein britischer Schatzkanzler Den Kohlenhandel und die britische Schiffahrt noch mehr erschweren will. Ueberdies besteht wegen dieser Steuerpläne ein Streit innerhalb des Kabinettes selbst. Joe Chamber­lain wehrte sich mit allen vieren gegen solche Steuern, die den Engländern die Folgen seiner .Kriegspolitik allzu fühlbar machen müssen und wollte die Milliarden, die letztere schon gekostet, den Burenstaaten allein auferlegen.

Bekanntmachung.

Betr.: Die Schafräude in Burg Gemünden.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß in Burg.Gemünden (Kreis Alsfeld) die Schafräude festgestellt und Gemarkungssperre verhängt worden »ist.

Gießen, den 4. Mai 1901.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen.

In der Zeit vom 8. Mai l. IS. bis einschließlich 21. Mai l. Is. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Daubringen folgende Akten zur Einsicht der beteiligten offen:

1. das Projekt über die Herstellung einer Drainage unterhalb des HangelsteinS;

2. die Beschlüsse der VollzugSkommisfion hierüber.

Einwendungen hiergegen sind bei Meidung des AuS- schluffeS innerhalb der oben angegebenen OffenlegungSfrist bri Großh. Bürgermeisterei Daubringen schriftlich einzureichen.

Friedberg, den 3. Mai 1901.

Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: Sandmann.

Bezugspreis oicrtdjM* Btt. 2.20, monatl. 75 ffe mit Brmgerlohn; durch Äf AdholcftkScn vierleltzchl. Mk. 1.90, awnatl. 66 Mg.

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Ter Schatzkanzler, der, wenn auch nicht das Willkürliche, jedenfalls das Aussichtslose dieser Unthat einsah, drohte mit Rücktritt und fand sogar bei Lord Salisbury Unter­stützung, der ihn für unentbehrlich hält. Chamberlain ar­beitet nun gegen den Schatzkanzler, um dessen Widerstand äu brechen, ihn zu stürzen, und schürt die Erregung gegen die Kohlen steuer.

Die militärische Aufgabe der Mächte in China scheint noch immer nicht gelöst zu sein. Generäl Liu soll sich freilich westwärts zurückgezogen haben, aber es sollen sich bereits neue chinesische Truppenmengen in den eben erst gesäuberten" Bergen zeigen. So scheint also die kriegerische Aufgabe der europäischen Kontingente, wie sie einmal sich nun gestaltet hat, noch keineswegs gelöst, und obendrein erwackffen ihnen jetzt polizeiliche Aufgaben, die unange­nehmer und ernsterer Art sind, als die meisten bisherigen militärischien. Immer frecher treten nämlich sogenannte Räuberbanden auf, wohl organisierte, (gut bewaffnete Massen, die auch eine ganz andere Tapferkeit beweisen, als die offiziellen chinesischen Truppen selbst; eine solche Bande kämpfte bei Shanghaikwan mit einer Kompagnie eines in dischen Regiments, die dabei ihren Major verlor; als dann ein internationales Regiment gegen sie ausrückte, wurden sie zwar geschlagen, aber die Europäer batten allein neun Tote. Auch im Kleinen werden mehr und mehr Räubereien allenthalben, selbst in nächster Nähe des Hauptquartiers! Tientsin, begangen, so daß für einzelne Personen oder kleine Abteilungen stets große Gefahr besteht. Kenner der Verhältnisse sind der Ansicht, daß die Bevölkerung von aufgelösten Räuberbanden durchsetzt ist und daß die Boxer über keine Mittel mehr verfügen, und deshalb ein ver­zweifeltes .Spiel mit Mord und Plünderung treiben, um sich in den Besitz des zum Leben Notwendigen zu setzen. Aber Boxer allein kann man keineswegs für solche Vor­kommnisse veranttvortlichmachen; fremde Abenteurer, ameri- kaniscbe Rowdies, sind mehrfach als Anführer von Räuber­banden festgestellt worden: sie suchen zunächst chinesische Dörfer heim und erpressen, plündern, morden, stehen aber auch! gar nicht an, das Raub- und Mordhandwerk an Europäern zu üben. Wenn die nach den Kontributionen! durch solche räuberische lleberfälle zur Verzweiflung ge­triebenen Chinesen* dann schließlich ebenfalls sich an Euro­päern vergreifen, dann brauchen es durchaus noch keine Boxer zu sein. Die Entschädigungsforderungen der ver­schiedenen Mächte belaufen sich nach den bisherigen An­meldungen der Gesandten auf mehr als eine Milliarde und 300 Millionen Mark, davon verlangt Rußland allein fast 340 Millionen offiziell und 24 Millionen für Private; diese Forderung übersteigt die deutsche um 100 Millionen, was aber die Yankees nickst hinderte, nach wie vor die Forderung Deutschlands als die unerschwinglichste und auch angemessenste zu bezeichnen, obschon Teutsckstand am schwersten von China beleidigt worden ist. Auch Frankreichs Forderung übersteigt diejenige Deutschlands, England fordert etwa die Hälfte. Tas Generalamt für Staatsangelegenheiten, das Kaiser Kwangsü ins Leben gerufen haben sollte, um$ seinen Reformeifer zu beweisen, entpuppt sich jetzt als eine Einrichtung, die nicht nur ohne ihn, sondern gegen ihn ins Leben gerufen worden ist; denn er ist eine Schöpfung der Kaiserin, der Europa nach wie vor jedes Mißtrauen schuldig ist. Tas neue Amt ist ein Regentschaftsrat, auch Nationalverwaltungsamt genannt, und hat so wenig mit Reformen zu thun, wie der Kuckuck mit dem Brüten; es soll die oberste Verwaltung Chinas für die Tauer der An­wesenheit ftember Truppen auf chinesischem Boden dar- stellen; sechs Personen gehören demselben an, drei in Singanfu bei der Kaiserin weilende Minister und in Peking die Prinzen Kung und Tsching sowie Li-Hung-Tschang. Tiefe Teilung wird natürlich eine Verschleppung aller vor dieses Forum gebrachten Angelegenheiten zur Folge haben und ist vielleicht auch gerade zu dem Zwecke erfunden worden.

Die Buren haben in der letzten Zeit eine Anzahl kleiner Erfolge davongetragen. Te Wet zeigt sich ziemlich beweglich ans dem Grenzgebiet zwischen Oranjefreistaat und Transvaal: einzelne englische Abteilungen wurden über­rascht und überwältigt, namentlich längs den Bahnlinien waren die Buren sehr lebendig, und wenn auch gepanzerte Züge fortgesetzt hin und her verkehrten und ausgedehnte Beschädigungen der Strecken verhinderten, so ist es den Buren doch wiederum gelungen, einen für sie sehr wert­vollen Proviantzug anzuhalten und nach Bedarf auszu- plündern; der Rest wurde, wie immer, durch Feuer ver­nichtet. sAnderfeits melden die Engländer die Gefangen­nahme von verschiedenen kleinen Burenäbteilungen, Er­beutung von Geschützen und Vieh; letzteres beweist jedenfalls, daß die Buren durchaus .nicht so von Kriegsmaterial und Proviant entblößt sind, wie dies schon so lange und so oft von englischer Seite behauptet worden ist.

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flit ilmbilliuag des preußisches Ministeriums.

Noch immer, ist dieLifte der neuen preußischen Minister offiziell nicht verkündet worden, und man nimmt in unter­richteten Kreisen an, daß diese Verkündigung bis spätestens Mittwoch erfolgen werde. Fest steht vorläufig nur, daß der Abg. Möller das Handelskammer-Ministerium über­nimmt. Ter Reichstagsabgeordnete Geh. Komnierzienrat Theodor Möller hat am 20. April im Wahlkreise Tuis- burg in der Form eines Rechenschaftsberichtes über feine parlamentarische Thätigkeit eine Rede gehalten, die jetzt große Wichtigkeit erhält. Bezüglich be^3 olltarise be­merkte er darin, daß ein neuer Zolltarif als Grundlage der neuen Vertragsbedingungen deshalb unbedingt er­forderlich sei, weil der gegenwärtige, aus dem Jahre 1818 stammende Zolltarif für die heutigen Verhältnisse nicht mehr passe. Ter neue Entwurf des wirtschaftlichen Aus­schusses enthalte ca. 1300 Nummern gegen einige hundert des jetzigen. Bezüglich der Frage der Einführung eines Doppelt« rifes (Maximal- und Minimal-Tarifes), er­örterte Möller die Vor- und Nachteile desselben, von denen die letzteren nach seiner Ansicht überwiegen, da dieser Tarif sozusagen die Karten der Regierung aufdecke und diese in ihrer Bewegungsfreiheit hemme. Einen Doppel­tarif, wie ihn die Agrarier fordern, halte er deshalb für unzweckmäßig. In gewisser Hinsicht sei er aber auch für Festlegung eines Minimaltarif es für be­stimmte Objekte, zürn Beispiel Brotgetreide, Vieh und Fleisch, nicht weil er dieses System für das richtige halte, sondern weil er das Zustandekommen eines Tarifes für ausgeschlossen erachte, wenn den Agrariern nicht eine gewisse Gewähr geleistet werde. An l a n g s i ch t i g e n Han - delsverträgen sei unbedingt festzuhalten, dies sei für uns geradezu eine Lebensfrage. Tann berechnet er den Wert, den unser Export für die Ernährung unserer Be­völkerung habe und rechnet aus, daß 10 bis 12 Millionen Arbeiter vom Export leben, und daß die Lohnerhöhungen der Bergarbeiter von 670 Mark in den 70 er Jahren bis zu 1300 Mark im Jahre 1900 und diejenigen der Werkstätten­

Deutscher Reichstag.

Berlin, 4. Mat.

Am BundeSratstische befinden sich Kriegsmintster v. Goßler und Staatssekretär Freiherr v. Thielmann.

Auf de Tagesordnung steht die dritte Beratung des Gesetz- entwmfS, betreffend Versorgung der Kriegs-Invaliden und Krieg S-Hinterblt eben en.

Abg. Graf Ortola (nat.-ltb.) beantragt Annahme en bloo.

Der Antrag wird angenommen. r ...

ES folgt die dritte Beratung des Entwurfes des Unfall- fürsorge-GesetzeS für Seamte und Personen des Soldaten- standeS.

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6»ld MawteüL

S GieheimAnzeiger

MW W General-Anzeiger "

Anzeigeblatt für den Kreis Stehen

Amtlicher Heil.

Rifrtntttmurfnntit.

Betr.: Schießübungen.

68 wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das hessische Jäger-Bataillon Nr. 11 zu Marburg am 9., 13. uud 14. d. Mts. von 7 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags Ge­fechtsschießen mit scharfer Munition südlich Holzhaufen mit süd­licher und südöstlicher Schußrichtung abhalten wird.

Zu diesem Zwecke werden die den Forstortdie Seist" snrchkreuzeudeu, von Holzhausen, Roßdorf, Mardorf und Erfurts- Hausen in Richtung auf Roßberg, Hönigen und Deckenbach füh­renden Waldwege durch Sicherheitsposten abgesperrt uud darf das vorstehend bezeichnete Gelände während der angegebenen Zeit sicht betreten werden.

Gießen, den 4. Mai 1901.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. __v. B echtold.

Bekanntmachung.

Betr.,: Maul und Klauenseuche.

Nachdem die Seuche in Storndorf (Kreis Alsfeld) er loschen ist, ist die verhängte Gemarkungssperre aufgehoben worden.

Gießen, den 4. Mai 1901.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. _______ v. Bechtold.