Ausgabe 
7.3.1901 Zweites Blatt
 
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Schutze ihrer Dörfer gegen versprengte Boxer und zur Be ruh'gung der Einwohner zu entsenden. Die deutschen Bc fehlshaber sind durchweg bereitwillig diesem Ersuchen nach gekommen, und haben dafür den auf das wärmste auSge iprochenen Dank der Chinesen gefunden. So hat u. a. am Bitte von 60 Gemeinden nordwestlich von Peking das Armee Oberkommando den Oberstleutnant Pavel mit einem unter Major v. Förster zusammengestellten Bataillon seines Regi mentS, einem Detachement berittener Infanterie und einem Zuge Gebirgsartillerie bis nach Tschalou vorgesandt.

Nach einer heutigen Meldung des Wolff'schen Telegr.« BureauS meldet Graf Waldersee aus Peking vom 4. März: Am 1. März stellte eine Erkundigungsabteilung von 25 Mann unter Oberstleutnant Wallmenich unter Verlust von 3 Mann und 1 Verwundeten die Anwesenheit starker Truppen westlich von Lungthsueankuan etwa 18 Kilometer westlich des AntSulinpasseS nahe der chinesischen Mauer fest. Auch bei Wuthai 50 Kilometer südwestlich von Lungthsueankuan in Schansi stehen erhebliche Kräfte. Oberst Ledebur ist heute früh von Paotingfu mit 4 Kompagnien abgeschickt, um den Antouliephacs bis zur Mauer vom Feinde zu säubern und dauernd zu schützen."

Ferner ordnete Graf Waldersee die Belegung von Chang- ping (35 Kilometer nördlich von Peking), wo noch Räuber und Boxer thätig sein sollen, mit der 4. Kompagnie Regi­mentes II und einem Zuge berittener Infanterie an.

Der chinesische Kaiser hat ein Edikt veröffentlichen lassen, nach dem alle Dekrete und Berichte, welche zwischen dem 20. Juni und dem 14. August 1900 erlassen, resp. erstattet worden sind, vernichtet werden sollen, um jede Spur derselben in der Geschichte zu verwischen.

Im französischen Ministerrat machte Delcassü Mit- teilung von den aus China eingetroffenen Telegrammen. Aus diesen geht hervor, daß alle Mandarinen, die sich der in Peking begangenen Verbrechen schuldig gemacht haben, bestraft worden sind. Weiter wird gemeldet, daß zwei Dekrete veröffentlicht worden sind, welche die verhängten Strafen aufzählen und Abschaffung der Eramina in denjenigen Provinzen anordnen, wo gegen Ausländer Aus- scheeitungen begangen worden sind.

Deutsches Reich-

Berlin, 5. März. Aus Helgoland wird gemeldet: PanzerschiffKaiser Wilhelm II., ebenso AvisoJagd" und die Torpedoboote8 74" und8 16" ankern wegen des herrschenden Sturmes im Schutze der Düne. Infolge des Sturmes wird die Landung Sr. Majestät an der Düne heute nicht stattfinden.

In der heutigen Sitzung der Budgetkommission des Reichstages wurde die Beratung des Kolonialetats begonnen. Auf eine Anfrage des Referenten, Prinzen Aren- berg, drückte der Direktor der Kolonialabteilung Dr. Stübel feine Sympathie gegenüber dem Plane aus, den jungen Kolonialbeamten eine kaufmännisch-technische Vorbildung zu geben und sie sowie einige ältere Beamte aus den Schutz­gebieten zeitweise in fremde Kolonien zu entsenden. 5)ie Hauptsache weide immer eine richtige Auswahl der Kolonial­beamten bleiben, und es könne festgestellt werden, daß in unseren Kolonien bereits eine gute Anzahl tüchtiger Beamter vorhanden sei. Auf weitere Anfragen und Wünsche, die aus der Kommission heraus geäußert wurden, erklärte der Kolonial direktor u. a., daß Verhandlungen mit dem Reichsschatzamte im Gange seien, um in den nächsten Etat eine Position von 10 000 Mk. zur Unterstützung der Kolonialschule in Witzen­hausen einzustellen. Die Idee, dem Gouverneur von Deutsch- Ostafrika einen kaufmännischen Beirat beizugeben, sei gesund und werde mit der fortschreitenden Entwickelung des Schutz­gebietes sicher zur Durchführung gelangen. Im übrigen werde die Selbstverwaltung des Schutzgebietes auch dadurch gefördert werden, daß eine KommunalverwaltungS Ordnung für die Bezirksämter in Vorbereitung sei. In Sachen der konfessionslosen Schulen in Deutsch Ostasrika sei ein volles Einverständnis zwischen dem Gouvernement und den Missionen erzielt worden. Diese Schulen hätten keineswegs dazu bei getragen, den MohamedaniSmuS zu fördern, und in nicht allzu ferner Zeit würden die Unterbeamten des Schutzgebietes in ihrer Mehrzahl aus der christlichen Bevölkerung rekrutiert werden können. Bei der Beratung des Etats für Deutsch Ostafrika gab der Kolonialdirektor zu, daß die Frage der Wafferversorgung von Dar-eSSalam noch weiterer Klärung bedürfe. Die Position wurde abgesetzt. Die Position für Fortsetzung der Usambarabahn bis Mambo wurde von der Kommtssion abgelehnt. Im übrigen wurden die EtatS- positionen bis Kap. II. Tit. 2 einschließlich bewilligt.

Im preußischen Abgeordnetenhaus meinte bei der Beratung des KultuSetatS Dr. Porsch, die katholische Kirche liege so offen vor aller Augen, daß die Minister vor einer katholischen Gefahr ruhig schlafen könnten. Aber die Gefahr des Unglaubens drohe. Beumer entgegnet, wenn die Evangelischen eine Vertretung wie das Zentrum hätten, so wäre auch der evangelische Bund unnötig. JazdzewSki ver langt die Freiheit deS Unterrichts in der polnischen Sprache. Von einer polnischen Gefahr könne man nicht sprechen. Hacken- berg meint, Porsch habe ihn nicht überzeugen können, wenn er behauptet, daß das Zentrum konfessionslos sei. Hierauf wird der Titel Ministergehalt bewilligt.

Die Veränderungen in den am 1. April in Kraft tretenden neuen Lehrplänen für die höheren Schulen gehen dahin, daß für die Gymnasien 4, für die Pro^ymna» flcn 1, für die Oberrealschulen 4, für die Realschulen 3 Stunden wissenschaftlicher und für die Realgymnasien 6 und für die Realprogymnasien 2 Stunden Zeichenunterricht mchr eingesührt werden. Die daraus erwachsenden Kosten belaufen sich auf Mk 48 000 bei den Staatsanstalten und auf Mk. 17 000 an Zubußen für die nichtstaatlichen Anstalten.

Nach be* zum Flottengesetz gefaßten Beschlüssen kollten von Schiffsneubauten künftig die Gesamtkosten der Armierung (früher zwei Drittel) und 6 Prozent deS W^rtS ver Flotte (früher 5 Prozent) auf den ordentlichen Eta'

Volitische Tagesschau.

Die Ansprache deS Kaiser» an die Kiautschou Mannschaften liegt nunmehr im Wortlaut vor. Sie lautet:

Ihr fahrt hinüber In ein fremdes l'enb, welche« durch die Er- etgnisfe der letzten Monate erfahren bat, wa« deutsche Disziplin, deutfche Tapferkeit und deutsche ManneSmcbt bedeuten. Der Fremde bar e fahren, waS eS beißt, den Deutschen Kaiser und seine Soldaten beleibt,en. Eine ernste Lehre ist unferm Feinde erteilt worden, und alle Nationen baden kennen gelernt, wie deutsche Soldalcn kämpfen, siegen und sterben, alle haben Achtung vor unserer K'<ea«kunst und Ausbildung. Möget ihr denn in der Ferne bekunden tedellofe Manne« zücht, Gehorsam, Tapferkeit und alle guten Eiaenschasten an und Körper, möget Ihr dafür sorgen, daß der Ruhm de« Vaterlandes aw der ganzen Erde bekannt werde, daß da« Wappenlch ld der Armee und Marine unversehrt und die Fahnen unbeflcck terhalten bleiben! Ich er

Ihr dasselbe leisten werdet wie Eure Kameraden, die auv- wart« kämpfen."

Das LinienschiffKaiser Wilhnlm II. mit dem Kaiser an Bord ging noch in der Nacht auf Rhede. Prinz Heinrich .mtt bet. "Württemberg" den Hafen. Beide Kriegs schiffe gingen hierauf unter Salutschüssen nach Helgoland in ®L'f' Äyu$ct "Jagd" und ein Depeschenboot begleiten das Geschwader. °

China.

Privatbriefen aus China ist zu entnehmen, daß es unfern deutschen Truppen in den von ihnen besetzten Bezirken der Provinz Tschili trefflich gelungen ist, stch das Z trauen der Eingeborenen zu verschaff n. Das hat sich namentlich darin kundgegeben, daß in den letzten Monaten eine Reihe von chinesischen OttSbehörden die dringende ©bte an die deutschen Befehlshaber gerichtet haben, Inippen zum

Steuerausfall von 4 800 000 Mk. eiugetretcn fei. Dieser müsse jedoch gedeckt werden und die Kammer habe sich ja selbst für die Stempelsteuer ausgesprochen.

Nachdem noch Abg. Weidner sich ebenfalls gegen die Einstellung besonderer Tagegelder ausgesprochen hat, wird das Kapitel nach dem Ausschustantrag genehmigt.

Morgen früh 9 Uhr: Fortsetzung der Budgetberatung.

-ck- D a r m st a d t, 5. März.

Heute wurde mit der Beratung deS Budgets für die Uinanzperiode 1901/02 begonnen, lvobei uns die unerfreu nche Nachricht zu teil wurde, daß es mit einem Defizit von 2 Millionen arbeite, lvas ja diesmal noch aus den Ersparnissen der vorigen Jahre gedeckt werden kann. Der Versuch, die durch den Wegfall der Grund- und Ge­werbesteuern ausgefallenen 4 800 000 Mk. durch höhere Atempelsätze zu ersetzen, ist als ein gründlich g e s ch ei­ter t e r F i n a n z st r e i ch zu betrachten. Wenn nun diesmal noch eine Deckung durch frühere Sparsamkeit möglich ist, io muß jeder guter Hesse im Interesse seines Landes an die nächste Finanzperiode nur mit großer Besorgnis denken.

Bei dem KapitelDomäne des Großlicrzoglichen Hauses ergriff Abg. Dr. Schmitt die Gelegenheit, einen Zustand zur Sprache zu bringen, der für unser engeres Vaterland allerdings in etwas ferner Zukunft verhängnisvoll werden könnte. Nach einem Vertrag aus den 30er Jahren hat der hessische Staat die Verwaltung eines Drittels der Großher­zoglichen Haus Domänen erhalten, um aus ihnen die über­nommenen Schulden zu bezahlen. Wie sich später heraus- ftellte, war aber der Sck)iildbetrag weit höher, als der Wert der erhaltenen Domänen. Nun steckt Hessen jährlich doch viele Tausende in diese Domänen, wie z. B. auch dieses Jahr für das Ministcrhotel, das auch dazu gehört, ca. 50 000 Mk. Im Falle einer söhnelosen Ehe unseres jetzt regierenden Fürsten, lvird die Regierung an eine andere Linie übergehen, während nach den bestehenden Hausgesetzen , die Erbfolge in die Domäne subsidiär auch in die cognatische Linie erfolgt. Die Eigentümer der Doniäne können dann vom Staat auch Herausgabe des seiner Zeit ihm über­lassenen Drittels verlangen, da er ja sicherlich den Betrag der Schuld in der Reihe von Jahren herausgelvirtschaftet hat. Wenn »vir nun im Interesse der regierenden Familie *nd des Landes einen Teil der Domäne erwerben wollten, würden wir die seit langen Jahren auf diese verwendeten Gelder nochmals zu bezahlen haben. Ist es nun nicht ein Unding, daß loir für eine vielleicht ganz andere Interessen verfolgende Familie Staatsgelder verwenden? Mit sicht­lichem Interesse und tvarmer Sprache entwickelte Dr. Schmitt diese Verhältnisse, und seine auf tiefer Sachkenntnis be­ruhenden Enttvickelungen mußten bei jedem ein lebhaftes Interesse Hervorrufen: auch luar es erfreulich, von Staats- Minister Mothe zu hören, daß er mit der Regierung sich schon mit der Frage beschäftigt habe und ihr sympathisch gegenüberstehe. Hoffentlich kommt bei dieser Frage in Bälde sine Einigung zwischen Krone und Volksvertretung zu stände!

Bei dem KapitelE i s e n b a h n e n" wollten die Klagen nicht enden.

Abg. Ulrich bemängelte Vorgänge bei der Station Sprendlingen, wo Arbeiter in ihrerfreien" Zeitfrei­willig" zu Arbeiten für den Herrn Stationsborstand heran­gezogen lvurdeu.

?lbg. Erck konnte konstatieren, daß sogar auf der Nebenbahn Nidda-Schotten ein Unglück vorgekommen sei. Ein Beweis dafür, loie der Verkehr sich selbst im hohen Vogelsberg gehoben habe.

Abg. Backes ist mit den Bahnhofsvcrhältnissen in Griesheim nicht zufrieden, da für den zweiten Beamten leine Dienstwohnung nicht vorhanden sei.

Alle diese Verhältnisse konnte Abg. Leun noch als ideal bezeichnen, locun er den Zustand des Bahnhofs in G r v ß e n - L i n d e u einer Kritik unterzog. Der Warteraum mit seinen 4 Meter zu 4 ein halb Meter Flächenraum bietet ja allerdings nicht für eine große Menge Platz; und da er selbst einmal eine Auszählung einer in diesem Stalle zu- sammengepfergten Herde vornahm, wobei sich die stattliche Anzahl von 121 Menschen ergab, so muß man dies als einen unhaltbaren Zustand bezeichnen. Wenn Schüler bei 21 Grad Kälte im Freien auf den Zug tuarten müssen und überhaupt hier für daS fahrende Publikum nicht im ge­ringsten Sorge getragen wird, so muß dies als ein Ver­halten einer wenig interessierten, sich für berechtigte Wünsck)e verschließenden Verwaltung gerügt werden. Daß natürlich die he s s i sch e Regierung für diese der preußischen Verwaltung unterstehenden Bahn nicht verantwortlich ge­macht werden kann, wird jedem einleuchten. Hoffentlich trifft trotzdem dieser Schreckschuß sein Ziel.

übernommen werden. Diesen Beschlüssen trägt der Etat Rechnung, indem zusammen 55 363 000 Mk. auf den ordent­lichen Etat übernommen sind gegen nur 34 434 000 Mk- im Jahre 1900. Immerhin bleiben nach dem Voranschlag noch (einschließlich der Hafenbauten) 59 623 000 Mk. au« der Anleihe zu decken. Nachdem die Budgetkommission Abstriche oom Marine-Etat im Betrage von 4 400000 Mk borge« nommen hat, reduziert sich der Anleihebedarf für diese* Etat auf 55 223000 Mk.

DieVoss. Ztg." sieht sich genötigt, folgende Be­richtigung zu ihrer Behauptung von einem Rückgänge deS Bundes der Landwirte in Süddeutschland aufzunehmen:

ES tft unwahr, daß die Mitpltederzahl des Bunde« der Landwirte im Grohberzogtum Hessen bet einem Zugänge von 981 MUglt.bern um 1489 Mtlgtt<tern »mückgepangen tft. »ha,lach' itch het In der Zett vom 1. Januar 1898 btS 1. Februar 1901 «tn< absolute Zunahme der Mitglieder um 981 Köpfe sl-tkgrfunden. Die Mitglied rbcwegung innerhalb de« angegebenen Z ttraumS Nellt sich mit folgt: Zugang 2440 Mitglieder. Abgang 1459 Mitglieder, ab­soluter Zugang 981 Mt'glteder. Demnach tit auch unwahr, daß nicht nur in H sscn, sondern in ganz Süddeutschland die Bu> deS» bewegung tm Nückaange begriffen ist, wenn zwar auch in brr Rhein- pfalz seit 1898 324 Mitglieder weniger geworden sind. Denn tbat- sSchltch hat seit diesem Jahre eine IhatlLchitch-Zunahme von 5774 Mit» gbedern ftattgefunden, wie der R ich 'tagSavgeordnete Lucke in der Versammlung deS Bundes derLankwtrte in Friedberg am 24 Feb­ruar d. Js. namrnS deS BundeevorstandeS m tg'tetlt hat, b fien dort gegebenem Referat die von Ihnen angeführten Zahlen entnommen sind. Hochachtungsvoll der stellverlretende Direktor PlaSkuda."

München, 5. März. Der Regent leitete die Festfeier zu feinem 80. Geburtstage mit wohltätigen und pietät­vollen Handlungen ein, indem er den Münchener Stadt­armen 10,000 Mk. spendete und 20,000 Mk. für das Denk- mal Königs Ludwig II., wozu der Grundstein am 12. März gelegt wird.

Ausland.

London, 5. März. Nach Mitteilung des englischen KriegSamtS belaufen sich die Gesamtverluste iu Süd­afrika während des Monats Februar einschließlich der In- validen und nach Hause gesandten Mannschaften auf 9» Offiziere und 2274 Mann. Seit Beginn des Krieges sind in Südafrika im ganzen gefallen 664 Offiziere und 13137 Manu. Die Gesamtzahl der Verluste ausschließlich der Invaliden, die sich wieder erholt haben, beläuft sich auf 685 Offiziere und 16 174 Mann.

Paris, 5. März. Der ForfchungSreifende Gentil über­reichte heute dem Minister der Kolonieen DecraiS den Bericht über die Umstände bei dem Tode des Forschungsreisen- den Böhagle; nach demselben kann jetzt nicht mehr daran gezweifelt werden, daß Böhagle auf Befehl deS Sultan« Raban aufgehängt und fein Leichnam dann in eine« Brunnen geworfen wurde.

Madrid, 5. März. Soeben ist Sagasta beauftragt worden, das neue Kabinett zu bilden. Man glaubt, er werde mit der Bildung so rasch zu stände kommen, daß das neue Kabinett schon morgen den AmtSeid werde leisten können.

Wien, 5. März. Im Abgeordnetenhaus werde» verschiedene Anfragen an den Präsidenten gestellt, darunter eine des tschechischen radikalen Abg. ZazvorSka, der tschechisch spricht. Die Deutschen rufen:WaS spricht der Mensch?" Der Vorsitzende macht den Abg. ZazvorSka darauf aufmerksam, daß eS nicht angehe, statt Anfragen an den Präsidenten Rede» zu halten. ZazvorSka entgegnet heftig, worauf ihm der Vor­sitzende daS Wort entzieht. Als der Vorsitzende zur Tages­ordnung übergehen will, eilt der tschechisch-radikale Abg. Freß! auf die Präfidententribüne, reißt dort liegende Papiere an sich und zerknüllt sie. Abg. Malik eilt auf Freßl zu und schlägt auf ihn Io«, ebenso der Abg. Berger. Die beiderseitigen Parteigenosseu reißen die Streitenden auseinander. Die Sitzung wird unter­brochen. Die Jungtschechen verhalten sich während diese« Auftrittes passiv; sie mißbilligen baß Verhalten Freßl'S. Nach Wiederaufnahme der Sitzung reklamieren Freßl und dessen Parteigenossen das Wort für den Abg. ZazvorSka. Der Präsident erteilt Horiza das Wort zum Nekrulenkou- tinßcnt. Neuerliche Protestrufe der Tschechisch Radikalen. Die Jungtschechen nehmen offen gegen Freßl Stellung, be­schimpfen ihn und bedrohen ihn mit den Fäusten. DieS Vorgehen der Jungtschechen wird vom ganzen Haufe mit Beifall ausgenommen. Schließlich tritt Ruhe ein.

Cradock, 5. März Die Buren besetzten Pearston, eine kleine Stadt ungefähr 40 Meilen südwestl ch von Cradock.

Schwurgericht.

K. G i e ß e n, 6. Mürz. Fortsetzungder Schwur- g e r i ch t s - V e r h a ii d l u ii g gegen Leschhorn, Walthern n dHahn wegen s ch w e r e r r p e r v e r - letzung mit tätlich ein Erfolg. Gestern uadymittag wurde in der Vernehmung der Zeugen fortgefahren, bereit Zahl jetzt 32 beträgt. Nachdem mich die von der Ver­teidigung benannten Entlastungszeugen, die bezüglich bM Leschhorn übrigens auch noch maiiches Belastende zutage förderten, luurben verschiedene Zeugen, deren Aussagen sich zu widersprechen schienen, einander gegenübergestellt uni dadurch kleine Mißverständnisse aufgctlärt. Ebenso wurde« die Angeklagten nochmals den Belastungszeugen gegenüber- gestellt, wobei es auffiel, daß Leschhorn selbst den über­zeugendsten, einwandfreiesten und übereinstimmenden AuS- sagen verschiedener Zeugen gegenüber sich auf hartnäckiges Bestreiten verlegt. Alsdann wurden die Sachverständige» vernommen. Als erster gab Medizinalrat Dr. Haber kv r * sein Gutachten ab, nachdem er vorausgeschickt hatte, daß dieses sich lediglich auf das Sektionsprotokoll stütze. Der erste Schlag, den der Verstorbene erhalten habe, sei der tätliche gewesen, indem dieser mit beivehrter Faust geführt die Schädelbasis am Hinterkopf zlvischen dem rechten Oh« unb dem höchsten Punkt des Schädels zertrümmerte un> dadurch eine Gehirnerschütterung hervorrief. Professor Dr. F u h r ist dagegen der Ansicht, daß der letzte der vier Sclstägss, auf den hin der Verstorbene niederstürzte, ohne wied« zu sich zu kommen, der tätliche gewesen sei. Er begründet seine Ansicht ausführlich an der Hand des vorliegende» Schüdelausschnitls des Verstorbenen. Prof. Dr. Popp erd