Ausgabe 
7.2.1901 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

für sich und seine rtunft! Besonders charakterrstrsch für die Auffassungsfähigkeit, die unparteiische Sachlichkeit und das taktvolle Feingefühl dieses Herrn, der übrigens aus dem Fürstentum Waldeck gebürtig ist, ist folgende Schilderung:

Oft, ja sehr oft, war ich überrascht über die Eleganz, d. h/große geschmackvolle Einfachheit der Zimmereinricht­ungen, die' fast immer, wenigstens in wohlhabenden Bauern- und Ackerbürger-Minen, vollständig zusammen paßte. Und ebenso oft auch mußte man wohl oder übel sich wundern über eine gewisse Oberflächlichkeit so mancher Reisebeschreibung, in denen es meist von Schmutz und Ungeziefer nur so wimmelt. Ja, diese beiden Dinge geben fast den Lokalton ab. Und doch, wenn ich an so manche Bauernstube in Hessen oder Südhannover denke, in der wir als junge Gymnasiasten auf großen Fußtouren nächtigen mußten, s o bin ich denn doch keinen Augen­blick im Zweifel, wo in den meisten Fällen der größere Schmutz und die zahlreicheren Insekten zu finden sin d."

Das kennzeichnet zur Genüge diesen Menschen, der sich nicht entblödet, von derOberflächlichkeit so mancher Reife- Dcschreibung" anderer zu reden auf Kosten seines deutschen Vaterlandes. Wir zweifeln keinen Augenblick, wem wir nach diesen Worten mehr Glauben schenken dürfen, ihm oder den Anderen. Der Herr begeistert sich weiter für den pittoresken Effekt abgeschlagener Boxerköpfe und läßt seiner künstlerischen Phantasie in folgender Weise die Zügel schießen:

Eben bringen sie auf unfern.Hof einen gefangenen Chinesen. Er hat in die Bank einbrechen wollen, und als er gefaßt wurde, sich ausgeredet, er sei von den Deutschen befohlen. Er wird der Ortspolizei übergeben werden. Ob er so glimpflich wegkommt, wie ein anderer gestern, ist die Frage. Dieser hatte die Nacht vorher einen der Kulis, die mit unsren Truppen von Tientsin mitgekommen sind, in Ketten legen helfen und ver­hauen. Abgesehen davon, daß sie ihn vermutlich schon auf unserer Wache nicht mit Glacehandschuhen an­gefaßt haben werden, bekam er gleich kurzerhand auf unserem Hof sein vollgerütteltes Maß überzogen, sodaß sein Geschrei weithin zu hören war. Kann sich immer noch freuen, daß es ihm nicht ergeht, wie jenen Burschen, deren Köpfe im Norden und Süden von Kalgau fein sorgfältig aufbewahrt sind in gut gearbeiteten Lattenkästen, auf Buchen­stangen angebracht. Die Haut, aschgrau, hat sich schon fest über die Knochen gespannt, und die pechschwarzen Zöpfe hangen fast bis zur Erde, sind aber, wie ich mich überzeugte, nur zur Hälfte echt. Die untere Hälfte ist aus Wolle drangeflochten. Immerhin eine eigenartige Staffage für diese öde trostlose Landschaft, die aber in der Abendsonne glüht in den herrlichsten Tönen."

Immerhin interessiert sich Herr Rocholl auch für die "Physiognomie solcher Chinesenköpfe, die noch nicht zur Verschönerung der Landschaft von den dazu gehörigen Leibern getrennt worden sind. Und nach seiner Schilderung ist China auch insofern ein Dorado für Maler, als es Dort Modellschwierigkeiten nicht giebt. Hören wir darüber Herrn Rocholl:

Wenn ich mir ein Huhn erstehen, oder ein Wasch- gcfäß requirieren will, wenn ich meinem Pferd eine Hand­voll Gaulian oder Maiskolben geben will, oder einen Eimer Wasser nun, jede Thür steht mir offen, wenn der Säbel über die Steine klirrt und die Sporen accompagnieren. Das war heute eine Komödie er'st er Klasse. Von 9 Uhr ab, wo das Kohlenbecken anfing seine Wirkung Zur thun, ließ ich von der Straße weg von meinem Burschen nach einander 5 Einwohner in mein Zimmer holen. Erst ein demütiger Kniefall mit entsetzlich ängstlicher Ge­bärde. Die gelbe Stirn berührt den Boden, daß der lange schwarze Zopf fliegt, bis endlich ein Verständnis der Situation aufdämmert, und wir beide uns geeinigt haben über Stellung usw. Und nun das verklärte Ge­sicht, wenn er merkt, daß ihm der Kopf nicht abge­schnitten werden soll. Und dann das Staunen, wenn er die Studie sieht."

Die Tonart dieses Briefes zeugt von einer so niedrige Gesinnung, daß man sich mit Absck)eu fortwendet. «Charakteristisch aber ist dieser Brief. Er lehrt uns vollauf, was wir von den meisten der sogenanntenHunnenbriefe" zu halten haben.

Engländer und Buren.

Der Berichterstatter derMorning Post" in Pretoria ^iebt in einer Meldung vom 1. Februar folgenden Ucber- Dlick über die britischen Streitkräfte, die zur Zeit den kon­zentrischen Angriff auf die Burenscharen zwischen den drei Bahnlinien Vereeniging-Pretoria, Pretoria-Delagoabai und der Natallinie unternehmen: Smith-Dorrien von Wonder- fpntein, Campbell von Middelburg, Alderson von Eerste Fabriken, also von Stationen der Delagoabaibahn aus, W. G. Knox (nicht zu verwechseln mit dem Verfolger De "Wets) von Kaalfontein, Mlanby (?) von Zuurfontein, Dart- nell von Springs, also von Stationen der Hauptlinie aus, endlich Colville von Greylingstad (Natalbahn) aus. Die ein­zelnen Kolonnen brachen an: 27. Januar aus. Tas Ober­kommando über die südlicheit Abteilungen hat French, über die nördlichen Lyttelton. Tie Absicht kann bei einer so ausgedehnten Operation nur gelingen, wenn die einzelnen Abteilungen in Fühlung bleiben und im Einverständnis nntcinander handeln. Daß cs zwei Oberkommandicrende giebt, ist für die Buren recht günstig. In der That scheint Denn auch die Unternehmung Smith-Dorriens, der zwar Carolina erreichte, aber alsbald wieder nach Wonderfontein zuruckglng oder zurückgehen mußte, den Mangel an Einheitlichkeit der Führung und an Zusammenwirken jchon dargethan zu haben. French allerdings steht bereits ,n der Nahe von Bethel und hat den Puren einen Fünf- zehnpfunder abgesagt und ein anderes Geschütz in Trümmer geschossen. Von den nördlich augcsetzteu M'teilunqen hat uach Kitcheners Meldung nur Campbell, der von Middelburg «us vorgegangen ist, mit den Buren Fühlung gewonnen rndem er eine 500 Mann starke Abteilung zurückschlug. Wenn aber, wie anzunehmen, das Netz im Norden Löcher behält, durch welche die Buren entschlüpfen können, so wird die ganze Operation wieder nur einen vorübergehenden Erfolg Haben. Inzwischen hatte De Wet am 3. schon Dewetsdorp Hinter sich, befand sich also nur etwa noch 100 Kilometer nördlich vom Oranje. Tie Engländer haben that.'

sächlich die Verfolgung des gewandten Führers aufgegeben und statt dessen auf der Bahn Truppen nach Süden geworfen, um die Oranjeflußlinie zu besetzen. Man kann annehmen, daß ihnen das nicht rechtzeitig gelingt. Daß der Kampf in der Kapkolonie neues Leben gewinnt, wenn De Wets Plan, wie zu wünschen ist, diesmal gelingt, kann man bei der Volkstümlichkeit dieses Mannes wohl annehmen. Nach Kitcheners letzter Meldung^vom 3. rücken dort die äußersten Spitzen der englischen Truppen im Norden und Osten langsam vor. Im Norden trafen Kitcheners Kundschafter (Scouts) an der Doornfluß-Brücke, die vermutlich nordwestlich von Calvinia liegt, mit den Buren-Vorposten zusammen und trieben sie mit Pferde- und Materialverlusten zurück, während im Osten Oberst Haig die Buren in Willowmore aus den Kougabergen nach dem nördlicher gelegenen Steytlerville zurückgedrängt haben soll.

* «

Telegramm des Gießener Anzeigers.

London, 6. Febr. (Reuter-Meldung.) Tie vom Kriegsamt veröffentlichten Verlustlisten weisen als eng­lische Verluste in dem am 31. ds. gemeldeten Gefecht zwischen Genarl Knox und Dewet bei Welcome auf: 1 Offizier tot, 4 verwundet, 5 Mann tot, 38 verwundet.

China.

Nowoje Wremja" teilt aus zuverlässiger Quelle mit, daß von den im Meerbusen von Korea gelegenen Insel­gruppen vier Blonde-Inseln und neun Elliot- Inseln kraft einer russisch-chinesischen Konvention mit dem Kwantunggebiet an Rußland übergeben würden. Unter­händler seien der russische Generaloberst Wogan und der Chinese Tungindaj gewesen. Seitdem würden beide Insel gruppen durch die russische Behörde in Biziwo faktisch verwaltet.

Feldmarschall Graf Waldersee meldet am 4. ds. aus Peking: Kolonne Trotha hat über San-kia-tien (22 Km. westlich von Peking) vorgestern 9)ang fang (30 Km. nord­westlich von Peking) erreicht und gestern von dort Streifzug in das westliche Gebirge unternommen. Ich reise morgen zu Besichtigungen nach Shan hbi-kwan und kehre am 9. ds. zurück.

LaffanS Bureau meldet aus Peking, die Hungersnot in den Provinzen Schansu und Schensi sei eine der schlimmsten, welche die chinesische Geschichte kennt. Zwei Drittel der Bevölkerung sei ohne genügende Nahrung. Ochsen, Pferde und Hunde seien aufgegessen. Der Kanni­balismus bürgert sich bereits ein, und die Männer ver­kaufen, wie Prinz Tsching erklärt haben soll, ihre Frajuen und Kinder zum Aufessen. Kindesmord ist an der Tagesordnung, da die Eltern durch das Geschrei ihrer hungernden Kinder zum Wahnsinn getrieben werden Die Männer in den Städten geberden sich wie die Raub­tiere und reißen denen, die etwas essen, die Nahrung aus cer Hand.

Der Bundesrat hat beschlossen, die Behörden zu er­mächtigen, bei der Ausfuhr von Tabakfabrikaten, die für die in China stehenden deutschen Truppen bestimmt sind, sofern über die thatsächlich erfolgte Ausfuhr und über die Bestimmung der ausgeführten Gegenstände als Liebes­gabe kein Zweifel besteht, die Ausfuhrvergütung aus Billigkeitsrücksichten auch dann selbständig zu bewilligen, wenn den Vorschriften wegen der auszusührenden Mindestmenge, der Anmeldung, Vorführung und Abfertigung der auszufüh renden Ware nicht genügt ist.

Politische Tagesschau.

Aus Berlin, 5. Februar, wird uns geschrieben:

Abg. v. Kardorff (Rp.) hat kürzlich den Vorsitz in der Budgetkommission des Reichstags niedergelegt, um mehr Zeit zur Bethätigung im Plenum zu haben und auch seinen Freund Frhr. v. Stumm, den Krankheit vom Parlament fern hält, kräftig zu vertreten. Wie es gewöhnlich mit Freund­schaftsdiensten geht, daß sie nur matte Anerkennung finden, so ist es auch hier der Fall. Herr v. Kardorff hat doch gewiß zu öfteren Malen das Feuer seines Geistes und seiner Beredsamkeit im Reichstag auflodern lassen, aber dem Frhr. v. Stumm genügt der schöne Eifer nicht. Er äußert sich in einem Erlaß anseine- Handelskammer undseine" Vereine für die wirtschaftlichen Interessen im Saarrevier mit tiefem Unmut, wie während seiner Abwesenheit von Berlin im Reichstag alles drunter und drüber geht, daß das Manchester­tum und der Sozialismus immer drohender ihr Haupt er­heben. Frhr. v. Stumm traut den Regierungen kaum die Kraft zu, diesem gemeinsamen Drängen zu widerstehen Ohne sich zu überheben", spricht er die Befürchtung aus, daß sein Fernbleiben sehr nachteilig auf die weitere Ent Wicklung einwirken wird. Man schaudert, wenn man bedenkt, daß Frhr. v. Stumm vielleicht gesundheitlich nicht im stände ist, sich alsstarker Mann", als Retter des Vaterlandes zu bewähren und schlimme Katastrophen hintanzuhalten. Welcher wertvollen Mitwirkung ist da Graf Bülow beraubt! Aber auf dem Wege desErlasses" kann ja der getreue Eckart seine Donnerworte ertönen lassen, bis er Gehör findet. Aber, so muß man fragen, warum hat Frhr. v. Stumm nichl schon Gehör gefunden? Sollten etwa Pforten minder zu­gänglich sein, die ihm früher offen standen? ES'sieht fast so aus, wenn ein Mann wie Frhr. v. Stumm durch solche Kundgebungen in die Oeffentlichkeit flüchtet.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Febr. Tie Kaiserin ist heute mittag in Karlsruhe eingetroffen, und dort vom Großherzog und der Großherzogin auf dem Bahnhofe empfangen worden.

Die gestern von demReichsanzeiger" veröffentlichte Ansage wegen Verlängerung der Hoftrauer wird aufgehoben. Dafür tritt folgende Bestimmung in Kraft: Auf Spezial­befehl des Kaisers wird die Trauer um die Königin ,!\Pria vom königlichen Hof im ganzen ztvei Monate, al)o Ins zum 22. März getragen, bis zum 8. März in tiefer, bts ium 22. März in weniger tiefer Form. Tie allerhöchste

Familie trägt diese Trauer als Familientrauer noch einett Monat länger.

Der bekannte antisemitische Agitator Graf Pückler teilte in einer antisemitischen Versammlung mit, daß er von dem Oberverwaltungsgericht endgiltig seines Postens als Amtsvorsteher enthoben worden ist.

Tie zahlreich beschickte 29. Vollversammlung des deutschen Landwirtschaftsrats wurde heute vormittag vom stellvertretenden Vorsitzenden von Soden- Frauenhofen in Gegenwart zahlreicher Regierungsvertreter eröffnet. Graf Schwerin-Löwitz wurde mit 55 von 66 Stim­men zum ersten Vorsitzenden gewählt. Der Antrag auf Erhöhung der Jahresbeiträge von 200 auf 250 Mark wurde fast einstimmig angenommen. Sodann begrüßte Staats­sekretär Graf Posadowsky die Versammlung un"d sprach die Hoffnung aus, daß die Verhandlungen des Landwirtschafts­rats beitragen werden. Außenstehende darüber aufzuklären, welche Bedeutung die Landwirtschaft innerhalb unseres Wirtschaftslebens hat, und in welcher Lage gegenwärtig sich die. Landwirtschaft befindet. Bezirkspräsident v. Ham­merstein erstattet den Kommissionsbericht über die Reform der Amortisationsschuld und die Lebensversicherung als Mittel zur Schuldentlastung. Die Versammlung erklärte, die Lebensversicherung sei in vielen Fällen geeignet, die Schul­dentilgung wirksam zu fördern und stimmte den Grundzügen des Entwurfes eines Gesetzes über private Versicherungs­unternehmungen zu.

DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Im Reichseisen- b a h n a m t e beginnen am 14. d. M. kommissarische Berat­ungen der Maßnahmen zu der weiteren Erhöhung der Betriebssicherheit. Dem Reichseisenbahnamte gingen auf die von ihm zur Verhandlung gestellten Fragen sehr gründliche umfassende Vorarbeiten von den beteiligten Re­gierungen zu.

Der Verband fortschrittlicher Frauen­vereine hat an das Kaiserliche statistische Amt ein Me­morandum zur Berufsstatistik gerichtet. Es wird darin der Antrag gestellt:

Das Kaiserliche statistische Amt wolle bei der nächsten Volkszählung eine Gruppierung stattfinden lassen, durch welche die Thätigkeit der Ehefrau in der Hauswirtschaft diejenige Bewertung findet, die ihr in Ausübung einer der volkswirtschaftlich wichtigsten Berufsarten in der Berufsstatistik zukommt."

Die jetzt in der Volkszählung übliche Gruppierung der Berufsarten entspräche, so lange die HauptberufsartHaus­wirtschaft" fehle, weder der thatsächlichen Arbeitsleistung der Frauen überhaupt, noch der Wichtigkeit der häuslichen Frauenarbeit für den Volkswohlstand. Sie sei deshalb als ein Fehler zu betrachten, ergebe unzutreffende Resultate und sollte in Zukunft richtig gestellt werden.

Ausland.

Paris, 5. Febr. Dem«Siede" zufolge unterbreitete Mercier dem Finanzausschüsse des Senates einen Antrag, eine Summe für das Studium eines Projektes einer Landung an der englischen Küste in das Budget einzustellen. Wie )erFigaro" meldet, soll der Besuch eines italienischen Ge- chwaders in Toulon nunmehr offiziell beschlossen fein. Der- elbe werde Ende März oder Anfang April stattfinden und mit der Reise des Präsidenten Loubet nach Nizza zusammen­allen.

Der Minister des Aeußern Delcaffe empfing gestern eine Abordnung der Cichorienfabrikanten, die sich über die von Deutschland geplante Erhöhung der Cichorienzölle be- chwerten. Der Minister versprach, Alles aufzubieten, um eine Erhöhung der Zölle auf französische Cichorien hint- anzuhalten.

Petersburg, 5. Febr. Fürst und Fürstin Radolin haben heute Petersburg verlassen. Der Minister des Aeußern Graf Lamsdorff hatte der Fürstin eine Bonbonniere mit Schleifen in den russischen Farben übersandt. Im Auftrage der Großfürstin Alexandra Josiphowna überreichte der Hof­marschall Baron Buxhoevden ein Blumenarrangement und ein kostbares Heiligenbild. Der kaiserliche Salonwagen, in dem der Fürst und die Fürstin Platz nahmen, war mit den herrlichsten Blumenspenden angefüllt.

Bukarest, 5. Febr. Verschiedene Blätter melden, daß infolge der Schwierigkeit, ein Einvernehmen zwischen der Kommission der Deputiertenkammer und der Regierung in Betreff der neuen Steuern herzustellen, eine Ministerkrise ausgebrochen sei._______________________________________________

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 6. Februar 1901

** Wegen des Schneefalls wird der Verkehr der Gießener Omnibusse eingeschränkt, die Wagen fahren nur noch zu den Hauptzügen und zwar dreispännig.

* Landes Lehrerverein. Der langjährige Obmann des LandeS-LehrervereinS, Oberlehrer Backes aus Darmstadt, der mit Rücksicht auf fein hohes Alter gebeten hatte, auf der diesjährigen Hauptversammlung (11. April) von seiner Wiederwahl abzusehen, hat nun dem Drängen des Vorstandes nachgegeben und sich zur Freude der Lehrer bereit erklärt, eventuell den Vorsitz auf weitere zwei Jahre zu übetnehmen.

* Der hiesige evangelische Arbeiterverein veranstaltete seine Kaiser feier am Sonntagabend in Steins Garten. Der Saal war, wie bei allen derartigen Veranstaltungen des Vereins, dicht besetzt; auch zahlreiche Gäste waren erschienen, und eS nahm die ganze Feier einen schönen und würdigen Verlauf. Der Vorsitzende, Pfarrer Dr. Grein, begrüßte die Versammlung. Musikalische Darbietungen des gemischten ChorS, ein sehr vollendet und wirkungsvoll vorgetragenes Trio (Musikdirektor Krause, Frau Tochter und Sohn) sowie Sologesänge umrahmten die Festrede, die Prof. Dr. Stamm, der Ehrenvorsitzende des Vereins, übernommen hatte. Der geschätzte Redner zeigte in der ihm eignen meisterhaften Alt, was wir an Kaiser und Reich haben, was wir aus.der Ver­gangenheit lernen sollen, wie wir uns frei halten sollen von Dem gewohnheitsmäßigen Kritisieren und Nörgeln, und mahnte daran, daß wir auch bereit fein müßten, Opfer zu bringen für das Vaterland. Auch die theatralischen Darbietungen ^eS Abends waren sehr gelungen und fanden reichen Beifall. ES verlief alles schön und harmonisch, und allen Mitwirkenden gebührt Anerkennung und Dank.