uns den Sieg verleihen!" Also Gott soll Ihnen helfen
Gor
des
auf sehr Diese
Zolltarifs.)
Schluß gegen 7 Uhr.
leit.)
Abg. Bebel (fortfahrend): Gestern hat der Abgeordnete Gamp uns ein Stück Land zur Bcwirthschaftung versprochen. Gern, Herr Gamp, nehmen wir das an; wir haben auch ausgezeichnete Landwirthe unter uns. Aber wir werden das Gut ebenso wenig bekommen, wie ich bekommen habe, was mir Fürst Bismarck seiner Zeit versprach, nämlich die Verwaltung der Provinz Posen. (Große Weiterleit.) Die Forderung des Bundes der Landwirthe nach einem Mmimalzoll von 7,50 Mk. ist das Unverschämteste, Matz-
(Stürmischer Beifall bei den Soz.).
Präsident Graf Ballcsircm: Der Abg. Bebel hat gegenüber einem Zwischenruf des Abg. Graf Arnim sich einiger Worte bedient, die ich bei der großen Unruhe nicht gleich verstanden habe. Diese Warte ivarcn Infamie und Gemüthsroheit. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Meine Herren, ich bitte, mich nicht zu unterbrechen, Sie wissen gar nicht, was ich sagen will. Ich mutz darum sehr bitten. Die Autorität dieses Platzes werde ich unter allen Umstände,i wahren. lBeisall rechts und im Centrum.) Meine Herren! Diese Worte verstotzen offenbar nicht nur gegen den parlamentarischen Gebrauch, sondcrii auch gegen die Ordnung des Hauses. Sie verdienen einen Ordnungsruf, den ich hiermit erthcile. (Beifall rechts.) Zugleich bemerke ich aber, datz der Redner durch einen Zwischenruf des Grafe,i Arnim schwer provvzirt worden ist. (Zustimmung links.)
Preußischer Finanzminister Fhr. von Rbeinbabcn: Niemand, der die Rede desAbg. Bebel gehört hat, wird sich dem Eindruck entziehen können, daß er dieses hohe Hans mit dem Lübecker Parteitage verwechselt hat. (Lärm bei den Sozialdemokraten. Ruf: Sie verwechseln es mit dem preußischen Abgeordnetenhausel) Wir sind noch nicht willens, uns bernsteinern zu lassen. (Rufe bei den Sozialdemokraten: Au! Au! Große Unruhe links. Präsident Graf Balle st rem bittet um Ruhe.) Um so mehr werde ich mich bemühen, völlig objektiv zu fein. (Abg. Singer«: Das tonnen Sie ja gar nicht!)
Präsident Graf Ballestrem: Ich bitte, den Redner nicht zu unterbrechen.
Minister Frhr. von Rheinbaben (fortfahrend): Ich werde Ihnen Daten anführcn, die die vollkommene Grundlosigkeit der von Herrn Bebel gegen die Verbündeten Regierungen erhobenen Vorwürfe darthun. Nur auf einen Ausdruck muß ich zurückkommen. Herr Bebel sagt, durch die Vorlage müsse der Aufruhr entfesselt werden. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich kon- statire das und empfehle diesen Ausspruch und das „Sehr richtig!" allen denen zur Beachtung, die glauben, datz sich die Sozialdemokratie innerhalb vierzehn Tagen in eine Reformpartei verwandeln würde. Wenn Sie (zu den Sozialdemokraten) den Versuch eines Aufruhrs wagen, so sage ich Ihnen, Sie werden mit heißen Köpfen aus der Affaire herauskommcn. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Auf dem Lübecker Parteitag ist eine Resolution gegen den Zolltarif angenommen. (Redner verliest diese Resolution, bei jedem Satze durch lebhaften Beifall von den Sozialdemokraten unterbrochen.) Wenn man so schwere Vorwürfe erhebt, wenn man den Verbündeten Regierungen sagt, daß sie die Lebensinteressen weiter Greife der Bevölkerung, und zwar derjenigen, die am ersten des Schutzes bedürftig sind, auf das Tiefste verletzen (sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), so muß man doch
ein Brodwucher! Pfui!
äsident Gras Bnllcstrem: Herr Abgeordneter Debet, td) habe
mentariid, ist (Heiterkeit); besonders auf ein Mitglied des Hauses angewendet, muß ich dies als ganz ungehörig zurückweisen und bitte Sie. sich zu mäßigen, weil ich sonst srrengere Maßregeln er-
Erlös erzielt, so hat er den Schaden. Deshalb sind die Müller für Zollerhöhungen. (Zustimmung rechts.) A.uch der deutsche Hopfenbauer muß endlich geschützt werden, es ist höchste Zci'.. daß dies geschieht. In Rußland läßt d,e Regierung gerade den Hopfen- bauern besondere Zuwendungen zukommcn Wir verlangen Schutz für die gesammte nationale Arbeit. Gewiß, aud) die Industrie muß Absatzgebiete haben, aber wer trägt dann den Zoll für die Industrie mit2 Davon sagt kein Mensd) kein Wort. (Heiterkeit.) Unser Vertrauen ist durch die Musterungen vom Regierungstijd) verstärkt worden. Möge ein Zolltarif zu Stande kommen, aus den das Wort des Kanzlers paßt: Der Landwirthschast zum Schutz, und der Industrie nickst zum Trutz! (Beifall rechts.) Der ganze Bauernstand ist jetzt einig. Die Schlafmütze hat der deutsche Bauer abgezogen. (Beifall rechts.) Vergessen wir nicht, daß des Vaterlandes Straft im Bauernstände liegt. (Beifall rechts und im
Minister v. Rheinbaben (fortsahrend): Durch den Taris wird auch die Industrie gefördert. (Sehr richtig! rechts.) Ich habe den Eindruck, daß die Industrie bisher zu sehr sich auf die Ausfuhr geworfen hat; es wird sich empfehlen, doch mehr den inländischen Markt zu gehen Sie sehen, wie
letzt unsere Industrie vom Auslande abhängt.
Schwankungen zu hindern, indem man den in
ländischen Markt stärkt, halte ich für eine außerordentlich wichtige Aufgabe. lLebhafte Zustimmung rechts.) Wir müssen die Neinen Städte und Dorfschaften für die Industrie starken ^ic. sehen, daß andere Länder ihre Zölle erhöhen. Amerika hat eine sehr energische Schutzzollpolitik Sehen Sie sich die an, dann können Sie sehen, rote man eine Industrie hochbringt (Sehr richtig I rechts.) Redner verweis' in seinen weiteren Ausführungen, die wegen der herrschenden Unruhe nur bruchstückweise zu verstehen sind, auf England, dessen Entwicklung der Landwirthschast für uns ein warnendes Beispiel )cin müsse. Vestigia terrent Es sei 10 zu bezweifeln daß wir jemals unfern gesammten Getreidebedarf decken könnten aber wir müßten uns wenigstens möglichst unabhängig vom Auslande machen Die Vorlage ziehe die richtige Diagonale Ihre Annahme liege tn> nationalen Interesse (Beifall rechts.)
Sächsischer Staatsminister von Mchsch: Der Abg Bebel hat auf Sachsen verwiesen und gesagt: es sei unverantwortlich, daß die Regierung von Sachsen für Erhöhung der Kornzolle enigetreten ei? (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In Sachsen entfallen 1-1 Proz. auf die landwirthschaftliche Bevölkerung, und für diese muß die Regierung Sorge tragen, nachdem sic erkannt hat. daß die Landwirthschast Noth leidet. (Beifall recht.) Nach Ansicht der Negierung trifft die Vorlage das Nichtige. Es trifft nicht zu, daß in ganz Sachsen die Absatzgebiete im Allgemeine» gut sind. (Abg. Dr. £)ertcl: Sehr richtig!) Die sächsische Regierung kann nicht partikularistisch haiideln, sie mußte sich auf den im Interesse des Vaterlandes richtigen volkswirthschafUichen Standpunkt teilen. (Beifall rechts.)
Hierauf vertagt sich das Haus.
Persönlich bemerkt
Abg. Graf Arnim: Als der Mg. Bebel den schrecklichen Vorfall aus Köln zur Sprache brachte, habe ich die Frage an ihn gerichtet, ob der Vater vielleicht getrunken habe. (Ruf bet den Sozialdemokraten: Gesoffen!) Ich kann nicht finden, das; ich Herrn Bebel vrovozirt habe. Ick muß doch, wenn solch ein Fall hier vorgcbracht wird, mich fragen, wie es möglich ist, daß in der reichen Stadt Köln so etwas vorkommt, es herrschte doch dort keine Arbeitslosigkeit. auch hatten wir keinen 5 Mark Zoll. Ich fühlte mich zu der Frage veranlaßt, weil ich aus der Lausitz zahlreiche, tief schmerzliche Fälle kenne, in denen ich hungernde Familien, deren Ernährer dem Trünke ergeben waren, unterstützte. Auf den Entrüstungsruf des Hei-rn Bebel lvill ich nicht eiligeren, weil ich mir keinen Ordnungsruf zuziehen will. .
Abg Bebcl (Soz.): Wenn Gros Armm die Stirn hat, zu be-
Gentrum.)
Abg. Bebcl (Soz.): Der Vorredner hat vom Standpunkt eines Mannes gesprochen, dem die ganze moderne Entwickelung ein Greuel ist. Ginge es nach ihm, so müßte man die Eisenbahnen abschaffen, die Gründung jeder Fabrik verbieten und den Verkehr völlig cin- schränkcn. (Widerspruch rechts.) Sein Programm, durchgeführt, würde die völlige Vernichtung der Industrie bedeuten. Es ist uns gerathen worden, den Kampf „mit mehr An st and" zu führen. Sie ((nach rechts) in dieser Rolle zu sehen, erinnert mich an die Rolle von Reineke Fuchs. (Lärm rechts.) Ich erinnere nur an Herrn von Diest-Dabcr, der im Zirkus Busch gesagt hat: „Die Minister können uns sonst was." Und Herr Heim bat auf dem Regensburger Bauerntage eine Rede gehalten, die an Aufhetzung der bairischen Bauern gegen die eigene Regierung das Menschenmöglichste leistete. (Lärm rechts und im Zentrum.)
Vieepräsidcnt Graf Stolberg: Der Herr Vorredner hat unter Nennung eines Abgeordneten erklärt, dieser habe eine Rede gehalten, welche an Aufhetzerei gegen die Regierung alles andere, hinter sich lasse. Ich erkläre das nicht für zulässig. (Beifall rechts.)
Abg. Bebel (fortfahrend): Auf diesem Bauerntag wurde ein Bild gezeigt: zuerst der Bauer mit einem Tarif von 7.50 Mark und der Inschrift: „Mit Gott für König und Vaterland." Dann bei einem Getreidezoll von 3,50 Mark: „Es lebe die Republik!" Der christliche Bauernbund benutzt fein Chriftenthum nur zum Deckmantel der gewöhnlichsten Klafseninteressen. (Lärm rechts.) Der Herr Reichskanzler hat vom Standpunkt der Ausbeuter gesprochen; ich spreche im Namen der Ausgebeuteten. Weim wir dem Auslände unmöglich machen, das einzuführen, was cs bei uns einführen kann, so macht cs umgekehrt uns unmöglich, das auszuführen, waö wir ausführen können. Also daS geht nach dem Rezept: Wurst wider Sßurft’ Aber zu Verträgen kommen wir dabei nicht. Wenn wir in dem Tarif der neunziger Jahre solche Minimalsätze gehabt hätten, wie sie jetzt beabsichtigt sind, so wären wir niemals zu Verträgen gekommen. Das hat auch Graf Kanitz ausgesprochen, nur mit dem Unterschied, daß er Gegner dieser Verträge ist, während wir sie lebhaft befürwortet haben und dem rusfifchen Handelsvertrag durch unsere Zuslimmung er ft zur Annahme verhalfen haben. (Sehr richtig! rechts.) Bismarck war 1875 noch ein Gegner von Schutzzöllen. Er wollte nur Zölle auf Kaffee, Tabak, Petroleum haben. Herr Möller hat zugegeben, daß er sich zwischen zwei Stühle gesetzt hat; er hofft aber, sich Iviedcr erheben zu können. Ja, meine Herren, Hoffen und Harren hat schon Mauchen zum Narren gemacht. ^(Heiterkeit links.) Für die ersten Handelsverträge hat sich auch die Mehrheit der Konservativen, an der Spitze der stark agrarische Herr von Manteuffel, ausgesprochen. Herr von Manteuffel meinte, die Herabsetzung der Getreidezölle von 5 auf 3,50 Mark belaste die Landwirthe nicht allzu sehr. (Widerspruch rechts.) Jawohl, erst bei dem russischen Vertrag ging der Spektakel los Auch das Centrum war damals mit der Herabsetzung einverstanden; Herr Reichensperger hielt einen Zoll von 5 Mark für viel zu hoch, während jetzt Herr Spahn in einer Volksversammlung einen Zoll von 6 Mark befürwortet. So hat sich das Centrum geändert. Zweifellos hat der Bund der Landwirthe eine sehr rege Agitation entfaltet und Sie haben dabei (nach rechts) auch sehr geschickt den Einfluß benutzt, den die mächtige aber kleine Klasse der Junker gehabt. So haben Sie denn einen solchen Tarif nach Ihrem Herzen zu Wege gebracht. (Widerspruch rechts.) Nun wird gesagt, die Zölle würden die Folge haben, daß wir kein Getreide mehr cinzuführcn brauchen. Aber es steht doch fest, daß hohe Zölle die Produktion cinschränkcn. (Unruhe und Zwischenrufe rechts.)
Viccpräsident Graf Stolberg: Ich bitte, den Redner nicht zu
greifen müßte.
Abg. Bebcl (fortsabrcnd): Die heutige Gesellschaft ist die verlogenste und heuchlerischste, die wir jc gehabt haben. »Wenn die Agrarier beten, dann beren sie nicht: Unser täglich Brod gicb uns Heine, sondern: gtcb uns auch die Brodvertheuerniig hinzu Den größten Vortheil von den Agrarzöllen haben die FiDeikommißbesiher, also m erster Lime die deutschen Fürsten, denn das sind die größten Fideikommihbesttzer. Gehören die auch zu den Nothlcidenden < Täglich werden noch neue Fideikommisse gegründet. Es muß also ein gmes Geschäft sein. Auch der Abg. Frhr. v. Heyl hat noch unlängst eines gegründet.
Präsident Graf Balleftrcm: Herr Abgeordneter, ich bitte Sic. nicht die Privatvcrhälkmsse einzelner Abgeordneter in den Bereich der Besprechung zu ziehen. Das ist nicht üblich.
Abg Bebcl (fortfabrcnD) : Wenn der Grundbesitz so unrentabel wäre, so würde die Krone nicht selber für über drei Millionen Mark Grundbesitz in den letzten Jahren erworben haben. Sic sprechen immer von den Interessen der Bauern, über Sie meinen die ^Präsident Graf Ballcftrem: Herr Abgeordneter, auch das ist nicht zulässig, einem Abgeordneten das Gegentheil von dem unter- zuschieben, was er sagt. (Zuruf links: Was ist denn eigentlich noch zulässig?)
Abg. Bebel (fortfahrend): Die industrielle Arbeiterbevolkerung hat in den letzten Jahren um mehr als zweieinhalb Millionen zu- genommen. in der Landwirthschast aber ist eine Abnahme um 239 000 Seelen zu verzeichnen. Das ist der beste Beweis dafür, daß heute Industrie. Handel und Verkehr den Ausschlag geben, aber nicht die Landwirthschaft. Angesichts dieser Thatsache ist es die verdammte Pflicht und Schuldigkeit der Negierung, etwas für den industriellen Arbeiter zu khun; und was geschieht, da bringt ftc uns diesen Tarif ein, der das Gemeinwohl und d-m Arbeiter insbesondere auf das stärkste schädigt. Ist das nicht unerhört? Schon heute haben wir Tausende von Familien in Deutschland, die sich nicht am Brod satt essen können, sondern mit Kartoffeln fürTicb nehmen müssen. (Zuruf des Abg. R o e s i ck e : Kartoffeln sind eine Delikatesse!) Ja. Sie essen Kartoffeln als Delikatesse, die Proletarier müssen sich davon nähren. Die Agrarier sollten sich schämen, auf so armer Leute Kosten sich zu bereichern. Aber die Scham ist bei uns schon längst bei den Hunden. Ganz besonders schlecht sieht es in Sachsen aus. Ein ganz besonders krasser Fall wird aus Köln a. Rh. gemeldet, wo cm kleiner Schüler seinem Lehrer sagte, er möchte gern in den Himmel, denn da habe er keinen Hunger mehr. (Ruf rechts: Der Vater wird Wohl Alles versoffen haben!) Wasil Da? ist eine Infamie, so etwas zu sagen. (Großer Lärm und anhaltende Unruhe. Rufe- Psm! Zur Ordnung!) Das Wort ist festgenagelt, cs zeugt von Gemüthsrohheit. Erneuter minutenlanger Lärm.) Es ist eine Gemüthsrohheit, Gras Arnim! (Großer Lärm rechts.) Sie sagen, durch die höheren Zölle würden die Landarbeiterlöhne erhöht werden, es würden mehr Leute auf dem Lande Beschäftigung fin-
wenigstens den Schotten eine? Beweises erbringen. Herr Bebcl ist Dielen Beweis ichutdig geblieben «fachen bei den c^ialbem^ (taten ) Ich stand eine lange Reihe von Jahren an der Spitze eines Industriebezirk?. >ck> habe einen Einblick gewonnen in den Weitblick in die firbettiamkiL die Dori alle dis zum letzten Arbeiter ctrullt, und bin vollkommen von der Nvihwendigleu durchdrungen, datz wir iin Interesse der Industrie »picdcr zu l a n g f r i st i g e n Handelsverträgen kommen müssen Wenn man gesehen hat. wie durch einzelne Maßnahmen einer fremden Regierung die gan';c Industrie in Frage gestellt und damit das Wohl des Gemein- ivesens aufs Schwerste gcschadigi wird, so kann man sich nicht der Nothwcndigkeit entziehen, durch langfristige Handelsverträge unserer Industrie die Balis zu sichern. Ick, habe ferner einen solchen Einblick in die Arbeiterverhältnissc gewonnen, daß ich nicht für eine Vorlage voltren würde, die Die Lebenshaltung der Arbeiter bccmträd)tigt. "*•
Gerade unter dem höheren r>unfmarlzov hat sich Die Stcuerkraft in Deutschland ganz bedeutend gehoben (Redner führt eine Reihe von siatislisckicn Zahlen für diese Behauptung an.)j Es ist auch nicht zutreffend. daß Der Großgrundbesitz in der Zunahme begriffen sc> . ganz tm ©cgcutbci1. dringt der kleine und mittlere Besitz immer mehr vor Das ist eine durchaus geiunoe Entwickelung (Der Minister belegt dies mit Zahlen.) Wenn die Presse bemüht wäre. das Publikum aufzuklären, Dann hätte sie solche Zahlen bringen müssen (lebhafte Zustimmung rechts), damit enDlid? Die Mythe beseitigt wird, als ob unser Boden in Der Hand von lautet Großgrundbesitzern fei (Sehr richtig! rechts Lärm links) Ja, m. H., ich begreife wohl, daß ihnen die Statistik unangenehm ist' Auch speziell in Preußen wo der Großgrundbesitz so sehr vorwiegen soll, hat dcrGroßgrundbesitz nur ^Des Bodens, selbst tu Ostelbien steht er hinter dem Klembcsm zurück (Im Saale herricht zunehmende Unruhe; der Redner wird in Folge dessen immer schlechter verständlich. Rufe links: Lauter!)
Präsident Gros Balleftrcm Meine Herren 1 Wenn eie ruhiger wären, würden Sic den Redner verstehen. (Lachen links. Sehr
unterbrechen.
Abg. Bebcl (fortfahrend) : Als Lassalle 100 Millionen Thalcr \ forderte,' damit die Arbeiter sich assozüren könnten, war ein Schrei der Entrüstung im Bürgerthurn die Antwort. Diese 100 Millionen fallen aber doch gar nicht ins Gewicht gegenüber diesen Milliarden, diefür die Landwirthschast aufgewandt werden. (Großer Lärm und Gelächter rechts.) Man redet so viel von der Noth der Landwirth- schäft; aber Ihre Angaben sind so widerspruchsvoll, daß sie für uns keinen Werth haben können. Sie sagen: „Billiger als umsonst können wir den Boden dock; nicht rechnen." Ja, dann gehen Sie dock) auf den Vorschlag meines Freundes Molkcnbuhr ein und erpropri- iren Sie den Boden! Wir wollen ihn gar nicht umsonst. Unverschämte Preise allerdings wollen wir nicht zahlen. (Lachen rechts.) Wenn der Getreidebau keinen Ertrag mehr gäbe, Dann würde doch die Anbaufläche nid)t größer geworden sein. Graf Schwerin hat behauptet, Deutschland locrDc mit fremdem Vieh überschwemmt. Genau das Gegentheil ist der Fall. Sie haben es durch Ihre Maßregeln erreicht, daß die Einfuhr von Vieh zurückgegangen ist. Das ist der wahre Sachverhalt. Sie reden immer gegen Den ZwischenhanDel. Gewiß, Der vertheuert Die Preise. Aber wenn Sie selbst Den Verkauf Ihrer Maaren in Die Hand bekämen, Dann würden Die Preise nicht billiger, sonDern nod) theuercr tocrDen. 2er Milchkrieg ist Das sprechenDste Beispiel Dafür. Ick) nehme Ihnen Das gar nicht übel von Ihrem StanDpunkte aus; in Der kapitalistischen Gesellschaft heißt cs eben: „Sehe Jeder, wie er's treibe." Aber andere Leute sind aud) noch da; Die lehnen sich gegen Die Ver- theuerungen auf. Und ich spreche cs offen aus: Die Maximcn, Die dieser Vorlage zu GrunDe liegen, führen schließlich zu Revolten und Aufruhr. Zu Den Klagen über Die zunchmenDe Noth Der Land- Wirthe stimmt Durchaus nicht Die Statistik Der Zwangsversteigerungen von Grundstücken. Tiefe Statistik ergiebt. Daß Die Zahl Der Zwangsversteigerungen stetig abgenommen hat. Der Werth Der LanDgütcr ist Dabei im Laufe Des letzten Jahrhunderts um 170 pCt. gestiegen; in einzelnen GegenDen beträgt sogar Die Steigerung über 900 Prozent. Wie kann man Da von Noth Der Landwirthschast reden! Viele Güter haben einen Reingewinn von 140 bis 100 M. pro Hektar (Redner führt mehrere Beispiele hierfür an). Wie kommt es, Herr Graf Kanitz, Daß Sie Angesichts solcher Ertrage Ihre Strohdächer flicken müssen, während Kollegen von Ihnen in großen Schlössern wohnen. Wirthschaften Sie vernünftig. Dann brauchen Sie überhaupt keinen Zoll! (Heiterkeit rechts.) Sie aber halten große JagDvergnügungen ab, haben wohlgefüllte Weinkeller unD lassen Ihre Söhne Kavallerieofsiziere werDen unD spielen. (Unruhe und Zwischenrufe rechts.)
Präsident Graf Ballcftrem: Ich bitte, den Redner nicht zu unterbrechen; cs kommt jeder zu seiner Zeit zum Wort. (Heiter-
dcn. Sic sd)einen gar keine Ahnung von Dem Umfang Der In- Duftri e' zu haben, wenn Sie glauben, Daß Die InDustriearbeiter alle auf Dem Lande Arbeit finden'können. Die Landflucht wird beDingt durch Die schlechten Löhne, Die schlechte Behandlung und Die gesetzliche Rechtlosmachung Der Landarbeiter. Und Sie wollen ja aud) garnidit Die intelligenten InDustriearbeiter auf Dem Lande haben. Es herrscht ein Maß von Unzufriedenheit, ick) möckste sagen, von Rebellion, in allen Schichten Der Bevölkerung, wie nie zuvor. Die Herren fürchten fid) ja selbst. Denn in Hamburg haben Dieselben Herren, die im wirthschastlichcn Ausschuß für höhere Zölle waren, gesagt, sie seien Dagegen. Es heißt. Die Zukunft Deutschlands liegt auf dem Wasser, aber diese Politik steht damit im Widerspruch, wir umgeben uns mit einer chinesischen Mauer. Wir gehen nad) China und werden selbst Chinesen (Heiterkeit.) Wird dieser Tarif Gesetz, so wird Der Abschluß von Handelsverträgen unmöglich Die Folge davon wird fein, daß Die Industriellen im Auslande Filialen errichten; die Arbeitslosigleit wird zunehmen und die Löhne iverDeii nod) weiter sinken. Es wird ein Massenelend bercinbred)cn. neue Gefängnisse und Zuchthäuser müssen gebaut werden, aber vmi dem Tohuwabohu, das diese Wirthschaftspolitik erzeugt, wird die Sozialdemokratie die Frucht ernten. (Beifall bei den Soz.) Schicken Sie Den Reichstag doch nach Hanse, Herr Reichskanzler! Das Volk wird Jhneii eine Antwort ertheiken wie nie zuvor. Das ist eine Politik, die die Massen zum Aufruhr treibt. Der deutsche Reichskanzler ist cS. Der am meisten auf den Umsturz Der bestehenden Verhältnisse bearbeitet. (Beifall bei Den Soz.) Wen die Götter verderben wollen. Den schlagen Sie zuvor nut BlinDheit. Ich erkläre Ihnen: wir werden Alles aufbicten, um Diesen Entwurf in Den Orkus zu beförDcrn. und wir beDaucrn nur, Daß wir nicht feine Väter und feine Vertreter aud) mit in den Orkus versenken können. (Lärm rechts. Sehr gut! bei Den Soz.) Im Namen Des Volkes, im Namen Der Gerechtigkeit in Die Grube mit Diesem Entwurf!
aupten . . . (Lärm rechts.)
Pläs Graf Ballcstrcm: Dieser Ausdruck ist unparlamentarisch.
Abg Bebcl (Soz., fortfahrend): Wenn Graf Arnim erklärt, er Hobe die Frage an mich gerichtet, ob vielleicht Die Eltern ihren Lohn bertrunten hätten, so ist das eine grobe Unwahrheit. (Sehr richtig 1 links) Gral Arnim Hal keine Frage an mich gerichtet; ci Hal vielmehr wöulich gesagt: ,Wahrscheinlich haben die Eltern das Geld vertrunken". (Widerspruch rechts; Zu» ftimmung links.)
Präs. Graf Ballcftrem: Nach Dem Stenogramm hat der Abg. Gras Ainin. gesagt: „Der Vater hat vielleicht das Geld vertrunken". (Zaftimmung rechts. Großer Lärm bei Den Sozialdemokraten.)
Abg Graf Arnim ■ Ich habe die Worte als Frage an Den Abg. Bebcl gerichtet. Von „wahrscheinlich" ist nicht die Rede gewesen. (Widerspruch links.) Die Art und Weise, wie Sie diese Drei Worte benutzen, ist nur ein Zeichen dafür, daß Sie solche Vorfälle nur agitatorisch verwenden. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) .
Mg Dr. Rösickc (Bund d L): Der Mg. Bebel Hai es kritisirt, daß ick, in einer Versammlung den Namen Gottes angerufeu habe. Bei der bekannten Stellung des Mg. Bebel zur Religion bestreite ich ihm die Fähigkeit, übet solche Dinge ein Urthcil abzugeben. (Lachen bei den Soz.)
Abg. Bebcl: Nadidcm der Herr Präsident ans dem Stenogramm den Wortlaut der Bcinerkung des Grafen Arnim fcstgestellt hat, brauche ich kein Wort mehr hinzuzufügen und bewundere nur die Stirn, mit der sich Graf Arnim nod) zu vertheidigen wagt. (Lärm rechts.) . ,,
Präsident Graf Ballcstrcm: Sie haben schon wieder denselben Ausdruck gebraucht, den ich vorhin rügte. Ich rufe Sie zur Ordnung (Unruhe bei den Soz.)
Abg. Gras Arnim (Np.): Trotzdem dem Mg. Bebel bewiesen ist, daß er ein Wort unrichtig citirt bat.... (Große Unruhe bei den Sozialdemokraten. Rufe: Unverschämte Frechheit!)
Präsident Graf BaUcstrcm: Das Wort „unrichtig" ist ein parr lamentarischer Ausdruck. Wenn ick wüßte, wer „unverschämte Frech- beit" gerufen hat, würde ich diesen Herrn zur Ordnung rufen. (Abg. ReißhauS bekennt sich dazu) Dann rufe ich Die Abgg. ReißhauS und Bebet zur Ordnung.
Abg. Graf Arnim: Es ist unwahr, daß ich daS Wort „wahr- scheinlid)" gebraucht habe. Trotzdem behauptet Herr Bebcl das. Redner bleibt bei der Unruhe des Haiises in feiner weiteren Bemerkung unverständlich, er gebraucht gegen Bebel Den Ausdruck „Verachtung" und wird dafür zur Ordnung gerufen.
Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr. (Fortsetzung der ersten Lesung
rechts, Widerspruch links.) Ich bin nicht hierher gekommen, um loseste und Schamloseste, was jemals Dem Vo..e zugemuthet ist. Phrasen unD Fabeln zu sagen wie Herr Richter (Lärm links), ich Herr Rocsicke bat in_Der bekannten A.^us^rwmm^ lasse mid) nicht cinschüchtcrn. Herr Molkcnbuhr hat sich als Vertreter der Müller aufgcspicU. aber er ha: höchstens das Interesse bei der Riesenmüller wahrgenommen. Bei uns mahlt der Müller nicht: n .
um Geldlohu, sonDern nm ttctrciDe, unD iücr.n er daraus keinen schon r.cdcrholt hier erklärt, daß der -iu-druck pf^i nicht parla^ — । .-...v v:. an:: .... ........ nnt PiG SlrttnllfO ocs Daul es


