Ausgabe 
6.11.1901 Erstes Blatt
 
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gestellt; die Schachte sind fast sämtlich zugeworfen. Die Ar­beiten brachten während der einjährigen Dauer den Arbeitern (fast alle aus Sicchcnhansen) bei guter Bezahlung schöne Verdienste.

K. E r b st a d t, 4. Nov. Eine seltene Himmelserscheinung war gestern abend 9.25 Uhr hier sichtbar. Der ganze sternen­besäte Himmel und die ganze Umgebung wurden plötzlich taghell erleuchtet durch ein von Osten nach Westen nieder­gehendes Meteor. Man sah eine helle, in grellblauem Lichte erscheinende feurige Kugel, die mit scheinbar mäßiger Ge­schwindigkeit ihre Flugbahn zurücklegte. Die ganze Er­scheinung währte etwa 4 Sekunden.

f. Bad Salzschlirf, 1- Nov. Kürzlich fand unter der Schutzherrlichkeit des Königs von Belgien zu Ostende eine Ausstellung für Hygiene statt, auf der auch der Boni- fatiusbrunnen vertreten war. Ihm ist nun als der lithionreichsten Mineralquelle der Welt (22 Zentigramm im Liter) von der wissenschaftlichen Jury das Diplom der goldenen Medaille verliehen worden. Die dies­jährige Saison nahm einen recht günstigen Verlauf; der Mehrbesuch gegen 1899 beziffert sich auf 1100 Kurgäste (2700 gegen 1600), ein Beweis, daß Salzschlirf als Heil­bad immer mehr bekannt wird. Der Versand des Boni- atiusbrunnen zu Haustrinkkuren hat ganz bedeutend zu­genommen: er geht heute nach allen Erdteilen.

sh. Lauterbach, 2. Nov. Einen seltenen Genuß bot heute ein Konzert des hiesigen Männergcsangvereins. Der Ver­ein darf auf seine Leistungen stolz sein. Die gute Auffassung und die leicht verständliche Wiedergabe der meisten Lieder verdienen . volle Anerkennung. Besonders heroorzuheben ist der gute Vortrag der schweren ChöreDie Vesper" von Beethoven undSuomis Sang" von Maier. Viel Beifall and der Konzertsänger und Lehrer Adolf Müller von Frankfurt. Als recht gewandten Violinspieler zeigte sich Herr Mayer von hier, der dieTraviata-Phantasie" von Verdi undPhantasie über Gounods Faust" gut durchgearbeitet zu Gehör brachte. Die Klavierbegleitung besorgte Kreisarzt Dr. Nebel und der Dirigent des Vereins Lehrer Rinner. Dem Konzerte folgte ein Ball.

Darmstadt, 2. Nov. In dem hiesigen Orts-Ge­werbeverein hielt gestern Oberlehrer Kahl einen Vortrag überden Gesetzentwurf, den Schutz der Bauhandwerker gegen den Bauschwindel betreffend. Am Schluffe der Ver- ammlung fand eine von ihm vorgeschlagene Resolution einstimmige Annahme, in der betont wird, daß der Orts- Gewerbeverein in den Gesetzentwürfen, betr. Sicherung der Bauhandwerker, die Erfüllung der seit langen Jahren und wiederholt aufgestellten Forderung des deutschen Bau­gewerbes sieht, und wünscht, daß es berufenen gesetzgeben­den Faktoren gelingen möge, die Bestimmungen so zu ge- talten, daß der Zweck des Gesetzes erreicht werde, ohne das olide Baugewerbe zu schädigen.

b. Mainz, 3. Nov. Wie von verschiedenen Seiten ge­meldet wird, ist der flüchtige Direktor der Rheinischen Zucker- abrik in Gernsheim, Roth, in Amerika verhaftet worden. Wenn sich die Nachricht bestätigt, dürfte der für morgen an­beraumte Termin im Prozeß gegen die Geschäftsleiter und Aufsichtsräte der Gernsheimer Zuckerfabrik wohl vorerst ver- agt werden, da die Anwesenheit des früheren Direktors dem Prozeffe jedenfalls eine ganz andere Wendung giebt.

litik heranzubilden, während wir uns auf Mensuren und Bier beschränkend

Zum Schlüsse verwahrt sich das Organ d. V- d. St. gegen die Drohung derKreuzztg.", daß die hervorragen­den konservativen Parlamentarier, Militärs und Zivil-Be­amten, deren Unterstützung wesentlich zu dem Emporblühen des Vereins beigetragen habe, in Zukunft zu dem Verein eine andere Haltung einneymen'müßten.Das war", er­klärt die Redaktion derAkad. Bl-",auf jeden Fall der falscheste Weg, für ihre Sache zu wirken. Das sollte sie (die Kreuzztg.") doch wissen: daß, wenn wir genötigt werden sollten, zu wählen zwischen der Gefolgschaft einer Partei und unserer Unabhängigkeit, die Entscheidung für die letztere fallen würde". In derselben Nummer veröffent­lichen dieAkad. Bl-" eine weitere zollpolitische Dar­legung, deren schutzzöllnerische Tendenz derKreuzztg." gewiß gefallen dürfte.

Frankfurt a. M., 3. Nov. Einen Stich ins Komische und Tragische zugleich hatte die letzte Stadtverordneten- Versammlung. Zur Erörterung gelangte die Klage ein^s ehrsamen Stadtbürgers, einesMustergatten", gegen die Armendirektion, weil diese ihm nicht rechtzeitig Anzeige gemacht habe von dem Dode seiner Frau! Fürwahr ein nicht ganz gewöhnlicher Fall, dem folgender Thatbestand zu Grunde liegt: Der Kläger hatte vor ca. 12 Jahren seine bessere Hälfte aus einem nicht näher bekannten Anlaß der­art durchgebläut, daß die arme Frau dem Siechenhause über­wiesen werden mußte. Seitdem hatte sich der Brave um eine Frau und Mutter seiner beiden Kinder nicht im ge­ringsten gekümmert und die wiederholten Aufforderungen des Armenamtes, zur Unterhaltung der kranken Frau beizu­tragen, stets unter Berufung auf seine Mittellosigkeit zurück­gewiesen. Das Armenamt stellte schließlich seine ergebnis­losen Forderungen an den Ehemann und damit auch alle weiteren Benachrichtigungen über das Befinden der Kranken ein. Durch Zufall erfuhr nun der biedere Gatte kürzlich, daß seine Frau bereits im Jahre 1892 ihren Leiden erlegen war. Seine Empörung darüber, daß das Armenamt es unterlassen hatte, ihn von dem Ableben seiner Gattin zu benachrichtigen, war groß, und er beklagte sich daher beim Oberbürger­meisteramt über die Nachlässigkeit der Armendirektion. In­folgedessen hatte sich auch die Stadtverordnetenversamm­lung in chrer letzten Sitzung mit diesem etwas ungewöhn­lichen Falle zu beschäftigen. Sie erkannte fast einstimmig, wie nicht anders zu erwarten, daß dis Armendirektion an­gesichts des unglaublich rohen Verhaltens des klägerifchen Ehemannes gegen die durch dessen eigene Mißhandlungen erkrankte und hingesiechte Frau keinerlei Vorwurf treffe. Eine Maßregelung des Armenamtes könne um so weniger in Frage kommen, als die Begründung der Klage, Kläger hätte ohne das Versehen der Armenverwaltung längst wieder verheiratet sein können, jede Sympathie gegen den Antrag­steller von vornherein ausschließe. Auch ein Gemüts­mensch!

Wiesbaden, 4. Nov- DerRhein. Kurier" meldet: Gelegentlich der gestrigen Einweihung der n a s s a u i s ch e n Lungenheilstätte in Naurod ist folgendes Tele­gramm der Kaiserin eingegangen:Ihre Majestät die Kaiserin und Königin nehmen an der heutigen Einweihung der Heilstätte Neurod aufrichtigen Anteil und lassen Ew. Hochwohlgeboren sowie alle um die Begründung derselben verdienten Persönlichkeiten zu dem erfreulichen Erfolge be­glückwünschen, der durch die in erster Linie dem Mittel­stand gewidmete Anstalt eine dankenswerte Ergänzung in dem Heilstättenwesen darstellt. Ihre Majestät wünschen dem Unternehmen von Herzen Gottes Segen zum Heil der Leiden­den, die dort Genesung suchen. Im allerhöchsten Auf­trage: Kammerherr v. d- Knesebeck, Vizeoberzeremonien­meister."

* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Letzten Donnerstag und Samstag fand durch den Land- gerichtspräsidentcn Kullmann von Gießen eine Revision des Amtsgerichts in Butzbach statt, deren Ergebnis nach der /,B. Ztg." sehr zufriedenstellend gewesen sein soll. In Langenhain entstand in der ^Scheuer des Dreschmaschinen­besitzers Ärnp Feuer, das mit solcher Schnelligkeit um sich [ griff, daß außer der Scheuer, dem Stroh und sonstigen Vor- reiten auch der in der Scheuer befindliche Dreschwagen ver- i brannte. Durch das rasche und thatkräftige Eingreifen der > Feuerwehr und Bürgerschaft blieb das Feuer auf seinen Herd

und Biographien 47, Naturwissenschaft, Technologie 78, See­wesen 22, Gesundheitslehre 7, Philosophie und Religion 9, Fremdsprachliches 12 Bände. Es wurden verliehen an Männer: Handwerksmeister 232, Akademisch Gebildete 13, Kaufleute 153, Beamte 11, Unterbeamte 68, Techniker, Schriftsetzer 108, Diener, Hausburschen 44, Arbeiter, Tage­löhner 53, Lehrlinge, Gehilfen 204, Studenten 74, Rentner 9, Soldaten 11, zusammen 980 Bände; an Frauen: Ehe­frauen, Witwen, ältere Unverheiratete 136, Gewerbetreibende 141 Dienstmädchen, Lauffrauen 43, Arbeiterinnen, Laden­mädchen 48, Beamtinnen 19, Pflegerinnen 28, junge Mäd­chen, Lehrmädchen 138, zusammen 553 Bände. Nach aus­wärts kamen 59 Bände.

r. Lich, 4. Nov. Am Samstag fand hier im Heiland- schen Saale ein Gastspiel des Gießener Stadt­theaters statt. Es kam zur Aufführung Hans Huckebein". Die Aufführung ging flott von statten, und es mar nur zu bedauern, daß der Besuch nicht sehr groß war. Es wäre zu wünschen, daß dem Gießener Stadttheater, das sich sehr vor­teilhaft eingeführt hat, in der Folge durch einen zahl­reicheren Besuch für seine achtungswetten Darbietungen gedankt würde.

? Friedberg, 4. Nov. Am Dienstag sind es 40 Jahre, daß Seminarlehrer Schmidt am hiesigen Lehrerseminar seine Lehtthätigkeit als Musiklehrer begann. Seine ehemaligen Schüler werden gewiß an diesem Tage dankbar seiner ge­denken.

Götzen (bei Schotten), 3. Noobr. Lehrer Müller, Feldzugsveteran von 1870/71, wird, wie man hött, in nächster Zeit in den wohlverdienten Ruhestand treten.

X. Herchenhaiu, 4. Nov. Einen raschen Lehrerwechsel hat unsere Schulstelle zu verzeichnen. Seit 1893 wirkten an der Stelle schon sieben Verivalter. Jetzt ist sie unbesetzt und wird von benachbarten Lehrern mitversehen. Seit einigen Wochen sind die Arbeiten des Frankfutter Tiefbauamtes ein-

beschräntt. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. In Heskem bei Marburg begegnete der Ackermann Stätzling mit seinem Fuhrwerk zwei bosnischen Bärenführern, die gerade ihre Tiere vorführten. Bei dem ungewohnten Anblick der Tiere scheute das Pferd und brachte dem St. an Kopf und Brust schreckliche Wunden bei, denen er alsbald erlegen ist. In Weilmünster gerieten ein Wetzlarer Handels­mann und ein Bauer aus Rohnstadt wegen eines Vieh­handels in Streit. Der Wetzlarer stieß dem Bauer mit olcher Kraft vor die Brust, daß dieser zu Boden stürzte und kurze Zeit darauf starb. Aus Falkenstein im Taunus wird gemeldet, daß der 2. Arzt der Kuranstalt, Dr. Besold, ein Spezialist in Behandlung von Erkrankungen des Kehl­kopfes, mit der Gräfin Cook nach London gereist ist. Da die Gräsin in freundschaftlichen Beziehungen zum englischen Königshause steht, so nimmt man an, daß Dr. Besold ein Gutachten über den Gesundheitszustand des Königs Eduard abgeben soll.

er weiter wirken.

* Ein Berliner Stadtverordneter als Harun al Raschid. Eines Tages fiel es dem Berliner Stadtver-^ ordneten Ad. Hoffmann ein, das Asyl für Obdachlose in der Reichshauätstadt ineognito zu revidieren. Es war einFlieg. Blätter "-Scherz, der einen tragikomischen Ausgang nehmen ollte. Herr Hoffmann verschaffte sich den prächtigsten, d. h. chäbigsten Stromeranzug, den er auftreiben konnte, und ließ ich so im Asyl für Obdachlose aufnehmen. Doch die Sache ollte schief gehen. Er betrug sich dott nicht so, wie es Ob­dachlosen gebührt, und als er seinen geehrten Mund allzu groß aufthat, da wurde der Herr Stadtverordnete von ein paar kräftigen Händen nicht mit besonderer Zartheit an die 'rische Luft befördert, die ihm nicht besonders wohlthat. DerVorwätts", dem Herr Hoffmann nahe steht, brachte nun; Mitteilungen, die falsch sind. Danach soll festgestellt sein, daß sichAngestellte" ^des städtischen Obdachs Ausschreitungen gegen Hoffmann zu Schulden kommen ließen. Es sei be- chlossen worden, der Verwaltungsdeputation vorzuschlagen^ den Kälefaktor Probst und die Hausdiener Kuß und Joswig, wovon der eine schon nicht mehr im Obdach thätig ist, zu entlassen und dem Oberbürgermeister Kirschner die Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen die Hilfsaufseher Liebenom und Schröter dieser ist schon 30 Jahre im Obdach thätig anheimzustellen. Hierzu wird nun mitgeteilt, daß die drei Angestellten" Obdachlose sind oder waren, die tageweise als Hilfskräfte bezahlt wurden, und daß die Behauptung des Stadtverordneten A. Hoffmann, daß die Hilfsaufseher Liebenom und Schröter ihn geprügelt hätten, nicht erwiesen worden ist. Sie haben nur seine Qualität als Stadtverordneter angezwei­felt und das war erklärlich.

* Brandstiftung im Stadttheater zu Kiek. Tas Kieler Stadttheater war am 1. d. M. von einer großen Gefahr bedroht. Auf dem Requisitenboden brach nach­mittags vor der Probe Feuer aus. Durch die städtische; Feuerwehr wurde der Brand bald gelöscht, und nun sand man aus dem Schnürboden den erst kürzlich angestelltem Requisitenmeister Kähler mit einer Schußwunde im Kopf tötlick verletzt vor. Wie die Untersuchung ergab, hat Kähler in einem Anfall von Wahnsinn die Brandstiftung bei dem Stadttheater begangen, dann hat er sich drei Revolver­schüsse beigebracht und den Hals durchschnitten. Kähler wurde noch lebend ins Hospital gebracht.

* Duell. Nach einem Telegramm aus Insterburg wurde bei einem Duell im dortigen Stadtwald der Leutnant .Hildebrand von der Feldartillerie vom Leutnant Blas- koi tz vom Infanterie-Regiment 147 durch einen Schuß in den Unterleib schwer verletzt. Sein Tod ist wahr­scheinlich.

* Hannover, 29. Okt- Eine lustige Spitz- bubengeschichte wird derT. R-" erzählt. Gegen 12 einhalb Uhr nachts wurden die Hausbewohner in der Luisenstraße 3 durch einen furchtbaren Krach aus dem Schlafe aufgeschreckt, und bald darauf erschallten laute Hilferufe, die aus einer Mädcbenkammer im obersten Stock­werk drangen. Männlein und Weiblein liefen zusammen^ Angst und die Verwirrung war allgemein, und nichts lag näher, als daß ein gewaltiger Spuk passiert sei, oder daß Einbrecher in dem Hause weilen müßten, weshalb man eiligst die Polizei herbeiholte. Diese rückte auch schnell heran und begann die Nachsuche. Die Beamten mit der Lampe und dem gezogenen Säbel in den Händen vorauf, die .Hausbewohner hinterdrein, so wurde jede Ecke, jeder Winkel des Hauses abgesucht. Im oberen Stockwerk bot sich den Suchenden einfürchterlicher" Anblick. Ein Gestell, das Tausende Photographieplatten trug, war gegen eine Kammerlhür gefallen, so daß die Glasplatten die Dielen und die Treppen füllten, und fast den Aufgang zu den Kammern versperrten. Aus der Kammer waren vorher die Hilserufe qeyört worden, aber sie war von innen, verschlossen. Man rief laut den Namen des Mädchens, Hermine? aber es kam keine Antwort. Sollten die DiebL

Vermischtes.

* Berlin, 4. Nov. Heute nacht wurde im Zeug­haus e von zwei Zeughauswärtern ein Mann festgenommen, der in den unteren Räumlichkeiten in der Nähe der Thür nach dem Platze zu ohne Stiefel angetroffen wurde. Die Stiesel wurden" in der entgegengesetzten Ecke des unteren Raumes' ausgesunden. Der Mann stellte sich als der hier ohne Wohnung weilende, 1877 in Brüssel geborene Francois Durand heraus. Er hat sich am Sonntags mittag, um zu stehlen, einschließeu lassen, ein Schrauben­zieher, ein zerbrochenes Schloß, zwei kleine Schrauben, ein Stück Licht und eine Schachtel Streichhölzer wurden bei ihm aufgefunden. Von einem Schaukasten waren sechs Schrauben! und der hintere Schloßdeckel bereits abgelöst. Durand ist heute der Staatsanwaltschaft überwiesen worden. Eine tu den tische Huldigung erfuhr Professor Virchow aus Anlaß seines achtzigsten Geburtstages heute mittag bei Beginn seiner Wintervorlesungen. In kurzen Worten» brachte Cand. med. Calmsohn die Gefühle der Bewunderung und der Verehrung zum Ausdruck, welche die Studenten^ chaft für ihr unermeßlich hohes Vorbild hege. VirchoM als der Verkörperung unermüdlichen Fleißes und uner­bittlich strenger Kritik nachzueifern, sei das Gelöbnis seiner Schüler. Nachdem der stürmische Beifall, der diesen Worten! olgte, verklungen, nahm der Gelehrte das Wort zu einer Erwiderung, in der er von Herzen für die ihm entgegen- gebrachte Meinung dankte. Er sei, so führte er aus, immer der Repräsentant einer gewissen Klasse von Forschern ge­wesen, die von Generation zu Generation in treuer Arbeit ihre Schätze erhalten und vermehrt haben, streng und aui- richtig gegen sich und andere, und in diesem Sinne wolle

Aus Stadt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.)

Gießen, den 5. November 1901.

- Personalnachrichten. Der Großherzog hat am 16. Oktober dem Ottsgerichtsvorsteher Adam Jochim II. zu Einartshausen das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. In den Ruhestand wurde versetzt der Lokomotivführer bei der Main-Neckar- EisenbahnJohann Peter Vetter in Darmstadt auf sein Nach­suchen wegen geschwächter Gesundheit mit Wirkung vom 1. Januar 1902 an.

'* Ordensverleihungen. Von dem Kaiser wurde die Er­laubnis zur Anlegung ihnen verliehener Orden erteilt, und zwar des Großkreuzes des königl. großbritannischen Viktoria- Ordens dem General v. L i n d e q u i st; des Ritterkreuzes 1. Kl. des badischen Ordens vom Zähttnger Löwen dem Major Buch Holtz im 5. Großh. Jnf.-Regiment Nr. 168; des bayerischen Militär - Verdienstkreuzes dem Stabstrompeter Mickley im 1. Großh. Feld-Att.-Regiment Nr. 25 (Großh. Attillette-Korps).

*fTagesordnungfürdieS.itzungderStadt- veror d n e t en-Ve r s amm lun g, Donnerstag, den 7. November, nachmittags 4 Uhr. 1. Mitteilungen. 2. Die regelmäßigen Ergänzungsw ahlen der Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung; hier von 1902/10 und die Wahl der Beisitzer für die Wahlkommissionen der einzelnen Wahlbezirke. 3. Gesuch des W. Kitz um Erlaubnis zur Aufstellung einer Halle auf seinem Grundstück am Rodtberg; Hier: Dispens. 4. Baugesuch der Firma Klein & Doemling für die Crednerstraße; hier: Dispens. 5. Baugesuch des L. Huhn für die Plockstraße; hier: Dispens. 6. Verschiedene Herstellungen am Bau der Margaretenhütte. 7, Reparaturen an verschiedenen Stellen des Asphalttrottoirs, veranlaßt durch die Kabellegung; hier: Kosteudekretur. 8. Ausführung der Ortsfeuerlöschordnung; hier: Beschaffung von Lösch­geräten. 9. Verkauf von Bauplätzen an der Roonstraße. 10. Regulierung derLöhne der städtische n Ar­beiter; hier: Gewährung von Remunerationen. 11, Programm für den Neubau der höheren und er­weiterten Mädchenschule und Preisausschreiben zur Er­langung von Entwurfsskizzen. 12. Die Vergebung des Eichen- und Kiefern-Bau- und Grubenholzes im Gießener Stadtwald pro 1902/03. 13. Wasserversorgung der Gärten am alten Steinbacherweg; hier: Kündigung des E. Kauff- mann. 14. Ausführung des Gesetzes über die Kranken­versicherung; hier: Ortsstatut über die Ausdehnung des Gesetzes auf Hausgewerbetreibende, Hand­lungsgehilfen und Lehrlinge. 15. Fürsorge für Idioten. 16. Gesuch des Heinrich Zölzer um Erlaubnis zum Wirtfchaftsbetrieb im Hause Lahnstraße 5. 17. Desgl. oes W. Fischer im Hause Dammsttaße 29. 18. Gesuch des Christ. Arnold um Erlaubnis zum Kleinhandel mit Brannt­wein im Hause Stephansttaße 42.

* Theaterverein. Nach der zweiten Vorstellung am Mittwoch, dem 13. d. M., in welcher Herr Büller als Gast auftritt, wird als dritte Vorstellung am Donners­tag, dem 2 8. ds. Mts., Fulda's neues LustspielDie Zwillingsschwester" folgen. In der Titelrolle gastiert Frl. Willig vom Wiesbadener Hostheater. Die vierte Vorstellung bringt dann das Gastspiel von Maria Reisenhofer als Francillon am Dienstag, dem 10. Dezember.

** O öffentliche Lesehalle. Im Monat Oktober wurden 1533 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf Litte- raturgeschichte 12, Erzählende Litteratur 690, Jllusttierte Zeitschriften 374, Jugendschriften 224, Versdichtungen 16, Länder- und Völkerkunde 22, Kulturgeschichte 20, Geschichte