Ausgabe 
6.10.1901 Zweites Blatt
 
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Geschäfts Urrlegung.

Einem geehrten hiesigen und meiner werten Kundschaft die von heute

Kürschnerei und Mützenfabrik von Bchvhofstratze 49

auswärtigen Publikum, sowie ergebene Mitteilung, daß ich an meine

in den Laden des Herrn Wirsig, Selters weg IO verlegt habe. Durch jahrelange Erfahrung in diesem Fach hoffe ich, meine werte Kundschaft in jeder Weise zufrieden zu stellen und bitte, das mir seither bewiesene Vertrauen auch fernerhin bewahren zu wollen. Hochachtungsvoll 6610

Gießen, den 5. Oktobe" 1

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Witwe ElisaL und Kn

Gießen, den 3. Oktober 190.

Danksagun

Für die vielen Beweise herzlich dem uns so schwer betroffenen Verlud geliebten Gatten und Vaters, sowie Blumenspenden, insbesondere für die des Herrn Pfarrer Dr. Nau mar Dank

Bekanntmach

Auf dem gestern abgehaltenen Vieh (ofeS Ferkel aufgefunden worden.

Der Eigentümer wird aufgefordett, Hier alsbald geltend zu machen.

Gießen, den 3. Oktober 1901.

Großherzogliches Polizeiam

Hechler.

Freiwillige <

zur Anschaffung des 2 KniWs Umgang mit als Aufmerksamkeit für den Reil abgeordneten Köhler, Langsdorf 'genommen im Aquarium Gießen.

lange, ehe er erwartet wurde, auf der Station signalisiert. Der Stationsvorsteher drahtete daher eine eilige Botschaft nach dem Schlosse. Lord Lonsdale, der sah, daß er unmöglich die Station zu der Zeit erreichen konnte, die der ängstliche Beamte angegeben hatte, drahtete zurück:Schiebt ihn auf ein Nebengeleise" ein glücklicher Einfall, der sofort be­folgt wurde. Der nichts ahnende Prinz wurde von einem Nebcngeleise auf! das andere geschoben und fuhr erst in die hübsche kleine Station ein, als oer Wagen aus Lowther mit seinen berühmten Posttllonen und Vorreitern draußen vorgefahren war, während Lord Lonsdale ruhig auf dem Bahnsteig wartete, als ob er schon lange da wäre. Der Prinz erfuhr nichts von der kleinen List.

* Vom Aufenthalt des deutschen Kron­prinzen in Amsterdam werden noch vielerlei Epi­soden erzählt, von denen wir die nachstehende wiedergeben iDoUen. Es heißt da:Schon morgens um neun Uhr war der Kronprinz mit seinen Begleitern zum Ausgehen fertig, dann ging's zu Fuß oder zu Wagen kreuz und quer durch die Stadt, in Museen, Tiergarten, Panorama, Hafen, zum Denkmal De Ruyters, zur Oper, Operette, nach Zaandam, überhaupt dahin, wo nur einigermaßen Besehenswertes zu finden ist Es ist unglaublich, welche Wißbegierde und welche Ausdauer der Kronprinz dabei entwickelte. So gut wie niemand erkannte ihn. Kösftich amüsierte er sich, als ihn in der Kalverstiraat ein Obsthändler anbrüllte:De laatfte mcoie pruimen, twintig voor een dnbbeltje!" (Tie letzten schönen Pflaumen, zwanzig für zehn Cents!) In dem hier stets herrschenden Gedränge wurde er manchmal hin und her -geschabt, aber er schubte tüchitig zurück. Immer folgte ihm, auf einigem Abstpnd, ein altes Weibchen, das ihn nicht aus den Augen verlor. Es war der als Frau verkleidete bekannte Kriminaloberinspektor Batelt, der, unerkannt, den Schritten des Kaisersohnes folgte. Vor dem Amstelhotel lehnte der Herr Inspektor sich ans Gitter und wußte seine Rolle so gut zu spielen, daß ihm ein Herr des Gefolges ein Almosen zusteckte. Lächelnd nahm der Oberinspektor es an.

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Stadt.

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Neuling, Weißvindermeiüer.

Mehrere geistig beschränkte aus Stadt und

03890] Nachdem die Weinlese soweit beendigt ist, treffe ich am Samstag dem 6. Oktober zum ^m^^iu.Weiktmbeii in der Schulftraße ein»

BV Nur 4 Tage in Gießen auf dem l

Orkus Al

Freitag den 4. Oktober, aber

Große Gala-Eröffnungs mit hockst interessantem Programm. Bei ist die Gowby-Truppe, darunter Texas-Jack, Reiter der Welt. Preise der Plätze: 11,50 Mk., 1. Platz 1 Mk., 2. Platz 60 i Kinder unter 10 Fahren zahlen auf allen ?

Samstag den 5. Oktober, ab

Grosse Sport-Vor

Alles Nähere durch Austragzettel.

Eintrittspreise: Karten zum einmaligen Eintritt 30 Pfennig, Schüler zahlen bei klaffenweisem Besuch 10 Dfg. Vom 30. Septem­ber ab werden außerdem Dauer­karten zu 1,50 Mk. ausgegeben, welche nur für die Person des Lösenden Giltigkeit haben.

Denkmünzen in Silber zu 5,60 Mk. und in Goldlegierung zu 1,60 Mk., beides in EMi, sind in der Ausstellung zu haben.

Herborn, im Septbr. 1901. 6467 Der Borstand.

** Altweibersommer. Die weißen, laugen Fäden flattern wieder durch die Luft und hängen sich an den Kleidern des Wanderers fest. Auf Wiesen und Feldern webt die Läuferspinne die dichten Netze, die, wenn sie abgetrocknet sind, der Wind erfaßt und alsAltweibersommer" oder fliegenden Sommer" oft hoch durch die Lüfte entführt. Erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit ist man über die Herkunft dieserMarien"- oberHerrgottsfäden" unterrichtet, wäh­rend man ftüher die unglaublichsten Vermutungen aufstellte, um die merkwürdige Naturersckeinung zu erklären. So viel ist sicher, daß die Spinnen selbst nicht selten in jenen Ge­weben weite Reisen zurücklegen, denn Altweibersommer, der solche kleinen Luftschifferinnen enthielt, ist sogar mitten auf dem Meere beobachtet worden, wo die zarten Fäden in dem Takelwerk von Schiffen haften blieben. Wie man annimmt, müssen die Spinnen, die stets vereinzelt gefunden werden, freilich unabsichtlich' und gegen ihren Willen die für sie gefährlichen Fahrten antreten; andere Insekten dagegen unternehmen bekanntlich, gleich den Zugvögeln, oft in mächtigen Formationen große Wanderungen, wie es bei einer Reihe Käfer-, Schmetterlings- und Libellenarten, bei Heu­schrecken und Termiten der Falt ist Der Volksaberglaube beschäftigt sich heute noch viel mit dem fliegenden Sommer; dieser wird in den verschiedenen Gegenden bald als unheil­verkündend, bald als glückbringend für diejenigen, die er berührt, gedeutet. In der That eilt nun der Spätsommer fort, seine letzten Tage sind gekommen. Heute tritt die Sonne in das Zeichen der Wage und damit nimmt der .Herbst seinen kalendermäßigen Anfang.

* Der Fuß und der Charakter. Die neueste Schrulle der englischen Gesellschaft, die sich schnell über­all verbreitet, ist diePedologie", das Erkennen des Charakters aus den Linien der Füße. Der Klient betritt das Zimmer des dieser Wissenschaft Kundigen, und läßt beim Fortgehen Fußabdriicke zurück, aus denen dann sein Charakter gelesen wird. Ein bisher als Chiromant bekann­terProfessor Osman will der wahre Entdecker der neuen Wissenschaft" sein. Er hat mehrere Jahre lang die Füße auf ihre für den Charakter bezeichnenden Eigenschaften hin studiert. Er hat eine Sammlung, die eine große Menge Fußabdrücke von Männern und Frauen in den verschieden­sten Lebenslagen umschließt. Ter Professor ist überzeugt, daß die Pedologie eine viel zuverlässigere Wissenschaft ist

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Herborn.

Anläßlich der Feier des 650- jährigen Jubiläums der Stadt s Herborn veranstaltet der Verein .in der Zeit vom 29. September fbiS 6. November 1901 in den iRäumen des Rathauses eine

Ausstellung historisch denk-

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I als Phrenologie, Phhsivgiwmik oder Chiromantie. Pro­fessor Osman spricht sehr beredt von demAusdruck der Füße", die, wie er behauptet, ein besonderes wahres Bild des Charakters geben müssen, weil der Fuß vom Bewußtsein nicht kontroliert werden kann. Ein Mensch kann seinen Ge­sichtsausdruck durch Zusammenziehung gewisser Muskeln beeinflussen, und sogar auf die Linie,: der Hand wirkt der Geist unbewußt. Aber auch die größte Anspannung der Gedanken kann die Linien der Füße nicht ändern. Pro­fessor Osman wendet den Knöcheln besondere Aufmerksam­keit zu. Ter runde muskulöse Knöchel, der von häßlichen Ecken frei ist, deutet, wie er sagt, auf eine erregbare Natur. Tie Knöchel dieser Art sind natürlich unter Frauen viel allgemeiner, als unter Männern. Ein breiter Knöchel ist das Zeichen eines kräftigen Willens und deutet in der Regel auf ein starkes Gemüt. Doch bedeutet ein sehr schmaler Knöchel nicht immer einen schwachen Willen. Ein hoher Spann weift gewöhnlich auf einen sehr unpraktischen Geist. Ein sehr hoher Spann gehört in der Mehrheit der Fälle einem Träumer an. Eine der deutlichsten Typen ist der Fuß der Tarne der Gesellschaft. Er wird vom Professor Osman als runder odergemischter" Fuß klassifiziert. Er ist klein und symmetrisch, hat aber eine in die Augen fallende Konkavlinie zu beiden Seiten am Ballen. Der genaue Gegensatz ist der sogenannte viereckige Fuß des' Mannweibes". Aerztinneu haben einen eigentümlichen Fuß, den man leicht erkennen kann. Er hat weniger Bieg­ungen als der Gesellschaftsfuß und trähert sich mehr der viereckigen Form. Der gewöhnlichste Typus unter Männern ist der praktische oder kaufmännische Fuß. Er hat von einem Ende zum andern ziemlich dieselbe Breite. Dermürrische" Typus ist dagegen groß und flach, mit ungewöhnlicher Breite über dem Ballen und verhältnismäßig niedrigem Spann. Ties Verhältnis giebt ihm trotz seiner Länge und Festigkeit einen Anschein von Schwäche. Derdiplomatische" Fuß ist auch eigentümlich. Er ist sehr stark und ungewöhn­lich breit, mit gut entwickelten und symmetrischen Zehen. Derabergläubische" Fuß ist durch seine ungewöhnliche Länge und Schmalheit kenntlich Die feinen Linien, welche die Fußsohle überall bedecken, geben die genauesten Hin­weise auf den Charakter. Sie entsprechen ganz den Linien der Handfläche, welche die Chiromanten so genau prüfen.

* Niemand weiß, w o mich der Schuh drückt. Diese sprichwörtliche Redensart hat auf ihrer Wanderung durch die Jahrhunderte nichts von ihrer ursprünglichen Form eingebüßt. Plutarch erzählt in den Ehevorschriften Kap. 18: Ein junger Römer wird von seinen Freunden darüber zur Rede gestellt, daß er sich von seiner züchtigen, reichen und schönen Frau getrennt habe. Da zeigt er auf seinen Schuh und sagt, auch dieser sieht schön und neu aus, aber niemand weiß, wo er mich drückt. Diese Erzählung hat Hieronymus (331420) adv. Jovin I 48 wörtlich ins Lateinische übersetzt, selbst in dem Schlußsätze et bic soccus, quem cernitis, videtur vobis novus et elegans, sed nemo seit praeter nie, ubi me premat. Büchmann nennt den Hieronymus als Quelle dieses bekannten Bildes in unferm Sprachschatze, die er aus Plutavchs L. Aemil. Paullus Kap. 5 abgeleitet habe. Aber die Worte Plutarchs lauten an dieser Stelle wesentlich anders, auch in dem Schlusatze: Niemand von euch könnte wissen, an welcher Stelle mein Fuß gedrückt wird.

* Aus dem Tagebuche einer jungen Frau. Montag:Sagte heute morgen beim Frühstück zu tOto, daß eine kleine Reise für uns beide sehr vorteilhaft sein würde. Er entgegnete, daß er jetzt unmöglich von feinen Geschäften abkommen könne." Dienstag:Machte die Bemerkung, daß,, wenn wir eine Reise machen wollten, eine Tour nach Paris herrlich wäre. Otto schien von diesem Vorschläge sehr unangenehm berührt und erklärte bestimmt, nichts mehr davon hören zu wollen." Mittwoch:Schrieb an die liebe Mama, sie möge uns einen Besuch abstatten, und erbat mir telegraphische Antwort." Donnerstag:Er­wähnte nichts mehr von einer Reise, sondern begleitete Otto zur Thüre, als er fortging, und küßte ihn herzlich." Freitag:Mutter telegraphierte, daß sie nächste Woche zu Montag:Sagte heute morgen beim Frühsttick zu Otto, daß tische offen liegen." Samstag:Otto sagte, daß es ihm gelungen fei, für einige Zeit von den Geschäften abkornmeN zu können. Wir fahren Montag mit dem Frühzuge nach Paris."

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