einfetzt, die sich um die fehlenden Kleidungsstücke irgend eines braven Negerstammes sorgt oder um die Lüftung der Eskimo-Wohnungen bangt, da ist der Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen bereits mit Erfolg zurückgelegt. Es mag seltsam klingen, aber es ist eine gesicherte Erfahrung, daß rüese Wirkung vor allem eintritt, wenn die weibliche Thätig- keit einen politischen Anstrich gewinnt. Wir begrüßten es mit besonderer Genugthuung, als aus unserer Stadt von Seiten edler Frauen an die weibliche Bevölkerung Ober- hessens der Ruf erklang zur Unterstützung der hilflosen Burenfrauen. Nun aber hat ein lveibliches Dreigestirn, die Damen Anita Augspurg, Minna Cauer und Lida Gustava Hehmann, ihre Stimmen erhoben, mitten in dem Lärm der Kriegsdrommete, sie haben an den Preußischen Kriegsminister unter frommer Berufung auf den Jahrestag der Haager Friedenskonferenz chren Abscheu gegen den Krieg an sich zum Ausdruck gebracht, der „in jeder Form als kulturwidrig, unmoralisch und menschenunwürdig verdammt werden Müsse" und sie haben, nachdem sie so den Bannstrahl geschleudert gegen die ganze Schöpfung, und gegen die ganze Geschichte, die den steten Kampf zum Prinzip jedes Fortschritts erhoben, mit tiefer Entrüstung auf eine „Begleiterscheinung der momentanen kriegerischen Bethätigung In China" gewiesen, eine Erscheinung, „deren sich nach übereinstimmenden Berichten der Presse aller Nationen beutfdje Krieger sowohl, wie die aller anderen Kontingente schuldig gemacht haben". Sie meinen „die sexuelle Mißhandlung wehrloser Chinesinnen". Und es ist in der That fürchterlich zu lesens was das Herz der drei Rächerinnen bedrückt. Ten chinesischen Frauen, so versichern sie, stehe das, was man sie gelehrt habe, als ihre Ehre zu betrachten, so hoch wie jedem deutschen Soldaten das, was er für seine Ehre hält.
„Und wenn", so liest man weiter mit schauderndem Entsetzen, „die von europäischen Gewaltthätern bedrohten, wehrlosen Frauen, die sich ihren Verfolgern ihrer verkrüppelten Füße halber nicht einmal durch die Flucht entziehen konnten, sich zu Dutzenden in ihren Brunnen ertränkten, wie gemeldet wird, oder sonstwie durch freiwilligen Tod ihre Ehre zu retten suchten, — bei Tung- tschau allein sollen 573 Chinesinnen der Gier der europäischen Soldaten zum Opfer gefallen sein, — so stellt diese Thatsache die Brutalität und Ehrlosigkeit der schuldigen Männer in einem Grade fest, welchen mit entsprechenden Worten zu charakterisieren, wir uns an dieser Stelle Versagern müssen." Man könne an diesen Ereignissen gar nicht zweifeln, denn sie seien, „von den Berichterstattern der zuverlässigen Presse aller Länder mit zu großer Ueber- einstimmung gemeldet worden."
Und so folgt denn die empörte Frage an den armen Herrn v. Goßler: „Was ist von selten der deutschen Armeeverwaltung geschehen, um festzustellen, ob deutsche Soldaten und welche? an solchen Unthaten beteiligt sind, in deren Verdacht, bis nicht die speziellen Schuldigen nachgewiesen sind, die Truppen aller Kontingente und sämtliche Angehörigen derselben stehen?" Auch die Antwort fehlt nicht, Lida Gustava Hehmann, Anita Augspurg und Minna Cauer erteilen sie mit Bereitwilligkeit und Blutgier:
„Sollen nicht diejenigen deutschen Frauen, welche in Bezug auf unsere öffentlichen Angelegenheiten über der Sphäre der Gedanken- und Kritiklosigkeit stehen, in jedem heimkehrenden Chinakrieger einen Teilnehmer an derartigen Schändlichkeiten argwöhnen und sollen sie nicht voraussetzen müssen, daß dem deutschen Volkskörper von seinen leitenden Instanzen die bedingungslose Re- assimilation von Elementen zugemutet wird, die auf Grund ihrer Thaten hier zu Lande mit Zuchthausstrafe zu belegen sein würden, so ist es dringend nötig, daß unsere Militärjustiz sich mit den angeführten Berichten beschäftigt, um auf Grund genauester Nachforschung entweder das tief erschütterte Zutrauen weiter Bevölkerungskreise zu der Haltung unserer Truppen wiederherstellen zu können, oder die etwa begangenen Verbrechen durch strenge Ahndung zu sühnen."
Es gehört nicU zu den Eigentümlichkeiten des weiblichen Charakters, eine besondere Vorliebe für die Kritik zu haben. Sie glauben gern und lassen sich leicht bethören. Sonst wäre wohl auch manches anders. Und auch die drei, die so redegewaltig für das Recht jener Frauen eintreten, denen es wegen ihrer verkrüppelten Füße unmöglich war, vor den 573 Blaubärten wegzulaufen, haben willig geglaubt, was irgend ein renomistischer Hunnenbrief oder der Bericht eines phantasiebegabten Reporters an Schauerlichem gemeldet hat, um die Nerven blasser Europäer aufzuregen. Unsere Generale und Obersten in China vermögen die Disziplin nicht aufrecht zu erhalten«, sie haben auch nicht die Kraft und die Energie, Verfehlungen zur Strafe zu ziehen, nein, dazu braucht es der Hilfe der Anita, der Minna und der Lida Gustava, dazu braucht es eines Aufrufs an alle, denen so üble Elemente „nicht reassimiliert werden sollen". Freilich, das Schicksal all der weißen Frauen, die in die Hände der Chinesen fielen und deren Geschichte zu grauenvoll ist, um sie auch nur anzudeuten, interessiert weder Minna, noch Anita, noch Lida Gustava. Wer die Chinesin, an der sich vielleicht ein Soldat einmal vergriff, erscheint ihnen als Märtyrerin, umgeben von der Gloriole tiefgekränkter edler Weiblichkeit, und der Gedanke an die verkrüppelten Füße, die nicht schnell genug zum rettenden Port führen, erfüllt die Seelen mit schneidendem Entsetzen. Uns aper und manchen anderen will es bedünken, daß es für Frauen, die den Drang fühlen nach öffentlicher Bethätigung, recht reiche und recht naheliegende Gebiete anderen Charakters giebt, und daß die Sorge um die mythischen 573 Opfer unerfreulicher Liebesglut zurückstehen sollte um die Sorge für die zahllosen deutschen Mädchen, die durch ein un- geregeltes und unbewachtes Familienleben auf die Straße getrieben und dem.Verderben preisgegeben werden. Hier
Ue?' iü RhoduS gegeben, hier mögen Lida Gustava und chre Freundmnen ihre Kraft und ihren guten Willen be- weisen. Jede Seele, die sie vor dem Schlamm des Lebens retten, soll ihnen hoch angerechnet werden. Wenn sie aber Juqji Luftbilder fich sorgen, so gewinnt man allzu-
(dfferfen "b nur der Wunsch, Aufsehen zu
" Horen Bewunderung zu erwecken, der Wosse, Aurnöerg^sen rst. Nicht das Weiblich-Zarte tritt ——---------------nne Art „verkrüppelter Manns-Psyche";
/jT nm gegen den Satz zu
VvIIVUK tn Versammlung schweigen
Berent»!
Schwurgericht
Gießen, 4. Juni.
lieber den Schluß der Verhandlung gegen den Dienstknecht Christian Dörr wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes, schweren Diebstahls rc. ist noch folgendes nach- zutragen:
Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich hält die Anklage voll aufrecht und mildernde Umstände bezüglich des Diebstahls für ausgeschlossen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Engisch, plaidiert für mildernde Umstände. Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich tritt kurz den Ausführungen des Verteidigers entgegen. Der Obmann der Geschworenen, Schuhmacher Heß von Friedberg, erklärt nach längerer Beratung den Wahrspruch dahin, daß alle vier Hauptfragen bejaht, die Nebenfrage bezüglich der mildernden Umstände dagegen verneint worden seien. Der Oberstaatsanwalt beantragt alsdann hinsichtlich der Eisenbahntransportgefährdung eine Zuchthausstrafe von 6 Jahren, bezüglich des Diebstahls eine solche von 1 Jahr, bezüglich des Hausfriedensbruchs 4 Monate und für die Sachbeschädigung 4 Monate Gefängnisstrafe, also eine Gesamtzuchthausstrafe von 7 Jahren, dem Angeklagten die Kosten aufzuerlegen, die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren abzuerkennen und die Stellung des Angeklagten unter Polizeiaufsicht aus- zusprechien. Ter Verteidiger beantragt, die Untersuchungshaft anzurechnen. Nach, kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende das gestern mitgeteilte Urteil.
Aus Stadt und Land.
«legen, 5. Juni 1901.
LU. Lehrauftrag. Dem Universitätsmusikdirektor Gustav Otto Traut manu ist ein Lehrauftrag für Musikgeschichte erteilt worden.
•* Universitätsbibliothek. Die durch die Ernennung des bis herigen Assistenten der Großh. Universitätsbibliothek Dr. R. Fritzsche zum KustoS freigewordene erste Assistentenstelle ist dem bisherigen zweiten Assistenten Lic. theol. B. Willkomm und die hierdurch freiwerdende Stelle des zweiten Assistenten dem bisherigen Volontär Psarr- und Lehramts- Kandidat Georg Koch übertragen worden.
** Perfoualuachrichten. Der Großherzog hat am I.Juni ;en Kulturinspektor bei der Kulturinspektion Friedberg, Bruno v. Böhmer in gleicher Diensteigenschaft an die Kulturinspektion Mainz versetzt; den Kulturingenicur Dr. Ed mund Fraissinet in Mainz zum Kulturinspektor der Kultur- inspektion Friedberg; den Provisorischen Hauptlehrer an »er Gewerbeschule in Michelstadt Ludwig Schalk zum Hauptehrer an dieser Schule ernannt.
** Die Leiche des in China ermordeten Hauptmanns Bartsch, Chef der 8. Kompagnie des 2. Ostasiarischen Infanterie- Regiments, trifft am 11. d. Mts., auf dem Reichspostdampfer „Irene", der am 27. April von Schanghai abgegangen ist, in Hamburg ein. Die Verwandten werden den Sarg in Empfang nehmen und nach der Heimat des Verblichenen, Striegau in Schlesien, überführen, wo die feierliche Beisetzung im Erbbegräbnis der Familie stattfindet.
*# Sommerfest. Das am letzten Sonntag auf der „Schönen Aussicht" abgehaltene Sommerfest des FechtVersandes Gießen-Lahr war in allen Teilen wohlgelungen. Ueber 2000 Eintrittskarten wurden ausgegebeu. Es herrschte eine sehr vergnügte Stimmung, und besonders die liebe Jugend fand an den Kinderspielen und den damit verbundenen Geschenken großen Gefallen. Der erzielte Überschuß soll Ür hiesige Arme verwendet werden.
** Pakete nach Ostasien. Endlich wird bekannt gegeben, daß sich wiederum Gelegenheit bietet, auf den von der Heeresverwaltung gecharterten Dampfern den Angehörigen der Marine in Ostasien und der Ostasiatischssn Besatzungsbrigade Pakete zuzuführen, die das Gewicht von 2,5 Kilogramnr überschreiten und demnach« von der Beförderung durch die Feldpost ausgeschlossen sind. Die Pakete müssen bis spätestens zu folgendem Zeitpunkte see- tüchjtig verpackt, frachst- bezw. portofrei eintreffen: a) in Bremerhaven für den Dampfer „Neckar" am 12. Juni 1901, b) in Hamburg für den Dampfer „Silvia" am 12. Juni 1901, für den Dampfer „Pisa" am 22. Juni 1901, für den Dampfer „Tucuman" am 22. Juni 1901; später eintreffende Sendungen müssen den Aufgebern kostenpflichtig zurückgesandt werden. Pakete für den Dampfer unter a) sind an die Firma Matthias Rohde u. Jürgens in Bremerhaven und für die Dampfer unter b) an die Firma Matthias Rohde u. Co. in Hamburg zu adressieren. Die Sendungen müssen mit deutlicher Aufschrift nach folgendem Muster versehen werden:
Spediteure Matthias Rohde u. Co. für Dampfer „Silvia" in Hamburg für Gefreiten Eduard Müller
1. Ostasiatischies Infanterie-Regiment
3. Kompagnie.
Tie Postpaketadressen bezw. Frachtbriefe sind mit gleich>er Wresse und einer Angabe des Inhalts der Sendung auszustatten. Die Beförderung der Pakete von Bremerhaven bezw. Hamburg aus erfolgt gebührenfrei. (S£ dürfen gesandt werden: an jeden Offizier und oberen Beamten Pakete im Gesamtgewichte bis zu 50 Kilogramm, an jeden Unteroffizier, Gemeinen und Unterbeamten Pakete im Gesamtgewichte bis zu 30 Kilogramm. Vor Übersendung überflüssiger und dem Verderben leicht aüsgesetzter Gegenstände wird aus- >rücklich gewarnt. Eine Verantwortung für richtige Be- örderung der Pakete kann nicht übernommen werden, wenngleich von den Behörden im Interesse der Empfänger alles geschehen wird, um dieselben in den Besitz ihres Eigentums zu setzen. Ganz besonders wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß das Armee-Oberkomando in Osd- asien und das Ostasiatische Expeditionskorps nach Bildung der Ostasiatischen Besatzungsbrigade nach Deutschland zurückgeführt werden; die Versendung von Paketen mit den vorbezeichneten Dampfern erscheint daher nur in dem Falle ratsam, wenn die Angehörigen rc. bestimmt wissen, daß die Empfänger zu der Besatzungsbrigade in Ostasien übertreten, da sie sich andernfalls beim Eintreffen oer Sendungen am Bestimmungsorte bereits auf der Heimreise befinden können und eine kostenfieie Rücksendung der Pakete m.cht erfolgen bezw. zugesichert werden kann.
-7- Garbeuteich, 4. Juni. Heute wurde unser Dorf dem allgemeinen Fernsprechnetze angeschloffen. Der
Sprechapparat ist im Hause des Polizeidieners Schöck aufgestellt. — Vorige Woche verunglückte der Landwirt Heinrich Briegel hier, ein schon ziemlich bejahrter Mann, beim Schleifen von Stammholz im Walde. Er erlitt einen doppelten Knöchelbruch.
-ö- Dorf'Gill, 4. Juni. Gestern abend fuhr ein Eber- städter Einwohner int Trabe durch unseren Ort. Während der Fahrt verlor er ein Rad vom Wagen. Das Pferd wurde dadurch scheu und schleifte den Wagen bis vor den Ort. Dort wurde der Jnsaffe herauSgeschleudert, zum Glück ohne schwere Berletzurgen davon zu tragen. DaS Pferd raste noch weiter bis es zu Fall kam, wodurch es ausgehalteu werden konnte.
§ Butzbach, 5. Juni. Zum Ankauf von Remonten wurde gestern hier eine große Musterung abgehalten, zu der sehr viele stattliche Reit- und Arbeitspferde aus dem JnspektionS- bezirke vorgeführt waren. Die amtliche Beschau hatte daS erfreuliche Resultat, daß in unserer Gegend ein ganz aus» gezeichneter Pferdeschlag vorhanden ist.
C. Bad-Nauheim, 4. Juni. Don maßgebender Seite wird uns geschrieben: Die Nachricht von einem angeblichen Versiegen einer alten Quelle rief große Aufregung hervor. Diese Nachricht war übertrieben und gab dem Eingeweihten weit weniger Grund zur Beunruhigung al« dem mit den Verhältniffen Unbekannten. Die Quellen können und werden nie versiegen, ebensowenig, wie etwa plötzlich ein großer Fluß wegbleiben wird. Die Sachverständigen wußten vorher, daß die Verrohrung der neuen Quelle und die schwierigen Ar» beiten und Bauten zeitweilige Störungen verursachen könnten und haben dieser Gefahr entgegengesehen; sie sind ihr durch sofortiges Eingreifen begegnet. Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen und die alten wie die neue Quelle springen ruhig weiter. Im neuen BadehauS fließt die Quelle so günstig, daß die Abgabe von Sprudelbädern bedeutend erleichtert wird. An Wasser zum Baden kann eß niemals in Nauheim fehlen.
-s- Bad Nauheim, 4. Juni. Während die Kur auf das Beste im Gange ist, führen die Kurgäste wieder lebhafte Klagen über die ganz unzureichenden Bahnhofs- oerhältnisse. Der Bahnhof wurde 1847—49 erbaut und eß ist ja zur Genüge bekannt, daß er so unpraktisch wie nur möglich angelegt ist. Wie damals vor 50 Jahren, wo Nau- jcim noch ein Dorf war, so ist auch jetzt nur eine schmale Ausgabestelle für Fahrkarten vorhanden, und an diese enge, Ügige und staubige Passage müssen sich alle Kurgäste, Land- eute und Arbeiter drängen und förmlich um die Fahrkarten ämpfen. Zudem ist auch beinahe alle Monate ein neuer Beamte am Schalter, der oft noch Nebenbeschäftigungen, wie Telegraphieren rc., verrichten muß. Hat man die Fahrkarte, o ist man aber noch lange nicht sicher, daß man auch beordert wird. Die meisten Züge, die ankommen, sind stark »esetzt. Die Bahnhofsanlage ist aber im allgemeine» so lein, daß nicht einmal Reservewagen aufgestellt werden önnen, die bei starkem Audrange, bezw. bei ankommende» chon stark besetzten Zügen anzuhängen wären. Au« Platz- nangel werden deshalb beinahe täglich Reisende, die Fahrkarten 1. Klasse gelöst haben, in Abteilungen 2. oder 3. Klaffe geschoben und umgekehrt, was für die in ihrer Gesundheit angegriffenen Kurgäste, die, um sich Platz und Ruhe zu ver- chaffen, Fahrkarten 1. Klasse gelöst haben, als unleidlich lezeichuet werden muß. Die Aufregung bei dem Hin- und Hergeschobenwerden ist für Herzleidende auch nicht angenehm. Die gedeckte Halle reicht nur auf eine Länge von etwa vier Wagen und bezieht sich nur auf daß Geleise, auf dem die Züge von Norde» ankommen. Die Personen, die von Süden anlangen, oder solche, die nach Norden abreifen, sind jeder Witterung außgesetzt. Bri Regenwetter ist daß für Kranke, )te getragen werden müssen, ein schlimmes Ding, Nauheim st nämlich ein Bad für Rheumatiker! Im Herbste soll für 80,000 Mk. am Bahnhöfe umgebaut werden, genügt der Umbau nicht, dann will man nach einigen Jahren — einen ganz neuen Bahnhof bauen! Hier fragt man sich: warum wird denn nicht gleich ein neuer Bahnhof gebaut? — Aehn- iche Mißstände herrschen auch auf der hiesigen Post. Auch dort sind die Räumlichkeiten klein und unpraktisch. In jeder Saison kommen andere Beamte hierher, die den Verkehr mit dem internationalen Publikum nicht gewöhnt find, und oft erst von diesem Publikum selbst über viele Dinge belehrt werde» müssen. — DaS hiesige Kurtheater, unter der Direktion des Herrn Karl v. Maixdorff, der im Winter das neuerbaute Stadttheater in Meran leitet, bietet gute Vorstellungen, aber leider ist der Besuch nicht erfreulich. Es ist ein großer Fehler, »aß fich daß Theater im Kurhaus befindet, daß Überhaupt kein besonderer Theaterbau besteht. Daß Kurtheater ist ein Saaltheater und der Saal dient auch noch zu anderen Zwecken. Die Kurgäste sind, der Natur ihres Leidens entsprechend, fast nur auf die Unterhaltungen in Nauheim selbst angewiesen, auch hat Nauheim keine allzu prächtige Umgebung. Wenn nun trotzdem die Kurgäste nicht sehr gern in daß Kurtheater gehen, so liegt daß daran, daß das Publikum Saaltheater Überhaupt nicht liebt. Daß Nauheimer Theater ist schon dreimal umgebaut worden, was mehrere hunderttausend Mark gekostet hat, für welche Summe man bald ein wirklicheß Theater hätte errichten können. Nun projektiert man doch, ein richtigeß Theater zu bauen. Nächste Woche beginnen im Kurtheater Operettenvorstellungen. Morgen wird daß neue BadehauS Nr. VII. in Betrieb genommen. Dort ist der neue Sprudel XIV eingeführt.
Nidda, 3. Juni. Gestern hielt der Oberhessische Obstbauverein im Saale zum GambrinuS seine General« Versammlung ab. Den Vorsitz führte Geheimrat Dr. Braden zu Friedberg; von den verschiedenen Kreisämter» waren Vertreter erschienen. Der Verein zählt 4500 Mitglieder; Einnahme und Ausgabe balancieren mit 15 000Mk. Nachdem an Stelle des verstorbenen Hofgärtners Welle z» Affenheim der dortige Kammerrat Dern in den Ausschuß gewählt worden war, hielt Profeffor Dr. Frentzel zu Friedberg einen Vartrag über Vogelschutz, in dem er sich über Schade» und Nutzen der Vögel verbreitete. Er beklagte die Beseitigung von Hecken und Buschwerk durch die Feldbereinigung und riet


