Ausgabe 
6.6.1901 Erstes Blatt
 
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Sallü

Nr. 130

Erstes Blatt.

151. Jahrgang

Donnerstag 6. Juni 1901

und

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Kule Behandlung. Näheres in dn ^yedition d. Bl,

Pompeji. Haus des Fortsetzung folgt.

erst im Mittelalter und der neueren Zeit erfunden durchgeführt.

Durch eine Anzahl klarer Lichtbilder erläuterte fessor Dr. Dieterich die Einrichtung des Hauses.

In einigen kurzen Ausführungen wurde

breiten Ganges befand sich gewöhnlich ein Zimmer, rechts und links vom Atrium je zwei oder mehr und außerdem nach dem Hofe zu ganz geöffnete Räume, die sogenannten alae (Flügel); im Hintergrund endlich in der Mitte, dem Ein­gang gegenüber, das gleichfalls weit geöffnete tablinum und je ein Zimmer, an dessen beiden Seiten. Alle diese Räume waren vom Atrium aus zugänglich und erhielten von dort ihr Licht.

Kurz wies der Vortragende darauf hin, welche Kultur­faktoren in der Geschichte menschlichen Häuserbaues der Kalkmörtel und das Glas sind. Der Hauptunterschied unseres Häuserbaues vom antiken besteht darin, daß wir im Glashause sitzen. Tas Problein, Licht einzulassen und

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neben den Chef in die Küchi fit- full Sdbifle f<6on in W

Kunst und Leöen in Aompeji.

Nach einem Vortrag des Professors Dr. Dieterich in der Aula der Universität.

(Unser Berichterstatter hat nach kurzen Notizen den Vortrag wiederzugeben versucht. Nur einzelne Punkte konnte er herausheben, die Form des Bor, tragS selbst in keiner Weise festhallen.)

II. (Erster Vortrag. Fortsetzung.)

Besonders wichtig ist Pompeji für unsere Kenntnis des italisch-römischen Privatbaues in seiner Entwickelung vom dritten Jahrhundert an. Von unendlichem Werte ist die Stadt zur Kenntnis des Privatlebens im Altertum, da nirgends sonst Privathäuser in solcher Mannigfaltigkeit und Vollständigkeit erhalten sind. Und dazu kommt die ge­botene Möglichkeit, die Geschichte des Hausbaues vielleicht

Wohnung, im griechischen sogut wie im römischen Hause das moderne durch die Glasfenster. Wohl kannte das Alter­tum Glas; es gab in der Kaiserzeit Glasfabriken, auch in der Nähe von Pompeji, aber das durchsichtige Glas, das jene beiden Forderungen zu erfüllen im stände ist, wurde

Das dritte Geschlecht.

Ernst von Wolzogen charakterisiert in seinem bekannten Roman einmal eine Anzahl der von ihm als moderne Typen geschilderten Frauengestplten mit den Worten der Claire von Fries:Ach was, das sind überhaupt keine Weiber; die gehören zum dritten Geschjlechst. Tas sind Neutra mit den äußeren Kennzeichen der Weiblichkeit, die sich durch krampfhafte Anstrengungen allmählich ihr weib­liches Empfinden abgewöhnt und dafür so eine Art ver- rüppelter Manns-Psyche eingetauscht haben." Wer die Ge- chichte der weiblichen Bestrebungen verfolgt, deren Ziel ;as WortEmanzipation" bezeichnet, jenes so vielgebrauchte Wort, das ursprünglich nur angewandt wurde, um dis Entlassung eines Kindes aus der väterlichen Gewalt anzu­deuten, der wird nicU selten die Schilderung des kecken Dichters bestätigt finden. Mögen auch die zu Tode ge­rittenen Scherze derFliegenden Blätter" nur gewisse Aeußerlichkeiten derEmanzipierten" karrikieren, so wird! doch auch der Unparteiische bei dec aufmerksamen Lektüre eines objektiven unb ausführlichen Berichtes über eine Frauenversammlung ein wenig von der Laune des Aristo- phanes verspüren. Die Frage, die eine derEkklesiarusen" stellt:Wie kann der Frauen schämverhüllte Weiblichkeit; ium Volke reden" findet in jenen Versammlungen fast durchweg eine Antwort, die nur den Freund satirischen Huinors befriedigen kann.

Mer es wäre ungerecht, den Bestrebungen des weib­lichen Geschlechts, so weit sie den engen nnb doch in Wahrheit so weiten Rahmen des Hauses und der Familie verlassen, die Berechtigung abzusprechen. Man wird nicht nur ihr Bemühen billigen müssen, den unversorgten Schwestern die Möglichkeit des selbständigen Erwerbs zu erweitern, ihre wirtschaftliche Lage zu sichern, sondern man wird es auch mit den wärmsten Sympathien begrüßen, wenn sich die Thätigkeit der Frauen auf das reiche Gebiet des Wohlthuns begiebt, wenn mit zarter Hand Wunden geheilt, Gebrechliche gestützt werden. Wo allerdings jene ge­schäftige Nichtsthuerei und jene nichtsthuende Geschäftigkeit

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darauf hingewiesen, daß vielleicht die Einrichtung des römischen Hauses für den Bau der ältesten ckristlichen Kirchen von Bedeutung gewesen sei. Der übliche antike Tempel hat keinen nennenswerten Einfluß auf deren Grundriß und Einrichtung gehabt, wohl aber die Weihe- hallen der Mysterienkulte, wie wir sie etwa in Eleusis oder Samothrake durch Ausgrabungen kennen gelernt haben. Ter gewöhnliche Tempel war nur das Haus des Gottes (naos gr., aedis lat. gleich Haus); nur er, das heißt sein Bild mußte dort angemessenen Platz haben, und die einzelnen Personen, die opfernd und Gaben bringend ab- und zugingen. Größern Opfern diente der Brandopferaltar vor dem Tempel. Tagegen wollten die Mysterientempel

war die Basilika, die auch in Pompeji in besonders geeig- netem Beispiel kennen ui lernen ist, mit ihren Hallen und ihrer Apsis von beträchtlicher Bedeutung für den altchrist­lichen Kirchenbau. Tas sind in kurzen Worten die drei Vor­bilder der ersten christlichen Kultgebäude: das römische Haus, in dem ja über ein Jahrhundert der Gottesdienst der christlichen Gemeinde abgehalten wurde, der Weihe­tempel der Mysterienkulte und die Basilika, die dem Han­delsverkehr und den Gerichtsverhandlungen diente die beiden letzteren waren dazu eingerichtet,Volk zu versam­meln". Das griechische Wort ecclesiaVolksversammlung" ist in den romanischen Sprachen das Wort fürKirche", (franz, eglise, ital. chiesa), griech. laoi (Völker, Volk, Ge­meinde). ist die Bezeichnung derLaien" geworden. Schon der griechische Priester eines bestimmten Mysteriengottes- dienstes betet für die Laoi.

Nicht unwahrscheinlich ist es, daß gerade die Kreuz­form altchristlicher Kirchen, die gewiß nicht durch tue symbolische Deutung späterer Zeit veranlaßt worden ist, an den kreuzförmigen Jnnenraum des römischen Hauses- der ja eben so lange Zeit dem Gottesdienste dienen mußte irgendwie an geknüpft hat. Der Plan eines beliebigen pompejanischen Hauses kann dazu dienen, den vermuteten Zusammenhang zu veranschaulichen.

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Regiments Kapelle.

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durch vier Jahrhunderte hindurch zu verfolgen. Gerade Pvmpeji bietet den geeignetsten Anlaß, vom römischen kaufe überhaupt zu reden, wobei freilich nicht ver­gessen werden darf, daß die ältesten Stufen der Ent- mickelung hier nicht zu finden sind, daß nachweisbar auch noch nach der Verschüttung der Stadt eine sehr bedeutsame Fortentwickelung und Umgestaltung von statten ging, und endlich, daß die Verhältnisse der kleinen Provinzralftadt Pompeji nur mit Vorsicht auf die der Weltstadt Rom Über­trägen werden dürfen. Für die Häuser in Pompeji ist der charakteristische Bestandteil der Wasserhos im Innern, das jlttium, in dem sich das Wasser ansammelta Einst war es der Raum, den der Rauch des Herdfeuers schwärzte, und er blieb benannt von ater-schwarz, wie der entsprechende Raum des griechisck)en Hauses melathron (von griechische melas- ichwarz) hieß. Und vor allem die 'Notwendigkeit, dem Hause Acht zu schaffen, denn durchsichtiges Fensterglas gab es damals noch nicht, und einfache Löcher in der Mauer waren cm bedenklicher Mtbehelf war die Ursache zu dieser Gestaltung. Auf die Mitte dieses Wasser- und Lichthofes ru führte von der Straßenseite ein breiter Gang. Die yausthür lag selten gleich an der Straße, sondern meist innerhalb des Ganges, sodaß davor ein unverschlossener .ülrum^Mrig^um vestibulum. Mf beiden Seiten des,eine Gemeinde in sich versammeln. Weiterhin aber

Vom hessischen Landtag.

(Ein Rückblick.)

Der Landtaa erfreut sich nun behaglich der lieben Ferien. Während der ganzen letzten kurzen Session machte sich eine der Sommerruhe bedürftige Stimmung geltend und die Eröffnung der Ausstellung der Künstlerkolonie und ein Ausflug in die Gefilde unseres Odenwaldes lenkten die Interessen unserer bisher so fabelhaft fleißigen Abge- ordneten auf andere Gebiete. Manche gefürchtete Vorlage ging ruhig und äußerst knapp behandelt vorüber. Die schon vor den Ferien länger behandelte Vorlage betr. das Fasel­wesen, die damals zu keinem Resultat führen wollte, über die sich aber inzwischen die Regierung mit dem er­weiterten Ausschuß verständigt hatte, wurde in einigen Punkten verändert dem Haus wieder vorgelegt und fand auch dessen Zustimmung. Ter Antrag Köhler, betr. Erb­folge in Hessen, nahm den erwarteten schnellen Gang ins Jenseits. Bedauerlich ist es, daß die Vorstellung der pensionierten Beamten wegen Aufbesserung ihrer Ruhegehalte nicht Gehör bei dem Hause gefunden hat. Von allen Seiten, vom Regierungstisch aus und auch von den­jenigen, die gegen die Vorlage stimmten, ist doch die Vor­stellung als eine Forderung der Gerechtigkeit anerkannt worden. Warum will man beit vor dem 1. April 1897 pen­sionierten Beamten nicht die Vergünstigungen des Beamten­besoldungsgesetzes auch zugute kommen lassen? VZur fi­nanzielle Gründe sind es, die diesem Postulat entgegen­gestellt werden konnten. Was waren es für Gründe,' die damals die maßgebenden Kreise bewogen haben, unseren Beamten ein höheres Gehalt zu gewähren? Tie veränder­ten Lebensverhältnisse, die Thatsache, daß bei dem Empor­schnellen der Lebensmittel- und der Wohnungspreise einem Beamten es überhaupt nicht mehr möglich war, seinem Stande entsprechend zu leben. Treffen hierbei diese Gründe nicht ebenso zu? Wenn man Hunderttausende für Bildungs­anstalten usw. ausgiebt, deren Nutzen nicht vorzüglich dem engeren oder weiteren Vaterlande zu Gute kommt, sondern Leuten, mit denen unsere Wissenschaft später wieder in Konkurrenz treten soll, sollte man nicht zuvörderst im eigensten Interesse des Landes an die denken, die ihr Leben, ihre Kraft und ihre Gesundheit im Dienste des Vaterlandes geopfert haben? Die Volksschullehrervorlage ist durch die umsichtige Regsamkeit einiger Volksvertreter dein Geschick ihrer Schwestervorlage entgangen. Hoffen wir, daß noch nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit ge­sprochen ist, und möge der Betrag flüssig gemacht werden, um auch den früher pensionierten Beamten, Witwen und Waisen ein sorgloses Leben zu sickern. Daß natürlich bei aller Fürsorge es nicht allen recht gemacht werden kann, beweisen die Eingaben mancher Beamtengruppen, die durch die Besoldungsordnung seinerzeit falsch bewertet worden zu sein behaupten. Wenn damals bei eingehender gründ­licher Behandlung für alle ein entsprechender Maßstab ge- ftmden wurde, so war es eine Schraube ohne Ende, wenn man jetzt gleich unter Durchbrechung der festgesetzten Ord­nung mit Neuregelungen beginnen wollte. Unsere Regier­ung wird schon, roenn es nötig wird, wie sie es jetzt auch bei den Realschuldirektoren und den Oberlandesgerichts-

Luft abzuhalten, sich aegen die Einwirkung des Wetters zu schützen, löst das antike Haus durch den Lichthof um einen Hof gruppieren sich alle Räume der

angenehme Stellung hat, ist nach den bestehenden Verhält­nissen klar. Klagen und Beschwerden muß sie hören, aber abhelfen kann sie nicht. Auf jeden Fall wäre es aber besser, wenn sie berechtigten Wünschen ein geneigteres! Ohr schenkt, um auch lokalen Wünschen, für die die preußische Eisenbahnverwaltung bekanntermaßen sehr wenig übrig hat, zur Geltung zu verhelfen. Wenn diesem Wunsche nicht entsprochen werden sollte, wird über kurz oder lang ein erneutes Begehren an die Regierung kommen; sie hätte, wenn sie für den Antrag ihrerseits bei der Gemeinschaft ein getreten wäre, auf jeden Fall das Bewußtsein haben können, das ihrige im Interesse des Landes und seiner Bewohner gethan zu haben.

Ein mannigfacher Stoff lag diesmal unseren Volks­vertretern zur Beschlußfassung vor. Unsere Abgeordneten sind in die Heimat gezogen, um ihren alltäglichen Be­schäftigungen nachzugehen. Dort mögen sie zur neuen Arbeit im Herbst neue Kraft sammeln, und getrost rufen wir ihnen zu:Glückauf zur Herbsttagung!"

röten gemacht hat, bei Erkennung eines Fehlers mit ent- spreckenden Vorschlägen kommen. Daß es unsere Regierung bei der Einrichtung unserer Gewerbeinspektion in nichts fehlen läßt, ist bekannt. Sie war t>ie erste, die weibliche Beamten den Behörden beigab. Wenn sie sich deshalb dem Ulrichschen Wunsche verschließt, nicht aka­demisch gebildete aus dem Arbeiterstande entstammende Personen den Gewerbeinspeltionen zuuzteilen, so darf ihr daraus noch kein Vorwurf gemacht werden. Auch so haben es die Beamten unserer Inspektionen verstanden, sich das Vertrauen ihrer Untergebenen zu erwerben, und darauf dürfen sie stolz sein. Wenn dem Wunsche Ausdruck gegeben wurde, sämtliche Betriebe möchten in jedem Jahr revidiert, so kann man diesem Begehren nur beipslichten. Diese W- teilung unserer Regierung liegt in bewährten Händen und wird sich nach und nach noch weiter vervollkommnen. Aus dem Ressort des Justizministers muß gedacht werden des Antrags auf Neuerrichtung des Amtsgerichts Lampert­heim und vor allem des Antrags der Abgg. Ulrich und Genossen die Entschädigung unschuldig Verhaf­teter betreffend. Wenn auch Justizminister Dr. Dittmar in beredten Worten die Gründe darlegte, weshalb die Regierung nicht in der Lage sei, diesem Antrag zuzu­stimmen, so war doch keiner im Hause, der nach den Aus­führungen des Mg. Dr. Gutfleisch, der warm für den Antrag eintrat, gegen diesen Antrag stimmte. Starke ju­ristische Bedenken wurden ins Feld geführt, jedoch das menschliche Empfinden siegte. Ob durch die Annahme in dieser Form prakttsch etwas erreicht wird, muß noch be- Meifelt werden. Wenn ja auch das teuerste Gut des Menschen, die persönliche Freiheit, in der weitestgehenden Weise geschützt werden muß, so wird sich doch, wenn dieser Antrag Gesetz werden sollte, der die Haft verfügende Richter es sich noch 25 mal überlegen, ob er die Haft verhängen wird oder nicht, wenn er sich sagen muß, daß bei einem eventuellen Fehlgriff der Staat regreßpflichtig werden würde. Ob nicht hierdurch in krimineller Hinsicht schwierige Verhältnisse entstehen, können, muß noch einer reiflichen Ueberlegung überlassen bleiben. Für die Stiftskirche in Wimpfen wurde von der Kammer der namhafte Betrag von 150 000 Mark bewilligt. Tie Bewilligung gerade in dieser Zeit, in der unsere Finanzen wahrlich nicht sehr grün zu nennen sind, bedeutet, daß die Regierung und die Volksvertretung davon überzeugt sind, daß unsere bedeutenden Denkmäler im Lande erhalten werden müssen. Tie letzte Sitzung dieser Session war gerade so, wie die der vorigen dem Eisenbahnwesen gewidmet. Während damals vielen Gemeinden durch Annahme der großen Nebenbahnvorlage ein erwünschtes und langersehntes Ostergeschenk bereitet wurde, war es diesmal nur ein kleiner Kreis von Interessenten, die durch die Beschlüsse der Kammer berührt wurden. Es handelte sich einmal um die Nebenbahn UndenheimArmsheim und dann um die stark bestrittene Haltestelle bei Dienheim in Rheinhessen. Stark war die Opposition von feiten der Regierung und selbst nach vielen sachgemäßen und ortskundigen Dar­legungen war sie nicht ins Wanken und zum Nachgeben zu bringen. Daß in Fragen der Eisenbahngemeinschaft unsere Regierung dem Hause gegenüber eine schwierige und un-

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