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6.6.1901 Erstes Blatt
 
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zur künstlichen Anlage von Hecken und Bäumen für die Sing­vögel, desgleichen zur Vermehrung der Nistkästen. Der italienische Vogelmord wurde lebhaft beklagt und schließlich auf die ästhetische Seite des Vogelschutzes hiugewiesen. Ein weiterer Vortrag des Professors Reichelt zu Friedberg be> schäftigte sich mit dem Krebs des Apfelbaums. Es wurden die verschiedenen Theorien von der ältesten bis neuesten Zeit berührt, nach denen der Boden oder der Spätfrost oder gewisse Tiere wie nectria ditissima schuld sein sollen, daß der Krebs entsteht. Dann wurde vor mutwilligen Verwun­dungen der Bäume beim Schnitt oder beim Besteigen mit Vogelscheuchen gewarnt, weil au diesen Wunden, oder in un­gesunden Umwallungen der Wunden sich gern Schädlinge niederlasseu. Der Grundsatz wurde aufgestellt: Verhütung des Krebses ist besser als alle Versuche zum Heilen. Schließ, lich verteilte der Vorsitzende noch eine Anzahl Diplome an neu ausgebildete Baumwärter; auch waren einige aus dem Kreise Gießen (Steinbach, Bellersheim, Lumda).

x Breungeshain, 3.Juni. Die Verbindungsstraße, sog.Lauge Schneise-, zwischen der Staatsstraße Schotten Gedern und der Kreisstraße BreungeshainSichenhausen wird jetzt im Bau vollendet. Zu Touren per Wagen von Gedern oder Schotten nach dem Oberwalde ist diese Straße sehr geeignet. Sie führt nur durch Wald.

§ Hartmauushaio, 4. Juni. Nächsten Samstag treffen Ministerialrat Braun, sowie mehrere Herren des Frankfurter StadtrateS zur Besichtigung der Wafferleitungsarbeiten bei Sichenhausen und im Oberwalde ein.

§§ Gedern, 4. Juni. Der hiesige Schloffermeister Win- Heim ist im Besitze einer Ziege mit vier Hörnern.

]:[ Alsfeld, 4. Juni. Die Arbeiten an der neuen Turn. Halle sind so weit gediehen, daß die Einweihungsfeierlichkeiten am 3., 4. und 5. August ftattfinden sollen. An sämtliche Vereine des TurngaueS Heffen ergehen Einladungen. Die Turnerschaft Alsfelds blickt gehobenen Mutes, stolz- und dankerfüllt der Vollendung des Baues entgegen, in dessen weiten, gesunden Räumen sie künftig ihre Aufgabe erfüllen soll.

§ Grebenhain, 3. Juni. Gestern unternahmen einige hier am Bahnhofsgebäude beschäftigten FuldaerMaurer eine Spazierfahrt. Abends zurückgekommen tu bester Stimmung, verübten sie allerhand Unfug. Einer schoß aus seiner Wohnung mehrere Male mit einem Revolver. Ferner ge­rieten mehrere mit einem hiesigen Burschen wegen deffen Fahrrades in Streit. Ein anderer Mauer, Jakob Stock, aus Orb gebürtig, wurde heute morgen früh hier ver- haftet und durch die hiesige Gendarmerie nach Herbstein in das Gefängnis gebracht.

Darmstadt, 3. Juni. Am Samstag waren 75 Jahre verfloffen, seitdem Exz. Generalleutnant ä la suite Mootz hier in den hessischen Militärdienst eingetreten ist (1. Juni 1826), gewiß ein seltenes Jubiläum. UebrigenS ist der alte

Stallungen.

Einweihung desBuchner-Stübchens-. Ehrung verstorbener Vorstandsmitglieder. Einweihung der restaurierten Säle im Naffauerbau.

Der Vorsitzende.

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am Mittwoch dem 12. Juni, «achm. 472 Ahr, auf der Burg Gleiberg.

Kages-Hrdrmrrg: 1. Antrag des Vorstandes über Verleihung der Ehrenmitgliedschaft.

2. Etat für das Jahr 1901/02.

Herr körperlich, besonders aber geistig vollkommen frisch und bekanntlich noch Vorsitzender der Militär - Witwen- und Waisen-Kommission.

Offenbach a. M., 3. Juni. Die hiesige Handelskammer ist, nachdem sie vor einigen Tagen die von ihr für zuver­lässig erachtete Nachricht erhalten hatte, daß sich die am 4. Juni in Berlin zusammentreteude Konferenz von Ministern deutscher Einzelstaaten mit der Frage der Einführung von Minimalsätzen für land- und forstwirtschaftliche Produkte in unser Zolltarifsystem beschäftigen werde, alsbald beim Großh. Staatsministerium vorstellig geworden. Sie hat die Be­fürchtung ausgesprochen, daß die Aufstellung von Minimal­Zollsätzen für diejenigen Waren, für die Deutschland bei als Hauptabsatzgebiete für deutsche Industrie-Produkte in Betracht kommenden Ländern hervorragend Käufer ist, den Abschluß von für die Industrie brauchbaren Handelsverträgen un» möglich machen werde. Offenbach, das rund 20 000 indu­strielle Arbeiter beschäftige, schicke weit über die Hälfte seiner Produkte in das Ausland; das Nichtzustandekommen guter Handelsverträge werde deshalb von geradezu verheerender Wirkung für die industrielle Entwickelung Offenbachs fein.

.a* Wetzlar, 3. Juni. Die Präparandenschule ist heute eröffnet worden, mit 32 Schülern. Lehrer Richard ist mit der Leitung der Schule beauftragt, die einstweilen im Gebäude der landwirtschaftlichen Winterschule untergebracht ist.

ne Münchholzhausen, 3. Juni. Dem hiesigen Krieger, verein, der auf ein Bestehen von 26 Jahren zurückblickt, wurde die vou dem Kaiser gestiftete Fahnenschleife über, reicht. Zu der Feier waren auch einige benachbarte Krieger­vereine erschienen.

z* Vetzberg, 3. Juni. Seit dem 1. Juni haben wir hier einen neuen Lehrer, Herr Albert aus Brauweiler an der Nahe.

fc. Frankfurt a. M., 3. Juni. Gestern und vorgestern wurden aus dem Main zwei männliche Leichen, sowie die­jenige eines dreijährigen Mädchen- geländet. Letztere war nur mit einem Hemd bekleidet und hat etwa 4 bis 5 Wochen im Waffer gelegen.

Marburg, 4. Juni. Bereits in der letzten Nummer mel­deten wir von dem Selbstmord eines Studenten der Marburger Universität. DieHess. Landesztg.- berichtet jetzt darüber folgendes: Am gestrigen Nachmittag durcheilte mit Windeseile die Stadt das schreckliche Gerücht, daß einer der beiden Söhne eines unserer trefflichsten und geschätztesten Mitbürger sich das Leben genommen habe. Die Thatsache ist ebenso wahr wie grausam. In der Blüte seiner Jugend- jahre stehend, im Alter von noch nicht 20 Jahren, hat der äußerst feinfühlige Student der Jurisprudenz Rud. Manger, Sohn des Pfarrers Manger in Marburg, mit klarem Kopfe Justiz an sich selbst geübt. Die Gründe zu der That werden vielen unverständlich fein. Dabei find sie so klar und ein-

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ach für jeden, der geistig hochstehende Menschen je beob­achtet und verstanden hat. MchtS geringeres als Gott lat der junge Jurist gesucht. Innere Zweifel und Bängniffe ^drückendster Art haben seine geistige Spannkraft in letzter Zeit derartig aufgerieben, daß er dem gewaltigen Widerstand )eS eigenen Gewissens nicht mehr gewachsen war. DaS innere Zerwürfnis und die ihm furchtbare Erkenntnis, nie­mals mehr den Glauben an Gott zu gewinnen, den er Der* I oren, entzog ihm den einem geistig fein veranlagten Menschen unentbehrlichen inneren Halt. So kam er dazu, dieser qual­vollen Lage, auS der für ihn ein (Entrinnen kaum abzuseheu war, ein Ende zu machen. ES ist ein Jammer, ein solches Menschenleben, das zu den schönsten Hoffnungen berechtigte mit 17 Jahren hatte der Verstorbene bereits das Abi- turienten-Examen gemacht so urplötzlich für immer ent­rissen zu sehen. Nur die Zeit vermag solche Wunden zu heilen. In einem ausführlichen gemütstiefen Briefe hat der Entschlafene seine ganze seelische BediäogniS klargelegt. Viele verlieren in ihm einen treuen Freund und lieben Gesell­schafter. Allen wird sein Andenken heilig sein. Denn ein unter solchen Umständen vollzogener Selbstmord läßt gern die That über den Beweggründen vergessen. Und diese waren ehrenvoll, sehr ehrenvoll.

Kleine Mitteilungen aus Hessen nnb den Rachdar-aMe». Einen Selbstmordversuch mit seinem Dienfigcwehr machte Sonntagabend in der Kaserne der Musketier Vinzenz Müller von der 7. Kompagnie des Jnfanterie-Regiment« Nr. 168 in Offenbach, indem er daS geladene Gewehr mit dem Fuße abdrückte und sich in die Herzseite schoß. Er wurde schwer verletzt in das Krankenhaus verbracht. Die Kirschenernte hat längs der Bergstraße begonnen. Aus­wärtige Händler sind bereits eingetroffen, um den Versandt zu besorgen. Die ersten Kirschen wurden mit 35 Mk. pro Zentner bezahlt. Das Erträgnis ist gut, doch nicht so reich­lich wie voriges Jahr. (Eine Ausstellung für Unfall-Ver­hütung, SanitätS- und Rettungsdienst findet in Frankfurt vom 5. bis 21. Oktober statt.

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