Ausgabe 
5.9.1901 Erstes Blatt
 
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Die Fahrt Nikolaus II. nach Frankreich hat mithin lediglich die Bedeutung eines Höflichkeitsaktes, durch den dargethan werden soll, daß sich in den Beziehungen zwischen Rußland und Frankreich nichts geändert hat. Möglicherweise bringt der Zar dies in einer Tischrede mit besonderer Wärme zum Ausdruck. Trotz alledem: das französische Volk hatte mehr erwartet.

Aus Stadt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original.Nachrichten ifi unter genauer Quellenangabe: Ärrz." gestattet.)

Gießen, 3. September 1902.

** Die Telegrapheuordaung hat neuerdings folgende wich­tige Abänderungen erfahren: 1. Den Vermerken über abge­kürzte Angaben bezüglich der Bestellung der Telegramme am Bestimmungsorte rc. tritt hinzu: (Tages) fürvon 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens nicht zu bestellen." 2. Für die Hinterlegung und Anwendung einer abgekürzten Aufschrift bei einer Telegraphenanstalt ist eine Gebühr von 30 Mk. für das Kalenderjahr im Voraus zu entrichten. Erfolgt die Hinterlegung der abgekürzten Aufschrift im 2., 3. oder 4. Kalendervierteljahr und wird die Vereinbarung gleichzeitig für das ganze folgende Kalenderjahr getroffen, so kommt für das laufende Jahr nur derjenige Teilbetrag der Gebühr zur Er­hebung, der auf die Zeit vom Beginn des Beitrittsvierteljahrs bis zum,Jahresschluß entfällt. Die weitere Verlängerung der Verabredung erfolgt stets für ein volles Kalenderjahr. Wird die Verabredung nicht verlängert, so erlischt sie mit dein 31. Dezember des Jahres, für welches die Gebühr entrichtet worden ist. 3. Telegramme können nach allen Orten auf­gegeben werden. Ist am Besttmmungsort eine Telegraphen­anstalt nicht vorhanden, so erfolgt die Weiterbeförderung von der äußersten oder von der vom Aufgeber bezeichneten Tele­graphenanstalt entweder durch die Post oder durch Eilboten, oder durch Post und Eilboten. Auf Verlangen des Ab­senders oder des Empfängers iverden Telegramme auch von einem Orte mit Telegraphenanstalt nach einem anderen Orte mit Telegraphenanstalt durch Eilboten befördert. Es ge­

schieht dies jedoch nur dann, wenn die Telegraphenanstalt am Bestimmungsorte den Dienst geschloffen hat, und die Ent­fernung zwischen den beiden Anstalten nicht über 15 Kilo­meter beträgt. Geht in solchen Fällen das Verlangen auf Verwendung von Eilboten vom Absender aus, so ist auch von diesem der Botenlohn und zwar im Voraus zn entrichten. Für gewöhnliche Stadttelegrainme (Telegramme an Empfänger im Orts- oder Landbestellbezirke des Aufgabe-Postorts) wird eine Gebühr von 3 Pfennig für jedes Wort, mindestens jedoch der Betrag von 30 Pfg. erhoben. Für Stadttelegramme nach dem Landbestellbezirke tritt hierzu noch der wirklich er­wachsende Botenlohn. Privattelegramme des deutschen Ver­kehrs, sowie solche Privattelegramme des außerdeutschen Ver­kehrs, deren Aufgabeort in Europa liegt, werden nur dann nachgesendet, wenn dies entweder vom Aufgeber vorgeschrieben oder vom Empfänger beantragt worden ist.

Kaffel, 2. Sept. Ueber den Brandj, von dem am Samstag das benachbarte Dorf Weimar (nördlich von Wil- helmshöhe gelegen) heimgesucht worden ist, werden folgende Einzelheiten bekannt: Das Feuer entstand um 4 Uhr auf dem Gehöft des Gutsbesitzers Bre de, wo eine Dampfdreschmaschine in Thätigkeit war. Plötziich stand ein Haufen,Stroh, der vor einem Wohnhause hingeworfen war, in Hellen Flammen, ob durch Funken aus der Lokomobile entzündet, oder durch spielende Kinder angesteckt, ist noch nicht aufgeklärt. Binnen wenigen Minuten standen mehrere der neben einander liegenden Gebäulichkeiten in Hellen Flammen, und die Ortsfeuerwehr konnte das verheerende Element nicht mehr bewältigen. Das Feuer griff rasend um sich, um so leichter, als Wafferrnangel herrschte und ein sanfter Wind die züngelnden Flammen zur mächtig prasselnden Jeuergarbe entfachte, bei der eintretenden Dunkelheit ein schaurig-schönes Schauspiel. Erst als die Kasseler Feuerwehr anrückte, konnten die vereinigten Wehren der Umgegend den Brandheerd einigermaßen eindämmen. Gegen 8 Uhr Abends standen bereits 25 Gebäude in Flammen, und diese sind auch mit fast allen Vorräten eingeäschert worden, denn nur wenig konnte gerettet wer­den, weil die Leute überwiegend auf dem Felde oder außer­halb in Arbeit waren. Kirche und Pfarrhaus tonnten gerettet

werden, die neuerbaute Schule ist mit abgebrannt. Auch mehrere Stücke Rindvieh, Schweine und Geflügel ist verbrannt. Mehrere Familien haben ihr Wohnhaus gar nicht oder doch nur gering versichert und eine große Anzahl Familien ist obdachlos. Gegen 10 Uhr trat starker Regen ein und brachte das Feuer zum Ersticken, sonst wäre leicht das ganze Dorf ein Raub der Flammen geworden. Bei dem herrschenden geradezu verhängnisvollen Waffermangel mußte sich die Feuer­wehr hauptsächlich darauf legen, die brennenden Häuser nieder­zureißen. Das Wasser reichte kaum dazu, die gefährdeten Häuser kalt zu halten.

* Homberg a. d Ohm, 2. Sept. Gestern feierten die hiesigen Schulen an der Friedenseiche ihr diesjähriges Sedan- f e st. Lehrer Müller hielt die Ansprache, die in ein Hoch auf Kaiser und Großherzog ausklang. Die Gemeinde ließ es sich auch dieses Jahr nicht nehmen, ihr». Schuljugend wiederum mit Bretzeln zu beschenken. Schon gelegentlich der Bahn­einweihung und eines damit verbundenen Ausflugs nach Amöneburg hatte sie durch ähnliche Spenden ihr lebhaftes Jntereffe für die Kleinen bekundet.

Miinzenberg, 1. Sept. Die gestrige Grmeinderats- w a h l hatte folgendes Ergebnis: Adam Wagner, Adam Hitzel, Konrad Hitzel HI.

Darmstadt, 3. Sept. Das geschäftsleitende Komitee für Besttebungen zur Beendigung des Burenkrieges, an dessen Spitze die Prosefforen Franz v. Defregger und Dr. Grueber von München stehen, hat, wie an die übrigen Mitglieder der Landtage, so auch an die Abgeordneten der Zweiten hessischen Ständekammer ein Schreiben gerichtet, worin diese gebeten werden, sobald als möglich im Landtage die Beendigung des südafrikanischen Krieges im Wege friedlicher Vermitttelung des deutschen Reiches zum Gegenstände einer parlamentarischen Verhandlung zu machen. Das Komitee ist der Ansicht, daß entsprechend der weltbewegenden Bedeutung der Frage bei den verbündeten Regierungen, sowie im Aus­lande Beschlüsse der einzelnstaatlichen Parlamente die einer verfassungsmäßigen Kundgebung deutschen Volkswillens ge­bührende Beachtung finden müssen.

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