Ausgabe 
5.6.1901 Zweites Blatt
 
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stellend, daß es alle Meldungen, die ihm über die Gefechte der jüngsten Zeit in Südafrika von Kitchener zugegangen seien, auch zur öffentlichen Kenntnis gebracht habe.

Brüssel, 3. Juni.Petit bleu" veröffentlicht eine ihm von der Gesandtschaft Transvaals zugegangene Mitteilung über eine in der Nähe Pretorias stattgehabte Schlacht, worin Beyers und Breiteubach die Engländer schlugen, 600 Gefangene machten und 6 Kanone« erbeuteten. In der Mitteilung der Gesandtschaft heißt es, der 2. Mai ist der Datum des Berichtes, nicht der Schlacht. Die betr. Schlacht muß zwischen dem 25. April und 2 Mai stattgefunden haben. In diesen Tagen muß heftig gekämpft sein. Man hörte deutlich Kanonenschießen in Pretoria, besonders westlich von Pretoria in Zwartruggen, auf dem Wege nach Rustenburg, nach Waterwal und Kalkhöwel, östlich von Pretoria. Der Bericht enthält nur Näheres über den Kampf bei Kalkhöwel. Ueber die dortigen Vorgänge wird berichtet: Kommandant Breitenbach mit 150 Mann wurde von einer großen englischen Truppenabteilung an­gegriffen und war schon fast befiegt, als General Beyers hinzu­kam. Die Engländer wurden dann unter den bekannten Um­ständen geschlagen. Ueber die anderen Kämpfe haben wir noch keine näheren Mitteilungen, wifien nur, daß ein Gefecht bei Zwartruggeu stattfaud, wo die Engländer von den Buren von Waterbery in die Flucht geschlagen wurden.

Kapstadt, 3. Ium. Die Stadt Willowmore würde gestern von dem 700 Mann starken Burenkommando unter Scheepers angegriffen. Der Feind wurde schließlich mit einem Verlust von 2 Toten und 3 Verwundeten zurück- geworfen. Ein anderes BurenLommando unter Fouche be­drohte gestern Jamestown.

China.

Soweit ein Rückblick auf die Chinw-Wirren zu einem provisorisch abschließenden Urteil geführt hat und überhaupt führen kann, geht dieses dahin, daß Rußland am besten abgeschnitten habe. Die Mandschurei ist ohne Zweifel den Russen verfallen, und sie werden nicht säumen, dort den Hausherrn zu spielen, sobald unter das Protokoll der Friedensverhundlungen der Schlußstrich gezogen sein wird. Der staatsmännische Erfolg des Grafen Lambsdorff läßt sich also nicht wegleugnen. Andererseits aber wird die Frage aufgeworfen werden dürfen, ob dieser Erfolg den Kosten und Opfern entspricht. Uiü> hier ist ein glattes Ja!" nicht am Platze. Rußland mußte wohl oder übel ^uni Schwerte greifen, weil es gleich den übrigen Mächten durch den Boxer-Aufstand überrascht und in seinen In­teressen bedroht wurde. Die Mandschurei-Angelegenheit war zwangsweise aktuell geworden und ließ sich auf einem Sonderwege nicht abthun, auch nicht, als an Stelle der kriegerischen die diplomatischen Auseinandersetzungen getreten waren. Auch Rußland muß den Kelch bis zur Neige leeren, um am Ende erreicht zu haben, was ihm ohne Mitwirkung des Schwertes über kurz oder lang zu­gefallen wäre: die Oberherrschaft wenn nicht formell, so doch thatsächlich über die Mandschurei. Tie ganze Asienpolitik Rußlands ist ja auf dem Wege der Verträge von Erfolg zu Erfolg geschritten. In China hätte diese Taktik umsoweniger versagt, als bei dem ebenso einflusi- reichen wie russenfreundlichen Li-Hu n g -Ts chan g die Sache des Zaren in guten Händen war. Genau betrachtet, erscheint also der Erfolg des Grafen Lambsdorff einiger­maßen selbstverständlich, aber teuer erkauft. Den Nachweis hervorragender staatsmännischer Befähigung hätte der Nachfolger Murawiews also noch zu erbringen.

Es gewinnt allgemach den Anschein, als würde bis zur endgiltigen Regelung der chinesischen Entschödigungs- frage doch noch einige, vielleicht sogar geraume Zeit ver­gehen. Auf derartige Aussichten deutet auch eine ziem­lich dunkele Meldung der LondonerDaily Mail". Das Blatt teilt mit, sein Pariser Mitarbeiter habe allen Grund zu der Annahme, daß in Berlin zur Zett wichtige diplo­matische Entwickelungen diskutiert würden. Die chinesische Entschädigungsfrage, die durchaus noch nicht erledigt sei, gebe Deutschland zweifellos Gelegenheit, durch diploma­tische Maklereiein wenig zu machen". Die britischen und russischen Vorschläge in der Frage blieben einander dia­metral entgegengesetzt, und Deutschland werde vielleicht mit einer Ueberraschung aufwarten, wenn es am wenigsten er­wartet werde. Ter Rede Sinn ist dunkel, und man wird bei der Bewertung der Meldung sich vergegenwärtigen müssen, daß dieTaily Mail" ein Sensationsblatt erster Güte ist und daß die Nachricht vbenein von dem Pariser Korrespondenten des Blattes stammt.

Graf Waldersee l>at am Montag Peking ver­lassen. Er hat zum Abschied im Kaiserpalast ein Diner gegeben. Ten ersten Toast brachte der Feldmarfchall auf den Kaiser Wilhelm und die Souveräne der verbündeten Mächte aus. Ter Feldmarschall schloß mit dem Wunsche, daß Deutschland in ähnlichen kritischen Lagen stets ebenso diplomatisch vertreten wäre, wie jetzt in Peking. .Hierauf rief Graf Waldersee dem Major v. Förster zu sich und gratulierte ihm ni dessen großer freudiger Ueberraschung zur Verleihung des Ordens pour le merite. In seiner Erwiderungsansprache wies Dr. v. Mumm den Oberkom­mandierenden als Soldat und als Diplomaten und ge­dachte auch des tragischen Todes der Generale Pork und Schwarzhoff. Später toastete General v. Bayl auf die ver­bündeten Generale. General v. Trotha dankte dem Feld­marschall namens des deutschen Expeditionskorps, dessen Ossizierlorps beschloß, den 17. Oktober eines jeden Jahres als Jahrestag der Ankunft Woldersees in Peking zu be­gehen.

Tie Abreise gab auch noch Anlaß zu einer großen Parade der Truppen der verbündeten Mächte. Tie Artillerie feuerte Salut, die Musikkorps spielten. Das ganze diplomatische Korps war zur Verabschiedung vom ^eldmarschall am Bahnhofe anwesend. Waldersee begiebt sich über Taku nach Kobe. Der Vorsteher des Preßbureaus, Oberleutnant v. Rauch, ein Neffe Waldersees, verbleibt noch in Peking, um seinerzeit den Prinzen Tschin nach Berlin zu begleiten, wo dieser das Bedauern des Kaisers von China über die Ermordung des deutschen Gesandten aussprechen soll.

Eine Versammlung der verbündeten Generale be­schloß, den chinesischen Beamten die Verwaltung her Stadt im Lause des Juni allmählich zu übergeben. Während dieser Woche werden täglich zwei Sonderzüge mit Truppen nach Takii abgehen. Das englische Belutschen-Regiment hat Peking verlassen, um nach Indien zurückzukehren.

Auf die viel gerühmte Einigkeit unter den Ange

hörigen der verschiedenen Nationen wirft folgende Meldung angesichts des Fortganges des größeren Teiles der Truppen aller Mächte ein recht grelles Licht. Reuter meldet aus Tientsin vom 3. Juni: Ein ernster Zusammenstoß erfolgte gestern abend auf der Straße nach Taku, als einige walisische Füsiliere, die Polizeidienst thaten, einige franzö- ische Soldaten daran hindern wollten, in ein Haus ein­zubrechen, und dafür mit Bajonnetten und Ziegelsteinen angegriffen wurden. Die Engländer schossen au ihrer Ver­teidigung in die Luft. Dies brachte eine Anzahl Deutsche herbei, die den Franzosen zur Hilfe eilten, sodaß im ganzen 200 Mann beisammen waren. Schließlich er­öffneten fünf der Füsiliere Feuer, töteten einen fran­zösischen Soldaten, verwundeten drei andere und verwundeten auch fünf Deutsche. Vier der Füsi­liere und ein Japaner wurden leicht verwundet. Durch Ankunft eines deutschen Offiziers mit starker Patrouille wurde der Schießerei ein Ende gemacht. Nicht ganz übereinstimmend lautet die Wolftsche Meldung: In der letzten Nacht kam es in der etwas berüchtigten Takustraße zu einem Zusammenstoß zwischen englischen Polizeisoldaten und französischen Soldaten. Letztere griffen mit dem Ba- jonnet und Steinwürfen die Engländer an, die darauf Feuer gaben. Tie Engländer erhielten pflichtmäßige Unter st ützung von der deutschen Polizei. Nach­dem den Franzosen javanische und, wie es heißt, auch einzelne deutsche Soldaten zu Hilfe kamen, ent­wickelte sich ein Krawall, wobei angeblich ein Franzose getötet und etwa 10 Soldaten verwundet wurden. Tetatts ehlen noch. Auch die japanische Polizeistation wurde an* gegriffen.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Juni. Heute unternahm der Kaiser einen Spazierritt und hörte später die Borträge des Chefs des ZivilkabiuetS v. LucauuS und des Staatssekretärs des Reichs« marineamtS v. Ttrpitz.

In Petersburg ist das Gerücht verbreitet, Kaiser Wilhelm würde im August nach Rußland kommen und den großen russischen Manöver« beiwohnen.

Anläßlich der ihm über den Saatenstand in den östlichen Provinzen zugegangenen bedrohlichen Nachrichten ersuchte Ministerpräsident Graf Bülow die Minister des Innern, der Finanzen und der Landwirtschaft, alsbald eine gemeinsame Bereisung der gefährdeten Bezirke vorzu­nehmen.

Dem Oberbürgermeister von Berlin, Kirschner, ist von der Königin Wilhelmiua von Holland das Groß- Offizierkreuz des Ordens von Orauieu Nassau verliehen worden.

DerMontagztg." zufolge ist zu erwarten, daß das Fleischbeschangesetz in der vom Reichstage angenommenen Form sich nicht wird durchführen laffen. Im Bundesrate ollen infolge von Eingaben aus den Handelsstädten Bedenken legen die von agrarischer Seite in das Gesetz gebrachten Bor chläge fich geltend machen.

Die preußische Eisenbahnverwaltung geht mit )er Absicht um, für die Invaliden« und Rentenempfänger in ihren Betrieben Jnvalidenheime zu gründen.

Varzin, 3. Juni. Unter großer Beteiligung von nah und fern erfolgte heute die Beisetzung des Oberpräfideuten Grafen Wilhelm v. Bismarck. Als Bertreter des Kaisers war Generalleutnant v. Kesiel erschienen. Der Minister deS Innern Frhr. von Hammerstein legte am Sarge einen Kranz im Auftrage des Grafen Bülow nieder.

Zwiesel (Niederbayern), 3. Juni. Bei dem gestrigen Begrüßungsabend der bayerischen landwirtschaftlichen Wanderversammlung sprach Prinz Ludwig in ängerer Rede den Wunsch aus, daß die Landwirtschaft wie in früheren Jahrhunderten blühen möge; sie dürfe aber nicht in Gegensatz zu anderen Erwerbsständen treten. Die Landwirte seien heute nicht mehr Gegner neuer Verkehrswege, ie wünschten Anschluß an den Weltverkehr. Neben den Lisenbahnen seien weitere Verkehrswege nötig. Zum Schluß prach der Prinz von den guten nachbarlichen Beziehungen zu Oesterreich, die in Zwiesel besonders zu Tage treten. Landesgrenzen und Reichsgrenzen sollten nicht trennen, son­dern wie in alten Zeiten ein freundschaftliches Band sein, das uns mit den Nachbarn vereint. Das Hoch des Prinzen galt dem Orte Zwiesel.

München, 3. Juni. Die Regierung erließ eine strenge Verordnung zur Ueberwachung der Dienstbotenver­mittlung. (Tine solche Verordnung scheint uns auch in unserem Lande not zu thun. (D. Red.)

Aus Stadt und Kand.

Gießen, den 4. Juni 1901.

LU. Todesfall. Am Sonntag starb der Privatdozent an der medizinischen Fakultät Dr.Hermann Baur im 69.LebenS- ahre. Dr. Baur wurde am 20. März 1832 zu Lindenfels im Odenwald geboren. Er promovierte 1856 und habili> tierte sich hier vornehmlich für die chirurgischen Fächer.

* Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten« Versammlung am Donnerstag, dem 6. Juni 1901, nachmittags 4 Uhr. 1. Mitteilungen. 2. Feldbereinigung links der Lahn. 3. Erbauung von Arbeiterwohnungen; hier: Gesuch der Baugenossenschaft des ev. Arbeitervereins zu Gießen um käufliche Ueberlasiung von städtischem Gelände. 4. Gesuch der Gail'schen Dampfziegelei und Thonwarenfabrik um käufliche Ueberlasiung von Gelände des städtischen Hospi­tals am Erdkauterweg. 5. Ankauf des Semmler'schen Grund­stücks im Hamm. 6. Baugesuch des Karl Berger für den Wieseckerweg; hier: Herstellung einer Einftiedigung und Ge- ländeabtretung. 7. Unterkellerung der Veranda am ForfihauS Hochwart"; hier: Arbeitsvergebung. 8. Steg für Kabel­verlegung. 9. Wasierversorgung der Garten am alten Stein- bacherweg und am Nahrungsberg; hier: Gesuch um Wasser­preisermäßigung. 10. Ausbau der Moltkestraße; hier: Be­schwerde deS Christian Petri V. 11. Das Betreten der Bahnstrecke innerhalb der Gemarkung seitens städtischer Be­amten und Arbeiter. 12. Baugesuch deS G. Becker für die Goethestraße; hier: Dispens. 13. Baugesuch des L. Huhn

für die Plockstraße; hier: DiSpenS. 14. Baugesuch deS L. Roth für den Seltersweg; hier: DiSpenS. 15. Baugesuch des Joh. H. Jhring für die Bahnhofstraße; hier: DiSpenS. 16. Baugesuch des Provinzial-Ausschusies der Provinz Ober- ;essen für die Licherstraße; hier: DiSpenS. 17. Die Burean- räume der Provinzialdirektion und deS KreiSamtS Gießen; hier: DiSpenS. 18. Baugesuch des Vorstandes der Großh. Eisenbahnbetriebsinspektion I für den Bahnhof Gießen; hier: DiSpenS. 19. Baugesuch des Johannes Lenz II. für die Frankfurterstraße; hier: DiSpenS. 20. Baugesuch des L. Heyligenstädt für die Liebigstraße; hier: DiSpenS von den Bestimmungen der Lokalpolizeiverordnung vom 26. Februar 1897. 21. Kostendecreturen: a) Einwalzen der Straßen; hier: Rechnung des JohS. Nickel über gelieferten Kleinschlag von Steinen, b) den Ausbau der Hammstraße; hier: Rech­nung des M. Abermanu für Aufführung einer Mörtelmauer an der Holzschneiderei von Philipp Karl Euler, c) Teilung verschiedener Klaffen der Volksschulen, d) Ausbau der Liebig­straße, e) Ausbau der Querstraße QQ 1 zwischen Liebig­straße und Riegelpfad, f) Fundamentierung, Be- und Ent- Wässerung sowie Beleuchtung der vier errichteten BedürfniS- häuschen an den Thoren, g) Herstellung erhöhter Trottoirs in der Frankfurterstraße, h) Bauliche Erweiterung der Real­schule zu Gießen, i) Einrichtung der Niederdruckdampfheizung in der höheren und erweiterten Mädchenschule k) Anlage erhöhter Trottoirs, 1) Ausführung von Weganlagen auf dem Trieb. 22. Gesuch des Karl Stork um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Schloßgasie Nr. 7. 23. Gesuch des Friedrich Kopp um Erlaubnis zum Ausschank von Brannt­wein über die Straße im Hause Bleichstraße Nr. 30. 24. Gesuch des W. Gerhard um Erlaubnis zur Ausdehnung der Schankwirtschaftskonzession auf ein weiteres Zimmer in dem Hause Bleichstraße Nr. 31. 25. Gesuch des Hermann Hublitz um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb im Hause Kiegelpfad Nr. 39. 26. Gesuch des Louis Dreher von Mar­burg um Erlaubnis zum Gastwirtschaftsbetrieb im Hause Bahnhofstraße Nr. 57 zu Gießen.

nn. Die von bet hessischen Han dwerks- kämm er eingesetzte Kommission zur Regelung des Lehr- lingswesens im Grosiherzogtum Hessen hat sich in ihrer letzten Sitzung mit der Festsetzung der Bestimmungen über das Halten von Lehrlingen im Gewerbe und deren Höchst­zahl beschäftigt und die nachstehenden Normen festgesetzt. Ten einzelnen Vorständen der Innungen, Gewerbevereinen und Fach-Vereinigungen sind sie zur Prüfung und Aeußer- ung mitgeteilt und werden sodann, nachdem sie von der Plenarversammlung genehmigt sind, im ganzen Lande zur Durchführung gebracht werden für Bäcker, Konditoren, Buch­binder, Kartonagearbeiter, Küfer, Holzdreher, Glaser, Schreiner, Wagner, Holzschneider, Friseure, Pflasterer: mit 02 Gehilfen bis zu 2 Lehrlingen; Höchstzahl 3 Lehrlinge. Buchdrucker: bis zu 2 Gehilfen 1 Lehrling, auf 3^5 Ge- Hilfen 2 Lehrlinge, auf 69 Gehilfen 3 Lehrlinge, auf 1014 Gehilfen 4 Lehrlinge, auf 1520 Gehilfen 5 Lehr­linge und auf je weitere 6 Gehilfen 1 Lehrling mehr. Bei der ersten Staffel (1 Lehrling) kann in den letzten zwei Jahren der Lehrzeit ein zweiter Lehrling gehalten toerden. Backofenbauer: Höchstzahl 2 Lehrlinge. Dachdecker: mit 02 Gesellen 2 Lehrlinge, auf je drei weitere Gesellen; 1 Lehrling mehr. Höchstzahl 4 Lehrlinge. Feilenhauer, Gürtler, Graveure, Schnittmacher, Spengler, Installateure, Kupferschmiede, Mechaniker, Lackierer, Messerschmiede, Uhr­macher und Lithographen: mit 0 Gesellen bis zu 2 Lehr­linge, auf je 2 Gesellen 1 Lehrling mehr. Höchstzahl 4 Lehrlinge. Maurer, Weißbinder und Maler: mit 02 Ge­sellen 2 Lehrlinge, mit 7 Gesellen 3 Lehrlinge, mit 17 Ge­sellen 4 Lehrlinge, mit 27 Gesellen 5 Lehrlinge, mit 37 Gesellen 6 Lehrlinge, mit 47 Gesellen 7 Lehrlinge, mit 57 Gesellen 8 Lehrlinge, mit 67 Gesellen 9 Lehrlinge. Höchst­zahl 9 Lehrlinge. Metzger mit 02 Gesellen 1 Lehrling, mit mehr wie 2 Gesellen 2 Lehrlinge. Sattler, Tapezierer: mit 03 Gesellen 1 Lehrling, mit mehr wie 3 Gesellen 2 Lehrlinge. Schlosser: ohne Gesellen 2 Lehrlinge; bis 2 Gesellen 3 Lehrlinge, bis 4 Gesellen 4 Lehrlinge, auf je 3 weitere Gesellen 1 Lehrling mehr. Höchstzahl 8 Lehr­linge. Schmiede: ohne Gesellen 2 Lehrlinge, bis 2 Gesellen 3 Lehrlinge, bis 4 Gesellen 4 Lehrlinge. Höchstzahl 4 Lehr­linge. Schneider mit 0 und auf je 3 Gesellen 1 Lehrling. Höchstzahl 2 Lehrlinge. Schriftsetzer: bis zu 3 Gehilfen 1 Lehrling, auf 47 Gehilfen 2 Lehrlinge, auf 812 Ge­hilfen 3 Lehrlinge, auf 1318 Gehilfen 4 Lehrlinge, auf 1924 Gehilfen 5 Lehrlinge, auf 2530 Gehilfen 6 Lehr­linge, und auf je weitere 8 Gehilfen 1 Lehrling mehr. Bei der ersten Staffel (1 Lehrling) kann in den letzten zwei Jahren der Lehrzeit ein zweiter Lehrling gehalten werden. Schuhmacher: mit 03 Gesellen 2 Lehrlinge, mit mehr wie 3 Gesellen 3 Lehrlinge. Höchstzahl 3 Lehrlinge. Seiler, Steindrucker Steinmetz, Zimmerer: mit 02 Gesellen 2 Lehr­linge, auf je 3 weitere Gesellen 1 Lehrling mehr. Höchst- zahl 6 Lehrlinge. Die Dauer der Lehrzeit für alle Gewerbe soll 3 Jahre mit 4 Wochen Probezeit betragen, Ausnahmen hiervon können gemäß § 130a der Gewerbe­ordnung von der Handwerkskammer auf Antrag einer Ge­werbsgruppe genehmigt tverden. Für die Handwerker des ganzen Landes dürften diese vorläufig aufgestellten Bestimmungen der Kommission für Regelung des LehrlingH- wesens in Hessen von dem allergrößten Interesse sein.

i- Militärkonzert. Das gestern abend tn der Restauration Gemmer (norm. Röhrle'S Bierhalle) veranstaltete Konzert der hiesigen RegimentSmufik erfreute fich trotz der zweifel­haften Witterung eines ganz vorzüglichen Besuches, sodaß eS einigen Nachzüglern schwer hielt, in dem Garten noch eil Plätzchen zu erhalten.

-i- Grober Unfug. Vergangene Nacht, kurz nach Be­endigung des Konzertes in Röhrle'S Bierhalle, wurden ver­schiedene auf dem Heimwege begriffene Passanten dadurch belästigt, daß aus einem Hause der Wallthorstraße (in der Nähe der Nordanlage) mit Wasser nach ihnen ge­schüttet wurde, so daß einer Dame der Hut verdorben und zwei Herren durchnäßt wurden. Es wäre zu wünschen, daß her betreffenden Person, der man übrigens bereits auf der Spur ist, bald das Handwerk gelegt wird, zumal in letzter Zeit dieselben Flegeleien wiederholt dort vorgekommen sein sollen.

k- Bezüglich bei Wirtshausbesuches an den Sonntagen tn den Landgemeinden deS Großherzogtums wird demnächst eine

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