€in kleines Detachement unter Major Cleve (Bataillons- Kommandeur im 6. Infanterie-Regiment) ist gestern von Tientsin nach Koka (17 Kilometer westlich Taku) abmarschiert, uni von dort längs des Hsiawanschan (?)-Kanals und Kaiserkanals zurückzukehren. — Die Eisenbahn Peking-Fengtsi- Paotingfu ist wiederhergestellt.
Das obere Feldpost Person al beim ostasiatischen Expeditionskorps soll um einen Armee-Postinspektor Und 8 Sekretaire vermehrt werden.
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London, 4. Februar. (Tel. des „Gieß. A.") Dem „Stanvarb" wird aus Shanghai vom 3 ds. gemeldet: In einem kaiserlichen Dekret von ungewöhnlicher Länge führt der Kaiser die vorgeschlagenen Reformmaßnahmen an. Dieselben, 98 an der Zahl, find bis ins kleinste ausgearbeitet. Das Dekret ersucht alle Bizekönige und Gouverneure, zu be richten, welche Reformen sie für geboten erachten, sowie der Friede abgeschlossen. Ein aufgeklärter chinesischer Beamter war vor einiger Zeit auf die Anklage hin, daß er die Wurufiungsorts desarmiert hätte und an die Grenze verbannt worden war, ist mit einem Militärkommando in Kalgan be traut worden.
Politische Tagesschau.
Im italienischen Senat brachte der Senator Canevora eine Interpellation über die Ermordung des Königs Humbert ein. Er verlangte die Wiedereinführung der Todesstrafe für anarchistische Verbrechen, und fordert die Re gierung auf, zu erklären, was sie für die Zukunft zum Schutz der Person des Königs und der Einrichtungen des Landes zu thun gedenke. Justizminister Gianturco brachte den Entwurf eines Gesetzes über die anarchistischen Verbrechen ein und verlangte die Dringlichkeit für die Vorlage. Er be merkte dazu, daß der Gesetzentwurf keineswegs reaktionär sei, sondern der Verteidigung der Gesellschaft diene und die Be stimmungen der Strafgesetze über die Vereinigung von Verbrechern zu ergänzen bestimmt sei. Canevaro erklärte sich von dem Vorgehen der Regierung befriedigt. — Der „Patria" -ufolge soll die Regierung zu der Einbringung dieses Gesetz entwurss durch neuerdings erfolgte Verhaftungen veranlaßt worden sein. Es soll ein Anarchist verhaftet worden sein, der mit der Ermordung des Herzogs der Abruzzen beauftragt war, und zwei andere in Genua, die einen Mordanschlag gegen den Präsidenten eines Gerichtshofes ausführen sollten, der einen ihrer Genossen verurteilt hatte. — Die „Fanfulla" meldet, die Polizei habe die Nachricht erhalten, daß der Anarchist Calcagno von den Anarchisten in Patterson (Amerika) beauftragt wurde, den KönigSmörher BreSci zu rächen. Cal- saqno befinde sich bereits auf der Reise nach Italien.
Deutsches Reich.
Berlin, 3. Febr. Die Kaiserin wohnte gestern Mittag in Begleitung der Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen, der Kronprinzessin von Griechenland und der Prinzeß Friedrich, Karl von Hessen dem Trauergottesdienst für die Königen Viktoria in der englischen Kirche in Homburg bei. Sie stattete dann der Kaiserin Friedrich einen zweistündigen Besuch im Schloß Fried- richshof ab.
— Der Rücktritt des Majors von Kamps von seinem Posten als Kommandeur der Kamerun- Schutz truppe ist nach den „Berl. Reuest Rachr." auf Reibungen zurückzuführen, die zwischen dem Gouverneur von P u 11 k a m e r und dem Kommandeur entstanden waren. Diese ließen einen solchen Gegensatz erkennen, daß ein gedeihliches Zusammenwirken aussichtslos erschien. Die Abberufung des Majors von seinem Kameruner Posten ist endgiltig. An amtlicher Stelle sieht man sich bereits nach einem Nachfolger um.
— Die Stettiner „Ostsee-Ztg." schreibt: „Wie wir nach-, traglich erfahren, hat der Kaiser auch Herrn Geheim- rat Schlutow aus Anlaß des Krönungsjubiläums das nach seinen Angaben ausgeführte Gedenkblatt mit eigenhändiger Unterschrift zugehen lassen. Wie wir weiter hören, war vorher Geheimrat Schlutoio vertraulich mitgeteilt worden, daß der Kaiser die Absicht habe, ihm den erblichen Adel zu verleihen. Geheimrat Sclstutow hat aber, in voller Dankbarkeit für den ihm gewordenen neuen Beweis kaiserlicher Huld, mit Rücksicht darauf, daß er ohne direkte männliche Nachkommen sei, sowie unter Würdigung der Gicklnde, die schon seinen verstorbenen Vater vor etwa vierzig Jahren bestimmt hätten, die ihm zugedachte Nobilitierung abzulehnen, von der Verleihung Ab st and zu nehmen gebeten.
— Am Ende eines Artikels über die letzte Rede des preußischen Justizministers betr. die A n st e l l - ung jüdischer Richter und Notare in Preußen schreibt die „Voss. Ztg":
Aber wir geben zu, je schärfer die Verwaltung die Gleichberechtigung der Bekenntnisse verleugnete, um so freudiger würde sie von dem gegenwärtigen Landtage mterftüht. Nichts kennzeichnet den Rückschritt, die Reaktion, deutlicher, als diese Thatsache. Man erzählt, daß , der Kaiser bei seinem jüngsten Besuch in Hamburg dem Generaldirektor Ball in gesagt habe, er stehe noch nicht ®n. der rechten Stelle, es müsse dafür gesorgt werden, ***$ ? .Solange. „Ja, Majestät wissen wohl nicht",
^^''Ovch, daß Sie Jude sind, das ist mir ganz gteicygiitig^ das macht mir nichts, das können Sie A°. der, Kaiser. Die Minister glauben sich 21*? horche Gesinnung zu beweisen. Wenig-
ftens bis auf weiteres.
E i.p zig, 3. Febr. Tas „Leipz. Tagebl" brinat einen verständigen Artikel über den Ladenpreis im Buch- handel, der sich gegen das immer mehr sich steigernde Rabattunwesen richtet, das den Ruin des SorUmentsbuch- handels zur Folge haben muß.
Kolonialpost.
Die Lage in Kamerun. Wie aus Kamerun berichtet wird/ ist der Gouverneur v. Puttkamer mit einer Expedition nach der Station Nssakpe abgegangen, um in dem Gebiete nahe dem Croßflusse die Berhältniffe in Augenschein zu nehmen. Nssakpe ist die von Hauptmann v. Besser errichtete Sta
tion, die den Mittelpunkt unserer Herrschaft und unserer Verwaltung in jenem Grenzgebiete bildet. Eine unmittelbare Untersuchung der dortigen Zustände war dringlich. Ferner wird gemeldet, daß schon ein kleiner Teil von Mannschaften iür die Vermehrung der Schutztruppe gewonnen ist; die Ausbildung der Leute hat ihren Anfang genommen. Darnach ist die Erwartung berechtigt, daß noch im Laufe dieses Jahres die gesamte vom Reichstage bewilligte Verstärkung erlangt werden kann. Die Gesamtlage in Kamerun wird durch weitere Mitteilungen beleuchtet. Die Abficht, eine große Expedition ^urch Adawaua nach dem Benue abzusenden, war auch unter den Eingeborenen bekannt geworden. Dazu haben die Buli geäußert, sie warteten nur auf den Abgang dieses Zuges. Die Buli im Batangalande hatten vor zwei Jahren die Missionen angegriffen; mehrere Expeditionen mußten gegen sie vorgehen. Aus ihrer Aeußerung geht hervor, daß sie sich noch durchaus nicht als unterworfen ansehen, sowie, daß sie nach dem Abmge der Hauptmacht in das Innere neue An griffe im Schilde führen. Daraus ergiebt sich für uns die Notwendigkeit, die Küste zu jeder Zeit stark besetzt zu halten, damit nicht, wie früher, bei einem Abrückeu des größten Teils der Schutztruppe in verschiedenen Küstengebieten zugleich gefährliche Aufstände ausbrechen, die unser Ansehen stark untergraben. Ebenso läßt sich daraus erkennen, eine wie starke Schutztruppe wir dort brauchen. Auch die im vorigen Jahre bewilligte Verstärkung wird nicht ausreichen. Die etatSmäß'gen Stellen in der dortigen Schutztruppe wer den bei jedem Abgänge regelmäßig wieder besetzt. So reist der Hauptmann Langheld, der bisher dem Oberkommando zugeteilt war, mit dem nächsten Dampfer nach Kamerun ab. Mit demselben Schiffe macht auch der Oberleutnant von Carnap Quernheimb die Reise, der eine Expedition der Süd- Kamerun Gesellschaft übernimmt.
Aus Stadt und Kand.
Gießen, den 4. Februar 1901.
** Zur Wiederherstellung der alten Burg in den Gießen Inter dieser Ueberschnft veröffentlichten wir in unserer Nr. 27 einen längeren Artikel, der uns von privater Seite zugegangen war, und von dem wir aunehmen durften, daß er das öffentliche Jntereffe in hohem Maße in Anspruch nehmen werde. Jetzt teilt uns die Großh. Bürgermeisterei mit, „daß dem Verfasser nicht nur einige Unrichtigkeiten in der Schilderung des Sachverhalts unterlaufen find (die leider von der Bürgermeisterei nicht berichtigt werden), sondern daß »er Artikelschreiber auch unerlaubten Gebrauch von einem amt- ichen Schriftstück ohne Quellenangabe gemacht hat." Das satten wir selbstverständlich nicht im entferntesten geahnt, als wir den Artikel veröffentlichten. Die Voraussetzung der Bürgermeisterei, „daß die Veröffentlichung des genannten Artikels in rester Absicht erfolgt ist", ist, was uns anbetrifft, durchaus zu treffend. Wir waren der Ansicht, sein Inhalt entstamme denAkten des Oberhessischen Geschich'svereins und sei mit besten Wunsch und Willen uns zur Veiöffentlichung übergeben worden. Daß der Artikelschreiber sich unlauterer Mittel bedient habe zur Erlangung seines Materials, das zu vermuten lag für uns nicht der geringste Grund vor, und wir beklagen es, daß wir auf diese Weise in seinen Besitz gelangt sind. Die Großh. Bürgermeisterei schreibt uns weiter:
„Die Beschreibung der „Geschichte der Burg in den Gießen" ist, abgesehen von einigen, ganz unwesentlichen Umstellungen und Zusätzen, Wort für Wort dem Berichte des Stadtbaumetsters S ch mand t von April 1898 entnommen, mit welchem derselbe sein damals ausgestelltes Projckt zur Wiederherstellung des alten Schlosses eingehend erläuterte und begründete. Dieses Projekt wurde Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog in der am 29. April 1899 dem damaligen Oberbürgermeister Herrn Gnauth gewährten Audienz unterbreitet, und der Landesherr erklärte sich mit Ausführung der Pläne in allen Teilen einverstanden, nachdem schon vorher das Angebot der Stadt Gießen, einen Teil der wiederherzustellenden Räume des alten Schlosses Sr. Königl. Hoheit demGroßherzog zurVerfügung zu teilen, angenommen worden war. Da das Stadtbauamt wegen Ueberhäufung mit anderen dringlicheren Arbeiten in die weitere Bearbeit tung der Pläne nicht eintreten konnte, so wurde im Einvernehmen mit Herrn Baurat Schmandt durch Beschluß der Stadtverordnelen-Versammlung vom 25. März 1900 die weitere Bearbeitung des Projektes, sowie die Bauleitung dem Herrn Architekten Ludwig Hofmann in Herborn übertragen und demselben die Arbeiten unseres StadtbauratS, nebst Erläute- rungsbericht und allen Aufnahmen mttgeteilt.*
Dieser Erklärung der Bürgermeisterei haben wir beizu- ügen, daß wir, wenn uns die Art der Erwerbung des Materials zu dem Artikel bekannt gewesen wäre, wir besten Veröffentlichung in der gehörigen Form zurückgewiesen haben würden. Wir können aber nicht umhin, dem Bedauern Aus- »ruck zu geben, daß uns nicht dieses Material von amt- icher Stelle schon früher bereits zurVerfügung gestellt.wurde. Die Bürgerschaft hatte ein Recht dazu, über die Bauprojekte iffentlich aufgeklärt zu werden. Und das ist mit dem Abdruck dieseSjArtikelS in unserem Blatte geschehen.
** Warnung au Auswanderuugslufiige. Neuerdings hat ich wieder ein in Sao Paulo in Brasilien anscheinend als Vermittlungsagent thätiger G. Klinger an Dienst, rc. Ver mittlungsbureaus mit dem Auftrag gewendet, ihm auswande- rungslustige Personen dorthin zu schicken, die als Arbeiter in den Kaffeepflanzungen in der Nähe von Sao Paulo Verwendung finden sollen. Erfahrungsgemäß find die Versprechungen, welche den Auswanderern gemacht werden, vielfach stark übertrieben, und es kommt häufig vor, daß die Aus Wandererfamilien, welche sich in ihren Erwartungen getäuscht sehen, aller Mittel entblößt, der Landessprache unkundig obdachlos herumirren und auf die Mildthätigkeit ihrer Lands leute angewiesen sind. Es kann deshalb nicht dringlich genug vor derartigen Auswanderungen nach Sao Paulo gewarnt werden.
•• Konzert-Verein. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, findet das nächste und letzte Symphonie-Konzert des Konzertvereins am Samstag abend 51/a Uhr im Klubsaale statt. Aus dem Programm, das im Wesentlichen moderne Musik aufweist, sei in erster Linie auf die selten gehörte, tief empfundene Symphonie pathötique von Tschaikowsky hingewiesen, das letzte und vielleicht bedeutendste symphonische Werk des jüngst verstorbenen russischen Meisters. Es reihen sich von orche- straleu Werken die bekannten PrSludeS von LiSzt sowie die,
leider von Streichorchester (vielleicht der Schwierigkeiten halber?) so selten gehörte, schöne Tannhäuserouverture von R. Wagner an. Für die Ausführungen des Programms, welches ganz außerordentliche Anforderungen an daS Orchester stellt, ist die verstärkte Homburger Kurkapelle gewonnen worden, nebst den Solisten der genannten Kapelle. Konzertmeister van der Brenge. ein Violinist van bedeutendem Rufe, spielt das G-moll Konzert von Bruch, Frl. Josef einige Harfen- soli, sodaß daS Konzert, das unter der allbewährten Leitung unseres UniversitätS Musikdirektors Gustav Trautmann steht, zumal bei dem ausgezeichneten musikalischen Rufe, der der hier schon mehrfach gehörten Homburger Kurkapelle vorauS- geht, einen seltenen musikalischen Kunstgenuß verspricht.
** Aus dem Theaterbureau. Am Dienstag wird die GesangSpoffe „Der Mann im Monde", die bei ihrer Erstaufführung am 27. Januar einen durchschlagenden Erfolg hatte, als volkstümlicheBorstellungzu kleinen Preisen nochmals aufgeführt. — Im Laufe dieser Woche soll Laube's fünfaktigeS Schauspiel „Die Karls schiller" gegeben werden. — „Flachsmann als Erzieher" geht am 6. d. M. zum vierten Male in Szene.
♦♦ Schlägerei. Am Samstag gerieten am Neuenweg zwei Fuhr.eute in Streit, deffen Ursache war, daß keiner von ihnen ausweichen wollte. Sie bearbeiteten sich gegen» fettig mit ihren Peitschen und stiegen schließlich von ihren Fuhrwerken und rauften. Dabei stießen sie sich gegen die Wagen, daß ihre Köpfe bluteten. Es ist Anzeige erstat-et. Ferner wurde eine Anzahl Ruhestörer und Laternenausdreher zur Anzeige gebracht.
** Sachbeschädigung. In der Nacht vom SamStag zum Sonntag 3 Uyr verübten eine Anzahl Handlungsgehilfen, die mit Damen von einem Maskenball von der „Schönen Aussicht" nach Hause gingen, groben Unfug dadurch, daß sie in der Wilhelmstraße die Latten eines Gartenzaunes abrtffen. Zwei der Thäter wurden von den in der Nähe patroml- lterenden Schutzleuten abgefaßt und zur Anzeige gebracht. — In der Ludwigstraße werden schon seit langer Zeit Zaunlatten demoliert, ohne daß man der Thäter habhaft werden kann.
* * Grober Unfug. Samstagnacht wurde auf der Mäus- »urg eine ia einer Ecke stehende Tonne hervorgeholt und ihr Inhalt auf die Straße geschüttet.
* • Gasrohrbruch. Seit Sonntag macht sich auf dem Asterweg ein starker Gasgeruch bemerkbar. Es wurde das Pflaster ausgebrochen, um die schadhafte Stelle zu finden. BtS zum Montag vormittag war trotz der größten Sorgfalt »ie defekte Stelle noch nicht gefunden. Die Arbeiten werden ortgesetzt.
• * Dem Reichstage gingen u. a. folgende Pelitioven aus Hessin zu: Die Handelskammer zu Gießen bfttet, das Saccharin nur mit einer mäßigen Steuer zu belasten'und die gewerbsmäßige Verwendung desselben einem Deklarations- zwange zu unterwerfen. — Eine Petition von L. Möser, Oberlehrerin in Gießen, und Genoffen betrifft das Gesetz zur Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten. — Oberst a. D. Spohr in Gießen und Genossen bitten um Abänderung des JmpfgesetzeS, be;w. Beseitigung des Impfzwanges. — Rektor und Professoren der Universität Marburg bitten um Abänderung des Entwurfes eines Gesetzes über das Verlagsrecht (Zahl der Abzüge einer Auflage, Frist für Ab- ieferung des Manuskripts, Vervielfältigung des Werkes, Rückgabe des Manuskripts, Veräußerung dcS Verlagsrechts, RücktrittSrecht des VerfafferS infolge Konkurses des vci> egerS rc.)
—St— Die Steinkohlen- Bezugs- Grell schäft Gießen hielt am 31. v. M. ihre statutenmäßige ordentliche Generalversammlung ab, die sich eines besseren Besuchs wie früher zu erfreuen hatte. Aus dem Bericht entnehmen wir, daß die Gesellschaft wie alle Kohlenhändler unter der im vergangenen Sommer herr- chenden Kohlennot und Preissteigerung zu leiden hatte. Der Vorsikende gab an der Hand des vorhandenen Materials oer Versammlung bekannt, daß es nicht möglich gewesen sei, die von den Mitgliedern gewünschten Qualitäten und Quantitäten Kohlen anzukaufen, wodurch sich die Lieferungen auch bis in den Spätherbst verzögert und mehrfach Beschwerden hervorgerufen hätten. Die Mitglieder - zahl betrug am Abschluß des Geschäftsjahres 742 gegen 625 im Vorjahre. Aus dem Rechenschaftsbericht ging hervor, )aß die Gesellschaft im Jahre 1899/00 ca. 66 000 Zentner Kohlen bezogen und an die Mitglieder geliefert hat, und daß sich oer Preis für die Nußkohlen 1 und 2 auf Mark 1.16 pro Zentner berechnet. Bei der Ersatzwahl des Vorlandes wurden wieder erwählt die Herren Bräutigam und Noll und an Stelle eines ausgeschiedenen Mitglieds wurde Herr Richter gewählt. Der § 17 der Statuten wurde dahin abaeändert, daß künftighin die Verwaltungs- 1'osten nach den bezogenen Quanten mit 3 Pfg. pro Zentne» berechnet werden, wodurch sich diese gegen früher ent* prechend verringern.
** Ein Preisausschreiben zum Zweck de» Verdeutschung des Fremdwortes Automobil. Der Allgemeine Schnauferl-Klub (Vorsitzender Hoflieferant Gustav Braunbeck, Stuttgart, Sekretariat München), eine gesellige Vereinigung deutscher Automobilisten, erläßt im Interesse der bisher vergeblich gebliebenen Versuche, die W.orte: „Automobil, Automobilist, Autonwbilismus, automobilfahren" aus der deutschen Sprache auszumerzen, ein Preisausschreiben. Ter Klub setzt drei Preise in Höhe von 100, 50 und 30 Mark aus. Die bisher bisweilen gebrauchten Verdeutschungen: Kraftwagen, Motorwagen, Selbiter, Selbstfahrer u. a. m. vermochten keinen allgemeinen Anklang zu finden. Die verschiedeben dem Volksmund entsprungenen Bezeichnungen tragen alle mundartliche Färbung und können daher ebenfalls nicht in Betracht kommen. Die Worte: Velociped, Velocipedist, velocipedfahren sind verschwunden, als das Fahrrad in Gebrauch kam, von dem sich die Worte: Radfahrer (Radler), radfahren (radeln) ableiteten; eine ebenso glückliche deutsche Bezeichnung sollte für das neueste Gefährt, das Automobil, gefunden werden. Lösungen der Preisaufgabe mit kurzen Begründungen sind bis längstens 20. Februar an den Vorsitzenden des Allgem. Schnauferl-Klub, Gustav Braunbeck, kgl. Hoflieferant, Stuttgart, einzureichen, und zwar in geschlossenem Umschlag mit .Kennwort und Bezeichnung „für den Preisbewerb";


