1901
Dienstaqden 5. Februar
Zlints- «nd Anzeigeblatt fiw den "Kreis Gießen
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.__
151. Jahrgang
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Nv 30 Awettes Blatt
China.
Die Blätter melden aus Peking vom 31. Januar: Die Gesandten beschlossen, die erste Zusammenkunft mit de« chinesischen Bevollmächtigten aus den 5. Februar festzusetzen. Die Gesandten würden die Bestrafung der schuldige« Beamten verlangen.
Eine Blättermeldung aus Peking vom 31. Januar besagt: Li Huug Tschaug erhielt ein kaiserliches Schreiben, worin er beschuldigt wird, die Hinrichtung der Beamte« in Paotingsu durch die Verbündeten veranlaßt zu hmven. Li-Hung-Tschang riet den Beamten, widerstandslos Nch oen Verbündeten zu ergeben. Nekina-
Feldmarschall Graf Walderfee meldet ans Peking.
Eonnaught. Der Kaiser, der einen Schimmel ritt, trug die scharlachrote Uniform eines englischen Feldmarschalls. In Gruppen, meistens zu dreien, folgten die anderen Fürstlichkeiten zu Pferde, an ihrer Spitze die Könige von Portugal und Griechenland. Erzherzog Franz Ferdinand in der Uniform eines ungarischen Generals ritt mit dem Großsürsten-Thronsolger und dem Kronprinzen von Schweden und Norwegen. Der deutsche Kronprinz mit den Kronprinzen von Rumänien und Griechenland und der Erbgroßherzog von Baden mit dem Prinzen Arnul von Bayern und dem Herzog Albrecht von Württemberg. Die berittene Abordnung der Offiziere des preußischen 1. Garde-Dragoner-Regiments, dessen Chef die verstorbene Königin war, sowie des preußischen Husaren-Regtments Fürst Blücher von Wählstatt folgten unmittelbar vor den königlichen Wagen. Im ersten Wagen befand sich die Königen Alexandra mit ihren drei Töchtern, im.zweiten d^r»Konig der Belgier mit drei Töchtern der verstorbenen Königin. Zahlreiche weitere königliche Wagen folgten, sämtlich geschlossen. Den Schluß des Zuges bildeten Unteroffiziere
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«rit Ausnahme M Montags.
Die Gießener
S«»1kienölätter
erden dem Anzeiger ivi Wechsel mit „Hess. H«ndwrrt" u. „Blätter yfc beff. Volkskunde" —chU.4 mal beigelegt.
kritteln, die sich vielleicht auch politisch als notwendige, Herausstellen können, als den Kritikern heute einleuchten will. Daß im allgemeinen ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und England bei der geographischen und politischen Lage des Reichs zu den wichtigsten Aufgabe» deutscher Staatskunst gehören muß, hat Fürst Bismarck ost genug gesagt und bewiesen. Ob aber nicht in der nächste« Zukunft ein > solches Einvernehmen durch politische Ereignisse besonders wünschenswert gemacht wird, steht dahin. Noch ind die Fragen, die sich aus den chinesischen Wirren ergeben, keineswegs gelöst. Wie bisher schon manche Quertreibereien die Einigkeit der Mächte gefährdeten und einzelne Vorschläge anscheinend eine Spitze gerade gegen Deutschland hatten, so ist es nicht ausgeschlossen, daß sich bald neue Ueberraschungen ergeben, die ein festes Zusammenhalten Deutschlands und Englands erfordern. Tritt dieser Fall ein, so werden auch die Gruppen, die heute nicht verstehen wollen, daß der Kaiser so lange in England weilte, erkennen, daß sein Verhalten derart war, wie e$ einer weit ausblickenden Politik entsprach. Hat sein Aufi- enthalt in England das herzliche Verhältnis zu seine«, königlichen Oheim bestätigt, und die Sympathien dcS britischen Volkes für Deutschland vermehrt, so können wr» nur hoffen, daß dieses Einvernehmen auch der deutschie« Politik in den Welthändeln zu gute komme, deren Erledigung vielleicht noch auf größere Hindernisse stößt, als es in den jüngsten Tagen den Anschein hatte.
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London, 4. Febr. (Tel.* des „Gieß. Anz.«) Bei den gestrigen Trauerfeierlichkelten find etwa 100 Personen zu Schaden gekommen und den Krankenhäusern zugeführt worden. Die meisten erlitten Ohnmachtsanfälle ober geringfügige Verletzungen. In zwei Fällen find Personen durch Huf schlag schwer verletzt.
Engländer und Buren.
Wir erhielten heute vormittag folgende telephonische Nachrichten:
London, 4. Febr. Lord K i t ch e n e r meldet vom 2. ds. ohne Angabe des Aufgabeortes der Depesche: Der Posten in Modderfontein am Gratfrand, südwestlich von Krügersdorp, wurde von 1000 Buren angegriffen. Von Krügersdorp wurde eine Entsatztruppe entsandt, die jedoch den Fall des Postens nicht verhindern konnte. Einzelheiten fehlen. , . „
Bethulie, 4. Febr. Am Samstag stießen in dev Nähe des Ortes 2 Eisenbahnzüge zus am men. Ei» Offizier und drei Mann wurden getötet, mehrere Personen verletzt. _ , , .
Sonst wird noch folgendes gemeldet: Die Vorhut des Obersten Marshall traf am 31. v. M. zwischen SannaS Post und Thabanchu auf die Streitmacht De Wets, die mit zwei Lastwagen und einer Anzahl Kap-Karren nur dem Marsche nach Süden begriffen war. Sieben britische Truppenabteilungen führen zur Zeit eine kombiniert» Bewegung aus, um das östliche Transvaal von den Buren zu , säubern"; sie rücken von verschiedenen Punkten an der der Linie Johannesburg—Pretoria und an der ^elagoa- Bai-Eisenbahn vor und sollen aus einem Punkte zusammen- treffen. In der Nähe von Koffysontein stieß eine Abteilung britischer berittener Infanterie auf Buren und griff jw unter dem Schutze von Artilleriefeuer an. 17 Buren fielen, eine Anzahl wurde verwundet, drei wilden gefangen genommen. Etwa 2000 Buren unter dem Befehl des Obersten Blake befinden sich auf portugiesischem Gebiet, tme man: annimmt zu dem Zwecke, die auf diesem Gebiete befindliche» SBuren su*befreien. Die Portugiesen haben beschloss-», die auf portugiesischem Gebiete anwesenden Suren, bie sich weigern, sich den Engländern zu ergeben, ucicb Madeira zu senden. — Etwa hundert $erjone» findnach Meldungen aus Lourenco Marques in verschiedene Krankenhäuser ausgenommen worden; der größte Teil derselben leidet an Erschöpfung. “ m^bet
aus Pretoria vom 31. Januar: Der frühere Präsident Pre- torius kehrte dorthin nach seinem Besuche bei General Botha zurück Die Friedensmission ist vollständig gescheitert, da Botha erklärte, sein Vorgehen sei unnutz und ihm verbat, auf denselben Gegenstand nochmals zurück- zukommen.
Berlin, 2. Februar.
In der englischen Kapelle im Monbijoupark wurde heute mittag für die Königin von England ein feierlicher Trauergottesdienst abgehalten. Die Kapelle war schwarz dekoriert; die Feier bestand in Gesang und einer Ansprache. Die geladene Trauerversammlung wurde von Herren der englischen Botschaft und Kammerherren des Hofes empfangen. In der Hofloge erschienen die Prinzen August Wilhelm und Oskar, die Prinzessin Heinrich, Prinz Friedrich Leovold m Gemahlin, die Söhne des Prinzen Albrecht und die sonst hier und in Potsdam anwesenden Fürstlichkeiten, die Ober- hofineisterin Gräfin Brockdorf, Oberhofmeister Freiherr von Mirbach, die Damen und Herren der Umgebung der Majestäten, die Herren des Hauptquartiers des Kaisers, die drei Kabinettschefs u. a. Die vorderen Schiffreihen füllten der Reichskanzler Graf von Bülow, sämtliche Botschafter mit ihren Damen, das diplomatische Korps, die Attachees, die Mitglieder des Bundesrats, die hier anwesenden Minister, die Staatssekretäre, die Generale und andere Personen von Rang, darunter Professor Adolf -von Menzel. Weiter zurück saßen Offizierdeputationen der Regimenter des Gardekorps. An die Trauerfeier schloß sich ein zwerter Gottesdienst für die Mitglieder der hiesigen englischen
Wir lesen in der freisinnigen „Voss. Ztg":
Der deutsche Kaiser ist gestern auf brrtifchem Boden vielfach Gegenstand warmer, sympathischer Kundgebungen gewesen. Allenthalben hat die Bevölkerung des Jnselreiches keinen Zweifel gelassen, rote hoch sie dem Herrscher die Anwesenheit am Krankenbette und ber der Bestattung der Königin Viktoria anrechnet. Wenn es in Deutschland Blätter giebt, die an dem menschlich natürlichen Verhalten des Kaisers Anstoß nehmen, so ist es ebenso leicht wie leichtfertig, in unklarer Gefühlsseligkeit gegenüber den Buren ober auch aus Gehässigkeit gegenüber England die Entschließungen des Monarchen zu be-
und Mannschaften der deutschen Regimenter der Königin ' Viktoria und dann Leibgardisten. In den Straßen, die der Zug passierte, trugen die Häuser Trauerschmuck; alle La- ' ternen waren mit Lorbeerkränzen oder Blumen geschmückt. Einen tiefen Eindruck machte die außerordentliche Stille ber zahllosen Zuschauer beim Passieren des Zuges, der um 1 Uhr 15 Min. am Paddington-Bahnhof eintraf. Von hier aus ging der Eisenbahnzug mit der Leiche um 1 Uhr 40 Min. nach Windsor ab.
Als der Zug bereits im Begriff war, sich vom Bahnhof in Bewegung zu setzen, wollten die Pferde, die vor der Lafette angespannt waren, und , die lange Zeit im Winde und der Kälte vor dem Bahnhof gestanden hatten, durchaus nicht anziehen. Der König war durch diesen Zwischenfall sehr peinlich berührt, der Herzog von Norfolk wußte licht, was er thun sollte. Da traten Matrosen vor und boten ihre Dienste an. Die Pferde wurden schnell abgespannt und die Matrosen zogen dann die Lafette bis nach der Kathedrale von St. Georg in Windsor.
Inmitten der schönen Kapelle von St. Georg hatte sich das Königshaus und die Aristokratie von England versammelt, alle Minister, viele Peers, Mitglieder des Unterhauses, und die Gattinnen derselben, die hervorragendsten Persönlichkeiten aus allen Gesellschaftskreisen. Die Geistlichkeit empfing den Sarg an der Thür der Kirche und geleitete ihn durch das Mittelschiff bis zum Altar, gegenüber dem ein Katafalk errichtet war, auf dem der Sarg inmitten von Blumen aufgestellt wurde. Der Gottesdienst war derjenige der Kirche von England, zu deren Liturgie Hymnen von Tschaikowsky, Gounod und Spohr traten. Der Bischof von Winchester und der Dechant von Windsor hielten den Gottesdienst ab, der Erzbischof von Canterbury erteilte ben Segen. Hierauf folgte ein tiefes Schweigen, unterbrochen von leisem Schluchzen. Alsdann stand ber Herold auf, rief mit lauter feierlicher Stimme die Titel der Heimgegangenen Königin aus. Beethoven's Trauermarsch au der Orgel vorgetragen, schloß den Gottesdienst. Nachdem alles beendet war, begaben sich die königlichen und fürstlichen Herrschaften nach, Schloß Windsor.
Die Leiche der Königin Viktoria wird bis Montag m der neben der St. Georgs-Kapelle gelegenen Albert-Gei- dächtnis-Kapelle verbleiben und alsdann zur Beisetzung nach Frogmore gebracht werden.
Der Deutsche Kaiser erwiderte auf ein Berleids- und Glückwunschtelegramm, daß der Ehren-Oberst der Royal-Dragoons, General Rüssel im Namen des Regiments an den Kaiser gerichtet hatte, er danke dem General, wie: dem braven Regiment ber Royal Dragoons. Das Mitgefühl seines Regiments sei ihm ein Trost in seiner Trauer. Das Regiment werde gewiß seine Genugthuung darüber teilen, daß sein Chef vom König zum Feldmarschall in dem Heere Sr. Majestät ernannt jporben sei. Er danke allen nochmals und herzlich,
Windsor, 3. Februar.
Der König, die Königin, Kaiser Wilhelm, Kronprinz Friedrich Wilhelm, der Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha, sowie alle Mitglieder des englischen Königshauses wohnten heute dem Gottesdienste in der Kapelle von St. Georg bei.
Die Trauerfeierlichkeite« in England. ii.
London, 3. Februar.
Bald nachdem der Sarg mit der Leiche der Königin auf frie Lafette gestellt war, gab der Herzog von Norfolk dem Earl Roberts ein Zeichen, worauf dieser den dem Sarge voraufmarschierenden Truppen den Befehl zum Abmarsch gab. Langsam zogen die vielen Tausende Soldaten, die um Sen linken Arm Trauerflor trugen, dahin, beständig verstärkt durch neue Abteilungen, die in den angrenzenden Straßen anfgefteUt waren und sich beim Herannahen des Zuges anschlossen. Es war ein buntes Bild aller Waffengattungen, das vorüberzog; man sah Abteilungen von Kolonialtruppen und der indischen Armee, von Matrosen und Marinesoldaten. Als erste hinter dem Militär ritt die glänzende chtcruppe der fremden Militär-Attachees; ihr folgte der Haupt- aeneralstab der Armee, an der Spitze Earl Roberts, in der Rechten den Feldmarschallstab und geschmückt mit dem Bande des Hosenbandordens. Den nun herannahenden Hauptteil des Trauerzuges führte der Herzog von Norfolk $fu Pferde; in dichter Gruppe schlossen sich ihm die Hof- tvürdenträger, die Träger der berühmtesten Namen Englands, an. Achtzehn Offiziere ber Armee unb einige Marineoffiziere, die Adjutanten der verstorbenen Königin waren, schritten zur Seite "ber einfachen Lafette, auf ber die sterbliche Hülle ber Heimgegangenen Herrscherin ruhte. Unmittelbar bavor gingen zu Fuß der Lordkammerherr und Lordsteward mit ihren Amtsstäben in der Hand; dann kam die von acht Pferden gezogene Lafette, auf welcher der Sarg stand. Auf ben Pf erb en saßen Postillone in goldgestickten Livreen, königliche Stallknechte schritten neben den Pferden einher. Der Sarg war mit einem schweren seidenen weißen Bahrtuch bedeckt, an dessen Ecken königliche Wappen in Gold und Silber gestickt waren.
Zur Seite des Leichenwagens schritt eine Gruppe von Offizieren, hinter ihm trug ein durch seine Größe auffallender Sergeant der Leibgarde die königliche Standarte. Mit kleinem Abstande kamen nunmehr die hohen Leidtragenden, an der Spitze König Eduard, ihm zur Rechten" Kais er Wilhelm, zu seiner Linken der Herzog von
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