Mach'
froh.
Mit Auster und mit Kaviar Vergnüge dich im Januar, Im kühlen Februario Mach dir mit Lachs das Leben froh, Und drücke sanft im Monat März Gefüllte Kalbsbrust an dein Herz!? mir also morgen mal mit Lachs das Leben
Im gegenwärtigen Geschäftsleben spielt die Reklame eine große Rolle und man erlebt manche Ausartung derselben. Um so peinlicher berühren solche Ausartungen, wenn sie sich auf ein Gebiet erstrecken, auf dem die Reklame am allerwenigsten etwas zu suchen hat und deshalb auch immer verpönt gewesen ist. Die Pommersche Hypotheke n- Aktienbank, der im vergangenen Jahre der Charakter als Hof bank der Kaiserin verliehen worden ist, hat in den letzten Monaten ein Reklameheft, geziert mit dem königlich preußischen Wappen, in der ganzen Monarchie verbreitet. Schon diese Verwendung des königlich preußischen Wappens zeugte von Mangel an Takt. Jetzt ist aber die Bank so weit gegangen, die von ihr nach auswärts versendeten Pfandbriefe mit einem rosafarbenen Zettel zu bekleben, der in der linken Ecke die königlich preußische Krone und unter dieser das königlich preußische und das holsteinsche Wappen zeigt und im übrigen die Firma der Pommerschen Hypotheken-Aktienbank mit dem Zusatz „Hofbank Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin" mit der wichtigen Mitteilung enthält, daß die am 1. Januar und 1. Julr fälligen Coupons bereits am 15. Dezember und 15. Juni jeden Jahres eingelöst werden, eine Thatsache, die jedermann als bei jeder Hypothekenbank üblich hinreichend kennt. Die Beklebung der Pfandbriefe mit diesem Zettel kann keinen andern Zweck haben, als das ununterrichtete Publikum in den Glauben atu versetzen, daß der Wert des übersendeten Pfandbriefs durch die aufgedruckte königliche Krone und das königliche Wappen bestätigt werde. Es liegt hierin ein so überaus kaktloser Unfug, daß wir nur hoffen können, es werde ihm möglichst bald und gründlich gesteuert werden.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 4. Februar 1901.
Gedenket der hungernden Vögel!
• * Die Hess. Kulturtechuiker wünschen eine anderweitige Festsetzung ihrer GehaltSfkala. Sie bitten, die Kammer wolle den Höchstgehalt der im Staatsbudget 1901/02 vor gesehenen 10 Kulturtechnikerstellen entsprechend demjenigen der Gerichksschreiber, KreiSamtS-Bureauvorsteher rc. erhöhen. Diese Erhöhung würde für das vorliegende Budget eine Mehr- ausgabe von etwa 3000 Mk. verursachen.
• * Noch nicht außer Kurs. Betreffs der silbernen Zwanzigpfennigstücke begegnet man häufig der irrigen Anficht, daß dieselben bereits außer Kurs gesetzt seien. Dem gegenüber bemerken wir, daß nach dem Beschlüsse des Reichs tages die Außerkurssetzung dieser Münze lftcht vor dem 1. Januar 1902 erfolgen soll. Die kleinen Geldstücke sind also noch ein Jahr giltig. ,
* • Arbeitgeber, macht Euch mit den sozialen Verficherungs- gesehen vertraut! Fortwährend tritt die Erscheinung zu Tage, daß sich allenthalben die Arbeitgeber um die Verficherungs gesetzgebung wenig bekümmern, daß sie infolgedeffen sich der gesetzlichen Bestimmung nicht bewußt sind, daß sie deshalb diesen öfters zuwiderhandelu und daher in Strafen genommen werden. Es ist schon mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse ein dringendes Bedürfnis für jeden Arbeitgeber, Verständnis der BersicherungSgesetze und ihrer Wirkungen zu haben. Wie oft liegt eS an der Nachlässigkeit der Arbeitgeber, daß ein Versicherter wegen NichtverwendenS der Marken für eine versicherungspflichtige Beschäftigung des Anspruches auf Rente, Beitragserstattung, Heilverfahren rc. verlustig geht? — Arbeiter ^uud Versicherte! Seid deswegen streng darauf bedacht, daß für die versicherungspflichtige Thätigkeit Marken in die Quittungskarten eingeklebt werden, versichert Luch während der beschäftigungslosen Zeit freiwillig weiter! Arbeitgeber und Versicherte, beachtet den Mahnruf: „Macht Euch mit den Versicherungsgesetzen vertraut!" Hierzu bieten die Winterabende die beste Gelegenheit. Jedoch ist eingehende Kenntnis eines Gesetzes nur durch Lesen eines gemein verständlich geschriebenen Werkes zu erlangen. Als solches ist das vor Kurzem erschienene und in allen Buchhandlungen zu habende Merkchen „Arbeiterfürsorge nach dem ?<?^?^"^brsicherungS-Gesetz vom 15. Juni 18 99 von PH. Scherf, Beamter der Jnvaliden-Versiche- wngS-Anstalt Großherzogtum Hessen, zu empfehlen. DaS Merkchen, bad nur 1 Mk. kostet, giebt in jeder Hinsicht in ^uternderund sachlicher Weise in einzelnen Abschnitten Aufschluß über das Invaliden Versicherungs-Gesetz und trägt dadurch zur Kenntnis des Gesetzes in allen BevölkerunaS- kreisen wesentlich bet.
** Da siiid wir nun allmählich in den Februar hinübergeglitten, in den kürzesten Monat -es Jahres. Nachdenklichen Kindern giebt dieser Monat mit seinen 28 Tagen reichlichen Stoff zu Grübeleien und neugierigen Fragen an ihre Eltern, die bem Wissensdurst ihrer Sprößlinge nicht immer zu genügen im stände sind. „Warum hat der Februar nur 28 Tage?" Das geht noch allenfalls.
setzen. Denn wenn das nicht der Zweck des erwähnte» Gesuches wäre, so hätte man in Wetzlar doch einfach warten sollen, bis von hier aus ein solcher Antrag gestellt worden wäre. Darum: Will man uns etwas bessere- geben, so gebe man uns unter billigen Bedingungen ein selbständiges Amtsgericht in'Rodheim, oder man teile uns den Gerichten in Gießen zu, mik welcher Stadt uns die vielseitigen wirtschaftlichen Interessen verbinden und wo ja auch nach deutschen Reichsgesetzen geurteilt wird. Uns aber Wetzlar zuteilen zu lassen, darüber werden wir uns erst dann in Verhandlungen einlassen, wenn Wetzlar selbst auf seinen Antrag hin dem Regierungsbezirk Wiesbaden einverleibt sein wird.
O Nieder-Seeweu, 2. Febr. Der 11 jährige Sohn des hiesigen Bürgermeisters Landmann fuhr heute nachmittag auf einem kleinen Schlitten und kam einem Fuhrwerke zu nahe. Das Pferd scheute, schlug aus und traf den Knaben so unglücklich, daß sofort ärztliche Hilfe in Anspruch ge* nommeu werden mußte, und an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Das Fuhrwerk soll einem Bäcker aus Ober-Seemen gehören.
Darmstadt, 2. Febr. In Nr. 26 des „Gieß. Anz." brachten wir ein Notiz betreffs Teilnahme der kath. Hoch- schul-Verbindung „Nassovia" und der christlichen Verbindung „Wingolf" an den studentischen Festlichkeiten. Dem „Tägl. Anz." geht folgende Berichtigung zu:
Zunächst stellen wir fest, daß thatsächlich die beiden obengenannte« Verbindungen seit ihrem Bestehen zum erstenmale an einem solchen Kommers teilnahmen. Irrig und falsch aber ist die Behauptung, daß vo« nun an die beiden Verbindungen alle studentische Feierlichkeiten mitfeier» können. Im übrigen begnügen wir uns mit der Erklärung, daß von einem derartigen Antrag noch nie die Rede war und infolgedeffen ein diesbezüglicher Beschluß bis jetzt nicht besteht.
I. A. des Ausschusses der Darmstädter Studentenschaft: Paul Mueller.
*• Kleine Mitteilungen aus Heffeu und den Nachbarstaaten. Der Großgrundbesitzer Freiherr von Berckheim soll mit Der Gemeinde Beerfelden über den Ankauf deS 1800 Morgen großen Gemeindewaldes verhandeln. Der Wald soll der Gemeinde einen Bruttoertrag von Mk. 15 000 jährlich, nach Abzug der Kosten nur Mk. 6000 bis 7000 einbringen, was eine Verzinsung von Va Prozent des Wertes barstellen würbe. Man hofft, nach der „Frkf. Ztg." in bäuerlichen Kreisen, daß, falls die Gemeinde den Wald in der That nicht halten kann, der Staat in ähnlicher Weise wie bei den Jsenburgischen Waldungen eingreift. — In der Liste Der preußischen Rechtsanwälte wurde gelöscht der Justizrat Aldefeld in Wetzlar bei dem Landgericht in Limburg, und in sie eingetragen der Rechtsanwalt Nicolai in Wetzlar bei dem Lindaerickt in Limburg.
Vermischtes.
* I n der v. Krosigk'schen Mor das faire wird, wie man aus Gumbinnen schreibt, die Untersuchuneifrig fortgesetzt, doch hat diese auch bis jetzt noch zA keinem Resultat geführt. Wie wir seiner Zeit berichteten, sind zwei Personen verhaftet worden: ein Fahnenschmied, der behauptete, einen Mann an der Reitbahn mit einer Schirmmütze und einem schwarzen Schnurrbart gesehen zu haben (da die Mannschaftsmützen keine Sck)irme haben, müßte es, falls die Angaben richtig sind, ein Chargierter gewesen sein) und ein Unteroffizier, de, sein Alibi nicht nachweisen kann. Er soll für einen Zeitraum von ca. fünfzen Minuten nicht angeben können, wo er sich aufgehalten hat. Er war am Nachmittage auf de» Regimentskammer beschäftigt und der einzige Unteroffizier, der in der Zeit der Mordthat keinen Dienst hatte. Seine Angabe, daß er sich in dieser Zeit bei feinen Eltern aufgehalten, trifft nicht zu. Nach Aussage seiner Mutter, die auch einem Verhör unterworfen worden, ist er schon früher zu Hause zum Kaffee gewesen. Die Thatsache, daß er sich in Widersprüche verwickelte, hat zu seiner Verhaftung geführt. Seine Kameraden halten es jedoch für völlig ausgeschlossen, daß er das Attentat verübt haben kann, schon deshalb, weil er von allen Unteroffizieren derjenige ist, dem der Rittmeister noch am meisten gewogen war. Er bestreitet auf das bestimmteste, den Mord verübt oder zu der That in irgend welcher Beziehung zu stehen. Sowohl er, als auch der Fahnenschmied sind, entgegen anderen Meldungen, bisher nicht aus der Haft entlassen. Die Untersuchung wird streng geheim geführt. Am Mittwoch soll die letzte Vernehmung hier stattfinden; darauf sollen beide Verhaftete, wie verlautet, nach Insterburg in Untersuchungshaft kommen, wo das Kriegsgericht der zweiten Division, zu der auch das Dragonerregiment von Webet gehört, seinen Sitz hat. Als sicher ist es anzunehmen, daß kein Komplott vorliegt, sondern daß es sich um die That eines einzelnen handelt. Zeit und Situation waren zu dem Verbrechen besonders günstig gewählt. An dem Montage, als das Attentat verübt wurde, war es um fünf Uhr bereits finster, da das Wetter regnerisch war. Wie s. Zt. gemeldet, ließ Rittmeister v. Krosigk in der für ihn verhängnisvoll gewordenen Stunde Reitübungen vornehmen. Es wurden von Unteroffizieren, Kapitulanten, Gefreiten Remonten für den Dienstgebrauch zugeritten. In der Reitbahn befinden sich längs den Wänden schräg gestellte Rampen von Holz, damit die Pferde den Reiter nicht die Wand drücken können. Durch das Aufschlagen der Pferdehufe an dieselben, durch die Rufe und durch die Revolverschüsse mit Platzpatronen (um die Pferde an den Knall zu gewöhnen), wurde natürlich fortwährend Geräusch verursacht. Ta die einzelnen Eskadrons zu verschiedenen Stunden reiten, und da v. K. des öfteren interessante Hebungen vornahm, z. B. das Nehmen von Hürden ic., so standen an der Thür, die aus dem Vorraum führt, fast immer einige Leute, um zuzuschauen. Es wäre also weiter gar nicht ausgefallen, wenn an dem Tage Dort jemand gerade gestanden oder durch eins der Gucklöcher gesehen hätte. Diesen Umständen ist es eben zuzuschreiben, daß niemand don der Umgebung wahrgenommen hat, woher der Schuß kam. Erst als man den Rittmeister in die Ställe tragen wollte, um ihn mit Wasser zu besprengen, sandi man im Vorraum den Karabiner stehen. Auch die Thatsache, daß dieser Karabiner einem Manne gehört, beV in der Abteilung mitritt, spricht dafür, mit welcher lieber legtheit der Mörder gehandelt hat.
• Stolp, 2. Febr. Ein Schüler des hiesigen Gym- nasiumS, der Sohn eines Majors, verunglückte vor
„Weit die Umlaufszeit der Erde um die Sonne 365 Tage beträgt und also für einen der zwölf Monate mir 28 Tage übrig bleiben", antwortet der Vater, indem er ein Eingehen auf den Unterschied zwischen siderischem und tropischem Jahr, gewöhnlichem Jahr und Schaltjahr klug vermeidet. Der Junge schweigt einen Augenblick, sein kleines Hirn muß sich über die neue Offenbarung erst klar werden. Dann hebt er den blonden Kopf und fragt weiter: „Aber warum ist das nun gerade der zweite Monat im Jahre?" „Das ist eben so eingerichtet", sagt der Vater, dem es bei dem Examen unbehaglich wird. Und wenn das Söhnchen nun weiter fragt: „Wer hat es denn so eingerichtet?" macht er meist durch eine Bemerkung über naseweise Kinder, die nicht alles zu wissen brauchen, der Konversation über das Thema ein jähes Ende. Aber der Junge hat ganz recht: Warum ist der Februar der zweite Monat im Jahre? Da er nur die restlichen 28 Tage in sich schließt, sollte, er doch eigentlich der letzte sein. Das war er auch ursprünglich bei den Römern, und den Namen Februarius, d. h. Sühnemonat, hat er eben davon erhalten, daß in ihm, als dem letzten Monat des Jahres, Sühnungen und Reinigungen vorgenommen wurden. Damals begann der Monat März das Jahr, und die Monate September, Oktober, November und Dezember waren wirklich der „siebente, achte, neunte, zehnte" Monat, wie ihre lateinischen Namen besagen. Als aber der Julianische Kalender eingeführt wurde, da machte man den Monat Januar deshalb zum ersten, weil an seinem ersten Tage die Konsuln, die höchsten Würdenträger des römischen Staates, ihr Amt antraten. Jmj übrigen aber ließ man alles beim alten, die Namen ber; Monate, wie die Einteilung der Tage, und so kommt es, daß i der kürzeste Monat die zweite Stelle im Kreislauf des Jahres einnimmt. Der kürzeste Monat? Welch frohe Gedanken weckt das bei der Hausfrau, wenn sitz am. ersten ihr Wirtschaftsgeld, beim Bruder Studio, wenn er' feinen Wechsel empfängt. Denn auf Diäten Pflegen beide ja nicht gestellt zu sein, und da sie nun für drei Tage weniger zu sorgen haben, so träumen sie — die Menschen geben sich ja gern sanguinischen Träumen hin — von einem ungeheuren Profit, den sie in diesem Monat machen werden. In Wirklichkeit xst es damit natürlich Essig. In Bruder Studios Kasse ist, wie alle Monate, auch im Februar schon um den Fünfzehnten herum Ebbe eingetreten, und an die Hausfrau werden gerade in diesem Monat gewöhnlich verstärkte Anforderungen gestellt. „Weißt du, Mutter", sagt der Gatte, „Du kriegst doch nun mal ebensoviel Wirtschaftsgeld wie sonst. Ta könntest Du eigentlich ein bischen besser kochen. Morgen möcht' ich mal Lachs essen." „Gott bewahre, Männe", sagt sie ganz verdutzt, „wie kommst Du denn aus Lachs?" „Na, kennst Du denn nicht die schpne Vorschrift:
Volilische Tagesschau.
Oberst Schiel, der ehemalige Führer des deutschen Korps im Burenheere, der sich jetzt bekanntlich als Gefangener auf St. Helena-befindet, steht im Begriff, seine Lebenserinnerungen niederzuschreiben. Das Buch wird in erster Linie seine Erlebnisse der letzten Jahre im Transvaaler Dienste wiedergeben. Er teilt darüber der „D. W." u. a..folgendes mit:
Ich bemühe mich, unsere Transvaaler militärischen Zustande zu schildern, und beschreibe außerdem meine Erlebnisse während des Krieges und meine 6)efangenschaft, in deren monotonen Stunden ich ja auch die Blätter aus der Erinnerung uiedergeschrieben habe. Ob das Buch gefallen wird, ist allerdings eine Frage. Jemand, der ein fo wildes, unstätes Leben geführt hat wie ich, — fast stets im Felde und unter den Eingeborenen, nur selten und bann meist kurze Zeit in Pretoria und Johannesburg — denkt nicht daran, schriftstellerisch glänzen zu wollen. Daß ich überhaupt meine Erinnerungen niederschrieb, geschah nur, teilweise um den verschiedenfachen Aufforderungen Folge zu leisten, teilweise um die entsetzliche Langeweile der Gefangenschaft so vernünftig wie möglich totzuschlagen. — Ich beabsichtigenicht, das Buch vor Beendigung des Krieges herauszugeben.
Was will die gute Frau machen? Sie kauft den Lachs und zahlt. Und dann die Gesellschaften, die Konzerte, die Maskenbälle! Ach ja, es ist auch im Februar dafür gesorgt, daß wir „nicht Schätze sammeln, die Motten und Rost verzehren."
** Wünsche aus dem Bezirk Rod heim. Die Handelskammer zu Wetzlar hatte in einer Eingabe an das Ministerium zu Berlin dieses gebeten, die in dem südlichen Teile des Kreises Biedenkopf gelegenen neun Ortschaften Hermannstein, Naunheim, Walogirmes, Bieber, Rodheim, Fellingshausen, Königsberg, Crumbach und Frankenbach von dem Amtsgericht in Gladenbach abzuzweigen und dem Amtsgericht in Wetzlar zuzuteilen. Jetzt lesen wir darüber im „Hinterl. Anz." u. a. folgendes, und man wird ihm recht geben.
Gewiß hat der Korrespondent der „Frkf. Ztg." in • seinem Artikel vom 20. Dezbr. v. I. in dem Punkte recht, daß die Eingliederung Wetzlars in den staatlichen Verwaltungsapparat überaus verwickelt, unangemessen, unmodern ist. Aber wo die Grenzen verschiedener Staaten und Staatsgebiete so ineinander geschoben sind, wie dies in der Umgegend von Wetzlar der Fall ist, da können solche Verhältnisse uns kaum wundern. Aber wenn der Artikelschreiber zu glauben scheint, daß infolge der Eingabe der Wetzlarer Handelskammer die Zugehörigkeit der genannten Ortschaften zum Gerichtsbezirke Wetzlar schon besiegelt sei, so irrt er, denn ohne Zweifel werden die Gemeinden, die man nach Wetzlar zuteilen will, erst darum gefragt. Und da ist auf ein Einverständnis nur bei den Gemeinden Hermannstein, Naunheim und höchstens noch Waldgirmes zu rechnen. In den übrigen sechs Gemeinden kann man es nicht verstehen, daß sie mit jenen drei Gemeinden in einem Atemzuge als zur Interessengemeinschaft mit Wetzlar gehörig genannt werden. Dadurch werden die Thatsachen entstellt und die Behörden irre geführt. Die Verbindungswege für den Austausch der Interessen gingen von altersher den Thälern entlang, und da weist uns die natürliche Bodenbeschaffenheit nach Gießen und nicht nach Wetzlar. Auch haben wir durchaus nicht Ursache, uns der Interessengemeinschaft mit der hessischen Provinzialhauptstadt zu schämen oder sie zu bedauern; denn erstens ist Gießen ja auch eine deutsche Stadt und zweitens wissen die Bewohner Gießens durch vielfachenBesuch derhiesigen Gegend diese Gemeinschaft zu pflegen und zu fördern. Aber wer kommt außer den Mitgliedern der Touristenklubs von Wetzlar nach Rodheim und Umgegend? Ebenso dürften aus den betreffenden Ortschaften wohl 95 Prozent aller Bewohner das Innere der Stadt Wetzlar noch nicht gesehen haben. Wo kann da von Interessengemeinschaft die Rede fein? Ferner, was hat Wetzlar gethan, um die sechs Ortschaften an sich zu ketten? Pläne für Bahnbauten in die hiesige Gegend erschienen ja seinerzeit mehrere in den «Wetzlarer Blättern, aber von thatkräftiger Unterstützung solcher Pläne hat man nichts vernommen. Gießen hat neuerdings wieder freiwillig 60 000 oder gar 80 000 Mark üfr den Weiterbau der Bieberthalbahn bewilligt. Wetzlar dagegen hat sich lange drängen lassen, bis es 200 Mark opferte für die Errichtung der Haltestelle „Abendstern" an der Strecke Lollar—Wetzlar, also an dem Zkreuzungspunkte dieser und der Bieberthalbahn. 9hm die Eröffnung dieser Haltestelle endlich nahe bevorsteht, was immerhin für manche Reisen au begrüßen ist, nun soll der Staat helfen und u n s a n den Haaren nach Wetzlar ziehen, damit wir dort unsere Lebensbedürfnisse erstehen und unser Geld ab


