Ausgabe 
5.1.1901 Erstes Blatt
 
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Hunderts stammt und in der tiefen und harmonischen Färbung den Bildnissen des Jan van Eyck sehr nahe steht, sodaß es für die schwierige Frage nach den Künst- * lern, die noch gleichzeitig mit ihm in den Niederlanden thätig waren, von Wert ist.

TerVorwärts" höhnt angesichts dieser Mitteilung: Die Herren Wernher und Beit sind die Direktoren der rühmlichen De Beers Company. Es ist wahrhaft erfreulich, daß die Herren inmitten ihrer südafrikanischen Goldminen­sorgen noch genug Muße fanden, sich für Kunstdinge zu be­geistern und der Kirnst erhebliche Geldopfer zu bringen. Es ist noch erfreulicher, daß die englischen Goldkönige ihre Liebe zur Kunst gerade auf deutsche Kunstsammlungen ausströmen ließen, daß sie unsere Berliner Museen durch wertvolle Zuwendungen bereicherten. Wie haben wir die geriebenen englischen Geldmänner unterschätzt, die sich nun als uninteressierte Schützer geistiger Güter selbst im Aus­land entpuppen!"

Angesichts dieser Mitteilung ist es um so notwendiger, daß dieLeipziger Neuest. Nachr.", die diesen Kuchen an­geschnitten haben, mit ihrer angeblichen Kenntnisw e i lerer Vorgänge" nicht hinter dem Berge halten.

TieKreuzzeitung "schreibt in demselben Sinne:

Bloße Behauptungen reichen in dieser Sache nicht aus, und wenn nicht mehr nachkommt, wird die An­schuldigung derLeipz. Neuest. Nachr." (es seien englische Bestechungsgelder in Deutschland verwandt worden) als im höchsten Grade frivol und unüberlegt bezeichnet wer­den müssen. Denn bei einiger Kenntnis der Verhält­nisse mußte man sich von vornherein sagen, daß An­deutungen dieser Art in dem uns vielfach feindlich ge­sinnten Auslande, das als solches keineswegs geneigt ist, sich mit der einfachen Ableugnung zu begnügen, einen lauten Widerhall finden und zu den ungeheuerlichsten Verdächtigungen Anlaß bieten würde. Die Sache sollte nicht so auf die leichte Achsel genommen werden, wie es im großen und ganzey bis jetzt geschehen. Es muß vor allem die bestimmte Forderung erhoben werden, daß jenes Leipziger Blatt für seine Anschuldigungen zunächst wenig­stens den Beweis bringt, daß in dem Geschäftsberichte der De Beers Company wirklich jene Angaben sich finden, aus die es sich stützt. So lange dies nicht geschieht, bleibt der Verdacht der Verleumdung an dem Urheber der Veröffentlichung haften.

Politische Tagesschau.

Wie wir bereits mitteilten, übermittelte das holländische Ministerium dieser Tage der Zweiten Kammer den aus die bevorstehende Vermählung der Königin Wil­helmine mit dem Herzog Heinrich bezüglichen Ge­setzentwurf. Er besteht im ganzen aus vier Vorlagen, die alle aus der königlichen Ehe sich ergebenden Verhältnisse «ach der politischen und rechtlichen Seite hin derart regeln, daß daraus später für das Königreich der Niederlande keine Schwierigkeiten erwachsen können. Die erste Vorlage spricht einfach die parlamentarische Genehmigung der Eheschließung der Landesherrin mit dem Herzog Heinrich aus, wie dies die niederländische Verfassung zur gesetz­lichen und staatsrechtlichen Giltigkeit der königlichen Ehe erfordert. Die zweite Vorlage beschäftigt sich mit der sStellung des künftigen Prinz-Gemahls. In dieser Beziehung erklärt der Regierungsentwurf den Gemahl der Königin in allen Rechten und Pflichten mit den Mit­gliedern des niederländischen Königshauses völlig gleich­gestellt. Alle Bestimmungen der holländischen Gesetzgebung, welche die Prinzen der regierenden Dynastie betreffen, fin­den auch auf den Prinz-Gemahl Anwendung, der dem­nach auch, ohne daß eine besondere Rangerhöhung seitens der Königin zu erfolgen braucht, den TitelK ö n i g l. Hoheit" führen wird. Die Vorlage sieht auch die Mög­lichkeit der -Auflösung der Ehe, fei es durch den Tod der Königin, fei es durch Trennung vor. Im ersteren Falle behält der Prinz-Gemahl bis zu seiner etwaigen Wiederverheiratung alle Vorrechte eines königl. niederländischen Prinzen bei. Im Falle seiner Wiederver­heiratung oder falls die Ehe bei Lebzeiten der Gatten aus irgend einem Grunde getrennt wird, hört der Prinz-Gemahl auf, zur niederländischen Dynastie zu gehören und tritt von selbst in seinen vorigen Stand zurück. Die aus der Ehe entsprossenen Kinder bleiben aber thronberech­tigt. Die dritte Vorlage gewährt dem Herzog Heinrich Unter Befreiung von der Erfüllung der anderen' vorge- schriebenen Bedingungen aus Staatsinteresfe das nieder- Nndifche Staatsbürgerrecht. Sollte die Ehe durch den Tod der Königin aufgelöst werden, so steht es dem Prinz-Gemahl frei, burd> eine bloße Erklärung an das Ministerium auf das niederländische Staatsbürgerrecht zu verzichten, und mit dieser einfachen Erklärung tritt er wieder in den deutschen Unterthanenverband. Die vierte Vorlage endlich behandelt bie Dotationsfrage für den Prinz-Gemahl. Die Regierung hatte ursprünglich die Ab­sicht, dem Herzog Heinrich eine Staatsdotation zu gewähren, um ihn wenigstens finanziell von der Königin unabhängig zu machen. Aber der Staatsrat, dem alle Gesetzentwürfe vorerst zur Begutachtung überwiesen werden müssen, erhob verfassungsrechtliche Bedenken gegen eine der­artige Dotation, weil die niederländische Verfassung nur die Dotation der Königin-Witwe und des Thronfolgers kennt. Es wäre deshalb dazu eine Verfassungsänderung notwendig geworden, die abgesehen von der damit verbun­denen politischen Erregung im Land den Aufschub der königl. Hochzeit auf Monate hinaus hervorgerufen hätte. Man ver­ständigte sich also dahin, den Prinz-Gemahl der Königin- Witwe gleichzustellen und ihm für den Fall seiner Witwer­flhaft, aber felbstverständlich bloß bis zu seiner etwaigen Wiederverheiratung, eine Dotation von jährlich 150000 Sulden auszufetzen. Bei Lebzeiten der Königin bezieht er sonach keinerlei Apanage. Diese vier Ge­setzentwürfe, die einzeln beraten werden müssen, sind der Zweiten Kammer der niederländischen Generalstaaten zu §)ät gekommen, als daß sie vor Weihnachten hätten erledigt werden können, wie dies ursprünglich in Aussicht ge­nommen war. Die Kammer wird deshalb am 3. Januar z« einer besonderen Tagung zusammentreten. Da der Ent­wurf aber bann auch noch an bie Erste Kammer zu ge­gangen hat, so ist bas bisher festgesetzte Datum ber Hoch­zeit, der 31. Januar, nicht beibehalten, sonbern auf den 7. Februar verschoben worden. Die bürgerliche Trauung ttnrb im königlichen Palast im Haag vorn Justizminister Govtz van ber Linden als dem königlichen Notar und

Standesbeamten vollzogen werden, die kirchliche Feier in der großen protestantischen Kirche der Residenzstadt unter Leitung des Hofpredigers van der Flier. Als Hoch­zeitsgäste sind bereits endgiltig angemeldet: der König von Württemberg, Großfürst Wladimir von Rußland, ber Groß­herzog von Olbenburg und bie fürstlichen Anverwanbten bes nieberlänbischen Königshauses.

In ber deutschen Armee wurden feit 15. No­vember pensioniert: 2 Generalleutnants, 4 General­majore, 4 Oberste, 3 Oberstleutnants, 12 Majore, 34 Haupt­leute, 7 Oberleutnants, 9 Leutnants, Summe 75 Offiziere. Kosten pro Jahr ca. 237 000 Mk. Ohne Pension wurden verabschiedet: 4 preußische Leutnants. Ausgeschieden sind 8 preußische Leutnants, so daß ber Gesamtabgang an Offi­zieren in den letzten 6 Wochen 87 beträgt. Von ben Pensio­nierten treffen auf Preußen 2 Generalleutnants, 2 General­majore, 4 Oberste, 3 Oberstleutnants, 9 Majore, 28 Haupt­leute, 5 Oberleutnants, 8 Leutnants (Summe 61); auf Bayern 2 Generalmajore, 1 Major, 4 Hauptleute, 1 Ober­leutnant, (Summe 8); auf Sachsen 2 Majore, 1 Oberleut­nant (Summe 3); auf Württemberg 2 Hauptleute, 1 Leut­nant (Summe 3). Was bie im Laufe bes Jahres 1900 stattgehabten Verabschiebungen anbelangt, so ist folgenbes zu Konstatieren: Pensioniert würben in biefem Zeit­raum 644 Offiziere gegen 548 im Vorjahre. Hiervon treffen auf Preußen 516 gegen 393 im Vorjahre; auf Bayern 72 (gegen 92 im V.); auf Sachsen 31 (gegen 34 im V.); auch Württemberg! 25 (gegen 29 im V.). Ohne Pension würben oerabschiebet bezw. finb ausgeschieben 164 Ober­leutnants unb Leutnants (gegen 152 im V.). Auf Preußen treffen hier 156 (gegen 143 im V.); auf Bayern 1 (ebenso im V.); auf Sachsen 3 (gegen 4 im V.); auf Württemberg 4 (ebenso im V.). Der Gesamtabgang an Offizieren be­läuft sich somit im Jahre 1900 auf 808 gegen 700 im Vor­jahre. Aus ben obigen Zahlen ergiebt sich, baß bie Ver­abschiebungen in Bayern, Sachsen unb Würt­temberg abgenommen, in Preußen aber sich rapib vermehrt haben. Unb dies trotz ber China- Expebition, burch bie ber aktiven Armee runb 550 Offi­ziere entnommen würben. Zum Schluß noch eine Statistik, )ie über bie in ben einzelnen Chargen stattgehabten Pensio­nierungen Auffchluß giebt Bei bieser Gelegenheit wirb es sich zeigen, daß bas heutige Verabschiebungs- ystem «namentlich unter ben höheren Offi­zieren b^beutenb mehr aufräumt als ein Krieg, also ein solcher für bas Avancement gar kein Gewinn wäre. Es wurden im Jahre 1900 pensioniert: 1 General ber Infanterie, 25 Generalleutnants, 43 General majore, 56 Oberste, 29 Oberstleutnants, 148 Majore, 218 Hauptleute, 63 Oberleutnants, 61 Leutnants.

Ans Stadt und Land.

Zuschriften über lokale Vorgänge find uns stets sehr erwünscht und werden ans Wunsch gut honoriert.)

Gießen, 4. Januar 1901. p

* Gießener Volksbad. Im Dezember wurden ver­abreicht 6325 Bäder gegen 7420 im November 1900 und 5765 im Dezember 1899, oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 264 Bäder gegen 265 im November 1900 md 231 im Dezember 1899. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt:

Schwimmbad 3541 Männer, darunter 705 zu 10 Pf., 435 Frauen, 11110

Wannenbäder 1. Klasse 178 Männer, 55 Frauen, 2. 567 374

Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 06 Männer, 13 Frauen, Brausebäder zusammen 1056. Die Personenwage wurde von 100 Personen benützt) das Bad von 16 Personen besichtigt.

* Wichtig für Kandidaten des einjährig-freiwilligen Militär- dienstes. Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militär- bienst ist nach § 89, 3, der deutschen Wehrordnung bis pätestens zum 1. Februar des ersten Militärpflicht­ahr es, das ist des JahreS, in dem der Wehrpflichtige das 20. Lebensjahr vollendet, bei der Prüfungskommission nach­zusuchen. Ferner sind bie Gesuche um Zulassung zur Prüfung ür den einjährig-freiwilligen Militärdienst nach § 91 der tt. Ordnung für die FrühjahrS-Prüfung spätestens bis zum Februar und für die Herbstprüfung bis spätestens zum 1. August d. I. anzubringen.

Abänderung des Hundesteuergesetzes. Artikel 3 letzter Absatz des Gesetzes, die Hundesteuer betr., vom 12. August 1899, erhält folgende Fassung:Bon der Hundesteuer für e einen Hund sind ferner befreit alle diejeutgeu Personen, sie infolge ihres Berufes oder Gewerbes einsam wohnen und ein Einkommen von weniger als 2600 Mk. versteuern." Diese Bestimmung trat mit dem 1. Januar in Kraft.

* Mit seiner Wetterprophezeiung für den Januar hat ich Falb wieder etwas verrechnet:Vom 1. bis 4.Januar regnerisches Wetter bei verhältnismäßig hoher Temperatur. Vereinzelt treten Schneefälle ein." Auch beim größten Wohl­wollen für den Propheten und der allergünstigften Auslegung seiner Vorhersage wird man zwischen dieser und der Wirk­lichkeit doch kaum irgend eine Aehnlichkeit entdecken können. Der Winter hat mit dem denkbar trockensten Wetter und einem Temperaturumschwung vom Warmen zum Kalten ein­gesetzt, wie wir ihn nur selten erleben. Am Neujahrsmorgen hatten wir 6 Grad Kälte, gestern früh war das Thermo­meter aus 9 Grad und heute sogar auf 10 Grad Reaumur gesunken. Von Regen haben wir dabei nichts bemerkt.

** Fahrpreiskuriosum. DerFrkf. Ztg." teilt Jemand folgendes Fahrpreiskuriosum mit:Mein Bruder fuhr vor einigen Tagen mit einer Rückfahrkarte 3. Klaffe von Dres­den nach Gießen. Für diese Karte zahlte er 32.20 Mk. und zwar 1) Dresden-Kassel 24.10 Mk., 2) Kassel Gießen 8.10 Mk. Hätte er aber folgende Karten gelöst: 1) Dresden- Leipzig 6.40 Mk., 2) Leipzig Frankfurt (über Halle-Nord- hausen giltig) 23.10 Mk., so hätte er für daS Billet 29.50 Mk. zu zahlen gehabt. Er hätte also 2.70 Mk. weniger gezahlt und die Möglichkeit gehabt, einen Abstecher nach Frankfurt machen zu können. ES wäre wirklich an der Zeit, daß die Bahnverwaltung ein Tarifverzeichnis veröffentlichte, damit das reisende Publikum nicht unnötigerweise solchen ganz un­motivierten Preisschwankungen gegenüber machtlos wäre."

** Unentgeltliche Benutzung ber deutschen: Paten tschristen. Seit 1877 befindet sich in ben Räumen der Großh. Zenttalstelle für bie Gewerbe, Darm­flab t, Neckarstraße 3, eine Auslegestelle ber vom Kaiser­lichen Patentamt in Berlin herausgegebenen Patentschriften über bie in ben Patentklaffen 189 vom 1. Juli 1877 ab erteilten Patente, beginnenb mit Nr. 1, bie an jebem Werktage in ber Zeit von zehn bis halb ein unb brei bis halb sechs Uhr (Samstag mittag ausgenommen) von jeber- mann unentgeltlich benutzt werben kann. Durch bie Aus­legung ber Patentschriften wirb jebermann Gelegenheit ge­geben, sich über ben Inhalt eines Patentes zu unterrichten. Um auch auswärts wohnenben Personen bie Einsicht der Patentschriften zu ermöglichen, ist bie leihweise Abgabe einzelner Nummern auf kürzere Zeit gestattet. Die neu erfcheinenben Patentschriften werben ben Auslegestellen öom Kaiserlichen Patentamt in Berlin in einwöchentlichen Zwischenräumen überwiesen unb bem Publikum alsbald nach ihrem Erscheinen zugänglich gemacht.

(?) Udenhausen (bei Grebenau), 3. Januar. Auf der Tagesordnung der Generalversammlung bes Krieg er- oereins stand zunächst die Prüfung der Rechnung von 1900, die als richtig befunden wurde, weshalb dem Rechner Decharge erteilt wurde. Kaisers Geburtstag soll durch einen Ball, ver­bunden mit Aufführung eines Theaterstückes, begangen werden. In den Vorstand wurden der seitherige Vorsitzende Heinrich Schmidt, sein Stellvertreter und ber Rechner einstimmig wiedergewählt. Zum Schriftführer wurde Herr George bestimmt. Nachdem Pfarrer Böchner einen Vortrag über einzelne Züge aus dem Leben Moltkes gehalten hatte, der in einem Hoch auf Kaiser und Großherzog ausklang, und nachdem er die Gründung eines Lesevereins im Anschluß an den Berliner Volksbildungsverein in Anregung gebracht hatte, wurde die offizielle Sitzung vorn Vorsitzenden geschloffen. Der gemütliche Teil hielt die Kameraden noch einige Zeit zusammen.

r. Nidda, 3. Januar. Gestern abend wurde im Kraft'- schen Saale zu Ehren des nach Gießen versetzten Kreis- veterinärarzteS Schmidt ein Abschiedskommers ver­anstaltet, an dem sich zahlreiche Angehörige unserer Stadt und Umgegend beteiligten. Für den musikalischen Teil war durch ein Quartett der Gießener Militärkapelle, das vor­trefflich spielte, gesorgt. Landtagsabg. Erk hielt an den Scheidenden eine Ansprache, in der er dessen vielfache Vor­züge hervorhob. Veterinärarzt Schmidt dankte dem Vorredner und versprach, Nidda ein gutes Andenken zu bewahren. Zum Schluß wurde ein kräftiger Salamander gerieben.

Auleudiebach, 3. Januar. Nach der Volkszählung hat unsere Gemeinde 303 Einwohner gegen 295 in 189R Diese ben sind bis auf einen Katholiken alle evangelisch. Die Viehzählung hatte folgendes Ergebnis: 43 Pferi 260 Stück Rindvieh, 321 Schweine, 44 Ziegen, 929 Sti Federvieh, 8 Bienenstöcke.

X Neu Ulrichstein, 2. Januar. Ende Dezember 19C befanden sich auf der hiesigen Arbeiter-Kolonie stellet refp. arbeitslos 69 Mann, darunter 11 aus Hessen. T. Kolonie verpflegte an 2161 Tagen unb arbeitete an 1776' Tagen, sie hatte 10 Krankentage unb 374</2 Sonn- ur Feiertage. Im Dezember 1900 wurden entlasten 17 Man Seit Bestehen ber Kolonie wurden ausgenommen 3829, er affen 3760.

(:) Stockheim, 3. Januar. Nach der Volkszählun hat unsere Gemeinde verhältnißmäßig sehr zugenommeu. T Einwohnerzahl ist von 646 in 1895 auf 726 gestiege Hiervon sind 700 evangelisch, 21 israelitisch, 5 katholist Die Viehzählung weist folgendes Resultat au 79 Pferde, 324 Stück Rindvieh, 200 Schafe, 495 Schweir 126 Ziegen, 1705 Htück Geflügel, 10 Bienenstöcke.

Darmstadt, 3. Januar. Gestern abend 7 Uhr fand im Großherzoglichen Residenzschloß NeujahrS-Galatafel iatt, an der der Groß Herzog, Prinz Franz Joseph von battenberg, die am Großherzoglichen Hose akkreditierten »iploMatischen Vertreter und die Spitzen ber Militär- und Civilbehörden teilnahmen. An der reichgeschrnückten Tafel waren etwa 70 Gedecke aufgelegt.

Frankfurt, 2. Januar. Seit einigen Jahren werden in Frankfurt seitens der großen Frankfurter Karneval Gesellschaft und zahlreicher kleiner Gesellschaften angestrengte Versuche gemacht, den Karneval auch in Frankfurt in Flor zu iringen. Bis jetzt sind die Erfolge recht minimaler Natur. Prinz Karneval scheint über die sonst so lebensfrohen Frank- ürter keine Gewalt zu haben, das bewies aufs neue wieder »ie gestrige äußerst glanzvolle Sitzung, in der das Publikum achte, ohne aus feiner passiven Rolle zu fallen. An einen Straßen-Karneval, karnevalistische Umzüge u. dgl. ist nicht zu denken, denn das Publikummacht" nicht mit.

Vermischtes.

* Wilhelmshaven, 2. Januar. Die gerettete Be­ll tz u n g berGneisenau" ist mit bem DampferAn- )alufia" heute nacht hier eingetroffen. Kabetten unb Mann- chaften würben mit Tagesanbruch ausgeschifft unb in die Kasernen geführt, bie Verwundeten ins Lazarett geschafft. Die Mannschaften trugen bie verfchiebensten Kleiber, die Offiziere zum Teil Civil. DieAnbalusia" hatte infolge von Sturm zwei Tage Verspätung. Die an Borb derAnda- lusia" befinblichen Geretteten von berGneisenau" zählen 14 Offiziere, 7 Deckoffiziere, 53 Seekabetten unb 332 Mann- chaften. Die Leichtverwunbeten, darunter bie beiben Schiffsärzte, konnten sich zu Fuß in bas Lazarett begeben. Die erste Persönlichkeit, bie sich kurz nach Mitternacht an Borb des Schiffes begab, war ber Quarantänearzt. Er war begleitet vom Kapitänleutnant Lange unb vom General von Rofenberg, ber bie Erlaubnis erhalten hatte, feinen Sohn, einen ber Seekabetten, noch in ber Nacht an Land zu führen. Die,anberen mußten bie Nacht hindurch an Bord bleiben. Um 8 Uhr früh begann, bie Ausschiffung. Mittels Tragbahre würben nur zwei Kranke auf ben Leichter ge­bracht, ein Schiffsjunge, ber ben Unterschenkel gebrochen hatte, unb der Seekabett Ort aus Darm stabt, der an einem Bluterguß am Oberschenk el leibet. Beide finb bei ihrer Rettung wiederholt auf bie Mole sus- gefchlagen worben. Wie von Leuten, die im Augenblick ber Katastrophe noch auf derGneisenau" waren, erzLM

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