Ausgabe 
4.12.1901 Drittes Blatt
 
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Erfolge

der

Anti*

die

litt konnte ol5

und eine

gern und mit Ruhe.

Ich lege nun Werth darauf, die Frage auch non einer andern Seite aus zu behandeln: ich meine die l a n d n» i r t h schäft-

großen Auischwung genommen hat. sich in einer denkbar schwierigen Lage befand. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Man ist aus Grund von Zahlen sehr oft geneigt, die tvirthschaftliche Bedeutung.unserer Landwirthschast zu iinterschätzcu. man stellt so einfach die glatten

Maßnahmen treffen, Daß wir lein Verbot mehr erlassen dürfen, und für diesen Fall müssen wir den Zoll haben, um nuferer aufblühen­den Viehzucht den nothigen Schlitz zu gewähren Denn wenn die deutsche Landwirthschast nicht die Aussicht hat. dgst em solcher Zustand noch eine gewisse Welle anhält, so kann sie nicht die Eiu- «ichtnngen treffen, um in steigendem Mähe zur Viehhaltung^über- ziigehen. (Sehr richtigI) Ich möchte dringend davor ludrnen, englische Verhältnisse auf unsere deutschen zu übertragen. In England gehört der Grundl'esitz überwiegend Großgrundbesitzern, den Landlolds und den Fürsten. Die Zahl der selbstständigen Bauern, der sogenannten '.')eomen ist verbäftnißmcißig Hem. Die Besitzer bearbeiten ihren Bodeii nicht selber, sondern verpachten ihn zu Losen von 2001200 Morgen. Die Pachtfcstsetzungcn gehen auf ganz kurze Zeit. Der englische Landwirth. de» Farmer, ist so in der Lage, sich fortgesetzt den Konjunkturen anzupassest und er hat von der Depression der Preise nicht zu leiden. Die schweren

ergeben, roeun wir von den Abfällen u. s. tu. cibsehe.n Ist das richtig, so haben wir seit Jahren zu tvenig Fleisch produzirt. d. h. weniger, als wir hätten produziren können, 9iu n ist unsere Vieh* zücht'non, Jahre 1883 bis 1897 stetig gestiegen, von 175 Kilo bis auf 325 Kilo pro Hektar. DaS zeigt, in wie eminentem Aufstiege unsere Viehhaltung begr-sfen ist. (Sehr wahr!) und erweckt die Hoffnung, das; sie in absehbarer Zeit tin Stande fein wird, unseren Fleischbedars zu decken (Hört! hort! rechts.) Man hat nun gejagt, die dentsclie Seuchengesetzgebung fe» nur benutzt worden, um die deutsche Vicbbandlung hoch zu halten. Wir bedurften der deut­schen cseuckengcsctzgebinig. um nicht unseren werthvollen Viehbestand . durch die Einschleppung non Seuchen ernstlich gefährden zu lassen.

verträgt sich das nut feinem späteren Satze, das; die ehvmge Preis- steigernng nur den Grundrenten' zu Gute kommel (Sehr gut! rechts «lud in» Eentrum.) Eines uoii Beiden »st doch nur Wichtig. (531)01 bei den Sozialdemokraten ) '

Nun die deutsche Viehzucht. Da bin ich her Mei­nung. daß ganz unzweifelhaft die L a n d w i r k h s ch a f t i m S ta n d e ist. den F I e »s ch b e d a r f von Deutschland zu . Man hat berechnet, das; I Hektar landwirthschastl»ch ver-

Mensckeii beschäftigt 'haben. Das ist eine weitaus größere Zahl, als wir bei irgend einem anderen Erwerbsstande borfinden. Gegen­über diesen 18 Millionen stehen nur etwas über drei Millionen, die im Waarenhandel beschäftigt sind, etwas über 1 Million in der Kohlenförderung, und 500 000 in der Hüttenindustrie Da? sind im Vergleich zu der Zahl der landwirthschafllich . thätigen Menschen überaus verschwindende Zahlen. Sie müssen aber ferner noch bedenken, daß eine große Zahl von Industrien sehr wesentlich von dem Gedeihen der Landwirthschast abhängt. (Sehr richtig!

Millionen Acres zin iickgegcmgen 'st. daS Weideland non 22.88 auf 16.55 Millionen Während die Bevölkerung von 18541896 um 0.7 Proz. stieg, ftiea die Einfuhr von Thieren und chierischen. Er- zeügvu'iea um 8.5 Proz. Auch der englischen Landwirthschaft war es also ohne Zollschuy nicht möglich, trotz außerordentlich guter klimatischer Verhältnisse den Fleischdedarf enisprechend Der Bevvlke- rungszunabme zp decken

Wenn wir alle Tage mit unseren eigenen Augen sehen, wie geradezu dammbruchartig aus dem großen Menschenreservoir der Landwirrbschaft die Bevölkerung » n öie SIäd < e ab» zieht, so müssen uns die ernstesten Gedanken lommen In diesem Moste finden wir das in feinem anderen .KuOurlanöe Die Städte haben ja stets gewisse Reize, Die Die Menschen ganz mit Unrecht in die Städte treiben. Wenn dieser Zug nut solch' elemen­tarer Gewal, eintrift, wie das heute der Fall ist. io liegt darin -eine große Gefahr für das ganze Land. Sozialpolitisch und politisch ist dos ein Zustand. Der bei allen Parteien die ernstesten Pedenken Hervorrufen mutz. In Zeiten blühenden Aufschwungs der Industrie sind die Leute fortgezogen in die Städte, sobald die Konjunkturen sich wenden, werden Tausende arbeitslos werden. Dieseit» Uebel- stande können Sie nur steuern, wenn Sie für die Landwirthschast ihre Löhne ähnlich normiren, wie die Industrie es ihut (lebhafter Beifall links ft wenn Sie dem landwirthschaftlicken Arbeiter eine ähnliche Situation verschaffen. Wem» Sie aber von Der Lgnd- wirthfcboft gleich hohe Löhne verlangen, fo muß Die Landwirthschaft biefe Löhne auch zahlen können, lieber England, wo nack Dec Meinung von Vielen das Ideal des Industriestaats verwirklicht ist, und wo die Landwirthschast^gar keine Bedeutung mehr bat, giebt ein englisches Blatt, dieTimes", in ihrer Nummer vom 6. September 1900 da? Urtheil ab, datz trotz vieler Rückschläge die Landwirthschast die gröstte der englischen nationalen Industrien darstelle, und datz Niemand mit Gleichmuts; mit an sehen kann, datz ein großer Theis der ländlichen Bevölke­rung vom heimischen Bodeii verschwindet, um Die Uebervölkerung Der großen Städte noch mehr zu vermehren. (Hört! hört!) Das Blatt sieht einen bcachtenswerthen Zug in der Lage der englischen Landwirthschast, in dem Rückgang des mit betreibe bebauten Lan­des als eine unzweifelhafte Folge der niedrigen Preise. Ich weist sehr wohl, es giebt Leute, die sagen: Was kommt es darauf an, die gegenwärtige Generation von Landwirthen zu halten? Geht sie zu Grunde, so kommen A»»dere, die den vaterländischen Boden bauen. Mit demselben Recht könnte man das von der Industrie erklären und sagen: Was kommt es darauf an, ob ein Fabrikbesitzer zu Grunde geht? Es wird sich aus dem großen Kreide Der vor­handenen Leute schon Jemand finden, der die Fabrik übernimmt. Wenn die Preise nicht mehr die Bruttokosten decken, dann kann kein Mensch mehr die Landwirthschast treiben; Sie haben ja in Eng­land gesehen, datz dort zahlreiche Farmer z»i Grunde gingen. Ebenso haben auch bet uns zahllose Hochöfen ausgeblasen werden müssen, weil man die englische und amerikanische Konkurrenz nicht mehr aushalten konnte.

Nun hat man es in Der Lessentlichkeit so dargestellt, als ob Deutschland das einzige Land aus der Erde wäre, das die heilige

unsere Landwirthe

Zeiten des llebergang? vom Körnerbau zu überwiegender Vieh- hatltung konnten die'englischen Landkords leichter übertoinben als unsere Landwirthschast r5 können würde Diese englischen Grund­besitzer waren nur zum Theil Landwirthe, sie waren zum Theil Dergwerksbesitzcr, Fabrikanten u s. w. und behielten diese Ein­nahmen unverkürzt. Die englische Landwirthschast konnte deshalb die fdimcrc Zeit, die sich

Jähre 1840

einnahmen. Ein solches System kann man vielleicht in EnglandT der Preise nicht zur Folge gehabt haben. Nur ckach Zoll­durchführen, einem Lande mit so schwer abordabler Stufte; wenn erhöhung von 1887 trat eine vorübergehende Steigerung der Preise wir aber solche Zölle in Deutschland mit seinen offenen Grenzen und ein, aber Die hing mit dec Steigerung der Weltmarktspreise zu- sciner verhältnißmäßig leicht abordablen Seeküstc einführen woll- sammen. (Sehr richtig! rechts.) Unsere^Getreidepreise toerben ten, so müßten wir eine Armee unterhalten, um Den Schmuggel zu sich immer nach Dem Weltmarktspreise richten. (Unruhe links.) unterdrücken. (Sehr richtig! rechts.) Also das läßt sich bei uns Aber der Zollschutz hat allerdings den großen Vocthell. dag in nicht machen. Gesteht man aber zu, datz man mit Dem Freihandel Zeiten sehr reicher Ernten und großön .fremdländischen Angebots bei uns nicht durchkommt, daß wir uns in der Zwangslage befinden, verhindert wird, daß die Getreidepreise unter einen gewissen Schutzzölle zu erheben, wenn wir nicht ausgepowert werden sollen Mindestsatz hinunter rutschen. (Sehr richtig! rechts.) Diese von den anderen Staaten, dann ist es naturgemäß, daß wir setzt,! Garantie bieten die Zölle allerdings und Darin liegt em gewisser wo wir vor Dem Abschluß neuer Verträge stehen, in die ernste und Werth. (Unruhe links ) Der Abg. Molkenbuhr war iinpoesichtig. verantwortungsvolle Frage eintreten: Ist unser bestehender Zoll- Er berechnet den Mehrertrag, der Den reichsten Großgrundbesitzern tarif ein ausreichendes taktisches Instrument, um unsere nationalen, zusließen werde, auf 7. des ZollschutzeS. Da frage ich nun, tuen» wirthschaftlichen Interessen zn schützen? Aus diesem Gefühl der kommen Die übrigen Viertel Da zu Gute? Doch ledcnsallS den Verantwortlichkeit heraus haben die verbündeten Regierungen die mittleren und kleineren Grundbesitzern. (Sehr gut! reckitS und Aufstellung eines neuen Zolltarifs beschlossen und übernehiuen die nn Eentrum.) Wenn nach Karl Marx in denjPrtlsen nur das Verantwortung für Den jetzt vorgelegten Tarif uor der ! bezahlt wird, was an menschlicher Arbeit in dem Produkt liegt, wie G e s ch i ch t c und vor Der setzt leben Den Bevölkerung

rechts.) Es Darf ferner nicht vergessen werden, daß es keinen Er- wcrbsstand giebt, in dem man so leicht selbständig werden kann, wie in Der LanDwirthschaft. (Sehr richtig! rechts.) Unb, Das ist sozialpolitisch von großem Vortheil. In Der LanDwirthschaft kommen auf einen Selbständigen nur 2,2 Abhängige, während z. B. in D*>n Hütten« und Salinenwerken auf einen Selbständigen 139 Abhängige kommen. Darin liegt sozialpolitisch ein großer Vorzug Der LMiDwi'.thfchaft. (Lärm bei Den Sozialdemokraten.) Meine Herren (zu den Sozialdemokraten), Sie sind doch nicht Feinde Der LanDwirthschaft (Zurufe von Den Sozialdemokraten: Nein!), Sie sind Doch nur FeinDe Der Landwirthe, soweit sie übermäßige For­derungen stellen; ich meine also, Sie Dürfen mir hier Doch nicht widersprechen. Dazu kommt noch. Daß wir eine große Zahl von Leuten haben, Die Die LanDwirthschaft im Nebengewerbe betreiben; diese müssen wir zum großen Theil auch Den selbständigen Arbeitern zurcchnen.

Run hat Der Abg. Molkenbuhr eine Aeußerung gethan, Die mich überrascht hat: er meinte, Die ungünstige Lage Der Land- wirthschast rühre von ihrer technischen Rückständigkeit her. Ich kann ihm Durch unanfechtbare Zahlen Nachweisen. Daß er sich Damit im ^rrthum befindet. In Deutschland haben mir im Jahre 1896 auf einen Hektar durchschnittlich 14,81 Doppelzentner Weizen ge- erntet; für Rußland ist Die entsprechende Zahl 6, für Ostindien 5,63, für die Vereinigten Staaten 8,53 Doppelzentner (Hört! hort! recktS). Bei Roggen ist Die Zahl für Deutschland 12 für Ruß­land 7, für Die Vereinigten Staaten zwischen 8 und 9 Doppel­zentner. Eine LanDwirthschaft. die in einem Lande mit fo kurzer Vegctationszeit und fo ungünstigen klimatischen Verhältnissen, wie bei uns solche Erzeugnisse erzielt, kann nicht technisch cuckständig genannt werden. (Sehr richtigl rechts.) Darauf ist also die ungünstige Lage unserer Landwirthschast nicht zurückzufübre». son­dern auf ihre geringen Reinerträge. Ein Professor m Leipzig, ein Sachkenner allerersten Ranges, hat die Verhältnisse von 140 Muster- wirthschaften studirt und Dabei feftgeftcUt. daß die Getreidevrene der letzten Jahrzehnte eine Steigerung Der Erträge nicht mehr zu- ließen und Daß diese Preise die Landwirthe dazu führten, extensiv 3U wirthschaften, weil sonst die Bruttokosten viel zu hoch seien im Verhältnitz zum Reingewinn. Nun sagt man immer: Die Land­wirthe müssen den Getreidebau einsckränken und sich mehr Der Viehzucht zuwenden. Ick frage ein Mitglied Dieses hoben Haüses. das von der LanDwirthschaft nicht nur aus wissenschaftlichen Zeit­schriften, sondern aus praktischer Erfahrung Kenntnitz bat, ob es in unserem Klima möglich ist. abgesehen von einzelnen Land­strichen eine intensive Viebwirthschaft zu betreiben ohne eine intensive GetreidewirtHschaftl (Lebhafte Zustimmung rechts.) Vieh- wirthfchaft und Getreidebau gehen Hand in Hand; unser Klima »st nicht dazu geeignet, von selbst große Futterschläge zu erzeugen. (Sehr richtig! rechts ) Es ist eine Illusion, und nur Jemand, Der von der Landwirtbschaft nichts versteht, kann sich ihr hingeben. daß man eine große gewinnbringende Viehzucht treiben könne ohne Getreidebau.

Ich bin mir, ehrlich gesagt, zweifelhaft, ob Das so sicher ist, was die Herren von der Rechten annehmen, daß Deutschland in der Sage sein wird, seinen Getreide- bedarf selbst zu produziren. aber die eine Thatsacke steht fest, daß in Deutschland kein überflüssiges Getreide einge­führt wird, daß man von einer Ueberschwemmung mit Getreide nicht sprechen kann (Unruhe rechts). Denn Niemand führt unnütz Getreide ein. Aber der Druck und der Schaden für die deutsche LanDwirthschaft liegt Darin, daß sehr häufig große Getreidemassen pränumerando eingeführt werden und so auf Den Preis drücken. Man hat gesagt, durch unsere modernen Verkehrsverhälrniste werde unser Erdball zusammengedrückt wie ein Gummiball. Der Ver­gleich ist drastisch und wahr. Durch unsere Verkehrsverhältnisse sind Länder, die Tausende vonMeilen von uns entfernt sind, in eine geographische Marktlage gebracht, als ob sie vor unseren Thüren ständen. Dadurch ist es für unsere LanDwirthschaft so unendlich schwer, mit Ländern zu lonfurriren, wo die Arbeitslöhne minimal und für die Erhaltung der Viehzucht keine Anlagen zu machen find. Der Abgeordnete Molkenbuhr meinte, das amerikanische Getreide habe nicht nur die Kosten der Seefahrt ab Newyork, sondern auch die großen Binnenfrachten in Amerika selS»t zu tragen und sei doch noch billiger als das deutsche Getreide. Er übersieht dabei aber, daß diese Frachten in den letzten 20 Jahren zum Theil um '/« sich verbilligt haben. Solche Erscheiniingen mußten natürlich einen tiefen Einfluß auf unser landwirthschaftliches Gewerbe ausüben. Der Abg. Molkenbuhr hat berechnet, um wieviel der Werth des deutschen Ackerlandes steigen würde, wenn die von der Regierung vorgeschlagenen Zollsätze in Straft träten. Vorläufig steht aber jedenfalls noch nicht fest, ob überhaupt die Getreidezölle eine solche Erhöhung der Getreidepreise, wie er sie angenommen hat, zur Folge haben werde. Das ist eine so diffizile Frage, daß die Wissen­schaft bis jetzt sich noch nicht einig geworden ist. Thatsache ist jeDenfaU5, daß die früheren Zollerhöhungen eine wirkliche Erhöhung

Zahlen hin, daß 34 Prozent der Bevölkerung auf die Landwirthschaft Daraus folgt aber etwas Anderes, wie Die Herren Widersacher entfallen und etwas über 65 Prozent auf Die übrigen Erwerbs- meinen Wei! die Zustande so waien. daß wir mit scharfen vete- ftänDe, daß also Deutschland in steigendem Maße Industriestaat rinärpolizeilicheu Maßnahmen borgehen mußten, und zum Theil werde und jetzt die Interessen Der LaiiDwirthschaft für Die Ge- mit Einfuhrverboten, so konnte man nicht ersehen, wie Die Vieh- sammtheit nicht maßgebend sein können. Demgegenüber muß 'ck zölle auf unsere Fleischpreise wirken und was davon gnf Re.chnung zunächst feststellen, daß wir in Der Landwirthschaft über 18 Millionen^ der Einfuhrverbote zu setzen ist. Aber die Zeiteii können sich Menschen beschäftigt haben. Das ist eine weitaus größere Zahl, andern. Die anderen Staaten können so gut veterinär-polizeiliche

cornleagne knüpfte, sie folgende leichter ertragen,, gleiche finanzielle Einbuße würden überwinden können, dazu kommt noch, daß ein großer Theil des Grundbesitzes auf ande­ren Gebieten wieder gewann, was er an Packt verlor. Aber trotz­dem machen sich doch in England sehr bedenkliche Erscheinungen geltend. Nock vor kurzem hat man bekanntlich in England eine große Untersuchung übet diese Frage angcstellt Auch

in England hatte man die Landwirthschaft stets h,n-

gewiesen auf eine stärkere Kultur de> Viehzucht, das war Dort auch noch mehr berechtigt, als bei uns. weil England sich in Folge seiner Fruchtbarkeit in viel höherem Maße zur Viehzucht eig­net als Deutschland. Abe» selbst das durch das Klima so begünstigte England konnte seinen FleisckbeDarf nicht decken. In dei land- wirthschaftlichen Kommission ist sestgcstellt worden, daß In Groß­britannien das Ackerland von 18.25 Millionen Acres auf 15,91

l i ch e Frage. Wer die Entwicklung der letzten 10, 15 Jahre verfolgt hat, der wird zugeben müssen, daß zwar unsere Indiistrie wahrend dieser Zeit einen luuiiDctbarcn Aufschwung genommen hat. Das;_ dieser Aufschwung ober zusainmenfiel mit einem sehr ungünstigen decke n. Man. hat berechnet, daß 1 Hektar landw»rtHschaft 11ch ver - Zustand Der Landwirthschaft, Der herbeigesührt nnirhc 1 Hefts Durch wcndetes Land. 4'/, Stück Großvieh, ernähren kann; das mürbe. Die niedrigen, unzureichenden Preise, theils auch durch den noch das Großvieh zn 500 Kilo gerechnet, etwa 625 Kilo auf ^Hektar viel schwerer zu ertragenden Leutemangel eine ErschesNstug, Die....... < ** nZ

ich vom sozialpolitischen wiederhole vom sozialpolitischen -- und auch vom politischen StanDpunkt ans für sehr gesährlich holte. Die­ser Leutemangel zwingt uns Dazu, fremde Arbeiter zu Tauseuden über die Grenze bei uns emzuführen. Damit überhaupt Die Land- über Die Grenze bei uns einzusühren, Damit überhaupt Die Land­rechts.) Man muß also, wie gesagt, zugestehen. Daß unsere Land« wirthschast ui Derselben Periode, in Der Die Industrie einen so

Verpflichtung hatte, seinen Sofltarxf nicht zu anDern, obwohl er schon aus Dem Jahre 1813 stammt. Dem gegenüber weise ich Da­raus hin, was bei uns von Seiten Der Regierung erklärt wurde, daß, wenn andere Staaten ihre Schutzzölle erhöhen, auch wir nicht verpflichtet wären, auf dem unseren zu beharren; und wenn das den anderen Staaten nicht paßt, so mögen sie bedenken: Was Du nicht willst. Das man Dir thue, das thue auch feinem Anderen. Ich könnte einen Beweis geben, daß seit Absckstüß unserer Handels- Perträge eine große Zahl europäischer Staaten ihre Zolle wiederholt erhöht haben und zwar in geradezu prohibitivem Umfange. Also, was damals der Vertreter des Auswärtigen Amtes für nothwendig hielt, was andere Staaten thun, das soll dem deutschen Reiche nicht eilaubt sein! Wer auf diesem Standpunkte steht. Der besitzt keinen national en Stolz. (Große Unruhe links.) . . . Die letzten Worte des Satzes gehen in Dem Lärm verloren. (Zurufe: 12 000 Mark! Pfui!) Sie werden mir doch nicht bestreiten, daß Deutsch­land das Recht hat. seine Zölle zu erhöhen. Sie werden es doch unmöglich so hinstellen wollen, daß Deutschland nicht das Recht hat, seine Zölle zu verändern. (Zurufe. Präsident GrafB alle» ft rem : Ich bitte, die Zwischenrufe zu unterlassen!) Man kann darüber, ob Die Zölle berechtigt sind ober nickst, verschiedener Mei­nung sein. Ich sage nur, daß wir fo gut wie jeder andere Stacft Das Recht haben, unsere Zölle zu verändern, und

iver das bestreitet. Dem fehlt DaS Gefühl, Das

man haben muß für die Svuveränetät Des eigenen Staates. Be» Der großen Ausdehnung, die Die amerikanischen Trusts ge- tuonnen haben, wird schon eine große Zahl bon Zolltarifbestim- mungcn nothig, um Die Einwirkung dieser.Trusts,für uns unschäd­lich zu machen. Fürst Bismarck sagte einmal, wirthschaftliche Fragen mässen vollkommen unabhängig von politischen und inter- nationalen Fragen behandelt werden. Ich meine, die Genialität Des Fürsten Bismarck laa Darin, daß er es vevstaich,.;jeder Zeit das zu tluin. was im gegebenen Fall DaS Rechte war (Lachen links), und daß er auch stark'genug war. offen eine bisher festgebaltene Ansicht tilifzugeben, und ich glaube, wenn Dieser große Staatsmann noch unter uns weilte, würde er Die Ansicht, Die er damals ausgesprochen hat, nicht mehr aufrecht erhalten. ES ist unzweifelhaft, daß seit 20 bis 30 Jahren unser ganzes volkswirlhschaftliches Denken so ver­tieft ist. Daß votköwirthschaftliche Fragen so in Den Vodergrund ge­drungen sind, ist ja auch Das sozialdemokratische Parteiprogramm in seinen wesentlichen Zügen nickst politischer, sondern volkswirth- schafftick^r Natur, auch das volkswirthschaftliche Verständmß so gewachsen ist. Daß man sagen kann, alle großen, internationalen Fragen, wenn man sie ans ihre letzte Wurzel reduzirt, sind eigent­lich wirthschaftliche Fragen; und Deshalb kann man, meine ich. Den Grundsatz .»nfstellcn. Daß ohne Weiteres wirthschaftliche Fragen in engem Zusammenhang mit Fragen der Politik stehen. Ich habe ans der MlcDc des Grafen Schwerin herausgelesen. Daß er und seine Partei, vielleicht auch Die Landwirthe überhaupt, mit Den laiidlvirthschaftlichen Zöllen, Die Die verbündeten Regierungen nach reiflicher Erwägung vorgeschlageii haben, nicht zufrieden sind. Ge­statten Sie mir zu diesem Punkt Ihnen zu bemerken: $e höher Die Getreidezölle sind. Desto schwieriger ist es, sie in Zeiten hoher Getreidepreise aus rechtzuerhalten. So sah stck Frankreich im Jahre 1398 gcnöthigt, seine Getreidezölle zu siispendiren. Wir sind Dieser Maßregel nicht gefolgt. Aber in Dem Maße, in Dem Sie Die Zölle höher normiren wollen, liegt Die Ge­fahr einer Suspension näher; und eine Suspension »st eine be­denkliche Sache. Bei Dem lebhaften Gefühl Der Beunruhigung, DaS sich unserer LanDwirthschaft nach Dem Abschluß Der Handelsverträge bemächtigt hatte, und bei der schwierigen Lage, in Der sie sich be­fand, hielten wir es für unsere politische Verpflichtung, autoritativ zu erklären, mit welchen Getreidezollsätzen wir gewillt sind, in handelspolitische Verhandlungen zu treten. Wir haben Die Zölle eingesetzt. Die wir bei handelspolitischen Verhandlungen vertreten fönnen Wenn Sie Diese Sätze erhöhen, fo nothigen Sie uns, unter Umständen zur Vertretung von Getreidezöllen, Die wir nur nach ihrer Auffassung vertreten sollen. Es kann Dann sehr leicht ein Zwiespalt cintreten zwischen Dem. was wir können, und dem, was wir sollen, und dadurch ivird der Werth Der Minimalzölle, wie er gesetzlich festgelegt ist, arg in Gefahr gebracht. Die Herren, welche fürchten, daß wir bei Den vorgeschlagenen Zöllen nicht zu neuen Handelsverträgen kommen können, mache ich Darauf aufmerksam, daß Deutschland einen Einfuhr-Ueberschuß von einer Milliarde hat, daß wir der beste Käufer Der Welt sind, und daß wir gewillt sind, mit dem festen Vorsatz in Die hanDelspolitische Verhandlung mit befreundeten Nationen zu treten, einen gerechten Ausgleich der In­teressen herbeizufvhren, daß wir aber auch in diese Verhandlungen mit dem Sesbstbewußtsein eintreten werden, zu Dem wir berech­tigt sind durch unsere wirthschaftlichen Leistungen und unsere wirth- schasiliche Stellung in Der gebildeten Welt. (Lebhafter Beifall rechts und im Eentrum.)

Abg Dr. Spahn (Gtr.)t Wenn wir für einen erhöhten Schutz oet heimischen Landwirthschaft cintreten, so können Sie (links) uns nicht vorwersen, daß wir das aus Parteiegoismus thun. denn Die Eenirumswähler setzen, sich aus Mitgliedern fast aller Berufskreise zusammen, die überhaupt in Deutschland vertreten find, und wir sind ftoU auf diese Zusammensetzung unserer Partei. Wir stehen Dem Zolltarif nid)1 deshalb freundlich gegenüber, weil wir von den Landwirthen gedrängt werden, sondern aus innerer lieber» zeugung Der Abg. Molkenbuhr sagte gestern, die Schutzzollpolitik züchte nu» Millionäre Nun, meine Herren, unter den 6000 Millionären, die es in Deutschland giebt, ist kein einziger Landwirth. (Widerspruch links.) Der Schöneberger Millionenbauer kommt nicht in Betracht. Die bisherigen Tarife sind industrielle gewesen, der neue Tarif ober muß den Charakter eines agrarischen Tarifs aufweisen. Der Rückgang der Rentabilität der Landwirthschaft ergiebt sich aus dem Nückgange der Preise für Weizen und Roggen, au5 der Zunahme ver Schulden und au§ Der Steigerung der Arbeitslöhne in Ver­bindung mit dem Abzüge landwirthschaftticher Arbeiter nach der Stovt. DoS Reick hat ein Interesse Daran, es zu verhindern, datz die riondwirthschost in der Rentabilität zurückgeht, um die <ÄnkornmenS- und Bevölkerungsvertheilung gleichmatzig zu erhalten, und um Damit den inländischen Absatzmarkt unserer industriellen Produkte zu stärken. Der Reichstag an sich hat ein politisches Interesse daran, weil wir duich die Erhaltung der landwirthschaftlichen Besitzer uns eine große Zahl selbständiger Wähler sichern. Wenn der Abg. Graf. Schwerin-Löwitz gestern in Betreff der M i n i m a l z ö l l e sagte, daß ohne eine Erhöhung derselben das neue Ge;etz nicht zustande kommen würde, so möchte ich nicht annehmen, daß in dieser Hin­sicht das letzte Wort von ihm gesprochen ist.

Meine Freunde sind an sich für einen Minimal­tor i f, über Die Sätze müssen wir uns weitere Erörterungen in der Komwi'sion Vorbehalten. Es kommt für die Hohe der Sätze im einzelnen unter Anderem in Betracht, wie die Sätze für Diejenigen Artikel uormirt werden, deren Zollerhöhung von der Landwirthschaft mit getragen werden müßte. Die landwirthschaftlichen Zölle bringen den heimischen Landwirthen unzweifelhaft Vortheile, denn der Zoll muß vom Auslände getragen werden; daraus aber läßt sich nun keineswegs folgern, daß sich der Preis der Produkte steigert, denn er ist abhängig vom Weltmarktpreise, und dieser sinkt, wenn Produkte, die einen Weltmarktpreis haben, wie Weizen und Roggen, durch die Zollerhöhung von Deutschlands Grenzen weg nach London ge­trieben werden, in Folge besten geht dann der Inlandspreis um den Betrag des Sinkens des Weltmarktpreises unter den Zollsatz herunter. Die BroDvertheuerustg ist aber mit abhängig auch von anderen Fak­toren. Die arme Wittwe soll zu ihrem Recht kommen durch die Vertheilnng Der Mehreinnahmen aus den landwirthschaftlichen Zöllen. Der Reichstag hat ja bereits beschlossen, daß diese zu sczialen Zwecken Verwendung finden sollen, wir besitzen ja auch Die Erklärung des Reichskanzlers vom 12. Januar 1900, derzufolge diese voraussichtlichen Mehreinnahmen im Wesentlicken zur Steige­rung der Wohlfahrtseinrichtungen Verwendung finden sollen, und es wurde damals speziell gesprochen von der Wittwen- und Waisen­versorgung. Das Intereste des Konsumenten wird dadurch berück­sichtigt werden, daß wir nur Die als VeDürsniß nachweisbare Er­höhung der Zölle bewilligen werden. Auch der Konsument wird mit