Ausgabe 
4.9.1901 Erstes Blatt
 
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«rhtorfCn. M- »Seite greift jenseits Ves Sanaw h^bcn die Erfahrungen auf den Südafrikanischen Gefechtsfelteim wie &e Offenbarung von etwas ganz Neuem gewirkt, und nun taucht die Meinung auf, daß der Buren-Krieg überhaupt ein Musterbild des modernen Krieges sei. Wie wenig er das ist, ergiebt sich aus der einfachen Erwägung, daß wir für unsere Verhältnisse nur wenig unmittelbare Lehren aus ihm ziehen können. Sollte jenseits des Kanals die er­wähnte Richtung zur herrschenden werden, so würden dem Englischen Heere neue Enttäuschungen in etwaigen Euro­päischen Kriegen voraussichtlich nicht erspart bleiben. Für das übrige Afrika paßt die Burenkrieg-Taktik noch weniger und auch für Indien nicht ganz.

Ebenso anfechtbar ist die Behauptung, daß Südafrika einstrategisches Zentrum" für die Verteidigung des Mut­terlandes wie Indiens sei. In letzterer Beziehung läßt sich der Gedanke noch verteidigen; für das Mutterland könnte ater eine Reserve, die bis zum Ziel drei Wochen Seeweg zurückzulegen hat, kaum in Betracht kommen. Sollte der Boden des Vereinigten Königreiches einmal ernstlich in Gefahr kommen, so werden sich die Tinge dort schnell entscheiden. Jeder Angreifer müßte durch Ueberraschung zu wirken suchen. Es fragt sich überhaupt, ob die Sicher­heit des Landes es gestatten wird, dauernd einen beträcht­lichen Teil des regulären Heeres zu Uebungszwecken außer Landes zu halten.

Trotz all dieser Einwendungen, denen sich die leitenden Männer Englands zweifellos nicht verschließen werden, sind die Chancen der Verwirklichung des in Rede stehenden Planes nicht schlecht.

Wenn wir es auch noch nicht ausgesprochen gelesen haben, so dürste der treibende Gedanke hierbei der folgende sein: Auch nach dem mehr oder weniger scharf hervor­tretenden Ende des Buren-Krieges wird es für Jahre so wie so nötig sein, eine beträchtliche Truppenmacht im Lande zu halten. Dieser wenig erfreulichen Thatsache würde die Spitze abgebrochen, wenn die Truppen unter der Marke taktische Ausbildung" dort zur Hand wären. Eine zeit­weilige Ablösung müßte so wie so stattfinden. Und dieser militär-politische Gedanke geht in einen rein politischen über, intern man hofft, daß manche entlassene Soldaten, nachdem sie das Farmerleben kennen gelernt, als Ansiedler im Lande bleiben, und so das Englische Element in Süd- Afrikai stärken werten. Auch einer besonderen Gefahr, die das Benutzen Südafrikas als Manöverfeld nach sich ziehen würde, verschließt man sich nicht; des voraussichtlichen Abströmens einer Anzahl von Soldaten, die ihrer Dienst­pflicht genügt haben (oder vielleicht auch nicht), nach den hohe Löhne zahlenden Gold- und Tiamantminen des Landes. Aber man glaubt, diese Gefahr nicht allzu hoch einschätzen zu dürfen.

Die Handelsgesellschaft itt Nauheim*),

hi n.

Was aus der Gesellschaft schließlich wird und was die Aktionäre von ihrem Besitz, den sie vielleicht zu 250 und mehr Prozent erworben haben, überhaupt noch retten können: Tas wissen die Götter; vielleicht auch die Banken. Tenn sie spielen eine sehr große Rolle in der Geschichte der Nauheimer Gesellschaft. Und da mir hier vergönnt ist, wieder eiinmal ein bischen den Vorhang zu lüften, hinter dessen Falten sich scheu allerlei Gelpnmftagen der mo­dernen Finanztechnik verstecken, so will ich die Gelegen­heit zu nützlicher Indiskretion nicht Vorbeigehen lassen. Mit 'der Nauheimer Gesellschaft shcmd nämlich in engster Ver­bindung die Berliner .Handelsgesellschaft. Zwar gab es offiziell eine solche Verbindung nicht. Tenn die Berliner Direktoren lvaren ja gar nicht im Aufsichtsrat vertreten. Sie hatten nicht einmal zu festen Kursen Aktien übernommen. Als sie die Akften einführten, warsKommission". Als sie die Kurse in die Höhe trieben:Kommission". Dafür aber untren in den Büchern der Handelsgesellschaft die Nauheimer mit einem ganz hübschen Schuldbetrag zu finden. Bei der Feuerfesten, die überhaupt in gewissem Sinn eine unverkennbare Ähnlichkeit mit den Kasseler Trebertrocknern zeigt, ist der Anstoß zur Aufdeckung der Schwindeleien wohl auch durch die Konkurrenz gegeben worden. Und zwar hantelte es sich hier in erster Linie um die Gerresheimer Glasfabrik und die Glasfabrik von Friedrich Siemens in Dresden. Tiefer Dresdener Fabrik steht die Berliner Han­delsgesellschaft sehr nah, da einer ihrer Direktoren, Herr Justizrat Winterfeld, im Aufsichtsrat ter Siemensgesell- "schaft sitzt. Ganz ähnlich wie bei den Trebern, so entspann sich, im Anschluß an die Angriffe ter Konkurrenz, auch hier zwischen Herrn Boeing und feinen Gegnern eine heftige Fehte, die zum Teil auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege der Annoncen, zum Teil durch Zirkuläre ausgefochten wurde. Herr Boeing beschuldigte in diesen Zirkularen auch die Berliner Handelsgesellschaft, daß sie hinter den aus der Siemensgegend stammenden Angriffen stecke, und daß ihr nur daran gelegen sei, die Nauheimer Glashütten billig ter Siemensgesellschaft zuzuschanzen, von der man "gerate damals erzählte, sie sei durch eine hygienische Ver­ordnung der Polizei gezwungen, ihren Betrieb aus Dresden wegzuverlegen. Tie Handelsgesellschaft verwahrte sich energisch gegen solche Beschuldigungen. Doch« wird man die Entpfindung, daß annähernd Aehnliches mitgespielt habe, schon deshalb nicht lo§, weil jetzt, wo die Nauheimer Gesellschaft thatsächftch am Abgrunde steht, und eine Sa­nierung schwer möglich scheint, von der Berliner Handels­gesellschaft und ter nun auch an der Sache interessierten Bergisch-Märkischen Bank die Verpachtung ter Nauheimer Glashütten an die Siemensgesellschaft empfohlen wird. Uebrigens sind die Banken auch nicht von der Anklage freizusprechen, sie hätten durch eine allzu reichliche Kredit­gewährung noch in den letzten Jahren die Nauheimer Gesellschaft mehr engagiert, als im Interesse der Aktionäre zu wünschen war. Das wäre nur zu erklären, wenn man an nehmen müßte, daß die Bankengruppe sich den Haupt­einfluß auf das weitere Schicksal der Gesellschaft sichern wollte. In der letzten Generalversammlung ist diese An­sicht auch vielfach zum Ausdruck gekommen; und es war jedenfalls nicht besonders klug von .Herrn Roland, dem Direktor der Bergisch-Märkischen Bank, daß er nach einem mir vorliegenden Bericht ungefähr sagte: Ta von vielen Aktionären anerkannt werde, das Schicksal des Unter­nehmens hänge von dem Verhalten der Banken ab, sei es doch zum mindesten taktisch recht unklug gehandelt, wenn man gegen diese Banken beständig neue Angriffe richte. Tas heißt, aus tent vorsichtig Diplomatischen ins grobe Unterthanenteutsch übertragen: Wir haben Euch in der Hand; reizt uns also nicht; sonst braudjen mir Gewalt. Ein Aktionär sagte, er habe noch vor ein paar Tagen den

* Aus derZukunft", Verlag der Zukunft in Berlin, Friedrichstraße 10.

Standpunkt vertreten, man müsse der Berliner Handels­gesellschaft für die dem Unternehmen geleistete Hilfe dank­bar jein. Er sei aber stutzig geworden, als der Pacht­vertrag mit Siemens vvrgelegt wurde und S?err Justizrat Winterfeld dem Vorsitzenden kategorisch erklärte: Entweder werte ter Pachtvertrag angenommen oder er lasse das Unternehmen in Konkurs gehen und erwerbe es dann für ie zwei Millionen Obligationen. Tas ist eine Sprache, die an Deutlichkeit eigentlich nichts zu wünschen übrig laßt.

Wtttische Tagesschau.

Zur Thronfolgefrage in Serbien geht ter Voss. Ztg." eine überraschende Meldung zu. In Belgrad pricht man davon, daß Nikodje Ljunewitza, der weite Bruder der Königin Traga, zum serbischen Thronfolger ausersehen sei. Wir geben dieses Gerücht mit Vorbehalt wieder, da ein solcher Wunsch des serbischen Hofes, wenn er thatsächlich bestehen sollte, auf mehr als einer Seite Widerstand Hervorrufen würde.

Im Resitenzschloß Amalienborg empfing der König von Dänemark am 1. September einen großen Volkszug, bestehend aus Vertretern fast aller Gemeinten des Landes und zahlreichen anderen Teilnehmern, insgesamt etwa 8000 Personen, welche dem König für den erfolgten Minister- wechsel den Tank abstutten wollten. Eine besondere Ab­ordnung begab sich .ins Palais, wo sie vom König, ter umgeben war von den Mitgliedern ter königlichen Familie und den zur Zeit hier weilenden Gästen, empfangen wurde. Der Wortführer der .Deputation sprach dem Könige den Tank aus, weil er im entscheidenden Augenblicke gesehen habe, daß ein Ministerwechsel notwendig fei, wenn die politische Arbeit auf friedliche und fruchtbare Weise weiter­geführt werden solle, und weil der König sein Vertrauen der großen Mehrheit des Volkes zugewandt habe. Hierauf erwiderte der König etwa folgendes:Ich danke den Herren, die teilweise von weit her gekommen sind, um mich zu begrüßen. Auck) für mich hat ter 23. Juli die Bedeutung eines Merktages, der hoffentlich die Einleitung bilden wird zu fruchtbarer Arbeit für das Wohl des Vater­landes. Ich habe meine jetzigen Ratgeber im vollen Ver­trauen auf ihre Tüchtigkeit und Vaterlandsliebe berufen, und wie ich überzeugt bin, daß dieses Vertrauen nicht ge­täuscht werden wird, kann das Ministerium von jeder Unter» tützung meinerseits überzeugt sein. Ich baue fest daraus, daß die große Mehrheit des Volkes, welches durch die ine Berufung dieses Ministeriums seine Wünsche erfüllt sieht, nun durch Thctten beweisen wird, daß es nicht nur versteht, feine 23ertrauenSmänner als Führer der Opposition zu unterstützen, sondern auch in der ungleich schwereren Ausgabe als verantwortliche Leiter der Regierung. In der Hoffnung, daß die nun eingetretene Veränderung Friede und Einigkeit zum Wohle und zum Glück des Vaterlandes fd)affen wird, bitte ich Sie, meine herzlichsten Grüße allen denen zu entbieten, in deren Namen Sie gekommen sind." Unter begeisterten Kundgebungen der auf dem Schloßplatze versammelten tausendköpfigen Menge brachte ter König hierauf vom Balkon aus ein Hoch auf dös dänische Vaterland aus. Bei einem nachmittags stattgehabten Festmahl betonte der Ministerpräsident, daß die Hauptaufgabe des Ministeriums i)ie Durchführung einer Reform des Justizwesens mit dem Jurysystem in politischen und Kriminalsachen, die Ein- etzung einer Kommission zur Regelung des Verteidigungs- vesens, die Aufbesserung der Gehälter der kleinen Beamten vwie durchgreifende Reformen des Steuerwesens sei.

Zum Gumbinner Mordprozeß wird in der Deutschen Juristenztg." bemerkt:Im Gumbinner Mord- irozeß soll ter Staatsanwalt nach Zeitungsberichten fol­gendes gesagt haben:Wo der Thäter ermittelt ist, muß auck) die Strenge des Gesetzes walten. Auf Mord stehl Todes- trafe, und vor Todesstrafe schreckt man gemeinhin zurück. Man klammert sich an ein Minimum, wenn die positive Unterlage fehlt. Ich bitte Sie also, nicht auf Mord, sondern meinem Anträge gemäß auf Totschlag zu erkennen." Es ist unglaublich, daß ein Staatsanwalt so etwas gesagt haben oll, und es ist auffallend, daß der fungierende Staats­anwalt, dem diese Worte in den Mund gelegt werden, die betreffenden Leitungen zu einer Berichtigung noch nicht aufgesordert hat."

Kolonialpost.

Zur Expedition nach dem Benns schreibt man: Der Oberleutnant Dominik, der am Sonntage die Fahrt nach Westafrika angetreten hat, begiebt sich zunächst nach Liberia, um dort Krickente anzuwerben. Diese eignen sich besser zu Expeditionen weit ins Innere, als wenn man z. B. Mann­schaften in Togo angeworben hätte, die noch vollkommen Neulinge in solchen Dingen sind. Der Expedition wird eine kleine Abteilung der Schutztruppe in Kamerun beigegeben. Die Karawane zieht von Sanaga aus nordwärts durch Ada- mana nach dem Venus; auch dieser Zug einer westlichen Expedition durch das Land wird das Ansehen der Deutschen dort stärken. Das Auftreten der Franzosen in den Landstrichen am Sanga - und nördlich vom Ubangi bis zum Schari be­stärkt diese Annahme, Nachdem die ersten französischen Forscher in diese Gebiete eingedrungen waren, wie Cholet 1890 nach dem Sanga, rückten fast alle Jahre neue Ex­peditionen nach. Sie machten sich mit den Eingeborenen bekannt und gewannen ihr Vertrauen, [intern sie Sicherheit brachten und den Hgndel schützten. Durch Errichtung fester Stützpunkte machten sie es den Stämmen klar, daß sie die Herrschaft hatten und dauernd auch üben wollten. Stuf diese Weise gelang es ihnen, schrittweise vorzurücken. Das Er­scheinen immer neuer Expeditionen von großer Stärke brachte den Eingeborenen das Gefühl bei, daß man einen überstarken Gegner vor sich habe, gegen den ein Kampf nutzlos sei. Die Besiegung und Vernichtung Rabehs hat natürlich diesen Ein­druck befestigt. Dasselbe Verfahren müssen auch wir ein­schlagen, wenn der Zug nach Norden wirklichen Nutzen bringen soll. Daß Nachschübe und Ergänzungen erfolgen müssen, versteht sich von selbst. Doch liegt die Wahrschein­lichkeit nahe, daß der Oberleutnant Dominik an Ort und Stelle ein gutes Menschenmaterial sowohl für militärische wie für andere Zwecke vorfinden wird. Die Hanssa, die in den durchzogenen Landstrichen überall zerstreut sind, werden als die besten Soldaten im ganzen westlichen Sudan ge­schätzt. Daß er sein Augenmerk auch auf ihre Anwerbung gerichtet hat, läßt sich daraus entnehmen, daß er den Lektor des "Arabischen tm Orientalischen Seminar. Muhamed Beschir aus Tunis mitgenommen hat. Dieser wird sich leicht und gut mit den moslimischen Haussa verständigen können.

Ans Stadt Md §and.

Kzchrichten von allgemeinem Interesse fefe UNS stets willkommen und werden apflonNTw honoriert.

Gieße«, 3. September 1901.

* * Treppenbeleuchtung. Mit ter ftüher eintretenden Duickelheit wollen wir nicht verfehlen, bie Besitzer und Ver­walter von Grundstücken an die Flur- und Treppenbeleuch­tung zu erinnern. Die Meinung, daß letztere nur während bestimmter Monate einzutreten habe, ist falsch. Die Beleuch­tung der Treppen hat vielmehr ohne Rücksicht auf die Jahres­zeit stets vom Beginn ter Dunkelheit bezw. von dem Zeit­punkte an, an welchem die Straßen öffentlich beleuchtet werden, anzufangen und so lange anzudauern, bis das Haus verschlossen zu werden pflegt.

* Anmeldung von Patenten. Der Patentliste der Patent­anmelder Geffon u. Sachse in Berlin zufolge sindj aus Hessen ölgende Patente angemeldet worden: Expansionssteuerung von Fr. Schulten in - Mainz, Preße zum stufenweisen Ziehen von Flaschenkapseln von C. Collin in Offenbach a. M., Maschine zum Ausfräsen von Ellipsen von C. Nube in Offenbach a. M.

Das Handwerk dem Untergang geweiht? Diese Frage wird in dem von der Arnsberger Handwerkskammer pro 1900 erstatteten Bericht in folgender sehr beachtenswerter Weise beantwortet: Die Behauptung, das Handwerk sei dem Untergang geweiht, kann nur von Leuten aufgestellt werden, die mit geschloffenen Augen im wirtschaftlichen Leben der Gegenwart stehen. Wie können z. B. die zahlreichen Zweige des Bauhandwerks, Maurer, Zimmerer, Dachdecker, Installa­teure, Klempner, Schlosser, Schmiede, Anstreicher, Stein­metze, Sttlckateure, jemals durch Maschinenbetrieb ersetzt werden? Aber auch die andern Handwerke, welche mit dem Baugewerbe nichts gemein haben, wie Bäcker, Metzger, Uhr­macher, Drechsler, Sattler und schließlich auch die vielbe­dauerten Schneider und Schuhmacher werden niemals von dem Großbetriebe aufgesogen werden. Sstbstredend kann das Handwerk heute vielfach nicht mehr so Üusgeführt werden,, wie zu Großvaters Zeiten, sondern der Handwerker muß der Entwickelung, die unser wirtschaftliches Leben genommen hat, ölgen, unb wo er fürchtet verdrängt zu werden, zur An- ertigung von Spezialitäten übergehen. Die Schuld, daß der Handwerkerstand in den letzten Jahren zurückgegangen, liegt nicht allein in dem rapiden Anwachsen der Großbetriebe, andern auch vielfach am Handwerker selbst, der es nicht ver- tanden hat, der wirtschaftlichen Entwickelung zu folgen. Der Handwerker unserer Zeit muß auch Kaufmann sein, und roO' die kaufmännischen Kenntnisse mit der Technik des Handwerks zusammen verbunden werden, kann von einer Unterdrückung des Handwerks keine Rede sein.

Q Grünberg, 2. Sept. Es ist eine schöne Sitte, all­jährlich den Gedenktag der Schlacht von Sedan durch ein Jugend- und Volksfest zu feiern. Auch gestern nach­mittag bewegte sich ein aus den Schülern der Volks- und höheren Bürgerschule sowie sämtlichen Vereinen der Stadt bestehender Festzug unter den Klängen des voranschreitenden Musikvereins durch die Stadt nach dem Festplatze an der Gießener Straße. Hier scharten sich die Zugteilnehmer um den ^Festredner, Rektor Dr. Bu jch, der mit begeisterten Worten auf die Bedeutung des deutschen Festes hinwies. Er gedachte auch der auf die Entfaltung des deutschen Reiches und die Wohlfahrt aller Berufsstände gerichteten Bestrebungen des Kaisers. Die Schüler der einzelnen Klassen veranstalteten odann Wettspiele, und unter dem Jubel der zahlreichen Zu- chauer nahmen die Sieger die seitens der ^>tadt gestifteten 3reife in Empfang. Nachdem sich so Jung und Alt einige Stunden ergötzt, ging es abends im Zuge wieder zurück bis auf den Marktplatz, wo sich nach einer mit einem Hoch auf Großherzog Ernst Ludwig schließenden patriotischen Ansprache des Lehrers L a u b e r der Zug auflöste. Im Laufe dieses Monats findet hier die Gemeinderatswahl statt. Es scheiden aus die Stadträte Frank, Sehrt und Trinkaus; außerdem ist ein weiteres Mitglied für den durch Wegzug ausgeschiedenen Rentner Dippel zu wählen. Der Tag der Wahl ist noch nicht festgesetzt.^

X Stangenrod, 2. Sept. Unser neuerbautes S ch u l h a u s oll am 15. d. M. feierlich eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden.

Bleicheubach, 1. Sept. Gelegentlich der Kirchweihe hier wollte ein Kellner eine Lampe mit Del füllen. Wie dies so häufig geschieht, löschte man die Lampe nicht aus, andern schraubte den Brenner ab. Die Flamme schlug so- ort in die Ampel hinab, und das brennende Oel ergoß sich auf den Boden. Auf den RufFeuer", entstand sofort eine Panik nach dem Ausgang zu. Besonnene Gäste schafften wieder Ordnung, so daß keine Unglücksfälle vorkamen. Welches Unglück hätte entstehen können, wenn die gefüllte Oelkanne explodiert wäre. Das auf dem Boden brennende Oel wurde mit Mühe gelöscht.

h. BadNauheim, 2. Sept. Die Herzogin von An­halt ist zum Kurgebrauch hier eingetroffen. In ihrer Be­gleitung befindet sich die Hofdame Freiin v. Ende. Wie in jedem Jahre wohnt sie auch diesmal in der Nähe der Prin­zessin Christian von Schleswig-Holstein im oberen Teile Nauheims, nicht wPt vom Kurhaus. Die zahlreich vertretenen Amerikaner lieben es mehr, in der Nähe der Badehäuser zu sein. Diese Gegend hat sich auch General- Oberst v. Hahnke ausgesucht. Im Ganzen ist überhaupt die Nachkur sehr gut. Es kommen noch täglich zahlreiche Gäste an, und die vielen amerikanischen vornehmen Familien, die mit Automobils hier weilen, zeigen noch keine Neigung, ihre Kur zu beenden. Die amerikanische Kolonie, die im Hochsommer etwa 2000 Mitglieder stark war, zählt noch immer über 500 Personen. ___

Vermischtes.

* Leipzig, 31. August. Die hiesige Polizei hat im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Verbreitung und den Ver­kauf von im Drucke erschienenen Spottliedern auf die Leipziger Bank und die Caffeler Treberttocknungs-Gesellschaft verboten. , , L

Neuwied, 31. August. Gestern abend wurde am Casbacher Tunnel ein Radfahrer namens Stteldorf aus Erpel, der für feine Mutter einen Arzt in Linz holen wollte, von drei Italienern ermordet. Die.Italiener hatten auf