10000 Mk. auf die Nrn. 10 732 und-463 415, je 5000 Mk. auf die Nrn. 48 300 und 299112.
** Die Volkszählung vom 1. Dezember 1900 ergab für die Provinz Starkenburg 489 512 (gegen 444 562 in 1895), Oberhessen 282 047 (gegen 271524), Rheinhessen 348 334 (gegen 322 934), zusammen 1 119 893 Seelen (gegen 1039 020 in 1895).
** Busf-Gießen-Strauß-Konzert (am 4. Dezember im Klub» Wale). Vor wenigen Tagen haben die beiden ausgezeichneten Künstler in Wiesbaden (27. November) mit schönstem Erfolge konzertiert. Der „Rhein. Kur." berichtet darüber wie folgt:
Die große Beliebtheit, deren sich Kammersänger Buff-Gießen in unserer Stadt erfreut, hatte nicht verfehlt, den Saal bis auf oas allerletzte Plätzchen zu füllen. 17 Gesänge von Richard Strauß waren es, mir welchen der Künstler uns erfreute. Bei der doppelt vorzüglichen Interpretation: durch den Komponisten selbst und durch einen so stimmbegabten, intelligenten Künstler wie Herr Buff, konnte es beim auch nicht fehlen, daß sämtliche Nunnnern Erfolg zu verzeichnen hatten. Sehr sympathisch berührten die drei „Mädchen- lieder" von Felix Dahn, die beiden Makay'schen Dichtungen „Morgen" und „Heimliche Aufforderung", welch letztere auf stürmisches Verlangen wiederholt werden nmßtc, und die Klopstock'sche Ode „2ln Sie". Das Schlunlied „Kling" von St. Henckel mit dem Leck und übermütig herausgeschmetterten hohen C entfesselte einen solchen Beifallssturm, daß die Künstler sich noch zu einer Zugabe entschließen mußten.
** Ein böser Bubenstreich. Ein empörter Vater schreibt uns: Am Samstag Mittag um 12% Uhr wurde ein acht- Zjähriges Mädchen bei der Johanneskirche ohne allen Grund von Schülern überfallen, zu Boden gerissen, mißhandelt und seines Strickbeutels beraubt. Das Kind wurde übel zugerichtet. Die Haare hatten ihr die Lümmel heruntergerissen, das Kleid war von oben bis unten beschmutzt, die Mütze teilweise zerrissen und der Strickbeutel war, trotz eifrigen Suchens der kleinen Begleiterinnen des Mädchens, nicht mehr zu finden. Jedenfalls haben die frechen Buben den Strickbeutel als Trophäe mitgenommen. Schreiber dieses ist schon öfter Zeuge von derartigen Lümmeleien gewesen und wundert sich nur, daß nicht schon mehr dergleichen Bübereien an die Oeffentlichkeit gekommen sind." — Es ist zu hoffen, daß die Bengels ermittelt werden und ihnen ein ganz gehöriger und recht fühlbarer Denkzettel zu teil wird.
** Maria Reisenhvfer, die am Dienstag den 10. Dezember im Theaterverein gastiert, hat in den Schon- fenstern der Herren Frees, Hirz und Challier einige Bilder ausgestellt, welche sie in verschiedenen ihrer Rollen zeigen. Tie Künstlerin glänzt bekanntlich nicht nur durch ihre Kunst, sondern auch durch ihre Schönheit, die oft von Malern im Bild festgehalten wurde.
** Buchhaltungskursus für Handwerksmeister. Die Zentralstelle für die Gewerbe in Darmstadt macht bekannt: Der Buchhaltungs-Kursus für Handwerksmeister wird im Dienstgebäude der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe (Darmstadt, Neckarstraße 3) am 3., 4., 6. und 7. Dezember, von abends 7 bis 10 Uhr abgehalten. Das Unter» richtsgeld beträgt 5 Mark. Die erforderlichen Hefte rc. werden unentgeltlich geliefert. Anmeldungen sind an die unterzeichnete Behörde zu richten.
sh. Schlitz, 27. Nov. Im Frühjahre 1900 wurde die Kiesige Privatschule in eine höhere Bürgerschule umgewandelt. Diese benutzte die Räumlichkeiten der Privat- ischule in der gräflichen Vorderburg. Graf Görtz hat aber !die weitere Benutzung gekündigt, da er die Räume zu Ar- beiterwohnungen umbauen will. Die Stadt ließ daher in der geräumigen alten Distriktseinnehmerei geeignete Säle Herrichten, die recht schön und freundlich ausgefallen sind. Ein Schulverwalter und die Schuldienerin werden auch darin wohnen. In der nächsten Woche wird der Unterricht in den neuen Räumen begonnen werden.
Mainz, 1. Dez. Professor Dr. T r ö l t s ch aus Karlsruhe hielt gestern einen Vortrag über die „deutschen Eisenbahnen". Die Frage, ob Privatbahn oder Staatsbahn ist in Deutschland durch den fast allgemeinen Uebergang zum Staatsbahnsystem gelöst, 94 Pvoz. aller deutschen Bahnen sind Staatsbesitz, die größte Strecke, die sich noch in Privat
besitz befindet, ist die pfälzische Bahn. Im allgemeinen Interesse ist die Staatsbahn der Privatbahn vorzuziehen. Auf den süddeutschen Bahnen sind billigere Personentarife in Kraft als in Preußen, dagegen hat Preußen die billigere vierte Klasse, für welche in Süddeutschland schon um deswillen keine Sympathie vorhanden ist, weil durch dieselbe ein neuer Klassenunterschied in die Bevölkerung getragen wird. Nach vorgenommenen Berechnungen sollen die Einnahmen aus dem Personenverkehr die Selbstkosten der Bahnen nicht decken, sodaß eine weitere Tarifherabsetzung nicht gut möglich ist. Auch die Gütertarife können wohl nickst mehr viel ermäßigt werden. Zum Schlüsse sprach Tröltsch über das Bestreben Preußens, die süddeutschen Bahnen mit seinem Netze zu verschmelzen. Nicht aus Begeisterung, wie Eisenbahnpräsident Thome in Frankfurt in den letzten Tagen in einer öffentlichen Ansprache hinzu- ifteUen suchte, sondern aus Not sei Hessen in die preußische Betriebsgemeinschaft eingetreten. Die anderen, besser situierten deutschen Staaten würden sich hüten, sich in ähnlicher Weise eines so wichtigen Machtmittels wie der Eisenbahnen zu entäußern und ihr Verkehrswesen unter preußische Herrschaft zu stellen. — Schutzmann 3junfer wurde aus dem Dienst der Kriminalpolizei entfernt und wird jetzt auf der Registratur des Zentralbureaus zur Führung des Einlaufregisters verwendet.
Hanau, 1. Dez. Vor einigen Tagen fand der Schmied aus Niederdorfelden, Tropp, einen sehr schön erhaltenen Hals ring aus Bronze, der höchst wahrscheinlich, aus einem Hünengrabe stammt. Ter Ring hat die Dicke eines kleinen Fingers und endigt in zwei kolbenförmigen Verzierungen; er hat noch Federkraft, und es läßt sich dar- thun, wie der Krieger, der ihn zum Schmucke trug, sich ihn nm den Hals legte.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Fulda haben die Stadtverordneten einstimmig den Oberbürgermeister Dr. Antoni auf weitere zwölf Jahre wiedergewählt. — Der Direktor der Holzindustrie», Baggerei- unb Tiefbau-Aktiengesellschaft in Regensburg, Carl Alexander, der nach Wechselsälschungen flüchtig gegangen war, ist in Frankfurt a. M. verhaftet worden. Er wird nach Regensburg überführt. Die unterschlagene Summe beläuft sich auf 84 000 Mark. — In Frankfurt a> M. ereignete sich ein entsetzlicher Unglücksfall in der Fabrik von Peter. Ein Fabrikarbeiter Namens Wilhelm Friedrich wurde während der Arbeit vom Kammrad ersaßt und geriet dabei mit dem Kopf in das Maschinengetriebe. Er erlitt entsetzliche Verletzungen. Außer einer Schädelfraktur erlitt er mehrere Quetschungen, sowie einen Bruch des Oberkiefers. Der Schwerverletzte wurde in das städtische Krankenhaus verbracht. — In Lampertheim wurde ein Sittlichkeitsverbrechen verübt an dem Töchterchen des Maschinenführers Kokerbeck auf dem Wasserwerk, als dieses mit anderen Schülern und seinem Bruder zur Schule gehen wollte. Letzterer wurde, well er auf den Unhold eindrang, mißhandelt. Sowohl der Vater als auch die Gendarmerie wurden sofort benachrich-tigt. Der Thater konnte auf dem Bahnhof verhaftet werden; er heißt Michel und ist aus Viernheim. —In Groß-Zimmern wurde in der Nacht auf Mittwoch ein frecher Diebstahl ausgeführt. Der Dieb stieg durch die Ladenthüre der in einer der belebtesten Straßen gelegenen Metzgerei des Gastwirts und Metzgers Peter Ganz, erbrach die Ladenkasse und raubte deren Inhalt .im Betrage von 300 Mark. Trotz sofortiger Anzeige und eifriger Recherche gelang es bis jetzt nicht, eine Spur des Thäters zu finden. — In Selzen feierten am Sonntag die Eheleute Jakob Hinkel in körperlicher und geistiger Frische im Kreise ihrer Kinder und Enkel das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Der Jubilar steht im 82., die Jubilarin im 75 Lebensjahre. — In Wies baden ist einem Diener auf noch unaufgeklärte Weise eine Brieftasche mit 1700 Mark, die er bei einem Speditionsgeschäft bezahlen sollte, abhanden gekommen. — Bei dem Dorfe Langenau wurde der etwa 60jährige Landwirt Währer von Enken stein aus vielen Messerwunden blutend aufgefunden. Nach feinen Angaben wurde er um Mitternacht von dem 27 jährigen Albert Arzet von Enkenftein, mit dem er vorher Streit gehabt hatte, Überfällen. Nach
Aussagen des Gerichtsarztes sind die Stichwunden lebens gefährlich.
Vermischtes.
• Köln, 1. Dez. Die Untersuchung Über die Ursache des Eisenbahnunglücks bei Buir ergab, daß eine Eisenbahnschiene mittelst starken Drahtes über das Geleise fest verrammelt war. Die Schiene hatte ein Gewicht von fünf Zentner, was die Beteiligung von mehreren Verbrechern voraussetzt. Bisher fehlt von den Thätern jede Spur.
* Gelsenkirchen, 30. Nov. Die Zahl der Typ hu s- erkrankungen im Stadt- und Landkreise Gelsenkirchen hat sich gegenüber der Vorwoche um 207 verringert und beträgt gegenwärtig, der „Gelsenk. Zig." zufolge, 660, drei sind gestorben. In der letzten Woche sind in den einzelnen Gemeinden nur vereinzelte Neuerkrankungen zur Anmeldung gekommen.
* Essen a. d. Ruhr, 30. Nov. Der Schnellzug Nr. 24 Dortmund-Köln fuhr gestern abend 7 Uhr 50 Min. bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof Düsseldorf auf eine Lokomotive. Beide Lokomotiven sind beschädigt. Eine Person ist leicht verletzt worden.
* Wien, 30. Nov. In einem hiesigen Hotel hat tn der letzten Nacht eine zugereiste frembe ca. 30 Jahre alte Dame ihr dreijähriges Töchterchen und dann sich seid st erschossen.
* Marseille, 30. Nov. Der Dampfer „Aquitaine*, welcher mit 1000 italienischen Emigranten aus Buenos-Aires zurückkehrte, hatte 150 Kinder an Bord, unter denen die Pocken ausgebrochen waren. 60 Kinder waren erkrankt und 8 bereits gestorben, sechs weitere starben nach der Landung des Dampfers.
• Madrid, 30. Nov. Auf dem an der Eisenbahn nach Andalusien liegenden Bahnhof Finanna wurden durch Entgleisen eines Zuges 27 Wagen zertrümmert. Eine Person erlitt schwere Verletzungen.
* Machico (Madeira), 30. Nov. Durch gewaltige Regengüsse wurden hier mehrere Häuser zum Einsturz gebracht. Neun Menschen sind getötet, einer verletzt worden.
* Pisa, 30. Nov. In der Glasfabrik von Mareont brach ein heftiges Feuer aus, bei welchem drei Arbeiter ums Leben kamen und zwei schwer verwundet wurden.
* Petersburg, 30. Nov. Die Kommission zur Verhütung und Bekämpfung der Pestepidenne erklärte die Stadt Konstantinopel für verpestet. Der telegraphische Verkehr mit Peking über Kiachta-Troizkosansk ist wieder her- gestellt.
* In hohem Maß amüsant ist folgender Brief Kaiser Wllhelms I. an Bismarck vom 16. Januar 1875: „Carl Meier Baron v. Rothschild ist stark am Bandwurm erkrankt beim Herannahen des Ordensfestes. Diese Krankhell vermag ich nicht zu heilen, aber Kreuzschmerzen ließen sich kurieren. Es wäre dafür anzuführen, daß er allerdings in dem Kriegs Jahre Knorrn viel für die Wohlthätigkeits Zwecke geihan hat, wofür seine Frau das Verdienst Kreuz erhalten, natürlich das Geld verwendend, was der Mann ihr gab, während er keine Auszeichnung erhielt. Will man ihn berücksichtigen, so könnte wohl nur das Comthur Kreuz. mit dem 6eckigen Stern des Hohenzollern Ordens verliehen werden, da er bereits den brillantenen Stern 2. Classe des rothen Adlers besitzt, so daß der 2. Kronen Orden mit Stern zu wenig wäre. Ich wünsche Ihre Ansicht? Wenn ich ihn döcorirte jetzt, so ist er auf einige Jahre abgefunden, bis die Krankheit wieder eintreten darf. Ihr Wilhelm. Die Minister-D^eorirungen behalte ich mir zu meinem Geburtstage vor, wie ich es bisher gemacht habe."
* Kein Vergnügen ohne — Herren. Die jungen Mädchen von Great Bend, Pennsylvania, organisierten vor
Feuilleton.
P. W. Stadttheater. Der gestrige Sonntag brachte in unserem Stadttheater die Wiedererweckung eines uralten Volksstückes vom Vater des „Kladderadatsch". „Berlin wie es weint und lacht" hatte David Kalisch seinen possierlichen Mischmasch von Joeus, Hocuspoeus, Kalauern und sentimentalem Rührbrei genannt — bei uns erschien diese drama- ttsche Missethat unter kurzerhand umgemodeltem Titel. Aus dem Worte „Berlin" im Titel war, aus leicht begreiflichen Gründen, „Das Volk" gemacht worden, und das Volk war denn auch sehr zahlreich erschienen, um mit dem lachenden und weinenden Berlin durch dick und dünn mitzuthun. Das „Vollsstück" wimmelt von Kontrasten, die ihre Wirkung auf Hie Menge nicht verfehlen. Die heitersten, scherzhaftesten Szenen wechseln jäh mit unleidlich rührseligen, melodramatisch umsponnenen Unmöglichkeiten ab. Als der selige Helmerding einst die Palette — er wollte nämlich ursprünglich Maler werden und war ein Schüler von Johannes Schalls dem Schöpfer manches bedeutenden religiösen Bildes — an den Nagel gehängt hatte und auf die Bretter gegangen war, die die Welt bedeuten, als es noch „Rixdorf bei Berlin" hieß und nicht, wie man heute fast sagen könnte: „Berlin bei Rixdorf", kurz als unsere Großväter jung und schön waren, da war dieses üble Unding dramatischen Schaffens sehr beliebt, nicht zum wenigsten wegen seiner vielen hübschen, von Ponttus und Pilatus und anderen Landpflegern und Schweizer Gipfeln hergeholten Melodien. Heute kann man sich allenfalls ein paar: Szenen noch gefallen lassen, die meisten aber sind verrostet und knarren wie alte eiserne Thürangeln. Ein paar Figuren, an denen man immer seine Freude haben kann, finb der gute Herr Quisenow und der wackere Maurer Brand, von den Herren Woisch und Ramseyer mit prächtigem, kräftigem Humor dargestellt. Auch Herr Hertzog gab eine richt gute Baucrnfigur. Frau Jenny schwang mit ganz erschrecklicher Energie ihren Pantoffel, Frl. Feige erweckte >n ihrer herzlich schlichten Art das Mitgefühl leicht empfänglicher Zuschauer mit ihrem Leidenslos, HerrZoder bemühte sich so ganymedchenhaft und arionisch als möglich zu sein, Frl. Ungar war eine überlustige und überlaute Küchen- iSanone; Herr Schneider ein Juristenjünaling vom Klub her HmmÄostn, Herr Girbach ein bis zur UnkrmMHM *er».
wandelter urgemütlicher Gefängniswärter :c. Im Ganzen ein Abend, so verloren, daß man hätte weinen mögen, wenn nicht unsere wackeren Darsteller, allen voran mit bestem Erfolge Herr Woisch, der Spielleiter des Abends, sich alle Mühe gegeben hätten, uns lachen zu machen. Man erzählt von Kalisch, daß er während der Premieren seines Stückes in der schmutzigen Blumensttaße zu Berlin herumgelaufen sei. Als wir gestern Abend, lange vor Schluß des Stückes, auf die unendlich viel schmutzigere Wallthorstraße traten, da sagten wir uns: so thöricht wie seine Stücke war der Mann doch nicht! _____
** Gießener Kvnzer tverein. Das Ivette Konzert dieser Saison, das der Kammermusik gewidmet war, wurde am Sonntag in dem großen Saale des Gesellschaftsvereins abgehalten; der seine Brauchbarkeit für derartige Aufführungen in gewohnter Weise bewährte. Frellich konnte man von einer Ueberfullung des Saales nicht sprechen; im Gegenteil konnte man gestern viele Lücken bemerken; die den Beweis lieferten, daß Kammermusik- Kvnzerte im strengen Stil stets nur eine beschränkte Anzahl wahrer Verehrer und Kenner finden. Die Ausführung des gestrigen Konzerts hatte die hier nicht mehr unbekannte Frankfurter Quartett-Vereinigung der Herren Hock, Dippel, Allekvtte und Appun übernommen, und zwar waren es Quartette von Beethoven, op. 95 in F-moll, A. Dvorak, op. 105 in As-dur und Mozart, in C-dur, die sie zum Vortrag beftimmt hatten. Die Durchführung des Programms war wicht in allen Teilen gleich glücklich, und es war namentlich das Quartett Beethovens, dem wir in Bezug auf Auflassung eine würdigere Wiedergabe gewünscht hätten; auch ttn Zusammenspiel zeigten die Künstler hier nicht die Sicherhett wie in den späteren Nummern. Reichlichen, wohlverdienten Beifall fanden dagegen die Kompositionen von Dvorak und Mozart, deren Wiedergabe in jeder Beziehung einen gefälligen- abgerundeten Eindruck machte und bei uns den Verdacht aufkommen ließ, als feien die Künstler beim Vortrag des Beethoven-Q^arteLU durch irgend eine störende Beeinflussung an der vollen Entfaltung ihres Könnens verhindert gewesen. DaS Dö-dur-Quartett von Dvorak war für Gießen eine Neuheit, die gerade durch ihre leichtere Ver- ständlichkeit und durch die Gefälligkeit ihrer Formen, die im Gelvan de einer geschmackvollen Instrumentation *ur schönsten Geltung kam; großen Anklang sand. Nicht minder war der Beifall, den die Künstler für den Dortrtm des
Auch Syer ÜM
nische Sauberkeit und gute Nuancierung zu einem schönen Ganzen, sodaß das Publikum zum vollen Genuß des herrlichen Kunstwerks gelangte. Pr.
SchlaftrunkenheitundZurechnungsfLhig- keit. Bei der jetzt so vielfach besprochenen Jnsterbur- g e r Duell-Angelegenheit interessiert vielleicht folgende Mitteilung, entnommen der Real-Encyklopädie von Eulenburg, aus dem Artikel über Zurechnungsfähigkeit von Mendel, Professor der Psychiatrie in Berlin. „Die hier zu erörternden Zustände von Bewußtlosigkeit treten unter folgenden Umständen auf: 1. Schlaftrunkenheit (Somno-, lentia). Bei plötzlicher Unterbrechung des Schlafes tritt bei manchen Personen, die durch Anlage oder vorübergehend wirkende Momente (starke Ermüdung, Uebermaß geiftiger Getränke vor dem Schlafengehen, Hitze und Verunreinigung der Luft im Schlafzimmer usw.) dazu prädisponiert sind, ein Zustand ein, in dem die äußeren Sinne zwar sofort im stände sind, auf die Reize der Umgebung zu reagieren, die Bewußtlosigkeit des Schlafes aber noch nicht über noch nicht vollständig beseitigt ist, und somit die Sinnesbilder nicht zur normalen Perception getanaen können. Dieselben vermischen sich mit den Bildern des Traumes, führen zu verkehrten Urteilen und Schlüssen, und damtt unter Umständen zu entsprechienden Handlungen. Der Zustand ähnelt demjenigen, in dem das Selbstbewußtsein durch, Alkoholgenuß erheblich aUeriert ist; daher auch der Name Schlaftrunkenheit. Tiefer Zustand dauert in der Regel nur eine oder wenige Minuten, und löst sich, indem das erwachende Bewußtsein Sinnestäuschungen von Sinnes- wahrnehmungen iohjettiver Gegenstände, Träume von wirklich Vorhandenem zu unterscheiden versteht. In leichteren, Fällen verspürt der Schlaftrunkene nur eine gewisse Verwunderung über das, was er Ungewöhnliches erfahren, in schweren Fallen kann es bei einem int Traum bereits in heftige Erregung gesetzten Hirn durch entsprechende Hallux cinattonen oder unrichtig gedeutete Vorkommnisse in der Umgebung im Moment des Ueberganges des Schlafes in die Schlaftrunkenheit zu gewaltthätigen Handlitngen kommen. Im übrigen gehören' berarhge Fälle zu den großen Seltenheiten, in der Regel erfolgt das Erwachen, ehe es zu jenen Handlungen kommt oder im ersten Beginn der Ausführung. Eine größere Reihe der Fälle, in denen ein Zustand von SomNolentia als Ursache der Bewußtlosigkeit angegeben wird, gehört unter die epileptoiden Zustände.^


